Please forgive me

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Aaryon von Hohenfels
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Please forgive me

Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

#ooc-Warnung: Herz, Schmerz, Schmalz und der ganze "Würg"s - wer's nicht mag, liest was anderes und verpasst nichts ;-)
____________________________________________________________
Kein Mann fürs Leben
(Zeitpunkt: Anfang Wechselwind, noch vor dem Angriff auf Berchgard)
Sie war reizend.
Wann hatte er sich das letzte Mal anstrengen müssen? Wann hatte er das letzte Mal Andeutungen gemacht, die tatsächlich nicht verstanden wurden? Sie lächelte irritiert bei seinen kleinen Aufmerksamkeiten und verglich seine Neckereien mit dem Verhalten ihrer Brüder... putzig. Alleine das weckte schon seinen Jagdinstinkt.
"Ja, ich bin schlimm. Ich weiß."
Ein scheues Eichhörnchen mit viel zu verstaubten Ansichten über Liebe und Ehe und angesichts des Verhaltens ihres Stiefvaters geradezu erbarmungswürdig nicht vorhandenen Ansprüchen, was den Wert einer Frau betraf...
Aaryon schnalzte missbilligend bei dem Gedanken, rückte vor dem Spiegel seinen Kragen zurecht und brachte mit gekonnter Geste noch mal Schwung in seine Stirnhaare. Dann ging er das Fräulein Serina besuchen, hehe. Er durfte das. Er war ja bloß der junge Herr Mikh. Ein Bürgerlicher besuchte eine Bürgerliche. Bestellte halt Möbel. Ganz harmlos. Inneres Seufzen, da ihm durchaus klar war, dass auch dieses Spiel irgendwann enden würde.

Aber wer wollte da an einem so schönen Tag wie diesem schon dran denken?

Es blieb nicht bei Besuchen für Möbel. Sie mochte also Kirschen. Und hatte keine Erfahrung mit Alkohol... mhmm...
"Neeeeiin, nicht einfach abfüllen und erobern! So armselig bist du nicht", ermahnte er sich, während er den Eierlikör einpackte. Außerdem war sie schon selbst beim Schaumwein übermässig vorsichtig gewesen. Sie muss wirklich lernen, was Genuss ist!, setzte er sich mit hebender Braue ein Ziel und ging zu ihr. Was wäre das doch sonst für ein freudloses, knöchernes Leben.
Fasziniert hörte er ihr zu. War das hier wirklich die 'Welt der kleinen Leute'? Oder hatte er hier schon ein wirklich sehr hinterweltlerisch geratenes - aber nichtsdestotrotz hübsches und angenehm selbstständiges - Exemplar vor sich?
"Was sorgt Euch?", bohrte er betont sacht nach, als sie seinen zarten Avancen wieder viel zu unsicher und fast unangemessen gründlich auszuweichen drohte... und dann doch wieder zürück kehrte, weil sie ihn offenbar doch nicht so abstoßend fand. Sie beide hatten ein Gläschen Eierlikör in der Hand - nur, während er seines gelassen und locker hielt, schien sie sich hinter ihrem verstecken zu wollen. Es war ein netter Abend, sie trug mal nicht ihre Arbeitskleidung, sondern ein hübsches, harmloses Kleid, und sie schäkerten darüber herum, wer wem was 'zahlen' müsse, wenn jemand dem anderen den Abend verdürbe.
"Ich wurde eben gewarnt, dass Männer nur Jäger sind und es ihnen um die Beute geht... sie danach eben das Interesse verlieren", erklärte sie schließlich sehr leise, errötend.
"Ach... Deeer Kram...", huschte es ihm kurz gelangweilt durch den Sinn, während er natürlich souverän genug war, ihr jetzt keine Geringschätzung ihrer Meinung zu signalisieren. "Hm", nahm er also mit einem nicht überrascht, aber ernst klingendem Laut zur Kenntnis und nickte bedächtig. Sie beide hatten je in einem Sessel Platz genommen und er beobachtete das Fräulein Marcel aufmerksam, nicht zu bohrend, nicht zu forsch. Um Vertrauen zu gewinnen, war jetzt Behutsamkeit angesagt: "Was müsste ich denn zahlen, wenn ich derjenige bin, der Euch die Stimmung verdürbe?"
'Einen Kuss', wenn auch charmant scherzend 'gefordert' bei ihm als Zahlung hatte sie eindeutig ausweichend abgelehnt.
Deutlich ratlos hob sie die Schultern: "Darüber müsste ich nachdenken. Vermutlich mit Kirschen in einer Menge, die ganz Lichtenthal kaum bieten könnte."
"So sehr mag sie den Abend gerade also, na bitte!" Er lachte leise und ließ die Atmosphäre damit möglichst zwanglos und entschärft, düngte dann den Nährboden für Vertrauen mit einer weiteren Zutat: Ehrlichkeit.

Leicht lehnte er sich vor und erklärte leise, seiner Stimme einen warmen Klang verleihend:
"Ich riskier's... denn ich möchte so ehrlich zu Euch sein, dass Ihr wisst, dass Ihr mir trauen könnt: Ich werde nicht der Mann für Euer Leben sein, Serina. Ausgeschlossen", erklärte er ruhig, "Ich kann Euch nur anbieten, ein erstes Mal die ehrliche Aufmerksamkeit und Zuwendung eines Mannes zu erfahren.
Und nein: 'Beute', an der ich danach das Interesse verliere, seid Ihr dabei nicht! Temora schlage mich mit einem Blitz, wenn es so wäre."
Please believe me, every word I say is true !
"Hoffentlich ist Temora gerade nicht schlecht gelaunt und spitzfindig", huschte es ihm mit einem Anstrich von Bersorgnis durch den Sinn, denn es war ja nicht so, dass er nicht 'Nutznießer' solcher vorübergehenden Beziehungen war. Aber tatsächlich distanzierte er sich entschieden von jenen Schürzenjägern, die dann lediglich mit der Anzahl ihrer Eroberungen prahlten. So etwas war respektlos! Auch wenn er Herzen gebrochen hatte: Er empfand sich inzwischen als eine Art Lehrer; er lehrte ahnungslose bis enttäuschte Mädchen und Damen, was sie von einem anständigen Mann an Aufmerksamkeit, Respekt und Liebeskunst erwarten könnten - und seiner Meinung nach regelrecht sollten.

Während seiner Worte leerte Serina sehr schweigsam ihr Glas. Danach sah sie in dieses und flüsterte: "Dann sollte ich besser gehen und nur hin und wieder nach euren Möbeln sehen bevor ich mich in Dinge verrenne, bei denen ich mich zur Närrin mache; falls ich nicht schon dabei war." Sie drohte aufzustehen. Er blinzelte. "Falls du nicht schon dabei warst? Hab ich es also doch richtig gedeutet, dass du Interesse an mir zeigst! Hier geblieben!" Sacht wollte er nach ihrer Hand greifen, aber sie entzog sie ihm, wenn auch mit verlegenem Blick.
"Belassen wir es bei dem, was ich anfangs in euch sah und auch besser weiterhin sehen sollte."
"Einen Kunden", vermutete er äußerlich ruhig und innerlich ernüchtert.
"Nein, jemanden mit dem ich scherzen kann wie mit meinen Brüdern, die ja nun leider nicht hier sind."
"Ich bin aber nicht dein 'Bruder', Kleines..." Er blinzelte und atmete durch. "Haltung bewahren!" Nun standen sie schon beide. Sie war angenehmerweise nicht so klein und auch nicht so schwach und zerbrechlich wie manche anderen Mädchen, bei denen 'zierlich' kein Kompliment mehr war, sondern eine Untertreibung.
"Wenn es das ist, was Ihr in mir sehen möchtet, wird es mir eine Ehre sein und werde dem genügen wollen", sagte er leicht lächelnd, ließ etwas seiner Wehmut durchblicken und wagte doch noch einen Vorstoß: "Wenn Ihr... -wie sag ich's? Wenn Ihr nicht ernsthaft all Eure Hoffnungen und Euer Bestreben darin setzt, dass der erste Mann, der Eure Zuneigung erobern darf, dann auch gleich 'der Mann für's Leben' sein muss, dann..."
"...will ich dir gern zeigen, was Liebe ist."
Er sagte es nicht. Und wenn, dann nur mit seinem Lächeln und einem sanften Blick.
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Serina Marcel
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Beitrag von Serina Marcel »

Sie hatte ihn sofort wieder erkannt, als er so plötzlich vor der Haustür stand. Der junge Herr, den sie in Adoran beinah umgerannt hatte. Sie hatte eben ihren Bürgerbrief erhalten und das nach all der Nervosität im Vorfeld, die völlig unnötig gewesen war.

Dann das kurze Wiedersehen in Berchgard, wo sie überlegt hatte, sich im Nachhinein für den leichten Unfall in Adoran zu entschuldigen und doch nicht dazu kam. Noch dazu feststellte, dass er ohnehin kein Augenmerk für sie hatte.

Hatte er sie auch wiedererkannt? Egal, er war offenbar nach Kronwalden gekommen, um über eine Hauseinrichtung zu sprechen, als er so unerwartet vor ihrer Haustür stand. Dies war ihre Berufung, auch wenn sie noch zu lernen hatte. Er würde gewiss nicht auf zusammengezimmerten Kisten sitzen müssen. Etwas mehr verstand sie von der Möbelschreinerei dann doch schon.

Er hatte Humor, ohne Frage. Ihr Geplänkel erinnerte sie mehr und mehr an die Scherzereien mit ihren Brüdern... die ihr zugegebenermaßen hier eben so arg fehlten wie ihre Mutter, die in der Ehe mit dem Scheusal feststeckte.

Ja sie fühlte sich hier trotz der hiesigen Familie oft abgeschnitten von daheim und dese Scherzereien begannen ihr Freude zu bereiten. Aber selbst sie, in all ihrer Naivität bemerkte, dass er sich in mancher Hinsicht ganz gewiss nicht wie ihre Brüder benahm. Sie war lieber vorsichtig, hatte sie doch nach Vaters Tod erlebt, wie das Scheusal sich um Mutter bemüht hatte, nach Einhaltung einer angemessenen Trauerzeit.

Charme sollte man nie blind trauen oder? Naja er war ja schon ... hübsch.. ach waren das nicht einige? Nicht verrennen, ja sie genoss die Späßchen..irgendwas zog sie ständig zu ihm hin. Auch wenn es sich schon viel zu bald nicht mehr anfühlte, wie bei ihren Brüdern.

Aber was war hier eigentlich seine Absicht? War ihr Verdacht richtig oder fühlte sie sich vollkommen unnötig wie ein aufgescheuchtes Huhn, bei seinem Benehmen? Wüsste sie es doch nur besser, aber sie traute sich auch nicht, die Familie dahingehend auszufragen. Sicher würde man am Ende nur über sie lachen.

Seine Worte wurde konkreter.. Nicht der Mann fürs Leben. Was suchte sie eigentlich? Jetzt schon nach der Liebe fürs Leben? Nein eher nicht. Aber Spielchen, auf ihre Kosten, wollte sie auch nicht erleben. Wachsam bleiben, so interessant und spassig es immer wieder zu werden begann.
Ich bin kein saurer Apfel und beissen lass ich mich auch nicht!
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Aaryon von Hohenfels
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Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

Hätte ihm jemand vorher gesagt, dass man magische Spielereien auch dazu nutzen konnte, um hübsche Fräulein zu beeindrucken, hätte er seiner Gabe wohl weit weniger skeptisch gegenüber gestanden!

Mit der nötigen Konzentration auf den feinen Sprühnebel, den der Wasserfall verteilte, kippte er fast unbewusst begleitend seine rechte Hand schräg, als er einen Teil des Wassers im Lied aufnahm und woanders in gleicher Form verteilte. Ja, da würde das Licht im benötigten Winkel hindurch scheinen: perfekt. Er lächelte, als er beobachten konnte, wie Serina staunend auf die sich zusätzlich entfaltenden Regenbögen am Wasserfall sah; und gar nicht merkte, wie wunderschön sie selbst in bunten Farben vor ihm stand, da er auch um sie herum hauchfein Wasser verteilt hatte.
"Buntes Eichhörnchen... Hübsches Eichhörnchen... Nicht weglaufen."
Er kam ihr noch ein klein wenig näher und sie sah mit diesem typisch scheuen Blick der Mädchen zu ihm, deren Herz klopfte und die doch "Angst" vor so etwas Harmlosen und Schönen wie einem Kuss hatten. Diese blöden Moralpredigten von Eltern und Geweihten und wem nicht noch alles! Manchen machten sie gar so viel Angst, dass sie dachten, sie könnten von einem Kuss schwanger werden. Manchmal war es zum aus der Haut fahren. Aber auf Weniges hatte er gerade weniger Lust, als sich über diesen Unfug zu ärgern.
"Hab keine Angst..." Behutsam, fast neckisch hakte er seinen Zeigefinger in ihren Gürtel und zog sie vorsichtig noch ein wenig näher. Diese Momente hatten ihre ganz eigene Magie.

First time, first love

Oh what feeling is this? Electricity flows with the very first kiss

Like a break in the clouds and the first ray of sun

I can feel it inside something new has begun

Die zarte Beziehung entfaltete sich in der folgenden Zeit. Aber auch andere Dinge passierten: Er musste Amelie gegenüber seine Identität offenbaren, bevor sie ihn unkontrolliert in der Öffentlichkeit erkennen würde. Zu sehen, wie sehr sie sich freute, dass der Sohn von Adrian und Darna auf Gerimor weilte, war rührend, sorgte für wenige Tage aber auch für einen delikaten "Eiertanz", was Serina betraf: sie wusste, dass ihn irgendein Geheimnis umgab, keiner von beiden wollte ihr aber verraten, um was es ging.

Als er vor Berchgard dann den Fehler beging, vor einem elenden Rahaler nicht schnell genug in die Stadt zu flüchten und ausgerechnet der frühere Oberst Marlan Kabo, von dem Mutter ihm erzählt hatte, ihn aus dem Schlamm kratzte, geschahen sogar sehr viele Dinge:
In der Lazaretteinrichtung in der berchgarder Wehrmauer wurde die kleine, schmächtige aber emsige Heilerin Cecilia stutzig, als mehr Adel nach dem laut Kronritter von Alsted „ganz normalen Mann ohne Besonderheiten“ sah, als zu einer Zeit, als die Vogtin verletzt dort gelegen hatte, wie sie sagte. Bemerkungen fielen, bis die kluge junge Frau, die leicht übersehen wurde, wenn sie irgendwo dabeistand, mehr als bloß Eins und Eins zusammenzählen konnte.
Die nächste also, die über ihn bescheid wusste. “Ich muss aufpassen!“ Und natürlich sah Serina nach ihm.
Oft.
Bis es auch Sir Keylon auffiel: „Serina! Was hast du mit ihm zu schaffen?“
„Ich biete ihm nur stützend meine Schulter, Sir, bis er bei sich zuhause angelangt ist, um sich wie angeordnet zu schonen. Vielleicht wollt Ihr dies übernehmen?“, gab die Schreinerin mit spitzer Zunge zurück, während er – der Herr Mikh – möglichst unbeteiligt dreinschauend dem Disput auf offener Straße lauschte. Schon zuvor hatte sich Serina beschwert, dass nicht er, sondern der Sir es war, der sie bloßzustellen und „ihren guten Ruf“ zu schädigen drohte; und jetzt standen sie direkt beim Dorfkrug…
„Nein“, entgegnete der Ritter, „Aber du bleibst dann nicht da, sondern kommst sofort nach Hause!“
Aaryon musste sich sehr bemühen, seine eigene Mimik im Griff behalten. “Au weia! ‚Großer Bruder‘-Alarm!“ Einen Ritter wollte er nun wirklich nicht unbedingt verärgern, auch wenn es ihn jedes Mal amüsierte, dass er angeblich Serinas Ruf schaden könnte, statt anders herum.
Näherte sich die kleine Romanze bereits ihrem Ende?
"Wo der wohl wieder reingeraten ist... Der zieht das magisch an!"
- Kronritter von Salberg *noch qualmend* -
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Aaryon von Hohenfels
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Registriert: Samstag 4. Januar 2025, 13:02

Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

Oh, wie oft es Valentin auf Drachenfels genervt hatte, drohend aufgebrachte Gemüter von Angehörigen der jungen Damen beruhigen oder sich gar duellieren zu müssen, wenn der junge Grafensproß einem Fräulein mal wieder zu charmant zugelächelt hatte – oder mehr. Jetzt musste Aaryon selber aufpassen, was die Konsequenzen seines Tuns waren, das war neu. Und so weckte es einiges Amüsement, dass er im Falle von Sir Keylon offenbar gar nichts tun musste. Serina war so erbost über den Ritter und Freiherrn, dass sie zeitweilig sogar Kronwalden mied und reichlich aufgelöst schien, was Aaryon für sie zwar leid tat, aber dergleichen war er ebenso fast schon gewohnt. Was den Ritter selbst anging, war es jedoch dessen eigenes Umfeld, das ihn zügelte.

Wenige Abende später trat Sir Keylon auf ihn zu, als Aaryon in sein in Berchgard gemietetes Haus zurückkehren wollte. Gab es jetzt Ärger? Das übliche, mal mehr, mal weniger hohle „Lass die Finger von ihr, sonst…“? Der Herr Mikh blieb höflich, wie stets, aber auch merklich vorsichtig. Dennoch lud er ihn ins Haus – das gebot der Anstand. Und auch auf Gerimor würde selbst ein temperamentvoller Ritter wohl kaum einen Bürgerlichen einfach so in dessen Haus erschlagen. Hoffte er.

Was Keylon dann hinterher als „Standpauke“ bezeichnete, rang Aaryon ein müdes Lächeln ab. Standpauke? Da klang seine Frau Mutter ja forscher, wenn sie ihm ein Lob aussprach! Auf ihn wirkte das eher wie eine Entschuldigung, aber nun gut. Der Sir würde ihnen nicht mehr im Weg stehen, er habe ja früher mit seiner heutigen Gattin vor ähnlichen Problemen gestanden – und gab gar eine kleine Anekdote zum Besten. Hm. Blinzelnd hörte Aaryon ihm zu und konnte fast nicht glauben, dass es sich so friedlich zu lösen schien. Oder ging der Freiherr von Rittersee im Stillen davon aus, dass daraus „mehr“ werden würde, so wie eben bei ihm und seiner Gemahlin? Er war Serina gegenüber stets ehrlich geblieben, was das betraf, und er spielte auch gegenüber Keylon mit offenen Karten:
„Ich kann Eure Bedenken durchaus nachvollziehen, Sir, und vermutlich seid Ihr eigentlich sogar im Recht… Mein Interesse an Fräulein Marcel ist rein romantischer Natur“, merkte er vorsichtig an und beobachtete die Reaktion des Ritters.
„Egal. Macht sie glücklich.“ Aaryon lächelte. Oh ja, das hatte er durchaus vor! „Denn wenn Ihr sie unglücklich macht, komme ich und reiße Euch den Kopf ab.“
„Ja, Sir! Verdient, Sir!“, gestand er vollkommen zu und schluckte eigentlich erst hinterher:

Dieses „reiße Euch den Kopf ab“ hatte SO gelassen und selbstverständlich geklungen… - nicht mal der Versuch dabei, bedrohlicher wirken zu wollen oder einschüchtern zu müssen – dass Aaryon ihm diese Worte wesentlich mehr für bare Münze abnahm als irgendetwas sonst!
„Er weiß doch aber schon, dass das irgendwann enden wird…?“, fragte sich der Grafensohn später noch öfters, „Und dass, äh… die Mädchen meistens darüber dann nicht glücklich sind…? Urgs.“

Trotz dieses beunruhigenden Gedankens entwickelte sich die Beziehung zwischen ihm und Serina fröhlich weiter.

Feels like the first touch
We're still getting closer baby
Can't get closer enough
Still holding on - You're still number one

Mit dem Resultat, dass es spätestens bei der Belagerung von Berchgard jedem auffiel, der die beiden zusammen sah, dass da zwei gemeinsam und füreinander kämpften und litten.

„Serina!“ Aaryon sprang die Stufen in die Mine herunter und kam schlitternd zum Stehen, sah in die Dunkelheit – und erstarrte vor Entsetzen. Nicht einmal das Zwielicht, das hier vorne herrschte, konnte über den Dreck und Staub hinwegtäuschen, der sich in einer Mine nun mal befand. “Götter, was hab ich hier angerichtet?!“ Er hatte den Ort für die Verlegung des Lazaretts empfohlen. Mehrfach. Er war sicher vor dem Beschuss durch die Katapulte der Rahaler, ja… und es war auch richtig, dass nur über diesen Weg im Falle einer Verschlimmerung der Lage eine Evakuierung nach Nilzadan möglich sein würde. Taktisch richtig… und eine Katastrophe aus heilerischer Sicht. Verletzte mit teils offenen Wunden saßen oder lagen in diesem Schmutz, in der Dunkelheit, mal hörte er Stöhnen, mal leise, besorgte Gespräche, teils Schreie – und am schlimmsten war dazwischen eigentlich die Stille.
"Göttinmutter Eluive steh uns bei, hoffentlich hat diese Entscheidung niemanden das Leben gekostet!"
Wo war Serina?! Man hatte ihm nur gesagt, dass sie bei dem Angriff verletzt worden war, und er hatte alles stehen und liegen lassen.
Ein gebrochener rechter Arm. Verdammt. Und das ausgerechnet bei ihr. Dazu musste sie einen recht schweren Schlag gegen die Stirn bekommen haben: aus seinem Eichhörnchen war ein „Einhörnchen“ geworden, wie er sie zärtlich neckte und bekümmert darum bemüht war, möglichst keinen Ekel zu zeigen, wenn sie sich schon wieder übergeben musste.
Er tat, was er konnte, um die Lage zu verbessern und zu helfen: Stützte Verletzte, sprach aufbauende Worte, trug Ausrüstung von hier nach dort, löste die Wachen ab, so gut es ging. Endlich wurde er gebraucht, allein schon, weil er unverletzt war, während andere was abbekommen hatten. Das Lazarett wurde in die Taverne der Oberstadt verlegt. “Viel zu wenig Platz!“, dachte er missmutig, und die Oberfläche eines Tisches war auch nicht weicher als der Steinboden, aber selbst ihm war klar, dass das immer noch besser war als der Dreck in der Mine.

Und dann lag er selber auf einem der Tische. Zumindest das Meiste von ihm.
Bild
Sein Bein… Götter, sein Bein.
Er begriff es erst gar nicht richtig – und als er es tat, war es Serina, die sich nicht von ihm fern halten ließ, die Cecilia sogar zu ihm schob, wissend, dass Liebende Patienten die beste Heilung ermöglichten. Trotz ihres gebrochenen Armes hielt sie ihn in ihrer Umarmung und ließ tröstend zu, dass seine Tränen ihre Bluse nässten.
“Sie ist selbst verletzt. Sie wird gehen, wenn das hier vorbei ist“, dachte er in einem seiner ersten klareren Momente, als er versuchte, die Konsequenzen des Geschehens zu realisieren.

“Wer will schon einen Krüppel?“
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Serina Marcel
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Beitrag von Serina Marcel »

Wut und auch ein wenig Trotz, sie gab es ja zu, hatte sie geleitet, als sie sich möglich von Kronwalden und damit von Sir Keylon fernhielt. Hätte sie gewusst, dass er sich aus den selben Gründen von dort fernhielt, wäre sie viel früher zurückgekehrt.

Sie wusste kaum, wie sie reagieren sollte, als Mikh nach ihrem Heimkehr plötzlich vor der Tür gestanden hatte und ihr offenbarte, dass sein Leben in ihrer Hand lag. Sicher meinte er es kaum wirklich ernst... meinte er doch nicht? Seine Erläuterung brachte sie schon wieder auf. Hier reisst niemand irgendwem den Kopf ab! Mochte ja sein, dass sie sich zusammennehmen mussten. Es war zu auffällig gewesen. Aber das lag ja nicht nur an ihnen beiden. Sir Keylons Verhalten war weit auffälliger gewesen. Sei es drum.

Dann erfolgte der Angriff auf Berchgard. Sie hatte innerhalb der Stadt gestanden. Eine der wenigen die dort verweilten, während der Großteil der Verteidiger vor den Toren kämpften. Dann trafen die ersten Geschosse auf die Mauer. Sie sah wie diese erbebte und tat das einzige, wozu sie sich imstande sah. Sie wies die vor Ort Verweilenden an, ihr zu helfen. Stämme wurden herbeigeschafft. Teils aus Lagerbeständen, teils den Baumbestand Berchgards vermindernd.

So eifrig wie es nur möglich war, errichtete sie Stützgestelle, um die Mauer von innen zu verstärken. Sinnlos wie sich letztlich herausstellte. Die Mauer bröckelte durch den Dauerbeschuss unter ihren Fingern fort. Die Angreifer brachen durch und alles ging Durcheinander. Den Bogen in der Hand, den sie zu führen kaum wirklich imstande war, suchte sie sich in der hinteren Reihe zu halten, ohne dass es wirklich gelang.

Hinterher wusste sie nicht einmal mehr wirklich zu sagen was passiert war.
Sie erinnerte sich noch, dass sie nahe der Treppe zur Oberstadt gestanden hatte. Dann Schwärze. Ein Wiedererwachen mit Schmerzen in Dunkelheit und Schmutz. Die Behandlung selbst ertragend, während rund um sie herum zu hören war, dass es offenbar vielen noch weit schlimmer ergangen sein musste.

Plötzlich hatte er neben ihr gestanden. Tröstend, liebevoll und fürsorglich, wie auch ihre Familie vorher. Es war rührend, hätte er doch sicher genug anderes da draußen zu tun gehabt. Romantik schwindet allzu schnell im Zuge der Geschehnisse. Krieg, sie hatte ihn nie gekannt. Es war erschreckend und sehr offensichtlich verdammt schmerzhaft. Und es ärgerte sie in den kommenden Stunden und Tagen, dass sie nicht mehr von Nutzen sein konnte. Verdammter Arm! Dass der Kopf weh tat war schlimm genug, aber mit gebrochenem Flügel kann kein Buntspecht fliegen!

Noch dazu konnte sie nicht einmal beratend helfen. Nach Belagerungswaffen wurde sie gefragt. Sie hätte ihnen erklären können, wie man einen Kleiderschrank baut. Aber die liessen sich nunmal so schlecht werfen. Sie hätte Pläne gebraucht, aber wenn die zu finden waren, konnte auch jeder andere Holzarbeiter helfen, der eben nicht mit gebrochenem Arm hier nutzlos herumlag.

Sie hatte erst nicht einmal verstanden, wie ernst es um Mikh stand, als sie ihn hereintrugen. Sein Bein war verletzt. Nein nicht nur verletzt. Als sie verstand, was grad geschah, traf es sie, als hätte man ihr nochmal vor den Kopf geschlagen. Damit er überleben konnte, wenn das überhaupt möglich war, mussten sie einen Teil seines Beines abnehmen.

Sie tat alles, was überhaupt möglich war, ihm Nähe und Trost zu geben. Wieder einmal viel zu auffällig. Es war ihr gleich! Er brauchte sie jetzt, Cecilia war deutlich in ihrer Aussage. Sollten die Leute doch reden. In diesen Momenten hatte sie nur Augen für ihn. Und Worte, tröstende Worte, viel zu viele Worte … vor allem ein Wort, mit dem sie ihn in diesen Stunden oft ansprach. Es war liebevoll gemeint, aber leider auch Aufmerksamkeit erweckend, weit zuviel hiervon in den höheren Kreisen. Dies sollte ihnen schon bald neue Sorgen verpassen... dieses leidige Wort mit Z!
Zuletzt geändert von Serina Marcel am Dienstag 16. September 2025, 15:54, insgesamt 2-mal geändert.
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Aaryon von Hohenfels
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Registriert: Samstag 4. Januar 2025, 13:02

Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

Sein halber rechter Unterschenkel: amputiert. Weg. Die auf die Verletzung folgenden Tage gerieten zur Tortur, körperlich wie seelisch. Irgendwann später hätte er nicht einmal mehr sagen können, was wann genau passiert war oder hätte es mühsam sortieren müssen:

Die Schwerverletzten wurden mithilfe von Arenvirs Portal nach Adoran, vom Konvent ins Hospital evakuiert. Den götternseidank bekam er in Form von Nachtschattenextrakt potentes Schmerzmittel, auch wenn ihn das in zeitweilige Teilnahmslosigkeit versinken ließ. Aber, wie Arenvir zu der grenzwertig hohen Dosierung erklärte: besser so, als wenn er in Agonie unkontrolliert auf seine Magie zugriff.
Das Hospital füllte sich auf einen Schlag, dass nahezu alle Betten belegt waren: mit Verdania, die fast verblutet wäre, mit Sir Keylon, der gleich zu Beginn in einen Hinterhalt geraten war, als er Hilfe holen sollte und es mehr tot als lebendig zurück geschafft hatte. Serina hätte selbst mehr Schonung gebraucht, aber sorgte dafür, dass Aaryon nicht alleine blieb. Überhaupt sahen viele nach ihm, auch wenn er es bestenfalls am Rande mitbekam – als Freiherr von Dynal ihn mit all dem hellen Steinstaub in den Haaren noch in Berchgard gesehen hatte, war es plötzlich nicht mehr zu übersehen gewesen, wessen Sohn dort lag.

Und er konnte wohl von Glück sagen, dass sein Bein nicht in der Mine amputiert werden musste. Trotzdem begann er, Fieber zu bekommen, als sich eine Entzündung zu bilden begann und Eiter sich an einer zunächst kleinen Stelle zu sammeln anfing. Er hätte wohl dankbarer dafür sein können, dass Esther Sternlied die Anzeichen frühzeitig bemerkte und gründlichst behandelte, nur konnte sie ihm nicht nachvollziehbar vermitteln, warum zum Dämon er es hinnehmen sollte, dass an der Verletzung herum geschnitten werden sollte, OHNE dass er Betäubungsmittel bekam! Und das in Begleitung mit der Ansage, dass es überaus schmerzhaft werden würde – war er hier bei den Letharen, oder was?! Serina hatte sie zuvor rigoros aus dem Zimmer geschickt. Aaryon konnte sich nicht so recht erklären, wieso, aber er mochte diese Heilerin nicht besonders… wo war Cecilia?

Das Fieber ging. Dafür kam Sir von Alsted.
„Ihr hegt also keine dauerhaften Absichten?“, fragte er mit sich verdunkelnder Miene. Nein, natürlich nicht, ging Aaryon davon aus, ihn zu beruhigen, schließlich wäre er sonst schon ein dutzend Mal verheiratet gewesen, aber irgendwie schien das dem Kronritter nicht zu gefallen:
„Die Verleumdung eures Standes ist keine Ausrede euch die Hörner abzustoßen. Es geziemt sich nicht derartig öffentlich zur Schau zu stellen, wenn es keine ernsthaften Absichten gibt.“
‚Derart öffentlich zur Schau stellen‘… puh. Ja, gut… “Bisher musste ich aber auch nicht um jemanden fürchten, weil die Stadt angegriffen wird oder hätte getröstet werden müssen, weil ich Gliedmaßen verloren hätte!“, protestierte er gegen den Ausnahmezustand, in dem sie sich befunden hatten. Was da andere Leute dachten, war ihm gerade eigentlich ziemlich schnuppe!
„Muss ich daran erinnern dass ihr euch schon einer Menge Gepflogenheiten widersetzt“, ließ der Kronritter weder Ausflüchte noch Erklärungen gelten, „Ihr solltet diese Liste weder länger machen noch euren Wunsch nach Abenteuer durch Weibergeschichten besudeln und euch die einzige Argumentation des jugendlichen Leichtsinns nehmen. Wenn ihr Euren Stand ablegen wollt, dann tut dies, doch diese Scharade ist nicht zu eurem Vorteil, je länger die andauert.“
In seine Wangen schoss Röte, doch nicht vor Scham. ‚Besudeln‘? ‚Stand ablegen‘? Himmel, was drohte ihm hier?! Scham gesellte sich erst dazu, als Heinrik durchblicken ließ, dass der Kosename, den sie für ihn verwendete, auch von anderen gehört worden war. Verflucht noch eins!
„Ihr habt es in die Welt getragen, ob gewollt oder nicht, und ihr habt euch euer Abenteuer aufgeladen. Als Ritter der Krone ist es meine Pflicht, den Adel an seine Aufgaben und dergleichen zu erinnern. Wir verstehen uns also?“
Urgs. Von einem Kronritter zurück gepfiffen. Autsch.
„Verstehe.
Sir.“
„Es ist auch ihr Leben und ohne ernsthafte Absichten würde ich es an eurer Stelle beenden.“
“Ja doch!
Scheiße.“
Schachmatt gesetzt wandte er den Blick ab und starrte wie betäubt gegen den Schrank am Fußende des Bettes. „Gibt es noch etwas, was Ihr mit mir zu besprechen wünscht, Sir?“
„Das wäre vorerst alles.“
„Verstehe, Sir. Danke für Eure Zeit, Sir.“
„Ich wünsche eine weiterhin rasche Genesung.“
„Zu Befehl, Sir.“

Kaum war der Kronritter draußen, schnappte sich Aaryon ein Kirschkernkissen und pfefferte es so heftig in die nächstbeste Richtung, dass es aufplatzte, während Serina und Cecilia wieder ins Zimmer kamen. Prompt bekam er von Serina besorgt fragend jenes Wort zu hören, das für ihn gerade vom niedlichen Kosewort zum Inbegriff gnadenlosen Spotts geworden war.
„Nenn..“ “mich NIE WIEDER so!“ Er riss sich zurück. Blaff sie jetzt nicht an! Sie kann nichts dafür!“ Er atmete tief durch. Presste die Augen zusammen. „Serina: Nenn mich.. – bittenie wieder so. Vor allem nicht, wenn irgend jemand anderes im Umkreis von zehn Schritt steht, von Cecilia bis zum Herzog nicht, hörst du?“
„Habe.. habe ich dich.. verärgert? Tut mir leid.“ Sie schaute zu Boden.
„Nein“, knurrte er, „Nicht mich.“ “Nur einen Kronritter. Wobei, der ist nicht verärgert. Der ist… ist bloß. Himmel, wie erklär ich das?“ „Aber mein Ansehen - schlimmer: das meiner Familie zerstörst du, indem dergleichen die Runde macht.“
Es war zu sehen, wie sehr Serina diese Worte verletzten: „Verstehe.. ich bin dir eine Schande.“
“Moooaaaah!“
„Gut du hast immer gesagt .. es würde irgendwann der Tag kommen, verzeih. Ich werde damit aufhören.“

‚Es würde der Tag kommen…‘ Ja. Es war ihm klar gewesen, und er hatte es auch Serina versucht, zu erklären. Und er hatte sie nicht überreden müssen, trotzdem diese Zeit, die sie hatten, ‚einfach zu genießen, so lange sie eben währt‘. Und jetzt?
War es doch ein Schock. Für sie beide. Nur: er kannte das bereits und begann, sich abzuschotten, auch wenn die Rahmenbedingungen denkbar ungünstig waren.
“Es muss vorbei sein, Serina. Es tut mir leid.“

So if I loved you a little more than I should
Please forgive me . . .

Er wusste gerade nicht, was er tun sollte. Die Frage „Was willst du?“ von Serina schmerzte dadurch umso mehr. “Es geht doch gar nicht darum, was ich will…“ Aber woher hätte sie das wissen und verstehen sollen? Sie war nicht adelig. Er wusste es, und hatte sich längst sein eigenes Weltbild zurecht gebaut, warum er nichtsahnenden Mädchen die Angst und Ahnungslosigkeit vor der Heirat und einem ungewollten Ehemann nehmen durfte. Serina hatte geradezu perfekt in diese Vorstellung gepasst. Was er wollte?
„Ich will, dass du weißt, dass du die begehrenswerteste Frau der Welt sein kannst, wenn du willst“, sagte er und schnappt für weitere Sätze nach Luft, „Ich will, dass du nicht den allerleisesten Zweifel daran hegst, dass du dir den Mann deines Lebens aussuchen kannst und niemand ein Recht hat, über dich zu bestimmen, dich zu verschachern oder dich schlecht zu behandeln.
Ich will, dass du weißt, dass du es verdienst, auf Händen getragen und von Herzen geliebt zu werden - wie jede Frau. Geschöpfe, Ebenbilder Eluives.“
„Hör auf auszuweichen“, zischte Serina ihn eisig an, „Du weisst genau was ich meine..“
“Ja. Aber darum geht es nicht.“ Er musste Abschied nehmen. „Und wenn ich dir das beibringen durfte... bin ich dankbar. Und bin glücklich, wenn du glücklich wirst. Mehr will ich nicht.“
“Wie großmütig…!“, hörte er einen fiktiven Spötter, reagierte aber schon gar nicht mehr darauf.
„Ich verzichte auf Glück“, erwiderte Serina gefährlich leise, „Liebe ist…“ – und wurde abrupt sehr laut, stieß mit eiskalter Stimme aus: „DUMM! Und ich will sie nicht!“
Sie rauschte raus. Er ächzte. Er hätte ihr ja nicht einmal hinterher eilen können, selbst wenn er gewollt hätte.

Mit ausdrucklos leerem Blick starrte er dumpf gegen den Schrank, nur sein Körper verriet durch ein leichtes Zittern die innere Anspannung.
Bein weg.
Liebste weg.
Fantastisch. Es konnte wohl kaum noch schlimmer werden.
"Wo der wohl wieder reingeraten ist... Der zieht das magisch an!"
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Serina Marcel
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Beitrag von Serina Marcel »

Der Tag der Evakuierung war gekommen. Alle Verletzten sollten durch ein Tor nach Adoran gebracht werden. Es waren dann ausgerechnet die Worte Cecilias, die sie erschreckten. Sie wurde nervös und musste doch bemüht bleiben, es nicht zu zeigen.

Cecilia musste als Heilerin in Berchgard bleiben und suchte ausgerechnet sie aus. "Du vertrittst mich dort! Die Heiler vor Ort wissen was zu tun ist und werden dir helfen." Sie, ausgerechnet sie, sollte die Verantwortung übernehmen. Sie war doch nur.. nein nicht wieder zu sehr im Gedanken verfangen, sie wäre doch nur das Mädchen aus dem Wald, das würde alles nur noch schlimmer machen.

Und ja, die Heiler übernahmen die Versorgung. Sie konnte die Zeit für Mikh aufwenden und tat es ausgiebig..bis Esther hereinkam. All ihr Gezeter und Genörgel hatte nicht geholfen. Esther kannte es wohl schon, ständig solche Patienten, die einfach nicht hören wollten, geschweige denn auf ihren eigenen Zustand achten. Rigoros wurde sie von Esther durchs Haus gezogen und in ein Bett verfrachtet. Erst die Bemerkung, dass sie das Zimmer dann eben garnicht mehr verlassen dürfte, brachte sie dazu endlich Zurückhaltung aufzuzeigen.

Zeitweise hatte sie dann doch wieder zu Mikh gedurft, immer in Betracht ziehend, sich auch selbst noch schonen zu müssen. Sie erholte sich doch schneller, zumal Mikhs Bein sich dann auch noch entzündete. Es sollte nicht der einzige Vorfall bleiben.

Seine Worte, die alles beendeten, waren wie Messer. Dass es nicht für die Ewigkeit sein würde, sie hatte es doch gewusst! Er hatte sie dahingehend nie belogen. Aber jetzt, so aus dem Nichts.. ein weiterer Schlag vor den Kopf, gefolgt von Dolchstössen. Die Worte waren nur wie in Nebel geführt und am Ende kam ihr nur ein Gedanke. Wenn es ohnehin kein Glück gab, warum es nicht gleich einsehen?

Sie konnte auch genausogut zurückgehen. Der Mann fürs Leben war ja bereits ausgesucht. Einfach heimkehren und akzeptieren, was ihr Stiefvater entschieden hatte! Warum auch nicht? Cecilia hatte vergeblich versucht sie aufzuhalten. Es war letztlich die eigene Angst vor dem, was sie dann erwarten würde, die diesen entgültigen Schritt verhinderte und nach einigen unsicheren Schritten, weiter in Richtung Hafengebiet, doch umkehren liess.

Cecilia hatte sie mit zu sich genommen. Dort konnten ihre Verletzungen genauso weiter versorgt werden. Eine schlaflose Nacht dort folgte, während es im Haus still wurde. Irgendwann in den Morgenstunden hielt sie es nicht mehr aus. Sie wusste nicht, was sie erwarten konnte oder wollte. Aber wenigstens vielleicht doch eine ruhigere Aussprache, nach all der Aufregung des Vorabends. Leider war die Haustür verschlossen. Wecken wollte sie auch niemanden und so kletterte sie mühsam aus einem der ebenerdigen Südfenster und schlich wieder zurück ins Heilerhaus.

Sie hatten noch keine zwei Worte mit Mikh wechseln können, als jemand im Schwung des eigenen Laufens in ihren Rücken rannte und dort abprallend zu Boden stürzte: Cecilia, völlig in Tränen aufgelöst und sie anstarrend, als wäre ihr ein Geist oder sonstwas erschienen! Es dauerte eine Weile zu verstehen, dass Cecilia offenbar befürchtet hatte, sie wäre doch auf ein Schiff gestiegen und einfach wortlos entschwunden.
Zuletzt geändert von Serina Marcel am Dienstag 23. September 2025, 13:41, insgesamt 1-mal geändert.
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Aaryon von Hohenfels
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Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

Ein riesiger, geflügelter Schattendämon, höher als die Festungsmauer, nahm sein Bein weg und ging damit fort, er spürte die Wunde klaffen. Als er ihm hinterher rannte, kam Serina nicht mit. Gerade, als er realisierte, dass er Serina verloren hatte, weil er jetzt schon viel zu weit dem Dämon hinterher gelaufen war, begriff ein Teil seines Verstandes auch, dass hier irgend etwas nicht stimmen konnte, und er wachte auf.
Sir Keylon trat an sein Bett: „Guten Abend, Mikh.“
“Wenn Ihr Serina unglücklich macht, reiß ich Euch den Kopf ab.“
„Ja, Sir! Verdient, Sir!“


Keylon zog sich einen Stuhl heran und setzte sich. Es war niemand anderes im Raum.
“Du weißt, warum ich hier bin?“
Hatte der Ritter das gesagt? Oder hatte er es sich nur eingebildet? Der junge Mann, durch seinen Zustand noch blass und geschwächt, rutschte dichter an die Zimmerecke, in der sein Bett stand. Mit den Kissen im Rücken mochte es so wirken, als wolle er sich für den Besuch nur aufrechter hinsetzen.
„Wie geht es dir - abgesehen von der… Sache?„ fragte der Ritter mit einem Kopfdeut zu seinem Bein.
Bild
Aaryon starrte ihn an. Was sollte er dazu jetzt sagen? Was wollte Keylon? Dass er bei klarem Verstand war, bevor er ihm den Hals umdrehte? Dass er um Gnade winselte? Sollte er? Es würde nichts nützen, davon war er fest überzeugt. Genauso wie davon, dass er diese Worte mit dem „Kopf abreißen“ wesentlich ernster gemeint hatte als seine „Standpauke“.
Wie lange hatte er Keylon jetzt angestarrt wie eine Vogelspinne im Raum, an die man nicht heran kam? Er schluckte. „Geht so… Sir.“
„Du wirst es mir nicht glauben, aber ja, ich denke ich weiß wie du dich fühlen musst“, sprach der Ritter bedächtig, ruhig und ernst. “Aha?“
„Das Wort schrecklich umfasst es nicht mal im Geringsten.“
Aaryon wurde so bleich wie sein Krankenhemd. Leicht begann er, zu zittern, während er ihn ungläubig anstarrte. Diese Ruhe, die Keylon ausstrahlte, versprach keinen schnellen Tod, im Zorn erschlagend, sondern viel brutaleres. Folter?
„Ich bin einmal an einen Rabendiener geraten der sich an mir rächen wollte“, erzählte der Sir, „Er besiegte mich. Brannte den ersten Buchstaben seines Namens in meinen Nacken...“
Sein Gegenüber schluckte. Erklärte Keylon ihm gerade, was er mit ihm vorhatte?! „…und zerstörte in der Absicht, dass ich meinen Arm verliere meinen linken Oberarm.“
Wie paralysiert beobachtete er, wie Keylon unprätentiös sein Hemd auszog und ihm einen schrecklich vernarbten Arm zeigte. „DAS hat er mit mir vor?!“ Sichtlich entsetzt starrte Aaryon den Arm an, bis der Ritter schlicht das Hemd wieder darüber zog. Seine Augen begannen, verräterisch feucht zu schimmern.

Und ähnlich, wie bei seinem Albtraum realisierte er nur zäh bei den weiteren Worten Keylons, der ihm sagte, dass er „nur Mut brauche“ und „jetzt nicht weniger wert sei“, dass der Ritter… ihm nichts tun wollte? „Es tut mir leid!“, beteuerte Aaryon nun doch – und stieß auf Verwirrung.
Himmel… Wusste Keylon etwa noch nichts von der Trennung? War er nicht deswegen hier?
“Er wird es erfahren. Und dann zurück kommen“, war er überzeugt. Die Angst ließ seine rechte Hand zittern, als versuche sie ein Erdbeben der Stärke 8,3 zu demonstrieren. “Und dann ist Serina weg, Keylon wütend, ich tot…“ Wenigstens irgend etwas davon musste er verhindern!
„Bitte! Lasst nicht zu, dass Serina nach Hause segelt und irgendein Scheusal heiratet, nein?!
Vorher könnt Ihr mir den Kopf abreißen, wie Ihr wollt!“
„Und Heinrik hat euch so sehr eingeschüchtert, dass Ihr nun von ihr ablasst? Sag es mir!“, hakte Keylon nach und es war für einen Augenblick glatt verführerisch, die Schuld einfach auf den Kronritter zu schieben – aber das wollte er weder Heinrik noch Keylon antun. “Und hinterher wären beide zornig auf mich, ja klasse…! Wenn ich das hier überlebe.“ Götter, wie kam er aus dieser Nummer hier wieder raus?
„Sir, ich... ich...“ – er holte zittrig Luft – „Ich habe Euch doch gesagt, dass... es nie zur Debatte stand, ob ich sie heiraten will! Ich habe selbst Serina erklärt, warum!“ Mittlerweile war er so klein geworden, dass selbst Arenvir gerade Mühe gehabt hätte, nicht zu ihm aufschauen zu müssen.
Tja. Aber wie Keylon zu Recht feststellte: „Und jetzt liegt das Kind im Brunnen.“

Trotzdem schien Keylon davon überzeugt, dass Mikh und Serina zusammenbleiben sollten:
„Liebe ist ein so wertvolles Gut, wenn sie von ganzem Herzen kommt und auf Gegenliebe stößt. Und ich denke das ist bei euch Beiden so.“
Es ging nicht. Wann begriff er das endlich?
„Sir… Sir von Alsted sagte auch, ich sollte für klare Verhältnisse sorgen.“
„Inwiefern?“
„Eine Audienz beim Herzog, um den Status meines Incognitos aufzugeben, steht aus, aber ich glaube, es wäre für Euch von Vorteil, um die Lage besser einzuschätzen...“
Keylon schüttelte den Kopf: „Liebe sollte nicht von einem Status abhängen, und ...“
„Mein Name ist Aaryon Mikhail von Hohenfels.“
Jetzt war es Keylon, der ihn mit offenem Mund anstarrte. „was... ich meine Was? Wer? ...“ Er realisierte und sackte etwas auf dem Stuhl zusammen. „Uff ... das ist ... das ist hart.“
„Und die erste Ehefrau meines Vaters - eine Stallmagd, aus Liebe geheiratet - wurde ermordet, weil... es... feindlichem Adel nicht gefiel. Ich habe nicht vor, die Fehler meines Vaters zu wiederholen“, erklärte er tonlos. Zumindest diesen nicht.
„Feinde brauchen --keinen- Grund um unsere Leute zu ermorden“, stellte Keylon eine bittere Wahrheit fest und beharrte: „Ist es ein Fehler aus Liebe zu heiraten? Wirklich? Ich finde euren Vater sehr mutig.“
„Das fand seine erste Ehefrau auch“, erwiderte Aaryon trocken und blieb dabei: „Ich habe nicht vor, Serina zu gefährden. Und… unsere Familie steht bis heute unter… politischem Druck. Ich kann nicht, Sir.
Und nie habe ich etwas anderes gesagt. Ich habe Serina davon erzählt. Sie weiß es. Und trotzdem brach ihr heute das Herz, ich... ich konnte es nicht verhindern. Es tut mir leid, Sir! Aber jetzt überlegt sie, zurück zu ihrem Stiefvater zu reisen und irgendeinen Mistkerl zu heiraten! Als gäbe es nur mich oder das!“, sprudelten die Worte zunehmend aus ihm heraus und ließen seine Verzweiflung durchblicken.

„Ich wollte... sie nur lehren, dass sie mehr wert ist... als verheiratet zu werden und in der Ehe zu leiden. Ich liebe sie, wirklich, sie ist ein wunderschöner Mensch, ein Geschenk Eluives... Aber... Sie sollte nur wissen, was sie.. verlangen darf. Von einem Mann verlangen darf. Wissen, was Liebe ist.“ Er senkte den Blick zur Bettkante.
„Da seid ihr dann zu weit gegangen, ihr das so zu zeigen das sie ihr Herz verlor. Wenn ihr ihr das nur zeigen wolltet.“
„Es tut mir leid.“
„Nein ... sollte es nicht. Ihr habt sie geliebt, ernsthaft geliebt, oder?“
„Ich wollte sie.. behutsamer... 'entlassen'. Nicht so“, erwiderte er kläglich, ehrlich bedauernd. “Ich bin dem Irrtum aufgesessen, wir hätten Zeit…“
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Aaryon von Hohenfels
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Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

Es war erstaunlich, wie schnell einem langweilig werden konnte, selbst wenn es einem alles andere als blendend ging. Aber seine Versorgung war nun sichergestellt, die Wunde war sauber, heilte... und er hatte viel zu viele Gedanken im Kopf, ohne auch nur irgend etwas tun zu können.
Also hatte er an einer Ecke des Teppichs immer wieder eine Wasserpfütze aus den Umgebungsenergien zusammen gesammelt und kontrolliert verdunsten lassen, um seine drohende Angst vor Magie zu verhindern. Wenn ein Pferd einen abwarf, musste man wieder aufsitzen, das war eben so. Wie lange? Zwei Stunden? Drei? Es war dunkel gewesen, als er wach wurde, knallwach blieb, und jetzt langsam fing es an, hell zu werden. Als Esther wieder herein kam, um nach ihm zu sehen, fühlte das Zimmer sich ein bisschen an wie Urlaub - im Dschungel von K'awi. Aber immerhin war diese Ecke vom Teppich extrem sauber.

"Wenn Euch langweilig ist, könnt Ihr hiermit üben", sagte sie und stellte ein Trankfässchen neben sein Bett, erzählte irgend etwas davon, dass es bereits bezahlt war. "Was ist das?" Sie zuckte die Schultern. "Ein Trunk für Magier. Soll ihnen wohl helfen sich an Magie zu gewöhnen." Er drehte sich, um das Etikett am Fass zu lesen: "Konzentrationsforderer. Soll das die Meditation erschweren und damit schulen?" "Die und das Gefühl für Magie. Solltet Ihr aber mit Vorsicht genießen, aber das könnt Ihr ja für Euch selber herausfinden."
Tat er.
'Mit Vorsicht' hieß, dass man dabei ungestört war? Dass man für den Anfang nur eine Phiole trank? Oder dass man besser aufpassen sollte, dass man nicht röchelte, keuchte, schwitzte und fast das Bewusstsein verlor, während zwei Kronritter herein kamen und sich - und dann ihn - fragten, was zur Hölle los war?

"Du säufst irgendwas ohne jemand Erfahrenen zu fragen?", schalt Helisande ihn einen Idioten und ihm platzte der Kragen.
Wenn es einem nicht schlecht genug ging, konnte man sich ja auch mal eine Runde mit einer gräflichen Kronritterin anlegen, warum nicht... - vielleicht wollte er inzwischen auch einfach nur noch sterben.
Oder, wie es Ragai später eisig kommentierte: "Ich habe gesehen, wie es Serina geht, da geht es ihm hier noch viel zu gut für." Als sie aber wahrheitsgemäß kundtat, Mikh die Leviten lesen zu wollen, äußerte selbst Heinrik auf seine Art eine Form von Mitgefühl, nachdem er nach Mikhs Puls getastet hatte:
"Heute leider nicht, Fräulein Ragai."

Don't deny me, this pain I'm going through

Arenvir - und wohl mal wieder unbemerkt Cecilia - schien ihm der Einzige, der zuhörte, statt irgendwas von ihm zu fordern und erklärte, statt zu rechtfertigen. Auch wenn auch er Mikh attestierte, sich gegenüber einigen Leuten "wie ein mieser Sausack" benommen zu haben und ihm prophezeite, sich bei so einigen Menschen entschuldigen zu müssen.

"Ich soll von Serina etwas ausrichten", flüsterte Cecilia ihm irgendwann zwischen allem zu, "Sie... fährt nicht nach Nharam. Sie.. möchte.. nicht, dass ihr euch sorgt. Deswegen sollt ihr es wissen. Und.. sie sagt, sie liebt euch... und möchte keinen Kummer mehr bereiten und... ihr sollt glücklich werden."
Er atmete durch. Atmete aus. Erleichterung sah wohl anders aus, denn mit leer wirkendem Blick drehte er den Kopf halb Richtung Wand, und seine rechte Hand begann erneut, so unkontrolliert heftig zu beben, dass Cecilia sie zwischen ihre nahm, um das Schütteln zu beruhigen. Nichts, was er mitzubekommen schien, während er gegen die aufwirbelnden schwarzen Flecken vor seinen Augen kämpfte.

Tiefpunkt überwunden?
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Serina Marcel
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Beitrag von Serina Marcel »

Was bleibt übrig, wenn alles zerbricht.. Zer - nein - GEbrochen war nicht nur ihr Arm. Hätte sie sich wenigstens mit Arbeit ablenken können, von der nun eigentlich ständig genug da wäre. Blosses Herumsitzen war noch nie ihre Stärke gewesen. Und jetzt hing sie zusätzlich noch trüben Gedanken nach!

Waldspaziergänge; vielleicht konnten die helfen, ein wenig abzulenken. Nein, so oft sie es versuchte: es brachte nicht die Ruhe, die sie dort suchte. Und ständig huschte wieder mal ein Eichhörnchen vorbei. Sie verzog das Gesicht und vergoss die eine oder andere heimliche Träne. Warum hatte sie sich so in die Gefühle verrannt? Sie hatte doch immer gewusst, wie es irgendwann enden würde. Manchmal wäre es wohl schön, wenn man Gefühle einfach abschalten konnte. Könnte man sowas vielleicht gar lernen? Einen unschönen Gedanken hegend, kam ihr hierfür der Westen in den Sinn. Aber nein, so tief würde sie nie sinken wollen.

Sie konnte nicht einmal sagen, ob es Absicht war oder einfach Gedankenlosigkeit, als sie sich selbst am Wasserfall wiederfand. Seufzend nahm sie Platz im Gras und hing den Erinnerungen nach und suchte nach Möglichkeiten, wieder Hoffnung zu finden. Vielleicht würde sich irgendwann eine neue Liebe finden. Aber sie würde Vergleiche ziehen - war das fair? Sie musste sich eingestehen, dass ihr seine magischen Spielereien fehlen würden.
Ein standesgemäßer Mann, vielleicht ein Handwerker. Jemand der ihre Fähigkeiten ergänzte. Aber würde er interessant genug sein, nach all den schönen Erlebnissen?

Abgesehen davon fehlten ihr die kleinen Neckereien. Konnten sie vielleicht daran festhalten, wenn es schon keine Liebe sein durfte? Eine Freundschaft bilden; auf diese Weise weiterhin füreinander da sein, wenn schon keine Nähe sein durfte? Sie konnte es ihm zumindestens anbieten, auch wenn es eine Weile sicher schmerzhaft sein würde. Oder sogar eine sehr lange Zeit, wie ihr bei dem Gedanken klar wurde dass sie ihn sicher irgendwann an der Seite einer anderen Frau sehen müsste. Auch wenn sie ihm das Glück wirklich gönnen sollte. Warum musste Liebe so schwierig sein? Warum konnte es nicht einfach nur schön bleiben?
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Aaryon von Hohenfels
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Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

Was er ihr sagen sollte? Stunden hatte er gegrübelt, und der Kern war ihm klar. Aber plötzlich, völlig unvermittelt, stand sie vor ihm, nass geregnet, barfuß, sichtlich selber durch den Wind. Himmel, sie sah so… verloren, so mitleiderregend aus, dass er sie am liebsten nur in den Arm genommen hätte!
“Schhhh… armes Eichhörnchen. Komm her. Vergiss alles, was sie gesagt haben! Ich bleib bei dir. Es wird alles wieder gut.“ Das hätte er wohl sagen wollen.
„Serina… Ich… ich… ich muss dir etwas sagen“, stammelte er und bekam Gestammel zurück: „Dass… dass ich gefälligst verschwinden soll?“
“Himmel, nein! Ja, schon, irgendwie… Nein…“ Er atmete durch und quälte sich weiter grob durch das, was er sich zurechtgelegt hatte, immer wieder mit unsicheren Pausen, was für ihn untypisch war: „Ich hätte das nicht gedurft. Bitte.. Ich muss, nein, möchte… Ich möchte mich bei dir entschuldigen, ob du es dann akzeptieren willst oder nicht, liegt bei dir, aber…“, wurde sein Gestammel flüssiger, „es tut mir leid – ehrlich leid! – was ich dir antat. Ich hätte das nicht tun dürfen.“
Die junge Schreinerin, die sonst so bewundernswert selbstständig wirkte, schüttelte wie ein eingeschüchtertes Mädchen heftig den Kopf: „Wa.. war doch alles meine Schuld. War dumm in Berchgard… tut mir leid. Ich wollte dich nie… wollte nicht deine Schande sein.“
‚Deine Schande sein‘ – wie er diese Formulierung hasste! Aber er hatte noch nicht wieder die Kraft, ihr dergleichen auszureden, noch wollte und konnte er sich länger mit ihr einlassen, ohne selbst unter der Trennung zu leiden.
„Nein“, widersprach er also nur einfach, „Beziehungsweise… es spielt keine Rolle mehr. Es ist zu spät. Und die Schuld liegt nicht bei dir, sondern bei mir. Ich hätte niemals so weit gehen dürfen.“ Er senkte den Blick. „Ich… Ich hätte wissen müssen, dass… da Stolperfallen lauern. Ich.. wusste, was ich tat, als ich… versuchte, deine Gunst zu erobern – und du nicht.“ Warum tat es so weh? Er rechnete damit, dass sie gleich wie naheliegend deutete, dass er also nur mit ihr gespielt hatte, dabei… war das viel zu schnell irgendwie nicht mehr der Fall gewesen.
Aber sie stammelte nur verständnislos: „Ich… Stolperfalle? Was…“
„Ich war ein Narr, zu glauben, es… würde so bleiben, wie wir gedacht hatten, dass es klappen könnte.“ Sie hatten darüber gewitzelt, mit Magie die Zeit anzuhalten. Ha ha. Und die Zeit vergessen, ja, das hatten sie. „Ich hätte dich beschützen müssen“, gestand er mit dumpfer Stimme die bittere Wahrheit ein:
„Vor mir.“ Schuldig senkte er den Kopf. „Es tut mir leid.“

Vermutlich war er nun derjenige, der ein Bild des Jammers abgab und stumm nach einer Umarmung schrie, die nicht erfolgen würde, nicht erfolgen durfte. Serina starrte auf ihre schmutzigen, nackten Füße. Ihre Stimme war in den ersten Silben kaum zu hören, wurde dann aber etwas fester:
„Ich… weiß nicht… du hast…
Ich… liebe dich. Das weiß ich.“
Aaryon schluckte. 'Ich liebe dich' – diese gefährlichen drei Worte. Er hatte sie bisher vermieden, war ihr das überhaupt aufgefallen? Nur ein mal, meinte er sich zu erinnern, war es ihm im… - er räusperte sich innerlich, als er an die Küche in ihrem Haus dachte – Rausch der Leidenschaft herausgerutscht. Und sie? Sie meinte es ehrlich, wie fast alles, was sie sagte. Spätestens jetzt begriff er, dass er zu weit gegangen war, Sir Keylon hatte recht.
Nur: warum bedauerte er es nicht so wirklich? Es traf auf ein taubes Gefühl in ihm, weil er wusste, dass er sich nicht freuen, sich nicht darauf einlassen durfte – aber bereuen, Serinas Liebe gar ablehnen konnte er auch nicht.
Aber es war, wie es war:
„Ich hätte besser wissen müssen, was uns drohen kann. – Was dir drohen kann. Bei den Göttern!, es wäre gelogen, würde ich sagen, ich hätte nur mit dir gespielt… aber ich hätte wissen müssen, dass es zu gefährlich ist, eine zu große Last ist, diese Verantwortung mit auf deine Schultern zu laden.“ Ja, dies tat ihm tatsächlich leid; sein Gesicht wurde fleckig rot.

„“Ich weiß nicht, wer von uns nicht gut genug zuhören wollte“, meinte Serina nachdenklich und wagte es immerhin, sich auf die Kante des benachbarten leeren Bettes zu setzen, „Ich – weil du immer versucht hast, es mir zu erklären… Oder du – weil du nie hören wolltest, dass ich keine Angst habe… Außer jetzt die eine“, wurde sie leiser und senkte den Blick, „Dass ich dir zu viel wurde.“
“Nein!!! Wie kannst du das denken?!“
„Nicht du…“, versuchte er flehend, zu erklären, „Nicht du, Serina Marcel, mei..“ – er verstummte kurz und verkniff sich gerade noch, ihren Kosenamen zu nennen, „Du… Du bist eine wundervolle Frau…“, würgte er gebrochen klingend hervor, „Aber ich war ein Narr. Ich hätte wissen müssen, dass es schief geht, und dass ich nicht von dir erwarten kann, dich an irgendwelche ‚Spielregeln‘ zu halten, wie man sich angeblich zu benehmen hat und was man wie zu sagen hat, und…
Ich hätte es wissen müssen, aber habe so getan, als wäre es für einen ‚Herrn Mikh‘ ja völlig in Ordnung, de Hand..“, er wurde leiser, „einer Schreinerin zu küssen.“ Er senkte den Blick, stammelte hastig weiter, beteuernd: „Ich will nicht deinen Stand beleidigen! Sondern es war einfach nicht fair von mir, zu erwarten, es würde schon irgendwie gut gehen und es würde niemanden interessieren und hätte niemanden zu interessieren.
Ich hätte es besser wissen müssen.“ Ja. Inzwischen sprach er mit Überzeugung und schämte sich tatsächlich: „Das ist meine Verpflichtung. Meine Fürsorgepflicht. Ich hätte… dich schützen müssen. Und in Ruhe lassen.“

Serina atmete einmal tief durch und sprach nun gefestigter, nicht mehr flüsternd:
„Du hast recht: über diese ‚Spielregeln‘, was auch immer, weiß ich nichts. Ich habe immer nur gelernt, meinen Gefühlen zu vertrauen.“
“Wie beneidenswert.“
„Wenn das hier falsch war…“, fuhr sie fort, „tut es mir leid.“
“Liebe sollte einem nicht leidtun müssen.“ Wer hatte das gesagt? Keylon, nicht?
„Wenn meine Gefühle mit mir durchgingen… dich bloßstellten… tut es mir leid. Aber sie sind da – und ich kann sie nicht einfach so in den nächsten Fluss werfen.“
„Ich weiß…“, erwiderte er leise. “Man muss erst lernen, sie den Fluss hinunter treiben zu lassen.“ „Ich hätte es niemals provozieren dürfen.“
„Du bist…“, meinte nun Serina mit dumpferer Stimme, „Ich weiß, was du bist… und somit kannst du mir wohl auch, ob du willst oder nicht, befehlen… also sag mir: Was soll ich tun? Ich weiß es nämlich nicht.“
Er furchte fast entsetzt die Stirn und ein Kloß bildete sich in seinem Hals. “Dir befehlen, mich zu vergessen? Das kann ich nicht!“
„Serina…“, bat er leise, „Lass dir Zeit… Und mach keine Du…“ “Dummheiten!“ „.. Stürz dich nicht wissend ins Unglück, bitte.“

Sie beide hielten inne und sahen zur Tür, als könnten Monster herein stürmen und sie zu einem Kochtopf zerren, als die Türklinke sich senkte… verharrte… und wieder hob.
“Werden wir belauscht?“, dachte Aaryon, diesen Sachverhalt eigentlich gewohnt, “Ich hab nichts Falsches gesagt…“ Trotzdem sorgte allein dieses Detail dafür, dass er noch ein wenig förmlicher wurde:
„Auch wenn ich dich um Vergebung bitte, erwarte ich nicht und kann nicht verlangen, dass du mir verzeihst… Ich hab… dein Herz erobert, es lächelnd genossen, und soll… muss… es nun von mir fern halten. Das ist nicht fair dir gegenüber, ich war ein selbstsüchtiger… Mistkerl." Er schluckte. “Also genau das, was ich nie sein wollte. Gratulation, von Hohenfels!“
„Still! Jetzt halt du mal den Mund“, entfuhr es Serina schon fast zu scharf. Der Grafensohn presste die Lippen zusammen und gehorchte widerstandslos. „Sieh mich an“, forderte sie, „Sag mir, was du siehst… und dann bitte, was du denkst… Denn denken, glaube ich, gehört für Magier hoffentlich dazu.“
„Ich bin nur Novize…“, lachte er absolut humorlos und gequält, den Blick zu ihr hebend.
„Ach, da ist denken noch unnütz?“, gab sie zurück, und er fühlte sich fast wie in ihrer beider gewohnten Scherzereien, „Nein, aber offenbar noch nicht sehr effektiv“, gab er zu bedenken. Aber es nützte nichts; er sah sie an: sein schüchternes Eichhörnchen mit dem großen Löwenherzen. Seine kräftige, hübsche junge Frau mit den Haaren wie goldener Waldhonig und den warmen braunen Augen, viel zu scheu für das, was sie konnte und leistete. Als Serina sah, wie seine grau-blauen Augen verräterisch feucht zu glänzen begannen, zuckte sie kurz hoch, einem Impuls folgen wollend, aber zwang sich dann doch, sitzen zu bleiben, die Hände fest um die Bettkante greifend.
„Ich sehe eine Frau, die ihren Mann steht, wenn sie will. Die einen ganzen Wald klein hackt und Gleiches mit jedem Kerl tun sollte, der ihr Schlechtes tun will“, brachte er mit leiser Stimme heraus.
„Ich wünschte grad, du würdest etwas anderes sehen“, erwiderte sie, nur ein Weniges lauter, aber immerhin, „Das durchnässte…“ – sie verstummte kurz, ob sie sich nun ‚Eichhörnchen‘ oder das leicht abfällige ‚Waldmädchen‘ verkniff, war nicht zu sagen – „das hier barfuß angelaufen kommt, ohne nachzudenken. Wenn das für dich Zweifel lässt, dass ich dir verzeih, dann kann ich dir auch nicht helfen.“ Sie musste sich nun ihrerseits über die Augen wischen.
“Ich hab das gar nicht verdient. Aber das ist dieses Herz… Ich bewunder es.“ Er senkte den Kopf tief, nicht in einer beschämten, sondern glatt untertänigen Geste.
„Ich weiß nicht, was sein wird“, sprach sie leiser weiter, „Aber ich weiß, dass ich dich liebe… und wenn du mich brauchst, bin ich da für dich. Auch wenn wir uns nie wieder nah sein dürfen… wenigstens das möchte ich dürfen.“

Ein paar Tropfen fielen still auf die Decke unter seinem Gesicht.
“Ich weiß nicht, ob du das ertragen wirst, was du da gerade selber sagst. Wenn nicht, verstehe ich es.“

Noch mehr Worte wurde gesprochen, doch sie begannen, sich im Kreis zu drehen oder zu bekräftigen, was ihnen inzwischen klar war: Es durfte zwischen ihnen keine Zärtlichkeiten oder offenbare Zeichen der Zuneigung in der Öffentlichkeit mehr geben. Trotzdem wollte Serina für ihn da sein und dabei helfen, sich mit Fräulein Eichengold an den Versuch eines Holzbeines für ihn zu wagen.
Er hatte keine Kraft, sie auf größerem Abstand halten zu wollen, wollte ihr nicht noch mehr weh tun. Es reichte schon, wie sehr es ihm weh tat, als er vorsichtig nach ihrer gesunden Hand griff, in ihrer Mimik nach der Erlaubnis dafür suchend, bevor er – wohl für ein vorerst letztes Mal – einen Kuss auf ihre Fingerknöchel gab.
„Lauf, Eichhörnchen.“
“Lauf doch weg, ich bitte dich…“

Aber nein, keine Chance.
So if I love you a little more than I should
Please forgive me, I know not what I do
Please forgive me, I can t stop loving you
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Serina Marcel
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Beitrag von Serina Marcel »

Wie gern hätte sie sich einfach in die Arbeit gestürzt. Aber selbst das ging ja nun immer noch nicht. Der Arm musste heilen und sie schwankte zwischen Langeweile und Vermissen. Nur einmal konnte sie Amelie zur Hand gehen, indem sie notierte, was ihr an Messwerten einer Kundin angesagt wurde. Gefolgt von dem Scherz, sie könne Amelie ja als Schreibkraft zur Hand gehen. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht zu ahnen, dass hieraus einmal ein Gedanke und eine Chance erwachsen sollte.

Minki brachte etwas Abwechslung. Sie spürte wohl, dass es ihr nicht gut ging, wenn auch nicht warum. Aber sie wurde besonders anschmiegsam dieser Tage und strich ihr beinah ständig um die Beine. Es half nicht wirklich. Liess ihr dennoch zuviel Zeit, trüben Gedanken nachzuhängen.

Immer wieder suchte sie die Wälder auf. Tat was sie einhändig noch eben schaffte. Kräuter sammeln ging immer, wo sie welche fand. Cecilia würde sicher erfreut sein, hatte sie mit den Patienten genug zu tun. Doch wenn man sich dort umsah, sah man auch viele abgelegenen Plätze. Und wieder drehten sich die Gedanken, wie schön es doch wäre, dort zu zweit zu verweilen.

"Himmel, schlag ihn dir doch endlich aus dem Kopf!" Wäre es doch nur so einfach. Statt dessen kam sie tatsächlich auf die freche Idee, dass man dies vielleicht doch versuchen könnte. In der Stadt, nein dort durfte sie ihm nicht einmal freundschaftlich begegnen. Man würde sich sicher sofort wieder das Maul zerreissen. Aber hier draußen, wo niemand je störte, wer würde es schon wissen? Aber würde er einen solchen Weg überhaupt schaffen?

Sie ertappte sich tatsächlich dabei, diesen Gedanken weiterzuspinnen und Orte zu finden, die er womöglich tatsächlich heimlich würde erreichen können, sollte es ihm wieder besser gehen. War es zu dreist? Ja vermutlich, aber sein Lachen, das gemeinsame Scherzen und ihn einfach nur sehen zu können; das war ihr das Risiko tatsächlich wert. Aber wie würde er es sehen?

Wie der Zufall es wollte, vermochte sie ihm kurz darauf tatsächlich den Vorschlag zu unterbreiten, als unerwartet er an Krücken vor ihr stand, anstatt Cecilia, die sie eigentlich hatte besuchen wollen. Niemanden in der Nähe bemerkend, flüsterte sie ihm ihre Idee zu und wartete seine Reaktion ab.
Zuletzt geändert von Serina Marcel am Freitag 10. Oktober 2025, 08:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Aaryon von Hohenfels
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Re: Please forgive me

Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

Mit einem dumpfen Laut der Überraschung fing er sich gerade noch so, als die rechte Krücke unerwartet viel zu tief in den weichen Waldboden einsackte, in einen Mäusetunnel eingebrochen war oder was auch immer. „So ein verfluchter…!“, knurrte er und schüttelte dankend den Kopf, als er Serinas festen Griff über seinem Ellbogen spürte. „Geht es?“, fragte sie besorgt und schien nicht nur den Moment jetzt zu meinen. An ein Detail wie dieses hatte sie gar nicht gedacht; ob die winzige Hütte im Wald doch keine so gute Idee war?
„Ich werde mich schon dran gewöhnen.“ Er war fest entschlossen, sich von solchen „Problemchen“ nicht aufhalten zu lassen. Mit Treppen kam er inzwischen schließlich auch recht gut zurecht. Nur die zum Kloster hoch, die waren jedes Mal wieder eine Herausforderung. „Da…“, flüsterte Serina leise und deutete zwischen die Bäume: Eine Hütte, ja. Wer immer sie gebaut haben mochte, sie schien schon etwas älter zu sein. Vermutlich der zusammengezimmerte Unterschlupf eines Wilderers. Selbst ein paar behelfsmäßige Möbel standen darin. Es roch herbstlich-muffig, obwohl es die Zeit zwischen Frühling und Sommer war. Und als Aaryon in einer Ecke altes Stroh und zwei drei Felle entdeckte, aus denen ihm in seiner Vorstellung sofort ein paar Spinnen und Flöhe entgegensprangen, verzog er das Gesicht. Eine Mimik, die Serina weiter beunruhigte.
„Mach dir nicht zu viel Mühe!“, lachte er leise, als sie gleich aufzählte, was sie ersetzen und verbessern und bequemer gestalten könnte, „Mit ein bisschen Holz baust du hieraus sonst noch einen Palast!“ Sie amüsierten sich darüber, welche Verwunderungen sie auslösen könnte, wenn jemand anderes die Hütte beträte. „Du bist sicher, dass das hier niemandem gehört?“, fragte er zweifelnd. Es sah verlassen aus, ja, aber da standen sogar noch zwei Kisten für Vorräte…
„Ich arbeite in diesem Wald fast jeden Tag, und ich habe über Wochen hinweg hier nie jemanden gesehen, nickte Serina überzeugt. „Hm.“ Er sah sich um. Sich hier treffen, mit ihr? Heimlich? Er hatte prompt Sir von Alsteds Mimik und Meinung dazu lebhaft vor Augen!
Durch einen löchrigen dünnen Lederlappen vor einem Fenster fiel Licht und machte Staub sichtbar, der um Serinas Kopf tanzte wie feines, magisches Glitzern. Ihr honigblondes Haar leuchtete an den Rändern. „Keiner sieht uns hier…“, machte er sich bewusst, lächelte und küsste sie sanft. Oh, es tat so gut, ihre Nähe, ihre Wärme, ihren Duft und ihre Lippen wieder zu spüren! “Niemand, der uns sieht…“, entspannte sich etwas in ihm und er ließ nur zu gern den Kuss inniger werden, als er spürte, wie sie mehr forderte.
I remember the smell of your skin
I remember everything
I remember all your moves
I remember you yeah
I remember the nights, you know I still do

Es waren wertvolle Momente, in denen er lernte, seine Sorge abzulegen, dass seine Einschränkung sie stören könnte. Und sogar ihn selbst störte der fehlende Teil seines Beins nicht, wenn er mit ihr zusammen war. Die Hütte wurde zum Ort, wo sie beide einfach sein konnten. Und nachdem er erlebt hatte, dass es schwierig bis auffällig werden konnte, sich für Absprachen mit ihr treffen zu müssen, machte er ihr den Vorschlag, den Hort des Wissens dafür zu nutzen, sich heimlich Botschaften zukommen zu lassen. Es hatte etwas von ein bisschen Nervenkitzel, wild-romantisch, ein bisschen verboten… sie genossen es beide.
Die Heimlichkeit wurde zur Normalität. Er bestand seine Prüfung zum Studiosus und hatte einen gehörigen Spaß daran, als er lernte, sich in ein Eichhörnchen zu verwandeln und in dieser Gestalt Serina doch ganz leicht aufsuchen zu können: der Efeu wuchs praktischerweise bis zu ihrem Balkon, sie brauchte nur die Tür ein wenig öffnen und das zierliche Geschöpf huschte ins Wohnzimmer.

Die Hütte begann, nach Kirschen und Brombeeren zu riechen, das Lager war aus frischem Stroh und sauberen Fellen; auch wenn weiterhin niemand hier zu wohnen schien.
„Es gibt Bestrebungen, Euch zu verheiraten“, versuchte ihn eines Tages Feldwebel Falkenglanz zuhause in seinem Anwesen in Adoran zu warnen. Eine Furche bildete sich auf seiner Stirn, als sich seine Brauen kurz aufeinander zu bewegten, aber er blieb im Großen und Ganzen gelassen: „Als Mann habe ich die vorteilhafte Position, da doch deutlich ein Wörtchen mitreden zu können. Und ich will noch längst nicht heiraten.“
„Und Serina?“
„Was ist mit Fräulein Marcel?“, fragte er provozierend gleichgültig und zwang sich, ruhig zu bleiben.
„Ist sie nicht… Seid ihr nicht noch zusammen?“, fragte Elisabeth verwundert.
Er sah sie über seine Tasse Tee hinweg mit dieser adlig-nichtssagenden Mimik an, die so schnell für den Vorwurf sorgte, Angehörige seines Standes seien borniert. „Habt Ihr in den letzten Monden irgendetwas gesehen, gehört oder vernommen, das darauf schließen ließe?“
„Nein“, musste die Feldwebel nach etwas Nachdenken eingestehen.
„Sehr gut!“, dachte Aaryon beruhigt. Mehr als ein „Temora mit Euch, Hochedler von Hohenfels“ und „Temora mit Euch, Fräulein Marcel“ bekam ja auch niemand zu hören, der ihnen beiden nicht deutlich näherstand. Jene, die es wussten, interessierte es nicht oder begrüßten es sogar – jene, die es nicht wussten, bekamen auch nichts zu sehen oder zu hören, worüber man sich das Maul hätte zerreißen können.

Alles so, wie es sein sollte, nicht wahr?

Still holding on, you’re still the one
Only feels much stronger!
I want to love you longer
You still turn the fire on
"Wo der wohl wieder reingeraten ist... Der zieht das magisch an!"
- Kronritter von Salberg *noch qualmend* -
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