- Vergiss das Flüstern -
- Leise... -
- Leise wollen wir beginnen -
Die erste Prüfung
" Die erste Prüfung wird sein, dass du eine Woche schweigen wirst, überall. Für jedes Versagen soll ein Finger gebrochen werden..." Ar'ynx, Clerica Alataris
Kühle Distanz kam mit dem verhangenen Schweigen einher und drängte sich zwischen den Magister und die junge Frau. Der ausdruckslos gefasste Blick ihrerseits verlieh ihr mehr Substanz und untergrub jene Fortschritte, welche die letzten Monate gemacht wurden. Die Erinnerung bewusst dem Eingehen des Bundes zugestimmt zu haben, verblasste neben den beängstigenden Ausmaßen. Selbst mit meisterlichem Talent zur Übertreibung wäre es schwer gefallen, zu behaupten sie hätte gewusst, was sie erwarten würde.
Eine Besitzrune beanspruchte er für sich, und welch grausamer Humor sollte sich dahinter verbergen? Sie hatte den Geschmack der Freiheit kosten dürfen, nur um sich kurz darauf in einem weiteren Gefängnis wiederzufinden. Die Gebote des Einen lehrten sich zurechtzufinden in diesem Geflecht, doch obwohl schon so viele Jahresläufe in diesen Landen, hatte sie sich lange nur am Rande bewegt. Sei es das Gebot des Gehorsams, oder der Fingerzeig dem Rat der Älteren zu vertrauen, beidem entsprang die Grundlage nicht sofort zu widersprechen. Der seltsame Kurs des Magisters hatte ihr Leben in gänzlich andere Bahnen gelenkt und zwang sie mehr und mehr unter Alatars Pranke. Mit den fähigen Händen eines Bildhauers hatte er Schicht um Schcht abgetragen, um ein anderes Bild hervorzubringen. Sie war selbst nicht sicher, wie es am Ende aussehen würde. Nur das es unter Seinen Wachsamen Augen geformt wurde.
Mit Verlassen des Tempels hatte kein Laut mehr über ihre Lippen gefunden. Es war nicht die Furcht vor der Strafe, dem Schmerz, sondern Erinnerungen an die Zeiten als Sklavin, die sie lähmten und ihr gleichermaßen Zuflucht gewährten unter einer behrrschten Maske der Ausdruckslosigkeit. Was würde in diesem Wochenlauf zu erwarten sein? War es seine Aufgabe, ihr doch einen Laut zu entlocken um seine Überlegenheit und Dominanz zu demonstrieren? Die Lethra hatte betont, dass der Magister derjenige sein würde, der im Falle eines Versagens die Finger brechen würde. Würde man erwarten, dass er mindestens einmal die Grenzen auslotete und sie diese Lektion lehrte? Nachdenklich hatte sie auf die Feder hinabgeblickt, die ihr einen schmalen Grat des Dazwischen bot. Zusammen mit dem Notizbuch, dass er ihr gegeben hatte, seine Weise sie für den Kampf zu rüsten. Ein Gedanke, der ihr erst später kam, als das Entsetzen uber die Bedeutung des Ritus langsam abklang. Doch sie bereute nicht, ihm ihre Verachtung über die Art der Behandlung kühl zu demonstrieren. Es gab immer mehr als nur einen Weg.
„Die einzige Furcht, die vor den Augen des Herren wirklich Bestand haben darf, ist die, euren eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden ... Nicht das genutzt zu haben, was Euch in die Wiege gelegt wurde, um ''Seinen'' Willen zu erfüllen. Was ihr euch also fragen solltet .. ist, inwiefern euer Handeln diesem Anspruch gerecht wird…“
Als sie sich Abends im Bett wiederfand, den Arm um einen schwarzen Kater geschlungen, der gedankenverloren gestreichelt wurde, drangen die leisen Worte Yosh's einmal mehr durch ihre Gedankenwelt. Schon vor langer Zeit gesprochen, waren sie ihr doch immer noch ein Anker in den Veränderungen. Sie besaß nicht die faszinierende Fähigkeit das Lied zu beeinflußen oder gab eine großartige Kämpferin ab. Doch auch in ihrem bescheidenen Rahmen konnte sie eine wertvolle Stütze sein. Ein Punkt unter anderen, der ihrer Verbindung mit dem Magister seine Stärke lieh. Hoffentlich würde sie die Kraft finden zu bestehen...