Und am Anfang war ein Traum

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Gast

Und am Anfang war ein Traum

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Regen ergoss sich über Valeran in diesen bedrückten Stunden. Der Himmel weinte mit den zurückgebliebenen Menschen, welche um einen Mann voller Ehre und Eifer trauerten.

"Ich grüße euch mit dem Segen der lichten Herrin Temora.."

Der Blick hob sich geistesabwesend etwas an und blickte geradeaus, während die Worte des Priesters im Kopf nachhallten.

"Wir haben uns heute an diesem eher trostlosen Ort versammelt, um Abschied zu nehmen. Abschied von einem Mann, der für viele eine helfende Hand war. Der dem Reich unter unserer Herrin Temora stets ergeben gedient hat, so weit es seine Fähigkeiten zuließen. Doch nun ist sein Weg hier auf Erden zu Ende und es liegt an uns, ihn ziehen zu lassen. Einen Mann, der unerwartet von uns ging. Aus dem Leben gerissen durch fremde Hand. Möge die Herrin Temora ihre schützenden Schwingen um ihn legen und ihn mit ihrer Güte empfangen! Möge sie einen Platz neben sich bereit halten für Tawir Sturmthal.."


Der Blick senkte sich wieder und anstelle der rot-orangen Flammen, welche sich in jener Nacht über den leblosen Leib seines Vaters hergemacht hatten, sah Balian nun das noch leere Pergament, welches auf seinem Schoß ruhte. Nur von seiner linken Hand gehalten, damit der gelegentliche Sommerwind es nicht aus dem Planwagen heraus, in den warmen Regen hinein wehte. Ohne mehr groß nachzudenken, setzte er schließlich den Federkiel auf und begann zu schreiben:

Wir schreiben den 22. Cirmiasum im Jahre 258 und ich befinde mich gerade auf meinem Weg zwischen de Arganta und Lichtenthal. Ein Mann, Friedolin heißt er, hat mir einen Platz auf seinem Planwagen angeboten. Es ist nicht viel, sicher bin ich Anderes gewohnt. Sowohl von meinem ehemaligen Heim, als auch vom Kloster. Doch ich merke, wie es mich unzählige Male mehr erfüllt, als es jedweder Luxus in meinem vergangenen Leben hätte tun können. Ich verspüre großen Dank für diese Geste eines Mannes, der selber nicht mehr hat, als den eisernen Willen seinen sterbenskranken Sohn als letzten Angehörigen noch vor dem Tod zu retten. Vermutlich ist das Einzige, was ich tun kann, um ihm eine Hilfe zu sein, dass ich ihm bis nach Bajard Geleit und Schutz bin.
Bajard ist seine Heimat. Ein Fischerdorf Lichtenthals, in der Grafschaft Markweih. Wie wohl fast alle in de Arganta kannte auch Friedolin meinen Vater persönlich. Er hatte ihn vor vielen Jahren mehrfach gesehen, als er noch regelmäßig zum Handeln hier hergekommen war. Mein Vater soll ein ehrenhafter Mann mit dem Herz am rechten Fleck gewesen sein. Stets den Tugenden Temoras folgend, indem er Menschlichkeit und Weitsicht bewies. Friedolin meinte heute Morgen, ich wäre ihm ähnlich, aber noch kann ich nicht begreifen, dass ich so viel mit einem Mann gemein haben soll, mit dem ich genau einen Stundenlauf meines Lebens zubringen durfte. Wie kann es sein, dass er ein Teil von mir ist? Ein Charakter bildet sich aufgrund seines Umfeldes und nicht, weil seine Eltern so und so sind. Jedes Kind bekommt dies beigebracht und auch ich glaube noch daran. Gleichwohl mein Weltbild in den vergangenen Mondläufen und Jahreszyklen immer mehr erschüttert wurde. Es beginnt sich zu wandeln und ich hoffe nur, dass ich das vorgelegte Tempo beibehalten kann.

Temora beschütze ewig!
Balian Knorrendurf
Gast

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Der Wind bließ durch die Ritzen des Zimmerfensters. Zugegeben war es nicht die beste Unterkunft. Nicht zwingend der Standart, den man im Traum von der Hauptstadt des Reiches sehen würde. Doch was war auch schon zu erwarten von einer kleinen Mietstaverne, die es einem immerhin ermöglichte, im immer feuchter werdenden Spätsommer eine vorübergehende Unterkunft zu haben?
Von nun an hieß für Balian, das Regiment aufsuchen, von sich überzeugen und das machen, was er bis vor drei Jahren sein ganzes Leben lang getan hatte: Im Namen der Herrin Temora für das Gute kämpfen und alles erdenklich Mögliche tun, um es den Schwachen und Benachteiligten einfacher im Leben zu machen. Das war von Kindesbein an sein Leitsatz gewesen. Er hatte ihn von seinem Ziehvater eingetrichtert bekommen. Doch nicht immer war all das schlecht, was man auferzwungen bekam. Der Mann, so sehr Balian ihn auch verachten mochte, war eine gestandene Persönlichkeit, die es in ihrem Leben weit gebracht hatte. Oberster Heerführer, Vater einer edlen Dame. Er hatte für sein Leben ausgesorgt und war mit seinem Glauben fest verankert. Es lag also nicht fern, dass der junge Balian früh begann, diesem Mann, als sein Vorbild nachzueifern. Und auch im Nachhinein, nach allem was passiert war, blieb Valdor Knorrendurf eine Persönlichkeit, zu der er aufschaute.
Das von leisem Zischen und Knistern begleitete Flackern der Kerzenflamme auf seinem kleinen Schreibtisch riss Balian schließlich wieder aus seinen Gedanken und so verfasste er einen weiteren Tagebucheintrag:


Wir schreiben den 03. Ashatar 258. Gestern haben Friedolin und meine Wenigkeit das Fischerdorf Bajard, auf dem Kontinent Gerimor erreicht. Eine Schiffsreise hatte uns über die letzten Meilen zu unserem gemeinsamen Ziel gebracht. Doch mit Erreichen des Ziels trennten sich auch bald schon unsere Wege. Ob für immer, das vermag wohl nur die Herrin selbst zu sagen. Ich hatte Friedolin noch bis zu seiner Hütte gebracht und war dann erst gegangen. Er gab mir noch auf den Weg, dass Adoran östlich des Dorfes läge und so stockte ich lediglich das Nötigste an Proviant auf, um bald mein eigenes, persönliches Ziel zu erreichen.
Der Weg war nicht weit und doch merkte ich deutlich, wie sich die Umgebung zu wandeln schien. Das Korruptionsniveau sank, dafür stieg die Hygiene spürbar. Bald schon entdeckte ich die ersten Abwasserkanäle, die ins Meer mündeten. Vereinzelte Parzellen und kleine Gehöfe erstreckten sich über nahezu ebenes Gelände und kurz darauf erblickte ich Adoran bereits am Horizont. Hinter der Stadt ging gerade die Spätsommersonne unter und tauchte das Bild in ein warmes Rot-Orange. Etwas idyllisches hatte es und ließ mich für einen Moment die aufgekommene Erschöpfung der langen Reise vergessen. Allein diesen Anblick war es mir im Ansatz wert gewesen hier herzukommen. Am Haupttor angekommen bot sich mir schlussendlich ein nur all zu bekanntes Bild: Wachmänner zu jeder Seite des Tores, Zinnmauren und dahinter verborgen ein abnehmendes Treiben des späten Abends in einer Großstadt. "Ehre der Krone und dem Reich, der Herr.", lautete der erste Satz, den ich zu hören bekam und ich konnte nicht anders, als mit einem einstudierten "Ehre sei dem König und seinem Reich, die Herren." zu antworten. Wie es sich für eine pflichtbewusste Wachmannschaft gehörte, wurde ich nach meinem Namen, meiner Bürgerschaft und meinem Begehr gefragt und ich antwortete freilich ohne Umschweife. Als ich ihnen davon erzählte, dass ich in den nächsten Tagen gerne die Zeit der Obrigkeiten in Anspruch nehmen wollte, nannten sie mir gleich die Namen und meinten, sie würden mich ankündigen. Ich hatte mich noch bedankt und dann direkt eine Bleibe aufgesucht. Für Erkundungen würde die nächsten Tage und vermutlich Wochenläufe noch genug Zeit bleiben. Ein Schreiben an das Lichtenthaler Regiment habe ich noch heute verfasst und ein Termin zum Vorsprechen wurde gleich für den 6. Tag dieses Mondlaufes verkündet.
Die nächsten Tage werden zeigen, ob Silas Recht behalten und mein Leben hier einfach weiter gehen würde. Doch Vater, von nun an lebe ich nicht mehr das Leben Balian Knorrendurfs, sondern das Leben Balian Sturmthals. Du lebst in mir. Ganz gleich, wie fern unsere Geister sich sind.

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Balian Sturmthal
Zuletzt geändert von Gast am Samstag 10. Oktober 2015, 00:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Blass güldene Sonnenstrahlen des frühen Morgens schienen durch das große Küchenfenster im neuen Heim. Es war bisher nur sporadisch eingerichtet, doch ein kleiner Tisch mit einem einfachen Stuhl lud bereits zum Hinsetzen und Verfassen eines weiteren, längst fälligen Tagebucheintrages ein. So entledigte Balian sich von der schweren Plattenrüstung des eben noch geschobenen Nachtdienstes am Berchgarder Westtor und setzte sich sodann hin. Nur, um das Buch dort aufzuschlagen und in der gewohnt säuberlichen Handschrift zu schreiben anzufangen:

Wir schreiben bereits den 28. Searum 258. Es ist einiges an Zeit vergangen, seit ich das letzte Mal schrieb. Ein paar Wochenläufe lang nenne ich nun ein Haus mein Eigen, hier in Lichtenthal. Ich habe mich in Berchgard niedergelassen, der Stadt des Handwerkes. Nicht, weil ich meine Berufung an den Nagel gehangen habe. Sondern einfach, aus Gründen der Sympathie. Den Trubel der Hauptstadt wollte ich mir für das Erste nicht erneut geben. Adoran ist schön, aber es ist der Ort, an dem sich hauptsächlich meine Arbeit abspielt. Womit ich auch schon zum nächsten und sogar viel wichtigeren Punkt komme.
Das Vorhaben, oder vielmehr der Befehl meines alten Freundes, hätte schneller nicht durchgeführt werden können. Nachdem mich fast unverzüglich die Einladung zum Vorsprechen erreicht hatte, verlief alles andere wie im Flug. Korporal van Eichengrund, welchen ich schon Tage zuvor hatte kennenlernen dürfen, nahm mir die Aufnahmeprüfung ab. Wobei es sozusagen nur einige Fragen zu mir selbst, dem Reich und dem Glauben an die Herrin waren. Nichts, was mich in nennenswerte Bedrouillen bringen konnte. Doch so erleichtert ich war, direkt einsteigen zu können und wirklich einen gewöhnungsbedürftig guten Trupp als Kameraden erhalten zu haben, der Krieg ist hier viel stärker zu spüren, als in Valeran. Keine ganzen drei Wochenläufe nach meinem Beitritt hatten wir eine Veteranin zu Grabe zu tragen. Talianna van Hainklang. Unter den Kameraden gerne auch als "Korporal der ersten Stunde" bekannt. Ich hatte nicht die Ehre bekommen, sie kennenlernen zu dürfen. Das macht den Abschied unpersönlicher, aber das Gefühl einen langjährigen Anführer zu verlieren, kenne ich zu gut und kann es noch besser nachvollziehen. Allerdings sollte es nicht bei diesem einen derben Rückschlag bleiben, der streng genommen auch nur auf einen weiteren Soldatentod gefolgt war.
Am 6. Searum schafften es käferartige Wesen, sich durch den Erdboden hindurch, in das Innere Adorans hinein zu fressen. Die Stadt kannte jene Mitbewohner schon und machte sich sofort bereit. Statt, wie ich im Nachhinein bei meinen Recherchen über den vergangenen Sommer heraus fand, noch zu warten und Pläne zu schmieden, stürmten wir als Regiment direkt das Erdreich unter unserer Hauptstadt. Sie hatten ein ganzes Tunnelsystem errichtet und sich ungesehen eingerichtet. Das Stürmen jener Tunnel führte uns schließlich zu ihrem Anführer. Doch dieser zog sich, als er schwer verletzt war, nach einem langen und anstrengenden Kampf zurück. Somit bleibt ein Teil der Gefahr, wird jedoch durch die regelmäßigen 'Besuche' unsererseits und auch seitens der engagierten Bürger im Schacht gehalten. Nungut, danach hielt es sich wieder eine ganze Zeit lang ruhig. Der übliche Dienst wurde verrichtet, das Haus wurde angemietet und schließlich am 27. Searum ein Fest zu Ehren Amyras veranstaltet. Das Kloster hatte sich dafür mit einigen Bauern des Reiches zusammengesetzt und alles auf Spenden für einen guten Zweck ausgearbeitet. Den Bürgern schien es zu gefallen, ebenso wie mir natürlich. Ich war ohnehin schon immer angetan, von solcherlei. Doch an diesem Abend spürten wir wohl alle, dass es nicht nur uns gefallen hatte. Die Herrin habe ich selten in meinem Leben so nah gespürt. Es war, als stünde sie direkt hinter den Priestern und schaue ihnen über die Schulter. Gerade in Zeiten wie diesen, jenen, die sich noch stark verschärfen werden, in den nächsten Wochen- und Mondläufen, brauchen wir diese Zuversicht.

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Balian Sturmthal
Zuletzt geändert von Gast am Freitag 4. Dezember 2015, 20:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Mit leicht zittriger Hand wurden in jener Nacht die folgenden Zeilen verfasst. Hätte man den Verfasser in diesem Moment sehen können, so ganz ohne Uniform, hinter der er sich verstecken konnte, so hätte man ihm den Schmerz ansehen können, der allmälig durch seine Glieder zog. Das Training heute hatte ihm deutlich vor Augen geführt, dass die vergangenen drei Jahre nicht nur vielleicht, sondern definitiv eine zu lange Auszeit gewesen waren. Sein Körper war war es nicht mehr gewohnt, solche Anstrengungen zu erleiden. Solche Leistungen zu erbringen..

Wir schreiben den 15. Goldblatt im Jahre 258. Ich habe harte Wochenläufe hinter mir. Nicht mehr jene, die den Geist und die Seele beanspruchen, sondern jene, die den Körper bis auf das Äußerste fordern. Der neu aufgenommene Dienst nach dem Beenden des 'Welpenschutzes' hat mir gezeigt, dass ich noch viel an mir abreiten muss, um wieder zu meinen alten Gewohnheiten zu gelangen. Am 09. Goldblatt hatte Frau Oberstleutnant von Senheit einen Dienst zum Thema Stangenwaffen angesetzt. Ein sehr interessantes Thema, wie ich finde. Durchaus auch noch im Nachhinein betrachtet. Dienten jene Stunden doch zuerst dem gemeinsamen Verteidigen, dem Erkennen der Macht eines Paares mit Stangenwaffen in der Hand und zu guter Letzt ähnelte die letzte Übung, welche nur durch die Frau Oberstleutnant und den Hochgelehrten von Goldenfall selbst durchgeführt wurde, dem Tjorsten. Einer Disziplin, die die Wenigsten überhaupt erlernen dürfen und noch weniger von ihnen erfolgreich anwenden können. Der Hochgelehrte von Goldenfall, rein physisch betrachtet eine absolut unscheinbare Person. Misst nicht einmal 160 Fingerbreiten, wie ich es einschätzen konnte. Und auch seine Statur ist nicht zwingend die eines starken Kämpfers. Doch er schaffte es, einzig mit einer Hellenbarde des Kollegen Alsteds, die im Trab angeritten kommende Ritterin aus ihrem Sattel zu heben. Wahrlich beeindruckend und im Hinterkopf gehalten doch auch irgendwie beängstigend. Er war schlau und hatte wirklich bis zum letzten Moment gewartet, mit dem Ausrichten seiner Waffe. In einer realistischen Situation hätte der Reiter sonst viel zu viel Zeit gehabt, dem Hindernis einfach auszuweichen.
Einen halben Wochenlauf hatte ich Zeit, meine Muskeln und mein Gemüt wieder abkühlen zu lassen. Doch dann kam auch schon der nächste Packen Arbeit. Vier Tage lang, vom 12. bis zum 15. Goldblatt, wurde das Westtor Berchgards umgebaut. Zu Beginn gab es eine Planungsphase, dann kamen der Abriss des alten Gerüsts, der Einbau des neuen und zum Schluss eine kleine Feierlichkeit zur Einweihung. Zwischendrin hatte sich Fräulein Nuir angeboten, mein neues Heim einzurichten. Durchaus zu meiner Zufriedenstellung, die Dame versteht ihr Handwerk. Allerdings war dies nicht das Einzige, was sich zwischen den Torbau und meine Freizeit drängelte. In meinem alten Pflichtbewusstsein wollte ich nach dem Absolvieren der Theorie auch so schnell wie möglich die praktische Prüfung im Personenschutz absolvieren. Nicht, dass ich mir große Sorgen davor gemacht hatte, aber es waren neuerliche knappe 4 Stunden, die ich in diesen Tagen opferte, um weiterzukommen. Glücklicherweise nicht verschwendet, denn ich bestand und am 15. Goldblatt besuchte ich, gemeinsam mit einigen anderen Kollegen schließlich Korporal Janarey.
Nach und nach hatte ich erfahren, warum sie vom Dienst frei gestellt war. Kurz vor meinem Beitritt in die Reihen des Regiments hatte sie eine sehr gute Freundin und Kameradin zu Grabe tragen müssen, ziemlich mit meinem Beitritt eine weitere und kurz darauf war sie Opfer von westlichen Foltermethoden geworden. Was genau ihr zugestoßen war, habe ich bis heute nicht hinterfragt. Es spielt aber auch keine Rolle, denn das, was wir als Kameraden tun können, ist jetzt für sie da sein. Nicht das beklagen, was gewesen ist. Unweigerlich muss ich bei diesem Thema an den Überfall der Orkhorden im Sommer 253 denken. Eine längere Auszeit, kra'thorische Qualen während des Genesungsprozesses und ein erschwerter Neueinstieg in den alten Dienst. Nur, dass es bei Korporal Janarey schlimmer war. Um unseren Beistand zu demonstrieren, hatte ich mir überlegt, ein Geschenk für unsere Unteroffizierin anzufertigen. Einen großen Rundschild, auf dem unser Leitspruch steht und alle Regimentler unterzeichnet haben. Jene Geste verfehlte erfreulicherweise nicht ihre Wirkung und so schenkte es nicht nur ihr, sondern auch uns neue Hoffnung an sie zu glauben.
Ich glaube daran, dass sie genug Biss hat, um wieder in ihr altes Leben zurück zu kehren. Nicht zuletzt, um dem gesonderten Ernährungsplan und der langsam allmälig beengenden Fürsorge aller Menschen etwas zu entfliehen. In ihr schlägt immer noch ein Soldanteherz und dieses Herz verlangt nach Freiheit und Erfolg.

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Balian Sturmthal
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Mit einem geschafften Ausatmen betrat der Krieger sein Heim, ehe er sich noch im Flur der Plattenrüstung entledigte. Sie war in den letzten Wochenläufen durchaus wieder leichter geworden, doch immer noch fühlte sie sich nicht an wie die zweite Haut, die er damals in Valeran getragen hatte. Es gab immer noch genug an sich zu arbeiten. Er erlaubte seinen Schritten kaum schleppend anzumuten. So etwas gehörte sich nicht als motivierter Kämpfer. Der Schwäche könnte er nachgeben, wenn er in einem halben Stundenlauf zu Bett gehen würde. Doch vorher wurde sich erst noch gewaschen und dann an den kleinen Esstisch gesetzt, wo er wie so oft in letzter Zeit, zu schreiben begann..

Ein viertel Jahr ist bereits in die Lande gezogen. Der Sommer ist entgültig dem nassen und bunten Herbst gewichen. Wir schreiben den 30. Goldblatt des Jahres 258. An den genauen Tag meiner Abreise erinnere ich mich bald schon nicht mehr, ohne ihn nachzulesen. Zu viel ist in den letzten drei Mondläufen geschehen. So stand auch der letzte Wochenlauf wieder im Zeichen der Leibesertüchtigung. Am 27. Goldblatt hatte ich direkt meine Feuertaufe als Soldat Lichtenthals. Das Lichtenthaler Regiment hatte sich vor den Westtoren Adorans zu einer Großübung im Duellkampf eingefunden. Volle Montur war angesagt und passen gab es nicht. Ganz davon abgesehen, dass mir so etwas ohnehin nie in den Sinn kommen würde. Als Gegner für dieses Duell wurde mir an jenem Abend Gardist Zaedrael zugewiesen. Er mochte ungefähr in meinem Alter sein, war von ähnlicher Statur und zählte durchaus schon einige Monde im Heer. Uns unterschied nur, dass er aktuell in bester Form und ich ein Veteran in nicht zwingend bester Form war. Wie zu erwarten zog sich unser Kampf ewig lange hin. Nebenher hörte ich Korporal Janarey irgendwann bereits dem Herrn Oberst zurufen, ob man nicht den Kampf abbrechen sollte, doch dann beendete Zaedrael den Kampf doch noch zu seinen Gunsten, als er mich während eines Ausfallschrittes in die Knie zwang. Das Training in den Höhlen und an den Übungspuppen hatte der Technik gute Dienste geleistet, doch meine Ausdauer war in keinster Weise der eines aktiv im Dienst stehenden Soldaten gewachsen.
Einen halben Wochenlauf später lief ich Korporal Janarey erneut über den Weg. Oder vielmehr Janarey, die sich binnen kürzester Zeit zum Dienst entschied. Sie hatte meinen Kampf gegen Zaedrael genaustens verfolgt und deutliches Potential erkannt. Somit stellte sie mir ein paar Fragen. Wie war meine Selbsteinschätzung? Wie ginge es mit dem Training voran? Seit wann kämpfte ich schon? Ich antwortete, doch vielleicht etwas zu bescheiden. Der schmale Grad zwischen Demut und Hochmut war wahrlich schwer zu halten. Nun stand ich also einer Veteranin gegenüber, die dasselbe Problem hatte wie ich. Sie war aus der Übung gekommen und hinzu erschwerte ihr fehlendes Auge noch die Sicht. Sie würde sich von Grund auf neu strukturieren müssen, im Kampf. Langsam angefangen tasteten wir Beide uns in einem Trainingsduell aneinander heran, bis Rekrutin Saran hinzu stoß. Sie war mir schon in den ersten Diensten als durchaus sehr ehrgeizig und talentiert aufgefallen. Doch nach meinem Standard fehlte es ihr an einer großen Portion Selbstsicherheit und Disziplin im Dienst. Da wir alle beschlossen, wir könnten noch etwas Übung gebrauchen, machten wir uns auf in die hiesigen Höhlen. Natürlich kam die Korporal nur als Begleitung mit und wenn sie kämpfte, dann selbstredend nur mit dem Bogen. Als würde sie in ihrem noch eher jugendlichen Eifer mit gezogenem Schild und Schwert auf den Albtraum zustürmen und fallen! Ja, ich habe geschworen zu schweigen und dieses Pergament, auf dem ich jene Worte soeben verfasst habe, ist auch der einzige Beweis dafür, dass all dies jemals stattgefunden hat. Es wird sicher verwahrt bleiben, in meinem Besitz.

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Balian Sturmthal
Zuletzt geändert von Gast am Freitag 4. Dezember 2015, 20:11, insgesamt 1-mal geändert.
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Es waren bereits wieder knappe drei Wochenläufe vergangen, seit Balian den letzten Tagebucheintrag verfasst hatte. Aus den Gerüchten um den bevorstehenden Angriff durch Rahal waren nunmehr ernste Sorgen geworden und hatten für ein volles Programm im Sinne der Kriegsvorbereitung gesorgt. So kam er erst spät in der Nacht dazu, seine Gedanken zu Pergament zu bringen und danach in den letzten durchgehend langen Schlaf für viele Tage zu finden.

Wir schreiben den 20. Rabenmond 258. Die Anspannungen der letzten Tage haben sich zugespitzt und nun scheint es tatsächlich spruchreif zu sein. Der Feind wird uns in den nächsten Tagen, vielleicht erst im nächsten Wochenlauf angreifen. Vieles wurde in den vergangenen Wochenläufen vorbereitet und da ich nicht weiß, wann ich das nächste Mal schreiben können werde, ist es mir ein Anliegen, die jüngsten Ereignisse noch zu erläutern.
Der Mondlauf hatte mit anstrengenden Diensten begonnen. Nicht nur, weil sie einer auf den anderen folgten. Auch die daraus resultierende Grundstimmung, welche wahrlich nicht als eintönig zu beschreiben war, tat ihren Teil zur Zermürbung meiner selbst dazu bei. Mit jedem Dienst, den ich zusätzlich noch besucht hatte, kamen mehr und mehr Kopfschmerzen hinzu, weil ich es schlichtweg nicht mehr gewohnt war, so viel auf einmal zu tun. Wachen, lernen, trainieren, leben. Für Letzteres bleibt mir derweil wenig Zeit, doch ich mag mich nicht beklagen. Besonders der 17. Rabenmond hatte uns alle mit einer Überraschung entlohnt. Nachdem wir am 16. die Eingänge zum sogenannten Käfergraben am Adoraner Friedhof verschüttet und Abschied von Wachtmeister Glenkells Ziehsohn Lenhart genommen hatten, war seine königliche Majestät höchst persönlich während eines Appells zu uns gestoßen und hatte jedem einzelnen einen Wappenrock überreicht, den es in Ehren zu tragen gilt. Freilich war mir das Gesicht seiner Majestät bekannt, doch vor ihm zu stehen, ihn gezielt anzusprechen und von ihm eben jene aufmerksame Geste zu erhalten, war ein unbeschreibliches Gefühl. Es steigerte unser aller Motivation und mit jener ging es noch am selben Abend in eine neue Schlachtenübung hinein. Das Konzil schloss sich uns an und so mischten wir die Gruppen. Gemeinsam mit der Freiherrin von Nebelpass trat ich gegen Wachtmeister Glenkell und den Hochgelehrten Ecclesia an. Der Kampf war schnell vorbei, denn während ich Ecclesia behagte und somit von meiner Kampfkameradin abhielt, blieb mir schlagartig die Luft weg und ein schwarzer Schleier legte sich vor meine Augen, bis ich aufhörte ihn zu verfolgen. In einer realen Kampfsituation wäre dies mein Ende gewesen. Natürlich nagte es im ersten Moment am Stolz, doch schlussendlich fing ich mich und beschränkte mich im Folgenden darauf, die Kämpfe der anderen Gruppierungen zu beobachten. Ah, bevor ich es vergesse: Der Appell hatte für Herrn Salberg und mich noch eine weitere Überraschung geborgen. Und zwar wurde das Regiment um einen Rekruten ärmer und einen Wachtmeister reicher. Ich hatte Gardist Salbergs Platz eingenommen und er stieg nach langen Jahren im Dienst zum Wachtmeister auf.
Und wie es sich für einen neu ernannten Gardisten gehörte, sollte es bald schon zur Feuertaufe kommen. Morgen steht die Heerschau in Adoran an. Seine königliche Majestät wünscht jeden streitfähigen Mann und jede wehrhafte Frau zu sehen, um zu erkennen, was er dem Feind aus dem Westen entgegen zu stellen hat. Und von da an wird es sicher nicht mehr lange dauern, bis die Theorie in der Praxis umgesetzt werden muss. Ich glaube daran, während ich zur Herrin bete, dass es uns trotz aller Unvorhersehbarkeit nicht überrumpeln wird. Denn das letzte, das ich geplant habe ist, nach einem drittel Jahreslauf im neuen Leben bereits vor die Herrin zu treten. Dafür habe ich noch zu viel vor.

Temora beschützt ewig!
Balian Sturmthal
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Leise hallte das Schnarchen vereinzelter Genossen durch das Kirchenschiff des Klosters und von draußen waren noch murmelnde Stimmen zu vernehmen, wie sie am Vorplatz redeten und umher gingen. Aus einem der großen Fenster schauend, hätte man auch noch den Lichtschein des Lagerfeuers an der Nordpallisade erahnen können, wo sicherlich auch noch einige saßen und sich die Zeit vertrieben. Balian selbst saß auf seinem provisorischen Schlafplatz, eingehüllt in Felle und Decken und hatte sein Tagebuch auf dem Schoß legen. Diesmal nicht mit Feder und Tinte, sondern wie der erste Eintrag mit einem Kohlestift, verfasste er einen weiteren Text und ließ dabei die vergangene Woche vor seinem inneren Auge noch einmal an sich vorbei ziehen.

Der Winter ist bereits eingekehrt. Wenn mich mein Zeitgefühl noch nicht gänzlich verlassen hat, schreiben wir heute den 28. Rabenmond im Jahre 258. Seit ziemlich genau einem Wochenlauf befinden wir uns nun in einem Belagerungskrieg. Wir sind in der Rolle der Verteidiger, doch freuen tut sich keiner darüber. Denn Schutz bietet einzig eine provisorisch errichtete Pallisade. Wir besitzen so etwas wie Steinmauern, Reiterbalken und große Wehranlagen nicht. Und somit ist der militärische Vorteil auch nicht zwingend auf unserer Seite. Aber fangen wir von vorne an:
Am 21. Rabenmond begann alles mit der angekündigten Heerschau auf dem Adoraner Marktplatz. Es war überwältigend zu sehen, wie viele Menschen gekommen waren. Selbst Thyren, Menekaner, Kaluren und Edhil waren gekommen. Ohne die Truppen genau gezählt zu haben, waren wir an jenem Abend gut und gerne 3 bis 4 Dutzend. Alle erwarteten die Fortführung des Krieges und nahe Varuna kam es schließlich auch dazu. Eine Schlacht gegen das deutlich unterlegene Heer des Feindes. Doch sie waren stark genug, um sich nicht gleich wieder vertreiben zu lassen. Stattdessen errichteten sie genau an Varuna, einer von Untoten beherrschten Stadt, ihr Lager. An den folgenden Tagen wurden die Kämpfe um Recht und Boden immer weiter geführt. Der Feind hatte sich offenkundig gesammelt und war nun wesentlich stärker. So schien es, als hätten sie den Wald von Tirell mit einem Fluch belegt. Die Untoten aus Varuna zogen aus der Stadt heraus und gefährdeten jegliche Spähunternehmungen.
Am 23. Rabenmond spätestens wurde auch uns nicht Liedkundigen deutlich, dass irgend etwas nicht stimmte. Wir hatten erst nur Rauchschwaden nahe unserer Nordpallisade gesehen und plötzlich stand ein ausgewachsener Balron gegenüber. Das wohl mächtigste Wesen, das Kra'thors Schlund je entsprungen war. Ich würde lügen, behauptete ich jetzt, mir wäre für einen Moment an diesem Abend nicht das Herz stehengeblieben. Der Anblick von riesigen Schwingen aus tiefschwarzem Leder, einem wuchtigen Schwanz und dem wuchtigen Zweihandschwert, welches er mit Krallen besetzten Pranken führte, war unumstritten imposant. Nicht einmal in unseren kühnsten Träumen stellten wir uns dieses Wesen so vor. Man muss es wahrlich gesehen haben, um die Mythen zu glauben. Aber wir waren siegreich, dank der motivierenden Worte der Frau Oberstleutnant von Senheit und jedem einzelnen Funken Mut, den man sich gegenseitig zuwarf. Freilich, mir tat das in der ersten Schlacht verwundet wordene Bein danach mehr weh, als ich mich an irgend einen vergangenen Schmerz noch erinnern könnte. Doch der Krieg wartete nicht, bis sich alle wieder ausgeruht hatten und so drängte ich solcherlei Gedanken von Tag 1 an aus.
Die folgenden beiden Tage zeigten auch unmissverständlich, dass dieser Ehrgeiz bitter nötig war. Das Gebäude des Orden der Temora wurde gestürmt und es dauerte bald zwei Tage, bis auch die Letzten aus der Ordensschaft ihren Weg in das Schwingensteiner Lager gefunden hatten. Sie hatten Verluste zu beklagen und wirkten desorientiert. Der vom Kloster abgehaltene Gedenkgottesdienst einte uns zwar, aber er allein konnte die Motivation nicht zurück in die Herzen der Streiter bringen. Zu tief saß bei einem Großteil der Schock über diese Niederlage. Der Feind war nun noch näher an uns heran gerückt und belagerte eines der wichtigsten Gebäude des Reiches. Es lag an uns wenigen, die sich nicht davon unterbekommen ließen, die Anderen wieder aufzubauen. Also wurden eigene Wunden ignoriert, die Wunden der Mitstreiter von den Heilkundigen im Gästehaus versorgt und tiefgehende Gespräche geführt.
Bereits am 6. Tag der Belagerung gab es dann den Rückschlag der Lichtenthaler Truppen. Mit eigens für dieses Vorhaben hergestellten Brandsätzen bewaffnet, ging es in kleiner Runde gen Feindeslager. Einfach nur um zu zeigen, dass wir noch da waren, warfen wir die neuen Waffen gegen ihre Pallisaden und ließen sie in Brand aufgehen. Selbstredend wurden sofort die Alarmglocken ausgelöst und unser Trupp zog sich auf Befehl von Korporal Janarey erst einmal wieder ins eigene Lager zurück. Doch dort kam mir schon Alexa, eine Ordensschwester entgegen und machte mich auf das Fehlen von Eliana Dyrion aufmerksam. Sie war mit uns ausgeritten, hatte offenbar aber während des Rückzuges den Anschluss verloren. Mir fiel gerade noch ein, mich bei der Frau Oberstleutnant abzumelden, ehe ich auch schon mein Pferd wieder aus dem Lager hinaus trieb. Nach einem kurzen Galopp traf ich auch schon auf Eliana. Sie war verletzt worden und stützte sich auf ihr Pferd. Kaum hatte ich ein paar Worte mit ihr gewechselt, um mich über ihren Zustand zu informieren, kamen zwei Männer des feindlichen Heeres auf uns zu. Einer von ihnen war einer von dieser Pirateninsel, irgendwo südlich des Fischerdorfes Bajards. Ich konnte es an seiner braunen Kleidung und der Steinschusspistole erkennen. Und sein Nebenmann war eindeutig Nahkämpfer, so wie ich es auch bin. Vermutlich war es teilweise auch dem Hinzukommen der Hochedlen von Belfa zu verdanken, dass ich den Feind wirklich nur mit ein paar Worten ablenken musste und es nicht zu einem mehr als riskaten Kampf kommen konnte. In der folgenden Nacht waren die Kämpfe schließlich wieder weitergegangen, während ich mich etwas länger als eigentlich nötig mit Eliana unterhalten hatte. Im Laufe dessen hatte sie mir auch Farion Lefar, den letzten Paladin Gerimors vorgestellt. Es ist schade zu wissen, dass er diesen Titel mit sich ins Grab nehmen wird. Doch gleichzeitig ist es mir eine große Ehre, ihn kennen zu dürfen. Ich schaue zu diesem Mann auf, ohne ihn groß zu kennen. Diese Ruhe und Zuversicht, die er ausstrahlt, sind ansteckend. Sein Fallen wäre wahrlich ein großer Verlust für viele gewesen. Nun noch mehr, ist es mir ein inniges, fast schon persönliches Anliegen, die Wiedereroberung der Ordensburg mit all meinen Mitteln voran zu treiben.
Aber bisher ergab sich noch keine Gelegenheit. Gestern kümmerten sich die Geweihten, mit Hilfe der Liedkundigen und des Druiden Earon Auchenbacher erst einmal um die Heilung des Wald von Tirells. In einem aufwendigen Ritual haben sie eine riesige Regenwolke aus verdampftem Weihwasser erzeugt und dieses Wasser auf den Waldboden nieder regnen lassen, um die Untoten zu vertreiben. Offenbar erfolgreich und gleichzeitig wieder so Atem beraubend, dass es uns allen neuen Mut gab. Denn wieder war ein Schachzug gelungen. Unsere Freude sollte jedoch nicht all zu lange anhalten. Wachtmeister Salberg hatte zwar schon im Gespür gehabt, das irgend etwas nicht stimmte und wollte Vorkehrungen treffen, doch da sahen wir auch schon, dass um und an der Pallisade ein Brand entstanden war. Zu diesem Zeitpunkt war es schon bald Mitternach, vom Gefühl her und ich kann beim besten Willen nicht mehr rekapitulieren, was alles geschehen ist. Ich weiß nur noch, dass wir den Brand gelöscht, einen weiteren Brand am Küstenhof bei Rittersee entdeckt und ebenso gelöscht haben und irgendwann auch noch in einen kleinen Trupp des Feindes gelaufen waren. Die nächsten Stunden fühlen sich an, als wäre es nur ein Traum gewesen. Ich habe nur Bruchstück hafte Erinnerungen und weiß, dass ich mich viel mit Eliana unterhalten habe, welche durch ihre Verletzung vom 26. zur Bettruhe verdonnert worden war. Die nächsten Tage werden wohl zeigen, was als nächstes zu tun ist. Doch für heute gilt es noch ausruhen, damit ich morgen wieder den Dienst antreten kann. Wir können es uns nicht leisten, noch mehr Kameraden längerfristig zu verlieren. Die Rekruten Darko, Bergon und Lenjar sind schon genug. Und auch der Rest von uns ist freilich nicht mehr unangeschlagen. An keinem sind die Schlachten spurlos vorbei gegangen.

Temora beschützt ewig!
Balian Sturmthal
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Mit einem leisen Rums fiel die Haustür hinter dem Gardisten ins Schloss und sperrte den eisigen Winter weitesgehend aus. Seinen Hengst hatte Balian in der nahegelegenen Stallung abgegeben, damit mansich dort um ihn kümmerte. Dafür fehlte ihm heute einfach die nötige Restkraft. Noch mitten in der Diele entledigte er sich der ersten Rüstteile. Routinierte Griffe ließen die Zeit der Befreiung von Gewicht zumindest nicht außergewöhnlich lange anhalten. Alles fand seinen Platz erst einmal nur auf dem Dielenboden. Er würde sich später noch um die Pflege kümmern. Dann brauchte er es ja jetzt nicht direkt einräumen. Und so stiefelte er auch schon die Treppe hoch, ins Obergeschoss. Dort angekommen legte er auch den Gambeson als letzte von dreieinhalb Lagen Uniform ab und wusch sich ausgiebig. Die vielen Stunden in der Frostwassergrotte, sowie die darauffolgenden Stunden ständigen hin und her Reitens von Termin zu Termin hatten ihn ordentlich eingesaut. Das Wasser zeigte dies am Ende nur zu farbenfroh. Ein kurzer Blick wurde abschätzend auf den Rücken gelegt, doch die Wunde blieb zu und kurstete weiter gut vor sich hin. Vermutlich war sie schon fast gänzlich zusammengewachsen, im letzten Wochenlauf. Dieser Gedanke veranlasste ihn schließlich, noch bevor er sich um die Rüstung kümmern konnte zum Verfassen eines Tagebucheintrages. Einzig die für den Schlaf ausgesuchte Hose und das dazugehörige Hemd wurden übergezogen und dann setzte er sich auch schon an den Esstisch in der Küche. Auch dieses Mal blieb die Handschrift gut leserlich, sauber und unverschnörkelt..

Es ist wieder Ruhe eingekehrt. Wir schreiben den 08. Alatner 258. Nahezu genau einen Wochenlauf ist die Belagerung Schwingensteins nun her. Am 01. Tag des Mondlaufes hatten wir noch die letzte Schlacht geführt, bevor sich der Feind dann in der folgenden Nacht nach und nach zurückgezogen haben musste. Zu meinem Bedauern wurde ich in eben jener Schlacht neuerlich verletzt. Ich machte mir nicht viel daraus, da ich ohnehin durch die beißend kalte Luft des aufkommenden Schneesturmes keine Schmerzen verspürte und aus den Verletzungen zuvor gelernt hatte, dass es keine Schmach war. Doch im Nachhinein betrachtet wünschte ich, es wäre dennoch nicht passiert. Am 2. Alatner hatte Frau Oberstleutnant die Truppen in Richtung der teils noch besetzten Ordensburg geführt. Aber statt eines Kampfes erfuhren sie dort nur die Auswirkungen alatarischen Wirkens. Der komplette Gebäudekomplex muss wohl implodiert sein. Ich hörte lediglich den Knall aus der nahen Ferne, während ich die Aufgabe bekommen hatte auf das Kloster aufzupassen. Das Gesicht von Eliana jedoch, als ich sie das erste Mal danach wiedersah, schmerzte tausendmal mehr als jeglicher Gedanke, den ich an die möglichen Szenarien verschwendet hatte, die ich mir in meiner Unwissenheit ausgedacht hatte.
Ich gebe zu, anfangs habe ich noch Gedanken der Frage gewidmet, ob sich unsere Wege nach all dem einfach so wieder trennen würden. Aber als sie mir mitten in den Ruinen ihrer Heimat um den Hals gefallen war und wir in den folgenden Stunden bald mehr geredet hatten, als die ganzen Tage zuvor, konnte ich diesen Fall nicht als eventuelle Möglichkeit der Zukunftsentwicklung akzeptieren. In mir keimte der Wille auf, sie zu beschützen und ich spüre, dass dies nicht einzig aus ihrer Hilfslosigkeit heraus rührt. Ich suche gleichzeitig ihre Nähe. Ihr eigenes Licht, welches sie mir in ihren starken Zeiten schenkte. Völlig neue Gefühle, hauptsächlich, für mich. Das Thema Zölibat, Hochzeit und knappe Zeit brachten mich schließlich auf einen Pfad der Verzweiflung nahe. Ewige Jahre meines Lebens war es das Normalste der Welt gewesen, keine Gefühle zum anderen Geschlecht zuzulassen, die über Kameradschaft hinaus gingen. Und nun kam diese eine Frau daher, die es genauso wenig wie ich hatte beeinflussen können und zwang mich zu einem Lächeln im Dienst, zum Auskurieren von nicht gänzlich außer Gefecht setzenden Wunden und vielem mehr, was mir bis dahin niemals in den Sinn gekommen wäre. Am 4. Alatner hatten sich diese Gedanken und Gefühle weiter ausgebreitet, denn wieder einmal vollkommen spontan und ohne große Vorlaufszeit trafen wir uns in der Stadtstube. Ein gemeinsames Abendessen. Ich war nicht weltfremd genug, um nicht zu wissen, wie dies nach außen hin aussah und sich auch nach innen hin anfühlte. Es gab allerdings genau eine Frage, die jegliche von ihr so gelobte 'augenscheinliche Professionalität' aus meiner Sicht zu besiegen vermochte. "Ihr seid..?" Sie hatte den Satz abgebrochen und doch wussten wir Beide nur zu gut, was sie damit gemeint hatte. Natürlich musste ich es bestätigen und das brachte sie, zu meiner Erleichterung, im ersten Moment mindestens genauso aus dem Konzept.
In den letzten Tagen hatte ich neben dem wieder aufgenommenen Routinedienst mehr Zeit, mir über diese Situation im Klaren zu werden. Ich hatte Assamaril und Janarey um Hilfe gebeten, da ich noch im Hinterkopf hatte, dass sie bei meinem letzten Besuch von einer Idee geredet haben, wie man Menschen zusammenbringen könnte. Tatsächlich wussten sie mir auch viele Ratschläge zu geben. Vor allem Assamaril und ich war ihnen sehr dankbar dafür. Ohne sie würde ich daran vermutlich wahnsinnig werden. Ich habe ja wirklich mittlerweile verstanden, dass ich in Eliana verliebt bin. Aber das heißt noch lange nicht, dass ich weiß, was ich entsprechend tun muss, sollte oder auch lieber nicht. Zeit, Mühe und Gespräche sind die Schlagwörter, die mir im Kopf geblieben sind. Alles Andere ist ohnehin individuell. Um ihr Herz zu erreichen, muss ich sie kennenlernen und mit Bedacht vorgehen. Der Tag der kleinen Geschenke würde jetzt in zwei Tagen die Feuertaufe der Eigeninitiative werden. Auch, wenn ich bis in die Nacht hinein Dienst schieben werde. Ein Feiertag ist schließlich keine Befreiung der Soldaten von ihren Pflichten. Und mit Ausnahme von Gardistin Saran und Korporal Janarey geht vermutlich ohnehin niemand davon aus, dass ich etwas Anderes, als Dienst vorhaben könnte.

Temora beschützt ewig!
Balian Sturmthal
Zuletzt geändert von Gast am Dienstag 8. Dezember 2015, 23:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Als Balian vormittags wieder nach Hause kam, fühlte er sich das erste Mal seit Ewigkeiten mal wieder so richtig ausgeschlafen. Putz munter und mit einem ungehetzten Frühstück im Magen schloss er die Haustüre auf, ging hinein und schaute sich wie so oft um. Nachdem er sich dann umgezogen hatte, setzte er sich an den kleinen Küchentisch, holte das Tagebuch heraus und begann nach 3 Wochenläufen Pause damit einen neuen Eintrag zu schreiben..

Wir schreiben den 29. Alatner 258. Die Mondlaufsmitte hätte turbulenter wohl kaum sein können. Der Tag der kleinen Geschenke war ein ruhiger Tordiensttag geworden, mit vielen Menschen die einfach freundlich grüßten, obwohl sie es sonst vielleicht nicht so taten. Meine Geschenkidee für Eliana war offenbar gut angekommen und auch über ihr Geschenk an mich freute ich mich sehr. Dann am 12. Alatner hatte ich es, weiß Temora wie, geschafft einen Schritt weiter zu gehen und ich kann gar nicht in Worte fassen, wie erleichtert ich war, als sie mich nicht dafür verachtete, sondern mir sogar entgegen kam. Dennoch war, wie zu Beginn vermutet, die letzte Hürde damit noch nicht überwunden. Fineas Lamont, an sich ein netter junger Mann, er warb auch um die Gunst Elianas und in den ersten Tagen nach dem Kuss wurde mir mein Soldatendenken zu einem enormen Problem. Der Dienst war wichtig, auch jetzt denke ich, dass er noch wichtig ist. Aber mein Leben kann und sollte nicht nur daraus bestehen. Dies führte mir Eliana am 16. Tag vor Augen und Assamaril wiederholte diesen Aspekt in einem intensiven Gespräch am 26. noch einmal.
Doch erst einmal, was zwischen diesem Debakel und der eigenen Erkenntnis geschah. Silas ließ mir einen Brief zukommen, in dem er um ein dringliches Treffen bat. Bis nach Adommen könne er mir entgegen kommen. Genauere Gründe oder Inhalte standen nicht in jenem Brief und so musste ich mich aus dem Risiko heraus, dass es wirklich etwas Wichtiges ist zu ihm begeben. Noch am 20. wurden der Urlaubsgesuch eingereicht und gleich auch die Taschen gepackt. Beim Warten auf das Ablegen des Schiffes hinterließ ich noch eine Entschuldigung an Eliana. Es missfiel mir zwar, sie genau in dem Moment für einen Wochenlauf alleine zu lassen, aber ich hatte ihr geschworen, ich würde niemals ohne Abmeldung gehen. So kam es also und auch nach meiner Ankunft schickte ich noch einen Brief. Doch der Folgetag sollte für mich wohl kein schöner werden. Sicher freute ich mich riesig meinen alten Freund und Kameraden wohlauf wiederzusehen. Doch die Kunde, die er mitbrachte hätte im Angesicht des gerade verdauten Krieges nicht unpassender kommen können. Meine Mutter ist schwer krank geworden und bettelte wohl jeden Tag auf ein Neues, dass ich zurückkehren solle. Silas wusste, dass das nicht funktionieren würde und so hatte er sie auch schon versucht darauf einzustellen, eben jene Nachricht nach Hause zu bringen. Ich erinnere mich noch genau an seine Worte, als wir in der Hafenschenke saßen. "Ich glaube nicht daran, dass du wirklich zurückkommen willst, aber hinterlass ihr wenigstens eine Nachricht. Ich möchte sie nicht ohne irgend etwas gehen lassen." Ein Schlag mitten in mein Gesicht, denn er wusste genau, dass dies meine letzte Möglichkeit war ihr etwas zu sagen. "Ich habe dich nie gehasst. Nur Unverständnis für deine Tat und Abscheu gegenüber den Taten deines Mannes, meines Mentors umhüllten mein Herz mit einem dichten Nebel, den ihr fortan nicht mehr zu durchwandern vermochtet. Gehe in Frieden und blicke mit Stolz auf einen Sohn hernieder, der trotz allem seinen Weg weiter geht und auch den Weg zum Herzen noch finden wird." Das waren die ersten und letzten Worte, die ich nach bald 4 Jahren jener Frau widmetet, die sich Zeit meines Lebens meine Mutter nannte.
Aber gut. Wieder zu etwas Erfreulicherem. Den Weg zu meinem Herzen, den habe ich tatsächlich nun gefunden. Ich bin immer noch davon überzeugt, dass Janarey und insbesondere Assamaril einen erheblichen Teil dazu beigetragen haben. Auch, wenn sie es vielleicht nicht sehen. Vorgestern war ein Tag, der mein weiteres Leben wohl mehr prägen wird, als ich es geahnt hätte. Elianas Worte zu mir, als wir nach der Einweihungsfeier bei Janarey und Assamaril vor ihrem Kamin saßen, trugen rein inhaltlich betrachtet einen gewissen Hauch Sarkasmus in sich, aber sie waren der Beginn eines neuen Lebensabschnittes: "Du solltest mich jetzt küssen." Sie liebt es offenbar darauf herumzureiten. Nun, es gibt Schlimmeres. Dieser 'Konkurrenzkampf' zwischen Herr Lamont und mir hätte nach meiner Meinung auch im Guten enden können. Allerdings scheint er das anders zu sehen. Als er abends noch einmal zu Besuch kommen wollte, war er aufgebracht und wollte gar nicht erst viel reden. Schade auf eine Weise, auf der anderen wird er sich früher oder später damit abfinden. Er ist ein guter Kerl.

Temora beschützt ewig!
Balian Sturmthal
Zuletzt geändert von Gast am Dienstag 29. Dezember 2015, 16:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Dieses Mal wird sich statt eines Monologs eine einfache Liste im Tagebuch des Kriegers einfinden. Die Handschrift ausnahmsweise doch mal nicht so ordentlich. Nur schnell schreibt er jene nieder und lässt das Buch schlussendlich auch offen auf dem kleinen Küchentisch liegen, bevor er ins Obergeschoss geht, sich der Uniform entledigt und normale Straßenklamotten anzieht. Die Kälte aus seinem durchgefrorenen Körper vertreiben wollend, begibt er sich da auch sofort unter die Bettdecke und versucht sich im nichts tun..

08. Hartung 8. Glockenschlag nach dem Mittagsläuten: Anprobe beim Fräulein N'yota
[s]Danach eventuell noch zum Unterricht im Lehrhospital (Wunden verbinden..)[/s]
10. Hartung 5. Glockenschlag nach dem Mittagsläuten: Reise nach Menek'Ur (Salz und Teppiche)
[s]12. Hartung 8. Glockenschlag nach dem Mittagsläuten: Formationsübungen mit den Kameraden (eigener Unterricht!)[/s] verschoben!
13. Hartung Cho [s]Dienst der einfachen Soldaten (kein Wort zu den Obrigkeiten!)[/s]
17. Hartung 8. Glockenschlag nach dem Mittagsläuen: Neujahresball [s](Eliana noch fragen!)[/s]
Zuletzt geändert von Gast am Samstag 16. Januar 2016, 00:37, insgesamt 2-mal geändert.
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Vieles wurde auf der zuletzt beschriebenen Seite durchgestrichen, mit Randnotizen versehen und schließlich schaute er die zum ersten Mal verunstaltete Seite an. Unordentlichkeit war eine der Eigenschaften, die er sich sehr sehr selten in seinem Leben jemals zugeschrieben hatte. So selten, dass er die Male wohl an einer Hand abzählen konnte. "Rational denken, rational handeln.", hörte er die Worte seines Ziehvaters und Mentors in seinem Kopf widerhallen. "Ordentlichkeit ist berechenbar. Aber berechenbar müssen wir auch sein." Sein Blick überflog noch einmal die Dienste, die er ausnahmsweise doch nicht wahrgenommen hatte. "Was nutzt ein Soldat, der nicht das tut, was man von ihm erwartet?" Dann blieb das graugrüne Augenpaar auf der letzten Zeile liegen. Eliana hatte er gefragt und er hatte auch schon alles erledigt, bis auf die Ballkleidung. Aber da wollte sich ja Frau N'yota drum kümmern, als Meisterschneiderin. "Klare Strukturen helfen dabei klare Wege gehen zu können und selbst wenn einem Fehler unterlaufen, kann man sie ganz eindeutig analysieren. Denn sie wären nicht klar. Verstehst du das, Balian?" "Ich verstehe jetzt, was du meintest, Eliana..", murmelte er vor sich hin, als er unverändert am kleinen Küchentisch stand.
Das rechte Maß war wohl auch im Alltag wichtiger, als zu Beginn gedacht. Das rechte Maß nicht alleine auf die Tugenden, sondern auch auf die Verhaltensweisen verschiedenster Menschen bezogen. Distanz und Nähe, Rationalität und Emotionalität, Gehorsam und Loyalität.. Dazwischen lag immer ein schmaler Grad, den die Gesellschaft unbewusst immer schmäler hielt. Sicher, er musste sich nicht grundlegend ändern. Niemand hätte das von ihm gewollt. Doch so ein kleines Bisschen tat er es dennoch.
Wieder fiel sein Blick auf die Notizen der vergangenen Tage. "Neuer Wochenlauf, neue Motivation. Auch Balian Sturmthal braucht zwischendurch eine Atempause." Mit diesen Worten griff er nach der Schreibfeder, tauchte sie in das noch aufgeschraubte Tintenfässchen und begann kurze Zeilen zu verfassen...


Wir schreiben mittlerweile wohl den 16. Hartung. In etwas mehr als einem Tag wird der Maskenball sein. In vielerlei Hinsicht wohl eine neue Erfahrung für mich. So wie einiges Anderes derzeitig. Aber durch die neuen Erfahrungen, die ich hier machen darf lerne ich auch noch Dinge aus der Vergangenheit. Worte, die ich damals nicht verstand oder bloß glaubte zu verstehen werden auf einmal klar. Es gibt ein paar Dinge, die ich bereuen könnte. Aber mir fehlt der richtige Zeitpunkt dafür. Erst einmal heißt es weiter nach vorne schauen und die Zukunft aufbauen, bevor ich mich dann noch einmal zum Abschluss der Vergangenheit widmen kann. Der morgige Tag wird viel zur Entscheidung beitragen, wann dieser Zeitpunkt tatsächlich gekommen sein wird.

Temora beschützt ewig!
Balian Sturmthal
Zuletzt geändert von Gast am Samstag 16. Januar 2016, 01:18, insgesamt 1-mal geändert.
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Wie mittlerweile des Öfteren wachte Balian mit seinen Armen um Eliana auf. Es war noch stockduster und seine Verlobte schien bis hierhin selenruhig weiterzuschlafen. Den Rücken zu ihm gewandt, aber ganz eng an ihm liegend. Ihr Atem ging ruhig, genauso wie seiner und es zauberte dem Soldaten ein Lächeln auf seine Lippen. Ganz langsam versuchte er seinen Arm zurückzuerobern, ohne sie zu wecken, nur um dann vorsichtig an die Bettkante zu rollen und sich von jener zu erheben. Auf leisen Sohlen machte er einen Schritt, griff nach seinen Sachen und tabste barfuß die Treppe ins Untergeschoss runter. Dort erlaubte er es sich dann auch nach die Vollmontur für den Dienst anzulegen. Gambeson, Teile aus Kette, Teile aus Platte und darüber die Teile der Uniform, die aus Stoff bestanden. Die Haare wurden wieder zum oblegatorischen Pferdeschwanz zusammengebunden und zu guter Letzt der Waffengurt angelegt. Auf ein Frühstück verzichtete er erst einmal. Jenes würde er sich erst nach dem Dienst, wenn er um die 6. Morgenstunde herum Feierabend haben würde abholen. Und während er also im Wachhaus am Nebelpass saß, schrieb er über einen langen Zeitraum den nächsten Tagebucheintrag. Es dauerte lange, weil er immer wieder den graugrünen Blick in die Finsternis richtete, um so zu tun, als könne er mehr erkennen als das, was im Radius der Fackelscheine geschah..

Wir schreiben den 20. Hartung des Jahres 259. Das vergangene Jahr hatte etwas turbulent geendet. Am 28. Alatner hatten Janarey und ich noch den Fackelzug durch Lichtenthal veranstaltet. Es war schön zu sehen, wie viele Leute sich uns angeschlossen hatten und das selbst unsere Verbündeten, die Thyren aus dem Norden mit ein paar Mann gekommen waren. Jene Nacht birgt für mich allerdings weit mehr Erfahrungen, als dies. Nachdem ich Zeit meines Lebens nicht einen Tropfen Alkohol angerührt habe, hatte ich mich selbst in die Lage gebracht von Eliana einen Schluck Punsch angeboten zu bekommen. Ich nahm an und muss zugeben, dass es wirklich nicht schlecht schmeckte. Nicht so schlecht, dass ich weitere Schlücke und später Getränke verschmäht hätte. Im Anschluss bin ich schließlich zum ersten Mal nicht für meinen Schlaf nach Berchgard gereist, sondern rüber zu Eliana. Es lag ja förmlich direkt neben dem Marktplatz.
Es konnte von da an nicht anders kommen, als dass unsere Beziehung begann die Runde zu machen. Wir hatten ohnehin nicht geplant sie zu verheimlichen. Dennoch war es eine merkwürdige Situation vor Herrn Antorius zu stehen und sich Sprüche wie "Könnt Ihr für sie sorgen?" und "Seit wann geht das schon?" anhören zu müssen. Ganz gleich ob er nun dachte, er könne sich als Vormund aufspielen oder nicht. Es war wohl einzig meiner guten Erziehung zu verdanken, dass ich nicht aus der Haut gefahren bin. Nichts desto trotz kann ich seine Sorge verstehen und weiß natürlich auch um die Beweggründe der Ordensleute. Genau jene sind auch der Grund, warum ich mit dem, was ich am 17. Hartung getan habe auch noch lieber viel länger gewartet hätte.
Eliana musste am Vortag geglaubt haben es wäre sonst etwas passiert. Wortlosigkeit, teilweise Verwirrtheit und Nervosität waren sonst nicht die Eigenschaften, die Andere oder ich selbst meiner Person zuschrieben. Natürlich hatte dies alles einen triftigen Grund, welchen ich ihr jedoch zu dem Zeitpunkt noch nicht sagen konnte. Mehr oder weniger war es wirklich geplant, dass ich am Folgetag um ihre Hand anhalten würde. So etwas plante man jedoch tausend mal, wie es mir schien, nur um die Pläne aus Unsicherheit dann mindestens genauso oft an dem Tag wieder umzuwerfen. Wann war denn auch bitte der richtige Zeitpunkt für einen Kniefall? Zuerst hatte ich gedacht, der Ball würde mir etwas Zeit schinden. Daraus wurde jedoch nicht viel, denn aus Entsetzung über den wahrlich missverständlichen Text des Eröffnungsliedes durch Meister Torjan war jener für Eliana und mich schneller vorbei, als wir damit gerechnet hatten. Wir zogen uns also zum See bei Kronwalden zurück und holten unseren versprochenen Tanz dort nach. Wie schon beim Üben in ihrer Küche war es ein schöner Moment für mich gewesen, den ich gerne in Zukunft wiederholen werde. Doch nach dem Tanz sah ich schließlich die letzte Möglichkeit eines Antrages an diesem Tag. Die Kälte um uns herum war mittlerweile besser zu spüren, als noch wenige Stundenläufe zuvor und so gab ich mir selbst einen Ruck. Ohne zu wissen, wie schwer es tatsächlich war, diese wenigen Worte über die Lippen zu bekommen. Wenn ich mich daran zurückerinnere, dass ich mir damals bei meinem Aufnahmegespräch in das Regiment de Argantas noch so viele Sorgen gemacht hatte, war das nichts im Vergleich zum Antrag. Zu gut weiß ich schließlich um Elianas Vorgeschichte im Bezug auf Verlobungen. Zu meinem Überraschen jedoch, lernte ich an diesem Abend sogar noch etwas dazu. Es war ihr erster Verlobungsring, den sie erhielt. Bei klarem Verstand hätte ich mich wohl laut gewundert. Doch so war ich einfach nur erleichtert und zufrieden, dass sie bereits jetzt schon "Ja" gesagt hatte und konnte den Rest der Nacht noch genießen.
Ja, tatsächlich sogar zu spät zum Dienst kommen, weil man sich von der Verlobten hatte bereitwillig ablenken lassen. Aber was waren schon 2 Runden um die Stadt herum und ein grimmiger Korporal im Nacken, wenn man genau wusste, dass man Soldat genug war, um die verpasste Zeit einfach hinten dran zu hängen und sich im Anschluss auf eine herzliche Begrüßung zu freuen?

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Balian Sturmthal
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Die Nacht war kurz gewesen. Etwa zum Glockenschlag der 22. Tagesstunde war er aus der Statdstube raus und bei Eliana gewesen. Und um den 5. Stundenlauf des nächsten Tages quälte er sich bereits wieder aus dem Bett. Ein paar Stunden mehr wären ihm nach dem kurzen und anstrengenden Tag lieber gewesen. Es half jedoch alles nichts und so griff er nach seinem Rucksack, ging die Treppen runter und rüstete sich dort mit routinierten Griffen für den Wachdienst am Nebelpass. Ob Eliana nun davon wach wurde, wusste er nicht. Für gewöhnlich ließ sie es ihn nicht wissen, damit er sich nicht sofort wieder entschuldigte. Am Wachhäuschen angekommen setzte er sich auf den einfachen, aber massiven Holzstuhl, löste einen Platten besetzten Handschuh von seiner Hand und begann wieder zu schreiben...
Es ist bereits der 22. Hartung des Jahres 259. Die Zeit vergeht wie im Flug und immer mehr Ideen kommen hinzu. Erst gestern sprach Eliana das Thema eines gemeinsamen Heims an. In Berchgard alles aufgeben und zu ihr, nach Adoran ziehen. Natürlich aber klärte uns die Hochedle von Belfa auf der Verlobungsfeier von Keylon und Fräulein Bergon darüber auf, was man als verlobtes Paar darf und was nicht. Sicher, sie fügte auch an, dass diese Etikettenregeln explizit nur für den Adel in dem Sinne verpflichtend sind. Aber man macht sich ja dann doch seine Gedanken als Sohn aus wohlständigem Hause. Nun gut, ich werde es einfach noch einmal in Ruhe mit Eliana besprechen. Gestern war es zu sehr zwischen Tür und Angel.

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Balian Sturmthal
Zuletzt geändert von Gast am Donnerstag 4. Februar 2016, 09:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Leise, kaum vernehmbar knarzte das Holz unter seinen Füßen, als er sich in Richtung Waschschüssel begab. Ein vorerst letztes Mal wurde diese Salbe, die er im Hospital bekommen hatte vom Oberkörper abgewaschen und offenbarte auch nur noch blasse Schatten, an den meisten Stellen. Das tägliche kalte Bad hatte wohl auch seinen Teil dazu beigetragen, dass wenigstens die Prellungen vom Vormonat zuverlässig und zügig verschwanden. Nun musste er quasi nur noch die linke Schulter aussitzen. Dafür würde noch ein Termin mit dem Fräulein Assamaril nötig sein. Der 7. Eisbruch war der Stichtag. Also zog Balian sich vorsichtig, mit aber mittlerweile routinierten Ein-Arm-Griffen eine frische Hose an und begab sich an den Esstisch. Ein Pergament, Tintenfass und eine Schreibfeder wurden heraus geholt, ehe er auch schon bemüht leserlich zu Schreiben begann. Das Pergament anstelle des linken Armes mit dem Tintenfass selbst beschwert..

Wir schreiben heute den 04. Eisbruch im Jahre 259. Wieder ist ein Mondlauf zu Ende und ein neuer hat begonnen. Mittlerweile haben wir den Umzug tatsächlich durchgeführt. Es war ja ohnehin nur noch symbolisch, denn faktisch lebte ich schon einen Großteil meiner Zeit bei ihr. Nun auch noch hauptsächlich, denn natürlich hat mir das Schicksal eine angeknackste Schulter beschert. Ich werde später noch Fräulein Assamaril um einen Termin zur Nachkontrolle bitten. Vielleicht verheilt es ja doch schneller, als befürchtet. Bis dahin heißt es aber weiter mit Würde im Bett liegen oder auf dem Stuhl herum sitzen.

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Balian Sturmthal
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Der spät nächtliche Wind, welcher die letzten Kühlen des Winters aus dem Land hinaus zu treiben versuchte pfiff unregelmäßig, aber auch genauso unnachgiebig durch sämtliche Ritzen, die der Kerkertrakt mit seinen Türen und kleinen Fenstern bot. Grunzen und Krächzen und sonstige Geräusche dieser Lautengruppe unterbrachen die wenigen ruhigen Minuten dann eigenmächtig und hinter der Zellentür beklagte sich die Gefangene gelegentlich, aber sehr autentisch über ihre Verfassung. Während all dessen kritzelte die Feder des Soldaten unaufhörlich über eine Seite seines Buches. Nur gelegentlich, wenn er einmal herüber blickte und vielleicht sogar 1 bis 3-Wort Antworten gab, unterbrach er das Schreiben..

Wir schreiben die Nacht des 25. auf den 26. Lenzing. Lange Zeit war es ruhig, für hiesige Verhältnisse, doch die letzten Tage weckten unsere Gemüter schließlich wieder einmal. Die Frühjahresmüdigkeit ist bereits vorbei.
Im Regiment breitet sich die Kunde aus, dass Korporal Janarey uns zum neuen Mondlauf verlassen wird, die mir bisher nur vom Hören Sagen her bekannte Melina Waldesruh sitzt seit einigen Tagen bei uns im Zellentrakt und am 29. Lenzing soll bereits ihre Hinrichtung sein. Offenkundig vermögen die Berichte und ihre Akte nicht detailiert genug zu beschreiben, wie sie ist. Ich hatte mich informiert und doch wurde ich von ihrer Person überrascht. In welch krankhafter Verfassung muss diese junge Frau sein, in zwei Sprachen und mit mehr Leuten als im Raum anwesend zu reden? Zu dem befindet sie sich in einem Zustand, den die Heilkundigen als kalten Entzug diagnostizierten. Waldesruh muss einen regen Missbrauch von Alkohol und vermuteter weise auch Drogen in ihren Alltag integriert haben oder vielmehr - jenes Verhalten scheint ihren Alltag bestimmt zu haben, bis sie hier hin verfrachtet wurde. - Wir werden alle beten für sie, wenn es zum Tag des Gerichts kommt. Auch, wenn ein Wunder nötig sein wird, um sie vor dem Raben zu bewahren.
Nun, nachdem der Bau der neuen Ordensburg vor einer Weile begonnen und zwischendurch unterbrochen werden musste, geht es hier seit dem 24. wieder weiter. Ich hatte die Ehre dem Gesprächs zwischen Rat und Orden beiwohnen zu dürfen und kann mich am Ende nicht einmal beklagen, dass dies nur durch das Fernbleiben meiner Kameraden beim Unterricht möglich geworden ist. In den nächsten Tagen werde ich mich einmal zur Baustelle begeben und schauen, wo ich helfen kann. Der Dienstplan lässt dies ausnahmsweise zu und so möchte ich die Gelegenheit nutzen mich tatkräftig einzubringen. Ohnehin wird es mir dann auch eher gegönnt sein Eliana noch einmal zu sehen. Sie ist fast nur auf der Baustelle und schaut, dass alles nach Plan läuft. Nicht, dass ich es ihr als Soldat verübeln würde. Aber ich beginne zu verstehen, was Liebe zu einem Menschen alles bewirken kann, wenn man über das alltägliche Maß hinaus voneinander getrennt ist.

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Balian Sturmthal
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