Anschläge in ganz Lichtenthal

Überregionale Themen, Gerüchte und Bekanntes, das im Spiel frei aufgegriffen werden darf.
Baldur Burgwardt
Beiträge: 14
Registriert: Sonntag 6. Februar 2022, 14:08

Anschläge in ganz Lichtenthal

Beitrag von Baldur Burgwardt »

*ein junger Mann mit rotem Mantel wird an öffentlichen Orten in ganz Lichtenthal Aushänge des folgenden Gedichtes anschlagen. Die Aushänge selbst sind zwar nicht unterzeichnet, doch gibt er sich wenig Mühe die Aushänge heimlich anzubringen - und so wird man ihn - sofern er einem bekannt ist - sicher erkennen können*

Die Berchgarder Marine

In Lichtenthal, es ist bekannt,
herrscht Adel mit gar weiser Hand.
Die Herren, Damen hoch vom Rang,
die geben dort den Tone an.

Das Volk folgt brav dem Willen bald,
der von der Empore runter hallt.
Meist geht's auch gut, doch manch einmal,
da herrschen sie auch nicht genial.

So fragt man sich mit Heiterkeit,
ob die Herren noch ganz gescheit.
Kamen sie doch zu dem Schluss,
dass die Marin' nach Berchgard muss!

Ob fern, ob nah, es ist bekannt,
dass Berchgard hat kein'n eignen Strand.
Kein Meer brandet an Mauern dort,
was soll das denn als Marineort?

Was jeden Bauern irritiert,
das hat den Adel nicht verwirrt.
Den Plan verfolgt auf Monde gar,
bis davon rannte die Seefahrerschar!

Die eignen Leute haben's kapiert,
dass 'ne Marin' in Berchgard nicht funktioniert!
Geraucht haben die Köpfe dann,
vom ein oder anderen Adelsmann!

Wenn die Soldaten flüchten gehn,
sollt nach nem andren Standort man sich umsehn'.
Da kam doch schließlich die Idee:
Die Stadt Adoran liegt an der See!

Der einzig Hafen von Lichtenthal,
war dann doch der heilge Gral!
Als Bürger man sich fragen muss,
was so schwer war an dem Schluss?

Des Adels Gedanken Bahnen,
kann man doch halt nur erahnen.
So manchmal wär's dann doch gescheit
wenn man sich übt in der Tugend der Geistigkeit!

Drum lieber Adel sei doch weise,
bevor deinen Geist schickst auf wirre Reise,
frag die Bürger grad frei heraus,
dann wird auch aus der Marin' was draus.

Am Ende wurd doch alles fein,
in Adoran durft die Marine sein.
Ein Schiffchen nett ham sie gebaut,
und sich damit aufs Meer getraut.

Und die Moral von der Geschicht?
Nen Hafen baust ohn' Meer du nicht!
Benutzeravatar
Marlan Kabo
Beiträge: 168
Registriert: Samstag 19. April 2025, 01:12

Re: Anschläge in ganz Lichtenthal

Beitrag von Marlan Kabo »

Man sieht wie nach und nach die Aushänge verschwinden, vermutlich des Nachts von Patroullien des Regiments abgerissen.
Benutzeravatar
Tehlar Origon
Beiträge: 113
Registriert: Sonntag 9. April 2023, 16:10

Re: Anschläge in ganz Lichtenthal

Beitrag von Tehlar Origon »

*Einer dieser Anschläge, im öffentlich Raum entwedet, wird den Weg in die Schreibstube von Bajard finden wo er zur Erheiterung beiträgt.*
Benutzeravatar
Raven Vandokir
Beiträge: 544
Registriert: Donnerstag 26. März 2015, 00:16
Wohnort: K'awi

Re: Anschläge in ganz Lichtenthal

Beitrag von Raven Vandokir »

"Sollten" die Patroullien des Regiments zufällig einen Aushang vergessen haben wird dieser von einem Raben in Kronwalden eingesammelt und in Rahal im Schutze der Dunkelheit fallen gelassen.
Vielleicht würde der Schreib auch dort zur Belustigung beitragen.
Klabautermann
Beiträge: 12
Registriert: Mittwoch 19. Juni 2024, 13:02

Re: Anschläge in ganz Lichtenthal

Beitrag von Klabautermann »

Es mag unwarscheinlich sein das irgend wo im lichten Reich noch einer dieser Aushänge zu finden sein wird nach so langer Zeit.
War doch nicht nur das Regiment sehr gründlich beim entfernen dieser Pergamente.
Ein Teil davon wird insbesondere in den Nächten verschwunden sein.
Dabei mag der ein oder andere Nachtschwärmer gar eine dunkel gekleidete Gestalt gesehen haben welche auf einem schwarzen Pferd ohne Sattel unterwegs war.
Baldur Burgwardt
Beiträge: 14
Registriert: Sonntag 6. Februar 2022, 14:08

Re: Anschläge in ganz Lichtenthal

Beitrag von Baldur Burgwardt »

*wieder bringt ein junger Mann -diesmal in einem graubrauen Mantel - an öffentlichen Orten Aushänge an, die Stunde ist spät, doch außer der vom Dämmerlicht wird seide Identität durch nichts verborgen. Auch in diversen Tavernen und Kutschen finden sich Ausgaben der Schreiben*


Die wahre Geschichte von Fichtenthal

Eine wahre Geschichte, die niemals geschehen sein dürfte – aus dem fernen Reich Sanemula

Es war einmal – so beginnt jede gute Lüge – ein Land, weit, weit entfernt, in einer Zeit, die selbst die Götter vergessen haben mochten. Dieses Land trug den stolzen Namen Sanemula, regiert vom allweisen, allmächtigen und – wie man munkelte – allwissenden König Roda I., der stets wusste, was für sein Volk am besten war, ganz gleich, ob es das selbst begriff oder nicht.

Auf einer kleinen, aber bedeutsamen Insel in Sanemula lag das Herzogtum Fichtenthal – ein Juwel in der Krone des Reiches, wie der Hofpoet behauptete, oder ein Splitter im Fuß, wie es mancher Dorfbauer sah. Die Menschen in Fichtenthal lebten seit Anbeginn der Erinnerung in einem ewigen Krieg mit dem westlichen Teil der Insel. Warum genau man kämpfte, wusste niemand mehr so recht. Einige meinten, es gehe um Ehre. Andere glaubten an göttliche Bestimmung. Die meisten jedoch hatten einfach aufgehört zu fragen.

Denn in Fichtenthal hatte man eine wunderbare Erfindung gemacht: Man hatte das Denken delegiert. Nicht etwa an Philosophen, Gelehrte oder weise Frauen – nein, sondern an den Adel, jenen erlesenen Zirkel aus Blut und Brauch, der sich selbst für geboren hielt, um zu herrschen, während der Rest des Volkes offenbar geboren war, um zu gehorchen – oder zu sterben.

Die Edlen Fichtenthals hielten eisern an der Notwendigkeit des Krieges fest. Ihre Legitimation zogen sie aus der höchsten Autorität, die man sich denken kann: der Göttin Aromet. Ein Name, der Ehrfurcht gebot – oder zumindest schwer auszusprechen war, wenn man zu viel Tavernenwein genossen hatte. Ob Aromet jemals selbst ihr göttliches Plazet zu diesem Blutzoll gegeben hatte, konnte natürlich niemand prüfen. Aber das tat man in Fichtenthal ohnehin selten. Man war es gewohnt, Dinge zu tun, wie sie immer schon getan worden waren – sei es nun das Ziehen in den Krieg oder das Knicksen vor einem Adligen, der sich das Rückgrat schon als Kind aus Höflichkeit hatte entfernen lassen.

Doch man sollte nicht meinen, der Adel sei ein geschlossener Zirkel! Nein, auch Aufstieg war möglich – ganz im Geiste von Gleichheit und Gelegenheit... theoretisch. Man musste keine Schlachten gewinnen, keine Schriften verfassen, keine Ungeheuer bezwingen. Ein paar Feste veranstalten reichte vollkommen.

Und so geschah es, dass die angehenden Edelleute die hohe Kunst des Festefeierns zur Perfektion trieben – wobei Feiern ein Wort ist, das man großzügig auslegen muss. Denn es handelte sich dabei weniger um rauschende Gelage, bei denen Met floss und Kleidung verschwand, sondern vielmehr um steife, blutleere Zusammenkünfte, bei denen höchstens der Schweinsbraten ein wenig Würze mitbrachte.

Der Wettstreit um das langweiligste Fest des Jahres war stets hart umkämpft – der Sieger erhielt eine Brosche und einen besonders hochnäsigen Blick. Die Strategie? Kein Tanz, kein Trunk, kein Ton zu laut – auf dass das Volk von selbst in den Schlaf falle. Und was ist leichter zu regieren als ein Volk, das schläft?

So ging es also Jahr um Jahr dahin. Die Felder wurden blutig, die Feste wurden fad, und der Tod wurde zum einzigen regelmäßigen Gast in Fichtenthal. Die Menschen lebten weiter – oder starben – ohne je zu fragen, ob es auch anders sein könnte.

Ob sich Fichtenthals Schicksal je gewendet hat, vermag niemand zu sagen. Vielleicht hat das Volk irgendwann den Traum abgeschüttelt, vielleicht hat es gelernt, dass ein aufrechter Rücken mehr taugt als ein gefügiger Kniefall. Vielleicht aber auch – und das ist wahrscheinlicher – versank es im endlosen Takt der Trommeln, die es nie selbst zu schlagen gewagt hatte.

Was denkt ihr, geneigte Leser?
Ist das nur ein Märchen?
Oder klingt da etwas… vertraut?


die Stimme der Vernunft
(ooc: für die Sammelwütigen unter Euch findet ihr die ein oder andere Ausgabe auch ig versteckt)
Benutzeravatar
Keylon von Salberg
Beiträge: 1801
Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Re: Anschläge in ganz Lichtenthal

Beitrag von Keylon von Salberg »

Als Keylon einem dieser Aushänge über den Weg lief, schnaufte er auf.
"Na dieser Junge hat ja Mut." meint er mit einem Kopfschütteln. "Höchst Leichtsinnig. Das könnte ihm die Hand kosten wenn wir ihn erwischen und das werden wir."
Danach riss er den Aushang von der Kutsche ab.
Er befragte noch hier und da Anwohner, die aber allesamt nichts gesehen hatten oder nichts gesehen haben wollten. Wer wusste schon, ob man nicht inzwischen einige Bürger hatte die genauso dachten.

Keylon nahm sich richtig Zeit. Überprüfte Kutsche, Adoran und Berchgard, und sogar Bajard um die Aushänge ab zu reißen.
Er sammelte sie auf einem Haufen. Schickte eines daon noch an Helisande und verbrannte dann den Rest in einem schönem Feuer.
Gewisslich hatte er nicht alle gefunden aber hatte doch eine schöne Menge gesammelt gehabt.
Benutzeravatar
Serina Marcel
Beiträge: 190
Registriert: Dienstag 7. Januar 2025, 13:04

Re: Anschläge in ganz Lichtenthal

Beitrag von Serina Marcel »

Sie hatten gemeinsam beten wollen, in der kleinen Kapelle zu Lichtenthal. Doch kaum hatten Aaryon und sie die Kapelle betreten, war ihm dieses beschriftete Papier aufgefallen. Er hatte es zuerst gelesen und sein Blick hatte schon genug gesagt, es hatte seine Laune getrübt.

Sie studierte es ebenso und konnte nur den Kopf schütteln. Sie würde es übernehmen, dieses Schandblatt entsprechend weiterzugeben an höhere Stellen. Blieb zu hoffen, dass nicht noch mehr von solchen Schmierschriften umherflogen.
Wasserfloh
Beiträge: 3
Registriert: Dienstag 4. November 2025, 22:09

Re: Anschläge in ganz Lichtenthal

Beitrag von Wasserfloh »

Ein verirrter Zettel fand den Weg in die Hände einer Gestalt, die geschickt die Schatten nutzen konnte.
Benutzeravatar
Renold Breg
Beiträge: 123
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Re: Anschläge in ganz Lichtenthal

Beitrag von Renold Breg »

Regimentssoldaten erhalten Anweisung, an einschlägigen und belebten Orten nach den Flugblättern Ausschau zu halten und sie zu entfernen.
Wachposten, die unmittelbar neben einem solchen Anschlagbrett standen oder zumindest in Sichtweite waren, werden befragt, ob etwaige Auffälligkeiten festzustellen waren und gemeldet wurden.

Selbst Händler, Kutscher oder Ausrufer, die neben den Anschlagbrettern standen, werden befragt.
Benutzeravatar
Greya Ontanu
Beiträge: 39
Registriert: Freitag 11. August 2023, 17:03

Re: Anschläge in ganz Lichtenthal

Beitrag von Greya Ontanu »

In der Nacht finden sich Aushänge wie auch Flugblätter im Herzogtum verteilt, teilweise wurden jene mit der vorherigen Schmähschrift ausgewechselt
Antwort auf das namenlose Pamphlet „Die wahre Geschichte von Fichtenthal“

Man erkennt die Weisheit eines Schreibers nicht an der Länge seiner Worte,
sondern an dem Mut, mit dem er zu ihnen steht.

Wer hinter fremden Namen, fernen Reichen und verspottenden Gleichnissen Zuflucht sucht, der weiß sehr wohl, dass seine Worte Gewicht haben – und fürchtet doch, sie mit seinem eigenen Namen zu tragen. Das ist kein Aufbegehren. Das ist kein Mut. Das ist Flüstern im Schatten.

Ihr sprecht von Krieg, als wäre er ein Märchen, von Adel, als wäre er eine Karikatur, und von Glauben, als wäre er ein bequemes Ziel für Spott. Doch wer so schreibt, hat nie an der Mauer gestanden, wenn der Feind kam. Nie die Wache gehalten, wenn andere schliefen. Nie den Namen eines Gefallenen nach Hause getragen.

Ihr fragt, warum man kämpft?
Weil Frieden nicht von allein bleibt.
Weil Grenzen nicht von Worten gehalten werden.
Weil es immer jene gibt, die nehmen wollen, was andere schützen.

Ihr verspottet den Adel, als wäre er nur Blut und Broschen. Doch Blut fließt nicht nur in Adern – es fließt auf Feldern und Straßen, und oft ist es adliges wie schlichtes zugleich. Verantwortung trägt keinen Stand, aber sie fordert Haltung. Wer sie nicht tragen will, nennt sie gern Unterdrückung.

Und was den Glauben betrifft:
Man muss keine Götter lieben, um zu verstehen, dass Spott dort billig ist, wo andere Trost, Pflicht oder Hoffnung finden. Wer mit Worten nur niedertritt, baut nichts – er hinterlässt nur Staub.

Doch all dies wäre zumindest ehrlich zu diskutieren,
wenn ihr den Mut hättet, euch zu zeigen.

Nennt euren Namen.
Steht zu euren Worten.
Tretet aus der Ferne eurer Gleichnisse heraus und sprecht offen, wie es einem Menschen gebührt.

Bis dahin bleibt eure Schrift nichts weiter als das, was er ist:
Kein Aufruf. Kein Weckruf. Kein Widerstand.

Sondern ein Zettel, der im Wind flattert –
leicht zu schreiben, leicht zu verteilen
und ebenso leicht zu verachten.

Fühlt euch herausgefordert:

Worte ohne Namen sind Staub im Wind,
sie reizen kurz und tragen nichts.
Nur wer sich zeigt und offen steht,
beweist, wer er ist – und wofür er geht.


Geschrieben im offenen Licht, nicht im Schatten versteckt.
Greya Ontanu
Gardist des Lichtenthaler Regiments
Klabautermann
Beiträge: 12
Registriert: Mittwoch 19. Juni 2024, 13:02

Re: Anschläge in ganz Lichtenthal

Beitrag von Klabautermann »

Ruhig saß er da, auf einem der Bäume nahe eines Anschlagebrettes und wartete.
Regungslos wie ein Lauerjäger der auf Beute wartet die ihm zu nahe kommt, den Blick ruhig schweifen lassend.
Er betrachtete die Gardistin als sie heran trat und ihren Aushang anbrachte.
Sie schien aufmerksam, den Blick wach und umherschweifend. Hat sie ihn gar gesehen wie er so regungslos in dem nahen Baum saß? Falls ja, lies sie sich nichts anmerken.
Erst als sie weg war wagte er sich von seinem vermeindlich sicheren Platz und trat wie ein Schatten in der Nacht an das Anschlagebrett und las den neuen Aushang.
Welch Glück doch der frühe Vogel hatte und noch vorab eines der alten Schriften an sich nahm.
Wie emsig doch ganz Lichtentahl war im abreißen und vernichten der Schriften.
Sein Weg jedoch führte ihn nun in den Untergrund von Gerimor.
In die verborgenen und nur wenigen bekannten Tunnel die Gerimor zum Teil durchzogen.
Dort am kleinen Unterschlupf wo sich all das Gesindel, tunichtgute und zum Teil sogar rechtschaffende Hescher ein finden, lies er die alte Schrift offen liegen, für alle einsehbar.
Darunter ein altes Pergament mit gut lesbarer Handsachrift.


Wer Ratten fangen will braucht Käse.
Ich habe Käse und suche Rattenfänger.
Der, der mir eindeutige Hinweise auf den Verfasser dieser Schriften geben kann, soll den Käse bekommen.
Hinterlasst eine Nachricht für den Klabautermann und holt euch die leckeren kleinen goldenen Käsescheiben ab.
250 000 sollen euer sein wenn ihr brauchbare Informationen liefert.
Baldur Burgwardt
Beiträge: 14
Registriert: Sonntag 6. Februar 2022, 14:08

Re: Anschläge in ganz Lichtenthal

Beitrag von Baldur Burgwardt »

*es wird das Regiment sicher einiges an Laufwege kosten und man wird wohl recht viel herumfragen und viel Unsinn an Zeugenaussagen heraussieben müssen, doch irgendwann werden wohl einige Aussage zusammenkommen, die sich in folgenden Punkten überschneiden: Zu später Stunde wurde sei wohl ein noch recht junger Mann gesichtet worden. Der Mann trug einen kurzen Mantel in Graubraun. Die Haare des Mannes seien wohl eher dunkel und vermutlich kurz gewesen.*


*in den alten Tunneln hingegen wird die Nachricht verschwinden, stattdessen wird eine andere zu finden sein mit folgendem Inhalt:*
Suche Käse, biete Weg zur Ratte!

Informationen werden am letzten Tag der Woche hier zur achten Abendstunde gegen den leckeren Käse getauscht!
Baldur Burgwardt
Beiträge: 14
Registriert: Sonntag 6. Februar 2022, 14:08

Re: Anschläge in ganz Lichtenthal

Beitrag von Baldur Burgwardt »

*erneut wird eine Nachricht an einem gewissen dunklen Ort hinterlassen*
Werter Klabautermann,

Zeit ist Käse und du hast meine verschwendet. Wer zu langsam ist beim Rattenfangen braucht mehr Köder. Der Preis für die Ratte hat sich deshalb um 25.000 Käsestücke erhöht.

Der Rattenfänger
Baldur Burgwardt
Beiträge: 14
Registriert: Sonntag 6. Februar 2022, 14:08

Re: Anschläge in ganz Lichtenthal

Beitrag von Baldur Burgwardt »

*eine ganze Weile ist es ruhig, doch dann tauchen wieder Anschläge in ganz Lichtenthal auf - wieder mitten in der Nacht. Augenzeugen berichten bei Befragung von einem Mann, der sich den Federhut tief ins Gesicht gezogen hat*
Der brünftige Hirsch

Vorwort

Es klagen all jene, die es mir nachtragen,
dass ich es wage, die Wahrheit zu sagen.
Ich werde feige geheißen, da ich meinen Namen nicht setze,
doch steht mir der Sinn nicht nach Regimentshetze.
Die Wahrheit wird nicht kleiner, wenn einer sie nennt,
ohne dass man ihn dabei erkennt.
Wer sieht, was der Adel treibt hierzuland,
der wagt es eher nicht, offen zu sein und bekannt.
Doch höret, ihr Leute, die neueste Kund
vom brünftigen Hirschlein — es ist die rechte Stund!

Der brünftige Hirsch

Ein gar unerquicklich Stück aus dem sittsamen F*der Buchstabe ist durchgestrichen* Lichtenthal.

Es begab sich in den geordneten, tugendstarren Gassen Adorans, dass ein gewisser hochedler Herr von Stand und Namen, dessen Wappen einen Hirsch ziert, sich in jüngster Zeit einen Ruf erwarb, der weniger nach Heldensang denn nach Kissenrascheln klang.

Man kennt ihn in den Straßen als den Hirschen von Hohenfels: stolz, gutaussehend, das Haupt mit der eingebildeten Krone hoch erhoben — und huflahm. Nun gut, letzteres ist für einen Hirschen weniger typisch, doch verkörpert er dafür einen anderen Aspekt des Königs des Waldes umso vollkommener. Denn wie der Hirsch zur Brunftzeit das Röhren nicht lassen kann, so soll auch jener Hochedle kaum ein pralles Mieder erblicken, ohne innerlich bereits mit den Hufen zu scharren.

Das Blut scheint ihm in jenen Momenten dem Hirne gänzlich abhandenzukommen und in andere Regionen des Körpers zu strömen. Neben einer unverkennbaren Verformung gewisser Partien seiner Magierrobe äußert sich dies zumeist darin, dass er die Herrschaft über seine Kinnlade vollends verliert und geraume Zeit benötigt, um seinen Unterkiefer wieder in die rechte Stellung zu bringen. Möglicherweise sind auch die in jüngster Zeit auf dem Adoraner Pflaster zu erkennenden Flecken auf einen erhöhten Speichelfluss in solchen Augenblicken zurückzuführen.

Nun könnte man sagen:
„Ei, was schadet’s? Ein junger Adliger in Sturm und Drang, ein loser Blick, ein wenig höfischer Übermut.“
Doch wer dies spricht, hat die halbe Geschichte nicht gehört — und die andere Hälfte wohl absichtlich verdrängt.

Denn während das Volk in ewige Kriege zieht und mancher brave Mann Gliedmaßen für Lichtenthal lässt, soll besagter Hirsch selbst aus seinem Verlust noch eine neue Kunst geformt haben. Es heißt, sein fehlendes Bein diene ihm weniger zur Mahnung an Opfermut als vielmehr zu allerlei unerquicklich galanter Gelegenheit.

So ward in der Schenke des Adoraner Hafenviertels geraunt, er habe eines Abends nach reichlichem Trunk und unter dem Vorwand, das Gleichgewicht verloren zu haben, derart unglücklich gegen eine Schankmaid gestrauchelt, dass sein edles Haupt schnurstracks in ihrem Mieder landete, wo es, wie boshafte Zeugen schwören, nicht eben mit hastiger Reue wieder hervortrat.

Manche nannten es einen Unfall.
Andere nannten es ein Wunder.

Die Schankmaid selbst soll gesagt haben, der Hochedle habe erstaunlich lange gebraucht, um sich wieder zu orientieren, alldieweil er doch sonst in der Stadt jeden Hauseingang im Dunkeln finde — zumindest sofern er eine attraktive Bewohnerin verberge.

Und während ein Fehltritt selten allein wandelt, so folgten alsbald weitere Gerüchte, deren Zahl so rasch wuchs wie das Geweih eines wohlgenährten Hirschen.

Da wäre zum einen die Gräfin von Meerswacht, mit welcher der Hochedle nach ausgiebigen Zusammenkünften in der Kleeblatt-Taverne auffallend oft denselben Heimweg genommen haben soll. Welch frommer Zufall, dass zwei edle Herzen so regelmäßig dieselbe Straße, dieselbe Stunde und offenbar auch dieselbe Sehnsucht teilen. Oder hat sich hier aus einer Lehrerin-Schüler-Beziehung womöglich etwas entwickelt, das weit weniger unschuldig ist? Denn die Schönheit der Gräfin ist mindestens ebenso gerühmt wie ihre magischen Fähigkeiten.

Die amourösen Abenteuer des Hirschen könnte man ja noch als einfaches „Die Hörner abstoßen“ abtun, würde er nicht zugleich auch die Herzen der Damenwelt brechen. So scheint er sich seit Jahr und Tag darum zu bemühen, das liebreizende Fräulein Serina Marcel aus Kronwalden, eine Bürgerliche, um seine Geweihsprosssen zu wickeln und ihr Hoffnung auf eine ernste Bindung zu machen.

In Anbetracht seiner Vorliebe für pralle Mieder und die sonstigen Vorzüge der Damenwelt erscheint es jedoch weit wahrscheinlicher, dass er darauf spekuliert, die erschwerten Bedingungen, die ein Adeliger erfüllen muss, um eine Bürgerliche zu ehelichen, und die damit verbundene lange Wartezeit könnten ihm gerade genug Zeit verschaffen, das Fräulein zuvor im Fleische zu erkennen, ehe er ihr dann doch unter Verweis auf seinen hohen Stammbaum die Türe endgültig vor der Nase zuschlägt, sobald es ernst zu werden droht.

Dies wäre wahrlich eine niederträchtige Art und Weise, mit dem Herzen einer Frau zu spielen. Leider scheint es also so, als umkreise der Hirsch dieses zarte Reh nur deshalb mit solch gespielter Sanftmut, um seine Unschuld zu rauben, während er andernorts längst mit nassem Atem durch fremde Hecken stößt.

Doch, o Leser, das wäre noch kaum der halbe Skandal.

Denn in jüngster Zeit wird mit leisem Kichern, halb hinter Fächern und halb hinter Weinkelchen, auch der Name seiner Leibwächterin gemurmelt: Iselda Rheinfried. Jene Frau, schlank, hochgewachsen und mit prächtigen roten Locken, gleicht einer Rose — und hat, gleich dieser, auch ihre Dornen. So fiel das Auge des hinkenden Hirschen auf sie. Er band sie unter dem Vorwand an sich, sie solle ihm mit ihren Dornen als Leibwächterin dienen; doch kennen wir alle unseren Hirschen zu gut, als dass wir dies guten Gewissens glauben könnten.

Ja, eben jene treue Begleiterin, die ihm Schatten, Stahl und Schutz sein soll. Es heißt, sie bewache mittlerweile nicht nur seine Wege, sondern auch seine Nächte, in denen er die roten Blütenblätter offenkundig mehr schätzt als die Dornen.

Man will gesehen haben, wie ihr Blick weniger den Feind als vielmehr den Herrn mustert; wie seine Stimme ihr gegenüber weicher werde als bei jeder Hofdame; wie zwischen Befehl und Gehorsam bisweilen eine Wärme stehe, die mit soldatischer Disziplin wenig und mit heimlichem Verlangen umso mehr zu tun habe.

Gewiss, gewiss — manch einer wird nun empört rufen, dies sei abscheuliche Verleumdung.
Und doch fragt man sich:
Weshalb trägt die Leibwächterin ihren Dienst so treu?
Weshalb weicht sie nicht?
Weshalb scheint der Hirsch gerade dort am zahmsten, wo er sich am sichersten wähnt, unbeobachtet zu sein?

Doch damit nicht genug.

Denn der liebestolle Hirsch schreckt auch nicht vor dem markierten Revier anderer zurück. So kann man häufig das späte Kommen und Gehen einer gewissen — an sich eher unscheinbaren — Heilerin an seinem Hause wahrnehmen. Eben jene ist jedoch offenkundig nun ebenfalls dem zweifelhaften Charme des Waldkönigs zum Opfer gefallen und verbringt häufig Abende und Nächte mit ihm, während ihr Verlobter — der frischgebackene Oberst des Lichtenthaler Regiments — nichtsahnend den Nachtdienst im Kastell verrichtet.

Während es aus Sicht der unscheinbaren Heilerin noch verständlich erscheinen mag, dass sie sich von der Aufmerksamkeit eines gutaussehenden Adeligen derart umgarnen lässt, dass sie sich ihm hingibt, erscheint es aus Sicht des Hirschen nur umso verwerflicher, dass er nicht einmal vor den Verlobten anderer Männer zurückschreckt.

Hat der Hochedle bei seinen Damen also neuerdings Geschmack an vergebenen Frauen gewonnen?
Oder ist die Heilerin nur das neueste Glied in einer Kette weiblicher Bewunderinnen, die er mit süßem Wort, schrägem Lächeln und lahmem Bein umgarnt?

Denn lahm, so scheint es, ist an diesem Herrn nur der Schritt — keineswegs aber der Wille, überall dort zu stolpern, wo Röcke rauschen.

Und so geht der Hirsch weiter durch Lichtenthal:
hier ein Kompliment,
dort ein Blick,
hier ein „Missgeschick“,
dort ein später Besuch,
hier ein frommes Werben um eine ehrbare Frau,
dort ein verdächtig inniges Verhältnis zur eigenen Wächterin oder einer vergebenen Dame.

Sollte man sich wundern, wenn bald halb Lichtenthal Hörner trägt, derweil doch eigentlich nur einer das Geweih im Wappen führt?

Man sagt, der Hirsch verliere alljährlich sein Geweih und lasse es neu wachsen.
Beim Hochedlen von Hohenfels jedoch, so fürchtet man, wächst etwas ganz anderes mit jeder neuen Bekanntschaft:
die Dreistigkeit.

Drum hütet eure Töchter, eure Gattinnen, eure Verlobten, eure Mägde und eure Leibwächterinnen.
Denn wo der brünftige Hirsch auftaucht, bleibt selten ein Mieder ungeachtet, ein Blick ungenutzt oder ein guter Ruf unbeschmutzt.

Und wenn Ihr nachts in Adoran Schritte hört, ein Kichern hinter Türen, ein Klopfen zur späten Stunde oder das verdächtige Scheppern einer Krücke am Pflaster —
dann betet, dass es nur der Wind war.

Denn schlimmer wäre es,
wenn der Hirsch wieder auf der Pirsch ist.

Ein aufmerksamer Beobachter adeligen Wildwechsels
Antworten