Diario de un pirata – Tagebuch eines Piraten

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Diego Cuervo

Diario de un pirata – Tagebuch eines Piraten

Beitrag von Diego Cuervo »

I. Über Windeln und Belagerungen

22. Cirmiasum 257

Hätte mich vor der Belagerung jemand gefragt was wohl am unwahrscheinlichsten im Lager passieren würde, dann hätte ich auf eine Geburt getippt. Aber anscheinend hab ich bis zum gestrigen Tag Kiara völlig unterschätzt.
Aber alles von Anfang. Nach dem letzten Gefecht – ich glaube es war vorgestern – bin ich mit Korlay patroulieren gegangen. Wir sollten die Umgebung sichern und fanden dabei überraschenderweise die hochschwangere Kiara. Ich bin nun mehr denn je sicher, dass sie nichtmehr alle Rumflaschen im Schrank hat. Jedoch befürchte ich, dass sie mich auch nicht viel intelligenter einschätzt, sicher der Grund warum eine eisige Distanz zwischen uns herscht. Wäre sie nicht mit meinem Kind schwanger, hätte ich sie vermutlich einfach liegen gelassen. So viel Dummheit kann man unmöglich tolerieren. Aber dank der aufquillenden, verstörenden Vatergefühle in mir hab ich den kleinen Wal in Sicherheit gebracht. Zumindest dachte ich das.
In der festen Überzeugung Kiara sei in wohliger Sicherheit kehrte ich ins Lager zurück und wurde heute eines Besseren belehrt. Ich höre immernoch die Stimmen der Wachtmeister in meinem Kopf, die meinen Namen durch das halbe Lager brüllen. Da sei ein Heiler der Ketzer und eine Hochschwangere, die nach meiner Person verlangt. Ich dachte schon ich hab irgendwann im Suff aus versehen jemanden geschwängert, aber nein da ist mein ehemaliges Mädchen zusammen mit Torjan. Den Alten mit der seltsamen Aussprache hab ich sogleich wieder erkannt, er stellte damals mit einer seltsamen Methode fest, das Kiara schwanger ist. Sie musste auf eine Kröte pinkeln oder ähnliches, so genau möchte ich mich nicht daran erinnern.
Nach gegenseitigem Fauchen und der Darbietung von Verachtung gegenüber dem Heiler wurden die beiden ins Lazarett verfrachtet. Ich bin froh, dass sie Torjan nicht gleich abgestochen haben – mir wurde gesagt kurz nach der Geburt wurde das nachgeholt – denn immerhin hat er mir ein winziges Mädchen aus Kiara hervorgezogen. Wie er das so schnell geschafft hat möchte ich nicht so genau erörtern. Vermutlich wäre ich anstelle meiner Tochter auch fluchtartig hervor gerutscht, wenn mich ein alter Kerl ermutigt 'Wuserl, dei Mama will dich sehen. Du bist scho sooo groß, kannst jetzt rauskommen'. Ich hab mir festgenommen niemals auch nur ansatzweise in einer solchen Ausdrucksweise mit meiner Tochter zu sprechen. Das ist doch verstörend.
Auch wenn ich erfahren hatte, dass Kiara zu dem Zeitpunkt vor zwei Tagen verletzt war und von den Ketzern im bewusstlosen Zustand in Bajard eingesammelt wurde obwohl ich sie in Grenzwarth wissen wollte, so wurden diese Gedanken schlagartig ausgelöscht, als ich den Balg zu Gesicht bekam. Ich kann ihr nicht böse sein, ich werde ihr das auch nicht im Nachhinein vorwerfen, da ich einfach nur froh bin, das beide Weiber noch leben. Die Kleine – sie wird Sarah heißen – ist mickrig und schaut noch ganz zerknittert drein. Wenn sie schreit quakt sie herzzerreissend süß und ihre Augen sind so klar und blau wie ein Bergsee. Ich würde mir einbilden sie hat ganze drei Härchen, die eindeutig meinem rabenschwarzen Schopf entsprungen sind.
Es ist seltsam, dass sich mit einem Mal alle Aufmerksamkeit auf das winzige Geschöpf bündelt. Die Letharen wollten die Kleine augenblicklich segnen, um zu verhindern das sie auch nur einen Hauch von Ketzereinfluss abbekommen könnte. Auch als ich Jexxe dreimal versichert hab, das Kiara ebenso gewissenhaft dem Reich dient wie ich wollte sie nicht hören. Daraufhin meldeten sich auch noch Rabendiener zu Wort. Diese kapuzenverhangene Gruppe manifestiert sich schneller als man schauen kann. Seltsamerweise waren ihre Worte wohlgesonnen, was mich sehr überrascht hat. Mich hat der Anblick des kleinen, unwissenden Geschöpfes in Drakhon's Krallenfinger beunruhigt und verstört aber in gewisser Weise auch fasziniert. Ich musste daran denken, das auch er vor langer Zeit einmal ein liebender Vater war und ein Balg aufgezogen hat. Aber ich glaube Sarah hat die Augen brav geschlossen gehalten und wird sich nicht an den gruseligen Alten erinnern, hoffe ich.

Abgesehen von all dem Tumult gestern konnte ich nur nochmal verinnerlichen, was Kiara für eine starke Frau ist. Nicht nur, dass sie unser Kind in einem dreckigen und überfüllten Lager zur Welt gebracht hat und mich dabei wieder Erwartung kaum angebrüllt hat, sondern auch, dass sie direkt nach der Geburt ihr Schwert zurück verlangt hat. Das hab ich ihr gewissenhaft abgeknüpft, als sie sich hochschwanger in ihre Rüstung quetschen wollte. Ganz abgesehen davon das sie zu dem Zeitpunkt verletzt war und mich trotzdem noch zurecht weisen konnte das Maul zu halten. Dennoch kam die Erschöpfung danach sehr schnell und kaum, das sie einen Blick auf ihre Tochter geworfen hat war sie schon weg gedöst.
Zwar bin ich jetzt mit dem Balg zuhause, aber weder das warme Bad noch das bemühte Windeln wechseln kann Sarah von ihrem aufkeimenden Hunger ablenken. Die Kleine braucht ihre Mutter, die noch im Lager liegt. Ich wollte sie gestern nichtmehr bewegen, da der Heiler mich warnte. Mein erster Weg führt mich kurz nach dem Morgengrauen an die Grenze, wo ich die Mutter einsammle und hoffentlich unbeschadet nach Hause bringe.
Natürlich ist die Belagerung für mich damit nicht zu Ende. Ich muss und werde weiter dienen, im zweifelsfall mein Leben riskieren, auch wenn sich das derzeit überaus verantwortungslos anfühlt. Insgeheim hatte ich gehofft, das die Geburt bis nach der Belagerung aus bleibt, aber es liegt nicht in meinen Händen sondern in der Natur. Da die Kleine gesund und munter ist und sicher bald mühelos das Haus zusammen brüllen kann, hätten auch zwei Wochen länger in Kiara's Bauch nichts mehr gerichtet. Sie ist eben die Tochter von zwei recht speziellen Menschen und daran lässt sich nicht rütteln. Auch wenn ich mit Kiara in einem stillen Klinsch liege, können wir hoffentlich trotzdem ganz brauchbare Eltern sein.

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Diego Cuervo

Beitrag von Diego Cuervo »

29. Cirmiasum 257

Die rahalische Armee schreibt mittlerweile den vierzehnten Belagerungstag. Es ist meine erste Belagerung, aber bei dem Weg den ich eingeschlagen hab bestimmt nicht meine Letzte. Die erste Woche war sehr konfliktreich. Ein reines Durcheinander aus Befehlen und Gefechten. Der Ball ging vom Reich zu den Ketzern und zurück. Kaum, dass die Verletzten notdürftig versorgt waren, kam schon der nächste Befehl zur Alarmbereitschaft.
Dafür war die zweite Belagerungswoche um so ruhiger, was das Geräusch von aufeinandertreffendem Stahl angeht, das die Woche davor noch so allgegenwärtig war. Wenn die Torwachen ewig währen und die Hoffnung auf eine Besetzung geringer, dann schwindet auch die Motovation. Aber nicht bei der Garde, denn wir sind eigentlich nur dafür da, um zu sichern. Ich bin froh, dass die zweite Woche so ruhig verlief, denn plötzlich war es wichtig, dass ich mir keine schweren Verletzungen zu ziehe beziehungsweise am Leben bleibe. Einerseits ist Familie eine Schwäche, die einen nur zu leicht verletzbar macht, aber ich versuche dankbar dafür zu sein, das jemand auf mich wartet.
Erst gestern musste ich erleben, wie schnell aus diesem wohligen Heimatgefühl Verzweiflung und Angst werden kann. Aus der Ferne war ein Feuer in Grenzwarth zu bemerken. Natürlich war mir klar, dass die Ketzer es früher oder später auf Grenzwarth absehen, vor allem nach unserer Ablenkungsaktion in Junkersteyn. Und nachdem wir ihnen gestern stinkende, untote Käfer ins Wohnzimmer katapultiert haben, waren sie wohl stinksauer. Dennoch konnte ich nur an eins denken: meine Tochter. Ich vertraue auf Kiara's kämpferischen sowie mütterlichen Fähigkeiten, deswegen hab ich versucht mir keine Sorgen zu machen. Als ich aber nach Grenzwarth geschickt wurde, um mir einen Überblick zu verschaffen, konnte ich nicht anders als am Haus vorbeireiten.
Ihr verzweifeltes Krächzen war allgegenwärtig. Es riss mich förmlich aus dem Sattel und lockte mich ins Haus. Von Kiara war keine Spur, was mich im ersten Moment wie einen Schlag in die Magengrube traf. Sarah war alleine, hilflos und wäre ich nicht vorbei gekommen ... Darüber will ich nicht einmal nachdenken. Mir blieb nichts andres übrig als sie ins Lager mitzunehmen, eine Sache die ich bereits schwer bereue.
Ein Lager ist kein Ort für einen Säugling. Es ist dreckig, laut, voll und gefährlich. Ganz abgesehen davon, dass ich die Kleine nicht füttern kann. Der Schock sitzt tief und ich wage es nicht zu mutmaßen, was sich Kiara dabei gedacht hat. Ich erinner mich noch zu gut an vorgestern, als ich Kiara beim Rauchen erwischt hab, während sie neben dem Gitterbett sas. Ich musste reagieren und es war nicht verwunderlich, dass sie mir das in ihrer Erschöpfung übel genommen hat. Aber sie ist erwachsen und eigentlich fähig darüber hinweg zu kommen. Oder scheinbar auch nicht. Das macht mich unsagbar wütend.
Schwer zu sagen, ob sie so geistesgegenwärtig war ein Kindermädchen zu organisieren, ich sah von besagter Person jedoch nichts. Vielleicht ist sie vor Angst geflohen – der Gestank von Qualm, der vom Grenzturm herüberzog war bitter und intensiv im Haus gestanden – oder hat sich im Keller versteckt, wo ich im Eifer des Gefechts nicht nachgesehen hab. Aber mit einem Kindermädchen ist es nicht getan. Sarah braucht Nahrung und die kann ihr bekanntermaßen nur ihre Mutter geben.
Auch wenn ich hoffe, dass Kiara sich rasch wieder einfängt und zurück kommt, so nutze ich den Augenblick ihrer Abwesenheit, um sie dafür zu bestrafen. Ich werde ihr Querstellen übergehen, das sie an den Tag gelegt hat, als es um ein Kindermädchen ging, das ich im Sinn hatte. Immerhin ist das Mädchen nebenan und wartet nur auf ihren Einsatz.

Womit ich zu Eleanor komme, Elly oder 'Nichts'. Ich bin selbst restlos überfordert, welcher Name ihr denn tatsächlich zustehen würde, wenn sie nicht in ihrer derzeitigen Situation wäre. Sie ist eine ketzerische Liedwirkerin, eine rothaarige Frau mit kindlichen Sommersprossen und weichen Zügen. Mein Nachbar, einer dieser Rabendiener hat es schon seit Langem auf das unschuldige Ding abgesehen. Ich weiß nicht was sie sich zu Schulden kommen ließ, aber der Rabe hat meistens seine Gründe. Er ist schlichtweg zu faul seinen knittrigen Hintern aus dem majestätischen Haus zu bewegen, wenn sich der Weg nicht lohnt.
Zu meinem Bedauern muss ich eingestehen – ohne Mitleid für die Ketzerin – dass Drakhon das Schlimmste ist, was dem Mädchen passieren konnte. Ich konnte mir nur im Entferntesten vorstellen, was er und seine Gehilfin mit ihr angestellt haben, als ich die Wunden gesehen hab. Da der Rabe nur ein rießiges, überflüssiges Blutbecken vorweisen kann, sollte ich mich darum kümmern das Mädchen zu waschen, verbinden und gesellschaftstauglich zu machen. Im Grunde wirkt sie, als hätte ihr Verstand völlig ausgesetzt. Sogar alltägliche Dinge, gar Bewegungen fallen ihr schwer oder sind einfach vergessen oder verdrängt worden. Immerhin lernt sie schnell und effektiv.
Aber sie hat Potential Befehle wortgenau zu befolgen und ihre Unterwürfigkeit ist vorbildlich. Dank der Hexenstahlfesseln, die ihre magischen Fähigkeiten unterdrücken, stellt sie auch kein großes Risiko dar. Natürlich würde ich keine hörige Ketzerin als Kindermädchen für mein Ein-und-Alles in Erwägung ziehen, ohne sie auf Herz und Niere geprüft zu haben. Ich vertraue auf die Fähigkeiten des Raben, auch wenn das vielleicht ungewöhnlich sein mag. Er macht sein 'Geschäft' seit Jahrzehnten und weiß genau, auf welche Zeichen er achten muss.
Dazu kommt leider das hohe Maß an Überforderung, das mich gerade auf die Probe stellt. Ich möchte mir vor Frau Hauptmann und meinen Kammeraden nichts anmerken lassen und weiterhin in bester körperlich und geistlichen Verfassung meinen Dienst antreten. Natürlich ist es ein Wagnis, aber ich erhoffe mir einen reibungslosen Ablauf. Auf Verfehlung steht Schmerz oder der Tod, was Elenor durchaus bewusst ist. Doch bisher gibt sie sich vollste Mühe ihren Nutzen unter Beweis zu stellen. Ich hoffe ich werde diese Entscheidung nicht bereuen.
Diego Cuervo

Beitrag von Diego Cuervo »

II. Von stuermischen Tagen und sicheren Häfen

10. Searum 257:

Das Leben ist wie der Ozean.
Unendlich, rau, wechselhaft und unkontrollierbar.
Das Meer ist eine unbezwingbare Naturgewalt, das sich von nichts und niemandem steuern lässt.
Wenn man mit dem Schiff in See sticht muss man sich den drohenden Gefahren gewiss sein, sonst ist man nicht mehr als ein Narr. Das Wetter wechselt im Handumdrehen, die Wellen folgen keinerlei Vorgaben und der Meeresgrund ist – welch Wortspiel unergründlich. Schwarze Tiefe unter einem und unendliche Weiten um dich herum.
Der einzige Anhaltspunkt ist der Wind und der Stand der Sonne, die dir unerbittlich ins Gesicht brennt. Wenn man ohne konkretes Ziel aufs weite Meer hinaus segelt, kann man von den schier unendlichen Möglichkeiten übermannt werden. Du könntest auf eine Insel stoßen, einen Schatz finden und reich werden oder in den nächstbesten Sturm segeln, der dich mühelos verschlingt.
Alles ist offen, alles ist möglich und niemand kann dir sagen was du vielleicht verpasst, wenn du dich auf einen Kurs festgelegt hast.
Wenn du einen Cabezianer fragst, dann wäre es eben dieses Gefühl auf See zu sein das, was sein Leben ausmacht. Vollkommene Freiheit im Angesicht der Natur. Die einzig bestehende Regel ist zu Überleben. Ob man dafür töten und plündern muss ist egal.

Auf dem Meer gelten andere Regeln als auf dem Festland und doch ist es im Grunde ein und das selbe.
Zwar ist auf dem Festland der Weg unter deinen Füßen fest und absehbar, aber dennoch nicht vorhersehbar. Man muss seinen Kurs, seinen persönlichen Weg finden oder ein Leben lang im Kreis rennen. Wenn man in eine Richtung rennt – ganz gleich wie entschlossen – nur um dann wieder umzudrehen, hätte man sich die Kraft auch gleich sparen können. Am Ende ist es egal für welchen Weg du dich entscheidest, auf jedem ist der Untergrund mal grobkörniger oder du gerätst in einen Sturm. Dann ist es nicht an der Zeit zu Zweifeln und zu denken, dass dir dies auf anderem Wege vielleicht erspart geblieben wäre. Man sollte sich auf die sonnigen Tage freuen, die nach einem Unwetter nicht lange auf sich warten lassen. Wenn ein Fels auf deinem Weg liegt, dreh nicht um, sondern such dir einen Weg drum herum, so wie es das Meer tun würde. Auch das Meer schäumt bei einer so unwillkommenen Begegnung, aber nach Kurzem ist das Wasser wieder ruhig und klar.

Das Wichtigste ist sich nicht auf den Weg zu konzentrieren, dessen Ende noch lange nicht in Sicht oder vielleicht nicht mal bekannt ist. Fokussier dich auf jeden Schritt, jede Etappe oder jeden Tag. Wenn du plötzlich anfängst zu rennen, musst du bald ruhen, um die verlorene Kraft wieder zu sammeln. Trotzdem kommst du nicht schneller voran.
Manchmal geht der Weg fast nur geradeaus, langsam mit nur wenigen Kurven ohne Anhaltspunkt ob du noch auf dem richtigen Pfad bist und ohne Sicherheit, dass deine Schritte dich noch auf gleiche Weise voran bringen wie Meilen zuvor. Diese Gedanken beschleichen mich derzeit, obwohl es eigentlich vollkommen unlogisch ist. Man dreht nicht einfach um, ohne es zu merken. Jeder Schritt, jede Bemühung zählt, auch wenn der Fortschritt selbst irgendwann nurnoch schwammig erkennbar ist, weil es nur noch Nuancen sind. Man läuft auf etwas zu, eine nächste Etappe, einen weiteren Rang, wohlmöglich auch nur eine verbesserte Version seiner selbst.

Auch wenn es eigentlich nur darum geht einen Fuß vor den anderen zu setzen und man die Motivation dazu nicht verlieren darf, so erleichtert es einem ungemein, wenn der Weg von Pfeiler begrenzt wird. Aber keine Exemplare aus Holz, die lediglich zur Begrenzung dienen, sondern welche aus Fleisch und Blut. Menschen, die dir nahe stehen und dir einen sachten Schubs zurück in die Mitte des Weges geben, wenn du drohst davon abzukommen. Die dich anfeuern und zum weiter gehen motivieren, auch wenn du umdrehen willst.
Ich bin sehr froh, das ich diese Wegbegrenzer hab, meine sicheren Häfen, sonst wäre ich schon längst stehen geblieben.

Korlay Bruchsteig:[img]http://s14.directupload.net/images/140910/fpj2uvt4.gif[/img]

Ich dachte nicht, dass ich jemals irgendwen meinen Waffenbruder nennen würde, aber bei ihm ist es so. Schwer zu glauben das dieser Mann so alt ist wie ich, denn manchmal geht es in seinem Kopf zu wie auf einem Kindergeburtstag. Dennoch würd ich mein Leben in seine Hände legen, obwohl er nicht mal ein Pirat ist. Fraglich ob er das auf selbe Weise tun würde, aber ich würde ihn auf jeden Fall vor Unheil bewahren.
Vielleicht ist es eben diese Naivität, die mir das Gefühl gibt auf ihn aufpassen zu müssen. Er kommt mir vor wie ein kleiner Bruder, dem ich die Welt zeigen muss. Ihn mit zwei Charakterzügen zu beschreiben würde wohl auf gutgläubig und ehrenhaft hinaus laufen. Korlay glaubt so strikt daran, das der Weg den man einschlägt der Richtige ist, dass er die Realität manchmal etwas vergisst. Abgesehen davon hat er so viel Ehrgefühl, das sich ganz Rahal eine Scheibe von ab schneiden könnte und immer noch genug übrig wäre. Eigentlich wär er der geborene Ritter, aber da die meisten arrogante Schnösel sind ist es vielleicht garnicht so schlimm, das er wohl kein Knappe wird.
Manchmal frage ich mich, ob er mich wirklich respektiert, seitdem ich ihn zum Trabanten hoch gezogen habe oder ob er nur sonst niemanden hat. Vielleicht amüsiere ich ihn auch nur oder der Nutzen meiner Fähigkeiten was das Kisten knacken angeht überwiegt. Woran auch immer es liegt ich will den Kerl nicht mehr missen, die wohl einzige Landratte. die ich wirklich als meinen Amigo bezeichne. Mir bleibt nur zu hoffen, das er nicht so töricht ist mir gänzlich zu vertrauen, denn eines Tages werde ich ihn alleine lassen müssen. Bleibt zu hoffen, dass dieser Tag noch in ferner Zukunft wartet.
Zuletzt geändert von Diego Cuervo am Freitag 23. Januar 2015, 14:10, insgesamt 3-mal geändert.
Diego Cuervo

Beitrag von Diego Cuervo »

23. Searum 257

Provost – Das Wort verfolgt mich die Tage. Einen Wochenlauf ist es nun her und ich gewöhne mich langsam an den neuen Rang. Was bis vor Kurzem noch so erstrebenswert und weit entfernt war, fühlt sich bereits gewohnt an. Seltsamerweise war es für meine Kammeraden absehbar, im Gegensatz zu mir. Ich seh nur in Grauzonen, versuch keine Hoffnung oder Euphorie aufkommen zu lassen und konzentrier mich nur auf mein Tun. Anscheinend hat es geholfen.
Unser Hauptmann weiß, wer ihr nützlich sein kann und wenn sich derjenige bewährt zögert sie nicht lange. Es macht mich gleichermaßen etwas stolz aber auch stutzig, denn ich verlier nicht aus dem Hinterkopf das ich für sie sicherlich ein uneinschätzbares Risiko darstelle. Sie kennt die Insel gut genug, um zu wissen welches Temperament jedem Cabezianer anhängt und vielleicht hegt sie auch etwas Misstrauen gegen mich. Zumindest bin ich zufrieden und, auch wenn das in meinem Hinterkopf für mich das Ende der Fahnenstange ist ruh ich mich auf dem Posten bestimmt nicht aus.
In gewisser Weise unterscheidet sich die Garde nicht einmal so viel vom Pack. Ein Haufen von Leuten, die sich Kammeraden nennen und manchmal doch Neid hegen und raushängen lassen wollen, wer den Größten hat, um schließlich doch klein bei geben zu müssen. Und doch ist ein unausgesprochener Zusammenhalt vorhanden, der einen im Ernstfall daran erinnert, auf seine Schäfchen aufzupassen. Sowie daran, das es die nächste Generation ist, wenn du in einer Schlacht fallen solltest oder auf See ertrinkst.

Was das Ertrinken angeht, war ich recht überrascht als Nora mich in Rahal aufsuchte, um mir Schwimmunterricht zu verdonnern. Zusammen mit ihr und Yvette durfte ich etwas planschen und hab erschreckenderweise Fortschritte gemacht. Artig wird jetzt jeden Tag in dem See vor Düstersee geübt – oder zumindest jeden zweiten, der Herbst kommt und es ist verdammt kalt. Nagut, zumindest jeden Dritten, ganz bestimmt!
Meine Mentorin wäre von meiner Disziplin sicherlich beeindruckt. Wo wir gerade bei ihr sind, ich hab dieser Frau bereits jetzt schon sehr viel zu verdanken. Zeit einen weiteren sicheren Hafen aufzuführen.

Vicaria Treublatt:[img]http://s14.directupload.net/images/140910/fpj2uvt4.gif[/img]

Ich lernte die Vicaria – damals noch Catula – bei meinem ersten Gebotsunterricht als Landsknecht kennen. Ich wusste in etwa was mir bevorsteht und hab dementsprechend vorher einige Bücher gewälzt, da sich ihr Glaube nicht wirklich für mich erschließt. Bei ihrem Vortrag wurde mir bewusst, das es eigentlich ganz stimmige Passagen gibt, wie beispielsweise ein Aufstieg innerhalb der Hierachie durch eigene Stärke, nicht durch einen Name. Ich hab versucht mich ein wenig einzubringen und scheinbar hat es Anklang gefunden. Vermutlich liegt es daran, das man einem Cabezianer keine große Intelligenz anmaßen würde. Zumindest hat es gereicht, um mir ein Einzelgespräch zu verschaffen. Ich muss wirklich einen guten, denkerischen Tag gehabt haben, denn von da an rückte sie von ihrer Behauptung nicht mehr ab ich wäre ein vorbildlich gläubiger Gardist.
Sie wurde zur Vicaria in etwa als ich Trabant wurde und der Rang stand ihr gut. Vielleicht lag es daran, das sie nun mehr Möglichkeiten hatte, aber sie wirkte souveräner, gar dominanter. Schließlich erwischte sie mich in einem Moment des Zweifels und beschloss, das sie mich anleiten wollte. Sie merkte, das der Mann in der Uniform ein anderer ist als ohne, eine Tatsache, der ich nicht widersprechen konnte. Wo ich vorher Zweifel hatte und mir zu viele Gedanken über die Worte und Meinungen meiner Kammeraden gemacht hab, verpufften diese einfach und ich konnte mich einfach darauf konzentrieren, was sie mir vorgibt. Mit den richtigen Schubsern in die richtige Richtung war es plötzlich nur noch ein Katzensprung zum Provost. Ein Rang, der es mir erlaubt jemanden von ihrem Stand zu beschützen.
Meine Mentorin lehrte mich auf eine respektvolle Weise dominant und bestimmt zu sein, nicht aus einer Laune heraus. Sie zeigte mir, das ich genauso wie sie bei mir Fehler sehen soll, die meine Kammeraden machen, aber sie dafür nicht rügen soll sondern konstruktiv damit umzugehen.
Seitdem fühl ich mich selbstbewusster, was sich nicht nur auf die Garde sondern mein ganzes Leben auswirkt. Zudem hat sie auch zu verschulden, das mich endlich eine Frau wahr nimmt.



Recht zeitgleich mit der Beförderung verfestigt sich die Tatsache, dass ich einer Rahalerin verfallen bin. Mittlerweile überwiegt auch das Gefühl, das es passt dem Gefühl, das es falsch ist. Ich versuch dann immer an Dieto zu denken, der auch mit einer Rahalerin zusammen ist und das scheinbar recht glücklich. Es ist vielleicht Irrsinn mich mit Dieto zu vergleichen, den abgesehen von der Ahnlichkeit seines Spitznamens mit meinem haben wir kaum was gemein. Ich glaube sogar er trägt heimlich Frauenunterwäsche.
Der große Vorteil bei einem alatarischen Weib ist schlichtweg, das Liebe nicht die Essenz einer Beziehung ist. Um zu überzeugen – und es hat lange gedauert bis ich das kapiert hab – musst du ihr nur weiß machen, dass sie schlichtweg keinen anderen Mann mehr braucht als dich. Dadurch entwickelt sich wie von selbst Treue. Wenn man ihr dann noch beweist, dass man sie beschützen kann und das nicht versucht indem man sich breitbeinig vor einen Drachen stellt, dann steht auch der Geborgenheit nichts mehr im Weg. Was will eine Frau mit einem Kerl, der sich durchgehend mit ihr wegen irgendwelchen Kleinigkeiten streitet. Wenn sie zufrieden lächelt muss man lediglich dafür sorgen, das es so bleibt, nicht darüber nachdenken wie sie vielleicht noch einen Hauch mehr lächeln würde.

Kysira Bagosch: [img]http://s14.directupload.net/images/140910/fpj2uvt4.gif[/img]

Wenn ich neben ihr aufwache – und es ist recht lange her das ich die Ehre hatte neben einer Frau aufzuwachen – dann löscht das jeden Selbstzweifel wie von selbst aus. Kysira ist eine Frau mit Ecken und Kanten und eine Frau mit einer Obsession zur Körperkunst. Zierlich und auf ihre Weise so schön, das sich sogleich mein Beschützerinstinkt gemeldet hat, ganz abgesehen von dem Wunsch, sie soll mir gehören.
Die Sache hat sich jedoch über eine lange Zeitspanne entwickelt und bis jetzt hätte ich voller Überzeugung abgestritten, dass ich sie jemals so in den Armen halten würde und das Gefühl hab, sie meint es ernst. Als ich aufs Festland gezogen bin hat es mich des Öffteren in den Hort des Wissens gezogen, ein Ort der vor Büchern nur so überläuft. Ehrlich gesagt hab ich den verstaubten Büchern in den Regalen einiges zu verdanken, denn es ist sehr viel leichter bei einem Unterricht zu glänzen, wenn man einen Spickzettel dabei hat. Selbst Schuld wenn die anderen ihre Köpfe rauchen lassen, um die richtige Antwort zu finden und ich nur einen Blick auf den Pergamentfetzen werfen muss.

Zumindest hab ich dort häufig Kysira getroffen, die Leiterin des Horts. Ich konnte mich vage erinnern, das ich mit ihr schonmal einen Drachen erlegt hab und sie dabei eine tiefschwarze Robe trug, also dementsprechend dem Orden der Arkorither angehört. Denen wird nicht nur Unberechenbarkeit und Temperament nachgesagt sondern auch Kontrolllosigkeit, wenn man sie reizt. Wir hatten einen kleinen Flirt, aber ich war eigentlich auf der Suche nach etwas langfristigem, was für die Magistra nicht in Frage kam.
Es lag also schließlich - als sich mein kurzzeitig aufgeflammtes Interesse wieder verlaufen hatte – an der Vicaria uns wieder aufeinander aufmerksam zu machen, da die beiden wohl Vertraute sind. Mir kam es fast schon lächerlich vor wie einfach es ist sich in Gesellschaft einer Frau zu begeben, wenn man einfach gesagt bekommt, was man tun soll und den Rest verboten bekommt. Vermutlich hab ich es meinem unüberstürzten Handeln und der guten Führung zu verdanken, dass Kysira ihre Meinung geändert hat. Nach eineinhalb Monaten und in aller Ruhe wagen wir uns langsam zusammen in die Öffentlichkeit, aber spätestens wenn sie mich zu Ahad Crain's und Enomis' Hochzeit begleitet kommt sie aus dieser Nummer nicht mehr so schnell raus. Nicht wenn ich es zu verhindern weiß.
Diego Cuervo

Beitrag von Diego Cuervo »

24. Alatner 257:

Der Winter kam viel zu schnell. Es wurde windig und überall fiel Schnee, der sogar die schwarzen Mauern Rahals irgendwie besänftigte. Es ist das erste Mal, dass ich mich mit Schnee auseinander setzen muss und ehrlich gesagt ich hasse dieses Zeug. Welchen Zweck hat der überhaupt?
Anscheinend kann man mir diese Umgewöhnung ansehen, denn die Garde hat mir zur Beförderung einen Satz gefütterte Klamotten geschenkt, sowie einen Schal. Sowas hab ich noch nie getragen, aber irgendwie ist es ja ganz kuschlig.
Wieder eine Beförderung, diesmal Wachtmeister, aber irgendwie fehlt es mir diesmal an Zweifel. Ich hab das Gefühl, dass es so gerechtfertigt ist. Vielleicht glaube ich mittlerweile an mich und brauch nicht mehr die Worte der Vicaria, um das zu tun.
Aber mit der Beförderung kam noch etwas anderes, was mir unwahrscheinlich viel Kraft und Selbstvertrauen gibt. Ehrlich gesagt krieg ich das selbstgefällige Grinsen kaum mehr aus dem Gesicht und das ist für mich noch immer recht ungewohnt. Ich bin mit einer Magistra verlobt, mit 'meiner Magistra'. Auch wenn sie es gelegentlich noch beharrlich abstreitet findet sie doch Gefallen an diesem Modell des Zusammenseins. Ich wache jeden Morgen auf und halte sie in meinen Armen, weil wir intuitiv darauf besetehen zusammen einzuschlafen. Wenn sie spät Abends noch zu mir kommt, dann frage ich nicht warum, sondern sehe es schon als selbstverständlich. So weit ist es also gekommen. Es sind diese kleinen Momente, in denen sie mich ansieht und ich in ihren Augen die Zuneigung sehe, die ich brauche. Dazu muss sie nicht ihre Gefühle in Worte fassen oder sich an möglichen Formulierungen aufhängen, denn das liegt ihr genauso wenig wie ein romantischer Ring, als Zeichen, dass sie zu mir gehört.

Vor einem halben Jahreslauf hab ich von diesen Dingen noch geträumt und hätte wohl mein spärliches Vermögen darauf verwettet, dass so etwas nie passiert. Als ich im Sommer in Rahal zur Garde gegangen bin, auf den beharrlichen Schubs einer gewissen Selina hin, hab ich nach dem ersten Apell heimlich ihren Mann angehimmelt. Arsen war zu diesem Zeitpunkt Wachtmeister, und das mit so einer Souveränität, dass ich mir noch immer eine Scheibe davon abschneiden kann. Aber dazu später mehr, denn wer ist eigentlich Selina?

Selina Talmar:[img]http://s14.directupload.net/images/140910/fpj2uvt4.gif[/img]

Ich erinnere mich noch gut an einen privaten Besuch bei der Schneiderin Tara Drugar, als Selina ebenfalls dort vorbei schaute. Sie war mir eher flüchtig bekannt, da ich ihr vor Längerem etwas Leder abgekauft hab. Immerhin tötete sie gern große, hässliche Viecher, was einen gewissermaßen auf einen Nenner bringt. Ich wusste zu dem Zeitpunkt nich sonderlich viel mit mir anzufangen, also riet sie mir bei der Reichsgarde vorstellig zu werden. Vielleicht wär's ja was für mich? Lernen könnte ich dort sicherlich was, aber große Chancen hatte ich mir als Cabezianer nicht gemacht.
Es gefiel mir dennoch und ich war in den ersten Wochen etwas übereifrig. Der Vorteil war, dass ich die ein oder andere private Lehrstunde von Selina erhielt, die damals Provost war. Der Nachteil jedoch, dass es Frau Hauptmann nicht im Geringsten gefiel, als ich dann ungeduldig wurde, sobald sich meine Akte füllte. Damit waren die morgendlichen Plausche mit Selina Vergangenheit. Auch wenn ich damit den Stand des bemutterten Kükens verlor, gewann ich doch sehr viel. Die Kursänderung war schmerzhaft aber nötig und irgendwann hat es sich dann bewährt, dass Selina ziemlich überzeugend sein kann.
Sie hat immer an mich geglaubt, sich aber auch nicht gescheut mir die Meinung zu sagen, wenn ich Scheiße gebaut hab. Und das auf eine persönlichere Art, als Frau Hauptmann es gekonnt hätte. Kein Wunder, dass Selina mittlerweile ihre rechte Hand ist. Deswegen hat sie auch ihren Mann mit ins Boot gezogen, als sie merkte, dass sie noch mehr herauskitzeln kann.


Arsen Talmar:[img]http://s14.directupload.net/images/140910/fpj2uvt4.gif[/img]

Arsen war immer das, was ich gern sein wollte. Souverän in seinem Posten, respektiert von seinen Kammeraden, ehrlich, intelligent und berechnend. Ganz abgesehen davon mit einer Frau wie Selina verheiratet. Auch wenn er im Dienst kühl und streng wirkte, so entgingen mir nicht die subtilen Blicke und Berührungen, die er gelegentlich mit Selina austauschte. Sie legen eine Zusammenarbeit an den Tag, die jedem ein Vorbild sein sollte. Es ist nicht immer einfach im Dienst sowie Privat an einem Strang zu ziehen. Ganz abgesehen davon, dass Selina im Rang nun über Arsen steht. Eine Situation, die sich garnicht so unterscheidet mit der Beziehung mit Kysira, die ja im Gegensatz zu mir eine Würdenträgerin des Reiches ist.
Ich hatte nie geahnt oder erhofft, dass Arsen ebenfalls ein Auge auf mich hatte und mich von Tag Eins beobachtet hat. Das sagte er mir übrigens erst vor Kurzem, nachdem er mich bei unserem ersten, offiziellen Treffen ziemlich zusammen gestaucht hat. Anscheinend brauch ich das manchmal. Anschiss wirkt Wunder, vor allem wenn man mir vorwirft ich wäre ziellos und eigensinnig. Egal ob es nun ein großer letzter Tropfen war oder ein sehr großer, Arsen hat dafür gesorgt, dass er das Fass zum Überlaufen bringt. Aber egal welchen Rang ich inne hab, er wird immer ein großes Vorbild sein. Man lernt nie aus und mir stehen noch so einige Lektionen bevor, am Liebsten von ihm.
Zuletzt geändert von Diego Cuervo am Mittwoch 24. Dezember 2014, 13:37, insgesamt 1-mal geändert.
Diego Cuervo

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III. Reise in die Vergangenheit – Viaje al pasado

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Logbuch 23. Hartung 258

Auf dem Meer herrscht eine steife Brise. Diego lehnt nahe am Bug des Schiffes an der Reling und kneift die gelbstichigen Augen zusammen, als ein neuer Windstoß ihn trifft. Sein Blick geht aufs weite Meer hinaus und er erwartet sehnsüchtig den nächsten Hafen.
Es ist bereits zwei Tage her, dass er seinen Seesack gepackt hat und in Bajard auf ein Handelsschiff gestiegen ist. Sein Ziel ist Puerto de Peces, seine ehemalige Heimat. Ein Fischerdorf an einer Landzunge etwa eine Tagesreise westlich von Gerimor. Da der peitschende Wind der ungeschulten Handelsbesetzung zusetzt und sie die Segel nicht überstrapazieren wollen, zieht sich die Fahrt hin.
Diego streicht mit den Fingern über den Schatten seines Bartansatz, der sich langsam breit macht. Anstatt eines Hafens oder Möwen, die zumeist auf Land hindeuten kann er in der Ferne Gewitterwolken aus machen. Blitze zucken über den Himmel hinweg und das Schiff scheint seinen Kurs direkt auf das Unwetter zu halten. Wer nicht völlig wahnsinnig ist sollte abdrehen und das Gewitter aussitzen. Aber der Kapitän segelt unter Zeitdruck und wird dieses Risiko vermutlich eingehen, um die gelagerten Waren schnellstmöglich zum Zielort zu bringen.

Einen Vorteil hat der Sturm: Sie treffen nicht auf Piraten. Er weiß aus eigener Erfahrung, dass es in diesen Gewässern von Freibeutern nur so wimmelt. Und da der Pirat ausnahmsweise nur als Mitreisender unterwegs ist, sehnt er keine Konfrontation herbei. Ganz abgesehen davon, dass es ihn von der Route abbringen würde.
Der Wind wird noch zügiger und auf dem tätowierten, rechten Arm bildet sich eine leichte Gänsehaut. Kein gutes Zeichen. Diego löst sich von der Reling und tapst über Deck, um zwischen den Matrosen in den Bauch des Schiffes zu klettern. Der Bootsmann brüllt bereits Befehle an die ausgelaugte Mannschaft und bereitet sie auf den Sturm vor. Da nahezu die ganze Besatzung eingespannt ist, genießt der Pirat freie Auswahl im Quartier und schwingt sich in die nächstbeste Hängematte. Er genießt das Knarzen der Masten, die Schreie des Bootsmanns und das Grollen des nahenden Gewitters. Als er die Augenlider locker schließt erinnert es ihn schmerzlich an die Toro.

Sein Plan sieht vor das Grab seiner verstorbenen Verlobten zu besuchen. Fünf Jahre ist es her, dass sie verängstigt auf ihn los gegangen ist und der Streit in einem tödlichen Unfall endete. Seitdem hat er das Dorf in dem er aufgewachsen ist gemieden. Aus dem einfachen Grund heraus, dass Diego dort von jedem, der ihn erkennt zur Rede gestellt wird. Er kann es seinen einstigen Freunden und Bekannten nicht verübeln, immerhin sas er neben seiner toten Verlobten, als ein Augenzeuge in sein Haus stürmte.
Dennoch will er damit abschließen. Dabei kommt ihm nicht nur die Tatsache entgegen, das morgen ihr fünfter Todestag ist sondern auch seine derzeitige Situation in Gerimor. Er braucht dringend etwas Abstand und so war die Reise ein naheliegender Gedanke.

Diego zuckt wie von der Tarantel gestochen zusammen, als er ein lautes Geräusch hört, das seinen Bauch unangenehm verkrampft. Er richtet sich auf und lauscht dem unruhigen Wogen der Wellen, in der Hoffnung er hat sich verhört. Dann ertönt ein Schrei und wie in weiter Ferne brüllt jemand 'Piraten!'. Der einzige Pirat an Bord flucht auf castellano und prüft den Sitz seines mickrigen Gepäcks. Er schiebt den Umhängebeutel weiter auf den Rücken und macht den Heft des Rapiers frei. Kurz darauf tastet er prüfend an das Lederhalfter, das seine Pistole griffbereit unter seinem Arm hält.
Für einen Moment bangt er um mehr, als nur eine Kursänderung, als eine Kugel eine Etage tiefer in den Rumpf des Schiffes einschlägt. Rasch springt Diego auf und rennt zur Treppe, als ihm gewahr wird wie nah die Angreifer schon sind. An Deck erstarrt er und blickt nach Norden zu dem aufragenden Schatten in dem grauen Sturm. Ein Blitz zuckt unheilvoll über den Himmel und setzt die Konturen des Piratenschiffs kurz in Szene. Er kommt nicht dazu die Masten zu zählen, schätzt das Schiff aber mindestens als Fregatte ein. Regen schlägt ihm prasselnd ins Gesicht und tränkt innerhalb von Augenblicken das Leder an seinem Körper.
Als er sich umsieht fallen ihm die Besatzungsmitglieder auf, die sich durchnässt und betend an der Reling ducken. Ihm liegen Befehle auf der Zunge, die Freibeuter in dieser Situation das Leben retten würden, aber der Haufen Holz auf dem er steht hat nicht eine einzige Kanone. Nur einen Bauch voll Zucker und Mehl, was als Schießpulver nicht viel taugt.

Er entscheidet sich kurzerhand für das geringere Übel, als er die lautstarken Rufe zum Nachladen hört. Auf der Nordseite klettert er an der Takelage hinab und hangelt sich am Schiffsrumpf hinab. Mit zitternden Fingern klammert er sich an einem eisigen Metallring fest und späht über die Schulter zum Piratenschiff. Die Totenkopfflagge flattert im Wind und direkt nach dem 'Feuer!'-Befehl lässt Diego sich rücklings ins pechschwarze Wasser fallen.
Die Geschosse zerreissen den Rumpf und spitze Holzplanken segeln durch die Luft. Als er mit klammen Muskeln auftaucht und die kalte Luft in die Lungen zieht hört er abschwellende Jubelrufe vom Piratenschiff. Er muss nicht zurück blicken, um zu sehen, dass sein Transportschiff unschädlich gemacht wurde. Mit schnellen Zügen schwimmt er auf das Schiff der Angreifer zu, das sich zum entern bereit macht. Die Haken werden gewetzt und Diego kann ungesehen nach einem der gespannten Seile am Bug greifen und sich hoch ziehen. Mühevoll und zitternd klettert er ein Stück hoch und umrundet das Heck in einem zeitaufwändigen Balanceakt.
Ein Ruck geht durch das Schiff, als die Enterhaken ausgeworden und der Abstand zur Beute verringert wird. Diego nutzt den Moment, um durch eine Aussparung in der Reling an Deck zu klettern. In kleinen Wölkchen atmend sucht er hinter einer Reihe Fässer Deckung und reibt seine eisigen Finger aneinander.
Er reagiert zu spät, als er das Knacken einer Pistole hört, die entsichert wird. Ein einäugiger, magerer Pirat steht unweit der Fässer und zielt auf ihn. 'Maat wir haben einen Passagier!' grollt der Bursche mit krächzender Stimme, die auf zu viel Rum und Kraut hindeutet. Kaum, dass Diego einen Gedanken an Flucht formen kann wird er von der Seite gepackt und auf die Beine gezogen. Seine klammen Muskelpartien spannen sich an, aber er hat keine Chance gegen den Fleischklops, der ihn in die Mangel nimmt.
Während ein Teil der Mannschaft mit Plündern beschäftigt ist, wird der Fang inmitten des Decks gezogen und präsentierend für besagten Maat fest gehalten. Die Pistole zielt weiterhin auf seine Brust, als er vom Einäugigen gemustert wird. 'Schwer bewaffnet der Kerl, der ist doch kein Matrose vom Handelsschiff.'
Diego wird noch unbarmherziger gepackt, als sich aus dem Kreis an Schaulustigen eine zierliche Gestalt löst und auf ihn zu kommt. 'Gracias, Juan ich übernehme.' schnurrt die Stimme und verrät sie sogleich als Frau. 'Aye, Maat!' kommt es gefügig und der Einäugige tritt etwas beiseite ohne die Waffe zu senken.
Er verspannt sich inmitten der Piratenmeute und versucht mit enger Kehle einen Blick auf die Frau zu erhaschen. Sie trägt eine Kapuze zum Schutz vor dem prasselnden Regen und streckt die behandschuhten Hände nach Diego's bewaffneter Flanke aus. Sie streicht bis zum Dolchhalfter am Oberschenkel hinab, bevor der Blick sein Gesicht studiert.
'Gib ihm etwas Luft zum Atmen, bola.' befiehlt die zarte Stimme erstaunlich schneidend und Diego wird das bekannte Gefühl nicht los. 'Bola', was auf castellano Kugel bedeutet lässt seinen Hals frei und zwingt ihn auf die Knie. Als Diego's Arme unbarmherzig gepackt und mit einem Lederriemen gefesselt werden, blickt er kurz über die Schulter und betrachtet nur kurz den Kahlkopf. Daher der Name. Die behandschuhten Finger recken sein Kinn etwas und er blickt zu dem verschleierten Gesicht auf. Ohne einen Aufschluss darauf zu geben was ihm bevor steht sagt sie knapp. 'Bring ihn in meine Kajüte, Bola.' Wohlmöglich hat er das 'Codewort' überhört, aber er bekommt einen harten Schlag gegen den Kopf, der es Augenblicklich schwarz um ihn werden lässt. Sogar noch Schwärzer als durch den Sturm bedingt. Der kahlköpfige Hüne schleppt Diego's triefenden Körper daraufhin unter Deck.
Diego Cuervo

Beitrag von Diego Cuervo »

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Das Erste was Diego nach dem Aufwachen in den Sinn kommt ist die Wärme, die ihn eihüllt. Er hatte mit Kälte gerechnet, aber stattdessen sitzt er nahe eines wohligen Kaminfeuers. Noch benommen bewegt er die langsam warm werdenden Finger, die jetzt an die Lehne eines Stuhls gefesselt sind. Er bewegt murrend den schmerzenden Kopf und spürt zu spät die kalte Mündung der Pistole an seiner Brust. Spätestens jetzt muss er feststellen, dass er nur noch seine Lederhose trägt, die erst teilweise getrocknet ist.
Der gelbliche Blick folgt der Pistole bis zu den Fingern und den schlanken Arm hinauf. Die Frau hat Handschuhe und Kapuzenmantel abgelegt und steht in einer üblichen, zweckmäßigen Kombination aus Leinenhemd und Ledermieder vor ihm. Ihre blonden, teils noch feuchten Haarsträhnen umrahmen ihr Gesicht und die Schultern. Ein Gesicht, das er nur zu gut kennt.
'Claire.' stellt Diego mit rauer Stimme fest.
'Du bist es tatsächlich.' erwidert sie darauf und beugt sich über die Pistole hinweg zu ihm hinab. Er sieht sie an und findet das altbekannte, freche Grinsen in ihren Zügen wieder. Seine Schulterpartie verspannt sich und er zieht etwas unwohl an dem einschneidenden Lederriemen, als Claire ihn einfach auf den Mund küsst. Überrumpelt zieht Diego den Kopf weg und begegnet einem enttäuschten Blick aus den katzenhaften, grünen Augen.
'Mierda, was ...' beginnt er, aber sie packt sein Kinn und schnappt nochmals nach seiner Lippe. Schnaubend überstreckt er den Rücken und weicht ihr wieder aus.
'Erstaunlich.' stellt Claire fest und streicht mit den zarten Fingerspitzen über seinen Bartansatz. Eine kurze Pause entsteht und Diego hört den stetigen Regen gegen die Kabine prasseln. Als sie weiter spricht sieht sie studierend in seine aufgebrachten Augen und fährt mit den Fingern weiter über die straffe Schulterpartie. 'Du reagierst wie ein Jäger, dem ich die Beute streitig machen will. Hast du dich wirklich so verändert?'
Diego atmet mit einem unterdrückten Knurren durch und bewegt den Torso etwas, als könnte er sie dadurch abstreifen. 'Kannst du mich jetzt los machen, por favor?'
Claire nickt unschlüssig, schmiegt sich aber erneut dicht an ihn, um den Lederriemen von seinen Handgelenken zu lösen. Der Pirat fährt über seine aufgeriebenen Handgelenke und drückt sich vom Stuhl auf, um etwas Distanz zu seiner alten Bekannten aufzubauen. Er tigert durch die Kajüte und hält Ausschau nach seinen Sachen. Als er auf den ersten Blick nichts ausfindig macht lehnt er sich resignierend gegen die Wand und verschränkt die Arme.
'Wo is mein Kram?'
Claira schnappt sich eine Rumflasche vom Kartentisch und drückt ihm den kühlen Flaschenbauch gegen den Arm. 'Trink erstmal und erzähl mir was dich in die Gegend treibt. Dann bekommst du auch deine Ausrüstung wieder.'
Verspätet greift er die Flasche, entkorkt sie mit den Zähnen und nimmt einen tiefen Schluck. Der Alkohol brennt sich willkommen seine Kehle hinab und er seufzt genüsslich. Claire steht unweit von ihm an eine Tischkante gelehnt und betrachtet ihn von der Sohle bis zum Kopftuch. Ihre Blicke treffen sich einen Moment und er grübelt kurz, was er seiner früheren Vertrauten verraten kann.
Bei der entstehenden Pause spitzt Claire die Lippen. 'Raus mit der Sprache. Ich bin immernoch die Gleiche im Gegensatz zu dir. Du solltest dankbar sein, dass ich dich nich von der Planke gejagt hab, Amigo.'
'Du übertreibst, Kleine. Wann haben wir uns das letzte Mal gesehen?'
'Bevor du nach Gerimor bist, schätze ich. Auf der 'Fortuna'.'

Diego nickt nachdenklich und nimmt einen tiefen Schluck Rum. 'Ich hab viel gelernt dort und meine Selbstzweifel etwas beseitigt.'
'Ganz offensichtlich.'
meint Claire zustimmend und blickt auf seine nackte, vernarbte Brust. 'Ich hätte dich nie so ansehen können. Du warst verschüchtert und sehr vorsichtig. Jetzt könntest du mich vermutlich mit einem Fingerschnippen töten, wenn ich dich auf eine Weise provozieren würde.'
Diego hebt die schlanken Schultern und hebt die rabenschwarzen Brauen etwas an. 'Besser du probierst es nicht aus.' Claire muss breit grinsen bei der vielsagenden Reaktion.
'Ich find das beeindruckend. Vielleicht war das nich deine wahre Persönlichkeit, die ich kennen gelernt hab. Kein Wunder, dass Sarah das nicht gefallen hat.'
'Wie meinst du das?' seine gelblichen Augen funkeln verräterisch.
'Diego, das is nich dein ernst. Du hast mit der Sache immer noch nicht abgeschlossen, oder? Bist du deshalb hier?'
'Ich will nach Puerto de Peces, aye. Um eben das zu tun.'
gesteht er trotz der vorwurfsvollen Miene.
Claire schnaubt und verschränkt straff die Arme vor der Brust. Sein Blick wird wie von selbst auf ihr Dekoletee gelenkt, welches durch die Haltung förmlich unterstrichen wird. Auch wenn er sie fast zwei Jahre nicht mehr gesehen hat sieht sie noch immer so aus, wie Diego sie in Erinnerung hatte. Eine temperamentvolle, aber bedachte Schönheit in die er sich wohlmöglich verliebt hätte, wäre seine verstorbene Verlobte nicht gewesen.
'Du bist immer noch ein idiota.' murrt Claire mit vorwurfsvollem Blick. 'Es gibt Dinge, die du nicht weißt und es wäre besser wenn es so bleibt.'
Als sie nicht weiter spricht und weiter schmollt löst sich Diego aus seiner Position und geht auf Claire zu. Er reckt ihr Kinn mit den Fingern, da er sie deutlich überragt und sieht sie auffordernd an.
'Ich komm damit zurecht. Sag es mir.'
Sie begegnet seinem Blick zweifelnd und beginnt zögerlich zu sprechen nachdem sie ihr Kinn aus seinem Griff gezogen hat. 'Als du ne Weile nich mehr aufgetaucht bist hat Sarah jemand anderen kennen gelernt. Ich weiß nicht welche Versprechungen sie ihm gemacht hat aber es war schon ziemlich ernst.' Claire macht eine Pause und sieht in Diego's zusammengekniffene Augen, die aber keine Emotion erahnen lassen. 'Sobald du zurück gekommen bist war Sarah verwirrt, denn ihr Herz gehörte schon einem Anderen. Ganz abgesehen von den Narben, die du mitgebracht hast. Vielleicht dachte sie, wenn du immernoch der schüchterne Kerl wärst würdest du nich sehen, dass sie untreu war. Der Kerl war Schuld, dass du verfolgt wurdest und er hat noch sehr lange nach dir gesucht. Wenn du wieder dort auftauchst..'
Sein schlichtes Schulternzucken bringt Claire zum Stocken und sie schüttelt amüsiert den Kopf. 'Hätte mich auch gewundert, wenn dich das abhält. Ich hab dem Steuermann gesagt, dass wir bei Puerto de Peces vorbeifahren. Sei froh, dass der capitano nich auf den Beinen ist.'
'Gracias, aber das kann ich nich von dir verlangen.'

'Das hast du auch nicht.' Sie lächelt zuckersüß und zupft spielerisch an einer seiner geflochtenen Haarsträhnen. 'Aber es stört mich keinesfalls, wenn du dich dafür revanchierst. Wenn du dir viel Mühe gibst bring ich dich vielleicht auch wieder zurück, gegen Beutefahrt haben die Jungs nie was einzuwenden.'
'No problemo, ich komm schon zurück.'
'Diesmal kann ich dich nicht retten, wenn du von Piraten überfallen wirst.'
Ihre Finger geben keine Ruhe und kraulen schließlich seinen Hinterkopf und Nacken. Diego gurrt leise auf die willkommene Massage und lehnt sich etwas dichter an die einst so bekannte Frau.
'Das wird auch nich nötig sein. Wie lange dauert es noch bis zum Hafen?'
Ihre tiefgrünen Augen sehen zu ihm auf, während sich ihre Hände um seinen Nacken legen. Er kann etwas wissendes in ihrem Blick erkennen. 'Morgen früh, wir haben also die ganze Nacht.'
'Muy bien, ich hab dir nämlich noch einiges zu erzählen.'
Raunt er zweideutig und lässt sich zu ihr hinab ziehen.
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