4 Tage war es her, er war mit seinen Pferden, voll beladen mit Holzscheiten, aus dem Wald gekommen, direkt bei dem Bauernhof, an dem er schon so oft vorbeigekommen war. Diesmal war jedoch eine Person vor der Türe. Blond, recht jung schätzte er. Er sprach sie an, ob sie wohl zu dem Hofe gehöre. Bei genauerer Beobachtung eine etwas unnötige Frage, so stand sie doch ohne Mantel vor der Türe. Die Antwort war kess. Nicht auf den Mund gefallen die Dame, das gefiel ihm. Er kaufte Federn bei ihr, zumindest die paar, die sie noch hatte.
Tags darauf, er hatte wieder einmal den Laden geöffnet und den ersten Schwung Kundschaft versorgt, stand sie wieder vor ihm. Die Bäuerin vom Tag zuvor. Rotes Kleid, ein weißes, schulterfreies Hemd und eine Weste wie ein Korsett. Ihre grünen Augen blickten zu ihm und fragten wegen einer Maßanfertigung direkt an ihrem Hof, damit die Essecke auch ideal passe.
Fleißig und hilfsbereit wie eh und je packte er einige Bretter und Materialien auf den Gaul und machte sich mit ihr direkt auf den Weg. Frech war sie und traf genau seinen Humor. Diese Mischung aus Sarkasmus und nicht ganz ernst gemeinten Sticheleien. Manchmal fragte er sich, wie dieses hübsche Gesicht solch Humor von sich geben kann.
Doch da war auch eine andere Seite an ihr. Etwas düster, verschreckt und distanziert. Die Brandnarbe an ihrem Unterarm hatte er schon gesehen. Aber die Narben waren nur Oberflächlich und seiner Auffassung nach nicht so gravierend, wie die innere Narbe. Die auf ihrer Seele, die ihr tun beeinflusst und sie immer wieder zu falscher Vorsicht rät. Als er die Sitzecke in der Küche mitsamt des Küchenschranks fertig hatte, half er ihr, diesen auch noch an seinen Platz zu stellen. Plötzlich ein leises „Au“. Er schaut zu ihr. Sie hält die äußeren Finger ihrer rechten Hand. Er blickte genauer hin, es wurde schnell rot und dick. Er Tollpatsch, hätte er aufgepasst, wäre nichts passiert. Schnell eilte er zu ihr, um die Hand im Wasserbecken zu kühlen.
Am nächsten Abend ging er erneut zu ihr, um nach der verletzten Hand zu schauen und sich mit einer kleinen Aufmerksamkeit zu entschuldigen. Er hatte gerade von einer Kundin besondere Süßigkeiten bekommen. Die wollte er mit ihr teilen. Die Hand sah aber noch nicht besser aus, eher im Gegenteil. Rot-blau und dick geschwollen. Aber die Süßigkeiten kamen gut an. Auch scherzten sie miteinander. Trotzallem fühlte er sich für ihre Verletzung verantwortlich, auch wenn sie die Schuld ganz auf sich nahm. Die Gespräche wurden persönlicher, sie erzählte von ihrer Vergangenheit. Schlimmes war ihr wiederfahren, Dinge, die kein Mensch erleben sollte. Grölende Wut stieg in ihm auf, zeitgleich Mitleid und noch ein Gefühl… eines ganz tief drinnen, was er noch nicht richtig zuordnen konnte. Der Abschied an diesem Abend fiel ihm seltsamer Weise auch schwer. Er mochte sie. Das hübsche freche Fräulein. Und nicht so, wie er seine Schwestern mochte oder eine gute Freundin… da war wohl mehr.
Der nächste Tag war stressig. Viele Kunden und am Abend wollte er noch einen Auftrag in Berchgard erledigen. Natürlich vergaß er die Hälfte des Materials und musste nochmals nach Bajard eilen. Auf dem Heimweg ging er diesmal aber einen Umweg. Nicht durchs Westtor und dann am Kloster vorbei nach Bajard, sondern über das Osttor nach Süden, an Adoran vorbei. So kam er wieder an dem Hof der hübschen Bäuerin vorbei. Diesmal hatte er von zu hause Bonbons mit Karamell mitgebracht. Als sie ihm die Tür öffnete machte sich ein seltsam warmes Gefühl im Magen breit. Der Heiler war ebenso dort, der sich wohl endlich ihre Hand hat ansehen können. Er hatte sie geschient und verbunden. Diesmal führte Cassandra ihn durchs Haus und sie ließ sich in der Küche von ihm mit der aufgewärmten Suppe füttern. Er war ihr nah… auch seine Gefühle unterstrichen das. Er mochte sie sehr. Das zaghafte Reh, das nicht auf den Mund gefallen war. Die Gespräche genoss er, sehr persönlich, voller Gefühle, mit ersten Berührungen, Streicheln… Sie schien seine Zuneigung zu erwidern. Der erste Kuss… wie weich ihre Lippen sich anfühlten, samtig und warm. Dieser Abend verging fast wie ein Wimpernschlag. Schon war er an der Türe und musste ihr für 2 Wochen auf bald sagen.
Sie musste persönliche Dinge klären.
Und jetzt sitzt er da. Seine Werkstatt noch leer, die ersten Sonnenstrahlen fallen durch das Fenster. Er fühlt sich noch berauscht von der letzten Nacht. Sachte fährt er sich mit der Zunge über die Lippen, ihren süßen Geschmack in Erinnerung rufend, das Gefühl spüren. Vor ihm steht ein Stamm. Das bläuliche Holz glänzt sehr leicht im Schein der ersten Sonnenstrahlen. Syrius mustert das Holz...scheint es zu hypnotisieren, dabei beginnt er in seinen Gedanken es zu bearbeiten, die perfekte Form zu sehen… Sie zu sehen. In dieser Nacht wird es Neumond sein, also noch 2 Wochen… 2 Wochen bis er sie wieder sehen kann… 2 Wochen bis er es bearbeiten kann. Mögen die 2 Wochen verfliegen, so wie es die letzten Tage taten.

