Regen ergoss sich über Valeran in diesen bedrückten Stunden. Der Himmel weinte mit den zurückgebliebenen Menschen, welche um einen Mann voller Ehre und Eifer trauerten. "Ich grüße euch mit dem Segen der lichten Herrin Temora.." Der Blick hob sich geistesabwesend etwas an und blickte geradeaus, während die Worte des Priesters im Kopf nachhallten. "Wir haben uns heute an diesem eher trostlosen Ort versammelt, um Abschied zu nehmen. Abschied von einem Mann, der für viele ein Helfer gewesen ist. In Zeiten als Soldat hier, sowie in Lichtenthal und auch noch weiter danach als Streiter der Herrin Temora. Doch nun ist sein Weg hier auf Erden zu Ende und es liegt an uns, ihn ziehen zu lassen. Er ging zu früh von uns und vermutlich zu einem Zeitpunkt, der schlimmer nicht hätte gewählt werden können. Aus dem Leben gerissen durch fremde Hand lässt er eine Lebensgefährtin, Freunde, Kameraden und verlorene Hoffnungen zurück. Möge die Herrin Temora ihre schützenden Schwingen um ihn legen und ihn mit ihrer Güte empfangen! Möge sie einen Platz neben sich bereit halten für Balian Sturmthal, welchen wir als Knorrendurff hatten kennenlernen dürfen.." Der Blick senkte sich wieder und anstelle der rot-orangen Flammen, welche sich in jener Nacht über den leblosen Leib seines Freundes hergemacht hatten, sah Silas nun auf das noch leere Pergament, welches auf seinem Schreibtisch ruhte. Nur durch den Schein einer einfachen Kerze erhellt war der Ram und ohne mehr groß nachzudenken, setzte er schließlich den Federkiel auf und begann zu schreiben:
Grafschaft de Arganta, Valeran,
26. Eluviar 259
Der Schild- und Schwertmaid zum Gruße Frau Oberstleutnant von Senheit,
unschöne Umstände zwingen mich dazu, Euch als meinen einzigen Anhaltspunkt anzuschreiben. Mit großem Bedauern muss ich Euch mitteilen, dass Euer Gardist a.D. Balian Sturmthal in den frühen Morgenstunden des heutigen Tages verstarb. Ein einziger Trost bleibt die Gewissheit darüber, dass er ehrenhaft für die Herrin und seine Heimat kämpfte. Auch, wenn es ein Kampf war, den ich von ihm und auch von seiner Verlobten, welche ihn begleitete, niemals erwartet hätte. Valeran wurde in den Nachtstunden von einer großen Horde Orks angegriffen, welche nach Jahren unerwartet wieder ihr Fort verlassen hatte, gerade, als die Beiden hier angekommen waren, um vor ihrer Hochzeit einmal die Heimat Balians zu erkunden.
Mir bleibt wohl nicht viel mehr übrig, als Euch mein Bedauern darüber mitzuteilen, dass ich ihn nicht wohlbehalten in seine neue Heimat reisen lassen konnte. Ich werde mich noch so lange um das Fräulein Dyrion kümmern, bis sie sich wieder bereit für eine Rückreise nach Lichtenthal fühlt. Bitte informiert all jene, die meinem alten Freund in seiner neuen Heimat nahe standen über seinen Tod. Ich hatte nicht die Gelegenheit, entsprechende Namen von ihm zu erfahren. Möge das Licht der Herrin unsere Wege stets erleuchten und mögen ihre Schwingen sich schützend um jene legen, die in ihrem Licht streiten und wandeln!
Ich verbleibe mit achtungsvollen Grüßen
gez.

Hauptmann der Wachbrigade Valerans