Sie traute sich ein paar Tage nicht hinaus, nicht nur des brummenden Kopfes wegen, nein, die Scham war zu groß, ihre letzte Erinnerung war ihr schreiendes Ich welches vor einem eingebildeten Drachen davon rannte.
Tage später schalt Balduin sie wegen ihrer Neugierde und ermahnte sie, ja nie mehr irgend welche unbekannten Tränke zu probieren.
Alles schien wieder gut.. Jarii stromerte wie gewohnt durch alte Höhlen, ging angeln und das Leben nahm seinen gewohnten Lauf bis eines Nachts diese beiden Nervensägen auftauchten.
Erst nahm Jarii diese gar nicht wirklich wahr, schienen sie mehr aus Nebel zu bestehen, transparent aber dennoch in menschlicher Form.
Die eine Gestalt war rundlich, ja man könnte ihn schon dick nennen, männlich und trug einen Federhut, die andere Gestalt definitiv weiblich, mit ausladenen Rundungen die sie nur spärlich verdeckte. Dann hörte Jarii sie sprechen.. die Frau eher keifend und rechthaberisch, der männliche Part hingegen eher schüchtern und duckmäuserisch. "Fass mich ja nicht an, du Schnecke," schimpfte die transparente Nebelfrau. "Ohne Münzen wirst du mich nicht begrabschen, wo komm ich denn da hin, he? Geschäft ist Geschäft, und das wirst du mir nicht versauen!" Der Dicke mit Federhut schmollte bedrückt und schwieg während Jarii, sich nunmehr unentwegt die Augen reibend, dem Spektakel beiwohnte.
"Hee, was ist das hier!?" rief sie schließlich aus dem Schreckmoment erwacht. Als die beiden Gestalten bemerkten, dass sie wahrgenommen wurden, weiteten sich deren nebligen Augen. "Uuuh, ohhhh, sieh nur..die sieht uns", tuschelten sie erschrocken, scheinbar nicht minder überrascht.
Und fort war der Spuk, erstmal.... puff...
Jarii befürchtete dass es sich um Nachwirkungen des Trankes handeln könnte, rieb sich den Kopf, spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht, lauschte und sah sich im Haus um - nichts - niemand.
Erstmal war Ruhe.
Nie mehr Tränke - nie mehr würde sie in den Keller gehen.. nie, so zumindest schwor sie sich.
Dann jedoch erwachte sie tief in der Nacht, ein Stimmengewirr, erst flüsternd, dann lautstark streitend:" Da schlafe ich, du leg dich wo anders hin Trottel!" Eine tiefere Stimme erwiderte:" Du bist ein Biest, auch ich will dort liegen!" und so ging es hin und her ,als Jarii eine Kerze entzündete, nach dem Dolch griff, und den beiden, sich um ihr Bett streitenden Gestalten, entgegenblickte. Außer sich rief Jarii nur ein " Haaaaaut aaaaab!" Und warf den Dolch, der jedoch durch die beiden Nebelwesen hindurchsauste und zu Boden fiel.
Puff, waren sie fort.
Jarii zog sich die Decke über den Kopf, versuchte nicht mehr dran zu denken.. Morgen würde sie Schanna fragen.
Mittlerweile waren Tage ins Land gezogen, die beiden nebelhaften Gestalten kamen und gingen, Jarii hatte sie bereits den Dicken und die Hure getauft und Schanna davon gebeichtet. "Sind entweder Geister oder du hast nun einen weg vom Trank.. " , sprach Schanna und überlegte die nächst möglichen Schritte.
Selbst Tom riet ihr sich Hilfe zu holen, sie solle zum alten Balduin gehen, vielleicht wüßte jener was mit Jarii los sei. Und überhaupt, warum würde sie verstaubte Tränke probieren, die ein 150 jähriger kauziger Heiler herumliegen habe.. so seine Worte.
Am nächsten Tag nahm sich Jarii zusammen und suchte Balduin. Natürlich musste sie erst ein Donnerwetter und eine sich gewaschene Moralpredigt über sich ergehen lassen bevor der Alte von zwei Möglichkeiten sprach.
"Entweder da hat sich was verschoben in deinem Hirn, Tränke können verflixt unschöne Nebenwirkungen haben, oder aber, du hast ein Tor zur Geisterwelt geöffnet!"
"Ich gebe dir Räucherware mit, damit räucherst du das Haus aus! Dann warte ab und komm wieder und berichte mir. Dummes Kind, wie kann man nur...," und gab ihr meckernd einen Trank. "Trink das, Morgen bringe ich das Räucherwerk."
Am nächsten Tag befolgte Jarii Balduins Rat und räucherte das Haus aus.. jede Ecke stank nach Salbei.. doch was muß, das muß. Solange es nur diese Gestalten fernhielt.
