[Q /MMT] Mit Schweiß und Blut für Berchgard

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Ragai Mirkow
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Registriert: Dienstag 7. Januar 2025, 20:03

Beitrag von Ragai Mirkow »

Der Abend war kaum hereingebrochen, als die Schatten sich in der Oberstadt von Berchgard verdichteten. Vom Westen her, dort, wo einst das geschäftige Leben der Unterstadt pochte, schwang sich nun der Tod in schwelenden Bahnen gen Himmel. Ragai stand im Notlazarett.

Da durchbrach ein Ruf die Düsternis wie ein Peitschenhieb:
„Feuer!“
Es war Amelies Stimme, hell, schneidend, mit dem flirrenden Nachklang von Panik und Pflichtbewusstsein.
Ein Schwarm Stimmen folgte. Manche schrien, manche beteten, manche lachten irre. Und dann der Hauch von Brandöl, der sich mit dem Rauch verband.

Ragai trat aus der Tür und sah das lodern, das erste Dach hatte Feuer gefangen. Flammen leckten gierig an den Schindeln, als wollten sie sich an den Erinnerungen der Bewohner nähren.
„Das darf nicht die Oberstadt sein.“ Der Gedanke war so kindlich trotzig, dass sie ihn sofort wieder verwarf.

Sie rannte zum Brunnen. Nicht sie allein, ein Dutzend Hände griffen nach Eimern, nach Kübeln. Männer, Frauen, Zwerge, Kinder, Priester. Jeder schleppte, goss, stolperte, fluchte. Ragai auch. Wasser, immer wieder Wasser. Ihr Kleid war längst durchnässt, der Saum schwarz vom Ruß, der Griff ihrer Finger taub.
Und dann, inmitten des tosenden Lichts, das vom Feuer kam, schlug die Dunkelheit zu. Ein Pfeil durchbohrte ihre linke Schulter mit lautlosem Hass. Sie hörte keinen Schrei, nur ein dumpfes Schmatzen, als der Schaft in ihr Halt fand. Die Eimer fielen aus den Händen. Ihr Atem wurde flach.
„Jetzt nicht. Ich muss…“
Doch ihre Beine gehorchten ihr nicht mehr.

Djurgeirr war da. Seine Arme, hart wie das Gebirge, trugen sie ins Lazarett zurück. Der Lärm draußen verklang nicht, doch drinnen trat eine andere Stille ein: jene klinische, angespannte, die dem Schmerz vorauseilte.
Cecilia, ihre Hände rochen nach Kräutern und Blut, ihre Stimme war ruhig, fast lieblich. Wie von fern vernahm Ragai Worte über Schmerztrank, Beißholz und „durchstechen“. Sie nickte. Nahm die Phiole. Biss. Und dann kam die Hölle nicht von draußen, sondern aus ihrem eigenen Körper.
Die junge Heilerin trieb den Pfeil mit nüchterner Entschlossenheit durch ihren Leib, suchte nach Gift, fand keines. Nur Öl. Brandöl. Das war der Geruch.

Arno war später da. Seine Worte waren kurz, seine Hand aber warm. Als sie sich an ihn lehnte, ihren Kopf in seinen Schoß bettete, war die Welt noch immer ein Krieg. Doch dieser eine Moment, dieses Streichen durch ihr Haar, das Murmeln, das Liebe war, ließ die Flammen für einen Augenblick stillstehen.
Dann kam der Schlaf. Nicht weil sie wollte. Sondern weil der Körper sie zwang. Im Dämmer zwischen Wundschmerz und Nachttee, mit dem Geschmack von Baldrian auf der Zunge und Arnos Herzschlag in ihrem Ohr, entschlief sie.
Draußen kämpften sie weiter. Doch in diesem kleinen Winkel der Welt, da herrschte Frieden.
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Viktoria Hamberg
Beiträge: 377
Registriert: Freitag 4. Februar 2022, 12:08

Beitrag von Viktoria Hamberg »

Das Lazarett wurde hastig geräumt. Die drohende Einnahme der Oberstadt ließ keine Zeit für Fehler, keine Luft für Zweifel. Viktoria und Cecilia trieben die Heiler und Helfer zu äußerster Eile, banden Wunden nur notdürftig, betteten die Schwächsten auf Tragen, während draußen schon das Donnern der Belagerungshämmer in den Steinen vibrierte. Jeder Herzschlag schien ein Abschied zu sein.

Viktoria blieb zurück. Die Kettenrüstung, längst durchgeschwitzt, spannte sich schwer auf ihren Schultern, als sie sich den verbliebenen Kämpfern anschloss – ein versprengter Trupp aus wachsender Entschlossenheit.

Ein Befehl kam. "Hamberg an das Katapult!"

Viktoria duckte sich hinter das knarrende Holzgestell des Katapultes, während Jean-Pierre mit schweißnassen Händen die Zugseile spannte. Antarian wuchtete das nächste Geschoss in die Schleuder, ein in Öl getränkter Felsbrocken, der bereits rauchend zischte. Der Tiefländer, dessen Name Viktoria nie ganz verstanden hatte, aber dessen Blick mehr sagte als Worte, schnaufte, als er den Zug der Kriegsmaschine spannte. Sie entzündete den Fels mit einem Funkenstein, wortlos, effizient.

„Auf den Marktplatz, Ihr habt den Kronritter gehört!“, rief Antarian. Viktoria nickte und trat ans Seitenrad. Gemeinsam richteten sie das Katapult aus, Zentimeter für Zentimeter, während über ihnen das metallische Stöhnen der Stadtmauern hallte.

Der Schuss löste sich. Wie ein kreischender Komet jagte der Stein über die halbzerstörte Mauer und stürzte in die Unterstadt – einen Moment später schoss eine Flammenblume zwischen den Dächern auf.
Jubel kam keiner auf. Nur der nächste Befehl, das nächste Ziel. Immer wieder feuerten sie – mit improvisierter Munition, gestohlener Zeit und dem Willen derer, die nichts mehr zu verlieren hatten.

Dann kam der Gegenschlag. Pfeile, einer nach dem anderen, regneten auf sie herab. Ein Brandpfeil traf das Katapult selbst. Trockenes Holz, zu viele Ölrückstände – es brannte schneller, als sie fluchen konnten.
„Zurück!“, rief Antarian, schon auf den Beinen. Viktoria zog Jean-Pierre am Ärmel, der benommen wirkte, als hätte ihn der Lärm selbst getroffen. Der Tiefländer warf ein Tuch über das Feuer – zwecklos. Die Sehne riss unter dem Kreischen erhitzter Spannung.

Sie flohen den Hang rauf, geduckt, atmend wie Tiere. Hinter ihnen schlugen Flammen in den Nachthimmel – das Katapult, das ihnen für kurze Zeit ein Werkzeug der Hoffnung gewesen war, stand nun in lodernder Umrisszeichnung gegen den Horizont.

Niemand sprach.

Aber in Viktorias Blick lag Entschlossenheit. Dies war nur ein Gefecht.

Die Schlacht war noch nicht zu Ende.

Der Plan war kühn: durch den Götterberg, vorbei am Wegekreuz, dann über die alten Stallgassen in den Westen Berchgards. Keine befestigte Route – nur ein Hauch von Überraschung.
Der schnelle Marsch war lang und das Schweigen dichter als der Nebel über dem Fluss. Viktoria kannte den Schmerz in Ihrem Leib inzwischen besser als ihre Gedanken. Der Boden war kalt, die Nacht wie Blei, doch als sie die Mauern Berchgards erreichten, standen ihre Herzen in Flammen.
Sie fielen dem Feind in den Rücken – lautlos zuerst, dann mit einem Ruf, der durch Mark und Stein schnitt. In den engen Gassen der Stadt war kein Platz für Flucht. Der Feind wurde zwischen dem Hauptheer und den Rückkehrern zerrieben, in der Straße selbst – zwischen Türbögen und Barrikaden, auf gepflastertem Grund, wo das Blut der letzten Schlacht in das Pflaster sickerte wie Regenwasser.

Am Ende: Sieg.

Ein hart errungener, verlustreicher Sieg für Lichtenthal.

Viktoria stand, als alles fiel – dampfender Atem, verschmiert vom Ruß der Stadt, mit zerkratztem Schild und gesenktem Blick. Ihre Hände zitterten, nicht vom Kampf, sondern von dem, was kommen würde: die Rückkehr ins Lazarett, zu denen, die nicht hatten mitreiten können.

Es gab keine weiteren Verletzten.
Mit erleichtertem Atem und einem Lächeln, das sie kaum zurückhalten konnte, brachte Viktoria die frohe Nachricht zu Cecilia. Die beiden Heilerinnen fielen sich in die Arme – lachend, weinend, von der Anspannung gelöst.
Ein Moment reiner Erleichterung inmitten all des Dunkels.

Nun war Raum geschaffen – für Altbewährtes und Neues.

Für Vertrauen.
Für Freundschaften, die noch wachsen durften.
Und für Tee.
Zuletzt geändert von Viktoria Hamberg am Dienstag 13. Mai 2025, 00:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Serina Marcel
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Registriert: Dienstag 7. Januar 2025, 13:04

Beitrag von Serina Marcel »

Trübe Gedanken verfolgten sie, selbst hier im sicheren Heilerhaus zu Adoran. Evakuierung nach Tagen der Sorge. Und die Sorgen konnten auch hier kein Ende finden. Einige geliebte Menschen waren nun hier, andere zurückgeblieben im umkämpften Berchgard. Ihre Gedanken waren bei jedem Einzelnen von ihnen.

Das Heilerhaus zu Adoran nun ein Hort der Unruhe, der doch eigentlich Ruhe und Heilung bieten sollte. Hastig hatte sie sich mit den Heilern vor Ort besprochen, jede Weisung Cecilias weitergegeben. Selbst die, dass Cecilias Befehl ihr hier eine gewisse Weisungsbefugnis übertrug, auch wenn sie dies unsicher machte. Sie war doch nur das Mädchen aus dem Wald, Schreinerin.. Buntspecht.. Eichhörnchen. SIe würde ihr bestes geben, geben müssen.

Glücklicherweise wussten die Heiler, was zu tun war und gingen ihr beratend zur Hand, wo es nötig war. Keylon bekam von ihr eine ganz persönliche Ansprache.. Anfuhr.. er ein Ritter, sie der Buntspecht. Trotzdem nahm sie sich diese Dreistigkeit heraus. Seine Sturheit sehr wohl kennend, konnte sie sich gut ausmalen, dass er möglicherweise versuchte sich davonzustehlen.

Dann endlich Zeit durchzuatmen, sich um Mikh zu kümmern. Ihn so zu sehen, schmerzte besonders. Dieser elende Unfall, der ihn für immer gezeichnet hatte. Sie spürte in jedem Herzschlag, wie tief verbunden sie ihm inzwischen war. Wollte so viel tun und war doch durch ihren gebrochenen Arm am meisten gehindert.. Aber wenigstens Nähe konnte sie geben, seine Verzweiflung mit Zuversicht zu bekämpfen suchend. Das Eichhörnchen und der Zauberbär.. sollte es je Diskretion gegeben haben, inzwischen dürfte selbst der Blindeste erkannt haben, was zwischen ihnen vorging.

Konnte sie etwas tun ausser Halt zu bieten? Während er endlich in den Schlaf gefunden hatte, kam ihr eine Idee. Dumm, verrückt.. oder dorch machbar? Sie würde Hilfe brauchen, soviel war sicher. Nicht nur aber auch Beratung, aber vor allem Hilfe bei der Durchführung. Mit einem gebrochenen linken Arm konnte sie ihre Idee nicht umsetzen. Nur weiter vermitteln und hoffen, dass man sie umsetzen konnte. Eiligst nahm sie die Messungen an seinem gesunden Bein vor, die sie für nötig hielt.

Jetzt war es Nacht, zu spät ihre Idee umzusetzen. Doch gleich früh am nächsten Morgen schickte sie einen Boten zum Haus von Elibell mit der Weisung dort zu verweilen, bis er ihre Nachricht überbringen konnte. Sie war knapp gehalten aber eindeutig:

Temora mit dir liebe Elibell,

ich brauche deine helfende Hand und möglicherweise auch deinen Rat
im Heilerhaus zu Adoran. Bitte suche mich dort auf, so bald es deine Zeit erlaubt.

Lieben Gruß

Serina Marcel



Wieder wandte sich ihr Blick dem schlafenden Mikh zu. Leise um ihn nicht zu stören, murmelte sie wenige Worte:
"Temora gib, dass meine Idee umzusetzen möglich ist. Ich gebe dir hoffentlich ein wenig Zuversicht damit zurück, Zauberbär!"
Zuletzt geändert von Serina Marcel am Dienstag 13. Mai 2025, 05:28, insgesamt 3-mal geändert.
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Jynela Dhara
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Registriert: Montag 28. Dezember 2020, 18:02

Beitrag von Jynela Dhara »

Vor dem Fall:



Die Nacht war ein zähes, bleischweres Band, das sich eng um Jynelas Schultern legte. Das dünne Hemd, welches sie unter der Rüstung trug, klebte ihr an der Haut, dort, wo getrocknetes Blut und Schweiß eine untrennbare Schicht bildeten. Der schmale Schnitt quer über ihre linke Hüfte brannte dumpf, seit Stunden schon – eine Erinnerung an den Nahkampf auf dem Vorfeld, als der Schütze die Chance genutzt und seine Klinge sie gerade noch getroffen hatte. Notdürftig hatte sie den Schnitt selbst verbunden, denn sie musste wieder auf ihren Posten. In der kleinen ledernen Tasche waren all ihre Schätze und darunter auch eine Flasche mit sehr reinem Alkohol. Wenn sich die Wunde entzündete, würde sie dem Einen keinen Dienst mehr leisten in der Schlacht. Also hatte sie einmal mehr die Zähne zusammengebissen, die Wunde gereinigt, so gut es ging und mit dem Zubehör aus dem kleinen, schmalen und kaum auffälligen Lederumschlag genäht. Eine Narbe mehr oder weniger, war ihr in diesem Moment reichlich egal. Saubere Stoffstreifen aus der Gardekiste, festgezurrt unter dem Gürtel taten das Übrige. Der Schmerz war nebensächlich geworden, beinahe vertraut. Wie ein alter Gefährte, der sie nicht verließ.


Berchgard erhob sich vor ihr, kaum sichtbar im nächtlichen Halbdunkel, das von vereinzelten Feuern rötlich durchbrochen wurde. Die Mauern der Burg – uneinnehmbar, wie sicher jeder Ketzer, der sich dahinter verschanzte, schwören würde – warfen schwarze Silhouetten gegen den verhangenen Himmel. Hier draußen roch alles nach kaltem Stein, nach Erde und Ruß. Der metallene Hauch von Blut hing unverkennbar in der Luft. Ihre rechte Hand ruhte auf dem Griff ihres Bogens, der Daumen strich immer wieder unbewusst über die Einkerbung am Schaft – eine Geste, die sie seit Jahren beruhigte und sonst, wenn sie ausnahmsweise einmal keine Waffe in der Hand hatte, über den Stumpf des fehlenden, kleinen Fingers ging.

Sie hatte kaum geschlafen. Nein, eigentlich gar nicht.

Nach dem ersten Gefecht, das am gestrigen Nachmittag tobte, war sie ihrer Pflicht nachgegangen und hatte wieder Stellung im Wald bezogen. Sie fragte nicht nach Ruhe. Sie fragte nie. Es war nicht ihre Art. Ihre Kameraden waren zum Großteil auf ihren Befehl hin in der Burg verschwunden, um Ruhe zu finden, längst zusammengesackt, wo sie konnten. Aber sie war die einzige Scharfschützin vor Ort, sie war der Hauptmann. Jynela stand. Immer noch. Immer wieder.

Die Müdigkeit war zu einem Nebel geworden, der wie feine Spinnweben in den Winkeln ihrer Gedanken lag. Doch jedes Mal, wenn ihre Lider schwer wurden, fauchte innerlich ihr Wille auf – eine klare Stimme, schneidend und fest: „Nicht jetzt. Noch nicht.“

Ein dumpfes Grollen riss sie aus dem Nebel ihrer Gedanken. Die Katapulte. Der nächste Schlag würde die Mauern erneut erschüttern. Ihre Stiefel sanken tiefer in den aufgeweichten Boden, während sie sich einen Schritt vorlehnte und den Blick in die Dunkelheit schärfte. Die Kälte der Nacht kroch durch die Lücken in ihrer Rüstung, unter die Schnallen und Lederplatten. Doch ihr Atem blieb ruhig. Langsam. Geübt.
Jynela wusste: Schlaf war ein Luxus für andere. Nicht für sie. In ihrer Position hier draußen war es ihre Pflicht, wach zu bleiben. Ihre Kameraden zu schützen. Wenn nötig zu befehlen. Zu siegen.

Mit einer fast mechanischen Bewegung prüfte sie die Sehne ihres Bogens. Straff genug. Die Pfeile in dem ledernen Köcher, den sie nicht am Rücken trug wie so viele, sondern stets aus Gewohnheit an ihrer Hüfte, tastete sie ab. Sie musste nicht hinsehen. Noch waren es genug Glasspitzen und sie hatte noch einen Vorrat. Genug für ein weiteres Gefecht.
Sie spürte, wie die Erschöpfung versuchte, sich an ihr fest zu krallen, wie bleierne Finger, die an ihren Gliedern zogen. Doch sie schüttelte sie ab.
Einmal, kurz, entschieden.

Über ihr glitten Wolkenfetzen über den Himmel, verdeckten die Sterne. Der Wind roch nach Regen. Und nach Krieg.
Ihre Schultern strafften sich während sie zusah, wie der nächste Stein in die Mauer einschlug. Bald würde der Morgen grauen, das Katapult, nun wieder repariert, würde den ganzen Tag weiter schießen.
Und dann würde der nächste Abend kommen.
Jener würde Blut fordern.
Und sie würden bereit sein.




Die Bresche:



Der Morgen brach bleiern und grau über Berchgard herein. Kein feuriger Sonnenaufgang, kein hoffnungsvoller Schimmer lag über der belagerten Festung — nur fahles Licht, das sich kaum durch die schweren Wolken schob. Hoffentlich würde alleine die Stimmung genügen, um die Feinde hinter den Mauern mürbe zu machen.

Sie hatte sich ein ganzes Stück aus dem Wald hinaus gewagt, wissend, dass sie damit ein Risiko einging und sich den Schützen auf der Mauer preisgab.
Geschlafen hatte sie nur wenig. Ein paar mal ein halber Stundenschlaf, zusammengesackt auf einem breiten Ast eines Baumes, von dem aus sie einen guten Blick auf die Stelle der Mauer hatte, die nun wieder unter Dauerbeschuss stand. Immerhin waren ihre Lider nicht mehr so schwer und der Blick brannte nicht mehr, seitdem sie sich etwas Ruhe gegönnt hatte. Doch das flackernde Ziehen im Nacken und den restlichen Schmerz— all das verdrängte sie mit eiserner Disziplin. Ihre Kameraden von der Garde hätten nichts anderes von ihr erwartet. Und sie selbst erst recht nicht.

Das Katapult hatte im Morgengrauen erneut zu singen begonnen. Mit dumpfem Knarzen waren die Seile gespannt worden, die Befehle von Korthon hallten durch den Burghof ehe die schweren Steine durch die Luft sirrten und mit berstender Gewalt in die Mauern Berchgards einschlugen.
Jyn saß weiter auf dem Baum, das kleine Fernrohr immer wieder ruhig auf einem Ast abgelegt, während sie die Mauer beobachtete, wartete auf den Moment, wenn sie endlich Meldung geben konnte, dass sie gebrochen war.

Den ganzen Tag über dauerte der Beschuss an. Stein um Stein prallte gegen die Mauer, splitterte die alten Blöcke auf, riss Spalten, warf Geröll zu Boden. Jynela spürte, wie ihre Knie schwerer wurden, der Körper sich nach Ruhe sehnte. Aber Berchgard war noch nicht gefallen, also blieb sie.

Die Sonne stieg kaum über den Horizont, zog einen müden Bogen und sank schon wieder hinter die zerklüfteten Hügel, als endlich, endlich das erwartete Dröhnen durch den Wald hallte.

Die Bresche war geschlagen.

Mit einem donnernden Krachen gab die Mauer nach — ein ganzer Abschnitt stürzte unter Staubwolken zusammen. Steine polterten, Rauch und Splitter flogen auf. Der Weg in die Stadt lag offen. Und mit ihm die nächste Prüfung.
Sie glitt vom Baum und rannte los und wenig später hallte ihre Stimme dem Heer entgegen, das bereit stand um auszufallen.

“Die Mauer ist gefallen!”

“Dann lasst es Pyrian über Berchgard regnen und ihre Häuser brennen!”, kam prompt die Antwort des Mael’Quil und das Katapult wurde erneut beladen.

Das Heer rückte aus und bewegte sich in einer dunklen Reihe auf die Mauern von Berchgard zu.
„Position halten! Bereithalten zum Sturm!“ ,Befehle hallten durch die Reihen, scharf wie das Klingen einer gezogenen Waffe.
Jynela hob den Blick. Ihre Finger schlossen sich fester um den Griff ihres Bogens und in jenem Moment fiel die Müdigkeit von ihr ab wie eine alte Haut, als sie sich aufrichtete. Der Blick klärte sich. Der Schmerz trat in den Hintergrund.
Sie wusste, was nun kam. Einzelne durch die Bresche zu schicken wäre Selbstmord — die Berchgarder hatten sicher bereits Stellungen im Inneren vorbereitet, Pfeile gespannt, Speere und Schwert erhoben.
Sie mussten sie täuschen.
Rasch schloss sie sich der Vorhut an gen Haupttor, flankierte die Nahkämpfer mit dem Rammbock, während an der Bresche eine andere Gruppe zum Scheinangriff ansetzte. Während ein Teil unter der Führung von Ryx’tar frontal vorging, führte sie ihre Leute seitlich heran, um jeden Spalt, der sich im Tor öffnete zu nutzen. Jeder Einzelne im Heer funktionierte. Ihre Bewegungen waren eingespielt, geübt, fast ein Tanz — ein Tanz der hoffentlich für jeden innerhalb der Mauer tödlich enden würde.
Dann wieder ein schneller Wechsel und als sie nahe genug an die Bresche kamen, glitt sie erneut in Deckung, hob ihren Bogen und suchte Ziele auf der anderen Seite. Zwischen den rauchenden Steintrümmern erkannte sie die Silhouetten mehrerer Verteidiger.
Der Angriff rollte an.
Aus allen Richtungen strömten alatarische Kämpfer durch die Bresche. Jynela folgte ihnen, immer in Bewegung, den Blick wachsam, den Schmerz ignorierend. Die linke Seite ihrer Rüstung war längst blutdurchtränkt, die alte Wunde wieder aufgerissen von der Anstrengung, doch sie kümmerte sich nicht darum.
Berchgard würde fallen. Heute. Und sie würde stehen bleiben, bis es vollbracht war.




Der Kampf hinter den Mauern:



Das erste Dröhnen von Stiefeln und Rüstungen auf dem zerborstenen Pflaster der Vorstadt hallte wie ferner Donner durch die Gassen. Der Durchbruch war gelungen — alle ihre Kämpfer stürmten nun durch die Bresche in Berchgards Verteidigung. Doch es war kein sauberer Sieg, kein glatter Marsch durch leere Straßen.
Hinter der Bresche erwarteten sie verschanzte Truppen, Schützen auf der Mauer, und Barrikaden aus Wagen und breiten Stämmen am Boden. Die Verteidiger hatten ihre Stellung nicht kampflos aufgegeben. Der erste Zusammenstoß war ein Chaos aus Geschrei, prasselnden Pfeilen und auf blitzenden Klingen. Jynela blieb im Hintergrund, wo sie es gewohnt war — doch es war ein gefährlicher Hintergrund. Hinter jeder Ecke konnte ein Angreifer lauern. Einmal musste sie sich selbst zurückziehen, die Flucht antreten, als einer der feindlichen Krieger ihr auf den Fersen war. Im Nahkampf würde sie keine Chance haben und sie spürte noch den Strich an ihrer Schulter, den brennenden Schmerz, der sie verlangsamte und dann aber der erlösende Anblick einer schwarzen Rüstung, als sie ausweichen konnte um den Weg für einen ihrer eigenen Nahkämpfer frei zu machen, der sich ihrem Widersacher in den Weg stellte.
Ihre Hände bewegten sich mechanisch.
Ziehen.
Zielen.
Schießen.
Neuer Pfeil.
Ein Schritt vor. Deckung hinter einer Mauer. Erneut einen Pfeil ziehen. Zielen. Schießen.

Ein eher junger Bogenschütze hatte sich hinter einem der Marktstände verschanzt. Er klammerte sich regelrecht an den Bogen, der in seinen Händen zitterte, während um ihn herum die Welt im Lärm des Kampfes versank. Sie zögerte nicht.
Ihre Lippen wurden zu einer schmalen Linie unter der ledernen Maske. Sie zielte präzise, ein sauberer Schuss, der den Kerl mit einem Schlag aus dem Leben nahm.
Das Herz pochte heftig in ihrer Brust. Nicht aus Schuld, nicht aus Reue — sondern aus angespannter Wachsamkeit. Noch war es nicht vorbei.

Jynela spürte, wie ihre Atmung flacher wurde, nicht nur vor Anstrengung, sondern auch vor Schmerz. Die frische Wunde an der Schulter pochte inzwischen im Takt ihres Herzschlags, scharf und brennend. Warmes Blut rann in dünnen Rinnsalen unter ihrer Rüstung. Doch es war nicht wichtig. Noch nicht. Sie biss die Zähne zusammen, fixierte die schmale Gasse, durch die gerade drei Berchgarder Kämpfer zurückwichen. Einer von ihnen hielt einen Hellebardenstiel — sein Schritt war taumelnd, erschöpft.
Sie musste ausweichen, als sie nach vorne rannte, und dennoch waren die Hände ruhig, als sie erneut anlegte und schoss. Der Mann brach nicht sofort zusammen, doch die Klinge, die ihn kurz danach von einem ihrer Mitstreiter traf, erledigte den Rest.
Sie senkte für einen Atemzug ihre Waffe. Ihre Finger zitterten minimal, aber spürbar. Das Adrenalin hatte die Erschöpfung für den Moment überdeckt, doch es begann zu schwinden.
In der Ferne hörte sie Ryx’tars Befehl. „Zur Oberstadt! Die Verteidigung bricht!“
Es war geschafft.
Die übrig gebliebenen Berchgarder flohen in Richtung Oberstadt, suchten Schutz auf der nächsten Ebene, zerrten ihre Verletzten noch mit sich.

Jynela blieb noch einen Moment reglos stehen.
Ihr Blick schweifte über das Trümmerfeld.
Ihre Kameraden begannen Verwundete einzusammeln, Barrikaden niederzureißen, Nachhut zu sichern. Der Sieg war greifbar. Und doch war da kein Jubel in ihrem Herzen. Nur ein stiller Stolz, tief vergraben unter Müdigkeit und dem Bewusstsein, dass der Kampf noch lange nicht zu Ende war.
Sie schulterte ihren Bogen erst, als es ruhiger wurde, spürte, wie das Gewicht ihren müden Körper stärker nach unten zog, als es sollte. In Gedanken sortierte sie bereits, was als Nächstes zu tun war.
Verteidigung sichern.
Nachschubwege freihalten.
Verwundete melden. Kartenmaterial der Oberstadt sichern. Kontakt zu Ryx’tar herstellen. Die Bresche versiegeln.
Sie hatte keinen Befehl erhalten, sich zu schonen.
Also würde sie es nicht tun.




Die Ruhe vor dem Sturm:



Der Abend senkte sich inzwischen über Berchgard. Schwer und unheilvoll. Ein blutroter Schein lag über den rauchenden Dächern und vom Westhimmel drückten dunkle Wolken herab. Es würde Regen geben in der Nacht — kalten Frühlingsregen. Man konnte die feuchte Schwere bereits auf der Zunge schmecken.
Am Rand eines zerstörten Marktstandes entdeckte sie Gardisten, die sich sammelten. Natürlich war es Lingor, der sie im Blick hatte und nun ruhig und eher gedämpft feststellte:„Hauptmann, eure Schulter… Ihr blutet stark.“
Jynela hob langsam die linke Hand und betastete die durchnässte Rüstung. Ihre Fingerspitzen wurden rot.
„Ich weiß.“
Sie sagte es ruhig, ohne Regung. Und es wurde hingenommen. Aber nur für den Moment.
Jeder von ihnen und Lingor sicher am besten von allen, wusste, dass Jynela selten Hilfe an sich heranließ. Sie war Hauptmann der Legion und schon lange vorher, für so viele andere verantwortlich, in einer anderen Welt, unter anderen Umständen, einem anderen Leben — und sie lebte, was sie lehrte: Pflicht vor Ruhe. Pflicht vor Schmerz.

Es überraschte sie allerdings nicht, als er später hinter sie trat, als sie gerade abseits die groben Spuren des Kampfes vom Gesicht und von den Händen wusch. Er schwieg noch, zog nur ein kleines Päckchen mit frischem Verband aus seiner Tasche und eine Flasche des Alkohols. Dann hob er stumm den Blick, als wollte er sagen: Lass es mich wenigstens versuchen.
Und Jyn nickte nur knapp.
Es war nur ein kurzer Moment der Stille, als seine Finger prüfend über den Schnitt glitten, eher ruppig, aber mit einer ungewohnten Vorsicht, als wollte er sie nicht noch mehr verletzen oder ihr Schmerzen zufügen als nötig. Doch die brach dann gewaltig, als gerade das frische Tuch wohltuend auf der Wunde kühlte. Seine Stirn lag in wütenden Falten, während er nach einem weiteren Verband griff und seine Kiefer sich fest aufeinander presste. „Beim Henker, Jynela…“ murmelte er heiser, sein Blick dunkel vor Ärger und etwas anderem, das schwerer wog. „Es gibt im ganzen verdammten Reich keinen sturen Kopf wie deinen. Keinen.“

Sie zog deutlich die Luft ein, als er ihr etwas von dem Alkohol über die Verletzung kippte. „Du würdest mit ’nem ausgekugelten Arm rumlaufen, der dir runterhängt wie ’n nasses Tau von der Mastspitze — und würdest mir ins Gesicht schwören, es sei nur ’ne Schramme.“
Er band den Verband fester als nötig und sah dabei kurz auf. Sein Blick blieb einen Herzschlag länger an ihrem Gesicht hängen. „Scheißdreck, irgendwann bind’ ich dir einfach beide Arme auf den Rücken, nur damit du mal gezwungen bist, fünf Minuten still zu halten. Sonst wirst du mir noch in den Händen zerbrechen, nur weil du zu stolz bist, auch nur einen Atemzug lang schwach zu wirken.“
Ein schiefes, raues Grinsen zuckte über seine Lippen, doch seine Stimme blieb leise. „Aber selbst dann würdest du mich wohl immer noch fortscheuchen und behaupten, du kommst allein klar und noch irgendwen aus zehn Schritt Entfernung erschießen, hm?“

Was sollte sie darauf erwidern, sicherlich würde sie ihm nicht widersprechen und sich der Lüge strafen. Ein leiser Atemzug, dann bewegte sie sich und da schoss ein gleißender Schmerz durch ihren Oberkörper.
Sie verzog kaum merklich die Lippen. „Es reicht“, sagte sie leise. „Danke.“

Dann trat sie zurück und griff nach ihrer Waffe. Noch in derselben Stunde waren sie alle wieder am arbeiten, sicherte den Aufgang und verbarrikadierten provisorisch die Bresche, damit man sie am nächsten Tag schließen konnte. Richtiger Schlaf kam nicht in Frage.
Nicht heute. Nicht morgen. Vielleicht nicht einmal in dieser Woche.
Denn Berchgard war gefallen — aber der Krieg war noch lange nicht vorbei.




Die Ankunft der Alkas:



Der dritte Tag in Berchgard brach grau und eher düster an. Feiner Nebel legte sich über die Gassen und gab der eroberten Vorstadt ein gespenstisches Antlitz. Aber nur so lange, bis der Himmel sich öffnete und die ersten Sonnenstrahlen sich mit aller Kraft durch das Grau kämpften.
Jynela war noch immer auf den Beinen oder eher wieder? Die Wunde an ihrer Schulter schmerzte dumpf und stechend zugleich, der neue Verband war bereits wieder durchgeblutet. Ihre Schritte waren messerscharf kontrolliert, doch in ihren Bewegungen lag inzwischen eine Spur Steifheit, als sei jedes Gelenk aus Stein. Langsam machte sich die Zeit der Belagerung doch bemerkbar und sie musste dringend etwas dagegen tun.
Sie hatte die Nacht genutzt. Zum einen, um Vorräte aus der Burg zu sichern, den Aufgang im Blick zu halten, aber auch, um endlich etwas Schlaf zu finden. Die ganze Zeit war aus der Bruderschaft nur Vangaad unermüdlich an ihrer Seite und für alle Aufgaben noch einsatzfähig. Viele ihrer Gardisten waren verwundet, erschöpft und dennoch machten sie weiter, suchten Ruhe, wo es ging um eneut Kraft zu schöpfen.

Der Morgen brachte nicht nur erste Sonnenstrahlen, sondern auch neue Verantwortung. Die Nachricht ging herum, dass die Alkas Berchgard aufsuchen würden. Die Heiligkeiten selbst, wollten sich einen Blick über die Lage verschaffen und sie musste zugeben, dass sie beeindruckte. Bisher waren ihr nur wenige Herrscher begegnet, die wirklich ins Kriegsgebiet reisten und sich der direkten Gefahr stellten. Der Krieg war nun Sache der höchsten Kreise geworden.

Allerdings bedeutete es auch, dass man die Alkas vor dem pöbelnden Feind, der es scheinbar witzig fand, allerlei Tand zu werfen, anstatt sich darauf zu konzentrieren, den eigenen Arsch zu retten, schützen musste.
Ein Raunen ging durch die Reihen, als sich auf der steilen Rampe zur Oberstadt eine Gestalt zeigte, der Baron selbst, Arenvir von Tilianas hatte sich dort oben hinter den Wachen verkrochen, seine Stimme allerdings war bis nach unten deutlich zu hören, als er sich mit Knappe Vangaad ein Wortgefecht leistete.
Sie hingegen blieb wie immer im Hintergrund, die Augen glitten über die Reihe und als sie die ersten Bewegungen wahrnahm, ein Schütze verborgen hinter einem Baumstamm, dann ein weiterer, griff sie nach dem Bogen. Die Finger glitten prüfend über die einzelnen Kammern des Köchers, sie wusste wonach sie zu greifen hatte, wenn es soweit war.

Wirklich nahm sie es gar nicht wahr, dass hinter ihr Auriane erschienen war, die immer noch den schmutzigen Wappenrock der Gräfin zur Schau trug. Die Reaktionen in der Oberstadt blieben nicht aus.

Jynela sog schnell die Luft ein, als sie erkannte, was da passierte.
Zu spät.

Auf der Mauer der Oberstadt regte sich Bewegung. Die feindlichen Verteidiger, die Nahkämpfer wie auch die Schützen hatten den Wappenrock längst erkannt. Es war keine offensichtliche Wut, die aufloderte, aber es war ein Zündfunke. Erste Befehle und schon blitzten erste Geschosse auf.
Jynela Kiefermuskeln arbeiteten kurz, als sie einen ihrer doch eher kostbaren Geschosse hervorzog: ein Glaspfeil, dessen Inneres schimmerte. Explosionstrank. Jynela prüfte die Versiegelung, legte an. Ihr Atem ging flach, ihre linke Seite schmerzte — doch sie zwang die Muskeln zur Ruhe. Sie fokussierte. Zielte.

Mit einem leisen Zischen schoss der Pfeil über die Felsen und Stufen und zerschellte an der Oberkante der gegnerischen Bastion. Ein Feuerball stob auf, orange und rot, gefolgt von einer kleinen Druckwelle, gleichzeitig mit dem Schuss kam der Befehl und die Warnung an alle: “DECKUNG!”

Ein zweiter Brandpfeil folgte, dann ein dritter. Bald zogen schmale Rauchfahnen über die oberen Verteidigungsstellungen des Feindes.
Dass Analeya weiter vorne zu ihrem eigenen Schutz vor den Geschossen sofort den Schild hochriss, rettet in jenem Moment wohl der Praetora das Leben. Sie ging dahinter in Deckung, bevor die nächsten Pfeile sie durchbohrten.

In ihrer Position waren sie an dieser Stelle deutlich im Nachteil, der Rückzug aus der Schusslinie für den Moment als unausweichlich. Allerdings sammelte sie die Leute auf dem Marktplatz für weitere Befehle und nur ein Ziel: Den Alkas den sicheren Weg in die Stadt zu ermöglichen.

Mit deutlich rauer Stimme schickte sie die Leute los. Sie würden den Feind zwingen, ihre Aufmerksamkeit auf den Wall zu richten.
Gleichzeitig sollte der Orden einen Brand entfachen, um die Kräfte zu spalten und einen Teil abzulenken.

So würden die Heiligkeiten die Stadt betreten können.

Ihre Augen blitzten auf, als die alatarischen Streiter den Befehlen nachkamen, ein seltener Funke inmitten der Erschöpfung. „Berchgard wird brennen — aber es wird für uns brennen.“
Und dann folgte sie dem Heer zurück an die Felsen. Ihr Puls hämmerte leise gegen ihre Schläfen. Schweiß rann kalt ihren Rücken hinab, vermischte sich mit getrocknetem Blut. Aber ihre Gedanken waren klar, schärfer als je zuvor.
Sie wusste, dass dies ihr letzter Schachzug sein konnte, bevor die Alkas kamen.
Langsam, fast unmerklich, hob sie den Kopf. Ihr Blick schweifte über die zerstörten Straßen, über die ausgezehrten Gesichter der Gardisten, über die aufsteigenden Rauchfahnen, die bereits den Himmel schwärzten und dann weiter zu Kevke, der ihnen mit seinem Nebel genau das gab, was die Angreifer unten am dringendsten brauchten. Unsichtbar zu werden.
Ein Lächeln stahl sich in ihre Züge — schmal, entschlossen, mit einem Hauch Trotz.
Berchgard gehörte dem Reich. Noch nicht ganz. Aber bald. Die Alkas sollten den Anblick genießen.




Vor dem Ritual:



Es war vorbei. Für heute.
Über Berchgard spannte sich nun ein tiefdunkler Himmel und man hörte nur noch das entfernte Klirren von Waffen und das dumpfe Stampfen von Wachen auf Patrouille.
Jynela stand wieder einmal am Westtor, seitlich an das massive Gitter gelehnt und zündete sich einen Glimmstängel an, dessen schwacher Rauchfadenin der kühlen Nachtluft aufstieg.
Harter Tag“, murmelte er, ohne sie anzusehen. Seine Stimme war rau wie Schmirgelpapier.
Jyn zog noch einmal tief an dem Glimmstängel, die ersten Züge brannten in ihrem Hals bevor sich die vertraute Schwere, die auf den Hauch von Wildkraut zurückzuführen war, angenehm zwischen Rippen und Gedanken ausbreitete.
„Harter Krieg“, entgegnete sie leise.

Sie standen lange schweigend nebeneinander. Vor ihnen lag das dunkle Niemandsland — von Nebelschwaden durchzogen und unheimlich still. Und irgendwo dort hinten, dort lag Rahal.
Lingor ließ den Blick nicht von der Dunkelheit. „Du solltest dich hinlegen, Hauptmann. Du siehst aus wie sieben Tage Schlacht.“
Sein Tonfall war nüchtern, fast beiläufig, doch in seinen Worten lag etwas, das einer Sorge nahekam.
Jynela blies langsam den Rauch aus und verzog kaum merklich die Lippen zu etwas, das entfernt an ein Lächeln erinnerte.
„Wenn ich mich jetzt hinlege, wache ich drei Tage nicht auf.“
Lingor brummte leise und zog wieder an seinem Glimmstängel.
„Vielleicht wär’s nicht das Schlechteste.“

Sie schwiegen erneut. Im schwachen Licht der Mauerfeuer wirkte Jynelas Gesicht eingefallen, die Schatten unter ihren Augen lagen tief. Doch der Blick blieb wachsam, messerscharf.
Nach einer Weile sagte Lingor, mahnend leise und trocken: „Weißt du, Jyns… ich habe viele gesehen, die bei so einem Marsch irgendwann brechen.“
Er drehte den Glimmstängel zwischen zwei Fingern. „Du nicht. Aber du solltest wissen, wann’s reicht.“

Jynela warf ihm einen kurzen, seitlichen Blick zu. Ihr Mundwinkel zuckte kaum sichtbar.
Sie nahm einen letzten Zug und warf den Stummel in eine Pfütze.
Dann straffte sie sich und trat einen Schritt nach vorne. Ihre Silhouette war schmal, doch in der Haltung lag eiserne Entschlossenheit.
Sie würde weitergehen, so lange, wie ihr Herz schlug und ihr Verstand klar blieb.
Aber für diesen Moment musste sie sich eingestehen: der Grundausbilder hatte recht. Sie wusste, wann es genug war.

Der Rauch war verweht. Die Nacht war hereingebrochen. Und der Krieg noch nicht vorbei.
Aber sie würde sich nun die Ruhe gönnen, die sie für den letzten Sturm brauchen würde.
Zuletzt geändert von Jynela Dhara am Dienstag 13. Mai 2025, 15:19, insgesamt 1-mal geändert.
Antarian von Dynal
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Beitrag von Antarian von Dynal »

„Ehre dem Schild“ – Der letzte Sturm

Der Abend des dritten Tages roch nach brennendem Harz und feuchtem Stein. Die Oberstadt von Berchgard war ein grauer Scherbenhaufen aus Hoffnung und Pflichtgefühl, ihre Gassen gesäumt von Ruß, zerschlagenem Holz und erschöpften Männern. Kein Glockenschlag rief mehr zum Gebet, kein Marktschreier pries seine Ware. Stattdessen waren es die stumpfen Rufe der Verwundeten und das entfernte Knirschen der Rahaler, das sich wie ein böses Flüstern durch die Mauern schob. Die Stadt selbst schien den Atem anzuhalten – als lauschte sie auf das Urteil, das über sie gefällt werden würde.

Antarian stand am westlichen Tor. Der Harnisch auf seinen Schultern drückte schwer, nicht nur aus Stahl, sondern aus der Last der Verantwortung. Die Knochen erinnerten ihn an frühere Jahre, an Kämpfe, in denen Kraft ihn trug, nicht Pflicht. Jetzt aber war es der Wille, der seine Schritte lenkte. Dort, wo sich der Wall in die Bergflanke schmiegte, hatte man Stellung bezogen. Das Katapult, das einst als Symbol der Wehrkraft galt, war nun zur letzten Bastion geworden – ein Instrument der Verzweiflung, das brennende Brocken über die Unterstadt warf, um dem Feind wenigstens Schmerz für sein Vordringen zu zahlen.

Die Schar, die er führte, war keine Armee. Es waren versprengte Soldaten mit geborstenen Plattenschultern, Veteranen mit zitternden Händen, hitzköpfige Tiefländer, deren Kampfgeist stärker war als ihr Schild, Bauern mit Äxten aus der Scheune, Zwerge mit rußverkrusteten Bartzöpfen, Bürger mit nichts als Mut im Blick. Jeder von ihnen stand an diesem Abend, weil es keine andere Richtung mehr gab als nach vorn.

Antarian bewegte sich mit einer Ruhe, die nur aus Gewohnheit kam. Jeder Schritt über den kalten Stein schmerzte in den Knien. Die Rüstung drückte ihm den Atem flach, doch er schritt wie einer, der seit Jahren wusste, was es bedeutete, ein Schild zu sein. Der Ablauf am Katapult war geordnet. Er hob mit beiden Armen den nächsten Felsbrocken, schwer wie die Sorge um jeden einzelnen dieser Männer. Sein Rücken protestierte, der rechte Ellbogen zitterte beim Aufrichten, doch er ließ es sich nicht anmerken. Mit einem kurzen Nicken deutete er Viktoria den nächsten Schritt an.

Die junge Heilerin, deren Entschlossenheit ihn mehr als einmal überrascht hatte, trat an die Schleuder, goss schweigend das Brandöl über den groben Stein und trat zurück. Das Öl sickerte in die Risse, tränkte das Gestein wie ein düsteres Sakrament. Ein Zischen, ein Funken – der Brocken loderte auf. Der Tiefländer trat vor, grinste breit unter wildem Haar und bellte mit rauer Stimme einen fluchenden Gruß in die Flammen: „Schönen Gruß von Keylon, ihr Pysser!“ Dann riss er die Abzugsmechanik. Die Sehne spannte sich, stöhnte, ächzte und entließ den brennenden Stein in einem Bogen über die Mauer – ein glühender Komet, der in der Ferne ein weiteres Haus in Flammen aufgehen ließ.

Keiner jubelte. Kein Wort wurde verloren. Nur ein stummes Einvernehmen lag in den Blicken. Die Sehne musste neu gespannt werden. Jean Pierre und der Tiefländer warfen sich mit aller verbliebenen Kraft gegen die Winde. Ihre Schultern bebten, ihre Finger waren zerschunden. Antarian hob derweil bereits den nächsten Brocken. Jeder dieser Würfe war ein Opfer – an Muskelkraft, an Zeit, an Hoffnung.

Doch der Feind wartete nicht. Der Gegenschlag kam wie ein Rauschen aus Tod. Ein Hagel aus Brandpfeilen schoss über die Mauern, suchte gezielt die Schwächen der Verteidigung. Einer nach dem anderen zischte heran. Das Katapult wurde getroffen, Flammen leckten an den Holmen, das Öl fing Feuer. Innerhalb eines Atemzuges wurde das Bollwerk selbst zum Brandherd. Antarian sah, wie die Hitze aufstieg, wie die Männer zurückwichen, wie der letzte brennende Ruck durch die Konstruktion ging. Es war vorbei.

Der Rückzug zur Oberstadt war kein Zusammenbruch, sondern eine geordnete Loslösung unter Kommando. Er selbst rief die Männer, zog zwei Verwundete mit eigener Kraft vom brennenden Podest. Als sie schließlich in die engen Gassen der Oberstadt zurückkehrten, war das westliche Tor zwar verloren, doch die Mauern und das lodernde Feuer verhinderten einen Vormarsch des Feindes.

Der Kronritter traf zur späteren Abendstunde dazu, das Gesicht von Kampf und Verantwortung gezeichnet, doch der Schritt unverkennbar fest. Seine Rüstung trug die Spuren vergangener Kämpfe, sein Blick lag klar auf der Lage, als wäre die Taktik bereits in Gedanken geschmiedet worden. Antarian trat an seine Seite, berichtete mit der Ruhe des Erfahrenen, zählte die verbliebenen Kämpfer auf, nannte ihre Stärken, ihre Schwächen, das, was noch stand – und das, was nicht mehr stand, aber standhalten würde, solange jemand es verteidigte. Während der Ritter sich über die Karte beugte, formierte Antarian aus den Resten der Verteidiger eine neue Schar. Kein Heer aus Vorschriften, sondern eine Versammlung der Willigen – Männer und Frauen, die noch aufrecht standen, weil niemand sonst mehr aufrecht bleiben konnte.

Die Taktik selbst jedoch blieb beim Kronritter. Er legte sie nüchtern dar, schnörkellos, mit dem Blick eines Mannes, der keine Siege mehr verspricht, sondern Wege sucht, das Unmögliche möglich zu machen. Als der Moment des Aufbruchs kam, stellte er sich auf einen zerborstenen Balken, schob die Haare aus dem Gesicht, sah in die Reihen – und sagte trocken: „Los geht’s.“ Mehr nicht. Kein heldenhaftes Pathos, keine geschwungene Rede – doch genau das war es, was zündete. Es war kein Spruch. Es war ein Versprechen.

Die Mine unter Berchgard war kein finsterer Schlund, sondern eine alte, zwergisch ausgehauene Verbindung – gut gestützt, ausgekleidet mit tragenden Bögen, an manchen Stellen mit alten Runen versehen, die von Zeiten erzählten, in denen noch Handel durch die Tiefe floss. Der Weg war lang, doch sicher. Fackeln warfen flackerndes Licht an die feucht glänzenden Wände und der Klang von Schritten hallte tief durch das Gestein.

Für Antarian war jeder Schritt ein Ringen mit dem Körper. Seine Schultern brannten, sein rechtes Knie begann zu ziehen und die Enge ließ ihn den Helm öfter lüften, um besser atmen zu können. Dennoch hielt er den Blick nach vorn gerichtet. Schwäche war kein Fehler – aber sie durfte nicht sichtbar werden. Nicht heute. Nicht hier. In Nilzadan angekommen, erwartete sie kein Empfang, keine Trommeln, keine Banner. Nur Zwerge in alter Rüstung, die mit verschränkten Armen und kurzen Nicken ihren Entschluss bekundeten. Keine Worte, nur Haltung. Ein Wort hätte zu viel sein können. Schweigen reichte.

Der anschließende Aufstieg zur westlichen Bergflanke war schmal, die Luft kälter, der Wind schärfer, als hätte selbst der Himmel prüfen wollen, wer dort ging. Der Pfad war rutschig, in Teilen vereist, doch nicht einer fiel. Nicht einer klagte. Antarian spürte, wie sich der Schmerz in seinen Schritten festbiss, doch er ließ ihn zu. Denn wer den Schild trug, konnte sich nicht auf ihn stützen – er musste ihn tragen, selbst wenn er selbst darunter wankte.

Als sie durch das westliche Tor der Unterstadt brachen, das im Rauch verborgen lag, trafen sie auf eine Stadt in Flammen. Die Ruinen bebten noch von den eigenen Geschossen. Häuser standen als brennende Skelette, Fenster glommen, als sähen Geister auf sie herab. Und zwischen diesen Straßen marschierte Rahal – mit klaren Reihen, geordnet, mit tödlicher Disziplin. Der Feind erwartete den Angriff aus der Oberstadt, nicht aus dem Westen. Das war ihr Fehler.

Der Aufprall war gewaltig. Die Reihen der Rahaler hielten zunächst stand, doch der Überraschungsmoment ließ sie taumeln. Der Kronritter führte seinen Truppen in einem mix aus Sturmramme und schneidende Klinge – gezielt, hart, unbeirrbar. Zwischen brennenden Wagen und einstürzenden Fassaden führten Kommandanten beider Seiten ihre Männer mit ruhiger, eiserner Hand. Es war kein Chaos, sondern eine Schlacht, in der jede Bewegung Leben bedeutete. Die Verteidiger kämpften nicht wie Soldaten, sondern wie Brüder. Und Antarian fühlte bei jedem Schildstoß, dass sein Körper längst gegen seine Grenzen arbeitete. Jeder Schlag durchzog ihn mit Schmerz, jeder Schritt war schwerer als der letzte. Doch in seinen Gedanken hielt er sich aufrecht – durch Pflicht, durch Erinnerung, durch das Versprechen, das er jedem Einzelnen gegeben hatte.

Als sich dann inmitten des Gefechts eine Lücke in den feindlichen Linien auftat – ein Moment der Überforderung, ein Taktikfehler, der durch zu frühes Vorrücken der vorderen Reihe entstand – wusste er, dass dies der Augenblick war, auf den sie alle gewartet hatten. Die Befehlshaber riefen. Die Männer folgten. Die Linie drückte sich in die Lücke. Schild an Schild. Der Feind wich. Erst langsam, dann schneller. Die Straße bebte von ihrem Vorstoß. Rahals Disziplin war gebrochen, ihre Reihen gespalten. Die verbleibenden Truppen zogen sich zurück – nicht kopflos, aber geschlagen. Berchgard hatte gehalten.

Am Abend stand Antarian auf der Schwelle der Taverne, die zum Lazarett geworden war. Der Schlamm klebte an seinem Beinschutz, das Blut an seinem Kinn war getrocknet. Die Hitze des Feuers wich nun der Kälte der Nacht. Er blickte nicht auf den Sieg, sondern auf die Gesichter der Männer, die zurückkehrten. Die Erleichterung darin. Die Erschöpfung. Die Trauer. Auch er spürte sie. Aber tiefer noch lag darin eine Ruhe, die er lange nicht empfunden hatte – die Gewissheit, dass er seine Pflicht erfüllt hatte.

Ein alter Gardist, der auf einer Trage lag, hob zitternd den Arm zum Gruß. „Der Schild hat gehalten“, murmelte er, kaum hörbar. Antarian trat näher, legte ihm die Hand auf die Schulter und sprach, leise, aber fest: „Solange wir atmen, wird er es weiter tun.“[/u]
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Marlan Kabo
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Beitrag von Marlan Kabo »

„Nachklang in der Dunkelheit“
Marlan Kabo, Abend nach dem ersten Schlachttag


Der Abend senkte sich schwer auf das Feldlager. Die Hitze des Kampfes war gewichen, aber die Schatten der Erinnerungen blieben. Der beißende Geruch von Blut, Eisen und Schwefel hing noch immer in der Luft, und irgendwo jenseits der Wälle klangen die letzten Schreie von Verwundeten wie Mahnrufe durch die Nacht.

Marlan saß nahe am Feuer, das Schwert an seine Seite gelehnt, die Schulterrüstung lose geöffnet, um den Verband darunter nicht zu sehr zu reizen. Die linke Schulter pochte dumpf – das Erbe eines Morgensterns, dessen Wucht er nicht ganz hatte abfangen können. Die Wunde war tief gewesen, und doch hatte er erst Platz gemacht für jene, deren Atem flacher ging als seiner.

Viktoria hatte geschimpft, Cecilia den Kopf geschüttelt – aber am Ende hatten sie ihn doch versorgt, still und gewissenhaft. Der Schmerz war geblieben, aber er war nicht das, woran Marlan dachte.

Seine Gedanken waren bei dem Moment, als Arenvir stürzte – zu Boden geschmettert, nur ein Herzschlag entfernt vom Zermalmtwerden unter dämonischen Klauen. Ohne zu zögern hatte Marlan gehandelt, hatte sich durch Feindesreihen geworfen, den Magier gepackt, ihn auf das Pferd gezogen, ehe sie gemeinsam in Sicherheit galoppierten. Er wusste nicht mehr, ob er dabei schrie oder schwieg – nur, dass es keine andere Wahl gegeben hatte.

Jetzt saßen sie abends oft beisammen: Arenvir, Antarian, er. Männer, die wussten, wie es war, wenn Schlachtlärm die Gedanken übertönte, wenn Blut und Pflicht sich mischten zu einem unlösbaren Knoten. Sie sprachen leise, keine großen Reden, eher Erinnerungen – an frühere Schlachten, an Kameraden, die nicht mehr waren. Und an jene, die es noch zu schützen galt.

Die Schlacht war nicht vorbei – vielleicht würde sie es nie sein. Doch in diesen Nächten, mit dem Feuer vor sich und den Weggefährten an seiner Seite, wuchs etwas anderes: Hoffnung. Kein blendendes Licht, sondern ein stilles, standhaftes Glimmen. Und das war genug, um weiterzugehen.
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Helisande von Alsted
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Beitrag von Helisande von Alsted »

Uns wen’ge, uns beglücktes Häuflein Brüder:
Denn welcher heut sein Blut mit mir vergießt,
Der wird mein Bruder; sei er noch so niedrig,
Der heut’ge Tag wird adeln seinen Stand.

St. Crispins Tag Rede - Heinrich V. William Shakespeare

Den Kopf gesenkt kniete sie in der Oberstadt Berchgards im Schrein Cirmias. Eine heilige Stätte, der Götterberg, Geburtsort Temoras. Die Kronritterrüstung von Dellen, Kratzern und Schmutz geziert. Die Zier der Krieger. Der Schild war aus praktischen Gründen auf dem Rücken, die Hände frei und auf dem aufgestellten Bein abgelegt. Es gab gerade keine Langsamkeit, doch diesen Moment des Innehaltens nahm sie sich. Es war noch früh, der Morgen des 12. Eluviar nur ein fernes Versprechen, des ewigen Kreislauf des Lebens. Stille noch über dem Lager. Nur die alten Recken drehten unverdrossen ihre Kontrollrunden. Nicht deren erste Wacht, nicht deren letzte und doch die Wacht für die sie dankbar war.

Nach dem die Alataris Berchgard erstürmt hatten und sie in die Defensive in die Oberstadt zwangen, hatte sich eine Art Gemeinschaft ausgebildet, die ohne viele Worte auskam. Blicke, Nicken und gelegentlich ein Zwinkern genügten. Man verstand sich. In ihren Gedanken zog das Bild der in Ehren ergrauten Streiter vorbei, gegen diese Männer war sie noch ein halbes Kind. Trotzdem wurde sie voll respektiert und vor allem: verstanden. Diesmal keine ewigen Erklärungen, Rechtfertigungen oder gar Geschmolle, weil der eigene Vorschlag verworfen wurde. Nur ein Nicken, ein 'Jawohl' und schon wurde das Katapult besetzt und die noch grünen Kämpfer eingewiesen.

Sie kniete. Ein heiliger Ort, immer noch unberührt von dem was unten in der Stadt an Frevel und Unheil angerichtet wurde von den Dienern des Bruderverräters und des Seelenfressers. Die Herrin würde sie hören, in all dem unheiligen Rauschen dort unten, in all dem Lärm, den der Krieg mit sich bringt. Sie würde sie hören.
  • Herrin Temora, Schwertmaid, Schildmaid,
    Herrin unseres Schicksals.
    Ich danke dir für deinen Beistand,
    Ich danke dir für diese Gemeinschaft,
    Ich danke dir für diese Kämpfer an meiner Seite.
    Ich danke dir für unsere Hoffnung, für unser Vertrauen eineinander,
    dafür dass wir einander Licht und Schild sind.
    Ich danke dir für deinen Schutz, für deinen Blick auf uns und für deine Gnade.

    Behüte all deine Streiter hier und heute.
    Führe unsere Gedanken an die richtige Stelle.
    Gib uns deine Kraft, für das was vor uns liegt.
    Wir werden kämpfen.
    Unverzagt.
    Wir sind eins.


Nach einem tiefen Atemzug das Aufrichten und sie trat hinaus in den Lärm und sprach noch leise Worte zu sich selbst, ob jemand sie hörte oder nicht und wer die vernahm, der durfte sie in sich bewahren.

  • "Und wer mit mir sein Blut vergießt, er wird mein Bruder.
    Und wer mit mir sein Blut vergiest, sie wird meine Schwester.
    Gebunden durch die Klingen in Schweiß, Blut und Rauch."

Für sich gesprochen, für alle gefühlt. Rücken gerade und wieder mitten im Geschehen. Feuerbefehl für die Katapulte, Ziele vorgeben. Befehle knapp, kurz und ohne Raum für Großartigkeit. Nur ein kurzer Moment des Abschiedes noch von Heinrik. Hand in Hand gelegt, Kopf an Kopf.
Falle ich, musst du leben.
Der Schwur ihrer Ehe, der Grundatz ihrer Freundschaft.
Mehr Befehle, Bewegung. Die Schützen, darunter Elfen mit ihrer tödlichen Präzision nahmen von der Ostmauer den Feind unter Beschuss. Die Katapulte legten los, wie geplant. Signale wurden nahtlos weitergegeben. Sie selbst stand auf der Ostmauer. Das sinnfrei gezogene Schwert wurde im Rennen wieder gescheidet, im Süd-Ost-Turm griff sie eine Armbrust und legte auf den Feind selbst an. Mit der Zielsicherheit einer Kröte beim Pinkeln sorgte sie zumindest für ein Mehr an Geschossoptik. Dafür fegte ein Feuerball knapp über ihrem Kopf hinweg.

Warten. Den Feind hinhalten.
Wieder rennen, sich interessant manchen und ein Ziel bieten.
Ich bin hier, die Gräfin! Helisande, die Ritterin der Krone - kriegt mich doch!
Gold und Adelsfarbe immer wieder aufblitzen lassen.
Vielleicht war sie doch der Phönix und nicht der Drache.
Doch der Schildwall der Feinde zog sich immer weiter zurück, weiter und weiter. Drecksäcke.
Sie warf die Armbrust und stürmte die Treppe runter, die Korporal klebte an ihr wie Honig in Kinderhaaren. Die Nebentür!
Leise Befehlwiedergabe, dann der Ausfall den Feinden nach.

Alsted!
Da war er. Stellt den Feind mit seinem bunten Heer aus Thyren, alten Haudegen, Soldaten und Zivilisten durch das Westtor. Sie waren schneller als erwartet durch gekommen. Ein Blick zu Arenvir im Rennen und ein Nicken.
In den Rücken fallen!

Die Schlacht entbrannte und es gelang ihnen wichtige Schlüsselfiguren im alatarischen Heer diesmal auszuschalten. Die Schwarzkittel waren nicht sonderlich erfreut über die Klinge, die ihnen auf den Leib sprang. Und irgendwo schlugen Arenvirs Blitze ein. Ein dienlicher Schild einer ihrer eigenen Leute fing für sie einen Pfeil ab, der hätte sitzen können.
Ein Aufwallen von Hass in ihr. Dreckstempler.
Aufglühen ihres Siegels auf der Brust, der feindliche klerikale Angriff neutralisiert.
Dann das Aufschließen zu Heinrik. Schildwall. Blindes Verstehen.

Sieg.
Berchgard brannte.
Sieg.
Der Feind zog ab.
Sieg.

Kaum hatte sich der Lärm der Schlacht gelegt, trat kein direkter Jubel ein. Man blickte sich mehr oder minder erschöpft um. Dann trat sie an einen noch intakten Eimer heran und nahm ihn in die Hand. Am noch verseuchten Wasserbecken schöpfte sie den ersten Eimer und begann das nächst beste Feuer damit zu löschen. Dafür war das Wasser immer noch gut genug.

Ein Zischen der Flammen. Rauch.
Sieg.
Verlust.
Brüder.

Tränen zogen nun sichtbare Spuren auf ihrem von Rauch und Ruß angeschwärzten Gesicht. Doch es war keine Zeit um jetzt zu brechen. Löschen, Steine aufheben, Arbeiten.
Wer arbeitet hat keine Zeit zu brechen.
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Linus van Sturmfang
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Registriert: Donnerstag 12. Oktober 2023, 18:11

Wir leben

Beitrag von Linus van Sturmfang »

Ich stand auf der Mauer, als alles begann.
Berchgard brannte.

Die letzten Pfeile waren noch nicht gefallen, da fraßen sich schon die Flammen durch Dächer, Balken, Herzen. Die Mauern – aufgerissen. Der Boden – geschwärzt. Und dennoch: Wir blieben. Nicht alle. Aber genug.

Die Nacht war kein Lied.
Sie war ein Hall aus Schreien, aus splitterndem Stein, aus Abschieden, die niemand vorbereitet hatte.

Und dann… kam der Morgen.

Ich saß auf einem umgestürzten Wagen inmitten der Trümmer. Um mich: Rauch, Asche, Stille.
Nicht die Stille des Friedens.
Sondern die, die nach dem letzten Schlag kommt. Wenn selbst das Schicksal kurz innehält.

Und ich schrieb.
Nicht, weil ich stark war. Nicht, weil ich Worte hatte.

Sondern weil ich es musste.



„Wir leben“

Die Schwerter schweigen, der Sturm ist fort,
Berchgard meine Heimat, ich nenne es Mord.
Der Rauch verzieht sich vom Rathaus Dach –
doch wir atmen noch aus eigener Kraft.

Die Mauer fiel, doch Stein bleibt Stein,
wir tragen Trümmer, nicht allein.
Wo einst der Kampf durch Gassen zog,
zieht nun der Karren, der Hoffnung wog.

Die Glut ist kalt, das Feuer tot,
doch in den Flammen lag der Tod.
Nur Wandel, Schmerz – doch kein Verfall.
Denn wer noch steht, der lebt den Fall.

Die Wunden brennen, tief und klar,
ein Echo dessen, was einst war.
Wir nähen Fleisch und Herz zugleich,
wir flicken Mut aus Blut und Reich.

Wir tragen Namen wie ein Lied,
für jene, die das Leben mied.
Nicht weil sie’s wollten – nein, sie fielen.
Doch wir sind da. Und dürfen fühlen.

Ein Schild zerschlagen, doch nicht wir.
Ein Haus verbrannt, doch offen Tür.
Ein Grab gegraben – still, mit Sinn –
doch über uns: ein Neubeginn.

Denn wenn wir leben, tun wir’s auch
für jene, die im letzten Hauch
ihr Ja zum Sein verloren gaben –
wir leben. Und wir werden laben.

Mit Atem, Schweiß und Blick nach vorn
steht Hoffnung auf aus altem Zorn.
Die Stadt wird wachsen – wird sich erheben.
Wir haben überlebt. Wir leben.



Ich weiß nicht, ob ich dieses Lied heute singen kann.
Aber ich habe es geschrieben.
Und vielleicht reicht das.
Für jetzt.

Für Berchgard.
Für uns.
Für jene, die nicht mehr schreiben konnten.

– Linus Sturmfang
Spielmann. Überlebender. Stimme für die Stummen.
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Arne Levar
Beiträge: 927
Registriert: Montag 19. November 2018, 19:02

Beitrag von Arne Levar »

Am Tag nach der großen siegreichen Schlacht um Berchgard, läuft Arne noch
gezeichnet von vier Tagen Belagerung durch den Feind, durch die Stadt und nimmt
die Schäden auf. Viel ist zerstört, die Festungsmauer im Osten, um das Rathaus
herum, der Markt, am Pferdestall nahe dem Westtor und der Friedhof. Nicht zu vergessen
die schwer beschädigte Treppe von der Unter- in die Oberstadt.

Besonders wichtig sind da die Festungsmauer und das Osttor, danach ist Zeit um
alles andere anzugehen was gemacht werden muss. Sogleich fertigt er mehrere
Aushänge, die er durch Botenjungen im ganzen lichten Reich verteilen lässt.

An alle Bürger Lichtenthals,

siegreich gingen die Verteidiger Berchgards aus der gestrigen Schlacht, gegen die Schergen
des Westens, hervor. Viel Schaden wurde angerichtet. Besonders schwer ist der Bruch
der Festungsmauer im Osten und das schwer beschädigte Tor im Osten. Auch stehen
große Steine und Steinplatten vor dem Osttor, welche fortgeschafft werden müssen.
Auch in der Stadt und selbst auf dem Friedhof kam es zu Beschädigungen.

Darum brauchen wir die Hilfe aller, um Berchgard wieder aufzubauen und noch sicherer zu machen.

Kommt alle und helft am 15. Eluviar zur achten Abendstunde mit, Berchgard wieder aufzubauen.

Werkzeuge werden vor Ort gestellt.

Arne Levar

Sappeurmeister zu Lichtenthal

Bild


(ooc. Donnerstag 15.05. 20.00 Uhr)
Zuletzt geändert von Arne Levar am Mittwoch 14. Mai 2025, 19:43, insgesamt 5-mal geändert.
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Velvyr'tae
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Registriert: Samstag 11. Februar 2023, 18:04

Beitrag von Velvyr'tae »

Seine Wunden lecken.

Sie hatte es im übertragenen Sinne oft genug getan. Nach einem verlorenen Kampf. Einer gewonnenen Schlacht. Nach Ritualen, in denen die Macht Alatars eine sengende Spur durch ihren Geist gezogen hatte. Aber selten so wörtlich wie heute.

Versteckt in einem Winkel des Axorner Tempels lag ein Panther eingerollt. Die reibeisene Zunge fuhr wieder und wieder über das tiefgrün schimmernde Fell. Die heilende Wunde an ihrer Flanke, hinterlassen von einem Pfeil dieser kleinen Baronin. Sie hatte die Fangzähne in ihre Schulter vergraben. Schmeckte noch das Blut und grollte, Schmerz und genüssliche Erinnerung zugleich.
Über den Hinterlauf, der immer noch schmerzte. Der Schild der Kronritterin hatte sie getroffen. Hier ein Schlag, dort ein Zusammenstoß. Alles verschwamm ineinander, überdeckt vom Adrenalinrausch des Kampfes.
Die blauen Flecken und Prellungen zählte sie nicht.
Auch nicht die tief sitzende Erschöpfung des gemeinsamen Rituales vor Berchgard.
Notwendig. Erwartet.

Der geschmeidige Körper des Raubtieres streckte sich unnatürlich. Aus Pranken wurden Finger. Aus Fell wurde nachtschwarzes Haar. Die nachtblaue Haut fahler.
Dann war sie wieder sie selbst. Nur anders.

Die Lethoryxae atmete durch, rollte die Schultern versuchsweise. Fühlte den Schmerz der überbeanspruchten Muskeln. Der Heilung.
Nicht wichtig.
Vater erlaubte seinen Geweihten keine langen Ruhepausen. Ihre Wunden heilten schnell. Fleisch zog sich zusammen, Narben bildeten sich ohne Rücksicht auf den Träger.
Keine Zeit, in den Fellen zu liegen. Keine Zeit, sich zu pflegen.

Der Tempel wartete. Und der Panther war immer hungrig.
Zuletzt geändert von Velvyr'tae am Mittwoch 14. Mai 2025, 09:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Keylon von Salberg
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Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Beitrag von Keylon von Salberg »

Wie lange er Bewusstlos war, vermochte er nicht zu sagen.
Immer wieder wechselten wache Momente sich mit der Dunkelheit ab.
Er war so nah an der Schwelle des Todes gewesen... hatte bereits die Stimme seines Bruders gehört die nach ihm rief, aber dann waren da noch andere Stimmen die durchs Dunkle zu ihm drangen.

„ Sir? Haltet noch etwas durch. Auch dieser Albtraum schwindet.“ wisperte die Eine, dann die Stimme Amelies die ihm von Kronwalden seinem Sohn und so viel mehr erzählte.
Amelie... Eric... er konnte sie doch nicht alleine lassen.
Zahrak musste warten...
Temora hatte ihn selber nicht sterben lassen und er war fast stolz darauf, das er im gesamten Kampf sich nicht hatte erniedigen lassen, seinen Glauben zu verraten.
Selbst als er an der Schwelle des Todes stand.

Cecilia hatte den Rest getan und seine Wunden versorgt, so das er nach Tagen der Bewusstosigkeit sich Stück für Stück wieder zurück ins Leben kämpen konnte.
Auch wenn es ihm nicht behagte Berchgard und die Streiter, die um die Stadt kämpften alleine zu lassen, so blieb ihm keine andere Möglichkeit als mit all den anderen Verletzten sich nach Adoran evakuieren zu lassen.
So gerne er auch bei ihnen gestanden hätte. wäre er nur ein Hindernis gewesen denn eine Hilfe.
Wenigstens hatte er sich mit Adelena wieder ausgesöhnt, als jene ihn besuchen kam.
Obwohl er niemals gedacht hätte das er ihr so einfach würde vergeben können, sah er nach diesen Tagen alles mit anderen Augen.

Seine Wunden heilten gut, was das Ergebnis der guten Behandlung der Heiler war.
Direkt am zweiten Tag in Adoran entlieiß Cecila ihn aus der Heiler Stube.
Ein Glück.
Keylon hatte es satt das Schwert das er selbst in Berchgard schon mit sich trug, verstecken zu müssen.
Weder die Engelszungen noch die Befehle der Heiler hatten ihn davon abhalten können sich ein Schwert besorgen zu lassen.
Der junge Mikh hatte ein Einsehen mit ihm und ihm eines gebracht.
Warum konnte nur keiner verstehen das er egal wo wie was er wahr... er brauchte einfach sein Schwert in seiner Nähe, wie die Luft zum Atmen.
Er fühlte sich nicht wohl wenn er keinen Zugang zu einre Waffe hatte, was schon sehr oft zu den verschiedensten Diskussionen geführt hatte.

Sein Wunsch vom eigenen Tod war sehr einfach.
Mit dem Schwert in der Hand !!!!
Deswegen verlangte er auch das man ihm egal wie er eingeliefert werden sollte, man ihm ein Schwert in die Hand legen sollte.
War dieser, sein Wunsch so schwer nachvollziehbar?

Als Keylon das Heilerhaus verließ, dachte er betrübt an Mikh.
Der junge Magier schien das Pech gepachtet zu haben.
Die letzten Wochen hatte er wohl mehr Zeit im Heilerhaus verbracht, als zu Hause.
Doch die letzten Verletzungen hatten dem jungen Mann den Unterschenkel gekostet.
Er konnte nur hoffen das der Junge sich von dieser harschen Verletzung erholen konnte und auch mit nur einem Bein, wieder zu dem werden konnte wer er einmal war.
Ihm dabei helfen würde wohl Serina.
Sie war Tag und Nacht nicht von seiner Seite gewichen, so das wohl nun auch die Letzten in ihrer Umgebung bemerken würden wie sehr die Beiden einander zugetan waren.

Noch immer etwas hinkend führte ihn sein erster Weg in die Kirche Adorans.
Sicherlich konnte er an jedem anderem Ort auch Temora danken . Aber hier fühlte er sich ihr einfach Näher.
Er ging fast bis zum Altar nach Vorne und schaffte es sich hin zu knien.
Dann begannen leise Worte sich zu einem Gebet zu verbinden.


Schildmaid, Temora schenke mir Momente der Stille und Erholung. Lass mich loslassen, was mich belastet, und meine Seele zur Ruhe kommen. Fülle mein Herz mit neuer Kraft und meinem Geist mit frischem Mut. Sei bei mir, wenn ich innehalte, und lass mich Deine Gegenwart spüren.

Schildmaid, lass uns, gedenken der Opfer dieses Angriffes. Schenke den Verstorbenen ewigen Frieden und ihren Hinterbliebenen Trost.
Lass uns aus der Vergangenheit lernen, Hass zu überwinden .
Stärke uns im Glauben und im Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Lichtenthal
So Sei es


Wie lange er dort knien blieb vermochte er kaum zu sagen, doch er brauchte sehr viel Zeit sich wieder auf zu richten.
Berchgard war befreit worden .. dafür dankte er Temora...
Dennoch vermochte er nicht dem Wunsch zu folgen sich dorthin zu bewegen.
Nach Hause.
Erst einmal nach Hause.
Dann würde man weiter sehen.
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Siran van Zac
Beiträge: 620
Registriert: Donnerstag 25. Dezember 2008, 04:47

Beitrag von Siran van Zac »

Am Ende des siegreichen Ausfalls und Vertreibung der dunklen Schergen, wankte er nach Adoran um frohe Kunde den evakuierten Verletzten zu bringen.
Vielleicht konnte er Ihnen so ein kleinen Funken neues Lebensmutes und Trost trotz der Schmerzen ihrer Verletzungen überbringen.
Leider waren viele von Ihnen gebunden an ihre Lagestätte, aber allein der Blick ihrer Gesichter zeigte bei der Überbringung der Botschaft, wie gern sie dabei mitgeholfen hätten.
Auch Ramon war schon da und brachte die frohe Kunde über den Sieg, selbst vergessend das sein Rücken noch von einem Dolch geziert war.
Diesen entfernte Siran ohne weitere Regungen des Verletzten, der wohl unter zu viel Heilerdrogen stand.
Wie konnte so eine von Verbänden gezeichnete Fastmumie überhaupt noch in den Kampf ziehen.
Die Opferbereitschaft vieler Lichtenthaler schien nahezu grenzenlos zu sein und hatte bei allen Bedenken davor doch zum entscheidenden Sieg geführt.

Müde und ausgehungert setzte er sich neben das Lager von Verdania und hielt ohne Rücksicht auf Etiketten ihre Hand.
Die Wärme seines Körpers bereitet sich förmlich über seine Hand zu ihr aus.

Irgendwann war die Erschöpfung dann doch so groß, das er einschlief und daneben in voller Rüstung in sich zusammensackte.
Zuletzt geändert von Siran van Zac am Mittwoch 14. Mai 2025, 17:40, insgesamt 1-mal geändert.
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Elibell-Aenn Eichengold
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Registriert: Sonntag 6. Februar 2022, 12:05

Beitrag von Elibell-Aenn Eichengold »

In Berchgard kann man neue Aushänge entdecken.


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Kava Shasul
Beiträge: 1247
Registriert: Donnerstag 16. Februar 2012, 04:43

Beitrag von Kava Shasul »



Er hatte noch Tage nach der Schlacht Kopfschmerzen. Zwar hat das ketzerische Pack den Sieg über ihre Schlacht errungen doch zu welchem Preis? Ihre Stadt lag in Schutt und Asche. Bei dem Gedanken musste er innerlich grinsen. Wortwörtlich lag sie in Asche, nachdem die Ketzer Feuer regnen ließen.

In der Schlacht selbst war der Ahad ein begehrtes Ziel. Seine mit seinem eigenen Blut und Alatars Segen geweihte Rüstung schützte ihn zwar, doch war auch diese nicht undurchdringlich oder gar unbesiegbar, Einige Pfeilspitzen bohrten sich zumindest Ansatzweise in die Rüstung und hinterließen ihre Spuren.

Trotz der anhaltenden Kopf und Gliederschmerzen war das erste was der Ahad tat sich um seine Rüstung zu kümmern. Der geübte Schnitt in die Handfläche und seine auf dem Altar befindliche Rüstung wurde mit Blut getränkt. Stunden verharrte er betend vor dem Altar, sprach zu Alatar und dem Ausgang der Schlacht.

Eines war jedoch für Kava klar. Auch wenn sie Berchgard wieder den Ketzer überließen, hat es den Keim des Hasses welchen Alatar in ihnen gesät hat nur gestärkt. Der Hass gegen das alatarische Heer überwiegte so sehr, dass sie bereit waren ihre Stadt und ihr Reich dafür niederzubrennen und zu zerstören. Welch süße Ironie.



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Arne Levar
Beiträge: 927
Registriert: Montag 19. November 2018, 19:02

Beitrag von Arne Levar »

Die geplanten Aufbauarbeiten in Berchgard gingen zügig voran. Erst hatte Arne die Befürchtung, dass kaum einer kommen würde. Aber kurz nach der achten Abendstunde trudelten die Helfer ein. Selbt leicht verwundete kamen um nach ihren Möglichkeiten mitzuhelfen.

Vereint gingen sie ans Werk, Steine mussten beseitigt werden und Holz gehackt, alles was eben an kaputten Sachen herumlag.

Die Thyren rissen einen Marktstand ab, welcher von den Katapulten in der Oberstadt zerstört worden war, als sie die Belagerer mit großen Steinen und Brandöl beschossen hatten.

Ja im Kampf gibt es auch Verluste, aber es war nichts was man nicht wieder aufbauen könnte.

Nach einiger Zeit waren alle Arbeiten die sofort erledigt werden konnte getan.

Die Stadtmauer und das Osttor waren noch nicht in Ordnung, dafür fehlten die Gerüste.

Aber diese Arbeiten würden sie am 17. Eluviar zur achten Abendstunde in Angriff nehmen. Das Regiment hat dafür seine Hilfe zugesagt. aber vielleicht kommt ja auch der eine oder andere noch vorbei.
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