[Q /MMT] Mit Schweiß und Blut für Berchgard

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Serina Marcel
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Beitrag von Serina Marcel »

Der Kopf schmerzte. Die Schmerzen, als ihr der Arm gerichtet wurde, waren auch noch sehr lebendig. Das Gefühl verfolgt zu werden, liess sie auch nicht los.. Aber hin und wieder, wenn sie die Augen aufschlug, war er da... diesmal nicht verletzt. Zumindestens das war beruhigend.

Was war passiert? Sie erinnerte sich nicht.. nur an die Treppe. An den Gedanken von Rückzug, obwohl sie doch helfen musste. Aber wo hätte sie noch helfen können. Die Mauer war gefallen, trotz all der Bemühungen sie abzustützen. Sie hatte selbst nicht wirklich glauben können, dass dies lang halten würde. Aber alles war besser als nutzlos, ratlos herumzustehen. Und für den Kampf taugte sie ohnehin nicht. Das war ihr schmerzlich bewusst. Unsicherheit ob sie überhaupt irgendwo wirklich eine Hilfe gewesen war. Wohl eher nicht. Es war jetzt auch ihre Heimat, sie hatte geschworen dafür einzustehen und war doch nutzlos.

Sie war irgendwann aufgewacht, in dieser Höhle.. Mine? Verwirrt, orientierungslos, unwissend. Um sie herum Hektik, die ständige Übelkeit, die die Schmerzen begleitete. Sie kämpfte sie herunter solang es ging.. irgendwann war es doch nicht aufzuhalten gewesen. Immer wieder übermannender Schlaf, dazwischen die Sorge um die Familie und um ihn!

Nicht denken.. nachdenken bringt schmerzen.. Schwindelgefühl.. Übelkeit.
Und doch kamen die Gedanken zurück, liessen sich nicht abschalten, wenn nicht grad der Schlaf sie übermannte. Und selbst dort fand sie nicht wirklich Ruhe. Der Schmerz begleitete die Träume. Die Sorgen brachten Bilder von Verfolgung, Flucht.. keine Gelegenheit zu entkommen.

Dann Bilder von mahnenden Gesichtern.. besonders eines.. Mutter, schimpfend, was sie sich dachte.. was sie dort zu suchen hätte. Schimpfend und mahnend in den Träumen, sie hätte sie doch in die Ehe statt hierher schicken sollen.. Träume oder Wahr.. Erneutes Aufschrecken.. erneutes Schwindelgefühl, sein Gesicht, nah beruhigend.. Trost spendend.
Trotz der Schmerzen, ein Hauch von Sicherheit. Das Gefühl von Nähe. Er war hier.. gesund, gebe Temora, dass es so blieb. Nähe.. Ruhe und Geborgenheit. Für den Augenblick fühlte sie sich sicher.. Nur die Schmerzen, sie würden hoffentlich bald vorbei sein.
Zuletzt geändert von Serina Marcel am Samstag 10. Mai 2025, 16:58, insgesamt 2-mal geändert.
Cecilia Zola
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Beitrag von Cecilia Zola »

Gardist Seydenhain kümmerte sich um einen neuen Ort für das Lazarett, nachdem sie die Unterstadt aufgeben mussten. Ihr war egal, wo sie hinkamen, nur raus aus der staubigen Mine, wo sich ein dunkler Film über alles und jeden legte. Hier konnte sie keine Wunden versorgen. Wundbrand? War nur eine Frage der Zeit, wenn die Verwundeten hier blieben.

Die Taverne! So war der Befehl. Der Kamerad setzte ihre Vorgaben um. Die Tische wurden mit Matratzen und Stofflagen gepolstert, die Bänke und Stühle an die Seiten geschoben. Alles Überflüssige musste raus und viele Wasserkübel rein. Es galt viele Kämpfer von Dreck zu befreien. Dreck, der nicht nur vom Kampf kam, sondern auch von der Mine. Und dann sollte es los gehen. Die junge Lehrlingsfrau wusste selbst nicht mehr, was genau alles passierte. Sie gab Befehle. Sie? Offensichtlich sie. Doch was genau? Sie erinnerte sich nicht mehr daran. Die Erinnerung, die von dem Moment blieb, war die zerfressende Sorge um die Patienten. Und auch die Erleichterung, als alle ohne großartige Probleme in der Taverne ankamen.

Die Taverne. Hatte sie auf eine Räumlichkeit gehofft, die dem Dorfkrug ähnelte? Sie wurde bitter enttäuscht. Eine kleine und verwinkelte Taverne war das. Zur Felsspalte. Das ergab jetzt seinen Sinn. Irgendwie sortierten sie die Patienten. Fand neue Verwundete und alte Gesichter. Viktoria schickte sie zum Ruhen. Herr Hohenstein und seine Ragai waren überall und nirgends. Sie hatte selbst nicht mitbekommen, was beide alles getan haben, aber sie hörte es von den Verwundeten. Ragai? Eine Verbindung spürte sie komischerweise zu der Frau, von der sie nur einen Namen und eine Haarfarbe hat. Und Taran? Unermüdlich half er, war immer dann plötzlich da, wenn sie etwas benötigte.

Gemeinsam schaffte die fleißige Helfer- und Heilergruppe Ruhe und Ordnung in das neue Lazarett. Wechselten die Verbände nach der Mine und wuschen Gesichter sauber. Und irgendwann wurde es leiser in der Taverne. Die schwer Verwundeten schliefen oder ruhten auf den provisorischen Schlafstätten auf den Tischen. Gepolstert und manchmal auch fixiert. Und alle anderen fand man auf den Bänken, auf Bettrollen in ruhigen Ecken, manche auch auf Stühlen. Einige blieben vor dem Gebäude im Gras. Auf der anderen Straßenseite unter dem Baum. Dort saß sie dann auch irgendwann. Viktoria und Taran versprachen diese Nacht die Wache zu übernehmen. Sie wollte das Nutzen und die Vorräte kontrollieren und versuchen aufzufüllen. Bandagen zu waschen. Das nahm sie sich vor, nur kurz sitzen und das Erlebte verdauen. Nur ganz kurz. Das war der Plan. Sie bekam gar nicht mit, wie sie im Gespräch einfach wegschlief. Angelehnt an Taran. Eingewickelt in einer Decke bis die wenigen verbliebenden Vögel den Sonnenaufgang ankündigten und unter die Kämpfenden wieder Bewegung kam. Und ein weiterer Tag unter der Belagerung anbrach.
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Djurgeirr Mandre
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Beitrag von Djurgeirr Mandre »

Es war ein gehetztes Hin und Her in Berchgard an diesem Tag, dem 9. im 5. Mond des Jahres. Fallen wurden aufgestellt, Brandöl an einigen Orten verteilt um sie anzubrennen sollten die skeppen Pantherfratzen die Stadt einnehmen.

Als er im Lazarett Keylon mit schweren Verletzungen liegen sah erfasste ihn kalte Wut, welche er aber einen Moment später nieder kämpfte und einige Male tief durchatmete. Stärke, Wille, Beherrschung diese Worte sprach er lautlos zu sich selbst. Jene Worte die Thorlav ihn im Zuge seiner Ausbildung zum Anundr lehrte und ihm einschärfte sie wären die wichtigsten drei Worte die ihn begleiten würden auf seinem Weg des Schwertes.

Er machte sich auf zum Marktplatz wo sich die Soldaten sammelten, da er anderswo ohnehin nicht Nutzen sein könnte in diesem Moment der Atempause zwischen den Kämpfen. Doch es würde nicht mehr lange dauern ehe das Pack aus dem Westen erneut vor den Toren stehen würde.


Es dauerte nicht lange und ein Kalure wetzte heran so schnell ihn seine kurzen Beine tragen konnten und er vermeldete einige Personen die sich dem Osttor näherten. Es waren einige Letharen unter ihnen und sie schleppten einen Gefangenen mit sich ...... Ramon ! Die Skeppen Narren faselten etwas von einem Geschenk für Helisande , waren dann aber so dreist 100 Kronen zu fordern für die Übergabe. Nach dem Austausch von einigen Nettigkeiten zogen sie schließlich ab und Helisande brachte Ramon von Djurgeirr gedeckt nach Berchgard.


Dann wurde es erst einmal wieder ruhig für eine Weile. Doch diese Ruhe hielt nicht allzu lange, und die Feigen Bastarde begannen erneut damit die Mauer mit ihren Katapulten zu malträtieren. Von innen begannen sie die Mauer mit Baumstämmen abzustützen, aber der Thyre wusste längst dass es vergebliche Mühe war. Auf Kurz oder Lang würde diese Mauer einstürzen. Arenvir wirkte wohl eine magische Barriere auf die Mauer um sie zu schützen, aber davon verstand der Haegdr der Wacht nicht das geringste.
Selbst das wirken der eigenen Hagvirkr verstand er nicht wirklich restlos.

Sie leisteten in kurzer Zeit wirklich erstaunliche Arbeit, die aber spätestens als der Feind begann mit Feuer zu schießen zunichte gemacht wurden. Auch das Löschen der Feuer war wenig mehr als Arbeitsbeschaffung im Nachhinein betrachtet, jedoch versuchen musste man es so oder so !


Ein halber Stundenlauf mehr sicher nicht mochte vergangen sein, als passierte was passieren musste. Ein Teil der Mauer stürzte ein und schaffte so eine schmale Bresche. Kurze Zeit später vermeldeten die Wachen auf der Mauer bereits den Aufmarsch der feindlichen Truppen vor den Toren. Sie bereiteten sich darauf vor dass jeden Moment die ersten durch die Bresche in die Stadt eindringen würden, und sie wären bereit und würden ihnen einen blutigen Empfang bescheren. Das Schild erhoben, die Feueraxt deren Hitze er selbst durch die gepanzerten und gepolsterten Handschuhe zu spüren vermochte fest in den Händen begann Djurgeirr mit dem Axtblatt gelichmäßig auf sein Schild zu klopfen.

Doch erst einmal passierte ....... nichts. Offenbar reichte der Kampfesmut der Pantherkuschler nicht aus um sich durch eine enge Bresche zu wagen, und so zogen sie sich zurück um einen Rammbock zu besorgen. Dadurch waren sie gezwungen sich auf zwei Stellen zu konzentrieren. Der mächtige Rammbock war nicht aufzuhalten, und so war es nur eine Frage der Zeit ehe das Osttor, welches im Gegensatz zum Westtor nicht aus Mithril bestand zerbarst. Eine Giftwolke von ihrer Seite gezaubert hinderte die Feinde jedoch weiterhin in die Stadt vorzudringen.

Deshalb verlagerten sie sich wieder in Richtung der Bresche. Es war nur eine Frage der Zeit ehe es losging. Djurgeirr eilte vom Osttor hinauf in Richtung der Bresche als sich plötzlich aus der kaputten Mauer einige Steine lösten ....... und auf ihn hinab stürzten. Schwärze umfing ihn wie eine liebende Mutter die ihr Kind in die Arme schließt und die Welt um hin wurde still.


Als er mit pochendem Kopf und schmerzenden Glieder wieder erwachte war die Schlacht bereits vorbei. Er brauchte eine ganze Weile der Orientierung ehe er überhaupt wusste wo er war und die Geschehnisse zurück in sein Gedächtnis kamen. Er brummte und regte seine Glieder nacheinander um zu prüfen ob etwas gebrochen war. " Da hat mey noch einmal Glück gehabt. Set kann mey sey noch in Jahren anhören. Djurgeirr Dyrbjornsson stolzes Schwert der Thyren wird von einem Stein ausser Gefecht gesetzt ehe er auch nur eynen Axthieb setzen kann " Auf Thyrisch fluchend kämpfte er sich vom Boden hoch und schob einige Steinbrocken beseite. An seiner Rechten Kopfseite bemerkte er bereits getrocknetes Blut und seine Rüstung war schmutzig und etwas in Mitleidenschaft gezogen. Doch es ging ihm gut, besser vermutlich als vielen anderen die an der "richtigen" Schlacht teilgenommen hatten.

Es war dunkle Nacht und er hatte keine Ahnung wie es in Berchgard stand, allerdings vermutete er durch die Stille in der näheren Umgebung dass sie wohl in die Oberstadt sich zurückziehen mussten. Und so macht er sich auf ungesehen in den Schatten falls Feinde in der Nähe waren zur Oberstadt. Die Wachen am oberen Ende ließen ihn passieren als sie ihn erkannten und er setzte sich erst einmal an den Brunnen um vollends zu Besinnung zu kommen, nach wie vor jedoch leise und in seiner Heimatsprache vor sich hin fluchend.............
Amelie von Salberg
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Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:19

Beitrag von Amelie von Salberg »

Sie hatte mit den Besetzern von Berchgard Unterstadt gesprochen und als die Fragen nach den Namen kam, hatte sie spontan „Ich bin Susi!“ geantwortet. Keine Ahnung wieso, aber es war das was ihr zuerst einfiel. Im Grunde hätte sie auch „Angsthase!“ sagen können, aber das würde sie ihnen niemals auf die Nase binden.
Immer wenn sie nichts zu tun hatte dann kam die große Angst. Auch wenn sie noch so versuchte sie zu unterdrücken, sie drückte ihr aufs Herz und auf die Seele, und das war ganz und gar nicht gut.
Deshalb war sie heilfroh, als sie endlich eine Aufgabe bekam. Eine Aufgabe, bei der sie wusste, dass ihr nicht viele das Wasser reichen konnten. Serina wohl, aber sonst sah sie keinen der so gerne im Wald herum schlurfte und begann sogleich Holz zu sammeln. Endlich wieder eine Angelegenheit die sie als langjährige Sappeurin gut erledigen konnte und endlich etwas zu tun. Sie musste sich darauf konzentrieren und nicht nachdenken.
Arne, Arno Hohenstein, Taran Telian, Djurgeirr und sie waren mit Feuereifer dabei diese behelfsmäßigen und doch für den Zweck hervorragenden Schleudern zu bauen. Sie blickte bewundernd zu Arne mit welcher Ruhe er Anleitungen gab, er wusste immer genau was zu tun war.
Amelie sah sich mal wieder bestätigt, dass sie das Richtige getan hatte, den Sappeursmeistertitel abzugeben und dass Arne dann gewählt wurde.
Nur wenn alle, wirklich alle zusammen helfen, kann man vieles erreichen.
Tarin Voss

Beitrag von Tarin Voss »

Berchgard ist gefallen. Die Tore offen, das Blut getrocknet, der Rauch verzogen. Die Stadt gehört jetzt uns. Tarin lebt. Keine heldenhafte Geschichte, keine Narben zum Angeben - nur ein paar Kratzer, Schlamm im Gesicht, Dreck unter den Nägeln. Vielleicht Können, vielleicht einfach nur Glück.

Saydenhain? Gesucht hat er ihn. Jede Leiche umgedreht, jedes zerschlagene Gesicht genau angeschaut. Aber er war nicht darunter.
Und wenn er noch lebt - Tarin würde es ihm nicht übel nehmen. So schlimm war er nicht. Nicht schlimmer als er selbst. Ein Ketzer, sagen die anderen. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Aber während das Bier fließt und die ersten Lieder gesungen werden, spürt Tarin: irgendwas stimmt nicht.
Manche schauen ihn an, als wär er Luft - oder schlimmer.
Eine Frau - trägt den Rock eines Ritters, bewegt sich aber, als hätte sie nen Besen im Arsch, bis hoch ins Genick. Hochgestellt, Nase in den Wolken. Hat ihn ausgefragt wie einen Spitzel. Als hätte er die Stadt eigenhändig an den Feind verkauft.
Und dieser andere... Schwarzgewandeter mit Maske vorm Mund - Flüstermagier, Schattenmann, wer weiß. Auch der hat Zweifel gestreut. Spion, sagt er. Und wo war er, als die Pfeile pfiffen und das Blut auf dem Pflaster klebte?

Trotzdem. Nicht alles war schlecht.
Da war etwas. Etwas Echtes.
Mit Jynela auf dem Turm zu stehen, mit Schuhrina zu reden, den Rabendiener reden zu hören.
Der hat gesagt, Tarin sei ein roher Diamant. Was das heißt, weiß Tarin nicht. Klingt irgendwie nach Dreck und Wert zugleich. Vielleicht passt das sogar.

Zwischen falschem Lächeln und echtem Respekt, zwischen Misstrauen und Bruderschaft - da steht Tarin.
Nicht sicher, ob er dazugehört. Nicht sicher, ob er dazugehören will.

Aber er ist noch da.
Und das muss erstmal reichen.
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Zyn'tuin
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Registriert: Dienstag 1. Oktober 2024, 22:11

Beitrag von Zyn'tuin »

07. Eluviar – Die Einnahme von Junkersteyn und der kleinen Burg

Die Schatten lagen schwer über dem Land, als wir den Marsch aufnahmen. Unsere Streitmacht – disziplinierte Krieger, Templer, Magier und Handwerker unter der Flagge Vaters – bewegte sich in geordneter Formation durch das düstere Terrain. Unser Ziel war zweifach: die kleine Burg und das Bauerndorf Junkersteyn.

Ohne Zögern schlugen wir zu. Die Wachen wurden mit gnadenloser Effizienz niedergestreckt. Ein Rammbock donnerte gegen das große Tor der kleinen Burg, das unter unserer Wucht bald nachgab. Auch in Junkersteyn tobte der Kampf.

Nach der Einnahme wurden die Katapulte ins Innere der Burg geschafft. Wir errichteten dort ein provisorisches Lager, lagerten Porivant und Munition. Die Mauern, einst gegen uns gerichtet, dienten nun als unsere Festung.

Ich selbst verbrachte die Nacht am Feuer. Schlaf war mir fremd. Ich saß dort, wach, den Blick in die tanzenden Flammen gerichtet, während ich Fisch über dem offenen Feuer briet. Gedanken an das Kommende kreisten in meinem Geist. Die Dunkelheit war nicht leer – sie war Vorbereitung.

08. Eluviar – Der Kampf an den Wassern

Der Tag begann mit ungewöhnlicher Beute. Rahaler und Lichtenthaler Schwalben hatten sich in der Morgendämmerung über unser Lager verirrt – ein Geschenk Vaters, so schien es. Die Rahaler waren saftig, dick und nahrhaft, während die aus Lichtenthal kaum mehr als knochige Schatten ihrer Art waren. Doch selbst diese geringe Mahlzeit füllte uns mit Kraft, für das, was kommen sollte.

Schon bald verdichteten sich die Zeichen: Späher meldeten Bewegung, und kurz darauf brach der Kampf aus – wild und plötzlich, wie ein aufgerissener Schlund. Rauch stieg auf, Bolzen sirrten durch die Luft, und das Klirren von Metall auf Metall füllte die Luft mit einem tödlichen Rhythmus. Aus dem Inneren der zuvor eingenommenen Burg wurden Katapulte ausgerichtet – ihre steinernen Geschosse flogen in gewaltigen Bögen über das Feld hinweg und krachten gegen die Stadtmauer Berchgards. Steine splitterten, Türme bebten – der Zorn Vaters sprach aus jeder Salve.
Gemeinsam mit Iryl’fa betrat ich das Schlachtfeld. Schon bald erspähten wir einen Magier, der gerade begann, einen Zauber zu weben. Ich verließ das direkte Kampfgeschehen, entfernte mich aus dem Sichtfeld der Schlacht und schlich mich ungesehen in Schussreichweite – von hinten, aus seinem toten Winkel.

Ich hob meine Armbrust und visierte den feindlichen Magier an, der sich nahe der Uferlinie positioniert hatte. In dem Moment, als ich den Abzug spannte, trafen mich plötzlich Funken – nicht aus Feuer allein, sondern aus einem Gemisch aus Hitze und Kälte, wie ein Riss in der Luft, der für einen Augenblick die Elemente selbst durcheinanderwarf. Die irritierende Entladung ließ mich blinzeln und zurückspringen, doch der Bolzen löste sich trotzdem. Er traf den Magier, allerdings nicht tödlich. Stattdessen antwortete er mit einem Klingengeist – einer rasenden, geisterhaften Schneide, die sirrend auf mich zufuhr.

Ich wich zurück und floh über den Fluss, das kalte Wasser umspielte meine Beine, während ich mich hastig ans andere Ufer rettete.

Dort angekommen, warf ich einen Blick zurück – und entdeckte auf der Seite, von der ich gekommen war, eine Gruppe frei stehender Pferde, die im hohen Gras zwischen Schilf und Geröll unruhig scharrten. Ich lud die Armbrust erneut und feuerte in ihre Richtung. In diesem Moment schlug ein Pfeil neben mir in den Boden ein – Funken flogen, das trockene Gras entzündete sich. Mit zwei Wasserkrügen löschte ich die Flammen hastig, stampfte den brennenden Boden nieder. Dann richtete ich meinen Zorn zurück auf das Schlachtfeld: Ich setzte das Schilf zwischen den Pferden in Brand – nicht um sie zu töten, sondern um Panik zu säen und das Gefüge des Feindes zu zerschneiden.

Während das Feuer aufflammte und die Tiere wiehernd zurückwichen, sah ich aus dem hohen Schilf eine Phiole über die Burgmauer fliegen. Ich zögerte nicht, hob die Armbrust und schoss dorthin. Ein Schmerzensschrei zerriss die Luft, gefolgt vom Platschen eines Körpers, der ins Wasser stürzte. Ich trat näher, das Auge auf die fließende Oberfläche gerichtet – suchend. Und schließlich tauchte er auf: ein leblos wirkender Körper, langsam den Fluss hinabtreibend, mit einem Bolzen tief im Rücken. Ich verfolgte den Leichnam ein Stück weit den Fluss entlang. Ein Werk war getan – aber der Tag war noch nicht zu Ende.

Nach der Schlacht entdeckte ich Thu’alyr – Iryl’fas Reitechse. Doch von Iryl’fa selbst fehlte jede Spur. Ich trat an die Echse heran, Wut kochte in mir auf. „Du dummes Vieh“, knurrte ich, während ich ihr einen Faustschlag gegen den Schädel versetzte. „Sollte Iryl’fa verletzt sein, wirst du den morgigen Abend nicht erleben.“ Die Echse schnaubte nur und wich zurück. Noch wusste ich nicht, ob mein Zorn berechtigt war.

Die Nacht brach herein, kühl und klar. Ich saß am Feuer vor der Burg, das Flackern warf lange Schatten auf die Ruinen. Neben mir saß XhuRyna – eine, die mehr war als nur eine Verbündete. Eine Begleiterin, nein, eine Freundin. Unser Gespräch wanderte zwischen Welten: vom Schlachtgetümmel zum Sinn des eigenen Seins, von Schuld und Pflicht zu dem Pfad, der jedem von uns bestimmt ist. In solchen Momenten, fern vom Kriegslärm, verstand ich mehr über mich selbst als in manchem Sieg.

Später traf ich schließlich auf Iryl’fa. Unverletzt. Ihr Blick fest, ihre Haltung ruhig. Thu’alyr durfte leben.

09. Eluviar – Die Eroberung Berchgards

Der Morgen roch nach verbranntem Holz, Blut und Eisen. Die Mauern Berchgards ragten noch immer trotzig gen Himmel, aber wir wussten – heute würden sie fallen.

Wir entdeckten eine schmale Bresche in der Mauer. Sie wirkte wie eine Einladung, ein Spalt in der Festung, als hätte die Stadt selbst die Waffen gesenkt. Doch jeder von uns erkannte die Wahrheit: Diese Öffnung glich einer tödlichen Falle – zu eng, zu gezielt offen. Ein Schlund für einen Hinterhalt. Also entschieden wir uns für Gewalt in ihrer reinsten Form: Wir machten uns daran, das Stadttor mit dem Rammbock einzureißen.

Die Geräusche des Aufpralls hallten zwischen den Mauern wider – dumpf, rhythmisch, ein pochender Herzschlag der Zerstörung. Währenddessen schleuderten die Katapulte aus der eingenommenen Burg weiter ihre Last gegen die Stadtmauer. Splitter flogen, Türme bebten, und wir rückten vor – Schritt für Schritt, unter Vaters Blick.

Ich erkannte vertraute Gesichter: Ryx’tar, Iryl’fa, XhuRyna und viele mehr – gezeichnet vom Vortag, aber unbeugsam. Der Regen, der inzwischen eingesetzt hatte, wusch Blut in die Pflasterfugen, während wir die äußeren Barrikaden überwanden.

Ziel um Ziel nahm ich ins Visier. Zuerst einen Mann, dann eine Frau. Ich spürte, wie mein Wille mit Vaters Zorn durch den Schaft jedes Bolzens floss. Es war kein gerechter Kampf – es war eine Hinrichtung. Ich bewegte mich durch Trümmer und Leichen, über Pflaster, das kaum noch erkennbar war unter dem, was von Mensch und Tier geblieben war.

Als wir das Zentrum der Stadt erreichten – das Herz der Verteidigung. In den Gassen tobte der Häuserkampf. Fenster barsten, Rufe verhallten in engen Straßen. Ich duckte mich unter einem gestürzten Balken hindurch, sprang über ein Feuer, das aus einer eingestürzten Werkstatt schlug.

Dann kam der Moment, an dem Berchgard wirklich fiel. Vaters Hass hatte gesiegt. Ich stand auf einem Mauervorsprung und blickte auf das brennende Stadtzentrum. Überall waren unsere Truppen – sie kämpften nicht mehr. Sie plünderten. Ich sah, wie Banner zerschnitten wurden, wie feindliche Waffen zu Trophäen gemacht wurden, wie Gold und altes Silber in Lumpensäcken verschwand.

Ich verlor Iryl’fa aus den Augen. Wieder. Aber diesmal war da kein Zorn. Nur Erschöpfung.

Später, als die Dunkelheit herabsank, wanderte ich durch die Trümmer. Ich betrat eine zerbrochene Halle – einst Sitz der Stadtwache. In der Ecke lag ein Schild, darauf das Wappen Berchgards: zerkratzt, halb verbrannt. Ich trat es beiseite. Ein Symbol weniger.

Als die Plünderung verebbte und die ersten Befehle zur Sicherung der Stadt laut wurden, wurde ich gemeinsam mit XhuRyna zur Wache am zerstörten Tor eingeteilt. Die Bresche war noch offen, das Tor lag in Trümmern – doch unser Blick war nach außen gerichtet. Auf das, was noch kommen könnte.

Berchgard gehört nun Vater.

10. Eluviar – Das Ritual für Alatar

Noch vor dem ersten Befehl suchte ich ShaNara auf – die Heilerin der Rashar. Sie hatte ihren provisorischen Stand nahe der Mauerruinen errichtet, zwischen aufgeschichteten Kisten und einer Plane, die vom Nachtregen noch tropfte. Ich zeigte ihr die Bisswunde an meinem rechten Arm – eine alte Erinnerung, die sie bereits am Tag zuvor behandelt hatte.

Sie musterte die Stelle, und ihre Züge wurden hart, als sie erkannte, was ich getan hatte: Ich hatte die Wunde in der Nacht aufgekratzt – entgegen ihrer Anweisung. Als sie das sah, spürte ich ihren Zorn. Er war nicht laut, nicht roh – sondern still und schneidend. Und ich sog ihn in mich auf. Ich ergötzte mich an ihm. Er nährte etwas in mir, das kein Pflaster und keine Kräutermischung zu beruhigen vermochte.

Der Rauch Berchgards hing noch schwer über der Stadt, als wir uns sammelten. Die Kämpfe waren vorbei – sie waren es, die das Gewicht trugen. Das Ritual, das nun folgte, war kein Höhepunkt, keine Steigerung. Es war die Bekräftigung unseres Sieges, das Untermauern dessen, was wir mit Blut, Stahl und Wille errungen hatten.

Auf dem freien Platz zwischen verkohlten Balken und zerschlagenem Stein trat By’nar hervor. In ihren Händen hielt sie eine schlichte, leere Holzschüssel. Schweigend begann sie, damit durch die Runde zu gehen. Einer nach dem anderen zog eine Klinge, ritzte Haut, ließ das eigene Blut in das Gefäß fließen. Jeder spendete von sich selbst. Jeder besiegelte mit seinem eigenen Fleisch, was wir gemeinsam erreicht hatten.

Nur ich nicht.

Als By’nar vor mir stand, blickte ich sie stumm an – dann hob ich eine kleine Phiole und leerte sie in die Schale. Es war Blut, das ich zuvor gesammelt hatte. Blut von Ketzern. Von denen, die gefallen waren unter meiner Hand, unter unserer Klinge. Nicht mein Opfer floss in das Gefäß – sondern das Ergebnis meines Willens. Ich gab nicht mich – ich gab, was ich genommen hatte.

Ein Moment der Stille breitete sich aus.

Dann, ohne ein Wort, kniete By’nar sich nieder und tauchte die Finger in das Blut. Mit ruhiger, sicherer Hand begann sie, auf die hellen Steinplatten des Marktes vor dem Rathaus Berchgards zu malen. Es wurde die Gestalt eines Panthers – kraftvoll, lauernd, lebendig. Als die Zeichnung vollendet war, begann sie rot zu leuchten, als würde sie sich selbst in den Stein brennen. Und als das Licht langsam verblasste, blieb nur noch ein leiser Schimmer zurück – aber der Boden vibrierte. Der Platz vor dem Rathaus war nicht mehr derselbe. Er war erfüllt vom Zorn Vaters. Greifbar. Spürbar.
Zuletzt geändert von Zyn'tuin am Sonntag 11. Mai 2025, 14:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Djurgeirr Mandre
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Beitrag von Djurgeirr Mandre »

10. Eluviar


Es war bereits später Nachmittag als Djurgeirr erwachte auf seinem notdürftig mit seinen Umhang ausgelegten „Bett“ auf der Wiese hinter der Taverne der Oberstadt. Es war nicht übermäßig bequem und die Nächte noch nicht all zu warm, aber durchaus ausreichend und er fühlte sich um einiges besser.

Er machte sich daran sich in der Oberstadt umzusehen, zum einen um sich einen Überblick über die ihm fremden Begebenheiten zu machen, zum anderen um zu sehen wie es allgemein um die Truppe stand. Durch sein unfreiwilliges und unglückliches Ausscheiden aus den Kampfhandlungen tags zuvor hatte er keine Ahnung wieviele Verletzte und womöglich Tote es gegeben hatte.

Das Lazarett hatte man offenbar von der Mine in die Taverne verlegt, was durchaus die bessere Wahl war, was die Umgebung betraf gerade im Hinblick auf Risiken wie Wundbrand und dergleichen. Die Heiler hatten alle Hände voll zu tun. Es waren viele Verletzte dazu gekommen. Neben Keylon der schon tags zuvor niedergelegen hatte, war auch Verdania offenbar schwer verletzt worden und unzählige andere hatten mit Verletzungen zu kämpfen, die einen schwerer die anderen weniger. Unverletzt war offenbar niemand wirklich. Er überlegte kurz ob er seine Schläfe ansehen lassen sollte, entschied sich aber dagegen. Es waren viele andere die schlechter dran waren und so eine kleine Blessur an der Schläfe würde einen Türen nicht aus den Stiefeln hauen.

Im Großen und Ganzen waren die Städder hier oben guter Dinge, wobei natürlich nicht klar war wieviel davon möglicherweise nur gespielt war. Gerade die Ritter und Soldaten konnten es sich nicht leisten, die einfachen Bürger noch mehr zu ängstigen und zu verunsichern als das sicherlich ohnehin schon der Fall war. Viktoria nutzte die Zeit um einen Unterricht über Heilkunde zu geben. Allein schon eine gute Sache um die Leute ein wenig auf andere Gedanken zu bringen.

Kurz nach dem er sich zu ihnen gesellte, kam Helisande und rief alle mit Ausnahme der Heiler zu einer Besprechung. Man wollte beraten was man als nächstes tun würde. Die Unterstadt wollte und musste natürlich zurück erobert werden wie auch immer.

So saßen sie im Nordosten der Oberstadt um ein großes Lagerfeuer, welches von Arenvir entzündet worden war und beratschlagten die Situation und was sie zu tun in der Lage wären um sie zum besseren zu ändern. Sie waren sich einig darüber dass es sinnvoll wäre durch Truppen die nicht in Berchgard saßen einen Angriff irgendwo im Westen zu starten um zu versuchen einen Teil der Truppen des Westens dazu zu bringen aus Berchgard abzuziehen. Heinrik kam später dazu. Offenbar war er durch den Nilzadan nach Berchgard gekommen und verkündete Thorlav hätte bereits Hilfe zugesagt. Natürlich die Thyren standen immer zu ihren Verbündeten, deshalb war er auch hier.

Viele Vorschläge wurden von allen Seiten am Lagerfeuer unterbreitet…. Gute und auch weniger Gute bis hin zu waghalsigen und augenscheinlich von Wahnsinn getriebenen. Elisabeth Falkenglanz unterbreitete völlig ernsthaft den Vorschlag, mit Brandöl behangen in die Unterstadt zu gehen und sich von Arenvir in Brand setzen zu lassen um die Feinde in einer riesigen Explosion zu besiegen. Sein Blick wandte sich der Gardistin zu die neben ihm saß. Er dachte zuerst an einen Scherz aber der Blick ihrer Augen und der Gesichtsausdruck spiegelten den absoluten Ernst ihres Vorschlags wider.

Sie war etwa so alt wie er selbst und hatte sicherlich nicht mehr als 20 Sommer gesehen. Ihre Statur , die Augenklappe und der Ernst in ihrem Antlitz ließen aber erkennen, dass sie eine ernstzunehmende und sicherlich erfahrene Kämpferin war. Er schätzte den Mut und den absoluten Willen von ihr, welchen er bei Städdern nicht erwartet hätte. Wobei er zugegeben nicht allzuviel Berührungspunkte in einem Leben mit Städdern hatte. Ehe er vor hierher nach Gerimor kam hatte er Zeit seines Lebens nur unter seinesgleichen gelebt.

Für einen Thyren war es keine Frage sein Leben jederzeit für seine Brüder und Schwestern zu opfern wenn es notwendig und unabdingbar war, aber vorzuschlagen sich selbst mit Brandöl in die Luft jagen zu lassen war selbst für ihn außergewöhnlich.

Sie saßen schon eine ganze Weile zusammen und waren überein gekommen, dass sie den Besatzern in der Unterstadt ab dem morgigen Tag ihren Aufenthalt so unangehm wie möglich machen wollten, als er plötzlich eine schwere Pranke auf seiner Schulter spürte. Er wusste sofort ohne umzusehen, dass diese Pranke seinem Jarl Thorlav gehörte. Allzu oft hatte er diese bereits gespürt bei vielen Gelegenheiten. Seine Zuversicht, welche ohnehin immer vorhanden war, bekam noch einmal einen ordentlichen Schub und ein Scheitern ihrer Vorhaben war ab diesem Moment für ihn völlig ausgeschlossen.

Später ehe der Jarl sich mit einigen Botschaften im Gepäck auf den Rückweg machte, fragte er ihn ob er mitkommen würde, oder in Berchgard bliebe. Die Aussicht in zwei Tagen zusammen mit den Sturmheulern auf ihren Kaltblütern auszurücken gehen Westen erschien ihm recht verlockend und einen Moment mochte er darüber nachgedacht haben. Doch es war nicht seine Art, Dinge die er begonnen hatte nicht zu Ende zu bringen. Sein Platz war vorerst hier in Berchgard wo jede Hand, jedes Schwert und jede Axt dringend benötigt wurde. Und so sagte er Thorlav , er würde hier verbleiben so er damit einverstanden war. Ein tiefes Nicken und ein weiterer Druck der Pranke auf seiner Schulter besiegelte die Entscheidung und so blieb er in Berchgard während der Jarl sich zurück nach Wulfgard begab um dort die Vorbereitungen zu treffen am ersten Tag der neuen Woche das Ablenkungsmanöver zu initiieren.

Kaum war der Jarl durch den Nilzadan entschwunden, wurde Alarm geschlagen und sie machten sich auf zur Treppe, welche der einzige verbliebene Weg von der Unterstadt hinauf zur Oberstadt geblieben war. Unten war etwa ein halbes Dutzend der Schergen des Westens aufmarschiert. Es blieb allerdings bei einem Kräftemessen Arenvirs mit irgendeiner Zauberin des Westens die er nicht kannte.

Unten begannen sie allerdings auch den Zugang zur Mauer zu versperren um ihnen den Weg von oben in die Unterstadt zu verwehren. Offenbar fürchteten sie einen Angriff von oben. Die bedeutete aber auch, dass sie keineswegs vorhatten Berchgard wieder zu verlassen. Sie wollten die Stadt wohl halten anders war dieses Vorgehen nicht zu erklären.

Auch von oben begannen sie schließlich eine Barrikade zu errichten da ihnen der Weg nach unten ohnehin versperrt war, wollten sie von unten her auch keine Möglichkeit mehr lassen nach oben zu kommen.

Am Ende eines langen Tages unterstützte auf bitten Heinriks schließlich noch Arne, Amelie und einige andere beim Bau einer leichten Schleuder. Wobei unterstützen beim Bau wohl etwas hochgegriffen wäre. Denn obgleich er vom Clan der Mandre war, welche in den Reihen seines Volkes als ausgezeichnete Handwerker galten hatte er keinerlei Ahnung von irgendwelchen Handwerklichen Tätigkeiten. Nichts desto Trotz war er zumindest in der Lage hie und da Schwere Dinge zu heben und zu halten während Arne die einzelnen Teile mit seinen ausserordentlichen Fachkenntnissen und seinem Handwerklichen Geschick zu einander führte und am Ende ein für die Umstände sehr gutes und stattliches Kriegsgerät entstand welches ihnen sicherlich gute Dienste leisten würde.

Müde und erschöpft begab er sich schließlich wieder zu seinem provisorischen Nachtlager hinter der Taverne und es dauerte kaum mehr als ein paar Herzschläge bis er in tiefen Schlaf fiel.
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Q'in
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Registriert: Montag 6. Januar 2025, 19:02

Beitrag von Q'in »

Trautes Heim, Glück allein.

Routine ist eine sichernde Säule eines jeden Lebewesens. Niemand kann sich dem anheimelnd Vertrauten entziehen. Das ist es, wonach der Geist verlangt. Jeder Tag, jede Jahreszeit reiht sich in den Rhythmus von Tun und Lassen, Arbeit und Ruhe.

Auch ein Lethar kann sich dem nicht entziehen.

Somit war es kaum überraschend, dass auch Q’in im eroberten Berchgard nach Routine im Chaos suchte. Nach Ordnung in der Willkür oder zumindest nach Mustern, die dem Bekannten ähnelten. Routine war garantiert nicht, Tage und Nächte unter freiem Himmel zu verbringen: Die schier unendliche Weite in alle Richtungen beunruhigte den Alten, der die kontrollierte Klarheit von Höhlen und Schächten als vertraut erachtete. Über die zurückliegende Kampagne hatte sich Unruhe in Q’in breit gemacht, die feiner schnitt als kalter Stahl.

Zwischen den glimmenden Resten der Siedlung, den aufgereihten Toten und Verletzten, stiefelte der Ala’thraxor erst zögerlich, dann geradewegs in Richtung der massiveren Häuser in der Mitte des Ortes. Er hatte einen Gedanken, eine Idee, die ihn in den gewohnten Tunnelblick trieb. Inmitten der durchmischten Streitmacht, welche sich Zugang zu Lagern und Häusern verschaffte, nahm Q’in Kurs auf. Dabei schwand die Wahrnehmung der euphorischen Truppen um ihn herum zusehends, wich aus dem Bild seiner Welt, während er mit ruhigem Kalkül mögliche Ziele innerhalb Berchgards erfasste und katalogisierte.

Es hatte nicht einmal eine Stunde gebraucht, und der Alte stiefelte mit wankenden, ungleichmäßigen Schritten die Treppe hinab. Die Suche hatte ein Ende: Ein massives Kellergewölbe war gefunden. Anstatt mit Glas verzierte Mauerbauten der Oberfläche erwartete ihn hier nichts anderes als kühle, leicht muffige Luft, Fackelschein, grober Stein und die belegte Stille, die die Geräusche aller überirdischen Abläufe wohlig entkräftete. Die Jubelschreie der Armee wich von ihm und endlich nahmen seine Sinne die ersehnte Begrenztheit und Beengung wieder wahr.

Ruhe, Zufriedenheit, Entspannung - berauschend fluteten diese Gefühle sein Bewusstsein. Der Himmel, ob gleißend hell oder durchsetzt mit unzählbar vielen Gestirnen, konnte ihn hier nicht belästigen.

Türe um Türe arbeitete sich Q’in weiter vor. Teils waren Räume bereits geplündert, teils zu brach und leer, um seine Mitstreiter zu locken. Doch dann fand er es: Das Zuhause fernab von Zuhause. Der Raum sprach seine Sprache.. oder war schlichtweg vorhanden zu dem Zeitpunkt, an dem die Neugier in dem Alten langsam erlosch. Er trat ein.

Q’in hatte nicht den Ruf, sich allzu sehr um Weltliches zu bemühen. Sein Lebensweg war singulär, in seinen Augen klar und rein. Dies hatte zur Folge, dass er in fast einem Jahrhundert einige Erfahrungen nicht gemacht hatte. Der gezeichnete Leib des Alten war niemals dazu gebracht worden, zu schwimmen oder Süßes zu verspeisen. Ein Instrument zu spielen oder körperliche Nähe zu erfahren. All das und vieles mehr fand keinen Platz im Leben einer Hülle, die nur eine Aufgabe lebte, sich daran verzehrte. Eine Erfahrung jedoch, die überraschenderweise und unangekündigt passierte, verwirrte den Alten:

Q’in im Himmelbett.

Er kannte den Zweck der Konstruktion, extrapolierte Anwendung und Bedeutung. In all den Jahren, in denen er mit Menschen Kontakt hatte, stellte dies nichtsdestotrotz das erste Mal dar, dass er in einen solchen Lebensbereich des minderwertigen Fleisches vorgedrungen war. Das Bett, ein Zeichen für Verschwendung und Verspieltheit, trug aber auch genügend Exotik in sich, um den geschlagenen Alten anzulocken. Deswegen fand er sich in der Nacht nach der Eroberung alsbald in einer sehr eigenwilligen Position wieder:

Kaum entrüstet, noch immer aus zahlreichen kleineren Wunden blutend, nässend und mit einer nahezu zerschmetterten Schulter lag die Gestalt unbedarft auf dem Möbel: Die Beine auf den Kissen, die Arme auf der Brust und der Blick an der Decke.

Vielleicht war es die Erschöpfung, der fehlende Sternenhimmel oder die bleierne Schwäche, die den Körper des verletzten Ala’thraxors heimsuchte, aber Schlaf holte ihn alsbald ein..

Dies war nun sein Lager. Und es würde seines bleiben.

Es sollte nur kurz dauern, bis der unweigerliche Charme des Alten auch in diesem Raum aufblühte.


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Viktoria Hamberg
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Beitrag von Viktoria Hamberg »

Arenvir von Tilianas: Willkommen im Stoßtrupp Goldenfall.

Der Galoppwind riss ihr beinahe die Kapuze vom Kopf. Die Pferde liefen an ihrer Grenze, der Stoßtrupp hielt dennoch wie ein eingespieltes Gespann die enge Formation. So schnell bewegten sie sich, dass kaum ein Auge – selbst das geübteste – sie recht zu fassen bekam. Viktoria fragte sich mehr als einmal, wie sie überhaupt in diese Lage geraten war. Alles geschah so rasch. Fast schien es, als habe das Schicksal selbst sie dorthin geführt. Sie hatte nicht gezögert. Kein Augenblick des Zögerns – der Befehl kam, sie sattelte auf, trieb ihr Pferd voran, hinein in das, was unausweichlich schien.

Die große Brücke vor Berchgard war zerstört – also blieb nur der schmale Holzsteg hinter der Burg. Der kleine Oberst sprach kaum lauter als ein Flüstern, doch jeder Befehl saß – kurz, scharf, eindeutig. Man ritt in Schweigen. Viktoria legte ihre Hand an die Flanke ihres Pferdes, spürte das pochende Leben unter der dampfenden Haut. Es zitterte leicht, nicht vor Angst, sondern vor dem spürbaren Aufbruch, der in der Luft lag. Sie atmete tief durch, schloss für einen flüchtigen Moment die Augen – suchte Halt im Rhythmus ihres eigenen Herzens.

„Ich glaube an den Erhalt von Leben“, flüsterte sie, kaum hörbar. Kein Mantra des Trostes – ein Schwur an sich selbst.

Ihre Finger glitten an der kleinen Tasche an ihrem Gürtel entlang – Kräuter, Tinkturen, Verbände. Werkzeuge der Heilung inmitten des Sturms. Und doch wusste sie: Nicht jeder, den sie heute sah, würde wieder mit ihr reiten. Ihre graublauen Augen tasteten die Schatten am Waldrand ab. Dann hob sie das Kinn. Kein Zittern. Keine Klage. Nur Entschlossenheit in der Stille. Sie war nur eine Heilerin. Aber sie war auch bereit.

Die Brücke wurde passiert. Dann hielten sie.
Es war still. Zu still.
Doch die Stille hielt nicht.
Der Feind war längst da. Das Ablenkungsmanöver hatte versagt.

Alle waren vom Pferd gestiegen. Die Tiere wurden mit schnellen Griffen an der Baumlinie zurückgebunden, damit sie nicht in Panik gerieten, wenn das Gefecht losbrach. Viktoria stand inmitten der Truppe, das Leder ihrer Armbrust noch warm vom Griff, die Sehne gespannt, der Bolzen eingelegt. Die offene Wiese vor ihnen lag in fahlem Licht. Der Himmel war wolkenverhangen, das Gras vom Wind niedergedrückt. Nirgends war Deckung – nur ein paar alte Wagenräder, ein verwitterter Zaunrest, ein niedergetretener Karren. Viktorias Herz schlug ihr bis in den Hals. Sie spürte den vertrauten Druck der Armbrust in den Händen und richtete sich auf.
Dann bewegte sich etwas auf der gegenüberliegenden Seite des Feldes. Schemen. Schritte. Der Feind. Kein Geschrei, kein Trommelschlag. Nur das sachliche Vorrücken einer anderen Truppe – wie sie.
Neben ihr kniete ein jüngerer Soldat, kaum mehr als ein Bursche. Seine Hände zitterten. Viktoria legte ihm kurz die Hand auf die Schulter.

„Zielt auf das Dreiecks des Torsos, nicht auf den Kopf. Haltet ruhig. Ihr werdet treffen.“

Dann – ein Schrei. Irgendwo links brach ein Soldat aus der Formation, wurde getroffen, ging zu Boden.

Viktoria hob ihre Armbrust, atmete flach durch, ließ den Bolzen surren. Ein Körper stürzte in der Ferne. Keine Zeit zum Nachdenken. Ein weiterer Bolzen, Nachspannen, Ziel anvisieren.
Die Luft roch nach Metall, feuchter Erde und Angst.
Ein Kämpfer taumelte an ihr vorbei, Blut an der Seite, aber noch auf den Beinen. Sie packte ihn am Ärmel, zog ihn in Deckung hinter dem zerbrochenen Karren.

„Setz dich – ich seh’s mir an!“
„Ich kann noch stehen!“, keuchte er.
„Dann tu’s nachher.“

Sie riss das Verbandspäckchen aus ihrer Tasche, schnitt mit dem Messer durch den Stoff seiner Rüstung. Eine Schramme – tief, aber nicht tödlich. Ihre Hände arbeiteten mechanisch, ruhig. Die Armbrust lag bereit neben ihr.
Rund um sie herum flogen Schreie, Pfeile, Befehle. Doch Viktoria spürte nur den Moment – zwischen Gefahr und Pflicht, zwischen Tod und Treue.
Und tief in ihr brannte der Schwur, den sie jeden Tag erneuerte:

„Ich glaube an den Erhalt von Leben.“

Nachdem der Soldat notdürftig verbunden war, richtet sich die kleine Frau wieder auf. Spannte die Armbrust durch und legte den Bolzen auf. Viktoria hörte den dumpfen Aufprall eines schweren Schrittes hinter sich, zu massiv, zu zielgerichtet. Sie drehte sich gerade rechtzeitig, um die Gestalt zu erkennen, die durch das Getümmel brach: ein Hüne von einem Mann, gehüllt in das abgewetzte Wappen eines alten Templerordens.

Alatar.

Seine Worte waren schlicht, seine Präsenz überwältigend – in der Hand ein Kriegshammer, dessen Kopf groß wie ein Backstein war und bereits mit dunklem Rot benetzt. Das letzte bisschen Abstand zwischen ihnen, nutzte der dunkle Templer und setzte zu einem herben Sprung an.
Viktoria riss ihren Rundschild hoch. In der anderen Hand: ihr Coelium-Schlägel, eine schlichte, aber verlässliche Waffe.

Der Hammer sauste herab – schwer und erbarmungslos.

Mit dem Schwung seines Sprungs krachte beinahe die volle Wucht seines Körpers auf Viktoria herab. Die volle Wucht des Aufpralls drang in Ihre Arme und sie ging auf die Knie. Mit einem animalischen Laut schob sie sich unter seine Reichweite, rammte ihm die Kante ihres Schildes gegen den Brustpanzer. Er zuckte kaum. Seine Kraft war beängstigend.

Ein weiterer Hieb. Sie hob den Schild – zu spät. Der Hammer streifte sie seitlich, mit brutaler Wucht. Schmerz explodierte unterhalb ihrer Rippen, die Luft wich ihr schlagartig aus der Lunge.
Doch sie fiel nicht. Stattdessen stemmte sie sich dagegen, ging tief in die Knie, ließ die Schultern rollen.

Ihr Schlägel fand sein Ziel: ein schneller Hieb gegen sein Bein, dort wo der Oberschenkel unter der Robe hervortrat. Der dunkle Temple brüllte auf, strauchelte, trat einen Schritt zurück.

Das war ihr Moment. Ohne zu zögern warf sie sich auf ihn – nicht mit Eleganz, sondern mit blanker Entschlossenheit. Der Schild rammte sich wuchtig gegen seine Brust, ließ ihn taumeln. Doch der Templer, schwer gepanzert und unerbittlich, presste den Arm um ihren Oberkörper und riss sie mit sich zu Boden.

Der Aufprall raubte ihr kurz den Atem, ihr Schlägel entglitt der Hand und verschwand im hohen Gras. Doch Viktoria zögerte nicht. Instinkt und Zorn trieben sie. Mit bloßer Faust schlug sie auf ihn ein – wieder und wieder – rohe Hiebe, geführt mit aller Wucht, die ihr zierlicher Körper hergab., schlug sie ihm ins Gesicht.

Sie traf.
Nur kurz.
Dann kam die Antwort.

Sein Kopf traf ihre Nase mit brutaler Wucht – eine Kopfnuss, so gezielt wie ein Hammerschlag. Sterne tanzten vor ihren Augen. Sie taumelte, Blut sprudelte ihr aus Mund und Nase, direkt auf des Templers Gesicht. Der Schild glitt ihr aus der Hand. Mit einem verächtlichen Blick und einem harten Ruck stieß der Templer Viktoria von sich.

Die Heilerin spürte den Schmerz noch brennend in den Rippen, doch die Kopfnuss hatte ihr einen dumpfen Schleier über die Wahrnehmung gelegt. Sie rollte sich seitlich vom Templer herunter, das Gras unter ihr feucht vom Tau – oder war es Blut?
Beide taumelten auseinander, schwer atmend, erschöpft, aufgewühlt. Ihre Waffen waren ihr aus der Hand gefallen, im Getümmel verschollen. Die offene Wiese bot kaum Deckung – nur hohes Gras und die Schatten der Gefallenen.
Viktoria kroch, tastete nach dem Schlägel, ihr Schild lag nur wenige Schritte entfernt. Sie hörte des Templers metallisches Keuchen – auch er suchte nach seinem Hammer.

Als der Templer ebenfalls nach seiner Waffe griff, blitzte Viktorias Entschlossenheit auf. Sie hatte keine Zeit für Zögern. Mit einem raschen, gezielten Tritt hob sie ihren Fuß und stieß ihn mit aller Kraft gegen seine Hüfte. Der Aufprall war hart, und für einen Moment verlor er das Gleichgewicht. Die Wucht des Stoßes schleuderte ihn zurück ins Gras, das mit einem dumpfen Geräusch nachgab.
Doch der Templer war schnell wieder auf den Beinen, seine Augen glühten vor Zorn, und Viktoria konnte den Schmerz in ihren eigenen Gliedern spüren. Jeder Atemzug war ein Kampf, jeder Schritt zitterte von der Erschöpfung.
Sie wusste, dass sie nur noch einen Augenblick hatte, um ihre nächste Bewegung zu überlegen, bevor er erneut zuschlagen konnte. Der Kampf war weit mehr als körperlich – es war ein Kampf gegen die Zeit, gegen die Erschöpfung, gegen die Zweifel, die in ihrem Kopf laut wurden. Doch als der Templer sich wieder aufrappelte, war eines klar:

Sie würde nicht sterben.
Nicht heute.

Viktoria hörte den Templer hinter sich die Luft einsaugen, als er sich für den finalen Schlag bereitmachte. In ihrem Kopf blitzte der Gedanke auf, dass sie nur noch einen Augenblick hatte. Sie blickte sich um, und da – in einer Mulde, nahe der Brücke, lag ihre Armbrust, unweit von dem Chaos des Kampfes.
Ohne zu zögern, warf sie sich nach vorne. Ihre Finger griffen hastig nach dem kalten Metall, zogen sie mit einem schnellen Ruck in ihre Richtung. Der Templer war schon fast bei ihr, sein gewaltiger Hammer in der Luft, bereit, den endgültigen Schlag zu führen.
Gerade als der riesige Hammer mit einem bedrohlichen Rauschen heranflog, spannte Viktoria die Armbrust, zielte mit blitzschnellen Augen und feuerte den Bolzen ab. In dem Moment, als der Bolzen die Luft durchschnitt, traf der Hammer mit einer gewaltigen Wucht den Bolzen. Der Klang des Aufpralls war wie ein Donnerschlag, als die beiden sich in der Luft trafen und Viktoria wich der heranfliegenden Waffe aus.
Sie hatte keine Zeit zu verlieren. Ihr Herz pochte in ihrer Brust, und ihre Sinne waren geschärft wie nie zuvor. Sie wusste, dass dies ihre Gelegenheit war. Der Templer brüllte wütend, doch in diesem Augenblick war er nicht in der Lage, sie zu verfolgen. Mit einem flinken Sprung setzte Viktoria sich ab und rannte in die Richtung des kleinen Obersts. Ihre Beine trugen sie schnell über das nasse Gras, das unter ihren Stiefeln quietschte, als sie die letzten Schritte zur Sammelstelle machte. Ihre Lungen brannten, doch sie ignorierte den Schmerz, der ihren Körper durchzog.

Dann veränderte sich etwas in der Luft.

Ein leises, kaum hörbares Flüstern kroch durch das Gras – wie Rauch, wie Gebete.

Viktoria erkannte die Worte nicht, aber sie spürte ihre Wirkung sofort.
Ein stechender Schmerz durchfuhr ihren Leib – als hätte jemand glühende Dornen in ihren Bauch gedrückt. Sie krümmte sich, schrie nicht, presste nur die Zähne zusammen, während ihre Muskeln sich verkrampften.

Der dunkle Templer stand wieder. Eine Hand ausgestreckt, die Finger gespreizt, die Lippen murmelnd.

Klerikale Macht.

Keine Wunde, keine sichtbare Klinge.

Nur die rohe Gewalt eines Glaubens, der Leben beenden sollte.

Viktoria keuchte, zog sich mit letzter Kraft voran. Ihr Körper zitterte, ihre Glieder wollten nicht gehorchen. Der Schmerz war nicht natürlich – er war auferlegt. Ein unsichtbarer Fluch, gespeist aus Dogmen und Disziplin.

Mit einem stummen Schrei stieß sie sich hoch, schnappte sich ihren Schlägel – der Griff rau und vertraut in der Hand. Der Schild folgte, schwer, aber aufrichtend.
Der Schmerz wich nicht. Doch sie stand.
Ein Moment der Stille. Zwei Überzeugungen prallten aufeinander.
Dann bewegten sie sich wieder.

Der Ruf aus der Ferne unterbrach den Moment:
„Rückzug! “

Ihr ganzer Körper brannte, jede Bewegung war ein Kampf gegen den Schmerz. Sie sah das Pferd. Ihr treues Tier stand am Rand der Wiese, schnaubend, die Flanken bebend. Ein Reiter hatte es ihr zugetrieben – sie erkannte die Silhouette nicht, doch der kurze Blick war dankbar.
Mit letzter Kraft kämpfte sie sich auf die Beine, die Finger klammerten sich an Mähne und Sattelgurt. Blut lief aus Mund und Nase, das Atmen fiel schwer. Ein Pfeil schlug in den Boden neben ihr ein – zu nah.
Viktoria schwang sich auf den Rücken des Pferdes, ein dumpfer Schmerz durchzuckte ihre Seite, dort, wo der Hammer sie getroffen hatte.
Weitere Überlebende sammelten sich. Eine kleine Gruppe – nicht mehr als ein Dutzend. Verschmiert, blutend, mit leerem Blick. Keine Rufe mehr. Kein Befehl. Nur der Wille, dem Tod zu entkommen. Viktoria rief dem nächsten Reiter etwas zu, das sie selbst kaum verstand. Dann setzte sich das Pferd in Bewegung – zunächst zögerlich, dann im vollen Galopp. Die Hufe schlugen rhythmisch auf den vom Kampf zertretenen Boden. Der Wind riss an ihrer zerschlissenen Kleidung, doch er fühlte sich an wie Hoffnung.

Hinter ihnen verblasste das Schlachtfeld im Nebel und Rauch. Und mit ihm der Glaube, dass dieser Tag hätte anders enden können.

Doch sie lebte.
Noch.
Der Rückzug war kein Sieg.
Aber er war ein Anfang.
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Viktoria Hamberg
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Beitrag von Viktoria Hamberg »

Vier Tage und drei Nächte – so lange trug die kleine Heilerin nun schon ununterbrochen ihre Kettenrüstung. Das einst schwere Gewicht auf ihren Schultern war ihr zur zweiten Haut geworden. Wenn sie nicht damit befasst war, blutende Wunden zu nähen, fiebrige Stirnen zu kühlen oder Brot und Wasser unter die Männer zu bringen, stand sie auf dem Wehrwall, die Armbrust erhoben. An der steinernen Treppe, mit Blick in das Grau des Feindes, spannte sie die Armbrust, zielte – und sandte Bolzen in dessen Reihen.

Manchmal zitterte ihre Hand, nicht vor Kälte, sondern vor Erschöpfung. Oder Angst. Denn auch wenn sie es nicht zeigte, war sie da – wie ein kalter Nebel, der sich nicht abschütteln ließ. Der Gedanke, dass der nächste Pfeil ihr gelten könnte, dass sie versagte, wenn ein weiterer Soldat starb, nagte an ihr. Ihre Träume – wenn sie überhaupt kam zum Schlaf – waren voll flackernder Flammen und schreiender Stimmen.
Sie hatte geschworen, Leben zu bewahren, nicht zu nehmen. Und doch drückte ihr Finger immer wieder den Abzug.

„Wie viele noch?“, fragte sie sich im Stillen.

Doch jedes Mal, wenn jemand ihren Namen rief – sei es ein verwundeter Patient oder ein brüchiger Befehl vom Wall – stand sie auf.
Noch einmal.
Und wieder.
Denn aufzugeben, das war keine Option.

Im Lazarett roch es nach Eisen, Schweiß und altem Rauch. Der Duft von Kräutern, den Viktoria in den ersten Tagen noch sorgsam gegen das Leid gestreut hatte, war längst verflogen – überdeckt vom Geruch der Wunden, vom stummen Röcheln der Schmerzen und den fiebrigen Träumen jener, die nicht mehr wussten, wo sie waren. Der Raum war niedrig, die Fenster mit Tüchern verhangen, um das Licht zu dämpfen und die Fliegen fernzuhalten. Überall lagen Verletzte – manche stöhnten, manche schwiegen, manche blickten ins Nichts.

Viktoria bewegte sich wie eine Erscheinung durch das Halbdunkel. Leise, sorgfältig, mit klaren Handgriffen. Niemand sprach sie unnötig an. Ihre Ruhe wirkte ansteckend – oder einschüchternd. Die Kette unter ihrer Tunika klirrte kaum noch, so sehr war sie ein Teil von ihr geworden. Ihre Finger waren geschwollen, wund vom Nähen, Salbenmischen und Umschläge wechseln. Aber sie zitterten nicht. Nicht hierbei.

Jeden Verband legte sie mit Sorgfalt, jedes Stirntuch wurde glatt gestrichen, jede Schulter beruhigend berührt, wenn der Schmerz zu groß wurde. Und doch gab es Patienten, an der ihre Hand stets einen Herzschlag länger verweilte.

Ein Patient, dessen Bein durch einen Pfeil verwundet wurde und Wundbrand auszubrechen drohte.

Ein Patient, dessen Schulter mit einem Bolzen durchschossen war, der auch weiterhin die Etikette wahrte.

Ein Patient, dessen Gesicht zur Hälfte von Brandwunden gezeichnet und dick in Bandagen gehüllt war, aber dessen Augen frei waren – diese Augen suchten die ihren, wenn sie sich um ihn kümmerte.

Sie sprach wenig mit ihnen. Nur das Nötigste. Ihre Worte klangen dabei wie jedes andere, doch trugen sie manchmal jene winzigen Pausen, die nur ein aufmerksames Ohr bemerken würde. Und ihr Blick verweilte nie zu lang, doch oft zu kurz.

Sie fragten nie nach Viktorias Geschichte. Sie stellte keine über die der Patienten. Und dennoch hatte sich zwischen den Mullbinden, den zerbrochenen Knochen und all dem Schweigen etwas festgesetzt, das wie ein Lichtschein durch Ritzen fiel - Vertrauen.

Der Krieg war kein gewaltiger Schlachtruf, kein donnerndes Reitergetrappel über helle Felder. Krieg war Schlamm unter den Stiefeln, schale Suppe, die nach Asche schmeckte, und das schrille Heulen des Windes, der nachts durch zerrissene Zelte fuhr.

Im Lager von Berchgard lebte man nicht – man wartete.
Auf Befehle.
Auf Nachrichten.
Auf das Ende.

Der Boden war hart und feucht, das Heu in den Schlafstätten alt und müde wie die Männer, die sich darin drehten. Überall knisterten die Geräusche des Krieges: das Krächzen von Harnischen, das Fluchen beim Waffenschmieden, das leise Wimmern im Schlaf.

Viktoria bewegte sich durch diesen Trott mit einer Art kontrollierter Gleichgültigkeit. Sie hatte gelernt, nicht mehr zu lange in die Gesichter zu blicken. Sie kannte zu viele von ihnen beim Namen, zu viele aus früheren Tagen, als das alles hier noch nicht passiert war. Zu viele, die nur noch im Lazarett lagen – oder gar nicht mehr.

Tagsüber waren es die Verbände, die Tränke, das beruhigende Murmeln. Nachts der Spießrutenlauf zwischen Schlaf und Erschöpfung. Sie hatte sich eine Schlafstätte zugestanden, etwas abseits, unter einer Zeltplane nahe dem Lazarett. Dort saß sie manchmal, während Regen auf das Leder trommelte, und zählte die Tropfen wie Herzschläge.

Der Lagerkoller kroch durch die Reihen wie ein giftiger Dunst. Die Männer wurden ruppiger, das Lachen klang hohl, wenn es überhaupt noch kam. Kleine Reibereien entzündeten sich an nichts – an zu hartem Brot, an zu wenig Wasser, an einem schiefen Blick. Zwei Soldaten prügelten sich gar einmal um eine Decke, ehe man sie trennte. Viktoria musste einen von ihnen nähen.

Sie selbst sprach immer weniger. Zu oft hatte sie das gleiche gesagt: „Du wirst leben.“ „Es wird heilen.“ „Ruh dich aus.“ Worte, die nichts mehr bedeuteten, wenn der Tod ohnehin auf der Lauer lag.

Die Nächte waren lang, die Tage noch länger.
Wie im Traum.
Wie ein Alptraum zogen sie sich dahin.
Wann würde dies hier Enden?
Wieviele Schlachten würden noch folgen?

Doch wenn sie nachts am Feuer saß, wenn andere kamen, fragte sie sich manchmal, ob sie nicht längst dabei war, sich selbst zu verlieren. Ihre Gedanken wanderten zu früheren Tagen, zu friedlichen Feldern und offenen Türen. Zu einer Berührung, die kein Schmerz war.

Manchmal fragte sie sich, ob das hier je Enden würde. Ob sie jemals wieder ein ausgedehntes heißes Bad und eine Tasse Tee erleben würde. Doch dann kam ein neuer Verwundeter, oder ein Ruf von der Mauer, und Viktoria schnürte ihren Gürtel fester, griff nach dem Arzneibeutel – und ging.

Denn wer für das Leben kämpft, darf sich nicht selbst verlieren - Die nächste Schlacht würde mit Gewissheit kommen.
Zuletzt geändert von Viktoria Hamberg am Montag 12. Mai 2025, 16:28, insgesamt 3-mal geändert.
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Leandra Kalveron
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Beitrag von Leandra Kalveron »

„Ich hätte nie gedacht das Berchgard mal fällt“ – „Es ist nicht gefallen!“
Wie im Chor drangen die Stimmen der Zuversicht in die Runde, doch könnte man es anders beschreiben, Berchgard ist vergiftet worden, zumindest die Unterstadt.

Seit Tagen versuchten feindliche Kleriker mit ihren Worten Dolche in die Herzen der Menschen zu treiben. Sie predigten nicht mit Licht, sondern mit Schatten, flüsterten Zweifel, warfen Saaten aus Hass. Besonders diese eine Tetrachin war wie eine Spinne im Netz. Sie sprach mit lockender Zunge und doch war jedes ihrer Worte eine Falle. Leandra selbst hatte diese Präsenz bereits öfters vernommen, damals hilf noch eine Schar an Edelsteinen, um sie los zu werden. Heute reichte dies nicht mehr aus.

Doch die Priester in der Oberstadt, wie auch alle tapferen Recken, hielten stand. Sie stellten sich dem Gift entgegen. Immer wieder hatten sie gesegnet, geschützt, gereinigt und Hoffnung gesät, wo diese anderen versuchten Spaltung und Verzweiflung in die Gemüter zu treiben. Die untere Stadt war verloren. Die Alatar-Gläubigen hatten sie genommen. Doch über der Oberstadt ruhte noch das Licht, als letzter Hort.

Der Platz war provisorisch, der kleine Klappaltar von Elisabeth leistete wieder hervorragend seinen Dienst. Nur Holz, Steine, Kerzen, zwei Statuen, die über die Versammelten wachten. Und dennoch, vielleicht gerade deshalb, war es für die Gläubigen die Blut, Schweiß und alle Kraft bislang gaben, ihr eigener heiliger Boden geworden.

Berenguer sprach zuerst. Seine Worte hallten nicht über Mauern, sondern in Herzen. Das Licht erschien. Zuerst nur ein Schimmer über den Statuen. Leise. Fast zu zart, um wahr zu sein. Doch er blieb. Verstärkte sich. Temora wachte über sie, schaut auf die Tapferen herab. Berenguer erinnerte an das, was verloren ging, nicht aus Klage, sondern aus Klarheit. An die gefallenen Freunde. An das Leid, das nicht nur Körper, sondern auch Seelen verwundete. Und doch lenkte er den Blick immer wieder zurück: auf das, was noch stand. Auf die Gemeinschaft. Auf die Schildmaid, die mit ihnen war. Er sprach davon, dass Temora auch jetzt in ihrer Reihe stand. Dass sie dort war, wo man litt, wo man standhielt, wo man das Schwert nicht führte, um zu herrschen, sondern um zu schützen.
Während seine Stimme kräftiger wurde, schien der Platz stiller zu werden. Die Unruhe, die viele gebracht hatten, legte sich. Selbst die Verwundeten hörten. Selbst jene, die in sich zusammengesunken in dem Lazarett saßen, kamen nach draussen.

Leandra trat nun nach vorne. Ihr Gebet war kein großer Hymnus. Keine salbungsvolle Rede. Es war ehrlich, ruhig und klar und gerade dadurch mächtig. Sie sprach von Temora, die selbst gefallen war und durch den Wurf eines Sterblichen, namentlich Gelmir, einem Elf, weiter kämpfen konnte. Die sagenumwobende Klinge Nastad e-goth , das so klein war in ihrer Hand und doch bedeutend genug, um das Dunkel zu durchdringen und gegen Alatar wieder aufzubegehren. Ein Einzelner macht einen Unterschied, ein Sterblicher.
Die Priesterin bat nicht um den Sieg. Sie bat um Mut. Um den Funken, der bleibt, wenn alles andere versagt. Der Lichtschein breitete sich aus, legte sich über Schultern, Hände, über schmerzende Körper, über verwundete Seelen. Leandra sprach vom eigenen kleinen Schwert – den Taten, Worten, Gesten jedes Einzelnen. Am Ende hob sie die Arme. Die Menschen antworteten mit vereinten Stimmen. „So sei es.“ Eine kleine Formel, unscheinbar und doch war es, als stünde ein Heer aus Licht hinter diesen wenigen Silben.
Wärme, Zuversicht. Leandra wusste in diesem Moment: Die Tetrachin mochte weiter sprechen, ihre Pain versuchen zu verbreiten. Die Dunklen mögen die Straßen beherrschen. Aber hier, an diesem Ort, hatte Temora geantwortet.

Nicht mit Feuer. Sondern mit Licht.
Nicht mit Triumph. Sondern mit Treue.
Und das war für den Moment genug, sie werden standhalten.
Cecilia Zola
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Registriert: Montag 6. März 2023, 00:07

Beitrag von Cecilia Zola »

Helisande von Alsted hat geschrieben: 2. Die Heiler und Alchemisten werden angewiesen den Frischwasserzulauf aus dem Berg mit Abführmittel oder Farbe zu versetzen. Mögen die Pantherschmuser den Bergschiss ihres Lebens erleben.
Da las sie nun den Befehl. Irgendwann in später Nacht, als sie im Behelfslazarett am Aufräumen war und ihr eine Abschrift davon in die Hände fiel. Zwischen leeren Flaschen, die den Resten nach zu urteilen reinen Alkohol und verschiedenen Kräutersud beinhielten, lag unauffällig dieses Pergament. Eine vergessene Abschrift.

Sie konnte ihren Augen erst nicht trauen. Wir sollten die Feinde vergiften? Wo im Lazarett nicht wenige mit den Auswirkungen der zu spät neutralisierten Gifte zu kämpfen hatten. Das gleiche hinterhältige Spiel sollen die eigenen Truppen spielen? Kein Leid zu fügen. Der Schwur ihrer Großmutter. Schon lange gebrochen, der Preis der Kameradschaft im Regiment. Als Soldat muss du schaden können, was Leid zufügt. Auch wenn es bisher nur Banditen waren.

Nein, diese Last wollte sie ihren Kollegen nicht auch aufbürden. Viktoria kämpfte bereits genug. Sowohl an der Front, als auch im Lazarett. Sie sollte geschont werden. Taran war zu jung. Er lernte genau wie sie unter Esther, aber nicht bereits über Jahresläufe. Arno, oder Herr Hohenstein, wie sie ihn nannte, kannte sie nicht gut genug. Genauso wenig Ragai, aber irgendwas anderes sperrte sich in ihr, Ragai um Hilfe zu bitten. Nein, keinem wollte sie diese zusätzliche Aufgabe aufdrücken. Wach war zudem keiner mehr. Außer Viktoria vielleicht, aber sie hielt sicher wieder Wache.

Sie steckte den Zettel mit in die Buchtasche ihres Gürtels und räumte weiter leise auf. Beim Neubefüllen der ausgewaschenen Flaschen am Schnapsfass formte sich ein Gedanke. Das war kein Vergiften! Es war ein Schwächen. Ja genau! Es sollte kein Leben genommen werden. Nur den Feind am Kämpfen hindern. Damit die eigenen Truppen sie vertreiben können!

Beim Verteilen der Flaschen im Lazarett, an jedem Patientenbett-tisch mindestens zwei, überlegte sie sich, wie sie es anstellen sollte. Es war wichtig, dass die eigene Wasserversorgung davon nicht betroffen war. Gleichzeitig sollte es länger halten und nicht jede Stunde nachgegossen werden müssen. Eine Konstruktion formte sich langsam in ihrem Kopf. Gleichzeitig galt es etwas zu finden, was diese Wirkung verursacht. Etwas, was ihre begrenzten Möglichkeiten hergibt.

Erstmalig während der ganzen Geschehnisse zog sie ihr Buch vom Gürtel und blätterte darin herum. Es war ihr gesammeltes Wissen. Aber eben nur über Pflanzen und Kräuter, nicht über Behandlungen von Verwundeten. So eines hatte sie angefangen, es lag in ihrer Lehrlingstruhe im Hospital. Vielleicht braucht sie eine zweite Buchtasche am Gürtel? Ein Gedanke für danach. Falls. Konzentration!
Sie überlegte sich Ideen, verwarf sie und besprach sich am Ende mit dem Wirt der Taverne. Eine Mischung aus Apfelessig, Rizinusöl und Pflaumensaft- und Extrakt sollte es sein. Pflaume auch um den Geschmack vom Essig zu übertynchen. Sie plünderten alle Vorräte, die sie dafür fanden. Und sie begann im Dämmerlicht des Herdfeuers verborgen hinter dem Tresen etwas anzumischen. Tapfer erklärte sie sich bereit zu probieren. Der Essig durfte nicht schmeckbar sein! Einige Anpassungen und ein stiller Dank später, dass sie sowieso nichts im Magen hatte, war sie zufrieden.

Mit einem großen Korb voller präparierter Flaschen und einem Geflecht aus Stoff und Sehne, sowie einem Holzbalken schlich die kleine Gestalt zwischen den wachenden und schlafenden Kämpfern im Schatten zur Wasserquelle. Im schwachen Schein einer erst dort entzündeten Fackel untersuchte sie den Frischwasserzulauf. So weit unten wie möglich befestigte sie das Geflecht mit Steinen über dem Wasserlauf. Vorsichtig hängte sie die Flaschen in die vorgeknoteten Halterungen. Die Stoffstreifen, die aus den Flaschen ragten, legte sie vorsichtig in das sanft vor sich hinfließende Wasser. Zufrieden beobachtete sie, wie die leicht lila gefärbte Flüssigkeit von dem Tuch aufgesogen war und nun langsam in das Wasser abgegeben wurde. Ein langsamer aber steter Fluss. Wie bei einer Bergsprengung in Zeitlupe. Nur dass die Lunte ein Stoffstück war. Der explosive Schwefel war diesmal ein äußerst potentes Abführmittel. Und die Explosion erfolgte hoffentlich auf dem Abort.

Ganz zum Schluss klemmte sie den Holzbalken einen Schritt höher am Wasserlauf unter zwei großen Steinen fest.
AB HIER ABFÜHRMITTEL IM WASSER stand groß und deutlich lesbar mit einem Kohlestifft auf das Brett geschrieben. Die Fackel rammte sie daneben in den Boden und huschte mit dem leeren Korb zurück. Darauf bedacht, keinen Wachhabenden in die Arme zu laufen. Niemand soll hiervon erfahren. Einmal musste sie im Schatten eines Busches inne halten, als der Oberst die Wachkante ablief auf der Suche nach unaufmerksamen oder wegnickenden Patroullien unter ihnen. Zurück im Behelfslazarett nickte sie dem Wirt dankbar zu. Eine unabgesprochene kleine Geste als Zeichen, dass von ihrer Seite aus alles geklappt hat.

Am nächsten Morgen werden die ersten, die sich am Frischwasserzulauf in der Oberstadt waschen oder ihre Trinkschläuche füllen wollen, die eigenartige Konstruktion entdecken. Auch wird sich das schnell unter den Eingeschlossenen rumsprechen, ein jeder möchte wohl vor den Abführmitteln warnen. In der Unterstadt würde man im Laufe des Tages hoffentlich vermehrte Sitzungen auf dem Abort erleben. Falls man überhaupt bis zu dem stillen Örtchen es schafft. Vermutlich waren die Vögel doch nicht so bekömmlich? Musste der Feldkoch sich vielleicht etwas über die Qualität seiner Lebensmittel anhören?
Und so lange der Wirt der besetzten Taverne schwieg und keiner sie rumhuschen sah, würde auch niemand erfahren, wer es war. Ein Bericht blieb diesmal aus.
Zuletzt geändert von Cecilia Zola am Montag 12. Mai 2025, 12:33, insgesamt 3-mal geändert.
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Elisabeth van Falkenglanz
Beiträge: 317
Registriert: Dienstag 23. Mai 2023, 10:06

Beitrag von Elisabeth van Falkenglanz »

Sie kam sich ein wenig nutzlos vor. Arvenir hatte das Kommando übernommen, was sehr gut war, da so die Führungsstruktur gestärkt und gegeben war, aber sie war hier nicht mehr notwendig, fast gar abgeschrieben. Das war aber nicht schlimm, sie hing nie sehr an diesem Posten. Die zweite Reihe war ihr außerhalb des Kampfgetümmels stets genug.
Was sie mehr störte war, dass die "Operation Phönix" bei der Heeresführung so sehr auf Ablehnung stieß. Einen einfachen Bauern opfern, oder in ihrem Fall ein Springer, um den Feind seiner Königin, beider Türme und des Königs selbst zu berauben, das wäre doch ein idealer Schachzug. Kosten <->Nutzen = Ideal.
Die Gegnerseite hätte sich in ihrem Hochmut sicher auf einen Zweikampf eingelassen. Der leitenden Korporal den Schädel zu spalten, das wäre für die sicher ein Fest gewesen. Der Feuersturm, den ihr Sprenggurt hervorgerufen hätte, hätte sicherlich die Führungsriege des Westens mitgerissen.
Ein finaler und fataler Gegenschlag.
Das einzige was sie selbst bereut hätte, wäre dass sie nur ein einziges Mal für König, Temora und Vaterland sterben konnte. Hätte sie sieben, so würde sie alle geben.
Leider war man der Meinung, dass es falsch sei, Soldaten auf diese Art zu opfern.

Nun ging sie umher, verteilte Zwieback und Gebete. Unterstützte die Kameraden und versuchte die Moral zu heben. Warten - sie hasste es. Aber so war es ihre Aufgabe. Warten.. ..Ausharren ... wachen ..

Sie griff in ihre Tasche, darin war noch ein Brief. Der Brief steckte in einem Geschenk, mit Kette und Blumen, bisher hatte sie keine Zeit gehabt ihn zu lesen. Also tat sie es nun.
Ein Gedicht, Worte über Liebe .. sehr gefühlvoll.
Sie seufzte, tatsächlich etwas gerührt. Natürlich war es liebenswert und ehrte sie, sehr sogar. Sie hätte nie gedacht, dass sie - einäugig, vom Krieg gezeichnet und mit mehr Muskeln als so mancher Kerl- einen Verehrer haben könnte, aber ihr Herz war bereits verschenkt: an Vaterland und Temora.
Falkenglanz dient dem Licht, und der Dienst hinterließ meist nur gebrochene Herzen, das konnte sie niemandem wünschen- das war einer der Flüche ihrer Familie. Wenn sie dies alles überleben würde, hatte sie wohl ein Gespräch zu führen.
Zuletzt geändert von Elisabeth van Falkenglanz am Montag 12. Mai 2025, 09:36, insgesamt 1-mal geändert.
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By'nar
Beiträge: 124
Registriert: Freitag 7. Juli 2023, 20:10

Beitrag von By'nar »

Das Ritual

„Wenn das Fleisch nicht bereit ist Blut zu geben, ist der Geist nicht bereit zu dienen.“
Irgendein Lethar, irgendwann, irgendwo.
Es war still geworden auf dem Platz, und nicht einmal ein schweres Atmen durchriss diese fast unangenehme Ruhe. Sie legte sich auf jede Schulter nieder und begann, über Rücken und Körper zu wandern. Andächtigkeit, die jeden berührte und alles nahm, was einen weltlich machte. Hier saßen keine Ahads mehr, keine Tetrarchen, keine Hauptmänner. Hier saß der Glaube, fest verankert und präsentiert in einem Kreis, der sich gemeinsam auf ein Gebet einstimmte. Alles Hüllen, im Dienste Alatars. Nicht mehr, nicht weniger.

  • „Allmächtiger,
    Führer und Erretter der Menschheit. Am gestrigen Abend ist das Blut deiner Feinde geflossen.
    In deinem Namen haben wir die Irrgeleiteten verfolgt und getötet.
    Diese Stadt ist unser – und damit dein.“


Der erste Wind kam auf und trug die Worte des Gebets mit sich. Wehte sie um jedes Ohr, durch jedes Haar, und ließ sie harren. Dabei mischte sich in die Ruhe der Andacht etwas Weiteres: ein Gefühl von Beobachtung. Als würde sich im Wald eine Lichtung auftun und die ersten Strahlen des Sommers hindurchlassen. Ein Augenblick, der dazu führte, dass man das Zentrum der Umgebung wurde. Seine Diener, sein Wille. Sein.

  • „Blut wurde vergossen. Feindesblut. Das Blut Seiner Streiter. Unserer Verbündeten.
    Das Unschuldiger, wenn es dergleichen gibt.
    Blut fließt beim ersten Atemzug eines Wesens.
    Es hört im letzten Atemzug auf zu fließen.
    Es trägt Leben in sich. Bedeutung.
    Unser Wesen. Das eines jeden hier.
    Darum ist jeder Tropfen von Bedeutung.“


Namenlose Hände trugen eine Schüssel aus schlichtem Holz an den Gläubigen vorbei. Unbedeutendes Fleisch im großen Ganzen, das von jedem etwas nahm, der bereit war, etwas – und noch mehr – zu geben. Holz füllte sich mit roter Flüssigkeit, und aus vielen Gläubigen wurde ein Ganzes. Das rote Blut eine Symbolik, aufgefangen in einer Schale. Gehalten von einer unter vielen.

* * *


Und so konnte man vielleicht nach einem Tag gar nichts mehr sehen, aber man konnte es regelrecht schmecken, wenn man einmal tief Luft in die Lungen zog. Es handelte sich weder um Anfang noch um Ende – das hier war, wofür sie wandelten auf dieser Welt.

Ein letztes Zittern lag in der Luft, so fein, dass nur jene es spürten, deren Innerstes noch nicht ganz vernarbt war. Zwischen den Kieseln des Schotterweges, unter der Erde, haftete etwas. Es war kein Laut, kein Bild, kein Geruch – eher ein Schatten aus Erinnerung, der sich mit dem eigenen Fleisch vermischte und eine Spur hinterließ, die selbst das Wasser des nächsten Regens nicht fortzuwaschen vermochte.

Wer dort gestanden hatte, spürte ihn. Diesen Blick aus der Leere, der durch nichts konkret wurde und gerade deshalb an den Grund der Seele griff. Vielleicht war es Alatar. Vielleicht nur der Widerhall jener, die in seinem Namen dienten. Vielleicht ein stilles Einverständnis mit dem Blut.
Ein letzter Hauch wehte über den Platz, kalt und klar wie Glas, das kurz vor dem Zerbrechen stand.

Und dann, dann war alles wieder still.
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Zyn'tuin
Beiträge: 147
Registriert: Dienstag 1. Oktober 2024, 22:11

Beitrag von Zyn'tuin »

Nacht vom 11. auf den 12. Eluviar – Stein gegen Sturm

Es war, als hätte der Himmel selbst das Atmen vergessen. Die Luft war schwer und feucht, durchzogen vom dumpfen Geruch verbrannter Balken, kaltem Stein und altem Blut. Nach den Kämpfen, nach dem Ritual – kein Frieden, keine Rast. Nur Vorbereitung.

Zuvor hatten ShuunRa, Xhu’Ryna, ShaNara und ich gemeinsam einen Baumstamm – alt, gespalten, vom Kampf gezeichnet – aus den Ruinen gezerrt. Er war zu schwer für eine einzelne Hand, zu widerspenstig für einfache Werkzeuge. Gemeinsam hievten wir ihn durch eine Gasse, schleiften ihn vor eine breite Tür im Osten der Stadt. Sie sollte sich nicht mehr öffnen.
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Später war es Ly’thrae, die sich zu mir gesellte. Wir sprachen kaum. Worte wären nur Last gewesen. Gemeinsam durchquerten wir die nächtlichen Straßen von Berchgard, nur begleitet vom Knirschen unserer Schritte und dem Hämmern unserer Herzen. Vom Friedhof holten wir Grabsteine – einen nach dem anderen. Manche zerbrochen, andere noch mit Namen, die niemand mehr rief. Ohne Frage, ohne Pause, schleiften wir sie zu den Türen, zu den Torbögen, zu jeder Schwachstelle entlang der Stadtmauern.
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Wir versiegelten die Stadt mit den Zeichen der Toten.

Und vielleicht war es genau das, was sie brauchte – nicht weitere Waffen, nicht Gebete. Sondern Schweigen, Schwere, endgültigen Widerstand.

Als die ersten Spuren von Licht den Horizont berührten, standen die Steine wie ein stummer Schwur.

Und wir standen noch.
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