[Q] Blut, Sand und Schicksal

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Asahi Sada Ryzan
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Beitrag von Asahi Sada Ryzan »

Sie brachen auf, als der Abend wie ein rötlicher Schleier über die ewige Weite der Durrah fiel. Die geplante Expedition. Eine Dummheit oder ein Erfolg, das würde sich heute Abend zeigen und zu allem Überfluss waren nicht nur der Erhabene, sondern auch seine Esra dabei. Asahi konnte beides nicht gutheißen, aber es war nicht ihre Entscheidung und sie bemerkte auch in Cebrail die gesteigerte Anspannung, als diese zusätzliche Last auf den Schultern der Khaliq gelegt wurde. Auch Faizullah, Ishmael und Arash hatten beschlossen, als Teil ihrer Familie dabei zu sein. Sie schätzte diesen Einsatz, aber sorgte sich auch gleichermaßen um ihren Cousins. Keiner wusste immerhin, was sie wirklich in der Durrah erwarten würden.

Die Durrah war seit Wochen nicht mehr still gewesen, irgendwo zog immer ein Sandsturm vorbei, irgendwo erklang ein Donnern, besonders heute Abend schien es stärker, präsenter und das fühlte auch Asahi. Seit Tagen schon hörte sie den Ruf, ein Flüstern, ein Singen, ein Drängen, das sie in die Tiefe der Sandmeere ziehen sollte, dass dort etwas auf sie warten würde. Es raubte ihr den Schlaf, nahm ihr die Konzentration, drängte und drängte.

Nach einer kurzen Ansprache von Cebrail zog die Expedition hinaus in die Durrah, Asahi folgend, die sich einfach dem lockenden Rufen hingab und sich von diesem leiten ließ. Es dauerte nicht lange, bis sich die ersten Sandstürme aufbauten und wie lebendig geworden die Gruppe angriffen. Der Sand formte Klauen, Gestalten, Gliedmaßen, wirbelte stürmisch umher, um sich gegen die Janitschare und die Khaliq zu werfen.
Sie wehrten sich unerbittlich, kämpften mit dem menekanischen Feuer in ihren Adern gegen diesen unbarmherzigen Feind. Und sie fielen. Einer nach dem anderen, unter dem Mut und dem Kampfgeschick der Janitschare und den Schakalen.

Dann, am Zentrum des letzten Sturms, offenbarte sich das Herz der Erscheinung, unter donnerndem Blitzen und schneidenden Sandkörnern. Ein Sandsturm, in dem die zarten Umrisse einer Gestalt wahrzunehmen waren. Ihre Silhouette tanzten im Wirbel der Partikel, offenbarte nur wenig von dem eigentlichen Wesen, aber in Asahi reifte die Vermutung heran, zu wissen, was sie vor sich hatte. Als wäre der Anblick eine innere Bestätigung für sie gewesen, dass es sich wirklich um die Verstoßene aus dem Märchen handeln musste. Eine Ahnung, die sie bereits vorher geäußert hatte und nun scheinbar eine Bestätigung fand.

"SAQAT!" schrie sie der Sandgeisterscheinung einfach entgegen. "Du wirst hier neda weiter kommen oder weiter Unheil stiften!" Eine Entschlossenheit ruhte in ihrer Stimme, vielleicht auch eine verdeckte Drohung.

Der Sandgeist allerdings war unbeeindruckt, viel mehr wütend. Wütender als zuvor. Er heulte auf, bäumte sich auf, tobte wie ein Ozean aus Sand und schimmernden Funken. Er stürmte auf die Khaliq zu, während die Janitschare und die anwesenden Familienmitglieder der Schakale versuchten sich dazwischen zu stellen, doch der Sand glitt einfach durch die Lücken, bis sich eine Hand aus dem Sturm manifestierte, die nach Asahi griff... und dann verschwand die Erscheinung und für die Khaliq wurde die Welt schwarz.

»•«

Sie fiel. Und fiel. In einen Traum, gebettet in Bewusstlosigkeit des Körpers.

Ein Mädchen. Klein, mit großen, erschrockenen sandgoldenen Augen, eingehüllt in ein zu großes Wolltuch, das kaum gegen die kälteklirrende Nässe der Bergkapelle Akemens half. Der alte Gebirgsbau, hoch in den Zacken des Gebirges, in dem Akmene sich befand, bebte unter dem Zorn des Himmels. Donner krachte wie Hammerschläge gegen die steinernden Wände, und bei jedem Schlag zuckte sie zusammen, vergrub das Gesicht in den Händen. Die bunten Fenster zitterten, der Boden vibrierte. Der Wind drückte gegen die schweren Holztüren, als wolle er hineinbrechen. Die Stürme - sie waren überall, schon immer hatte sie sich als Kind vor diesen gefürchtet. Vor dem Brüllen des Windes, vor dem Donnern des Himmels. Kein sicherer Winkel, kein Trost. Nur das unaufhörliche Toben, das Heulen, das Grollen. Und mitten darin ihr pochendes Herz, wie ein Trommelschlag der Angst, der nicht enden wollte.

Und dann: eine zweite Stimme in ihrem Kopf.
"Du brauchst keine Angst zu haben."

Asahi erkannte sie. Saqat. Die Stimme der Stürme. Das musste so etwas wie ein Traum sein, aber sie war unfähig aus diesem hinaus zu brechen. Sie schrie. Versuchte, sich zu lösen. Die Bilder wirbelten. Erinnerungen zerflossen. Sie wollte nicht. Nicht weichen. Nicht aufgeben. Ein Kampf begann, in der Tiefe ihres Bewusstseins. Gedanken gegen Erinnerungen, Wille gegen Instinkt. Die Khaliq taumelte durch Schatten aus Sand, durch schreiende Stürme, durch Bilder von Verlust, Mut und Angst. Und irgendwo darin: Hoffnung. Hoffnung, an die sie sich klammern musste, um dem Willen des Sandgeistes nicht zu unterliegen.

"Du kannst mich nicht haben."
Wie um es sich auch selber einzureden, um sich selber Mut zuzusprechen und Saqat wurde still. Doch die Stürme tobten weiter. 
Die Entscheidung war noch nicht gefallen.

»•«
Man hatte sich offenbar dafür entschlossen, der Khaliq soweit zu vertrauen, dass Ishmael angewiesen wurde ihren bewusstlosen Leib in den Tempel zu bringen. Es war alles gut gegangen. Keiner war ernsthaft verletzt. Keiner vom Sand verschlungen. Nur die junge Khaliq lag bewusstlos im Tempel und führte den inneren Kampf mit Saqat.
Faizullah Ryzan

Beitrag von Faizullah Ryzan »

Der Tag neigte sich. Das Licht über Menek’Ur wurde weich und golden, doch auf den Stufen vor dem Tempel lag nur Schatten.

Faizullah saß dort, regungslos. Die Hände auf den Knien, der Blick leer auf den staubigen Platz gerichtet. Nicht suchend. Nicht wartend. Einfach da. Als wäre er ein Teil des Steins geworden, den der Wind umspielte.

Er hatte die Rüstung abgelegt. Nur das Untergewand trug er noch, einfach, unauffällig. Sein Shamshir lehnte neben ihm, in Reichweite – aus Gewohnheit, nicht aus Überzeugung. Denn was auch immer Asahi da drinnen festhielt, ließ sich nicht mit Klinge oder Schild aufhalten.

Die Sonne sank weiter. Ihr Licht kroch über die Pflastersteine, schob sich langsam an ihn heran, streifte seine Stiefel, dann seine Hände. Er zuckte nicht. Ein Flimmern im Blick war das Einzige, das sich regte.

Ein Kind rannte einmal vorbei. Kurz blieb es stehen, starrte ihn an, wollte etwas fragen – doch die Mutter zog es hastig weiter. Vielleicht weil man spürte: Dies war kein Ort für Worte.

Als die Dunkelheit kam, zogen sich die Schatten enger um den Tempel. Das Licht der Lampen warf flackernde Muster auf die Wände. Faizullah saß noch immer da, unbewegt. Der Wind hob seinen Mantel leicht, spielte mit dem Saum, doch er beachtete es nicht.

Irgendwann, tief in der Nacht, hob er eine Hand. Nur kurz. Fuhr sich damit über das Gesicht. Der Daumen blieb unter dem Auge stehen, verweilte, drückte leicht. Als wollte er etwas zurückhalten. Oder wegwischen.

Ein einzelner Tropfen schimmerte auf seiner Wange, gefangen im Zwielicht, bevor er leise auf das Pflaster fiel.

Er sagte kein Wort.

Und blieb.
Zuletzt geändert von Faizullah Ryzan am Montag 31. März 2025, 20:39, insgesamt 1-mal geändert.
Cebrail Deen Yazir

Beitrag von Cebrail Deen Yazir »

30. Lenzing 268, 20. und eine halbe Tagesstunde - Menek'Ur, Kasernenplatz

Ein Trupp erfahrener Janitschare, der Erhabene und zwei Khaliq versammeln sich auf dem Kasernenplatz nahe des Haupttors der goldenen Stadt. Nach einer Welle aus Begrüßungen tritt der Erhabene vor die Truppe und hält eine Ansprache. "Ich nehme an, die wenigsten haben sonderlich gut geschlafen. Ihr wisst, wieso ihr heute hier steht und worauf ihr Euch vermutlich einlasst? Derzeit ist jeder Aufenthalt in der Durrah ein Liebäugeln mit einem schnellen Tod. Haltet die Priester am Leben. Wenn den Khaliq etwas zustößt, ist vermutlich jeder Versuch, die Wüste zu bezähmen zum scheitern verurteilt. Aber wenn sie Euch befehlen, nicht einzugreifen. Dann greift ihr nicht ein. So schwer es Euch in diesem Moment auch fällt. Ist das verstanden worden?" Der Blick des Emirs gleitet zu den beiden Geweihten. "Ihr hattet um einen Trupp der erfahrensten Janitschare gebeten. Hier sind einige meiner Besten."

Khaliq Cebrail tritt vor die Truppe, als der Erhabene sich bei den Janitscharen einreiht. Dann spricht er angespannten Tonflals zu den Anwesenden. "Zunächst möchte ich im Namen des Tempels meinen aufrichtigsten Dank für eure Bereitschaft, dieses Unterfangen zu unterstützen, danken. Das ist keine Selbstverständlichkeit angesichts der Gefahren, die uns da draußen erwarten. Zur Erläuterung, was gleich passieren wird: Asahi ist diejenige mit den lockenden Träumen. Sie vernimmt ein Rufen, mutmaßlich vom Geist oder den Geistern, die uns seit Wochen plagen. Sie wird uns also anführen, wiederum sich führen lassend von diesem Rufen. Ihre Sicherheit steht noch vor meiner. Ich kann Euch da draußen nicht führen. Aber ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um euch alle wieder lebend nach Hause zu bringen. Wie man sich in der Durrah verhält, muss ich Euch neda erklären. Bleibt zusammen, standhaft und fest im Glauben. Alles andere wird die All-Mara fügen."

Der Khaliq streckt seinen Arm aus und fokussiert die ihm zur Verfügung gestellte klerikale Energie kurz, um seinen Priesterstab sich aus einem kleinen Sandwirbel materialisieren zu lassen, ehe er dann ein Stoßgebet an die All-Mara richtet, um Schutz für die Truppe bittend. Mit der freien Hand greift er schließlich an seine Maske, zieht diese hoch und meint dabei klar verständlich: "Khaliq Asahi, wir folgen dir."

Als Antwort auf die Nennung der All-Mara grollt der Sturm etwas auf und es zeigen sich dunkle Blitzgewitterlichter am fernen Horizont.

"Abeer Eluv'!", donnert es im Brustton der Überzeugung aus der Kehle des Khaliqs, wie dem Sturm zum Trotz.

Der ganze Trupp stimmt in den menekanischen Schlachtruf mit ein, ehe er aufbricht, hinaus in die tobende Wüste.

Keine zwei Stunden später am Tempel ...

Der verdreckte und erschöpfte Trupp kehrt zurück in die goldene Stadt und steuert geradewegs den Tempel der Schöpferin an. Die bewusstlose Khaliq Asahi wird dabei von ihrem Ehemann auf seinen Armen getragen. Die Stimmung wirkt geknickt bis sorgenvoll. Oben angekommen wird Khaliq Asahi auf Teppichen und Kissen gebettet, während Khaliq Cebrail eine letzte Ansprache für den Tag hält.
"Ihr habt stark gekämpft und Mut im Angesicht des Unglaublichen bewiesen. Vor allem aber habt ihr Vertrauen gezeigt. Neda nur in die All-Mara und den Erhabenen, sondern auch in uns Khaliq. Ich denke, ich spreche auch für Asahi, wenn ich sage, dass das für uns keine Selbstverständlichkeit ist. Unsere Aufgabe ist noch lange neda beendet, aber das hier ist nun erst mal ein Teil, bei dem wir Khaliq auf uns gestellt sind. Wir werden euch auf dem Laufenden halten. Für heute aber habt Ihr euch den Feierabend mehr als verdient. Dhabir für eure Unterstützung. Ihre Güte stets mit uns allen. Ma'Salema."

Der Trupp verlässt schließlich mit wenigen Ausnahmen die heiligen Hallen des Tempels. Asahi und Ishmael bleiben und werden in den folgenden Tagen von den anderen Ryzans mit allem Benötigten versorgt. Khaliq Cebrail sieht man zunächst heimgehen, doch noch in derselben Nacht kehrt abgerüstet zurück und reinigt zunächst die große Tempeltreppe, welche durch den gerüsteten Trupp mit Sondergenehmigung verdreckt wurde. In den nächsten Tagen werden Passanten beobachten können, dass die Tempelwachen verdoppelt wurden und sowohl Cebrail als auch Ishmael und Asahi neuerdings im Tempel zu hausen scheinen. Erneut werden sich Boten auf die Suche nach den Haatims machen, um sie um ihren Beistand in schweren Zeiten zu bitten. Wie zugesagt, kontrolliert Cebrail mehrfach täglich den Zustand Asahis, vor allem auf klerikaler Ebene. Er lauscht tief in sie hinein, um die in ihr wütenden klerikalen Klänge zu vernehmen. Je öfter er das tut, desto sicherer ist er sich, dass seine Mitkhaliq einen inneren Kampf gegen Saqat ausführt. Wann immer er fürchtet, sie könnte dem Kampf erliegen, spendet er ihr etwas seiner ihm anvertrauten klerikalen Macht. Doch er weiß, dass das nicht die Lösung des Problems ist. Er musste herausfinden, wie er Saqat dazu bewegen konnte, Asahis Körper zu verlassen, ohne sie oder andere zu töten. Vielleicht würde es ja über ein Ritual funktionieren? Bann- und Schutzkreise hatten sie in den vergangenen Monden zu genüge studiert. Es musste einfach eine Möglichkeit geben.
Ishmael Mahir Ryzan
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Registriert: Sonntag 25. Juni 2023, 13:11

Beitrag von Ishmael Mahir Ryzan »

“Mir wird schon nichts geschehen, mein Ranim. Du machst dir zu viele Gedanken.” sanft drückten ihre feingliedrigen Finger die, mit Schwielen und Narben überzogenen, Hände des Bardens, gepaart mit einem sanften, zuneigungsvollen Lächeln, welches ihm die Sorgen mildern sollte. Sie schaffte es immer zuversichtlich zu sein, war so stark im Glauben, wie er es nur von wenigen kannte. Dafür bewunderte Ishmael seine Liebste sehr, fiel es ihm doch selbst schwer, sich nahe am Glauben zu halten. Zu viele Schicksalschläge, als dass er es einfach nur als “Prüfungen der All-Mara” akzeptieren konnte. Und nun, da er endlich sein Glück gefunden hatte, fühlte es sich für ihn an, als würde die Kontrolle über sein Leben wieder aus den Fingern gerissen werden.

Der Ausdruck in ihrem hübschen Antlitz versiegte jedoch so schnell, wie er kam. Die aufrechterhaltene Fassade brach in sich zusammen und offenbart wurde eine müde und leidvolle Mimik. Seine Liebste schrie vor Schreck auf und plötzlich schien es, als würde sie in die Ferne gezogen werden, aus seinen Armen entrissen. Ihre Finger glitten aus seiner Hand, konnten sich nicht mehr festhalten. Sie schrie auf, während eine unsichtbare Kraft sie immer weiter von ihm weg zerrte und die Dunkelheit über ihn hereinbrach. Ishmael selbst rief verzweifelt nach Asahi, erfüllt von Angst um seine Liebste. Sein Körper war erstarrt, er fühlte, wie seine Gliedmassen seinen Absicht nicht folgten, als wäre er nicht mehr selbst Herr über seinen Körper.
Es waren Albträume wie diese, die seine Nächte heimsuchen und den Versuch, im Schlaf etwas Ruhe zu finden, vereitelten. Seine Mimik spiegelte die dadurch einhergehende Müdigkeit wieder und auch seine lebensfrohe Natur litt deutlich unter der mangelnden Energie. Der Barde versuchte es sich nicht anmerken zu lassen, doch gerade bei seiner Rani war er sich sicher, dass sie sein Schauspiel durchschaute. Zu gut kannte sie ihn, als dass er es vor ihr wahrlich hätte verstecken können. Vermutlich ein Grund, weshalb sie ihm immer wieder versicherte, es würde alles gut werden. Doch würde sie recht behalten?

Ishmael fand sich in der Tempelbibliothek wieder, wie er im Schneidersitz vor seiner Liebsten sass. Noch immer war sie in ihrer Bewusstlosigkeit gefangen, seit dieser Geist in ihren Geist eingefahren war. Er hatte noch versucht, sich wie ein Schild vor sie zu werfen, die Berührung abzufangen - doch er scheiterte. Zu schnell war die schemenhafte Hand. Eine Berührung und im nächsten Moment sackte seine Geliebte bereits ohnmächtig zu Boden, als ihre Gliedmassen schlaff nachgaben.
Der Schock war gross, die Angst ob der gewitterhaften Erscheinung wie beiseite gewischt - und die Umgebung ausgeblendet, als gab es gerade nur seine Liebste, um deren Wohlergehen er sich sorgte. Seine Umgebung blendete er aus. Nur dumpf drangen die Geräusche an seinen Geist, bis er unweigerlich hörte, wie über Asahis Schicksal entschieden wurde. Eine Wut, wie er sie nur sehr selten in sich wahrnahm brodelte in seinem Inneren auf, als in Erwägung gezogen wurde, Asahi dort liegen zu lassen, statt sie nach Menek’Ur zu bringen. Der Emir mochte recht haben, dass das Wohlergehen vieler Tausender über das einer einzelnen Person lag, doch in diesem Moment war dem Barden dies egal. Es ging um -seine- Ehefrau und diese würde er um jeden Preis nach Hause bringen. Zu seinem Glück wurde allerdings entschieden, sie in den Tempel zu bringen. Eine Aufgabe, die er sich persönlich annahm, trotz der Last der Rüstung, die Asahi an ihrem Leib trug.

Nun sass er da. Morgens, mittags, abends, in der Nacht. Lauernd, hoffend, dass sie erwacht. Jede noch so kleine Regung erhaschte seine Aufmerksamkeit, liess das Herz für einen Schlag aussetzen, ehe die Realisation und Resignation einsetzte, dass es nicht mehr als eine einfache Regung war.
Hinter den Fenstervorhängen, die er dreisterweise abgenommen hatte, um sie zwischen den Regalen notdürftig als Trennwände aufzuhängen, hörte man dieser Tage öfter ein Summen oder das leise Saitenspiel einer Saz, mit der er der bewusstlosen Natifah ihr bekannte Lieder vortrug, in der Hoffnung, sie würden ihren Geist erreichen. Die Verzweiflung reichte so weit, dass selbst der Barde sich dazu verleiten liess, von sich aus Gebete an die All-Mara zu richten, so wie Asahi es ihm beigebracht hatte. Aufrichtig, flehend, sie möge ihm seine Rani unbeschadet zurückbringen.

Es vergingen einige Tagesläufe, bevor seine Schritte ihn erstmals zurück in das eigene Heim brachten. Er hatte dabei nicht gerechnet, einen Korb vorzufinden, war aber umso dankbarer und wertschätzender für die Geste. Wer auch immer ihm dieses Geschenk zukommen liess, entlockte dem betrübten Barden das erste Mal seit Tagen ein flüchtiges, aufrichtiges Lächeln.
Lange blieb er aber nicht im eigenen Heim. Ein Bad, dann schlüpfte er in neue Kleidung und packte auch für Asahi frisches ein, die noch immer in ihrer Rüstung auf den Kissen lag und langsam daraus geschält werden musste - nur wartete er ob der Ortscahft des heiligen Tempels darauf, dass er von einer Natifah des Hauses unterstützt werden würde. Einzig ein Schreiben für die Akademie setzte er noch auf, ehe seine Schritte ihn wieder auf den Cantar brachten.
Salam Aleikum und der Segen der All-Mara mit euch

Ich wende mich in grosser Dringlichkeit an die altehrwürdige Akademie. Mir ist neda bekannt, wie viel ihr über die Geschehnisse in der Durrah bescheid wisst, doch gehe ich davon aus, dass ihr bereits unterrichtet wurde.

An dieser Stelle trete ich mit der Bitte an euch heran, eine arkane Untersuchung anzuordnen. Meine liebste Rani wurde Opfer eines Befalls und trägt zurzeit einen wütenden Geist in sich, der sie neda loslässt. Sie liegt bewusstlos im Tempel und ist neda ansprechbar. Die Untersuchungen des Tempels ergaben noch keine tiefgründigere Antworten, daher erhoffe ich mir, dass ihr in der Möglichkeit seid, weiteres zu erfahren.

Lasst mich hudad wissen, ob sich ein Treffen einrichten lässt, damit ich die Khaliqs des Tempels darüber informieren kann.

In hoffnungsvoller Erwartung

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Ishmael Mahir
Oberhaupt der Familie Ryzan

Menek'Ur am 02. Wechselwind268
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Asahi Sada Ryzan
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Beitrag von Asahi Sada Ryzan »

In der Dunkelheit ihres Bewusstseins tobte der innere Kampf weiter, unaufhörlich, seitdem sie das Bewusstsein verloren hatte. Ihr Körper lag reglos im Tempel, umsorgt von sich sorgenden Familienmitgliedern oder Freunden. Die vielen fürsorglichen Gesten, die lieb gemeinten Worte, das alles drang nicht zu hier durch. Sie merkte nicht, wie Zhour und Aliza sie umzogen, merkte nicht die leisen klimpernden Lieder von Ishmael, Hadijas Hand, die ihre hielt, die Worte des Emirs oder die vielen Besuche von Cebrail, der ihr versuchte Kraft zu schenken - auch wenn die Kraft des Khaliq ihr half, ohne das sie es bewusst merkte. Und doch sah man ihrem Körper so langsam den Kampf und die Besessenheit vom Sandgeist an. Tiefe Augenringe zierten die verhältnismäßig blasse Mimik und das einst braunschattierte Haar nahm immer rascher die Farbe von goldenem Sand an.

Saqat war weiterhin eine Präsenz aus flirrendem Hass und flüsterndem Wahnsinn. Getrieben von Hass und Rachsucht, schien sie mit allen Mitteln zu versuchen, die innere Verteidigungsmauer der Khaliq zu überwältigen. Sie wollte diesen Körper. Sie -brauchte- diesen Körper. Immer wieder drang sie in Asahis Träume, Wünsche und Ängste ein, wie eine Düne, die alles unter sich begräbt. Augenblick für Augenblick ließ sie die Natifah ihre eigenen Ängste erleben oder das Zerschlagen ihrer Träume. Unaufhaltsam auf der Suche nach einer Lücke, auf der Suche nach einer Möglichkeit, diese hartnäckige Mauer zu überwinden. Es zerrte auch an ihrer Kraft und die Khaliq bemerkte es.

Die Natifah suchte bei all dem Zuflucht in Erinnerungen an alte Gebete, die Wärme der Stimme ihres Ranims, das Gefühl der Geborgenheit, wenn sie in der Stille des Tempels zur All-Mara betete.  Sie dachte an das Bild der heiligen Oase, wenn die Sonne langsam unterging und alles in ein angenehm warmes Orange tauchte. An die vielen Stunden mit ihrer Familie im Haus der Schakale. Faizullahs überschwänglichen Begrüßungen und seine Gabe endlos über seine Handwerkskunst oder die Familie zu reden. Kelanie, die Ishmael fast regelmäßig zum Verzweifeln brachte, vermutlich auch mit einer gewissen Absicht. Arash dessen Mimik manchmal anzusehen war, dass er sich fragte, warum er an manchen Abenden überhaupt anwesend wäre und letztendlich auch Liyanah, die mit ihrer humorvollen Ruhe die Familie wie eine wärmende und willkommen heißende Decke zusammenhielt. Und natürlich an Ishmael selber. Der Barde, das unfreiwillige Überhaupt, der Straßenjunge im Herzen, auf welchen der Emit ein besonderes Auge zu haben schien. Ihre Liebe. Ihr Licht neben dem der All-Mara.

Diese Hoffnung wehrte sich gegen die Dunkelheit Saqats, erhellte diese, wie ein Sternenschimmer über der endlosen Wüste bei Nacht. Saqat kreischte, tobte, zerrte an ihrem Willen... doch die Khaliq klammerte sich an den Glauben, an die Hoffnung wie ein Ertrinkender an einen Ast. Ihr Geist gehörte ihr allein. Und Saqat, so mächtig sie auch war, hatte keinen Zugang zu einem Herzen, das sich weigerte, seine Hoffnung aufzugeben.

»•«


Vielleicht war es der Sandgeist, der langsam mürbe wurde, vielleicht war es eine neue Taktik, wie sie die junge Natifah auf ihre Seite ziehen konnte, aber irgendwann wurde das Toben, der Hass und die Wut weniger und in einem der Träume war es Saqat selber, die sich zeigte. Die Silhouette einer zierlichen Natifah, umgeben von Schlieren aus Schatten und Sand, das Gesicht verborgen.

»Du weißt nichts von mir«

Das Flüstern des Sandgeistes, ihre Stimme klang wie Sand zwischen den Zähnen. Die Khaliq reagierte zuerst nicht. Es wäre nicht weise auf die Worte von Saqat zu reagieren, sie war sich sicher, dass alles, was jene versuchte, nur dazu diente sich ihrer zu bemächtigen.

»Sie haben mich verbannt, Asahi. Nicht, weil ich böse war. Sondern, weil ich vertraut habe. Weil ich geliebt habe.«

Ein gedehntes Durchatmen folgte, ein anschließendes Schnaufen und Asahi drehte sich im Traumbild um, damit sie Saqat genauer betrachten konnte. Schließlich erhob sie doch die eigene Stimme. Ablehnung lag in jener, als würde sie sich nicht auf den Sandgeist einlassen wollen.

»Ich kenne das Märchen, Saqat, deine Geschichte.«

Wie in einem Schwall aus Zorn wirbelte der Sand um ihre Gestalt wieder hinauf und ein von Hass erfüllter Laut entwiech ihr.

»NENN MICH NICHT SO. Ich habe einen Namen. Einen richtigen Namen.«

Asahi blinzelte ihr entgegen, schlicht und einfach. Sie kannte den richtigen Namen. Das Märchen hatte diesen überliefert, aber es wäre, als würde sie ihr damit die Schuld von den Schultern nehmen und Saqat trug diese Schuld nicht umsonst. Der Sand und die Schatten wirbelten noch eine Weile um die beiden Natifahs herum, dann schien sie sich aber wieder zu beruhigen.

»Du solltest dich gegenüber deines eigenen Blutes nicht so forsch verhalten.«

Die Worte des Sandgeistes brachten Asahi nun erstmal durch wirkliche Überraschung oder auch Irritation zum Blinzeln und erneut konnte sie kaum mehr als ein zweifelndes Schnaufen über die Lippen bringen. Getrieben vom Sand umrundete Saqat die Khaliq jedoch, eine Bewegung, geschmeidiger als der Wind es hätte sein können.

»Wie? Dachtest du, du wärst es aus Zufall geworden? Weil du besonders hübsch oder dein Körper besonders stark wäre? Nein, nein. Asahi. Was glaubst du, warum deine Mutter dir dieses... MEIN Märchen so oft erzählte? Warum es gerade in deiner Familie weitergetragen wurde, als wäre es ein Schatz? Warum das Amulett dich rief?«

Die Worte tropften wie zäher Honig an der Fassade der Khaliq hinab und langsam senkte sie im Traum ihren Blick auf die Handfläche. Dort, wo sie den Schnitt trug, der nicht heilen wollte. Der Schnitt, der durch das Amulett verursacht wurde.

»Das Blut.«

Kaum mehr als ein Flüstern drang die Erkenntnis leise über die Lippen, auch wenn da etwas in ihr war, das sich noch weigerte, die Worte Saqats einfach so zu glauben. Selbst dann, wenn sie ihr logisch erschienen.

»Das gleiche Blut. Du wirst mich so schnell nicht los. Wir sind verbunden, unwiderruflich.«

Wieder war da dieser lockende Unterton in der Stimme des Sandgeistes, der mehr dazu führte, dass der Widerwillen in Asahi stärker wurde. So leicht würde sie sich nicht um den Finger wickeln lassen.

»Du hast schon damals versucht, den Emir zu töten.«

Warf sie ihr lediglich entgegen, als wäre das allein Grund genug, dieser Kreatur nicht über den Weg zu trauen. Erneut bäumte der Wind sich auf, wirbelte Sand hinauf, dass er unangenehm in ihre Haut schnitt, als Saqats Zorn erneut entfacht wurde. Sie schrie auf, gar mit einer gewissen Qual in der Stimme.

»Ich wusste es nicht! Dachte, es wäre ein Geschenk für den Erhabenen! Für ihn habe ich es getan! Für den, den ich liebte!«

»Den Grünländer meinst du.«


Sie konnte die Abneigung in ihrer Stimme nicht verbergen. Die Verurteilung darüber, in wen Saqat sich zu Lebzeiten verliebt hatte, wie sie ihre Traditionen und ihre Erziehung vergessen hatte. Der Sandgeist baute sich im Traum unmittelbar vor Asahi auf, so nah, dass die dunklen Augenhöhlen zu erkennen war - nichts als Leere war dort zu sehen. Und doch spürte sie den Hass, der von ihr ausging.

»ALLES, was ich wollte, war geliebt zu werden! Ein Zuhause zu haben! Die Geborgenheit zu fühlen. Kannst du es mir vorwerfen, Asahi? Wie würdest du dich fühlen, wenn du all dem beraubt würdest? Wie würdest du dich fühlen, würde man dich in einen goldenen Käfig stecken? Wenn du dabei zusehen würdest, wie alle um dich herum glücklich werden würden, AUßER DU! Und was taten sie, als ich nichts als ein Opfer meiner Liebe wurde? Sie nahmen mir noch das letzte bisschen, was sie mir nicht schon vorher genommen hatten. Mein Haar, mein Gesicht, meinen Namen. Ich wurde zur Warnung gemacht. Zur Märchenfigur.«

Asahi schwieg, während sie dem leidenden Gezeter des Sandgeistes lauschte. In gewisser Weise konnte sie verstehen, warum sie so wütend war. Warum sie die Rache wünschte, warum sie war, wie sie war. Da war gar ein Funke Mitgleid für das, was ihr passiert war. Aber das bedeutete nicht, dass sie sich auf ihre Seite stellen würde.

»Ich bin nicht hier, um dich zu richten... aber ich werde dir auch nicht gehören.«

Erwiderte sie schließlich schlicht, um sich im Anschluss vom Saqat abzuwenden und sich wieder den Erinnerungen, den gute, den positiven, hinzugeben. Sie spürte, wie der Sandgeist in einer neuen Welle aus Zorn und Verzweiflung sich gegen ihre Verteidigung warf. Die Verteidigung, die mit den Tagen immer schwächer wurde, aber so wurde auch der Angreifer schwächer. Egal was kommen würde, sie würde Saqat nicht die Freiheit schenken, selbst dann nicht, wenn die andere Option nur der gemeinsame Untergang wäre.
Zuletzt geändert von Asahi Sada Ryzan am Donnerstag 3. April 2025, 20:14, insgesamt 1-mal geändert.
Der Erzähler

Beitrag von Der Erzähler »

Und auf einmal verschwanden sie schneller, endgültiger und ungleich stiller als sie gekommen waren, diese brüllenden, stürmischen oder gar lockenden Träume. Obwohl die Sandstürme weiterhin die goldene Durrah unsicher machten und sich das Toben im Himmel auch noch lange nicht beruhigt hatte, so verklangen doch die Nachtmahre und hinterließen eine fast melancholische Leere.
Asahi aber lebte den Traum und träumte im Leben, in der Bindung zu einem Wesen aus einer fernen Zeit, anderen Geschichte mit ungleichen Zielen und Wünschen. Dennoch begann sich das Schicksal beider immer enger zu verweben, zogen unzählige, kleine, unsichtbare Fäden die beiden immer enger aneinander und verzurrten zwei Leben miteinander.

Nur zwei...?

Er hatte ihren Geist gespürt, wie kühlende Oasenquellen auf beinahe ausgedörrten Lippen und war bereits erwacht, als sie noch nicht einmal angefangen hatte zu toben. Doch der Kampf war hierbei ein anderer. Selbst jetzt noch fiel es ihm schwer sich dem Tanz des Landes, dem geschmeidigen Kreisen zwischen frostiger Nachtkälte und versengender Tageshitze zu folgen. Träge, entkräftet und so unglaublich orientierungslos tastete er sich mehr und mehr an die Oberfläche. Begriffen hatte er wiederum schnell, was all das zu bedeuten hatte:

Eine letzte und wirklich einzigartige Möglichkeit, sie zu retten.
Sie alle... aber auch SIE.

Wüstenrosen!
Immer wieder sah er die verschleierten Gestalten, dunkle aber ungewöhnlich kalte Augen, die ihn musterten und leise Worte, die ihm so viel versprachen. Vieles, was er im Grunde nie gebraucht hätte, um glücklich zu sein. Sein Glück hatte er im Gegensatz dazu sogar verkauft, verloren und verraten. Der Schmerz drang durch die Brust und öffnete alte, eiternde Wunden im Herzen, doch inmitten der Misere strahlte stetig ein wärmendes Licht - Hoffnung!
Hoffnung, die eine Form besaß, einen Körper, ein Gesicht und eine Stimme.
Stück für Stück hangelte er sich, der Wärme des Lichts folgend, an diesem einen Strahl in der Dunkelheit entlang hinauf. Er lernte rasch mit zu lauschen, zu verstehen und begann mit seinem Hoffnungsträger zu sprechen. Zuerst nur vage, angedeutet und in kleinen Eingebungen, Visionen in der Nacht, doch dann... endlich, erreichte er die Oberfläche, tauchte durch die letzten Schwaden der Dunkelheit und erwachte!


"Cebrail... hörst du mich? Bitte, lausche mir, die Zeit eilt! Ich bin... Darius."


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Asahi Sada Ryzan
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Beitrag von Asahi Sada Ryzan »

Ruhiger war es geworden. All die Zeit, verwendet auf den inneren Kampf, verwendet darauf, die Verteidigung der Khaliq zu überwinden, hatte zunehmend an den Kräften des Sandgeistes gezerrt. Doch auch an Asahis. Beharrlich hatte sie sich weiter gegen das Eindringen Saqats gestellt. Hatte sich zurückgezogen in ihre geistige Festung, dargestellt durch die Bergkapelle Akmenes, dort, wo sie auch die Verbindung zur All-Mara am stärksten spürte. Ihr innerer Ruheort, ihr Tor zur Schöpferin.

Schon damals hatte sie sich nach dem Meditationsunterricht bei Haatim Callista gefragt, warum gerade diese Bergkapelle es war, welche sich manifestierte, wenn sie an ihre Bindung zur Schöpferin dachte. Warum so ein steiniger, äußerlich kalter Ort, gehauen in grauen Stein, der Ort war, an dem sie zurückfand, wenn sie in ihr Inneres blickte. Damals hatte sie sich gefragt, was für eine Natifah sie wäre, die in ihrem Innersten schroffe, alte Steinmauern sah, wenn sie an ihrem Ruheort dachte. Sollte es nicht eher die blühende, wunderschöne Oase sein? Oder ein heller und lichter Tempel? Heute aber wusste sie, dass es nicht um kalte, graue Mauern ging. Es ging um den ersten Ort, an dem sie eine Bindung zur All-Mara spürte, es ging um den Ort, an dem sie immer wieder aus Trost oder Sicherheit zurückfand, wann immer ihr Radeh oder ihre Fadrims in den Kampf zogen. Ein Ort mit starken, haltenden Mauern, am höchsten Punkt ihrer Heimat. Ein Ort, der jedem Wetter, jeder Gefahr bisher getrotzt hatte. 

Diesen Ort in ihrem Innersten versuchte der Sandgeist zu zerstören, mit Albträumen, genährt aus inneren Ängsten und alten kindlichen Erinnerungen. Die fortwährend existierende Angst vor dem Donnergrollen zwischen den Bergen oder dem Heulen der Sandstürme, als Kind, wie nun, als Erwachsene. Jedoch... Jeder Gedanke an ihre Familie, an jeden Moment mit Ishmael und der unerschütterliche Glaube an die Schöpferin war ein Schild gegen den Sand, der alles verschlingen wollte. Sie wusste, glaubte fest daran, dass es eine Prüfung war. Eine Prüfung der All-Mara, die offenbar vermied, der Khaliq zu helfen. Zumindest glaubte jene daran.

Saqat wütete, wenn auch noch lang nicht mehr so stark wie am Anfang. Weiterhin formte sie aus Erinnerungen Albträume, versuchte die Wände der Bergkapelle mit dem Zorn einer jahrtausendealten Verzweiflung einzurennen, aber sie wurde schwächer. Genau wie die Khaliq. Der Sand rieselte in die tiefsten Ecken von Asahis Verstand, suchte nach Rissen, nach Schwäche. Und doch war es am Ende der Körper, der die Schwachstelle darstellte, denn jener zeigte immer deutlicher, dass er diesem Ausmaß nicht gewachsen war. Die Gesichtszüge ungewöhnlich blass für ihr Volk, die Augen von tiefen Schatten untermalt, das Haar mittlerweile in vollständig im Gold der Durrah getaucht. Mager wirkten ihre Gesichtszüge und langsamer wurde ihr Atem. Wären da nicht Farids Hilfe, wäre da nicht Cebrails Hilfe, dann hätte sie sich vermutlich schon im Reich der All-Mara eingefunden.

Die Khaliq spürte aber auch die Veränderungen an sich selber und an Saqat, an, der ohnehin etwas merkwürdig zu sein schien. Manchmal wirkte es auf sie so, als steckte mehr hinter dem Sandgeist, als sie bisher wusste. Die Verbindung zwischen den Beiden, entstanden durch Blut, genährt durch die dunkle Absicht des Sandgeistes, die immer stärker und präsenter wurde, bis die Einsicht die Khaliq überkam. Saqat würde vergehen und auch sie, sollte sich nicht bald etwas ändern. Wer weiß schon, was es war, was Asahi auf die wahnwitzige Idee brachte, diesen letzten Versuch zu starten. Vielleicht Hoffnung, vielleicht ein letzter, absurder Versuch der Rettung, vielleicht verlor sie aber auch langsam den Verstand.


Sie streckte Saqat die Hand aus. Nahezu wortwörtlich und es herrschte Stille. Ausharren. Abwägen? Bis sie die Stimme erhob, vorsichtig, sie mit ihren 'wahren' Namen ansprechend.


»Dahye... wir beide werden nichts gewinnen. Nicht du. Nicht ich. Nur Staub bleibt zurück und wir beide verlieren.«

Der Sand hielt inne, bis sich die Silhouette der vergangenen Natifah formte. Schleierhaft, von Schatten und Sand noch immer weitestgehend verborgen. Eine Unruhe zuckte durch die Gestalt, gar als würde sie einen Moment selber mit sich kämpfen.

»Ich bin Zorn. Ich bin Verlust. Ich bin der Schmerz derer, die verraten wurden. Genau zu dem hat man mich gemacht und ich werde Rache üben.«

Noch immer klang die Stimme des Sandgeistes wie Sand zwischen den Zähnen und doch glaubte Asahi weiterhin auch den Schmerz von Trauer und Verlust zu hören, verborgen unter der viel zu mächtigen Präsenz der Wut. Die Khaliq deutete ein Kopfschütteln an. Beschenkt mit surrealen Optimismus glaubte sie, dass sie Saqat einfach nur an ihr altes "Ich" erinnern musste - oder es war einfach reine Verzweiflung. Dass es auch für sie Hoffnung gab, wenn sie erstmal überwunden hatte, was ihr damals geschehen war. Sie schien in diesem Bezug nicht anders als ein ruheloser Geist, der keine Ruhe finden würde, ehe er nicht seine letzte Aufgabe erledigt, oder seinen Frieden gefunden hatte.

»Du bist mehr. Du bist wie ich. Eine Natifah, die gesehen werden will. Gehört werden will. Geliebt werden will. Bleib bei mir, sei ein Teil meines Lebens. Lebe mit mir ein Leben in einer Familie, in Liebe zu jemanden, in Frieden. Du könntest an all den Dingen teilhaben, die dir damals verwehrt wurden. Frieden und Ruhe finden.«

»Koexistenz?«

Kaum mehr als ein Flüstern war es, das von der Sandgestalt ausging, wie ein Raunen des Windes, der den Sand auf den Dünen aufwirbelte. Da war etwas Lauerndes in der Stimme, ein dunkler Schatten, welcher der Khaliq nicht entging. Sie war zwar optimistisch, aber nicht dumm oder zu naiv.

»Wir werden einen Weg finden, ohne Kampf. Ohne dass wir am Ende beide vergehen, denn das ist es, was uns passieren wird, wenn wir so weiter machen.«

Erneut herrschte Stille, fast so, als würde Saqat sich die Zeit nehmen und nachzudenken, während Asahi in Erwartung ausharrte. Die junge Khaliq hatte bereits im Hinterkopf, dass der Sandgeist diese Geste ausnutzen könnte, vielleicht nur darauf warten würde, dass sie irgendwann ihre Verteidigung außer Acht lassen würde, aber so einfach würde sie es ihr nicht machen.

»In Ordnung.«

Erklang es schließlich und die Gestalt von Saqat zerfloss wieder zu wirbelnden, goldenen Sand und Schattenschleiern, die sich nun ruhend um die Bergkapelle legten. Sie ruhte, für den Moment. Schöpfte Kraft, für ihre nächsten Schritte, während die Khaliq endlich wieder durchatmen konnte. Ohne ihre Vorsicht fallen zu lassen, ohne nachlässig zu werden, aber... sie erwachte wieder. Ein trügerischer Frieden, für den Moment. Kein Frieden, eher ein Waffenstillstand, der genutzt wurde, um die jeweiligen Ressourcen wieder aufzufüllen.

Wie viel Zeit war nur vergangen?
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Asahi Sada Ryzan
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Registriert: Sonntag 23. Juli 2023, 13:11

Beitrag von Asahi Sada Ryzan »

Ein Tag nach ihrem Erwachen werden Besucher recht schnell feststellen können, dass das provisorische 'Schlaflager' im Erdgeschoss des Tempels verschwunden scheint. Auf Nachfrage bei den Tempelwachen hin, werden jene erklären können, dass die Khaliq erwacht sei und sich in den Händen ihrer Familie befinden würde, um sich weiter zu erholen.

An den Erhabenen, sowie die anderen Khaliq des Tempels ergehen handschriftliche Botschaften von Asahi selber. Die Nachrichten enthalten zu einem die Bestätigung über das Wohlergehen der Khaliq, sowie die Übermittlung, dass der Sandgeist allerdings noch existieren, jedoch ruhen würde. Sie selber würde sich entweder im Familienhaus oder dem Tempel aufhalten, falls man sich mit ihr Unterhalten wollen würde.
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