Der süßlich faule Geruch
- Tehlar Origon
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Der süßlich faule Geruch
Tehlar schloß sein Notizbuch. Ksa, Tom, Andarc und er waren in der Amtsstube des Hafenkontors und hatten ihren mehr oder minder offiziellen Termin mit K'awi hinter sich gebracht, als Andarc sich zu Wort meldete. "Ich hätte da noch ein zweites Anliegen, aber diesmal ehr als Heiler und ich muss leider die Stimmung nun trüben.", sagte Andarc. Ksa und Tehlar warfen sich kurz einen Blick zu. Fragend war deren beider Blick als sie wieder zu Andarc wechselten. "Das klingt nicht so schön, aber wie können wir helfen?", fragte Ksa gutmütig. "Am besten ist, wenn ich es euch zeige.", sagte Andarc und erhob sich von seinem Stuhl. Tom und Ksa taten ihm es gleich, während Tehlar schon das ganze Treffen über Stand wie eine Wache neben Ksa.
Sie gingen raus aus der Amtsstube nach draußen. Der Wind war fast Windstill und die Gerüche des Hafens kamen wiedermal zum vorscheinen, die sonst die Meeresbriese hinweg trieb. Fischabfälle, Unrat und alle was die Garküchen hergab zog an ihnen vorbei. Das Wasser im Hafenbecken schwappte sachte gegen den Kai während Andarc sie zum Trainingsplatz neben dem Auktionshaus führte. Tom wirkte ebenso ratlos, als ein etwas süßlicher verwesender Geruch langsam stärker wurde. Andarc Blick wurde ernst und schaute zu dem Rest der Gruppe. Tehlar wirkte für ihn gefasst aber alamiert und ihm war klar, dass er diesen Geruch ebenso kannte. Ksa und Tom hingegen hielten sich die Nase zu. "Wisst ihr was das ist?" fragte Andarc die beiden. Doch beide schüttelten den Kopf. Tehlar hingegen warf einen Blick in das Fass mit den Trainingswaffen, darauf gefasst etwas abscheuliches zu Gesicht zu bekommen, aber zu seiner Überraschung, fand er dort nichts. Er brauchte gar nicht Fragen, da beantworte Andarc ihm schon die Frage. "Schau mal durch das Fenster hinter dem Haus", sagte er und Tehlar ging um die Ecke herum und warf einen Blick ins Haus. Da lag jemand, leblos und rott vor sich hin. Das Gesicht nicht zu erkennen , nur die Beine die vom Sofa ragten und der Verfall schon eingesetzt hatte. Die letzten Tage war es stürmischer gewesen und die Meeresbriese hat den Geruch vermutlich weg geweht, aber sie musste dort schon einige Zeit liegen, wenn der Geruch schon außerhalb vom Haus wahrnehmbar war. "Da ist jemand verstorben.", sagte Tehlar, bemüht so ruhig wie möglich dabei zu klingen. Ksa zog scharf die Luft ein, während Tom mitfühlend drein schaute. Was sollten sie jetzt tun? Tom und Ksa gingen zum Eingang des Auktionshauses und begannen gegen die Tür zu klopfen und zu klingeln, doch keine Reaktion im Hause. Tehlar kannte das innere des Hauses nicht mal, seit es umgebaut wurde nach der Miliz. Alle schauten sich etwas ratlos an.
"Ksa, ruf bitte Eve damit wir ein Schlüssel zum Haus bekommen.", begann Tehlar das Kommando zu übernehmen. Ksa nickte und lief los, um Eve in den Abendstunden zu stören. "Andarc, kannst du bitte dir die Leiche anschauen, sobald wir ins Haus kommen?". Andarc nickt. "Natürlich, gerne doch, auch wenn das nicht meine liebste Beschäftigung ist." "Ich kann mir auch besseres vorstellen für einen Feierabend.", bestätigte Tehlar und fragte "Brauchen wir noch was?". "Masken, Handschuhe und Roben die wir danach verbrennen können. Je nachdem wie lange die Leiche da schon drin liegt, kann sie auch aufplatzen...", meinte Andarc ruhig. Ein kalter Schauer lief Tehlar über den Rücken. Die Vorstellung allein bereitete ihn unbehagen. Ksa kam wieder dazu und rang leicht nach Atem, doch ihre Hände waren leer. "Eve ist nicht da" Sie holte einmal tief Luft "Ich... ich hab keinen Schlüssel bekommen.". Tehlar schaute die Tür an. Sollte Sie sie aufbrechen? Zur Not hilft eine Axt bei der Holztür. Ksa bemerkte seinen Blick und legte eine Hand auf seine Schulter. "Jegliche Hilfe wäre jetzt eh schon zu spät...", meinte Sie ruhig. Sie hatte recht. Tom der die ganze Zeit still war meldete sich zu Wort. "Wisst ihr den, wer die Person sein könnte?" und schaut dabei fragend in die Runde. "Das ist das Auktionshaus der Duran Brüder" konnte Ksa sofort sagen. "Wobei der eine Bruder aus Bajard gezogen ist.". "Arjan Duran musste hier wohnen" bestätige dann Tehlar. "Ich hab ihn schon eine Weile nicht mehr gesehen. Ob er das ist?". Stille herrschte für einen Moment. "Und wenn er es nicht ist?", meinte Tom und machte die Sache damit nur bedrückender, aber ein durchaus valider Gedankengang, den er nicht ausschließen durfte. "Gut, wir können hier grade nichts tun. Ich werd eine der Wachen suchen und vor dem Auktionshaus Wache schieben lassen. Nicht das der Hausbesitzer unerwartet aus der Tür stolpert oder heim kehrt." Alle nickten zustimmend.
So verabschiedeten sich Tom und Andarc und verließen Bajard wieder um nach K'awi zurück zu kehren und Ksa und Tehlar klären mussten, wer der Tote ist, der nun den süßlich faule Geruch an Windstillen Tagen in der nähe des Trainingsplatzes zu vernehmen ist.
Sie gingen raus aus der Amtsstube nach draußen. Der Wind war fast Windstill und die Gerüche des Hafens kamen wiedermal zum vorscheinen, die sonst die Meeresbriese hinweg trieb. Fischabfälle, Unrat und alle was die Garküchen hergab zog an ihnen vorbei. Das Wasser im Hafenbecken schwappte sachte gegen den Kai während Andarc sie zum Trainingsplatz neben dem Auktionshaus führte. Tom wirkte ebenso ratlos, als ein etwas süßlicher verwesender Geruch langsam stärker wurde. Andarc Blick wurde ernst und schaute zu dem Rest der Gruppe. Tehlar wirkte für ihn gefasst aber alamiert und ihm war klar, dass er diesen Geruch ebenso kannte. Ksa und Tom hingegen hielten sich die Nase zu. "Wisst ihr was das ist?" fragte Andarc die beiden. Doch beide schüttelten den Kopf. Tehlar hingegen warf einen Blick in das Fass mit den Trainingswaffen, darauf gefasst etwas abscheuliches zu Gesicht zu bekommen, aber zu seiner Überraschung, fand er dort nichts. Er brauchte gar nicht Fragen, da beantworte Andarc ihm schon die Frage. "Schau mal durch das Fenster hinter dem Haus", sagte er und Tehlar ging um die Ecke herum und warf einen Blick ins Haus. Da lag jemand, leblos und rott vor sich hin. Das Gesicht nicht zu erkennen , nur die Beine die vom Sofa ragten und der Verfall schon eingesetzt hatte. Die letzten Tage war es stürmischer gewesen und die Meeresbriese hat den Geruch vermutlich weg geweht, aber sie musste dort schon einige Zeit liegen, wenn der Geruch schon außerhalb vom Haus wahrnehmbar war. "Da ist jemand verstorben.", sagte Tehlar, bemüht so ruhig wie möglich dabei zu klingen. Ksa zog scharf die Luft ein, während Tom mitfühlend drein schaute. Was sollten sie jetzt tun? Tom und Ksa gingen zum Eingang des Auktionshauses und begannen gegen die Tür zu klopfen und zu klingeln, doch keine Reaktion im Hause. Tehlar kannte das innere des Hauses nicht mal, seit es umgebaut wurde nach der Miliz. Alle schauten sich etwas ratlos an.
"Ksa, ruf bitte Eve damit wir ein Schlüssel zum Haus bekommen.", begann Tehlar das Kommando zu übernehmen. Ksa nickte und lief los, um Eve in den Abendstunden zu stören. "Andarc, kannst du bitte dir die Leiche anschauen, sobald wir ins Haus kommen?". Andarc nickt. "Natürlich, gerne doch, auch wenn das nicht meine liebste Beschäftigung ist." "Ich kann mir auch besseres vorstellen für einen Feierabend.", bestätigte Tehlar und fragte "Brauchen wir noch was?". "Masken, Handschuhe und Roben die wir danach verbrennen können. Je nachdem wie lange die Leiche da schon drin liegt, kann sie auch aufplatzen...", meinte Andarc ruhig. Ein kalter Schauer lief Tehlar über den Rücken. Die Vorstellung allein bereitete ihn unbehagen. Ksa kam wieder dazu und rang leicht nach Atem, doch ihre Hände waren leer. "Eve ist nicht da" Sie holte einmal tief Luft "Ich... ich hab keinen Schlüssel bekommen.". Tehlar schaute die Tür an. Sollte Sie sie aufbrechen? Zur Not hilft eine Axt bei der Holztür. Ksa bemerkte seinen Blick und legte eine Hand auf seine Schulter. "Jegliche Hilfe wäre jetzt eh schon zu spät...", meinte Sie ruhig. Sie hatte recht. Tom der die ganze Zeit still war meldete sich zu Wort. "Wisst ihr den, wer die Person sein könnte?" und schaut dabei fragend in die Runde. "Das ist das Auktionshaus der Duran Brüder" konnte Ksa sofort sagen. "Wobei der eine Bruder aus Bajard gezogen ist.". "Arjan Duran musste hier wohnen" bestätige dann Tehlar. "Ich hab ihn schon eine Weile nicht mehr gesehen. Ob er das ist?". Stille herrschte für einen Moment. "Und wenn er es nicht ist?", meinte Tom und machte die Sache damit nur bedrückender, aber ein durchaus valider Gedankengang, den er nicht ausschließen durfte. "Gut, wir können hier grade nichts tun. Ich werd eine der Wachen suchen und vor dem Auktionshaus Wache schieben lassen. Nicht das der Hausbesitzer unerwartet aus der Tür stolpert oder heim kehrt." Alle nickten zustimmend.
So verabschiedeten sich Tom und Andarc und verließen Bajard wieder um nach K'awi zurück zu kehren und Ksa und Tehlar klären mussten, wer der Tote ist, der nun den süßlich faule Geruch an Windstillen Tagen in der nähe des Trainingsplatzes zu vernehmen ist.
Zuletzt geändert von Tehlar Origon am Donnerstag 20. November 2025, 21:28, insgesamt 1-mal geändert.
- Ksarraja Neslin Kelsam
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Re: Der süßlich faule Geruch
Es dauerte einige Stunden bis Ksarraja den Fund verarbeitet hatte, der Geruch wie die Sichtung waren alles andere als schön, doch dann hatte sie sich gefasst und setzte sich an den Schreibtisch um zwei Briefe aufzusetzen.
Der erste ging an Arjan der zweite an Eve:
Erste Brief an Arjan:
*Nachdem beide Briefe geschrieben wurden, machte sich Ksarraja auf den Weg zu ihrem Hausboot, dort angekommen wird man sie wohl den nächsten Tag kaum zu Gesicht bekommen, doch wenn man sie trifft wird man ihr, ihre Betrübtheit anerkennen, auch wenn sie versucht dies so gut es geht zu verschleiern.*
Der erste ging an Arjan der zweite an Eve:
Erste Brief an Arjan:
Zweiter Brief an Eve:Ksarraja Neslin Kelsam hat geschrieben: Sonntag 16. November 2025, 15:49*Noch am gleichen Abend wird ein Bote zum Auktionshaus geschickt*
Grüss dich Arjan,
ich hoffe das du bester Gesundheit bist, leider haben wir einen schrecklichen Fund in deinem Auktionshaus gemacht.
Wir hoffen sehr das nicht du selber dieser Fund bist.
Daher möchte ich dich bitten dich in den nächsten zwei Tagen bei mir zu melden,
werden wir von dir nichts hören, sind wir gezwungen dein Haus zu öffnen.
Natürlich wollen wir keine Gewalt anwenden, sondern werden Eve nach dem Schlüssel erfragen.
Solltest du dich bis zum 18. Rabenmond 268 nicht bei mir melden, sind wir gezwungen in dein Haus einzudringen.
Bis bald hoffe ich dann
Hafenmeisterin Bajards
Ksarraja Neslin Kelsam hat geschrieben: Sonntag 16. November 2025, 15:52*Im Hafenkontor selber wird Ksarraja den Brief für Eve hinterlassen*
Grüss dich Eve,
leider haben wir einen schrecklichen Fund im Auktionshaus von Arjan Duran gemacht, leider kam bisher kein Lebenszeichen von ihm, daher wissen wir nicht wer diese Person ist noch ob es vielleicht Arjan selber ist.
Daher möchte ich dich bitten mir die Schlüssel für das Auktionshaus zu überlassen, sofern sich Arjan bis zum 18. Rabenmond 268 nicht bei mir meldet.
Wir wissen weder was passiert ist noch wie lange die Leiche schon im Haus liegt.
Ich hoffe sehr das sich das schnell aufklären lässt, Tehlar und ich arbeiten in diesem Fall zusammen, ich habe Tehlar angewiesen sich soweit dann darum zu kümmern, sobald wir ins Haus kommen, einen Heiler mitzunehmen um weitere Untersuchungen durchzuführen.
Bis bald
*Nachdem beide Briefe geschrieben wurden, machte sich Ksarraja auf den Weg zu ihrem Hausboot, dort angekommen wird man sie wohl den nächsten Tag kaum zu Gesicht bekommen, doch wenn man sie trifft wird man ihr, ihre Betrübtheit anerkennen, auch wenn sie versucht dies so gut es geht zu verschleiern.*
- Tehlar Origon
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Re: Der süßlich faule Geruch
Armon Duran hat geschrieben: Donnerstag 20. November 2025, 14:52Etwas Zeit verstrich und das Auktionshaus zum Bunten Hund wirkte wie ein verlassener Ort - die Hühner, welche im Garten verharrten, wirkten abgemagert und verstört. Alles rund ums Haus war abgedeckt.. bis auf jenes Fenster. Die beiden Brüder selbst, die einst jeden Tag am Hafen ihre Zeit verbrachten und für das Fischerdorf lebten, waren immer seltener anzutreffen. Das Ladenschild des belebten Hauses wurde schon längere Zeit nicht mehr gedreht - ob es was mit der Ausreise Armon's zu tun hatte? Jedoch veränderten sich die Brüder, sie wirkten in sich gekehrt .. Arjan, der etwas lustigere, wirkte von nun an launisch und explosiv - Armon, der lustige „Ritter“, war gelenkt von Hass und betrachtete das Leben nun von einer anderen Perspektive.
Wochen vergingen und die Brüder kehrten gemeinsam nach einem Abend in der Taverne am Wegekreuz zurück nach Bajard - da trafen sie auf die Wache, der junge Mann war in jener Nacht dem Tor zugeteilt. DIe Brüder sahen ihm die unerfahrenheit an .. doch hatte sich bei Arjan eines nicht verändert - die Gier nach Gold gleich eines Kaluren. Der junge Gardist lies schnell auf sich einreden und begleitete die beiden zu einer Flasche Rum gefolgt von einigen Runden Münzwurf in ihr Häuslein. Die Zeit in jener Nacht verflog. Armon hatte längst genug Gesellschaft - der junge Gardist jedoch gab nicht nach und wollte um Biegen und Brechen sein Gold zurück, lag wohl am Alkohol. Arjan freute sich, seine Börse genauso. Der Gardist der gerade seinen Sold verlor erhob sodann die Stimme - in jener Nacht konnte sicher einer der Nachbarn das gebrüll vernehmen. Der stämmige „Ritter der Vernunft - der Geduld“ verlor sodann beides, wofür er mit seinem Titel stand. Mit schweren Schritten stieg er die Stufen aus dem Keller hinauf ... -
Monde vergingen nach jenem Vorfall, die Gedanken wirrten umher - selbst sein Bruder distanzierte sich von ihm. Er brach sodann auf um das Gespräch zu suchen .. in der Hafenstadt angekommen geplagt von Verfolgungswahn und Angst vor dem Kerker machte er sich auf zum Auktionshaus. Während er die Tür aufschloss, suchte er nach passenden Worten, Worten, die Arjan verstehen würde. Die Tür öffnete sich - ein Blick in das Innere .. Dunkelheit .. leere Rumflaschen .. ein Geruch, den er selbst aus den tiefsten und dunkelsten Höhlen Gerimors nicht kannte. "Arjan!" schrie er panisch, als sich das Szenario jenes Abends in seinem Kopf abspielte. Das Auktionshaus war wie leergefegt und nur der Geruch der Verwesung belebte jenes Haus noch. Das Fenster, welches von Gemälden wie abgedeckt ist, wird er mit der bloßen Hand einschlagen - Blut auf den edlen Stoffsitzen - Blut auf den teuren Holztresen, ebenso Blut auf dem dreckigen Boden des Hauses. Flüchtend wird die Tür hinter sich zugeschlagen, er tritt wieder hinaus, woraufhin er den Briefkasten leeren wird. Der Brief von Ksa wird beäugt .. nach einigen Tagen wird ein Pergament für sie bei der Bankierin befinden.
RitterlichGuten Tag Hafenmeisterin,
erstmals wollte ich mich für eure Geduld bedanken. In letzter Zeit sind die Gebrüder Duran anderweitig beschäftigt, weshalb wir nicht mehr allzu oft im geliebten Hafen sind. Als es mich mal wieder in das Auktionshaus zog, machte ich einen schrecklichen Fund – einen widerlichen Gestank sowie die Verwesung eines Körpers. Ich kann euch nicht erklären, woher diese stammt … Ein Hinterhalt? womöglich möchte sich jemand am Auktionshaus rächen? Ich kann euch jedoch versichern: Arjan geht es gut und wir beide sind bereits am Grübeln, was es mit jener Botschaft auf sich hat. Er ist in letzter Zeit etwas angeschlagen, da es einen familiären Schicksalsschlag gab - nennt uns einen Tag und so werden wir euch am Hafen hilfreich sein, diesen Vorfall klären zu können.
Hinterlasst uns gern eine Nachricht an der Taverne zum Wegekreuz.
Ritter der Vernunft
- Tehlar Origon
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Re: Der süßlich faule Geruch
Wochen waren vergangen, doch das Haus Duran blieb dunkel. Keine Seele hatte sich dem Gebäude genähert, seit sie die Leiche gefunden hatten, und niemand war herausgekommen. Der Gestank wurde schlimmer. Hatte man ihn erst einmal bemerkt, schien er allgegenwärtig zu sein. Da half auch die frische Brise vom Meer nicht mehr. Erst die einsetzende Kälte drückte den Geruch allmählich nieder. Als schließlich der erste Schnee fiel, wurde die Lage zumindest erträglicher.
Seit der Nachricht von Armon Duran warteten Ksa und Tehlar vergeblich auf ein weiteres Lebenszeichen, vor allem auf eine Nachricht von Arjan. Schließlich war es sein Haus und damit auch seine Leiche. Oder hatte ein Bruder etwa Brudermord begangen? Diese Fragen ließen ihnen keine Ruhe. Nachdem sie beide Rücksprache mit Eve gehalten hatten, waren sie mehr oder minder auf eine Reaktion der Brüder angewiesen, doch diese Hoffnung blieb unerfüllt. Als schließlich auch die Miete ausblieb, wurde klar, dass wohl keine Antwort mehr kommen würde. Tehlar zögerte nicht länger und schrieb die Heiler Bajards an. Schnell meldeten sich Cassian und Anabel auf seinen Aufruf, und so bereiteten sich alle auf das Bevorstehende vor.
Am frühen Abend machte sich Tehlar auf den Weg ins Hafenkontor und ging gedanklich noch einmal den Ablauf durch: Tür öffnen, den Ort nach möglichen Gefahren absuchen und sichern, den Tatort inspizieren, die Heiler die Todesursache ermitteln lassen und schließlich die Leiche bergen. Ganz einfach, redete er sich immer wieder ein, um sich abzulenken.
Er öffnete die Tür des Hafenkontors und hörte Schritte aus der Heilerstube. „Hallo?“, rief er in den Raum. Anabel blickte hinter dem Vorhang hervor. „Ja? Tehlar, bist du es?“ Sie lächelte ihn durch den leichten Stoff hindurch an. „Sind wir die Ersten?“, fragte sie mit einer gewissen Vorfreude. Tehlar nickte ihr zu: „Ja, das seid ihr wohl.“ „Gut! Dann kann ich noch die Paste anrühren“, sagte sie vergnügt und rieb sich die Hände, um sich gleich ans Werk zu machen.
Welche Paste?, fragte sich Tehlar kopfschüttelnd, als Ksa durch die Tür trat. Ihre roten Haare wirkten wild, aber gepflegt, doch in ihrem Gesicht stand ihr das Unbehagen über ihr Vorhaben deutlich geschrieben. „Ich habe die Roben, Masken und Handschuhe fertiggestellt, die Andarc empfohlen hatte“, sagte sie gehetzt. „Grüß dich erst einmal“, sagte Tehlar beruhigend. Ksa atmete tief durch und sah ihn an: „Entschuldige. Grüß dich, Tehlar.“ Sie stellte die große Tasche mit der Kleidung auf den Tisch und öffnete sie sogleich. „Ich habe Roben und Handschuhe in verschiedenen Größen angefertigt, damit jeder sich bedienen kann. Außer ...“ Ksa zog eine spezielle Garnitur aus der Sammlung und reichte sie Tehlar. „... diese hier ist für dich. Deine Maße hatte ich noch von deiner Kleidung zur Winternacht.“ Tehlar hob überrascht die Augenbrauen und nahm die Sachen entgegen. „Danke sehr! Das ist ... sehr aufmerksam von dir“, sagte er höflich und begann sogleich, sich in die dunkle Kleidung zu hüllen.
Anabel kam nun ebenfalls aus der Heilerstube zur großen Tafel und stellte eine Schüssel mit einer frisch angerührten Paste auf den Tisch. Ksa und Tehlar beäugten das Gemisch skeptisch, bemerkten aber sofort den frischen Minzduft, der davon ausging. Amüsiert beobachtete Anabel die beiden und sagte, noch bevor sie eine Frage stellen konnten: „Richtig geraten. Das schmieren wir uns unter die Nase, bevor wir die Masken aufsetzen. Dadurch sollte der Gestank erträglicher werden.“ „Und das hilft wirklich?“, fragte Tehlar zweifelnd, der so etwas nie mit in die Höhlen genommen hätte. Anabel nickte nur zufrieden, während auch sie sich eine der Roben überwarf.
Nachdem jeder die Robe, die Kapuze und die Maske angelegt und die Minzpaste aufgetragen hatte, war die Gruppe bereit zum Abmarsch. Ksa trug einen leeren Beutel und ein Notizbuch bei sich, Tehlar seine Rüstung und eine Hellebarde, und Anabel eine Tasche voller Heiler-Utensilien. Sie wollten gerade aufbrechen, als Arkalimon und Celilomea interessiert auf sie zukamen. Es waren zwei hochgewachsene Elfen, die mit ihrer schlanken Gestalt für Unkundige einen fast wundersamen Anblick boten.
Fortsetzung folgt...
Seit der Nachricht von Armon Duran warteten Ksa und Tehlar vergeblich auf ein weiteres Lebenszeichen, vor allem auf eine Nachricht von Arjan. Schließlich war es sein Haus und damit auch seine Leiche. Oder hatte ein Bruder etwa Brudermord begangen? Diese Fragen ließen ihnen keine Ruhe. Nachdem sie beide Rücksprache mit Eve gehalten hatten, waren sie mehr oder minder auf eine Reaktion der Brüder angewiesen, doch diese Hoffnung blieb unerfüllt. Als schließlich auch die Miete ausblieb, wurde klar, dass wohl keine Antwort mehr kommen würde. Tehlar zögerte nicht länger und schrieb die Heiler Bajards an. Schnell meldeten sich Cassian und Anabel auf seinen Aufruf, und so bereiteten sich alle auf das Bevorstehende vor.
Am frühen Abend machte sich Tehlar auf den Weg ins Hafenkontor und ging gedanklich noch einmal den Ablauf durch: Tür öffnen, den Ort nach möglichen Gefahren absuchen und sichern, den Tatort inspizieren, die Heiler die Todesursache ermitteln lassen und schließlich die Leiche bergen. Ganz einfach, redete er sich immer wieder ein, um sich abzulenken.
Er öffnete die Tür des Hafenkontors und hörte Schritte aus der Heilerstube. „Hallo?“, rief er in den Raum. Anabel blickte hinter dem Vorhang hervor. „Ja? Tehlar, bist du es?“ Sie lächelte ihn durch den leichten Stoff hindurch an. „Sind wir die Ersten?“, fragte sie mit einer gewissen Vorfreude. Tehlar nickte ihr zu: „Ja, das seid ihr wohl.“ „Gut! Dann kann ich noch die Paste anrühren“, sagte sie vergnügt und rieb sich die Hände, um sich gleich ans Werk zu machen.
Welche Paste?, fragte sich Tehlar kopfschüttelnd, als Ksa durch die Tür trat. Ihre roten Haare wirkten wild, aber gepflegt, doch in ihrem Gesicht stand ihr das Unbehagen über ihr Vorhaben deutlich geschrieben. „Ich habe die Roben, Masken und Handschuhe fertiggestellt, die Andarc empfohlen hatte“, sagte sie gehetzt. „Grüß dich erst einmal“, sagte Tehlar beruhigend. Ksa atmete tief durch und sah ihn an: „Entschuldige. Grüß dich, Tehlar.“ Sie stellte die große Tasche mit der Kleidung auf den Tisch und öffnete sie sogleich. „Ich habe Roben und Handschuhe in verschiedenen Größen angefertigt, damit jeder sich bedienen kann. Außer ...“ Ksa zog eine spezielle Garnitur aus der Sammlung und reichte sie Tehlar. „... diese hier ist für dich. Deine Maße hatte ich noch von deiner Kleidung zur Winternacht.“ Tehlar hob überrascht die Augenbrauen und nahm die Sachen entgegen. „Danke sehr! Das ist ... sehr aufmerksam von dir“, sagte er höflich und begann sogleich, sich in die dunkle Kleidung zu hüllen.
Anabel kam nun ebenfalls aus der Heilerstube zur großen Tafel und stellte eine Schüssel mit einer frisch angerührten Paste auf den Tisch. Ksa und Tehlar beäugten das Gemisch skeptisch, bemerkten aber sofort den frischen Minzduft, der davon ausging. Amüsiert beobachtete Anabel die beiden und sagte, noch bevor sie eine Frage stellen konnten: „Richtig geraten. Das schmieren wir uns unter die Nase, bevor wir die Masken aufsetzen. Dadurch sollte der Gestank erträglicher werden.“ „Und das hilft wirklich?“, fragte Tehlar zweifelnd, der so etwas nie mit in die Höhlen genommen hätte. Anabel nickte nur zufrieden, während auch sie sich eine der Roben überwarf.
Nachdem jeder die Robe, die Kapuze und die Maske angelegt und die Minzpaste aufgetragen hatte, war die Gruppe bereit zum Abmarsch. Ksa trug einen leeren Beutel und ein Notizbuch bei sich, Tehlar seine Rüstung und eine Hellebarde, und Anabel eine Tasche voller Heiler-Utensilien. Sie wollten gerade aufbrechen, als Arkalimon und Celilomea interessiert auf sie zukamen. Es waren zwei hochgewachsene Elfen, die mit ihrer schlanken Gestalt für Unkundige einen fast wundersamen Anblick boten.
Fortsetzung folgt...
Zuletzt geändert von Tehlar Origon am Donnerstag 18. Dezember 2025, 12:32, insgesamt 2-mal geändert.
- Tehlar Origon
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Re: Der süßlich faule Geruch
Obwohl Elfen ihre Emotionen gut verbergen konnten und ihre Gesichtszüge kaum Mimik verrieten, musterten Celilomeas Augen die Edain äußerst aufmerksam. Ihr dunkelblondes Haar reichte fast bis zur Hüfte hinunter und rahmte ihr Gesicht ein, während sie die drei Fremden beobachtete. Ihre empfindliche Nase nahm neben den üblichen Hafengerüchen und der frischen Minzpaste noch eine weitere, süßliche Note wahr. Es war ein Geruch, der trotz seiner Süße instinktiv Abneigung in ihr hervorrief, aber auch ihre Neugier weckte. Die Minze hingegen stammte eindeutig von den Edain vor dem Hafenkontor. Arkalimon stand neben ihr und wirkte wachsam, fast skeptisch, als die drei schwarz berobten Gestalten aus dem Kontor traten. Bedacht darauf, Celilomea zu schützen, umfasste er seinen Stab fester. Doch das „Lied“, das er von ihnen wahrnahm, verriet ihm, dass sie keine Gefahr darstellten. Er erkannte die Struktur ihrer Aura, und als Ksa die Kapuze zurückschlug, hatte er Gewissheit.
„Mae Govannen“, begrüßten die beiden die Gruppe. Celilomea wurde sogleich von ihrem Eifer übermannt. „Sagt, was riecht hier so ... merkwürdig?“, fragte sie Ksa neugierig. Ksa musterte die Elfe kurz irritiert, antwortete aber höflich: „Wir riechen gerade stark nach Minze, aber ich vermute, Ihr nehmt noch etwas anderes wahr, oder?“ Celilomea nickte eifrig, begierig darauf zu erfahren, was es mit diesem Geruch auf sich hatte: „Law, Minze rieche ich, aber da liegt noch etwas anderes in der Luft, das ich nicht zuordnen kann.“ Mit einem eher leidvollen Blick offenbarte Ksa: „Dann vermute ich, Ihr riecht das, wo wir gerade hinwollen. Es gab einen Leichenfund, und was Ihr wahrnehmt, ist vermutlich der Verwesungsgestank.“
Arkalimon schloss die Augen und öffnete seine Sinne, die er in Gegenden wie dieser normalerweise eher dämpfte. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen, als er den Duft erfasste. Definitiv! Es lag Verwesung in der Luft, und das nicht gerade von einem kleinen Tier oder einem Fisch. Celilomea wiederholte die Worte leise, als würde sie sie zum ersten Mal hören, und Arkalimon spürte, wie die Neugier sie packte. „Dürfen wir euch begleiten? Es würde mich sehr interessieren, was sich hinter diesem Wort verbirgt“, fragte sie Ksa, fast schon wie ein neugieriges Kind. Arkalimon wechselte ins Elfische und trat einen Schritt näher an sie heran: „Bist du dir da sicher, Lomé?“ „Naw, wieso? Was sind deine Bedenken?“, gab sie gut gelaunt auf Elfisch zurück. Arkalimon seufzte, wissend, dass er kaum eine Chance hatte, es ihr auszureden. Er legte ihr eine Hand auf die Schulter und antwortete mit ruhiger, elfischer Stimme: „Weil ich weiß, wie du auf unerwartetes Furchtbares reagierst.“ Celilomeas Augen funkelten kurz, als wüsste sie, dass sie die Argumentation bereits gewonnen hatte: „Dann weißt du also, was ein ‚Leichenfund‘ ist? Ich würde es gerne selbst erfahren – und mit dir an meiner Seite schaffe ich das schon.“
Anabel, die im Hintergrund gelauscht hatte, rückte ihre Heilertasche zurecht, die ihr mit jeder Minute des Gesprächs schwerer vorkam. Sie beugte sich leicht zu Tehlar hinüber, der hinter Ksa stand, und fragte leise: „Worauf warten wir noch?“ Tehlar sah kurz zu ihr und nickte. „Ihr könnt uns gerne zum Haus begleiten, aber ich kann euch nicht an den Tatort lassen“, sagte er in ruhigem, aber bestimmtem Ton. Bei dem Wort „Tatort“ zuckten Arkalimons Augenbrauen in die Höhe. „Wir wissen nur, dass in dem Haus eine Leiche liegt und dass es sich nicht um den Besitzer handeln soll. Alles Weitere müssen wir nun ermitteln“, erläuterte Tehlar weiter. Celilomea nickte dankend und wechselte zurück in die Gemeinsprache: „Gin hannon. Sollten wir euch bei etwas stören, sagt es bitte. Wir möchten nicht unhöflich sein. Wir folgen euch.“
Ksa führte die wachsende Truppe an. Vor dem Haus wartete bereits Cassian. Ihm wurde die Tasche mit der Schutzkleidung gereicht, woraufhin auch er sich in eine dunkle Robe hüllte. Vor dem Auktionshaus stand noch immer eine Wache, die von Tehlar mit einer Handbewegung erlöst wurde. Erleichtert durfte der Wachmann sich von dem Haus mit dem grässlichen Geruch entfernen. Ksa nickte Tehlar zu: „Deine Aufgabe.“
Tehlar ging ohne Umschweife auf die große Doppeltür zu. Er lehnte seine Hellebarde an die Wand und zog einen großen Dietrichbund hervor. Er probierte verschiedene Werkzeuge aus, ehe er das richtige fand. Es klickte mehrmals im Schloss, bis er den Dietrich schließlich drehen konnte. Mit einem kräftigen Ruck knackte das Schloss. Er versuchte die Tür zu öffnen, doch sie klemmte. Irgendetwas drückte von innen dagegen. Er warf sich mit seiner Plattenrüstung gegen den Widerstand, und die Tür schwang auf. Der Unrat, der dahinter aufgetürmt war, wurde durch die Wucht zur Seite geschoben.
Sofort schlug ihnen ein muffiger, ekelerregender Gestank entgegen. Ein Schwarm Fliegen surrte lautstark aus dem Haus, gefolgt vom Hauch des Todes. Fast überall krochen Maden, Käfer und anderes Getier über den Boden und flüchteten nun in die dunklen Ecken und Löcher. Im Inneren sah es aus wie auf einem Schlachtfeld: Überall lagen Bücher, Möbel und Unrat verstreut. Was einst an ein prächtiges Auktionshaus erinnert hatte, war völlig verwüstet worden. Leere oder halbvolle Rum- und Schnapsflaschen lagen auf dem Boden; einige waren zerbrochen, und die klebrigen Flüssigkeiten waren bereits im Holzboden oder in den Teppichen versickert.
Vorsichtig ging Tehlar, nun wieder mit der Hellebarde bewaffnet, voran. Er gab den anderen ein Zeichen zu warten. Bei jedem Schritt knirschten Glassplitter unter seinen schweren Stiefeln oder es matschte, wenn er auf Ungeziefer trat. Irgendetwas rief Arkalimon von draußen, doch Tehlar war zu konzentriert, um es wahrzunehmen. Er suchte die Räumlichkeiten ab. In der abendlichen Dämmerung war es bereits fast zu dunkel, um etwas zu erkennen, doch er hatte einen Trank eingenommen. Das wenige Restlicht reichte ihm nun völlig aus, um im Dunkeln zu sehen.
Er erreichte die Couch, auf der die Leiche lag. Ein kurzer Blick genügte ihm. Es war nicht Arjan. Doch das Gesicht und die Uniform kamen ihm bekannt vor. Es war Luca, die vermisste Wache, die sie zur Winternacht bereits betrauert hatten. Tehlar biss die Zähne zusammen, wandte den Blick ab und durchsuchte den letzten Raum. Doch dort war niemand. Das Haus war leer. Kein Hinterhalt lauerte in den Schatten. Er entspannte sich ein wenig. Er musste erst einmal durchatmen – aber nicht hier drin. Er stolperte fast über den Unrat, als er eilig das Haus verließ.
Mehrere erwartungsvolle Blicke lagen auf Tehlar, als er heraustrat. Er zog Kapuze und Maske ab und atmete tief die frische Luft ein, die um Längen besser war als der Gestank im Inneren. „Das Haus ist leer“, gab er Entwarnung, was sofort für Verwirrung sorgte. „Wie, leer? Was verursacht dann den Geruch?“, fragte Cassian irritiert. „Nun, ‚die Luft ist rein‘ wäre wohl der falsche Ausdruck gewesen“, korrigierte sich Tehlar. „Was ich meinte, ist: Es besteht keine Gefahr. Ihr könnt rein.“ Routiniert betraten die Heiler das Gebäude, gefolgt von Ksa. Ihr Blick huschte kurz hilfesuchend zu Tehlar, bevor auch sie im dunklen Türspalt verschwand. Die Elfen blieben draußen stehen. Celilomea spähte interessiert durch die Tür, doch die Leiche lag außerhalb ihres Sichtfeldes.
Fortsetzung folgt...
„Mae Govannen“, begrüßten die beiden die Gruppe. Celilomea wurde sogleich von ihrem Eifer übermannt. „Sagt, was riecht hier so ... merkwürdig?“, fragte sie Ksa neugierig. Ksa musterte die Elfe kurz irritiert, antwortete aber höflich: „Wir riechen gerade stark nach Minze, aber ich vermute, Ihr nehmt noch etwas anderes wahr, oder?“ Celilomea nickte eifrig, begierig darauf zu erfahren, was es mit diesem Geruch auf sich hatte: „Law, Minze rieche ich, aber da liegt noch etwas anderes in der Luft, das ich nicht zuordnen kann.“ Mit einem eher leidvollen Blick offenbarte Ksa: „Dann vermute ich, Ihr riecht das, wo wir gerade hinwollen. Es gab einen Leichenfund, und was Ihr wahrnehmt, ist vermutlich der Verwesungsgestank.“
Arkalimon schloss die Augen und öffnete seine Sinne, die er in Gegenden wie dieser normalerweise eher dämpfte. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen, als er den Duft erfasste. Definitiv! Es lag Verwesung in der Luft, und das nicht gerade von einem kleinen Tier oder einem Fisch. Celilomea wiederholte die Worte leise, als würde sie sie zum ersten Mal hören, und Arkalimon spürte, wie die Neugier sie packte. „Dürfen wir euch begleiten? Es würde mich sehr interessieren, was sich hinter diesem Wort verbirgt“, fragte sie Ksa, fast schon wie ein neugieriges Kind. Arkalimon wechselte ins Elfische und trat einen Schritt näher an sie heran: „Bist du dir da sicher, Lomé?“ „Naw, wieso? Was sind deine Bedenken?“, gab sie gut gelaunt auf Elfisch zurück. Arkalimon seufzte, wissend, dass er kaum eine Chance hatte, es ihr auszureden. Er legte ihr eine Hand auf die Schulter und antwortete mit ruhiger, elfischer Stimme: „Weil ich weiß, wie du auf unerwartetes Furchtbares reagierst.“ Celilomeas Augen funkelten kurz, als wüsste sie, dass sie die Argumentation bereits gewonnen hatte: „Dann weißt du also, was ein ‚Leichenfund‘ ist? Ich würde es gerne selbst erfahren – und mit dir an meiner Seite schaffe ich das schon.“
Anabel, die im Hintergrund gelauscht hatte, rückte ihre Heilertasche zurecht, die ihr mit jeder Minute des Gesprächs schwerer vorkam. Sie beugte sich leicht zu Tehlar hinüber, der hinter Ksa stand, und fragte leise: „Worauf warten wir noch?“ Tehlar sah kurz zu ihr und nickte. „Ihr könnt uns gerne zum Haus begleiten, aber ich kann euch nicht an den Tatort lassen“, sagte er in ruhigem, aber bestimmtem Ton. Bei dem Wort „Tatort“ zuckten Arkalimons Augenbrauen in die Höhe. „Wir wissen nur, dass in dem Haus eine Leiche liegt und dass es sich nicht um den Besitzer handeln soll. Alles Weitere müssen wir nun ermitteln“, erläuterte Tehlar weiter. Celilomea nickte dankend und wechselte zurück in die Gemeinsprache: „Gin hannon. Sollten wir euch bei etwas stören, sagt es bitte. Wir möchten nicht unhöflich sein. Wir folgen euch.“
Ksa führte die wachsende Truppe an. Vor dem Haus wartete bereits Cassian. Ihm wurde die Tasche mit der Schutzkleidung gereicht, woraufhin auch er sich in eine dunkle Robe hüllte. Vor dem Auktionshaus stand noch immer eine Wache, die von Tehlar mit einer Handbewegung erlöst wurde. Erleichtert durfte der Wachmann sich von dem Haus mit dem grässlichen Geruch entfernen. Ksa nickte Tehlar zu: „Deine Aufgabe.“
Tehlar ging ohne Umschweife auf die große Doppeltür zu. Er lehnte seine Hellebarde an die Wand und zog einen großen Dietrichbund hervor. Er probierte verschiedene Werkzeuge aus, ehe er das richtige fand. Es klickte mehrmals im Schloss, bis er den Dietrich schließlich drehen konnte. Mit einem kräftigen Ruck knackte das Schloss. Er versuchte die Tür zu öffnen, doch sie klemmte. Irgendetwas drückte von innen dagegen. Er warf sich mit seiner Plattenrüstung gegen den Widerstand, und die Tür schwang auf. Der Unrat, der dahinter aufgetürmt war, wurde durch die Wucht zur Seite geschoben.
Sofort schlug ihnen ein muffiger, ekelerregender Gestank entgegen. Ein Schwarm Fliegen surrte lautstark aus dem Haus, gefolgt vom Hauch des Todes. Fast überall krochen Maden, Käfer und anderes Getier über den Boden und flüchteten nun in die dunklen Ecken und Löcher. Im Inneren sah es aus wie auf einem Schlachtfeld: Überall lagen Bücher, Möbel und Unrat verstreut. Was einst an ein prächtiges Auktionshaus erinnert hatte, war völlig verwüstet worden. Leere oder halbvolle Rum- und Schnapsflaschen lagen auf dem Boden; einige waren zerbrochen, und die klebrigen Flüssigkeiten waren bereits im Holzboden oder in den Teppichen versickert.
Vorsichtig ging Tehlar, nun wieder mit der Hellebarde bewaffnet, voran. Er gab den anderen ein Zeichen zu warten. Bei jedem Schritt knirschten Glassplitter unter seinen schweren Stiefeln oder es matschte, wenn er auf Ungeziefer trat. Irgendetwas rief Arkalimon von draußen, doch Tehlar war zu konzentriert, um es wahrzunehmen. Er suchte die Räumlichkeiten ab. In der abendlichen Dämmerung war es bereits fast zu dunkel, um etwas zu erkennen, doch er hatte einen Trank eingenommen. Das wenige Restlicht reichte ihm nun völlig aus, um im Dunkeln zu sehen.
Er erreichte die Couch, auf der die Leiche lag. Ein kurzer Blick genügte ihm. Es war nicht Arjan. Doch das Gesicht und die Uniform kamen ihm bekannt vor. Es war Luca, die vermisste Wache, die sie zur Winternacht bereits betrauert hatten. Tehlar biss die Zähne zusammen, wandte den Blick ab und durchsuchte den letzten Raum. Doch dort war niemand. Das Haus war leer. Kein Hinterhalt lauerte in den Schatten. Er entspannte sich ein wenig. Er musste erst einmal durchatmen – aber nicht hier drin. Er stolperte fast über den Unrat, als er eilig das Haus verließ.
Mehrere erwartungsvolle Blicke lagen auf Tehlar, als er heraustrat. Er zog Kapuze und Maske ab und atmete tief die frische Luft ein, die um Längen besser war als der Gestank im Inneren. „Das Haus ist leer“, gab er Entwarnung, was sofort für Verwirrung sorgte. „Wie, leer? Was verursacht dann den Geruch?“, fragte Cassian irritiert. „Nun, ‚die Luft ist rein‘ wäre wohl der falsche Ausdruck gewesen“, korrigierte sich Tehlar. „Was ich meinte, ist: Es besteht keine Gefahr. Ihr könnt rein.“ Routiniert betraten die Heiler das Gebäude, gefolgt von Ksa. Ihr Blick huschte kurz hilfesuchend zu Tehlar, bevor auch sie im dunklen Türspalt verschwand. Die Elfen blieben draußen stehen. Celilomea spähte interessiert durch die Tür, doch die Leiche lag außerhalb ihres Sichtfeldes.
Fortsetzung folgt...
Zuletzt geändert von Tehlar Origon am Donnerstag 18. Dezember 2025, 12:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der süßlich faule Geruch
Ksa folgte Cassian und Anabel in das Auktionshaus. Es war erschreckend, den Zustand des Gebäudes zu sehen, da sie es noch aus seiner Blütezeit kannte. Sie beobachtete, wie Cassian und Anabel sich routiniert und ruhig einen Weg durch das Gerümpel und den Unrat bahnten. Cassian erreichte als Erster das Wohnzimmer und deutete auf die Gestalt die halb auf dem Sofa lag. „Dort liegt die Leiche“, drang es gedämpft unter seiner Maske hervor. Anabel holte zu ihm auf, bedacht darauf, nicht auf dem zermatschten Getier auszurutschen.
Ksa stellte sich auf die Zehenspitzen und spähte in das Zimmer, um einen Blick auf die Stelle zu erhaschen, auf die Cassian gedeutet hatte. Nun sah auch sie den Toten. Übelkeit überkam sie und sie fing an zu würgen. Sie wandte den Blick ab und versuchte, sich zu beruhigen. Sie konzentrierte sich auf den intensiven Minzgeruch, der ihr in der Nase lag, und blendete die anderen Ausdünstungen aus. Nachdem sie sich gefasst hatte, betrat sie vorsichtig den Raum.
Anabel hockte neben der Leiche und sah sich um, während Cassian den Körper mit seinem Stab anstieß und abtastete. Rüstzeug, Uniform und diverse Schnittwunden waren sofort zu erkennen. Einige Prellungen am Kopf hatten sich dunkelila bis gelblich verfärbt und ließen den leichengrauen Körper seltsam obskur wirken. Ein paar Wochen mehr in dieser Hütte, und er wäre von einem wandelnden Leichnam auf einem der Friedhöfe nicht mehr zu unterscheiden gewesen.
„Schau dich genau um. Jede Einzelheit kann wichtig sein“, meinte Cassian und stieß erneut mit dem Stab gegen den Toten, als wolle er dessen Reaktion testen. Anabel blickte sich kurz um, ehe sie ihre Aufmerksamkeit wieder dem Körper widmete: „Ich sehe hier ehrlich gesagt nur Zerstörung. Aber schau mal hier, das sind Schnitte in der Kleidung, die teilweise bis ins Fleisch gehen.“ „Sehe ich auch so. Und ich würde behaupten, dass diese Uniform von der Bajarder Wache stammt“, sagte Cassian ruhig und stieß noch einmal gegen das Rüstzeug, das leise klimperte.
Wache? Was für eine Wache?, dachte Ksa und warf einen genaueren Blick auf das aufgedunsene Gesicht. Die Uniform war durch die Schnitte und das eingetrocknete Blut aus der Entfernung kaum zu identifizieren, doch es könnte durchaus sein. Als sie das Gesicht näher betrachtete, erkannte sie ihn plötzlich: Luca! Der Wachmann, den sie selbst noch zur Winternacht verlesen hatte und der als vermisst gemeldet war. Die Gewissheit, dass er wirklich tot war, schmerzte sie, und sie wandte sich erneut ab. Warum musste Luca hier sterben?
Sie suchte mit der Laterne den Boden ab. Einige Flaschen billigen Rums lagen verstreut herum. Als sie sich bückte, bemerkte sie etwas Silbriges unter dem Sofa aufblitzen. „Irgendetwas Silbernes, Großes liegt dort unter dem Sofa“, teilte Ksa den beiden Heilern mit. Cassian hatte derweil einige Blutflecken und Kerben von Waffen an der Wand inspiziert, während Anabel die Wunden genauer untersuchte.
Anabel seufzte und sprach das Offensichtliche aus: „Ich weiß nicht, wie du das siehst, Cassian, aber ich würde sagen, er ist schon eine Weile tot.“ Cassian nickte beiläufig und ergänzte: „Ja, und ich denke, es war kein natürlicher Tod.“ Er beugte sich hinunter und zog eine silberne Knochensäge hervor, auf die Ksa gedeutet hatte. „Eine Knochensäge, interessant. Hast du zufälligerweise Sägewunden gefunden?“, fragte er und hielt das Werkzeug hoch. Anabel deutete auf eine Stelle am rechten Oberarm. „Diese Wunde könnte dazu passen, aber hier wurde nur ins Fleisch gesägt“, sagte sie ruhig.
Ksa war angewidert und fasziniert zugleich davon, wie ruhig und routiniert die beiden arbeiteten und dabei sogar zu Scherzen aufgelegt waren. Vielleicht brauchten sie diesen Galgenhumor, um die Arbeit zu ertragen. Sie war sich jetzt schon sicher, dass sie in dieser Nacht nicht ruhig schlafen würde. „Ich denke, wir können die Leiche jetzt rausholen“, riss Anabels ruhige Stimme Ksa aus ihren Gedanken. Ksa nickte ihr zu. „Gut, dann hole ich jetzt die Trage und Tehlar.“ Sie war bereits auf dem Weg nach draußen, als Cassian ihr hinterherrief: „... und ein Tuch! Um ihn abzudecken.“ Mit diesen Worten schloss Cassian Lucas Augenlider.
Tehlar stand vor der Tür und beobachtete die Umgebung. Arkalimon wirkte konzentriert und irgendwie unzufrieden, als würde etwas nicht funktionieren. Er wird sich schon melden, dachte Tehlar. Celilomea löcherte ihn derweil mit Fragen. Ihre Neugier wuchs so merklich, dass er es fast schon amüsant fand. Als Ksa aus der Tür trat, wurde sie von einem Schwall frischer Luft umwirbelt. War das ein Zauber? War Arkalimon deshalb so konzentriert? Ksa nahm Kapuze und Maske ab und holte tief Luft. In ihren Augen konnte Tehlar sehen, welchen Eindruck die Szenerie auf sie hinterlassen hatte. Besorgt sah er sie an, doch sie sprach gefasst: „Ich glaube, es ist Luca. Luca von der Wache.“ Tehlar nickte zustimmend. „Ja, das habe ich vorhin auch bemerkt. Wir kommen also zum selben Ergebnis. Was sagen die Heiler?“ „Sie meinten, er kann jetzt rausgeholt werden. Ich hole die Trage“, antwortete Ksa und atmete noch einmal tief durch.
Tehlar zog seine Maske wieder hoch und schlug die Kapuze über, bevor er das Auktionshaus betrat. Drinnen diskutierten die Heiler über die Wundmale – Schnittwunden, Prellungen und eine Sägewunde. Es ging um die Frage, ob die Sägewunde vor oder nach dem Tod zugefügt worden war. „Also gut. Was haben wir hier?“, fragte Tehlar in den Raum. Selbst unter der Maske war zu erkennen, dass Anabel kurz grinste, als sie unverblümt antwortete: „Eine Leiche.“ Cassian griff den trockenen Ton auf: „Karten, Würfel und ein paar Goldmünzen liegen hier auf dem zerstörten Tisch und auf dem Boden.“ Er deutete auf die Gegenstände. Anabel fügte hinzu: „Eine Feier mit nicht ganz so feierlichem Ende. Man beachte auch den Alkohol, der hier herumliegt.“
„Es wurde also gespielt, gefeiert und gewettet. Dann kam es vermutlich zum Streit“, schlussfolgerte Tehlar und beäugte die Umgebung genauer. „Was der Auslöser war, können wir nicht sagen, aber der arme Mann wurde mit etwas Scharfem bearbeitet“, sagte Anabel, während Cassian mit seinem Stab erneut auf die Wunden deutete. „Diese Schnitte hier stammen nicht von einer Säge, es muss eine Klingenwaffe gewesen sein“, merkte er an.
Instinktiv wollte Tehlar sich nachdenklich durch den Bart fahren, doch er hatte vergessen, dass er die Maske trug, und ließ die Hand wieder sinken. Cassian deutete auf die Wand. Überall waren Kerben und Schnitte im Holz zu sehen. „Gehen wir davon aus, dass es zum Streit kam. Würdet ihr zustimmen, dass es auch einen Kampf gab?“, fragte Tehlar. Anabel lachte fast spöttisch und deutete in den Raum. „Ganz eindeutig. Das hat sich nicht von alleine verwüstet. Aber die Knochensäge ist wirklich ungewöhnlich. Sie ist nicht die Mordwaffe, wurde aber benutzt.“
Wieder drückte Cassian seinen Stab auf die Stelle mit der Sägewunde. „Das Seltsame ist, dass diese Wunde zu sauber für einen Schnitt bei Bewusstsein ist. Bei einer Amputation ohne Betäubung verrutscht man normalerweise“, erklärte er. „... oder er war zwar bei Bewusstsein, aber nicht bei Sinnen. Schwer zu sagen.“ Tehlar sah Luca nachdenklich an. „Das heißt, er stand entweder unter Substanzen oder man hat nach seinem Tod an ihm herumgeschnitten?“ Die beiden nickten. Tehlar fühlte sich vor ein weiteres Mysterium gestellt. Was in Horteras Namen war hier passiert?
Bevor er den Gedanken vertiefen konnte, kehrte Ksa mit der Trage und dem Tuch zurück. Cassian und er wickelten den Toten ein und rollten ihn vom Sofa auf die Trage. Mit etwas Koordination schafften sie es, den Leichnam aus dem Haus zu bergen und zurück zum Hafenkontor in die Heilerstube zu bringen. Die Elfen und die Nachbarschaft verfolgten das Geschehen neugierig. Jorgen stand am Briefkasten und tat so, als würde er seine Post kontrollieren, um unauffällig einen Blick zu erhaschen, während die Elfen ihnen direkt auf Schritt und Tritt folgten.
Fortsetzung folgt...
Ksa stellte sich auf die Zehenspitzen und spähte in das Zimmer, um einen Blick auf die Stelle zu erhaschen, auf die Cassian gedeutet hatte. Nun sah auch sie den Toten. Übelkeit überkam sie und sie fing an zu würgen. Sie wandte den Blick ab und versuchte, sich zu beruhigen. Sie konzentrierte sich auf den intensiven Minzgeruch, der ihr in der Nase lag, und blendete die anderen Ausdünstungen aus. Nachdem sie sich gefasst hatte, betrat sie vorsichtig den Raum.
Anabel hockte neben der Leiche und sah sich um, während Cassian den Körper mit seinem Stab anstieß und abtastete. Rüstzeug, Uniform und diverse Schnittwunden waren sofort zu erkennen. Einige Prellungen am Kopf hatten sich dunkelila bis gelblich verfärbt und ließen den leichengrauen Körper seltsam obskur wirken. Ein paar Wochen mehr in dieser Hütte, und er wäre von einem wandelnden Leichnam auf einem der Friedhöfe nicht mehr zu unterscheiden gewesen.
„Schau dich genau um. Jede Einzelheit kann wichtig sein“, meinte Cassian und stieß erneut mit dem Stab gegen den Toten, als wolle er dessen Reaktion testen. Anabel blickte sich kurz um, ehe sie ihre Aufmerksamkeit wieder dem Körper widmete: „Ich sehe hier ehrlich gesagt nur Zerstörung. Aber schau mal hier, das sind Schnitte in der Kleidung, die teilweise bis ins Fleisch gehen.“ „Sehe ich auch so. Und ich würde behaupten, dass diese Uniform von der Bajarder Wache stammt“, sagte Cassian ruhig und stieß noch einmal gegen das Rüstzeug, das leise klimperte.
Wache? Was für eine Wache?, dachte Ksa und warf einen genaueren Blick auf das aufgedunsene Gesicht. Die Uniform war durch die Schnitte und das eingetrocknete Blut aus der Entfernung kaum zu identifizieren, doch es könnte durchaus sein. Als sie das Gesicht näher betrachtete, erkannte sie ihn plötzlich: Luca! Der Wachmann, den sie selbst noch zur Winternacht verlesen hatte und der als vermisst gemeldet war. Die Gewissheit, dass er wirklich tot war, schmerzte sie, und sie wandte sich erneut ab. Warum musste Luca hier sterben?
Sie suchte mit der Laterne den Boden ab. Einige Flaschen billigen Rums lagen verstreut herum. Als sie sich bückte, bemerkte sie etwas Silbriges unter dem Sofa aufblitzen. „Irgendetwas Silbernes, Großes liegt dort unter dem Sofa“, teilte Ksa den beiden Heilern mit. Cassian hatte derweil einige Blutflecken und Kerben von Waffen an der Wand inspiziert, während Anabel die Wunden genauer untersuchte.
Anabel seufzte und sprach das Offensichtliche aus: „Ich weiß nicht, wie du das siehst, Cassian, aber ich würde sagen, er ist schon eine Weile tot.“ Cassian nickte beiläufig und ergänzte: „Ja, und ich denke, es war kein natürlicher Tod.“ Er beugte sich hinunter und zog eine silberne Knochensäge hervor, auf die Ksa gedeutet hatte. „Eine Knochensäge, interessant. Hast du zufälligerweise Sägewunden gefunden?“, fragte er und hielt das Werkzeug hoch. Anabel deutete auf eine Stelle am rechten Oberarm. „Diese Wunde könnte dazu passen, aber hier wurde nur ins Fleisch gesägt“, sagte sie ruhig.
Ksa war angewidert und fasziniert zugleich davon, wie ruhig und routiniert die beiden arbeiteten und dabei sogar zu Scherzen aufgelegt waren. Vielleicht brauchten sie diesen Galgenhumor, um die Arbeit zu ertragen. Sie war sich jetzt schon sicher, dass sie in dieser Nacht nicht ruhig schlafen würde. „Ich denke, wir können die Leiche jetzt rausholen“, riss Anabels ruhige Stimme Ksa aus ihren Gedanken. Ksa nickte ihr zu. „Gut, dann hole ich jetzt die Trage und Tehlar.“ Sie war bereits auf dem Weg nach draußen, als Cassian ihr hinterherrief: „... und ein Tuch! Um ihn abzudecken.“ Mit diesen Worten schloss Cassian Lucas Augenlider.
Tehlar stand vor der Tür und beobachtete die Umgebung. Arkalimon wirkte konzentriert und irgendwie unzufrieden, als würde etwas nicht funktionieren. Er wird sich schon melden, dachte Tehlar. Celilomea löcherte ihn derweil mit Fragen. Ihre Neugier wuchs so merklich, dass er es fast schon amüsant fand. Als Ksa aus der Tür trat, wurde sie von einem Schwall frischer Luft umwirbelt. War das ein Zauber? War Arkalimon deshalb so konzentriert? Ksa nahm Kapuze und Maske ab und holte tief Luft. In ihren Augen konnte Tehlar sehen, welchen Eindruck die Szenerie auf sie hinterlassen hatte. Besorgt sah er sie an, doch sie sprach gefasst: „Ich glaube, es ist Luca. Luca von der Wache.“ Tehlar nickte zustimmend. „Ja, das habe ich vorhin auch bemerkt. Wir kommen also zum selben Ergebnis. Was sagen die Heiler?“ „Sie meinten, er kann jetzt rausgeholt werden. Ich hole die Trage“, antwortete Ksa und atmete noch einmal tief durch.
Tehlar zog seine Maske wieder hoch und schlug die Kapuze über, bevor er das Auktionshaus betrat. Drinnen diskutierten die Heiler über die Wundmale – Schnittwunden, Prellungen und eine Sägewunde. Es ging um die Frage, ob die Sägewunde vor oder nach dem Tod zugefügt worden war. „Also gut. Was haben wir hier?“, fragte Tehlar in den Raum. Selbst unter der Maske war zu erkennen, dass Anabel kurz grinste, als sie unverblümt antwortete: „Eine Leiche.“ Cassian griff den trockenen Ton auf: „Karten, Würfel und ein paar Goldmünzen liegen hier auf dem zerstörten Tisch und auf dem Boden.“ Er deutete auf die Gegenstände. Anabel fügte hinzu: „Eine Feier mit nicht ganz so feierlichem Ende. Man beachte auch den Alkohol, der hier herumliegt.“
„Es wurde also gespielt, gefeiert und gewettet. Dann kam es vermutlich zum Streit“, schlussfolgerte Tehlar und beäugte die Umgebung genauer. „Was der Auslöser war, können wir nicht sagen, aber der arme Mann wurde mit etwas Scharfem bearbeitet“, sagte Anabel, während Cassian mit seinem Stab erneut auf die Wunden deutete. „Diese Schnitte hier stammen nicht von einer Säge, es muss eine Klingenwaffe gewesen sein“, merkte er an.
Instinktiv wollte Tehlar sich nachdenklich durch den Bart fahren, doch er hatte vergessen, dass er die Maske trug, und ließ die Hand wieder sinken. Cassian deutete auf die Wand. Überall waren Kerben und Schnitte im Holz zu sehen. „Gehen wir davon aus, dass es zum Streit kam. Würdet ihr zustimmen, dass es auch einen Kampf gab?“, fragte Tehlar. Anabel lachte fast spöttisch und deutete in den Raum. „Ganz eindeutig. Das hat sich nicht von alleine verwüstet. Aber die Knochensäge ist wirklich ungewöhnlich. Sie ist nicht die Mordwaffe, wurde aber benutzt.“
Wieder drückte Cassian seinen Stab auf die Stelle mit der Sägewunde. „Das Seltsame ist, dass diese Wunde zu sauber für einen Schnitt bei Bewusstsein ist. Bei einer Amputation ohne Betäubung verrutscht man normalerweise“, erklärte er. „... oder er war zwar bei Bewusstsein, aber nicht bei Sinnen. Schwer zu sagen.“ Tehlar sah Luca nachdenklich an. „Das heißt, er stand entweder unter Substanzen oder man hat nach seinem Tod an ihm herumgeschnitten?“ Die beiden nickten. Tehlar fühlte sich vor ein weiteres Mysterium gestellt. Was in Horteras Namen war hier passiert?
Bevor er den Gedanken vertiefen konnte, kehrte Ksa mit der Trage und dem Tuch zurück. Cassian und er wickelten den Toten ein und rollten ihn vom Sofa auf die Trage. Mit etwas Koordination schafften sie es, den Leichnam aus dem Haus zu bergen und zurück zum Hafenkontor in die Heilerstube zu bringen. Die Elfen und die Nachbarschaft verfolgten das Geschehen neugierig. Jorgen stand am Briefkasten und tat so, als würde er seine Post kontrollieren, um unauffällig einen Blick zu erhaschen, während die Elfen ihnen direkt auf Schritt und Tritt folgten.
Fortsetzung folgt...
- Tehlar Origon
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Re: Der süßlich faule Geruch
Arkalimon und Ksa liefen voraus und öffneten die Türen und Fenster der kleinen Heilerstube im Hafenkontor, während Cassian und Tehlar die Trage mit der Leiche hereintrugen. Langsam wurde es auch Tehlar unter den vielen Lagen Kleidung zu warm, und der Geruch der Minze, vermischt mit dem süßlich-fauligen Verwesungsgeruch, setzte ihm zunehmend zu. War es die Minze, die ihn so sehr irritierte? Er verwarf den Gedanken und stellte sicher, dass er gemeinsam mit Cassian die Trage sicher durch die Türen in die Heilerstube bugsierte.
Vorsichtig legten sie die Leiche auf den Behandlungstisch, und Cassian machte sich sogleich daran, den Leichnam wieder aus dem Leinentuch zu befreien. Das Licht in der Heilerstube war deutlich besser, und nun traten die Verfärbungen klar hervor. Mehrere Hämatome hatten sich um die Wunden gebildet, andere waren deutlich am Kopf zu sehen – als sei es zunächst nur zu einer Prügelei gekommen. Tehlar trat einen Schritt zurück und überließ Cassian und Anabel ihrem Handwerk.
Celilomea stand einen Schritt hinter Anabel und beobachtete aufmerksam das Vorgehen. Bei Horteras, diese Minze. Tehlar riss sich die Maske vom Gesicht, zog die Kapuze herunter und trat nach draußen, um frische Luft zu schnappen. Er rieb sich den Rest der Minze von der Nase, doch der süßlich-faule Geruch blieb zurück. Hatte er sich bereits so sehr daran gewöhnt?
Routiniert bereitete Cassian Schüsseln mit frischem Wasser vor und legte sauberes Leinentuch zurecht. Anabel begann derweil, die Leiche auszuziehen. Rüstzeug wurde abgelegt, Kleidung aufgeschnitten. Celilomea trat näher an den Tisch und schaute neugierig zu.
„Du kannst ihm auf der anderen Seite schon einmal die Armschienen abnehmen und die Handschuhe ausziehen“, sagte Anabel mit einem Lächeln auf den Lippen und beobachtete, wie Celilomea ohne Zögern zur Tat schritt.
Ein ungewohnter Anblick, dachte Anabel – doch zugleich freute es sie, dass selbst bei den Unannehmlichkeiten des Heilerberufs jemand mithalf. Als Anabel den Handschuh auf ihrer Seite umkrempelte und der Leiche auszog, stutzte sie. Luca fehlte an der rechten Hand der Daumen.
„Bei den Göttern, da fehlt ein Finger“, bemerkte sie erstaunt und betrachtete die Wunde genauer.
Tehlar steckte den Kopf wieder in die Heilerstube. „Was fehlt der Wache?“
„Der rechte Daumen“, antwortete Anabel, „und wie es scheint, wurde er abgesägt. Was meint ihr?“ Sie blickte fragend zu Celilomea.
Die Elfe betrachtete die Wunde aus einiger Entfernung und bestätigte die Vermutung: „So wie das Fleisch zerrissen ist, ist das durchaus möglich.“
Tehlar runzelte die Stirn. „Das gibt Falten“, scherzte Anabel, doch Tehlars Ausdruck blieb ernst.
„Das würde bedeuten, Luca wurde seines rechten Daumens beraubt und danach wieder angezogen“, schlussfolgerte er laut.
Nun runzelte auch Anabel die Stirn. „Wer macht denn so etwas – und warum?“
„Vielleicht bringt das weitere Öffnen des Leichnams noch Hinweise“, sagte Cassian und ließ die Frage unbeantwortet. Stattdessen begann er, den Körper zu reinigen und wieder zu trocknen.
„Aber nicht mehr heute“, fügte er hinzu. Celilomeas Augen wurden größer, doch sie sagte nichts.
Wenig später saß Tehlar gemeinsam mit Ksa allein im Hafenmeisterbüro. Anabel und Cassian hatten die Leiche vorbereitet und in Leinen gehüllt. Die Elfen waren bereits abgereist. Still saßen sie sich gegenüber und tranken Whiskey. Die Kerze in der Laterne flackerte und hüllte den Raum in warmes Licht.
„Das hast du heute gut gemacht“, sagte Tehlar mit sanfter Stimme. Ksa saß erschöpft in ihrem Amtssessel und nippte am Whiskey.
„Danke“, antwortete sie und lächelte müde.
„Wollen wir alles noch einmal zusammenfassen?“, fragte er und ließ seinen Blick zu seinem Glas wandern.
„Der Tatort hat Hinweise geliefert, die nicht recht zur Aussage des Briefes passen“, begann Tehlar gedankenversunken. „Laut dem Schreiben haben sie die Leiche einfach im eigenen Haus gefunden. Was mich am meisten stört: Sie haben weder uns noch die Wachen informiert.“
Ksa nickte. „Das macht sie zu unseren Hauptverdächtigen.“
„Und dass sie nun verschollen sind, macht es nicht besser“, ergänzte Tehlar und strich sich durch den Bart.
„Das Opfer war Luca von der Wache. Als wir nach ihm suchten, sagten mir seine Kameraden bereits, dass er dem Glücksspiel und Alkohol nicht abgeneigt war. Sie meinten, er sei vermutlich an die falschen Leute geraten.“
Er nahm einen Schluck Whiskey. „Wir können davon ausgehen, dass der Mord im Haus der Durans geschah. Die Kerben in der Wand deuten auf einen Kampf hin. Luca war lebend dort und hat sich gewehrt. Du hast die Rumflaschen gesehen, das Gold, Würfel und Karten.“
Ksa atmete tief durch. „Es liegt mir schwer auf dem Herzen, doch wenn wir alles zusammenführen, komme ich nicht umhin zu sagen, dass die Brüder damit zu tun haben.“
Tehlar nickte. Draußen senkte sich die Dunkelheit und nur noch Fackeln und Laternen erhellten Bajards Straßen.
„Ich vermute, sie tranken, würfelten und spielten um Gold. Es kam zum Streit, dann zum Kampf – erst mit Fäusten, dann mit Waffen. Die Flecken am Kopf und die Kerben sprechen dafür. Am Ende erlag Luca seinem Schicksal“, fasste Tehlar zusammen.
„Arjan habe ich einige male an der Übungspuppe gesehen – ich bezweifle, dass er Luca allein überwältigt hätte. Armon jedoch ist ein Kämpfer, oft in Plattenrüstung. Ihm traue ich die Tat eher zu.“
Ksa schluckte schwer. „Und dann ist da noch diese Sache mit der Knochensäge … der Daumen.“
„Warum man den Daumen abschneidet, wissen wohl nur die Götter“, sagte Tehlar leise.
Eine Weile schwiegen sie. Schließlich brach Tehlar die Stille. „Wie gehen wir weiter vor?“
Ksa nahm einen weiteren Schluck. Der Whiskey brannte, erinnerte sie daran, dass sie lebte. Todesfälle waren nichts, woran sie sich je gewöhnen wollte.
Sie sah zu Tehlar auf und zwang sich zu einem Lächeln. „Zuerst muss das Haus gereinigt werden. Danach wird es freigegeben. Und … ich werde eine Entscheidung treffen müssen.“
Sie holte tief Luft. „Die Brüder haben sich nicht gemeldet, und alles, was wir wissen, macht sie mehr als verdächtig. Ich werde Arjan und Armon Duran aus Bajard verbannen.“
So schwer ihr die Worte fielen, so befreiend fühlten sie sich zugleich an.
Tehlar nickte ihr zustimmend zu, was Ihr die Last erleichterte die sie damit trug.
„Wir wissen nicht, wer den Mord begangen hat“, schloss Ksa, „doch beide wussten von der Leiche und sind geflohen. Ich werde morgen den Aushang vorbereiten.“
Sie leerte ihr Glas.
Vorsichtig legten sie die Leiche auf den Behandlungstisch, und Cassian machte sich sogleich daran, den Leichnam wieder aus dem Leinentuch zu befreien. Das Licht in der Heilerstube war deutlich besser, und nun traten die Verfärbungen klar hervor. Mehrere Hämatome hatten sich um die Wunden gebildet, andere waren deutlich am Kopf zu sehen – als sei es zunächst nur zu einer Prügelei gekommen. Tehlar trat einen Schritt zurück und überließ Cassian und Anabel ihrem Handwerk.
Celilomea stand einen Schritt hinter Anabel und beobachtete aufmerksam das Vorgehen. Bei Horteras, diese Minze. Tehlar riss sich die Maske vom Gesicht, zog die Kapuze herunter und trat nach draußen, um frische Luft zu schnappen. Er rieb sich den Rest der Minze von der Nase, doch der süßlich-faule Geruch blieb zurück. Hatte er sich bereits so sehr daran gewöhnt?
Routiniert bereitete Cassian Schüsseln mit frischem Wasser vor und legte sauberes Leinentuch zurecht. Anabel begann derweil, die Leiche auszuziehen. Rüstzeug wurde abgelegt, Kleidung aufgeschnitten. Celilomea trat näher an den Tisch und schaute neugierig zu.
„Du kannst ihm auf der anderen Seite schon einmal die Armschienen abnehmen und die Handschuhe ausziehen“, sagte Anabel mit einem Lächeln auf den Lippen und beobachtete, wie Celilomea ohne Zögern zur Tat schritt.
Ein ungewohnter Anblick, dachte Anabel – doch zugleich freute es sie, dass selbst bei den Unannehmlichkeiten des Heilerberufs jemand mithalf. Als Anabel den Handschuh auf ihrer Seite umkrempelte und der Leiche auszog, stutzte sie. Luca fehlte an der rechten Hand der Daumen.
„Bei den Göttern, da fehlt ein Finger“, bemerkte sie erstaunt und betrachtete die Wunde genauer.
Tehlar steckte den Kopf wieder in die Heilerstube. „Was fehlt der Wache?“
„Der rechte Daumen“, antwortete Anabel, „und wie es scheint, wurde er abgesägt. Was meint ihr?“ Sie blickte fragend zu Celilomea.
Die Elfe betrachtete die Wunde aus einiger Entfernung und bestätigte die Vermutung: „So wie das Fleisch zerrissen ist, ist das durchaus möglich.“
Tehlar runzelte die Stirn. „Das gibt Falten“, scherzte Anabel, doch Tehlars Ausdruck blieb ernst.
„Das würde bedeuten, Luca wurde seines rechten Daumens beraubt und danach wieder angezogen“, schlussfolgerte er laut.
Nun runzelte auch Anabel die Stirn. „Wer macht denn so etwas – und warum?“
„Vielleicht bringt das weitere Öffnen des Leichnams noch Hinweise“, sagte Cassian und ließ die Frage unbeantwortet. Stattdessen begann er, den Körper zu reinigen und wieder zu trocknen.
„Aber nicht mehr heute“, fügte er hinzu. Celilomeas Augen wurden größer, doch sie sagte nichts.
Wenig später saß Tehlar gemeinsam mit Ksa allein im Hafenmeisterbüro. Anabel und Cassian hatten die Leiche vorbereitet und in Leinen gehüllt. Die Elfen waren bereits abgereist. Still saßen sie sich gegenüber und tranken Whiskey. Die Kerze in der Laterne flackerte und hüllte den Raum in warmes Licht.
„Das hast du heute gut gemacht“, sagte Tehlar mit sanfter Stimme. Ksa saß erschöpft in ihrem Amtssessel und nippte am Whiskey.
„Danke“, antwortete sie und lächelte müde.
„Wollen wir alles noch einmal zusammenfassen?“, fragte er und ließ seinen Blick zu seinem Glas wandern.
„Der Tatort hat Hinweise geliefert, die nicht recht zur Aussage des Briefes passen“, begann Tehlar gedankenversunken. „Laut dem Schreiben haben sie die Leiche einfach im eigenen Haus gefunden. Was mich am meisten stört: Sie haben weder uns noch die Wachen informiert.“
Ksa nickte. „Das macht sie zu unseren Hauptverdächtigen.“
„Und dass sie nun verschollen sind, macht es nicht besser“, ergänzte Tehlar und strich sich durch den Bart.
„Das Opfer war Luca von der Wache. Als wir nach ihm suchten, sagten mir seine Kameraden bereits, dass er dem Glücksspiel und Alkohol nicht abgeneigt war. Sie meinten, er sei vermutlich an die falschen Leute geraten.“
Er nahm einen Schluck Whiskey. „Wir können davon ausgehen, dass der Mord im Haus der Durans geschah. Die Kerben in der Wand deuten auf einen Kampf hin. Luca war lebend dort und hat sich gewehrt. Du hast die Rumflaschen gesehen, das Gold, Würfel und Karten.“
Ksa atmete tief durch. „Es liegt mir schwer auf dem Herzen, doch wenn wir alles zusammenführen, komme ich nicht umhin zu sagen, dass die Brüder damit zu tun haben.“
Tehlar nickte. Draußen senkte sich die Dunkelheit und nur noch Fackeln und Laternen erhellten Bajards Straßen.
„Ich vermute, sie tranken, würfelten und spielten um Gold. Es kam zum Streit, dann zum Kampf – erst mit Fäusten, dann mit Waffen. Die Flecken am Kopf und die Kerben sprechen dafür. Am Ende erlag Luca seinem Schicksal“, fasste Tehlar zusammen.
„Arjan habe ich einige male an der Übungspuppe gesehen – ich bezweifle, dass er Luca allein überwältigt hätte. Armon jedoch ist ein Kämpfer, oft in Plattenrüstung. Ihm traue ich die Tat eher zu.“
Ksa schluckte schwer. „Und dann ist da noch diese Sache mit der Knochensäge … der Daumen.“
„Warum man den Daumen abschneidet, wissen wohl nur die Götter“, sagte Tehlar leise.
Eine Weile schwiegen sie. Schließlich brach Tehlar die Stille. „Wie gehen wir weiter vor?“
Ksa nahm einen weiteren Schluck. Der Whiskey brannte, erinnerte sie daran, dass sie lebte. Todesfälle waren nichts, woran sie sich je gewöhnen wollte.
Sie sah zu Tehlar auf und zwang sich zu einem Lächeln. „Zuerst muss das Haus gereinigt werden. Danach wird es freigegeben. Und … ich werde eine Entscheidung treffen müssen.“
Sie holte tief Luft. „Die Brüder haben sich nicht gemeldet, und alles, was wir wissen, macht sie mehr als verdächtig. Ich werde Arjan und Armon Duran aus Bajard verbannen.“
So schwer ihr die Worte fielen, so befreiend fühlten sie sich zugleich an.
Tehlar nickte ihr zustimmend zu, was Ihr die Last erleichterte die sie damit trug.
„Wir wissen nicht, wer den Mord begangen hat“, schloss Ksa, „doch beide wussten von der Leiche und sind geflohen. Ich werde morgen den Aushang vorbereiten.“
Sie leerte ihr Glas.
- Anabel Lauenbach
- Beiträge: 89
- Registriert: Montag 28. November 2016, 08:07
Re: Der süßlich faule Geruch
*Müde saß die junge Frau an ihrem Schreibtisch über einem noch leeren Pergament. Sie hatte heute mit der Elfe Celilomea die Leiche obduziert. Sie hätte lieber Krötenlaich geschluckt, als diese Aufgabe zu übernehmen, aber es ließ sich nicht vermeiden. Sie war wirklich froh das Celilomea anwesend war. Die ruhige Art der Elfe hatte sie davor bewahrt, die Hände in die Luft zu werfen und das Bajarder Heilerhaus fluchtartig zu verlassen. Vermutlich würde sie den Geruch des leblosen Körpers über Wochen nicht mehr aus der Nase bekommen.
"Wie schreibt man einen solchen Bericht?" murmelte sie vor sich her. Hatte die Wache Luca Familie? Wieso hat man ihn auf diese grausame Art ums Leben gebracht? Und wer zu den Göttern tat sowas. Sie wusste das all diese Fragen nicht von ihr beantwortet werden konnten. Das war nicht ihre Aufgabe. Mit einem tiefen Seufzer nahm sie ihre Schreibfeder zur Hand und verfasste einen knappen Bericht.*
"Wie schreibt man einen solchen Bericht?" murmelte sie vor sich her. Hatte die Wache Luca Familie? Wieso hat man ihn auf diese grausame Art ums Leben gebracht? Und wer zu den Göttern tat sowas. Sie wusste das all diese Fragen nicht von ihr beantwortet werden konnten. Das war nicht ihre Aufgabe. Mit einem tiefen Seufzer nahm sie ihre Schreibfeder zur Hand und verfasste einen knappen Bericht.*
Bericht zur Untersuchung des Leichnams der Wache Luca
Anwesende: Die werte Heilerin Celilomea, stellvertretender Hafenmeister Tehlar Origon, Heilerin Anabel Lauenbach
Eine eingehende Untersuchung hat ergeben, dass die Wache Luca, wahrscheinlich geschwächt durch den Konsum einer beträchtlichen Menge Alkohols, durch einen kräftigen Schlag auf den Hinterkopf zu einer tiefen Bewusstlosigkeit gebracht wurde. Da einige Abwehrverletzungen zu finden waren ist zu vermuten, das es einen kurzen aber heftigen Kampf gegeben haben muss. Der Tatort unterstützt diese Vermutung. Es ist nicht auszuschließen, das es sich bei diesen Kampf um zwei Täter gehandelt hat. Einer der mit der Wache gekämpft hat und einer der den unglückseligen von Hinten zu Boden geschlagen hat.
Die sauberen Schnitte an Armen und Brustkorb lassen daraus schließen, dass sie dem bereits regungslosen Körper zugeführt wurden. In Folge dessen hat der hohe Blutverlust schnell zum Tode geführt. Als Waffe kommt eine scharfe kurze Klinge in Frage. Diese wurde allerdings nicht am Tatort gefunden.
Auffällig ist der fehlende Daumen, der erst nach dem Tode von der rechten Hand gesägt wurde. Wunde und Wundränder passen zu einer neben dem Leichnam gefundenen Knochensäge. Der Daumen wurde nicht aufgefunden und befindet sich vermutlich noch im Besitz des Täters oder der Täter.
Ansonsten hat die Untersuchung keine neuen Erkenntnisse zu Tage gebracht.
- Ksarraja Neslin Kelsam
- Beiträge: 512
- Registriert: Freitag 16. Juni 2017, 17:04
Re: Der süßlich faule Geruch
*Ein schlichtes Schreiben wird mit in die Akte gelegt nachdem alle Berichte zusammen getragen wurden, darunter auch der Erlass der Hafenmeisterei*
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