Und da war die Zeit...

Geschichten eurer Charaktere
Gast

Beitrag von Gast »

Langsam legte ich die Arme um meine drei kleinen Seelen herum. Ich lächelte und versuchte meine Liebe für sie in genau diese Emotion zu stecken. Armaiti weinte bitterlich, während die Jungen wie immer versuchten stark zu sein, auch wenn ich an den verkrampften Gesichtern deutlich erkannte, dass es ihnen heute besonders schwer fiel. Nur langsam hob ich die rechte Hand empor und strich mit dem Daumen eine Träne von Armaitis Wange und setzte einen Kuss hinterher. Ich versuchte für sie stark zu sein und weinte nicht. Ich wollte ihr zeigen, dass das alles nicht so schlimm war, wie sie annahm und ihr Herz ihr verriet. Also lächelte ich weiter und boxte sachte mit der rechten Faust gegen jeweils eine Schulter von Arif und Aasim.

"Haltet immer zusammen, in guten, wie in schweren Tagen. Das Versprechen muss ich euch abnehmen."
"Ist gut, Mara."


Aasim sagte nichts, irgendwie hatte ich generell das Gefühl, dass nur Arif mit mir sprach. Selbst Armaiti, die mich am Vorabend noch mit hundert Fragen löcherte, war ,abgesehen vom Schlurzen, recht still. Doch ich nickte wieder und griff dann, wobei es sich anfühlte als würde mein Herz mit jeder Bewegung reißen, an die Hüfte der Jungen und hob sie in den Karawanenwagen zu den beiden Ammen, die demütig ihren Kopf neigten. Dann tat ich das Gleiche bei Armaiti und pustet noch einmal Luft gegen ihren Bauch, wobei sich die Hände meines kleinen Mädchens ruckartig um meinen Kopf krallten und sie ihre Tränen über meinen Schleier ergoss. Ich verbarg meine Züge eine Weile in ihrem kleinen Sari und versuchte wieder Luft in meine Lungen zu bekommen, die mir nach und nach aus ging. Dann lächelte ich wieder, schluckte zuvor schwer und setzte sie zwischen Aasim und Arif. Meine linke Hand bettete sich auf meinem Rücken, während ich die Rechte empor streckte und ein Winken erzeugte.
Und als die Karawane dann los fuhr, griffen die Ammen wie aus Reflex nach den drei Geschöpfen, die wieder hinab springen wollten. Aasim krallte sich an die Plane des Wagens und rief in meine Richtung: "Mara, wir wollen nicht weg, wir werden uns benehmen, Mara, schick uns nicht weg!"

Und mit einem Mal rannte ich los, dem Wagen hinterher und winkte etwas energischer hinterher. Ich hatte das Gefühl sie würden mein Herz mit sich nehmen, als sie nun alle drei da standen und bitterlich in Tränen untergingen. Ich konnte nicht mehr dafür Sorge tragen, dass ich nicht weinte, also liefen die Tränen mir übers Gesicht und ich rief ihnen hinterher, wobei meine Stimme immer wieder versagte: "Wir sehen uns bald wieder, meine liebsten Geschöpfe. Bitte passt gut aufeinander auf!" Und als die Füße mich nicht mehr tragen konnten, durch die noch anhaltende Erschöpfung und ich ihre Schreie nicht mehr hörte, blieb ich irgendwann stehen und sackte nahe beim Hauslosenviertel auf die Knie und vergrub mein Gesicht in meinen Handflächen. Und so leer wie in diesem Moment fühlte ich mich noch nie.
  • Meine liebsten Kinder,
    ich weiß, dass ihr es zur Zeit noch nicht verstehen könnt, warum ich euch weg schickte. Doch irgendwann wird der Tag kommen, an dem ihr begreift, dass ich das nicht wegen euch tat, denn nur für euch. Ihr seid das Wertvollste was mein Herz besitzt und auch wenn er es euch nicht mehr sagen kann, wart ihr auch für euren Vater das Wichtigste auf Erden und darüber hinaus.

    Manch Liebe kann man nicht in Worte fassen, so ist auch die zwischen euch und mir. Ich wünsche euch das Beste, was das Sein für euch zu bieten hat und ich hoffe so sehr, dass ihr alles bekommt, was euer Herz sich wünscht. Und auch wenn ich das zur Zeit nicht sein kann, werden wir einander irgendwann wieder sehen und uns in die Arme schließen. Denn dieser Tag wird kommen und ich werde stolz sein, egal was ihr geworden seid, was man aus euch machte. Denn zwischen unsere Bindung wird sich nie etwas stellen können - denn Blut ist dicker als Wasser.

    Denn dieser Tag wird kommen.
    Die größte Liebe, die mein Herz zu bieten hat.


    Mara
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