und eine neue Macht erhebt sich im Westen

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Isidor

und eine neue Macht erhebt sich im Westen

Beitrag von Isidor »

Diplomatin, Ihr, die Ihr mein Auge seid...
Wie lange mag es wohl dauern, bis der Ketzer im Osten und sein verblendetes Gefolge aus Halbmenschen und sprechenden Untieren mein Reich überrennt...?


Einen Mond - höchstens...

Clerica, wieviel Zeit darf auf das Pudern der Gesellschaft verschwendet werden, im Angesicht dieser Bedrohung und des Missstandes?

Nicht ein Wimpernschlag, eure Heiligkeit...



Das war aus dem Reich des All-Einen geworden. Eine Ansammlung aus Gruppierungen die sich mehr hassten, als den Feind des Gottes, den sie für die Argumentation ihres Handelns und ihres Hasses missbrauchten.

Ja, Hass ist es das Er uns lehrte. Hass, der bestärken sollte. Hass der einen Schild bildet, stärker als jeder Stahl, gefördert und verarbeitet durch die Halbwüchsigen unter Tage. Er selbst kam nieder und nahm ihnen die Fähigkeit zu handeln. Doch in ihnen brodelte noch immer der Hass, die Lust untereinander zu vernichten und zu töten.

Du nimmst dir die Freiheit, über Recht und Unrecht zu urteilen und bezeichnest deine Brüder und Schwestern als Ketzer. Vielleicht bekamst du zu lange keinen derer zu Gesicht, DIE DEIN HERR ALS KETZER BEZEICHNET. Ein Wort kann gleichsam einer Klinge schneiden und weder hat Er dir befohlen das Eine, noch das Andere gegen die zu erheben die sich als gläubige des Herren bezeichnen.

Der Alka soll gerecht sprechen, in alter Härte... den Verrätern soll er ihrer gerechten Strafe zuführen. Oh glaubt mir meine Kinder, nach meiner Rückkehr hätte ich nicht wenig Lust gehabt, Letharen und Menschen vor dem Palast aufzubahren um jeden Tag hunderte Köpfe rollen zu lassen. Die Einen, die es nicht schafften den Frieden zu bewahren und die Anderen die ihr Schwert erhoben um sich Gehör zu verschaffen.

Weil du ein Gefolge hast...
Weil du das Schwert oder den Bogen beherrscht...
Weil du mit dem Wort härter schlägst als ein Krieger mit seiner Keule...

bist du eher in der Lage über Glaube und Unglaube zu urteilen?
Sind die Schneider und Schmiede, Holzfäller und Bauern dieses Landes weniger gläubig als Du, weil sie sich dieser Waffen nicht bedienten oder bedienen können?

Nicht nur, dass du Macht deiner Arroganz und Überheblichkeit Ihr Leben riskierst... du nimmst das Scheitern SEINES Werkes in Kauf um Frieden mit deinem Unmut zu schaffen...

...seine Heiligkeit, Isidor der I. ist gekommen um das Reich zu einen und zu neuer Größe und Macht zu verhelfen. Er schickt Knappen an den Pranger und lässt Ritter die Peitschen ihres Gefolges spüren. Er bringt euch bei, Symbole zu erkennen. Des All-Einen Wille steht über eurem, des Alka's Wort in dieser Welt ist das einzige dem Ihr folgen werdet.

Wenn sein Herz nach rollenden Köpfen aller Lager schreit, wie könnte er sich das Recht nehmen den Einen zu begnadigen während er den Anderen vor den Henker führen lässt? Eine letzte Chance soll den Streitern und Dienern gegeben werden, auf dass sie erneut zu ihrem Glauben und dem Willen des All-Einen finden mögen.

Ein verdammter Opportunist... ja, ohne jeden Zweifel.

Lieber quetsche ich eure mistigen Köpfe mit aller Macht gegeneinander, als dass ich mich vor seiner Herrlichkeit für euer Scheitern rechtfertige. Und wenn der Feind vor meinen Toren steht und die Lage ausweglos ist, dann wird mein Schwert durch die eigenen Reihen schneiden um euch für eure Fehler zu bestrafen. Titel und Positionen vergebe ich nahezu ungeachtet der Verfehlung... denn auch wenn ihr es nicht erkennt, es gibt all Jenen eurer Glaubensgeschwister Hoffnung, die ihr längst vergessen habt. All denen, die mit dem selben Recht und der selben Überzeugung ihr Schwert an eurer Seite erhoben.

Ich nehme euch das Recht über mein Wort zu urteilen oder über die zu sprechen, die ihre Strafe aus meiner Hand erfuhren... denn ich werde mit stählerner Faust all Jene in den Boden rammen, die den Hass untereinander weiter schüren.

Seht ihr denn nicht? Als Wenige hattet ihr die Macht, das Reich zu verteidigen und einen monatelangen Krieg untereinander zu führen.

Welche Macht habt ihr, wenn ich euch den Weg weise.
Den Weg, eure Kräfte erneut zu Vereinen...


Und wenn mir nur ein kleiner Haufen aus treuen Dienern des All-Einen bleibt, dann will ich mit eben diesen der Bestimmung folgen. Das Wort und den Willen seiner Herrlichkeit bis zu meinem letzten Atemzug verteidigen.

Werdet ein Teil des Sturmes den ich heraufbeschwöre und gebt all jenen, die im Namen Alatars Fehler begingen, die Möglichkeit euer Rückenwind zu sein.

Mein Wille ist der Wille der Gläubigen.
Mein Wort ist Gesetz.

Wenngleich mein Denken und mein Handeln nicht verstanden wird, so kann ich nur inständig hoffen, das dies die schlimmste Folge für Reich und Volk ist, die es überkommen mag.

Vergebung ist kein Wort das dieses Reiches all zu häufig Verwendung findet. Doch Gläubige, vergebt ohne Erwartungen wenn es dem Willen des Herren dient. Vergebt.



Seite an Seite...
Werdet Teil des Sturmes seiner Heiligkeit,
Lang lebe das Volk und die Kinder Alatars!
Lang lebe das Reich seiner Herrlichkeit, dessen Grenze WIR bestimmen!
Zuletzt geändert von Isidor am Mittwoch 16. September 2015, 00:36, insgesamt 2-mal geändert.
Isidor

Beitrag von Isidor »

zwei lange seidene Vorhänge teilten den Gang auf den prachtvollen Balkon. Im Wind schmiegte sich der edle Stoff wieder und wieder um die dicken Holzbeine des Sessels, der mittig auf dem herrschaftlichen Ausguck platziert worden war. Ein sanfter, raubtierartiger Gang verschafft einen Blick aus verschiedenen Perspektiven des Schlafgemaches - auf die düstere Präsenz desjenigen, der dort saß... Thronend, mit einem Blick auf die hell erleuchtete und im Jubel liegende Stadt Rahal. Die eiserne Maske seiner Heiligkeit lag unbeachtet und schräg zu den Tatzengeformten Füßen des Sessels. Der königlich herrschaftliche Umhang bedeckte die sitzende Gestalt, lediglich die breite linke Pranke lag frei, dem Anschein nach, um sich an einen goldenen Kelch zu klammern.

Als sich das Augenpaar dem Rücken des Alka nähert, wird ihm gewahr was darüberhinaus seinen stillen Gemütszustand förderte. Ein Pantherjunges hatte seine breiten Tatzen fest in den felligen Umhang gekrallt, wohl um unter den festen Streicheleinheiten seiner Heiligkeit nicht von dessen Schoß zu rutschen. Still protestierte das kleine Bündel unter dem Griff der Pranke des Beseelten, gab hin und wieder ein tonloses Fauchen von sich.

Und so einte sich der Blick auf den Rücken des Alka. Einte sich, mit seiner Perspektive. Dem was er sah, dem was er gesehen hatte. Die Melancholie der eisigen verwehten Nacht über der Stadt der Kriegsveteranen, der glücklichen und sorglosen Familien. Im fahlen Schein des Mondes blitzten die Eckzähne auf, verschafften dem freigelegten Antlitz die Hoffnung auf ein hämisches Lächeln. Wieder und wieder fuhr die gepflegte Pranke seiner Heiligkeit über das kleine Fellbündel, während der Körper lüstern unter den Erinnerungen schauderte.

Sie hatten es geschafft.
Seite an Seite zogen sie in den Krieg.
Seite an Seite kämpften sie. Verloren sie. Gewannen sie.
Sie gingen durch Nässe, Kälte, Schlamm und Schnee.
Sie gingen über Blut, Körperteile, gefallene Kameraden...
Durch Feuer und Eis.
Seite an Seite zogen sie in den Krieg und kehrten zurück als ein Volk.


[URL=http://www.directupload.net][img]http://fs5.directupload.net/images/151203/hijjsgno.png[/img][/URL]
Die Oberlippe des jungen und unberührten Antlitzes zuckte und schnatterte Unwirsch bei der Erinnerung an die Schlachten die er fern der Truppen von einer Anhöhe beobachtet hatte. Die Finger krallten sich nun fester in das Fell des kleinen Pantherbündels als er weiter sinnierte...
Dieser Krieg war ein wunderbarer Prolog. Die Zuversicht auf das was kommen würde. Der Tag, an dem er seinen Erbschleicher von Bruder endlich auf den rechten Platz verweisen würde. Der Tag an dem er den Willen des All-Einen uneingeschränkte Macht im Diesseits zuteil werden lassen würde.

Sicher, es gab noch viele Köpfe vom Rumpf zu trennen, vor allem in den eigenen Reihen. Als das Brückenlager unter seinem wachen Blick in Flammen aufging war er kaum zu halten. Er wäre am liebsten selbst losgezogen um den Streitern für ihre Unachtsamkeit gehörig den Marsch zu blasen. Angefangen hätte er mit den Verwundeten - dieses Pack.
Doch war er barmherzig, er war ein 'guter' Herrscher - Erbe des Willen des All-Einen - ein wahrlich zart besaiteter Halbgott...
Sicher war es das, was er dachte als er zu Pfeil und Bogen griff und einige Salven auf das eigene, brennende, Lager schoss.
Der goldene Kelch wurde ob der Gedanken etwas fester gegriffen, ein Murren... beinahe ein Knurren des Panthers selbst drang über seine Lippen als er sich erinnerte. Dann schob er sich aus seinem Sessel empor... das kleine Pantherbündel fest in der rechten Pranke, den Kelch auf der Brüstung des Balkons abgestellt. Der fellige Umhang rutschte von seinen Schultern und gab den splitternackten Körper frei. Ein tiefer Atemzug in der kalten Nachtluft folgte als er den kleinen Panther vorsichtig an seine Brust führte um ihn dort zu wärmen.
Pack... ja Pack waren sie, sie alle! Doch etwas hatte sich geändert in den Wochen und Monden...
Nun war ihm klar... es war sein Pack.

Zusammengeschweißt unter Blut, Tränen und Hass. Mit dieser Armee und diesem Gefolge werden sie Ihm den Sieg bringen, niemand wird die Legion des Herren aufhalten, wenn sie täglich bereit sind für ihr höheres Ziel zu sterben.
Wieder holte er tief Luft, reckte das Kinn in den schnee verwehten Nachthimmel und schloss die Augen. Der kleine Panther wurde unterdessen fester an die nackte Brust gedrückt, beinahe gequetscht. So war es ihm nur noch möglich, die kleinen und wachsenden Reißzähne fest in das Fleisch des Alka zu drücken.
Welch schicksalhaftes Glück, war er doch kurz davor, sich inmitten seiner heftig wechselnden Gefühlslagen der Sentimentalität hinzugeben.

Das Augenpaar lag auf dem verschobenen Gesicht des beflaumten Raubtieres, wie es die Zähnchen fest und wehrhaft vergraben hatte. Verspielt und unter einem amüsierten Schmunzeln wurde der Griff um das Tier fester, mit einem Ruck löste er es von seinem Körper und setzte es auf die Brüstung des Balkons. Ein verschmitztes Lächeln zierte das Antlitz seiner Heiligkeit als er sich hinabbeugte um dem felligen Knäuel einen kleinen Kuss auf die Stirne zu drücken.

So schnell und unerwartet die Reaktion gekommen war, so schnell sanken die Mundwinkel wieder hinab. Der nächste Griff ging zum Kelch um diesen mit einem Zug zu leeren - begleitet von einem Brummen und einem abschätzenden Blick schien die Wut wieder in ihm hoch zu kochen. In einem Anflug aus Willkür und seinem sadistischen Innenleben, schob er das Pantherbündel nun samt Kelch von der Brüstung und schnaubte schwer als er auf den dumpfen Aufprall wartete.

Der Körper - nackt wie Alatar selbst ihn gerne geschaffen hätte - wandte sich nun gen Schlafgemach, vorbei an den seidenen Vorhängen, hin zum dunkelroten Himmelbett. Die breitschultrige Gestalt schob sich in die Decken und bettete das Haupt sanft auf einem der Kissen. Ein verräterischer Seitenblick galt dann nochmal dem Balkon - den erleuchteten Zinnen der Stadt.

Ihr Bürger des Reiches des All-Einen. Ihr macht mich stolz. Seid bereit und folgt meinem Pfad nach Nileth Azur.

[URL=http://www.directupload.net][img]http://fs5.directupload.net/images/151203/kgyyfypx.png[/img][/URL]
waren abschließend die einzigen Worte die er diesen Abends von sich gab, ehe er einmal mehr - von Prunk und Protz umgeben, aber dennoch alleine - in einen langen Schlaf steuerte.
Isidor

Beitrag von Isidor »

Was wir denken, was wir wissen, was wir fühlen, wie wir handeln.
Dort wo mein Schwert nicht richten kann, Vater, dort richte du.
Dort wo mein Wort kein Gehör findet, Vater, dort richte du.
Dort wo meine Ergebenheit zu dir nur Hohn bedeutet, Vater... dort richte du.

Gestählt hast du unsere Leiber,
geformt unseren Geist.
Erfüllt uns mit Eifer,
Auf dass der Glaube um deinen Willen, den rechten Weg uns weist.

Macht, Gier, Neid, Zwietracht, Unmut, Schwäche, Angst.
Für so viele war es in der Vergangenheit schwer, deinen Weg zu erkennen...
und doch war nie so offensichtlich, welches Geschenk du deinen Dienern machtest.
Die Attribute des Feindes - sie sind das trockene Geäst zu der Feuerstelle deines Erwachens.

Jede Lüge die du uns offenbarst - sie macht uns stärker.
Jede Allianz die sich vor unserer Türe schließt - sie schärft das Bild.
Jeder Atemzug in unserem Glauben an deine Herrlichkeit - er trägt uns zum Sieg.

Für den Sieg.
Für eine Menschheit zu deinen Füßen.
Für die Gerechtigkeit nach deinen Lehren.
die Gestalt des Alka kniete zu den Füßen des Altars, die Stirn auf den verzierten Schwertknauf gesenkt. Leise wiederholte er die Worte, wechselte wieder und wieder zwischen den dissonanten Klängen und der Sprache der Menschen. Die eiserne Maske versteckte zwar das Antlitz des jungen Beseelten, doch konnte sie die weit geöffneten Seelenspiegel nicht verbergen, die mit jedem Wimpernschlag nach Wahn und Vernichtung lechzten. Nur seine engsten Vertrauten würden den Hauch einer Vermutung erhaschen, was es bedeuten würde einen Teil der Saat in sich zu tragen.

Niemals machte er den Anschein zu rasten.
Niemals erklang ein erleichtertes Aufatmen.
Niemals schien die Arbeit getan, noch die Arbeit seiner Bediensteten zu seiner Zufriedenheit erfüllt.

Das metallerne Klimpern und scheppern der schweren Rüstung kündigte seine Bewegungen an. Der wuchtige Körper erhob sich von den Knien und richtete sich in voller Statur zur Front - zu den samtenen Bannern die sich fließend über den Altar des Palasttempels ergossen. Unter dem engen Meuchelkragen drückte sich der Kehlkopf heraus, als ein genießerisches Seufzen über die spröden Lippen drang.

Menschen, Eledhrim, Kaluren, Menekaner, Thyren...
Vater, wir nehmen auch den verbliebenen Rest der Ureinwohner des ehemaligen Lameriast wenn sie deinen Weg kreuzen.

Sollen sie kommen und mit sich führen, wen sie mit Gold, Salz und vorgetäuschter Macht für ihre Torheit gewinnen können.

Der Zorn über die Offenbarungen der vergangenen Tage lag noch tief, doch nichts wäre dazu in der Lage, seine Treue zum Herren auf die Probe zu stellen. Wenn es das Volk des Reiches - unter dem Einfluss der Lügen der Ketzer - nicht geschafft hatte ihn zu spalten und um den Verstand zu bringen... dann, bei den Reißzähnen des Panther, nichts würde ihn vom Pfad lenken.

Die Feinde kamen in Scharen, täglich tönte es "Krieg" aus allen bekannten und unbekannten Ländereien. Vom höchsten Punkt unter der Sonne im Süden, bis zu den tiefsten Tiefen der Berge des Landes. Sie waren zahlreich, sie waren kampferprobt - sie hatten die Mittel, die Expertise und die einfachsten Argumente um ihr Gefolge zu überzeugen.



Doch Geschwister die ihr dem Glauben an seine Herrlichkeit und seiner Überlegenheit folgt...
Sie kennen das wahre Gefühl nicht...

Das Gefühl das ihre Schildschwestern und Brüder die selben Qualen erleiden mussten, dass sie den selben Weg zu gehen hatten. Das sie sich mehr als einmal bereitwillig vor eure Leiber geschoben haben.
Das Gefühl, die Phalanx über deiner Schulter zu wissen, die lediglich durch die donnernden Hufe der Kavallerie des Herrn erschüttert wurde.
Das Gefühl, als dein Schild den Feind zu Boden drückte, während der Dolch des Letharen ihm die Kehle durchtrennte.
Das Gefühl, deine Schlachtreihe unter dem lauten Kriegsgebrüll der Kinder seiner Tochter anzutreten.

Du weißt was es bedeutet, nur deinem Herren zu dienen und deine eigenen Bedürfnisse zu formulieren, bis dein Geist Nileth Azur erreicht.
Du kennst das Gefühl, dem Tod entgegen zu blicken und statt der Angst, lediglich den Eifer auf die Erfüllung deiner heiligen Pflicht zu verspüren.

Keine Armee wird dir diese Erfahrung, dieses Wissen jemals nehmen können.
Kein Feind wird dich wahrhaftig besiegen können, wenn du dir den wahren Glauben bewahrst und dich auf die Bande deiner Glaubensgeschwister besinnst.

Und wenn sie dann kommen, Bruder, Schwester, dann sollen sie im Zehnfachen aufmarschieren... damit auch sie mit eigenen Augen sehen, welchen Wert dein Schwertarm hat.
Isidor

Beitrag von Isidor »

Das wilde Donnern der Hufe hallt durch den nächtlichen Wald nahe Schattenwinkel. Im kühlen Atem der Nacht wird das wilde Knurren dreier reißenden Bestien laut. Sie jagen, sie verfolgen, sie hetzen. Er thront auf dem Rücken des schwarzen Streitrosses, die rechte Pranke im Anschlag, den Speer fest umschlossen. Das eisige, leblose Augenpaar liegt zielsicher auf der düsteren Front. Lediglich der brutale peitschende Laut der Gerte durchbricht die dumpfen Hufgeräusche. Die Sporen drücken sich tief in die Flanken des Tieres, viel fester als sie müssten. Der Atem geht schnell, aggressiv, viel gewaltiger als er sollte.

Unter einem lauten wiehern wird der Prunkrappe zum Sprung auf die kleine Lichtung ansetzen, gefolgt von der Leibgarde zu Pferde seiner Heiligkeit. Da erstarrt die Gestalt des Alka mit einem Mal. Der Mond gibt seinen silbrigen und unschuldigen Schimmer auf das prächtige Geweih des erschöpften Hirsches preis. In einem letzten wehrhaften Aufbegehren schlägt er die dünnen und sehnigen Vorderläufe in den frostigen Waldboden. Unter einem wilden Knurren und bellen ziehen die Jagdhunde des Palastes den Kreis enger um ihr Opfer.

Alleine die Präsenz des Schattens wird Mensch und Tier den Willen nehmen, der Hatz ein Ende zu bereiten. Die stählerne und ausdruckslose Maske seiner Heiligkeit folgt dem Geweih ruhig während Raum und Zeit immer mehr an Bedeutung verlieren. Der zarte nächtliche Tau lässt einige schimmernde Tropfen über den matten Stahl laufen, sich zu einem Rinnsal am markanten Kinn sammeln. Die Augen schließen sich und für einen Moment wird der sanfte Dunst, gepaart aus warmer Atemluft und Zoll der Körperwärme, das maskierte Haupt einhüllen.


[img]http://fs5.directupload.net/images/160228/zkn8yebz.jpg[/img]


Ich existiere, weil sie geliebt haben.
Ich bin, weil sie den Keim der Hoffnung in mir setzten.


Herrschen sollte ich, um Licht in die Dunkelheit zu tragen. Um niemals zu wanken, um allem was gut und rein ist, Bedeutung beizumessen. Meine einst sterbliche Hülle sollte gedeihen um ein ehrbares Ende in Ihrem Namen auf dem Schlachtfeld zu finden.

Ich habe gelernt zu fürchten, was es bedeutet, ohne Licht zu sein. Denn dort wo nur Schatten ist, werde ich zwischen Recht und Unrecht, gut und schlecht, Frieden und Krieg nicht unterscheiden können.

Die Welt ohne Kontrast ist bedeutungslos, so sagte man mir. Du musst bewahren, was wertvoll ist, sagte man mir.
Eine einzelne Träne findet den Weg unter das eng anliegende Metall als sich die Augen wieder öffnen. Es war einer der fernen Momente der Erinnerung an frühere Tage. An den Schmerz den der Wandel begleitet. Jäh wird der kostbare Moment unterbrochen, als eine der Wachen die Sehne des Bogens spannt und einen brüllenden Tribut fordert...:
"NEIN! DU WIRST... DEINE WAFFE... SENKEN!"

Donnert es wild und unmenschlich finster unter dem kalten Stahl hervor. Die unbegründete Wut lässt das Blut kochen und die Stimmbänder anreißen. Der hölzerne Stab des Speeres schlägt gegen die eigene, prunkvolle Brustplatte als die schimmernde Spitze schlagartig vernichtend auf den Reiter gerichtet wird. Der unheilvolle schwarze Nebel, der der Gestalt des Alkas folgt, wird sich pulsierend enger ziehen.

Nur langsam steigt die breitschultrige Scheme vom Rücken des Rosses um unter der matten Platte tief in den feuchten Boden zu sinken. Unter einem hörbaren Klimpern und Scheppern trägt er den wuchtigen Körper in die Richtung des erschöpften Wildes. Die Schritte, die dem Takt eines ruhigen Herzschlages folgen, werden den fruchtbaren Waldboden besudeln. Dort, wo die weite Schleppe des samtenen Umhanges den Boden berührt, wird nichts außer verwelktem Gras und ausgedörrtem Gestrüpp hinterlassen.

Winselnd und jaulend werden die Jagdhunde seiner Heiligkeit weite Flanken in den nahen Waldrand schlagen. Nur der Jäger und seine Beute stehen sich gegenüber. Der Speer fest in beiden Händen, der Blick auf das erschöpfte Wild gesenkt. Es werden die angsterfüllten und wachen Augen des Hirsches sein, die dem Alka unter dem Geweih entgegensehen. Vollkommen wehrlos, vollkommen machtlos und unterwürfig wird der Anblick des sonst so stolzen Wildes, seine Heiligkeit zögern lassen. Es folgt ein tiefer und hörbarer Atemzug als sich der Kopf in den Nacken legt, den breiten Kehlkopf freilegt.

...Denn der Schatten ist überall dort, wo das Licht versiegt...
Vater, dein Werkzeug bin ich. Ich bin dein Wille.

[img]http://fs5.directupload.net/images/160228/piz7udlw.jpg[/img]

Dein Wille geschehe.
Und wo noch wenige Augenblicke zuvor eine emotionale Regung durch den strammen Körper des Alka schoss, wird sich nun unerbittliche Entschlossenheit offenbaren. Der Speer hebt sich rasant und als er auf die Kehle des Hirsches nieder fährt, wird man das Fauchen des Panthers aus allen Himmelsrichtungen vernehmen. Erneut wird ein wildes, sadistisches Brüllen unter der Maske laut. Der Kopf Zittert, als die Speerspitze die Haut und Gefäße durchdringt und in den Boden schlägt. Erst als das wilde und unkontrollierte Zucken des Tieres erstarrt, wird er verstummen und auf die Knie sinken... den Kopf wieder weit in den Nacken schlagen.
Ich bin gefangen in einem Gefäß, das deinem Willen nicht genügt. Die Sieben pressen sich gegen einen fleischgewordenen Kokon aus brennendem Stahl. Vater lass mich leiden... quäle mich, auf dass der Hass niemals versiegt. Niemals, bis deine Herrlichkeit die Welt überkommt.
Die stählernen Augen rollen sich unter den Lidern in den Nachthimmel und ein bedeutungsschwangeres Stöhnen wird hörbar. Nur die unkontrollierten Ausbrüche konnten dafür sorgen, dem Schmerz seiner Bürde Einhalt zu gebieten. Nur die Freude an der Willkür konnte seinem inneren Wahnsinn einen Ausdruck verleihen.

Nach einer ganzen Weile die er vor der Jagdbeute ruht, erhebt sich der Körper unter seinem schweren Panzer und wendet sich in die Richtung des Schützen. Ein ruhiger wie erhaben anmutender Tonfall wird dem restlichen Tross sodann einen unmissverständlichen Befehl erteilen...

"Er wird des versuchten Diebstahls am Jagdgut seiner Heiligkeit beschuldigt, verurteilt durch das höchste und einzige Gericht im Reich des All-Einen...

Hängt ihn im Morgengrauen, rekrutiert seine Söhne für den Dienst in der Armee und nehmt seiner Witwe den Monatssold, auf dass der Gerechtigkeit genüge getan sei."
Zuletzt geändert von Isidor am Sonntag 28. Februar 2016, 14:36, insgesamt 3-mal geändert.
Isidor

Beitrag von Isidor »

--Edit--
Zuletzt geändert von Isidor am Montag 30. Mai 2016, 20:18, insgesamt 1-mal geändert.
Isidor

Beitrag von Isidor »



Des Abends war es die Gestalt des Alka der über der über das belebte alatarische Reich sah. Endlich zur Ruhe gekommen besann er sich auf die jüngst vergangenen Ereignisse. Der Grenzritt war ein unerlässliches Zeichen das gesetzt werden musste. Es war die Reaktion auf die Bedrohung aus allen Richtungen, es war die Antwort auf den Hochmut der Ketzer. Und doch... als es etwas mehr der Menschlichkeit war, das zu Tage trat, reute er. Das Leben der Gläubigen, die ihm folgten, die ihm folgen mussten - er hatte es nur all zu leichtfertig riskiert.

Es waren die Momente in denen er sich fühlt wie vor vielen vergangenen Jahren. Geboren als Prinz, beseelt durch den liebenden und wärmenden Atem all dessen, was da gut war. Der Moment an dem er zweifelte, an dem die göttliche Macht in ihm ihren Tribut forderte und seinen Körper beinahe entzwei riss.

Doch es war zu spät. Der Baum des Lebens und das Sinnbild alles Guten war ein Feind, war eine Markierung oder eine Stadt auf einer Karte. Die breiten Pranken seiner Heiligkeit ballten sich zu großen Fäusten als er das Haupt senkte um sich zu besinnen. Seine menschliche Hülle und das, was in Ihn trieb - der stete Wahnsinn... Die Jünger des All-Einen waren zu keinem finalen Schritt bereit. War es doch das Ziel des ewigen Herrschers, zu siegen, nicht seine Truppen als Märtyrer in einem aussichtslosen Kampf zu verlieren.

So wandte er sich unter dem behäbig wallenden Umhang wieder in seine Kammer. Er musste sich nun selbst wieder um Verstand bemühen, Rahal vorerst den Rücken kehren um kein Unheil über die Gläubigen zu bringen. Nur zähneknirschend nahm er diese Tatsache hin. Den Dienern, den Gläubigen, dem Volk - seinem Rat -, man würde sagen, seine Heiligkeit sei auf unbestimmte Zeit verreist...

Und doch war es ein letzter Blick über die Schulter, auf die hell erleuchteten Zinnen der Stadt. Ein letzter gequälter zorniger Aufschrei...


"Rahal, du Ansammlung von schwachen Maden!" ... Der Schrei verhallte

[img]http://fs5.directupload.net/images/160531/7eyuzgkt.jpg[/img]
...Ich bin dein und so ich zurückkehre, werden wir den Feind vernichten. Auf dass deine unbestrittene Herrlichkeit zuletzt obsiegt. Du bist die einzige Liebe die ich kenne.
Zuletzt geändert von Isidor am Dienstag 31. Mai 2016, 22:33, insgesamt 3-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

Im ersten Licht der diesjährigen Schwalbenkunft tritt der rotschopfige Jüngling an die Palasttore heran, wo er von den Wachen Einlass begehrt. Er begehre eine Audienz bei der Clerica Treublatt, mit der er wichtige Fragen zu seinem abendlichen Auftritt vor seiner Heiligkeit besprechen müsse.
Nachdem er sich eine ganze Weile die Beine in den Bauch gestanden hat kommt schließlich Kunde aus dem Palast auch an der Pforte an, dass seine Heiligkeit auf unbestimmte Zeit nicht Willens sei, Audienzen abzuhalten.

Geknickt trollt sich der Jüngling, wandelt durch die Gassen Rahals, die mehr grau denn schwarz anmuten, das rot mehr rostig-schmutzig als blutig-kräftig. Hatten sich die Götter also wieder einmal gegen ihn verschworen? Wieso auch nicht? So ging es schon sein ganzes Leben, immer wenn er kurz davor war etwas zu erreichen wurde es ihm wieder entrissen. Oder war das vielleicht gar eine böse Posse, die ihm der Alka da spielte? Hoffnungen wecken und dann zertreten wie eine Made unter dem Plattenstiefel? Das würde jedenfalls dazu passen, dass hier alle immer so... hart... waren.

Die Beine über den Pier baumelnd, den Blick reumütig aufs Wasser hinaus, zuckt die schmächtige Gestalt zusammen. Oder war es vielleicht das genaue Gegenteil? Vielleicht war seine Heiligkeit ja selber geknickt und konnte deswegen niemanden empfangen. Tat Pip ihm vielleicht Unrecht, gerade jetzt, da seine Heiligkeit verletzli... und konnte eine Heiligkeit eigentlich verletzlich sein? Schwierig. Schwierig, mit Adligen umzugehen. Aber was kann es schon schlimmer werden, der Auftritt war ja schon geplant. Dann wollte er ihm zumindest die Zeilen zukommen lassen, vielleicht würden sie ihn ja aufheitern.

Und so wird eine Stunde später, in Schönschrift verfasst, das folgende Schreiben an den Pforten des Palasts abgegeben:


Seinen Segen, eure Heiligkeit. Ich hoffe, dass eure Heiligkeit bald wieder die Tore des Palastes öffnen und euren gläubigen Anhängern durch eure Anwesenheit Mut bereiten werdet, in diesen stürmiachen Tagen. Bis dahin hoffe ich, dass meine Zeilen eurer Heiligkeit zeigen werden, dass sein Wirken seinem Volk und ganz Alathair nicht verborgen bleibt.
Pip Hafenmann

Die ganze Stadt versammelt sich,
zum Fest, gleichwohl auch Reuen.
Was Seine Kinder feiern macht,
kann Wüstenvolk nicht freuen.

Für sie ist Freud' und Tanz vorbei,
das Lachen ist vorüber.
Sie singen nicht zu der Schalmei,
ein Omar liegt darnieder.

Ach Weh, der Imraan fehlt ihn' sehr,
sein Volk wird ihn vermissen.
Hat es nun keinen Wesir mehr,
und weint ins Seidenkissen.

Ein Krieger war er, doch nicht nur,
er war ein feiner Gegner.
Nun ist er tot für Menek'ur,
nur noch in Liedern lebt er.

Und mit ihm auch die stolze Tat,
besungen durch die Dichter,
die Imraans Zeit beendet hat,
und führt ihn vor den Richter.

Hat manches Mal den Kampf gesucht,
- die Probe soll man danken! -
in seines Weibes Schoß geflucht,
wies man ihn in die Schranken.

Wie sind sie kürzlich noch zusamm',
durch Wüstensand gesprungen!
Nicht ohne Ähnlichkeit zum Lamm,
nun ward er ihr entrungen.

Wie Metzger Tier zur Schlachtbank führt,
führt Haus Omar die seinen.
Rahals Stahl derer Leiber ziert,
auf dass sie es beweinen.

Das ist das Schicksal aller der,
die Seiner Allmacht freveln.
Den falscher Götter Lügenmär'
die Sinne recht vernebeln.

Sein Tod soll nicht vergebens sein,
dient er uns doch zur Warnung:
Ist ketzerisch das Leben dein,
Verdammnis die Umarmung.

Nun ist nicht alles ihre Schuld,
da hilft auch nicht der Pranger.
Die Mutter verlangt blinde Huld,
schickt sie zum Totenanger!

Denn noch so mancher Ketzer droht,
von drunten aus der Wüste.
Habt nur Geduld und schlagt sie tot,
spült's Meer sie an die Küste.

Und wenn euch Rab' zum Panther bringt,
fürder in vielen Jahren,
seid euch gewiss, dass man besingt,
die Gläubigen - die Wahren.

[img]http://www2.pic-upload.de/img/30514098/Pip_Siegel.png[/img]
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