*Ein Bericht wird auf den Schreibtisch des Sajneen gelegt. Neben dem üblichen Siegel der Armee ist ein Siegel angebracht, das auf die Wichtigkeit des Schriftstücks verweist und noch ein zusätzliches Siegel, das auf die Eiligkeit des Inhaltes hindeutet*
Salam Aleikum,
ehrenwerter Sajneen.
Gestern, am 30. Ashatar 263, hat sich folgendes zugetragen:
Um die achte Abendstunde habe ich mich zur Durchführung eines außerordentlichen Wachgangs entschieden, nachdem mir ungewöhnlich viele aus der Kanalisation fliehende Ratten aufgefallen waren.
Am Hauptplatz vor der Kaserne traf ich nach kurzer Zeit auf meine Cousine, die Prehaatim Maheen Yazir. Sie hatte, wie auch ich, eine ungewöhnliche Beobachtung von Maras Schöpfung zur Sorge bewogen: Die Singvögel in der Oase des Palastes hatten aufgehört zu singen. Besorgt von den Zeichen stießen im Laufe nur weniger Augenblicke immer mehr Bürger der goldenen Stadt zu uns.
Von wachsender Sorge getrieben beschlossen schließlich folgende Menekaner, an der Grenze nach dem Rechten zu sehen:
Sahid Ibrahim Yazir, Jijkban der Janitschare
Sabri Azeezah, Akemi der Janitschare
Maheen Ayat Yazir, Prehaatim des Tempels
Ashok Bashir, Prekhaliq des Tempels
Fahd Aziz Ifrey, Shojen des Leviathan
Aliza Inaya Bashir, Hakim des Maristan (im Felde)
Zur achten und einer viertel Stunde brach die Gruppe in Richtung der Grenze auf. Auf halbem Weg hielten wir inne, weil ein Beben aus der Ferne deutlich zu verspüren war. Wir entschlossen uns zuerst weiter zur Grenze zu marschieren und im Zweifel rasch in die goldene Stadt zurückzukehren.
An der Grenze angekommen bemerkten wir keine ungewöhnlichen Aktivitäten. Als wir schon zurück nach Menek'Ur kehren wollten, hörten wir einen lauten Knall aus der Richtung von Berchgard. Da dies genau die entgegengesetzte Richtung zur goldenen Stadt von unserem derzeitigen Standpunkt aus war, beschlossen wir, den Kindern der Tochter im Osten zu Hilfe zu kommen. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir das Ausmaß der Katastrophe jedoch nur erahnen.
Der Weg führte uns am Fischerdorf Bajard vorbei zuerst zum Westtor der Stadt Berchgard. Kurz vor Berchgard begegneten wir einer Gruppe Menschen. Ich erkannte Leandra Kalveron und Andra Amaryll. Die Grünländer wirkten abgehetzt und in Eile, sie warnten uns, dass das Westtor Berchgards geschlossen sei.
Dort angekommen machten wir uns selbst ein Bild der Lage.
Das Mithrilgatter der Stadt war heruntergelassen und versperrte und den Zugang von dieser Seite. Die Stadt auf der anderen Seite des Tores war von roten, kristallartigen Wesen überrannt worden. Zu diesem Zeitpunkt war noch neda umfassend ersichtlich, ob und wie viele Bewohner der Stadt zuvor hatten evakuiert werden können.
Die Kreaturen jedenfalls waren feindselig, dies war auch aus größerer Entfernung zweifelsfrei zu erkennen. Akemi Sabri brach in Eigeninitiative zum Durchgang der Kaluren außerhalb der Stadt auf, welchen er verschlossen vorfand. Wir entschlossen uns, den Weg in Richtung des Osttores der Stadt fortzusetzen.
Auf halbem Weg stießen wir auf eine größere Ansammlung Grünländer. Diese teilten uns mit, dass eine Zusammenkunft in der Nähe des Blutdenkmals vor der gefallenen Stadt Varuna einberufen worden war. Wir zogen dementsprechend weiter zum Blutdenkmal, wo wir auf eine große Gruppe Liedwirker und Priester aller Völker, sowie Ritter und Menschensoldaten des Ostreichs trafen. Wir ordneten uns in die vorhandenen Strukturen so gut es möglich war ein und bezogen um die Liedwirker herum Stellung. Den Oberbefehl hatte zu jenem Zeitpunkt Helisande, die Tochter des Gipfelsturms. Sie ist seit Jahr und Tag eine geschätzte Freundin unseres Volkes, gerne schlossen wir uns in Zeiten der Not ihrem Kommando an.
Nachdem eine ganze Weile lang nichts geschah, machte sich auf eine Ansprache Helisandes hin ein großer Teil der Anwesenden, darunter die menekanische Abordnung, auf in Richtung nach Berchgard und Adoran, wobei zu diesem Zeitpunkt neda ganz klar schien, wohin der Marsch genau gehen sollte.
Die menekanische Abordnung folgte dem ursprünglichen Plan und marschierte weiter zum Osttor der Stadt Berchgard. Dort angekommen sahen wir, dass die Tore an dieser Stelle durchbrochen waren und wagten, unterstützt von einer Handvoll Verbündeten des Grünlandes und eines mir unbekannten Thyren den ersten Vorstoß gegen die rötlichen Kristallwesen.
Der erste Kontakt war wuchtig und schnell, die Kreaturen waren von beachtlicher Stärke und Geschwindigkeit. Zwar konnten wir ihnen im Kampf die Stirn bieten, doch wann immer wir eine Kreatur niederschlugen, schienen zwei neue für sie nachzufolgen. Tötete man sie, zerfielen sie in kleine, rote Kristallsplitter. Sie waren anfällig gegen das Feuer unserer Waffen und in ihrer Gestalt erschienen die Feinde sowohl in abstrakten Formen wie Golems und fliegenden Splitterwesen, als auch in den Formen der Tiere des Waldes. Selbst riesige rote Kristallskorpione stellten sich uns wie zum Hohn in den Weg.
Wir kämpften etwa eine Viertelstunde mit den wenigen Verbündeten an unserer Seite, als ich erstmals einen geordneten Rückzug befahl. Ein weiterer Kampf ohne zusätzliche Verbündete hätte zu diesem Zeitpunkt keinen Sinn gemacht. Gerade als wir uns fragten, ob überhaupt noch weitere Truppen eintreffen würden, erschien das gesammelte Heer unserer grünländischen Freunde, begleitet von Söhnen und Töchtern der Thyren und der Elfen. Kaluren habe ich keine gesehen. Die anschließenden Kämpfe, diesmal mit vereinten Kräften, dauerten etwa eine weitere Viertelstunde an, als vom Norden her Truppen des Brudermörders zu uns stießen. In Ihrer Begleitung konnte ich auch eine kleine Horde Blauhäute ausmachen, doch die Situation war zu unübersichtlich, um genaueres hierzu wiedergeben zu können.
In der folgenden Diskussion mehrerer Würdenträger beider Seiten hielt sich die menekanische Delegation zurück. Wäre es jedoch zum Gefecht mit den Ketzern gekommen, hätte das Banner des Reichs der Sonne jederzeit mit mehr als ausreichender Durchschlagskraft zuschlagen können.
Das diplomatische Durcheinander wurde vom Erscheinen eines dunklen, rauchartigen Wesens unterbrochen. Ich habe neda jedes Detail mitbekommen, doch scheint klar zu sein, dass dieses Wesen
die Kristallkreaturen zu befehligen scheint,
die Zerstörung Berchgards zu verantworten hat,
ebenso die Vorkommnisse der letzten Wochen in Bezug auf die Gesichtslosen, das Vergessen und
neda zuletzt den Riss am Firmament.
Als das Wesen zu uns sprach, habe ich im wesentlichen folgendes verstehen können:
1. Alle Völker hätten die Wahl gehabt zu vergessen.
2. Wir sind selbst schuld an allem was kommt, weil wir einen "Verräter" neda ausliefern.
3. Die Welt wird aufgehen im Nichts und die Götter können uns neda schützen
Das Überbringen des "Verräters" scheint jedoch das dringlichste Anliegen der Kreatur zu sein, denn zwischen all seinen Drohungen und wirren Einlassungen zum "Nichts" und wie "wertlos und störend unser aller Existenz sei", war die Auslieferung des Verräters die einzig klar formulierte Erwartung, aus der ich eine praktische Handlung ableiten kann.
Nachdem das Wesen verschwunden war ordnete ich nach Rücksprache mit den Anwesenden unseren Abzug an und teilte dies auch der ehrenwerten Ritterschaft der Grünländer mit. Etwa zur zehnten und einer halben Stunde der späten Nacht kehrten wir zurück in die goldene Stadt Menek'ur.
Abschließend möchte ich folgendes bemerken:
Alle oben genannten Anwesenden,
egal ob Janitschar, Priester oder Hakim
haben an diesem Tag mit ihrer Entschlossenheit, Kampfkraft vor allem aber Einigkeit im gemeinsamen Vorgehen
ihren Familien, ihren Institutionen und dem Reich selbst große Ehre gemacht.
Ich bis stolz, mit ihnen Seite an Seite gekämpft zu haben, auch wenn wir an jenem Abend sieglos abziehen mussten.
Immerhin gab es auf menekanischer Seite keine Verluste zu beklagen und wir können aufrecht behaupten, alle Bündnisse und Versprechen in der Stunde der Not treu erfüllt zu haben.
Einschätzung zum Abschluss:
Es sollte unser dringlichstes Anliegen sein, den "Verräter" zu identifizieren und wenn möglich zu ergreifen.
Zum einen ermöglicht uns dies, mit dem Wesen aus dem Rauch in Verhandlung zu treten.
Zum anderen muss der "Verräter" selbst ein Wesen von großer Macht sein, wenn das Nichts neda in der Lage ist, ihn oder es selbst zu ergreifen.
Abeer Eluive!
*schwungvoll unterzeichnet*
