Der junge Mann und der Otter [MMT]

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Cid Erik Herzblut
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Der junge Mann und der Otter [MMT]

Beitrag von Cid Erik Herzblut »

Erschöpft lag er am Waldrand, die blanken Füße ins Wasser baumelnd, während er einfach nur tief durchatmete.
Was war in den letzten Monden nur aus seinem ruhigen Leben geworden?

Geheime Bruderschaften, Talente, das Lied, Farben und Gefühle, Dämonen, Kobolde und Feen.

Wie sollte man das alles unter einen Hut bekommen? Normalerweise trug er nicht mal Hüte.
Aber er war ein „richtiger“ Bruder geworden. Jemand, dem man Vertrauen entgegenbrachte.
Jeden Tag lernte er Neues und stellte dabei fest, wie wenig er eigentlich wusste.

So viele Dinge und Geschichten, Legenden, die sich hier ereignet hatten, während er – als Zugezogener – versuchte, den Überblick zu behalten.
Zuhause war es immer ruhig gewesen. Man hörte kaum etwas von dem, was draußen in der Welt geschah. Alle waren zu sehr damit beschäftigt, ihr eigenes Leben zu leben.

Und hier, auf Gerimor…
Hier kämpften Reiche gegeneinander. Götter griffen ein.

Er erhob sich aus dem Gras, die Haare wie so oft ein wenig zerzaust.
Er atmete tief ein und fuhr sich mit den Händen über das Gesicht.

Hier im Hain fühlte er sich gut.
Er fühlte sich wohl. Fast wie zuhause.
Aber die Unsicherheit blieb.

Mache ich alles richtig? Mache ich es gut? Erweise ich mich der Verantwortung als würdig?

Vieles, was er tat oder dachte, beruhte auf Gefühlen und Eindrücken.
Erfahrungen, die er durch seine Eltern gemacht hatte – und hier, auf Gerimor, sammelte.
Er wollte für seine Brüder da sein. Vor allem für die neuen.
Denn wer wusste besser, wie sie sich fühlten, als jemand, der es selbst gerade erst erlebt hatte?

Aber der Stress blieb.
Wie ein kleiner Ball in seiner Brust, der ständig nach Aufmerksamkeit verlangte.
Während er selbst einfach nur versuchte, zur Ruhe zu kommen.

Es war seine Zeit – zur Besinnung, zur Erholung, zur Einsamkeit?

Gerade als er diesen Gedanken zu Ende gedacht hatte, stupste ihn etwas ans Bein und kletterte dann in seinen Schoß.

Pit.

Der kleine, zottelige Otter, dem er schon mehrfach begegnet war.
Sie waren gemeinsam durch den kalten Fluss geschwommen, trieben nebeneinander auf dem Rücken.
Cid lag still, während Pit sich genüsslich ein paar Häppchen Fisch gönnte.

Ein kleines, unscheinbares Wesen.
Aus der Ferne niedlich anzusehen, bevor man weiterging und seinen Tag fortsetzte.
Aber das Wasser, seine Bewohner und auch seine Besucher – das hatte Cid schon immer interessiert.

Er gab nach, ließ sich ins Wasser gleiten und schwamm mit dem Otter.
Kein Rennen. Keine Eile. Einfach nur nebeneinander durch die sanfte Strömung.
Abtauchen und nach Fischen oder Muscheln suchen war nicht sein Ding.

Am Ende trieb er wieder auf dem Rücken.
Der Blick ging in den klaren Himmel, die Sonne wärmte sein Gesicht.
Der Otter hatte es sich auf seiner Brust gemütlich gemacht und döste.

Die stillen Momente, fern der Welt, nutzte er zur Meditation.
Langsam glitt seine Aufmerksamkeit wieder ins Lied.

Das dumpfe Rauschen des Wassers wurde zu Klängen,
die Wärme auf seiner Haut und der Wind, der darüber strich, verbanden sich zu einem Summen.

Alles wurde Klang. Das Lied der Mutter.
Alles war Teil davon – selbst der kleine Otter auf seiner Brust.

Doch während Luft und Wasser sich in Strömen und Wirbeln bewegten,
war der Otter anders.
Er war ein eigenes Klangbild – einzigartig, nicht vergleichbar.

Er hatte auch andere Otter betrachtet.
Viele Ähnlichkeiten.
Aber keine waren identisch.
Von den Krallen bis zu den Haaren – je genauer er hinsah, desto komplexer wurde es.

Es hinterließ ein Gefühl in seiner Brust.
Sein eigener Körper war ein anderes Geflecht. Ein anderes Klangbild.
Aber er konnte es verändern.
Nicht vollständig erschüttern, aber formen.
Um ein anderes Äußeres anzunehmen.

Die Form eines Otters hatte er ebenfalls schon einmal angenommen.
Kleine Tatzen mit Schwimmhäuten, Tasthaare um die Nase.
Ein seltsames Gefühl.

So klein und leicht war die Welt anders.
Nicht mehr so scharf, aber alles Wichtige war erkennbar.
Und das Schwimmen fiel ihm deutlich leichter.
Mit dem Fell fühlte es sich neu an. Frei.

Seitdem dachte er viel über Klangbilder nach.
Über ihre Formen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
Verborgene Wunder dieser Welt.

Er nahm den Otter vorsichtig in den Arm.
Fühlte sich wieder in das Lied ein.
Ein ruhiger Atemzug. Konzentration.

Was wäre, wenn man...
...ein wenig veränderte?

Die Haare. Die Augen.
Konnte man Dinge kombinieren?
Etwas Neues schaffen?

Er versuchte es.
Er nahm sich ein Beispiel an Beobachtungen, die er in seinen meditativen Stunden gemacht hatte.
Es schien zu funktionieren.

Die Sicht war besser als vorher. Schärfer. Kontrastreicher.

Mit Pit durch das Wasser tollend, kam er nicht dazu, weitere Beobachtungen zu machen.
Doch als sie wieder am Ufer ankamen,
warf er einen Blick zurück.

Die zerzausten roten Haare...
waren auf jeden Fall anders.
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Cid Erik Herzblut
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Die Schale im Fluss

Beitrag von Cid Erik Herzblut »

Errinerungen an den Sommer...

Die Schale im Fluss

Die Sonne stand hoch am Himmel und brannte mit unbeirrbarer Kraft auf das Land herab. Die Luft flirrte vor Hitze, das Licht lag schwer auf allem, was sich nicht in den Schatten retten konnte. Selbst das Zwitschern der Vögel war verstummt, als hätte der Sommer selbst den Atem angehalten. Insekten summten träge über das trockene Gras, und kein Hauch von Wind regte sich in den Baumkronen.

Cid hatte sich aus dem kühlen Schutz des Waldes an das Ufer des Flusses zurückgezogen. Das Wasser dort schimmerte hell im Licht des Mittags, als würde es von innen leuchten. Es war einer dieser Sommertage, an denen die Erde selbst zu flüstern schien, schwer und warm.

Er ließ sich nieder, schloss die Augen und lauschte dem Fluss. Das Rauschen des Wassers und das leise Glucksen der Strömung klangen für ihn wie eine uralte Sprache, die er nicht verstand, aber fühlte. Mit ruhigem Atem stimmte er die Elemente um sich ein. Die Hitze der Sonne, die Feuchtigkeit der Erde, das Fließen des Wassers und die Stille der Luft verbanden sich in ihm.

Dann ließ er den Wandel zu. Die Magie, das Lied, durchströmte ihn sanft, bewegte sich durch jeden Knochen, jedes Haar, jedes Gefühl. Sein Körper veränderte sich, Fell wuchs über seine Haut, seine Gestalt wurde schmaler und wendiger. Als er die Augen wieder öffnete, war er ein Otter.

Er glitt lautlos ins Wasser, und der Fluss empfing ihn wie einen Vertrauten. Alles wurde klarer. Jeder Kiesel, jede Bewegung in der Strömung, jeder Wirbel unter der Oberfläche war ihm deutlich. Die Welt war kleiner, aber reicher. Mit spielerischer Leichtigkeit drehte er sich unter Wasser, jagte einem Blatt hinterher und ließ sich treiben, während seine Gedanken in die Tiefe sanken.

Da entdeckte er sie.

Eine alte Kupferschale lag auf dem Grund des Flusses, halb verborgen im Sand, überzogen mit einem Schleier aus Pflanzen und Schlamm. Ihre Oberfläche war grünlich verfärbt, unregelmäßig und rau. Der Griff an einer Seite fehlte. Sie sah aus wie ein vergessenes Stück aus der Vergangenheit, eine stille Präsenz ging von ihr aus. Als wäre sie schon immer ein Teil des Flusses gewesen.

Er paddelte näher, umrundete sie langsam, ließ seine Pfoten über das kühle Metall gleiten. Etwas regte sich in ihm. Möglichkeiten, Verbundenheit, ein Ziehen, das aus einer Tiefe kam, die er nicht benennen konnte.

Er tauchte wieder auf, versuchte das Gefühl zu vergessen, spielte weiter im Wasser, ließ sich treiben. Doch immer wieder kehrten seine Augen zu der Stelle zurück, an der die Schale lag. Es war, als würde sie ihn anschauen. Nicht mit Augen, sondern mit Erinnerung.

Schließlich gab er nach. Mit beiden Pfoten hob er die Schale, schwer von Wasser und Alter. Der Weg zum Ufer war mühsam, doch er ließ nicht locker. Als er das Land erreichte, berührten seine Pfoten den Boden und erneut durchflutete der Wandel. Kein Schmerz begleitete die Rückkehr, sondern ein leiser Sog, der ihn aus der Tiefe holte. Zurück zu dem was er war.

Sein Fell wich wieder menschlicher Haut. Die Glieder streckten sich, die Welt wurde größer. Er kniete am Ufer, nass, atmend, und hielt die Schale in den Händen.

Vielleicht hatte sie einst einem Druiden gehört, einem, der vor langer Zeit durch diese Wälder gewandert war. Vielleicht stammte sie aus einer Geschichte, die längst aus dem Gedächtnis der Menschen verschwunden war. Oder vielleicht war sie ihm vom Fluss selbst anvertraut worden. Nicht durch Zufall, sondern durch eine tiefere Ordnung, die er nicht verstand.

Er betrachtete sie lange. Tropfen rannen von seinem Haar und sammelten sich in den kleinen Vertiefungen des gezeichneten Metalls. In ihrem matten Schimmer sah er nichts von seinem Spiegelbild, doch etwas in ihr war ihm vertraut. Es war kein Wiedererkennen des Äußeren, sondern des Inneren.

Sie gehörte zu ihm. Nicht durch Besitz, sondern durch Verbindung. Als sei sie Teil einer Geschichte, die sich tief in seinem Inneren fortsetzte. Vielleicht ein Fragment eines früheren Lebens, vielleicht ein Symbol für etwas, das noch kommen sollte. Vielleicht war sie ein Ruf aus einer Tiefe, in die er noch nie bewusst geblickt hatte.

Cid wusste nur eines. Diese Schale, alt und beschädigt, von der Welt vergessen, war nun ein Teil von ihm.

Und in ihrem stummen Dasein lag mehr als nur die Erinnerung an ein vergangenes Zeitalter.

Er hatte an diesem heißen Sommertag nicht nur Abkühlung im Wasser gefunden.

Er hatte etwas empfangen.

Einen Ruf aus der Tiefe.

Und eine Erinnerung, die gerade erst begonnen hatte, sich zu regen.
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Cid Erik Herzblut
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Würfel

Beitrag von Cid Erik Herzblut »

Der Herbst hatte die Küste erreicht.

Nicht mit Sturm oder Donner, sondern mit einer langsamen Müdigkeit, die alles weicher machte. Das Licht war gedämpft, der Himmel weit und grau. Die Luft am Strand roch nach Tang und nassem Holz. Der Atem des Meeres, schwer und stetig.

Cid saß am Strand, die Beine angewinkelt, die Hände im Sand. Vor ihm lag das Meer, dahinter die Tage, die er durchlebt hatte.
Der Sommer war gegangen, aber die Wärme schwang noch in Erinnerung nach. Neben ihm stand die Kupferschale. Grünlich schimmernd, still.
Manchmal berührte eine Welle sie, als würde das Wasser sie zurückrufen wollen.
Doch sie blieb. Wie er.

Die Aufregung des vergangenen Jahres, alles das er neu gelernt hatte. Das Lied, Pit, die Brüder, Gadri.
Damals war alles noch neu, aufregend und fremd.
Jetzt war es ruhiger geworden.
Keine Zweifel, keine Suche nach Bedeutung.

Nur das Sein.

Ein Stück Treibholz rollte mit der nächsten Welle an den Strand und blieb wenige Schritte entfernt im Sand liegen.
Er hob es auf. Das Holz war glatt, vom Meer geschliffen. Eine dieser Formen, die nur das Wasser hervorbringen konnte.
Er drehte es in den Händen, spürte das Gewicht, die Maserung, die Geschichten darin. Die Zeit.

Als würde es nach ihm rufen, erwuchs in ihm der Drang, daraus etwas zu formen. Von den Elementen gebeutelt, könnte etwas neues daraus werden. Ein Gefäß, etwas, das wie eine Erweiterung seiner Selbst fungieren sollte.
Also begann er.

Seine Hände arbeiteten langsam, geduldig. Er suchte keine Perfektion. Nur Einklang. Die Luft half ihm, indem er feine Fasern löste und die Richtung der Maserung zeigte.
Das Feuer brannte Linien in die Oberfläche, brachte Leben in die Maserung.
Ein Stein, ein Geschenk der Erde, rund und glatt, diente ihm als Messer - er schnitt damit nicht gegen das Holz, sondern folgte ihm.
Und als das Meer kühler wurde, legte er das Werkstück immer wieder in die seichten Wellen.
Das Wasser glättete, nahm Überflüssiges, ließ nur das bleiben, was wirklich Form hatte.

So entstand langsam ein Becher. Nicht groß, nicht prunkvoll, aber von stiller Kraft.
Das Holz war hell, an manchen Stellen fast weiß, an anderen dunkel vernarbt, voller Geschichten.

Aus den Resten schnitzte er Würfel. Kleine, unregelmäßige Stücke, jedes ein wenig anders. Auf jeder Seite ritzte er mit der Spitze seines Messers Linien - feine Zeichen, deren Sinn nur im Ganzen erkennbar war. Ein Pentakel, aufgeteilt in Fragmente.
Verwobene und kreuzende Linien, welche die Elemente verbinden. Wie eine Erinnerung, dass Einheit nicht Gleichheit bedeutete.

Als er fertig war, saß er lange da und betrachtete sein Werk. Die Sonne sank, das Meer färbte sich in bunten Farben wie das Herbstlaub, die Luft roch jetzt eher nach kaltem Wind.
Er legte die Würfel in den Becher, hob ihn leicht an und lauschte. Das Holz klang dumpf, aber warm. Dann kippte er den Becher um.

Die Würfel fielen in den Sand, rollten ein Stück und blieben liegen. Die Linien auf ihren Seiten bildeten ein Muster und als er sie ansah, erkannte er das Pentakel.
Geboren in Unruhe und Zufällen, aber immer wieder auf ein Ergebnis zulaufend. Wie er selbst.

Er lächelte.
Ein freies Lächeln das niemand sah. Das nicht freundlich aufgesetzt wurde.
Einfach nur Er, während das Meer rauschte, der Wind feinen Sand über die Würfel streifen ließ, und kurz schien es, als glimme sie auf - nur ein Atemzug lang. Dann war wieder Stille.
Er legte die Würfel zurück in den Becher, stellte ihn neben die Schale.
Zwei Werkzeuge, zwei Erinnerungen. Das eine empfangen, das andere geschaffen.
Die Augen schließend, atmete er tief, und für einen Moment war da nur das leise Summen der Welt.

Das Lied der Mutter.

Und der Gedanke, dass der Herbst nicht das Ende war, sondern nur ein neuer Ton im großen Klang.
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Cid Erik Herzblut
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Heiße Träume

Beitrag von Cid Erik Herzblut »

Es war die zweite Nacht, in der er sich wie wild in den Fellen umher warf.
Schweiß auf der Stirn, das Herz am Rasen, alles von sich gestrampelt.

Seine Gedanken, seine Träume waren vom Rot dominiert. Hitze, Feuer, geschmolzenes Gestein - alles in tiefem Rot. Mahlströme, die ihn zu verschlingen drohten. Felsiger Untergrund mit braunen Strängen, durchzogen von roten Rissen, Lavaströme an den Wegrändern, überall rote Fäden, die selbst die feinen grauen Stränge in der Luft zu erdrosseln schienen.

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Seine Füße trugen ihn nur langsam weiter. Er fühlte sich entblößt und nackt, während das Feuer wie klebrige Spinnenweben an seinem Körper haftete, ihn verfolgte, ihm den Weg wies. Alles andere schien in dieser Flut aus Feuer begraben, und seine einzige Ruhe bestand in der Erdung an den festen Stellen im Boden. Vom Feuer geformt, aber von der Erde bewahrt.
Nur vereinzelt glitzerte Wasser durch all die Hitze, verteilte Hoffnungsschimmer, aber keine Erlösung.

Feuer war nie sein stärkstes Element gewesen. Sein Können, seine Gabe hatten sich wie ein leises Rinnsal langsam durch den Stein gegraben und waren schließlich, einem Wasserfall gleich, auf den Boden gestürzt, um sich in feinem Nebel zu verteilen. Das Wasser hatte ihm immer Ruhe geschenkt, aber auch den stetigen Drang weiterzugehen. Die Erde hatte ihn gehalten, wenn er zu schnell lief und endlich einmal stoppen und sich setzen musste. Die Luft hatte ihm den Atem geschenkt, sich zu entspannen und umzusehen, die Welt zu erblicken.

Aber das Feuer brannte in seinen Adern. An diesem Ort des Feuers beinahe schmerzhaft, außerhalb zwar wahrnehmbar, aber nicht so überwältigend.
Er war dem Feuer nie aus dem Weg gegangen, hatte keine Angst vor ihm, aber einen gehörigen Respekt, der über den vor den anderen Elementen hinausging. Die anderen wussten nichts davon. Er wollte sie nicht beunruhigen.

Es war ein Teil seines Weges, den er irgendwann gehen musste. Das Feuer war sein Freund, genauso wie die anderen Elemente. Es hatte nur sein ganz eigenes Wesen - etwas, das ihn nie ganz eingelassen hatte. Er war konzentriert und führend, wenn es sein musste, versuchte, den anderen mit Kontrolle zu helfen, ihre Ängste zu überwinden und das Feuer tiefer kennenzulernen. Doch selbst war er innerlich immer auf Abstand geblieben.

Hier war ihm das nicht mehr möglich. Er musste sich mit dem Feuer auseinandersetzen, sonst drohte es, ihn zu zerreißen. Innerlich, äußerlich, vollständig. Die Erinnerungen, Gefühle und Erfahrungen überwältigten ihn fast, erdrückten ihn unter ihrer Last, ihrer Kraft.

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Die Hitze veränderte sich.

Nicht weniger brennend - aber dichter. Schwerer.
Als würde sie nicht mehr nur von außen kommen.

Er blieb stehen.

Zum ersten Mal seit… er wusste es nicht mehr.

Die Flammen vor ihm begannen sich zu sammeln. Kein chaotisches Lodern mehr, kein ungerichtetes Wüten. Sie zogen sich zusammen, wurden langsamer, zäher - formten Linien, Konturen.

Eine Gestalt.

Sein Atem stockte.

Sie war nicht klar. Kein Körper aus Fleisch, kein Gesicht, das man hätte greifen können. Und doch… erkannte er sie. In der Haltung. In der Spannung. In der Art, wie das Feuer sich um die Schultern legte, als würde es etwas tragen, das zu lange verborgen gewesen war.

Er selbst.

Oder etwas, das er nie hatte sein wollen.

Die Flammen der Gestalt zuckten unruhig, als würden sie ihn mustern. Kein Blick - und doch fühlte er sich gesehen. Durchdrungen. Bis in die tiefsten, stillsten Winkel seines Seins.

Ein Schritt.

Nicht von ihm.

Von der Gestalt.

Der Boden unter ihr schmolz nicht. Das Feuer wich nicht aus. Es bewegte sich mit ihr, als wäre es kein fremdes Element mehr, sondern Teil eines Willens, den er nicht verstand.

Sein Herz schlug schneller.

Nicht aus Angst allein.

Aus Erkenntnis.

Er hob die Hand, reflexhaft, ein alter Instinkt. Kontrolle. Führung. Ordnung in das Chaos bringen.

Die Flammen reagierten sofort.

Nicht, wie er es gewohnt war.

Sie bäumten sich auf. Schossen nach oben, wanden sich, rissen an ihm, griffen nach seinem Arm, seinem Brustkorb, seinem Hals - nicht, um ihn zu verbrennen, sondern um ihn festzuhalten.

Zu zwingen.

Er keuchte, ließ die Hand sinken.

Sofort ließ der Druck nach.

Stille.

Nur das leise, tiefe Brodeln des Feuers.

Die Gestalt stand nun direkt vor ihm.

So nah, dass er die Hitze in sich selbst spüren konnte - nicht auf der Haut, sondern darunter. In seinen Adern. In seinem Atem.

Ein Puls.

Gleich seinem eigenen.

Und dann traf es ihn.

Keine Worte. Kein Laut.

Nur Gefühl.

Wut.
Ungelebte Kraft.
Zurückgehaltene Impulse.
All die Momente, in denen er beruhigt hatte, statt zu fühlen.
Geführt hatte, statt zu sein.

Seine Knie gaben leicht nach.

„Ich…“

Die Stimme versagte.

Die Gestalt bewegte sich nicht.

Aber das Feuer zwischen ihnen verdichtete sich. Zog sich zusammen. Drängte näher.

Er konnte zurückweichen.

Er wusste es.

Er könnte nach Wasser greifen. Nach Erde. Nach Luft.

Aber nichts davon war da.

Nur das Feuer.

Und er.

Sein Atem ging flach.

Dann schloss er die Augen.

Kein Widerstand.

Keine Kontrolle.

Nur das, was war.

Die Hitze traf ihn mit voller Wucht.

Nicht mehr wie ein Angriff.

Sondern wie ein Durchbruch.

Sein Körper spannte sich an, jeder Muskel, jeder Gedanke - und dann…

ließ er los.

Das Feuer strömte durch ihn hindurch.

Nicht um ihn zu zerstören.

Sondern um etwas freizulegen, das darunter verborgen lag.

Und zum ersten Mal wich er nicht zurück.

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