Rad der Zeit - Von gebrochenen Fingern und heilenden Herzen

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Syrius Rundhammer

Rad der Zeit - Von gebrochenen Fingern und heilenden Herzen

Beitrag von Syrius Rundhammer »

Spät war es gestern Abend geworden. Viel zu schnell schienen die Abende nun zu vergehen. Lange schon hatte er sich nicht mehr so gefühlt. Zu sehr hatte er sich im letzten Jahr auf seine Arbeit konzentriert. Seitdem er damals aus Düstersee weggezogen war, hat sich so viel verändert. Das hatte er wohl auch.

4 Tage war es her, er war mit seinen Pferden, voll beladen mit Holzscheiten, aus dem Wald gekommen, direkt bei dem Bauernhof, an dem er schon so oft vorbeigekommen war. Diesmal war jedoch eine Person vor der Türe. Blond, recht jung schätzte er. Er sprach sie an, ob sie wohl zu dem Hofe gehöre. Bei genauerer Beobachtung eine etwas unnötige Frage, so stand sie doch ohne Mantel vor der Türe. Die Antwort war kess. Nicht auf den Mund gefallen die Dame, das gefiel ihm. Er kaufte Federn bei ihr, zumindest die paar, die sie noch hatte.

Tags darauf, er hatte wieder einmal den Laden geöffnet und den ersten Schwung Kundschaft versorgt, stand sie wieder vor ihm. Die Bäuerin vom Tag zuvor. Rotes Kleid, ein weißes, schulterfreies Hemd und eine Weste wie ein Korsett. Ihre grünen Augen blickten zu ihm und fragten wegen einer Maßanfertigung direkt an ihrem Hof, damit die Essecke auch ideal passe.

Fleißig und hilfsbereit wie eh und je packte er einige Bretter und Materialien auf den Gaul und machte sich mit ihr direkt auf den Weg. Frech war sie und traf genau seinen Humor. Diese Mischung aus Sarkasmus und nicht ganz ernst gemeinten Sticheleien. Manchmal fragte er sich, wie dieses hübsche Gesicht solch Humor von sich geben kann.

Doch da war auch eine andere Seite an ihr. Etwas düster, verschreckt und distanziert. Die Brandnarbe an ihrem Unterarm hatte er schon gesehen. Aber die Narben waren nur Oberflächlich und seiner Auffassung nach nicht so gravierend, wie die innere Narbe. Die auf ihrer Seele, die ihr tun beeinflusst und sie immer wieder zu falscher Vorsicht rät. Als er die Sitzecke in der Küche mitsamt des Küchenschranks fertig hatte, half er ihr, diesen auch noch an seinen Platz zu stellen. Plötzlich ein leises „Au“. Er schaut zu ihr. Sie hält die äußeren Finger ihrer rechten Hand. Er blickte genauer hin, es wurde schnell rot und dick. Er Tollpatsch, hätte er aufgepasst, wäre nichts passiert. Schnell eilte er zu ihr, um die Hand im Wasserbecken zu kühlen.

Am nächsten Abend ging er erneut zu ihr, um nach der verletzten Hand zu schauen und sich mit einer kleinen Aufmerksamkeit zu entschuldigen. Er hatte gerade von einer Kundin besondere Süßigkeiten bekommen. Die wollte er mit ihr teilen. Die Hand sah aber noch nicht besser aus, eher im Gegenteil. Rot-blau und dick geschwollen. Aber die Süßigkeiten kamen gut an. Auch scherzten sie miteinander. Trotzallem fühlte er sich für ihre Verletzung verantwortlich, auch wenn sie die Schuld ganz auf sich nahm. Die Gespräche wurden persönlicher, sie erzählte von ihrer Vergangenheit. Schlimmes war ihr wiederfahren, Dinge, die kein Mensch erleben sollte. Grölende Wut stieg in ihm auf, zeitgleich Mitleid und noch ein Gefühl… eines ganz tief drinnen, was er noch nicht richtig zuordnen konnte. Der Abschied an diesem Abend fiel ihm seltsamer Weise auch schwer. Er mochte sie. Das hübsche freche Fräulein. Und nicht so, wie er seine Schwestern mochte oder eine gute Freundin… da war wohl mehr.

Der nächste Tag war stressig. Viele Kunden und am Abend wollte er noch einen Auftrag in Berchgard erledigen. Natürlich vergaß er die Hälfte des Materials und musste nochmals nach Bajard eilen. Auf dem Heimweg ging er diesmal aber einen Umweg. Nicht durchs Westtor und dann am Kloster vorbei nach Bajard, sondern über das Osttor nach Süden, an Adoran vorbei. So kam er wieder an dem Hof der hübschen Bäuerin vorbei. Diesmal hatte er von zu hause Bonbons mit Karamell mitgebracht. Als sie ihm die Tür öffnete machte sich ein seltsam warmes Gefühl im Magen breit. Der Heiler war ebenso dort, der sich wohl endlich ihre Hand hat ansehen können. Er hatte sie geschient und verbunden. Diesmal führte Cassandra ihn durchs Haus und sie ließ sich in der Küche von ihm mit der aufgewärmten Suppe füttern. Er war ihr nah… auch seine Gefühle unterstrichen das. Er mochte sie sehr. Das zaghafte Reh, das nicht auf den Mund gefallen war. Die Gespräche genoss er, sehr persönlich, voller Gefühle, mit ersten Berührungen, Streicheln… Sie schien seine Zuneigung zu erwidern. Der erste Kuss… wie weich ihre Lippen sich anfühlten, samtig und warm. Dieser Abend verging fast wie ein Wimpernschlag. Schon war er an der Türe und musste ihr für 2 Wochen auf bald sagen.
Sie musste persönliche Dinge klären.

Und jetzt sitzt er da. Seine Werkstatt noch leer, die ersten Sonnenstrahlen fallen durch das Fenster. Er fühlt sich noch berauscht von der letzten Nacht. Sachte fährt er sich mit der Zunge über die Lippen, ihren süßen Geschmack in Erinnerung rufend, das Gefühl spüren. Vor ihm steht ein Stamm. Das bläuliche Holz glänzt sehr leicht im Schein der ersten Sonnenstrahlen. Syrius mustert das Holz...scheint es zu hypnotisieren, dabei beginnt er in seinen Gedanken es zu bearbeiten, die perfekte Form zu sehen… Sie zu sehen. In dieser Nacht wird es Neumond sein, also noch 2 Wochen… 2 Wochen bis er sie wieder sehen kann… 2 Wochen bis er es bearbeiten kann. Mögen die 2 Wochen verfliegen, so wie es die letzten Tage taten.

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Zuletzt geändert von Syrius Rundhammer am Freitag 2. September 2016, 13:15, insgesamt 2-mal geändert.
Syrius Rundhammer

Beitrag von Syrius Rundhammer »

Die Augen zur Decke, lag er wach in seinem Bett. Er war müde, konnte aber den Schlaf nicht richtig finden. Seine Gedanken schwirrten umher und rezitierten den vergangenen Tag.

Der Alltag kam schnell an diesem Morgen, die erste Kundschaft, dann Materialbeschaffung im Wald. Die Gedanken konnte er aber irgendwie nicht auf die Arbeit fokussieren. Immer wieder sah er Cassandra vor sich, roch sie sogar.

Am Abend besuchte er sein “Projekt”. Das Schiff auf La Cabeza. Die Arbeiten waren schon weit vorran geschritten. Es lag mittlerweile im ersten Wasser, damit die Dichtheit geprüft werden konnte. Er musterte die Arbeiten, die die Dockarbeiter in den letzten Wochen gemacht haben. Prüfend sah er auch nach, ob es möglicherweise Ungezieferbefall geben könnte. Aber alles war in Ordnung. Keine kleinen Löcher im Holz und außer einer Pfütze, die aber von einem Arbeiter stammte, der einfach dort hin gepinkelt hatte, auch keine Lecks.
Der Captain kam ebenso… schließlich sollte es eine Besprechung der Arbeiten und der weiteren Planung geben. Doch die anderen hatten sich wohl in irgendwelchen Bars und Spilunken festgesoffen. “Typisch!” dachte er so bei sich.

Wieder in Bajard angekommen schlenderte er zu seiner Werkstatt. Er trat ein, ging hinter die Theke, schnappte sich den Besen und fegte den Holzstaub und die Hobelspäne in die Ecke. Kaum hatte er die Holzscheite und Äste aufgeräumt blickte er auf den Holzstamm, der noch immer wartend neben der Werkbank stand.

Du wirst wunderschön werden und einen besonderen Menschen glücklich machen” sprach er und ließ sich seufzend in seinen Stuhl fallen. Nachdenklich starrte er die Wand an.
Wie war das alles passiert? Wie hat es diese junge Frau nur geschafft, ihm so den Verstand zu rauben? Wollte er doch die Finger von Frauen lassen und sich auf seine Arbeit konzentrieren.

Plötzlich wurde er aus seinen Gedankengängen gerissen. Alecia kam die Tür herein, lehnte sich neben ihn an die Werkbank und fing an ihn aus zu fragen, was er die letzte Zeit so gemacht habe. Leider kannte sie ihn zu gut und war auch die Einzige in der Familie, die immer alles aus ihm herausbekam. Also erzählte er ihr von den Kunden, die er bedient hatte, die besondere Kundin versuchte er möglichst schnell zu überfliegen, damit sie nicht möglich noch mehr zu fragen beginnt. Doch all die Taktik war umsonst. Alecia hatte die Lunte gerochen. Also erzählte er ihr von der Kundin, die ihm nun so im Kopf herum schwirrt. Alecia meint, dass sie sich für ihn freut, da er wieder glücklich aussieht und sie woll unbedingt das nächste mal mitkommen, damit sie die Dame kennenlernen könne.

Da das Thema nun geklärt zu sein schien, machte er sich dran, ihr zu zeigen, wie man einen Schaft aus dem Holz schnitzt und erklärte ihr die einzelnen Holzarten und ihre Eigenschaften.


Nun waren es noch genau 14 Tage, bis er den Stamm bearbeiten konnte und ebenso lange, bis er seine “Besondere Kundin” wieder sehen konnte, sie in den Arm nehmen konnte, sie küssen konnte. Dann fielen ihm die Augen zu.

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Alecia Rundhammer
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Registriert: Donnerstag 7. Januar 2016, 23:04

Beitrag von Alecia Rundhammer »

*die Arme schlangen sich um ihre Beine welche sie nah an ihren Körper gezogen hatte. Der Blick verweilte auf der weiten See und ein seichtes Schmunzeln umspielte die Lippen. Eine sanfte Brise ließ das lange, schwarz gelockte Haar um ihre Silhouette tänzeln.*

Faszinierend was dieses Gefühl mit einem anstellt, faszinierend wie die Augen so an Leuchtkraft gewinnen können und wie die Ausstrahlung und gleichsam die Verträumtheit zunimmt. Auch wenn sie selbst solch Gefühle noch nie hegte, so war es mehr als ersichtlich wie sehr diese ihren Bruder wie ein Konkon umhüllten. Ihre Schwester war zu weitaus mehr und schnellerer Begeisterung fähig als sie selbst, daher kannte sie dieses aufleuchten in den Augen nur zu gut. Dies war eben auch jenes welches ihn verriet, welches ihre Aufmerksamkeit weckte. Nie und nimmer hätte sie einfach so stillbei gegeben. Nein! Da war etwas was über seine Lippen sprudeln wollte, jene Lippen welche er versuchte kontrolliert unter Verschluss zu halten. Und als sie ihm nach und nach die Antworten aus dem Munde zog, wurde das Bild immer klarer. Das also war diese Kundin, das also war das was er versuchte zu verheimlichen!

Natürlich hatte sie nicht stillschweigen bewahren können, sie musste es Feli erzählen. Wie um himmelswillen könnte sie so ein wichtiges Detail auch auslassen?
Außerdem mussten Kleider eingekauft werden, für den Besuch....das zumindest hatte Feli entschieden. Also würde wohl bald ein Besuch anstehen, ein Ereignis welches mit Sicherheit alles andere als langweilig werden würde.

*die Hand wanderte über das Gesicht, die Fingerspitzen streiften die Haut während sie sich einige der Strähnen hinter das Ohr klemmte. Dann erhob sie sich, der Hahn begann sein morgendliches Ritual zu vollziehen, die Sonne ging langsam auf und durchbrach die Linie am Ende des Meeres. Die Vögel begannen zu zwitschern und ihr eigener Weg führte in den Garten um dem Tagewerk zu folgen.*
Zuletzt geändert von Alecia Rundhammer am Samstag 3. September 2016, 01:13, insgesamt 1-mal geändert.
Syrius Rundhammer

Beitrag von Syrius Rundhammer »

Die Schwüle der Nacht war verzogen, die Sonne aber würde noch etwa einen Stundenlauf brauchen bis sie aufgehen würde. Syrius steht vor der Puppe und drischt mit seinen Fäusten auf diese ein. Sein tägliches Training, wie immer Oberkörper frei.


Die letzten beiden Tage vergingen im Flug, es passierte auch so viel. Vorgestern ging er wieder in den Wald, aber eher um Federn von Vögeln zu sammeln. Dazu kletterte er auf die Bäume und nahm sie aus Nestern, oder suchte an der Erde. Als er den Waldrand erreichte, nah bei Cassandra’s Hof war es schon Nacht geworden. Er schlenderte an ihrem Hof entlang und blickte eher beiläufig auf das Bauernhaus. Aber in den Fenstern brannte Licht. Er überlegte kurz.

Cassandra sollte doch schon auf dem Weg sein. Oder bereits angekommen, wohin sie zu reisen hatte, oder? Eigentlich wusste er nicht einmal, wie weit die Reise eigentlich geht.

Er klopfte an der Tür, trat einen Schritt zurück und erwartete, die Magd anzutreffen.


Doch nicht die Magd öffnete die Tür, sondern Cassandra uns blickte ihr erfreut mit ihren grünen Augen an. Sie hatte Besuch, aber der verschwand recht schnell wieder, um den Abend in einer Taverne ausklingen zu lassen. Das Pärchen nutzte die Zeit und kuschelte vor dem Kamin auf dem Sessel. Als Cassandra in seinem Arm eingeschlafen war, brachte er sie hoch in ihr Bett, legte sie hinein und küsste sanft ihre Stirn.


“Gute Nacht meine hübsche freche Bäuerin”


Dann ging er hinaus und nach Bajard in sein eigenes Bett.


Der nächste Tag war wieder Routine. Kunden, Material beschaffen und Abends musste die Werkstatt aufgeräumt und gereinigt werden. Er blickte verträumt umher und dachte an den gestrigen Abend.

Noch 12 Tage, bis er das Holz bearbeiten konnte.
Cassandra Menderis

Beitrag von Cassandra Menderis »

Schon eine ganze Weile lag sie nun schon in ihrem Bett und starrte auf die Decke über ihr. Immer und immer wieder ging sie den Abend und die letzten Tage in Gedanken durch während ihr Herz dabei wie ein kleiner Kolibri flatterte. Wie hatte es nur soweit kommen können?

Vor ein paar Tagen fing es an…
Sie hatte gerade den Text auf ihrem Ladenschild angepasst und stand ein paar Schritte vor der Haustür um zu sehen, ob es auch wieder gerade hing, da kam er mit seinen Pferden aus dem nahe gelegenen Waldstückchen und fragte doch tatsächlich "Entschuldigt, gehört ihr zu diesem Hof?" Heiliger Phanodain… schenke ihm Weisheit! Wahrscheinlich war es ihrer bis dahin schlechten Laune zu verdanken gewesen, dass sie beschloss den armen Mann etwas zu foppen.
"Hmmm… lasst mal überlegen! Ich stehe ohne Mantel direkt vor diesem Haus, klopfe oder klingle aber nicht. Also, was denkt ihr?" Sein verdutzter Gesichtsausdruck ließ sie schmunzeln und sie hatte fast schon Mitleid mit dem ärmsten. "Aber gut, es ist ja Sommer und noch warm, da braucht man ja keinen Mantel!" wollte sie versöhnlich einräumen, als ihr Blick auf seinen festen Ledermantel fiel. Ups! Das war wohl eher ein Eigentor. Der hoch gewachsene Mann mit gepflegtem Bart und den langen zusammen gebundenen Haaren schmunzelte daraufhin doch tatsächlich. Verdammt, er hatte das Eigentor bemerkt und die Lachfältchen um seine Augen bildeten sich zeitgleich mit einem freundlichen Lächeln.
Auch sonst war er stets höflich und freundlich und man einigte sich vergnügt auf einen Handel für eine Kiste Federn und dann war er auch schon wieder verschwunden. Und just als er außer Sichtweite fiel ihr ein, dass sie ja eh noch eine Sitzecke für die leere Ecke in der Küche wollte. Aber dass er sie "hübsches Fräulein" nannte, passte ihr gar nicht.

Und so führte sie ihr Weg am nächsten Tag schnurstracks nach Bajard wo sie sich zu seiner Werkstatt durchfragte. Dort angekommen konnte sie ihn direkt bei der Arbeit beobachten. Der arme Kunde vor ihr war sichtlich überfordert von den Fragen des Schreiners. "Welches Modell, glattes Holz oder noch mit Maserung der Bretter, welches Holz, welche Lasur" so prasselten die Fragen auf den armen Tropf ein, der diese Entscheidungen wohl auch noch zur Zufriedenheit seiner Holden treffen musste und somit fürchtete, bei falscher Wahl auch noch zuhause Ärger zu bekommen. Als sie nun an der Reihe war und ihren Wunsch vor brachte war recht schnell klar, dass er wohl mit zu ihr kommen müsste, da die Essecke natürlich angepasst werden müsste an ihre bisherige Einrichtung und glücklicherweise hatte er auch Zeit dafür.
Daheim angekommen wurden die Möbel perfekt eingepasst und zu ihrer Zufriedenheit wurde auch noch ein passender Küchenschrank gefertigt. Doch dann passierte es!

Beim schieben des Schrankes in dessen Ecke hatte sie die Finger nicht rechtzeitig weg genommen und so zwischen Schrank und Küchenarbeitsfläche eingequetscht und beim ruckartigen herausziehen vor Schreck sich noch Schürfwunden dazu geholt. Heilige Eluive… das tat verdammt weh und die Finger schwollen auch recht schnell an. Syrius packte ihre Hand und steckte sie ins Wasserbecken um sie zu kühlen. Das brannte wie die Hölle und am liebsten hätte sie angefangen zu weinen, aber sie konnte ja schlecht vor diesem Hühnen anfangen zu heulen wie ein kleines Mädchen also biss sie die Zähne zusammen und genoss das kühle Wasser an den pochenden Fingern. Das würde sich wohl bei Zeiten ein Heiler ansehen müssen.
Kurz darauf verabschiedete Syrius sich auch schon wieder und wollte eigentlich gehen, nicht jedoch, ohne sie nochmal "hübsches Fräulein" zu nennen! Dieser unbelehrbare … egal.

Am nächsten Tag kam er wieder zu ihrem Hof und meinte, er wolle nur mal nach ihr sehen. Offenbar gab er sich die Schuld an ihren lädierten Fingern und brachte exotische Süßigkeiten mit um sich wohl bei ihr zu entschuldigen. Also setzten Sie sich in die Küche und redeten und scherzten und genossen diese elfischen Köstlichkeiten, die er wohl als Bezahlung bekommen hatte im Tausch gegen ein paar gerahmte Bilder. Es war schön, mal wieder mit jemandem so ungezwungen Lachen zu können. Sie genoss seine Gesellschaft, aber ab und zu brachte er sie doch in Verlegenheit, zum Beispiel als er ihr den Milchbart abwischte, statt ihr einfach zu sagen, dass sie da weiß wäre. Aber wahrscheinlich war er das von seinen Schwestern nur so gewohnt und hatte nichts zu bedeuten… oder doch? Aber dann schwenkte das Thema in eine düstere Richtung.. die Narbe an ihrem Arm und wie sie dazu gekommen war. Trotzdem schaffte er es, sie aufzumuntern und ihr wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.
Irgendetwas hatte dieser Hühne an sich, dass ihr immer warm ums Herz wurde in seiner Gesellschaft und dieses Gefühl nahm deutlich zu. Aber wahrscheinlich tat es einfach mal wieder gut, hemmungslos zu scherzen und er schaffte es tatsächlich, dass sie ihren Onkel und seine Taten schnell wieder vergas und wieder mit ihm wie gewohnt scherzte. Vielleicht lag es ja auch an diesen elfischen Süßigkeiten, dass sie gleich wieder gute Laune bekam. Cassandra scherzte, dass sie vielleicht auch ein Bild von sich machen sollte, wenn sie mit Süßigkeiten bezahlen konnte. Schließlich war sie auch eine ganz passable Bäckerin. Aber das lehnte er entschieden ab, sie sei eher wie gemacht für eine Statue scherzte er. Auf einem Sockel mit einem Huhn in der rechten und einer Milchkanne in der linken würde er sie sehen meinte er. Er hingegen würde sich nur eignen für eine Statue wie Cirmias ihn schuf und mit einer Schnur versehen, die die Zunge raus strecken lies… heilige Temora… diese Vorstellung allein! Sie hatte schon lange nicht mehr so derart viel gelacht. Und auch er fühlte sich bei ihr offensichtlich sehr wohl, doch wie immer wenn man sich amüsierte verging die Zeit auch heute viel zu schnell und er verabschiedete sich wieder einmal. Wirklich sehr schade, aber wenigstens einigte man sich auf ein "du" bevor sie ihn zur Tür geleitete. Er "drohte" ihr sogar, dass er öfter mal vorbei sehen wollte. Welch "grauenvolle" Vorstellung. Sie würde sich sicher zu Tode lachen schmunzelte sie. Irgendwie wollten sich beide nicht so recht voneinander verabschieden und es dauerte noch eine ganze Weile die sie beide lächelnd an der Tür verbrachten bis er doch ging und sie ihm lächelnd durch das Fenster nach sah. Was für ein Mann.. Noch eine ganze Weile lag sie an diesem Abend im Bett und grübelte über ihn nach.

(to be continued...)
Syrius Rundhammer

Beitrag von Syrius Rundhammer »

Langsam steigt der orangerote Ball am Horizont auf. Die Strahlen fallen nur mühsam durch das kleine Fenster in der Werkstatt, die noch in der Glut der Esse orangegelb leuchtet. Das Knistern des Feuers im Herd ist kaum zu hören, da die Pfanne darauf fröhlich bitzelt und spritzt. Zwei Spiegeleier beginnen darin ihre Farbe aus dem durchsichtigen Glibber zu einem weißen Film zu verändern, das Eigelb hat eine schöne runde Form und thront organegelb darauf. Syrius steht mit einem Pfannenwender davor und wartet auf den Moment, dass das Eigelb beginnt zu stocken. Genau in diesem Moment nimmt er sie heraus und legt sie auf den Teller und geht zur Werkbank, um sein Frühstück zu sich zu nehmen. Eine Schreibe Brot, daumendick geschnitten, liegt bereits auf einem Holzbrett. Doch er scheint nicht ganz dazu sein. Sein blick ist leer und starrt auf den Teller, die Gedanken weit weg.... bei ihr.... seiner Cassandra...

Den letzten gemeinsamen Tag hatten sie beide genossen. Sie hatte vorgeschlagen an den Wasserfall bei Berchgard zu gehen... Syrius war verdutzt. So oft war er schon in Berchgard gewesen und daran vorbei geritten, hatte Holz gehackt... aber einen Wasserfall hatte er nie gesehen dort. Beide sattelten ihre Pferde und ritten los, dem Weg foilgend durch den Wald, an Adoran vorbei, an Kronwalden und auch am Eingang von Berchgard vorbei.

Kurz bevor die Brücke über das Flüßchen kam, stiegen sie ab, führten ihre Pferde in den Wald und banden sie fest. Dann liefen sie um den Fels des Berges herum am Fluss entlang und dann sah man ihn bereits. Prachtvoll plätscherte und rauschte das Wasser von oben herab. SIe gingen die Leitern und Stege bis zu dem Plateau direkt am Wasser, nur einen Schritt weiter und man würde die Spritzer abbekommen. Dot hockten sie sich hin. er auf den Boden, sie an ihn gekuschelt auf seinem Schoß.

Er genoss es, so hier zu sitzen, das Rauschen des Wassers, ihr herrlicher Duft in der Nase. Das Gefühl, wie sie sich an ihn schmiegte und dazu das wohlige Kribbeln des Glücks, was er verpürte. Erst als es schon dunkel war konnten sie sich aufraffen loszureiten. Er brachte sie noch zu ihrem Hof und verabschiedete sich sehnsüchtig bei ihr, um daraufhin in seine Werkstatt zu reiten und noch ein Auge zu zu bekommen.

Und nun sitzt er hier, vor den Spiegeleiern, Cassandra bereits unterwegs zu ihrer alten Heimat. Er betrachtet den Stamm in der Ecke. Noch 7 Tage. / Tage bis er bearbeitet werden konnte. 7 Tage bis es eine Form bekommt.

[img]http://stefanie-heitmueller.de/wp-content/uploads/2012/12/sonnenuntergang-irland-hochzeitsfotografin-stefanie-heitmueller-001-320x213.jpg[/img]
Cassandra Menderis

Beitrag von Cassandra Menderis »

Seufzend sah sie aus dem Fenster der Herberge hinauf zum Mond, welcher in seiner vollen Pracht den Nachthimmel erstrahlen lies.
Er war so wunderschön und doch so fern, genau wie ihr eigener Mond nun. Aber Sonne und Mond konnten nunmal nur kurz gemeinsam am Himmel stehen und so war von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen, was so wundervoll begonnen hatte. Aber wenn sie ehrlich wahr, hatte sie es von Anfang an gewusst, aber doch alles genossen, was ihr die Nacht geboten hatte. Und sie wahr trotz allem sehr dankbar für die einzigartigen Einblicke, die ihr diese Zeit geboten hatte. Nicht alles in der Nacht war böse, das hatte sie gelernt und sie hatte auch die Faszination gespürt, die den Mond in seiner wahren Form umgab. Vieles davon brachte sie auch heute zum Grübeln, aber vielleicht ergab sich noch die Möglichkeit, die geweckte Neugier zu stillen.

Aber ehrlicherweise musste sie zugeben, dass ihre Neugier ersmal ganz wo anders Aufmerksamkeit verlangte, denn sie dachte nur noch an Holz, blaues Holz um genau zu sein. "Es lässt sich nur bei Vollmond bearbeiten." hörte sie seine Stimme noch immer ehrfurchtsvoll in ihren Gedanken wieder hallen. Ob er wohl gerade ein solches Stück Holz bearbeitete? Und wenn ja, was er wohl daraus machte?
Sie ertappte sich andauernd dabei, wie sie an ihn dachte. Was er wohl machte, wo er wohl ist, ob er ebeso an sie dachte? Wahrscheinlich ging es ihm aber genauso, sie hoffte es zumindest.
Sie jedenfalls wäre viel lieber zu Hause und bei ihm, als diesem Ort wo sie alles an die Vergangenheit und somit an ihren verhassten Onkel erinnerte. Und gerade wo sich zarte Bande knüpften so eine Reise zu unternehmen war noch zusätzlich ärgerlich.

Als ihr Onkel starb, hatte sie als seine einzige Verwandte alles geerbt und von dem Geld aus dessen Nachlass die Überfahrt nach Gerimor bezahlt. Sie hatte damals keine Ahnung, wo das ist, oder was sie dort machen sollte, aber alles war besser, als auch nur noch einen Tag hier zu bleiben, wo sie ständig an ihn erinnert wurde.
Nur für das Haus hatte sie nicht so schnell einen Käufer finden können und so beauftragte sie den Notar damit, das Haus zu verkaufen.

Nun war endlich ein potentieller Käufer gefunden worden und sie hatte in ihre einstige Heimat zurück kehren müssen, um die Verträge für den Verkauf zu unterzeichnen. Sie konnte es gar nicht erwarten, dass der Laden und die darüber liegenden Wohnräume endlich einen neuen Eigentümer hatten und sie damit endlich mit diesem Teil ihrer Vergangenheit abschließen konnte.
Sie hatte nur sehr sehr wenig schöne Stunden in diesen Gemäuern verbracht und somit hing sie auch in keinster Weise an diesem Haus. Vielleicht konnte ein neuer Besitzer den Laden und den Rest des Hauses ja wieder mit Zufriedenheit und Lachen erfüllen. Sie wünschte es ihm jedenfalls.

Morgen jedenfalls würde sie wieder auf das Schiff in Richtung Heimat steigen und auf gute Winde hoffen, damit sie schon bald wieder zuhause war, bei ihrem Hof, ihren Tieren, ihrer Magd... und auch wieder bei ihm.
Und als sie das Fenster schließlich schloss um schlafen zu gehen, war ihr, als würde sie Zedernholz riechen und sie lächelte sanft.
Syrius Rundhammer

Beitrag von Syrius Rundhammer »

Schweißgebadet sitzt er aufrecht im Bett. Sein Herz pocht heftig in seiner Brust

Wumpumm Wumpumm Wumpumm

Den Namen, den er eben noch gerufen hatte hallt noch in seinen Ohren nach.

CASSANDRA

Der Traum, so präsent, als wäre es eben noch Realität gewesen.

Er sah sie, auf dem Schiff, mit dem sie nach Gerimor fuhr. Ihr Haar wehte im Wind, ein zartes Lächeln auf ihren hübschen Lippen. Sie blickt über die Reling, den Horizont absuchend. Doch Plötzlich ist ein Knarzen und Krachen zu hören, wilde Schreie und Rufe, blanke Panik in ihrem Blick. Das Schiff ging unter.

Der gestrige Tag war angenehmer. Morgens ging er pfeifend in die Werkstatt. Heute Abend sollte es endlich soweit sein. Er konnte das Holzstück bearbeiten. Der Tag ansich verflog auch nur so. Holzhacken im Wald, Kundentermine hier und da und schon dämmerte es. Er sputete sich, um rechtzeitig zum Aufgang des Mondes in seiner Werkstatt zu sein.
Als er ankam, stieg der volle Mond bereits leicht über den Horizont und war sein silbriges Lickt über das Meer. Syrius schnappte sich, kaum war er wieder in der Werkstatt, seinen Hammer und den Stechbeitelsatz. Der Mondschein kroch langsam ins Fenster und der Holzstamm begann zu schimmern. Syrius machte sich ran, sein Werk aus dem Holz zu befreien. Er wechselte immer wieder die Stechbeitel, mal den ganz breiten, dann einen mittleren, hier und dort den kleinen. Die Figur begann nach und nach ihre Form zu erhalten. Die ganze Nacht hatte es gedauert, bis er die letzten Schleifarbeiten fertig hatte. Er betrachtete sein Werk, zufrieden und sichtlich erschöpft. Dann fiel er ins Bett.


Und jetzt, wie spät ist es?...Ein Blick auf die Uhr... nach 12... Zeit um ans Tagewerk zu gehen.

[img]http://www.faehrhaus-wurzen.de/cms/images/mondschein.jpg[/img]
Zuletzt geändert von Syrius Rundhammer am Freitag 16. September 2016, 23:04, insgesamt 1-mal geändert.
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