Neue Wege
Die Nacht war weit voran geschritten, als Qy’lae die Oberfläche betrat und einige Minuten an Ort und Stelle verharrte, den Kopf weit nach oben streckte und die Luft tief durch die Nase einatmete. Unbekannte, selten erschnupperte, garstige Gerüche vermischten sich mit dem altbekannten Geruch von Metall, Blut und Dreck. Gerüche nach…frischem Gras, Wäldern, frischen Blumen. Nur leise würde ein Beobachter das Knurren der Lethra vernehmen können. Zwar wurde die junge Lethra in den letzten Wochen immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Doch nun erstmal auf sich gestellt, eine Reise anzutreten, um das Nest auf Gerimor ausfindig zu machen!?! Sich jenem Nest anschließen und die Gunst des Vaters immer und immer wieder zu erlangen.
So konnte sie als Lethra sich bereits mit der Geburt eines Nachkommens ihrem Vater als würdig erweisen, doch war der Weg als Lethraxiae noch lang.
Langsam senkte sie den Kopf, die Augen geschlossen. Und in sich gekehrt…. „Vater… dein Wille…“ zischte sie leise. Wie ein Gebet wiederholte sie jene Worte immer und immer wieder. Und mehr als einmal schaffte sie durch dieses kleine für sich selbst entwickelte Ritual – vollkommen zurückgezogen in ihrem Kopf - die schlimmsten Strafen der Ältesten zu ertragen, wenn Qy’lae bei einer Übung versagte, zusammengebrochen war, oder den Anflug von Widerspruch aufkommen ließ. Vielleicht war es sogar jene kleine Fähigkeit, die Schmerzen, sei es der Bestrafungen oder gar der Geburt, fast stillschweigend zu ertragen, dass man ihr zutraute jenen Weg zu gehen, den man sich mit Waffen erkämpfen musste.
Hingeworfen vor Bestien, um zu testen, ob sie dem auch wirklich standhielt. „Vater…dein Wille…“ So zauberte ihr der Kampf ein kleines – für andere kaum wahrnehmbares - Lächeln auf die dunklen Lippen, während mit einem leisen Surren die Klinge durch die Luft schwang, um sich in den Leib einer Bestie oder gar eines Ketzers zu bohren. So war sie auch über die Jahre dazu verdammt gewesen die Handwerkskunst zu testen, doch weder das Geschick mit Nadel und Faden, noch mit einem Schmiedehammer kamen ihrem Willen und dem Drang nach, sich mit der Klinge und dem Bogen zu beweisen. Die Technik galt es zu verfeinern, die Bewegungen zu koordinieren, die Kraft und die Schnelligkeit zu erhöhen.
Und so manches Mal während der stetigen Prüfungen der Ältesten war sie der Ohnmacht so nahe, dass sie sich für ihr Versagen wohl mehr gestraft hätte, als es die anderen taten. Ja, sie sah die Lethrixoren, jahrelang geschult im Kampf, und ja sie entgegnete dem Spott und der Verachtung nichts. „Vater….dein Wille…“ Und während andere in ihre Höhlen krochen, stand sie da. Zornig auf sich selbst, die Waffe noch nicht so führen zu können. Und ihr Wille…ihr Wille, ihre Unzulänglichkeit als Lethra so gut es ging auszumerzen, um ihm dienen zu können, so schien es, wuchs mit jedem Schlag, mit jeder Beleidigung, mit jedem Spott. „Vater…DEIN Wille…“
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Das neue Nest
Ja ihm…. So undurchschaubar mit der Maske… unnahbar… erbarmungslos in den Forderungen und Strafen, um sie und ihre Geschwister voranzutreiben. So war und ist es Vaters Wille. Gerade sie als Lethra, noch dazu runenlos, hatte kein Recht irgendetwas in Frage zu stellen. So erkannte sie ihre eigenen Fehler und würde sich wohl mehr für ihr Versagen strafen, als er es – mit Maske – wohl tat.
Ja, sie diente ihm….Vaters Wille war stark… und ja sie diente ihm in seiner Höhle…. Ihm… ohne Maske…. Hungrig nach seinen Berührungen, hungrig nach seiner Nähe…. Unter Vaters Blicken…. Vater dein Wille….So sei es….