Die Arme noch völlig erschöpft von den ganzen Arbeiten in Sturmouve, streckte sie sich genüsslich vor einem der Feuer in der Umgebung Bajard's.
Gewohnheiten sollte man nicht ändern, und ab und zu auch eher zu alten zurückfinden.
So hatte sie also einige Tage den warmen und sicheren Platz im Hause Neralons verschmäht, hatte ihm eine Nachricht hinterlassen, und war in die vertraute Umgebung zurückgekehrt.
Wenn du mich suchst,
ich bin in Bajard.
L.
Jeden Abend wartete also ein anderes der knisternden Holzscheite auf sie.., jeden Abend konnte man anderen Menschen und Erzählungen begegnen, Tieren die sich unerwartet nah an einen heran trauten, und manchmal sollte man auch völlig erholsam schlafen.
Dass sie heute Nacht ausgerechnet von Heinrik träumte, war so nicht angedacht gewesen und langsam hatte sie es auch satt, dass er sich bis in das Unterbewusstsein schlich, sie immer wieder aufsuchte und einholte.
Die zufälligen Begegnungen machten es auch nicht besser.., und auch von Temora hatte sie mehr erwartet als ein solches Schicksal.
Als sie das nächste Mal erwachte, war es leider noch nicht wieder Morgens, so wie sie sich erhofft hatte, doch eine Frauenstimme hatte ihre Aufmerksamkeit erhalten, und so war sie früher oder später aus dem Traum der Vergangenheit aufgeschreckt und hatte sich aufmerksam umgesehen.
Auch eine Männerstimme war zu hören, rau, fordernd.. nicht mehr so jungs wie die der Frau.
Dann konnte sie plötzlich einen der beiden erkennen.
Eine recht kleine, junge Frau, die Haare strähnig an der Stirn und zu den Seiten bis zu den Schultern reichend.
Ihre Hand wanderte zu ihren eig'nen wild durcheinander liegenden, feuerroten Wellen... sie waren trocken.
Das sie schwitzte und scheinbar irgendetwas sie hinter sich herzog, ließ die Kriegerin aufschrecken und sie erhob sich sogleich.
''Hey!'', rief sie hinüber.
''Brauchst du Hilfe??'',fügte sie etwas lauter hinzu.
Das blonde Mädchen riss den Kopf herum und sah aus panischen Augen zu ihr, doch entgegnete sie nichts.
Noch schnell den Schwertgurt umgebunden ging sie zielstrebigen Schrittes auf die beiden zu.., und nachdem sie näher gekommen war erkannte sie auch die andere Gestalt.
Die schwarze Kaputze verdeckte das meiste seines Gesichtes, doch ein grauer Kinnbart lugte hervor.
Sie hatte keine Ahnung wer er war, doch die Tatsache dass er das Mädchen am Arm gepackt hatte, gefiel ihr nicht.
Die dunkle Robe die er trug zuckte unter seinen Bewegungen und er versuchte den Blondschopf weiter mit sich zu ziehen.
''Habt ihr die Wörter verschluckt, oder was ist los?'', herschte sie die beiden an.
Der Blick den sie dafür erntete, ließ ihr einen kalten Schauer über den Rücken laufen, das Mädchen hingegen schüttelte lautlos den Kopf.
-Geh!- 'schienen ihre Augen ihr zuzurufen, doch tatsächlich hatte sie schon vorher entschieden, sich nicht von der Stelle zu rühren.
Fast als hätte er den Gedanken des Mädchens vernommen, vernahm man die tiefe und fast unheilvolle Stimme.
''Nein, sie wird nicht gehen.., aber vielleicht möchte das lose Mundwerk uns begleiten?''
Lym verengte die Augen.
''Loses Mundwerk??, weil ich jemanden, offensichtlich zu schwachem helfen möchte?''
''Doch besser eine große Klappe, als so ein Grobian!! Lass sie los'', sprach sie und griff nach ihrem Schwertknauf.
''Dass du eine Dunkelheit in dir trägst, spürte ich bereits als du noch nicht ganz bei uns warst,
doch wenn man sie zu sehr hinaus lässt..,
muss man auch mit den Konsequenzen leben.
Sie wird mich heute begleiten, doch ich werde sicher nicht vergessen, dass du es warst, die mich versuchte davon abzuhalten.''
Noch während sie zu verstehen versuchte, was er ihr sagen wollte,
hatte er die Kaputze etwas angehoben und suchte den Blick der Rothaarigen.
Sie konnte kaum die Augenfarbe des Fremden erkennen,
denn eine Taubheit in ihren Beinen und der Blick, der sich immer weiter verschleierte,
lenkten die Aufmerksamkeit zu sehr auf ihren eigenen Körper.
-Was tat er mit ihr?-
Sie taumelte.., und unsanft landete sie auf ihrem Rücken.
Der Aufprall erschütterte ihre Lungen und nur schwerlich konnte sie nach einigen Augenblicken einen Atemzug tun.
Dass sie nichts sehen konnte ließ sie einen Moment in Panik geraten, ehe sie aber tatsächlich das Bewusstsein verlor und auf dem kälter werdenden Boden zurückblieb, bis der berobte Mann sicher davon gekommen war.