[Q /MMT] Mit Schweiß und Blut für Berchgard

Benutzeravatar
Arne Levar
Beiträge: 927
Registriert: Montag 19. November 2018, 19:02

Beitrag von Arne Levar »

Nachdem die Stadtmauer wieder repariert und teilweise auch verstärkt
wurde, blieben nur noch die Tore als Aufgabe.

Zuerst würde man sich um das Osttor kümmern, um das Tor wieder richtig
verschließen zu können. Zur Zeit war es einseitig, wo das Tor herausgerissen
war, nur verkeilt. Es musste wieder in die Angeln gehoben werden und
vielleicht sogare erneuert und ersetzt.

Das war die nächste Aufgabe die anstand, Danach gab es innerhalb Berchgards
noch einiges zu tun um solch einen Vorfall wie den letzten zu verhindern.

Das kommt dann aber erst später dran, zunächst einmal das Tor.

Aber vorher müssen die Kirche und die Magiebegabte die Hinterlassenschaft
des Westens vor dem Osttor beseitigen. Nur dann kann ohne Gefahr
für Leib und Seele dort weitergearbeitet werden.
Benutzeravatar
Viktoria Hamberg
Beiträge: 377
Registriert: Freitag 4. Februar 2022, 12:08

Beitrag von Viktoria Hamberg »

*Auf Anordnung von Heinrik, wird Viktoria ein Schild am Brunnen vor dem Rathaus in Berchgard anbringen lassen, auf welchem in klaren Buchstaben die folgenden Worte geschrieben sind:*

Achtung!

Grundwasser von Brunnen aktuell ungenießbar.
Auf Anordnung seiner Erlaucht, Sir von Alsted, wird davon abgeraten, das Wasser zu nutzen.



Benutzeravatar
Viktoria Hamberg
Beiträge: 377
Registriert: Freitag 4. Februar 2022, 12:08

Beitrag von Viktoria Hamberg »

Zwischen Tropfen und Wahrheit

Der Regen hatte aufgehört, als Viktoria den Brunnen am Rathaus von Berchgard ein letztes Mal betrachtete. Das Wasser darin war ruhig, beinahe trügerisch klar – wie ein Geheimnis, das längst keines mehr war. Mit sorgsamer Hand füllte sie die letzten Phiolen, versiegelte sie mit Kork und Wachs, und verstaute sie behutsam in der hölzernen Kiste neben ihrer Tasche. Drei Tage hatte sie gebraucht, um all ihre Proben zu sammeln. Drei Tage, in denen sich Spuren verloren und Vermutungen mehr Schatten warfen als Licht.

Zurück in ihrer Apotheke roch es nach warmem Holz und getrocknetem Eisenkraut. Die Glut im Ofen war noch nicht ganz verloschen. Viktoria schob die Ärmel ihres Leinenhemdes hoch, band sich das Haar aus dem Gesicht und entzündete die kleine Lampe über ihrem Arbeitstisch. Die Phiolen standen nun in Reih und Glied, wie stille Zeugen eines Vorfalls, der mehr Fragen als Antworten hinterlassen hatte.

Mit ruhiger Hand begann sie zu arbeiten – Tropfen für Tropfen, Schichten und Reaktionen beobachtend, den Geruch prüfend, das Verhalten der Flüssigkeit in Kontakt mit ihren Tinkturen. Kein ungewöhnlicher Fäulnisprozess. Keine Hinweise auf bekannte Gifte. Kein Bittermandelduft, keine Trübung, kein metallischer Niederschlag.

Nur eine schwache Reaktion auf ihre Brechwurzelprobe. Leicht, aber eindeutig.
Viktoria runzelte die Stirn. Noch einmal. Und noch einmal. Doch das Ergebnis blieb dasselbe: eine sehr milde Beimischung – nichts Tödliches, nichts dauerhaft Schädliches.

Sie zog ein Stück Pergament heran, notierte ihre Ergebnisse in feiner, ordentlicher Handschrift:
„In allen entnommenen Proben – insbesondere jenen aus dem Brunnen am Rathaus – ließ sich eine sehr geringe Beimischung nachweisen. Reaktion identisch mit milder abführender Substanz. Keine weiteren Hinweise auf Gifte, halluzinogene oder bewusstseinsverändernde Stoffe.
Befund deckt sich mit Erstverdacht vor Ort. Keine unmittelbare Gefahr.“
Viktoria lehnte sich zurück. Ihre Finger waren kalt geworden vom Glas. Und doch empfand sie eine gewisse Ruhe. Keine Bedrohung, kein Anschlag – nur ein kleiner, mutwilliger Streich. Vielleicht. Oder eine Warnung. Eine Geste.

Sobald die Kollegen sich auf ihr Schreiben melden, würde sie den Bericht an diese weitergeben. Sachlich. Klar.
Doch in ihrem Innersten blieb ein Rest Unbehagen.

Denn manchmal, dachte sie, ist nicht das Gift selbst das Gefährliche –
sondern die Absicht, es erahnen zu lassen.
Benutzeravatar
Helisande von Alsted
Beiträge: 4067
Registriert: Mittwoch 8. Mai 2013, 05:42

Beitrag von Helisande von Alsted »

Sie brach.
Es war wie stets nach großen Belastungen, die mit Verlusten und Kraftaufwand einhergingen, nur eine Frage der Zeit gewesen. Nun war es passiert. Die Geweihten hatten gemeinsam mit Arenvir den gewagten Versuch unternommen das schändliche Mal vor Berchgard näher zu untersuchen oder gar zu entfernen. Bereits auf dem Weg dort hin dräute wieder das dunkle Gefühl in ihr, auf der Höhe des Brunnes vor dem Rathaus war es stets am Stärksten. Wie ein Schatten, der sich über ihre Seele und ihre Emotionen legte. Ein Schleier aus einer wilden Mischung aus Bedrücktheit, Versagen, Wut, Hass und den ätzenden Tropfen des nicht gewürdigt oder gewünscht Seins.

Der Segen der Herrin, der in ihrer Brust ruhte stemmt sich gegen all das und hielt es in Schach und doch war ihre Laune finster und wie Heinrik es ausdrücken würde "auf Krawall gebürstet" als sie bei der Versammlung der Kleriker ankam. Es lief ab wie gewohnt. Ritualkreis, Gebet, Anrufungen, irgendwas, was Arenvir tat. Berenguer mit einer gewagten Heldentat, ein Knall, Blitze ergossen sich und alle lagen am Boden. Raia und Arenvir brüteten gemeinsam mit Heinrik etwas aus, was wohl mit Blut zusammenhing. Währenddessen lag Ramon schreiend auf dem Boden und blutete aus einer offenen Wunde. Beak, Fainche und Elisabeth kümmerten sich aufopferungsvoll um ihn. Ein Knebel gegen das Gejammer wäre auch ...
Da waren sie wieder die dunklen Gedanken.
Gegenstemmen.
Leandra wob nun gemeinsam mit Berenguer eine Kuppel aus klerikalem Schutz, während Raia und Arenvir im Inneren einen neuen Versuch wagten. Doch das Gebilde wurde geprüft durch neue Entladungen. Die Priesterin kämpfte. Mit verkniffener Mimik hielt die Gräfin selbst den Schild über Leandra um sie vor den Einschlägen zu schützen. Der Schildarm war immer noch nicht geheilt und der Schmerz fraß sich in ihren Verstand hinein. Schwanken vor ihr. Dicht hinter Leandra bot sie ihr physische Stütze in der Gewissheit, dass mehr gebraucht wurde. Mehr. Viel mehr.
Kraft. Zugriff. Die Herrin Temora.
Bewusst und willentlich öffnete sich die Ritterin nun und bot die Kraft der Insignie auf ihrer Brust an. Der ihr zugeteilte Segen der Herrin, das was daran nutzbar war. Es floss ab zu Leandra, zu Raia, die selbst danach ausgriff. In dünnen, vielleicht marginalen hellblauen Strömen floss es aus ihr zu denen hin, die diese Kraft nun brauchten. Stärkung, Heilung, Gewissheit. Das Dunkle wurde in ihr zurückgehalten. Strenge, Kontrolle, Vernunft.
Dann war es vorbei. Sie lagen am Boden.
Heinrik hatte irgendwie Arenvir aus der Fessel gerissen, die dort im Mal ihn festhielt und fast zerfraß. Gwenna nahm sich der liegenden und würgenden Priesterin an. Ramon wurde fortgeschafft.
Linus.
Wieder der Weg am Brunnen vorbei.
Dunkelheit.
Versagen.
Neid.
Hass.
Bedrücktheit.

Wieder das Gefühl zu schweben in diesem gefüchteten Raum, der war und gleichzeitig nicht war. Schweben und Fallen in einem. Nie aufrichten, nie ankommen. Die Schwärze ohne Licht so still und doch gefüllt von Stimmen.

  • "Man wird dich hier NIE akzeptieren, Mädchen! Du bist kein Ritter! Nicht so wie Darna oder Raphael!"
"Du bist schwaaaach. Deine Schwäche ist ekelhaft."
  • "Ach du zartes Ding, du weißt schon, dass du das alles nicht selbst verdienst. Nicht war? Oh du warst soooo klug immer die richtigen Männer zu heiraten. Ohh wie entzückend du die Mutter spielst...."
"Deine Kinder sind fort. Sie kommen NIEMALS zurück. Du hast sie verloren. Wie Berchgard. Selbst angezündet! MÖRDERIN"
  • "Komm zu mir...du bist so müde, kleine Kriegerin. Komm in mein Reich, es wird leichter dort für dich. Komm... ich fühle, dass du es willst... du musst nur..."
"SCHNAUZE!"

In das undurchdringliche Schwarz mischte sich das helle, tiefe Blau. Das vertraute Blau. Das Blau von Maphaldas Augen. Wie eine Morgendämmerung nur in Blautönen, getragen von einem Gefühl der Wärme und Sicherheit. Die Stimmen verstummten. Das Licht hielt Einzug.
Raia.
Heinrik.

Augen auf.

Ein tiefer, jappsender Atemzug als ob sie aus großer Tiefe wieder aufgetaucht. So in etwa war es wohl auch. Die Arme um sie hielten sie fest, der vertraute Geruch Heinriks hüllte sie ein. Keine Schmerzen, keine Dunkelheit in sich. Kein Grund mehr stark zu sein.
Sie brach.
Ohne Vorwarnung oder die Möglichkeit des Aufhaltens, brachen die Tränen aus ihr hervor und sie weinte. Sie weinte um all die Toten der Schlacht um Berchgard. Sie weinte für alle, die ihr Blut vergossen hatten. Sie weinte um die Gebäude der Stadt, deren Zerstörung sie selbst befahl. Sie weinte wegen der Erinnerung an beißenden Rauch. Sie weinte für alle, die überlebt und gesiegt hatten.
Sie weinte und Heinrik hielt sie. In einem der seltenen und klaren Momente zwischen all den Gründen für die Tränen kam die Erkenntnis. Sie weinte gerade nicht nur für sich, sondern für ihn mit. Für den Mann, der an ihrer Seite war und ihr den Rücken frei hielt. Für den Mann, der sich nicht erlaubte zu brechen. Nicht mehr seit seinen Kryndlagorträumen.
Sie brach - sie brach für ihn mit und heilte damit beide.

Schwäche.
Die Dunkelheit lauerte immer noch vor den Türen des Dorfkrugs. Wie tausend Pantheraugen starrten sie zum Gebäude hin. Es war noch nicht vorbei.
Aber sie war noch da.
Benutzeravatar
Viktoria Hamberg
Beiträge: 377
Registriert: Freitag 4. Februar 2022, 12:08

Beitrag von Viktoria Hamberg »

*Auf Anordnung von Heinrik, wird Viktoria das Schild am Brunnen vor dem Rathaus in Berchgard wieder entfernen lassen. An der Stelle hängt nun in Berchgard, auch an anderen Brunnen, ein Flugblatt mit folgenden Worten:
Flugblatt hat geschrieben:

Entwarnung!

Grundwasser von Brunnen wieder genießbar.

Benutzeravatar
Ragai Mirkow
Beiträge: 58
Registriert: Dienstag 7. Januar 2025, 20:03

Beitrag von Ragai Mirkow »

Was zuerst wie ein schales Unbehagen wirkte, ist jetzt ein pochender Druck – unübersehbar, unabwendbar.

Es begann in Berchgard. Nicht draußen in den nebelverhangenen Mooren oder in vergessenen Katakomben, sondern mitten im Dorf, beim alten Brunnen vor dem Rathaus.
Ragai stand dort, allein, während der Morgen graute. Die Sonne wagte sich kaum durch den bleiernen Himmel, und der Platz war menschenleer. Nur das Knarren der hölzernen Rathausfassade und das leise Tropfen aus dem moosbedeckten Brunnen begleiteten sie.
Sie hatte schlecht geschlafen, seit Tagen schon. Etwas hatte sich eingenistet in ihrem Innersten, ein Fremdkörper aus Erinnerung und Vorahnung. Anfangs war es nur ein Schwindelgefühl gewesen. Dann kamen die Träume. Und heute war es mehr. Der Druck saß hinter ihrer Stirn wie eine zweite Präsenz. Er wuchs.
Sie hatte nichts getan.
Und doch fühlte es sich an, als trüge sie die Schuld auf ihren Schultern wie nassen, kalten Stein.
Der Wind pfiff ihr kalt ins Gesicht, während der Blauschimmelhengst mit kräftigen Schritten durch das nasse Hochgras setzte. Die Felder lagen grau und stumm unter der schweren Wolkendecke. Nur das stetige Klappern der Hufe, ihr eigener Atem, und das ferne Grollen des Donners begleiteten sie.
Ragai hatte Berchgard hinter sich gelassen.
Und doch war es noch da.
Nicht das Dorf,sondern das Gefühl.
Der Druck.
Er war leiser geworden, ja. Nicht mehr das pulsierende Dröhnen in ihrem Schädel, sondern ein feines, nagendes Ziehen, wie eine Erinnerung, die nicht vergeht.
„Du hast sie verletzt.“
Sie hatte geschlafen.

„Du warst es nicht“
, hatten sie gesagt.
Sie presste die Knie fester an den Leib ihres Pferdes, das leise schnaubte. Ihre Finger waren weiß vor Anspannung, der Griff um die Zügel zu hart.
„Was, wenn es nicht du warst? Aber ein Teil von dir?“
„Was, wenn du nur der Anfang bist?“

Die Stimme in ihr war wie Nebel: Sie wich nie ganz, aber nahm jede Form an, die ihre Angst wollte.
Und so ritt Ragai weiter.
Fort von Berchgard.
Antworten