Den Schalter umlegen

Geschichten eurer Charaktere
Antworten
Gast

Den Schalter umlegen

Beitrag von Gast »

Es gab viele Arten von Wahnsinn. Zum Beispiel der Wahnsinn, den man sich einbildet, wenn eine verschollene Person wiederkehrt und man sich erst einmal einredete, es würde sich nur um eine Vorstellung des Geistes handeln. Man es sogar ignorierte, bis auch das Umfeld darauf reagierte. Die Frage war nur, um der Wahnsinn nicht noch ein Stück mehr zuschlug, wenn man realisierte wer da zurückkehrte. In diesem Fall war es in gewisser Weise ein zufriedenstellendes Gefühl, wenn es sich auch mischte mit einer gewissen Panik, Abneigung und Angst. Aber letztendlich, letztendlich stellte es einen zufrieden. Zufriedenheit, welche sich auch ausbreitete, wenn man die neuen Gesichter betrachtete, die neuen Charaktere, die der Vater einen schickte. Denn wenn es so bleiben würde, wenn wir wieder beginnen würden den Berg hinauf zu laufen, dann könnte man das Ziel Alatars auch wieder sehen. Schien es in der Vergangenheit doch zu weit in die Ferne gerutscht zu sein.

Frischfleisch mit Potenzial, das konnte man jenem natürlich so nicht sagen. Man musste es lehren, schwächen, stählern. Alles Dinge die einen in gewisser Weise müde machten, die allerdings notwendig waren. Ein besonderes Augenmerk lag auf Tai'nai. Vielleicht lag es daran, dass sie die einzige Frau unter den neuen Gesichtern war oder aber an ihren Weg, den sie gehen wollte. Aber vermutlich doch mehr an den Hass der entlockt wurde, wenn an das männliche Geschlecht gedacht wurde. Aber sie, sie war eine Sache für sich. Sie war so schwach und vermutlich war es den Mutterinstinkt zuzuordnen, dass einen das anzog.

Ihr zu lauschen, ihm zu lauschen, dem Verbrannten, wie er sie fast brechen konnte, durch sein Gefasel über die Mutter, entfachte etwas, was vermutlich im Volksmund Kampfgeist genannt wurde. So sauste eine Faust durch die Luft, eine Nase ging zu Bruch und drohende Worte fielen. Und hinter der ganzen Kälte und Verachtung war ein Gesicht zu sehen, welches die Mundwinkel abgesenkt hatte. Sie wurde ja verstanden und ihre Schwäche war niemanden fremd. Wichtig war nur, dass sie niemand sehen konnte. Und man sah sie genau, jedes Fünkchen Mitleid und jeden Hauch von Erbärmlichkeit, der sich auf dem jungen Gesicht platzierte.

"Du kannst nun mit ihn gehen und Mitleid haben und sterben, Lethra. Oder du wirst hier bleiben und ich prügel dir jedes einzelne Mitgefühl aus dem Leib und dann wirst du Vater dienen, so gut, dass du selbst mich übertriffst!"
Und dann ließ ich sie stehen und starrte eine Weile auf meine Hand, an welcher ihr Blut klebte. Und ich musste mich selbst entscheiden ob ich Mitleid hatte oder aber ich legte einfach den Schalter um. Denn dann schlich sich nach und nach die Menschlichkeit hinfort und zurück blieb das Objekt, welches einem Gott diente, ihm huldigte und sich Arme, Beine und all das Andere abschneiden würde, wenn es dem großen Ganzen dienen würde. Und so funktionierte eigentlich auch das ganze System. Denn als ich gestern den Mael'Qil provozierte, eigentlich alle um mich herum provozierte. Schätzte ich zum einen ab, wie lange es dauerte, bis sie mich züchtigen würden und zum Anderen wollte ich natürlich irgendwie auch meine Meinung vertreten...

Die Explosion des Ala'thraxors trieb mir dann ein Lächeln ins Gesicht. Es hatte doch auch lange genug gedauert. Immer wieder hämmerten sich die Worte in meinen Kopf: 'Wie lange wollt ihr mich noch reden lassen?' Und ich redete weiter und weiter. Ich konnte nicht aufhören, ich hatte Höhenflüge und als ich dann endlich gestraft wurde, lag ich da und fragte mich, wie lange es her war, dass eine Faust mein Gesicht berührte. Wie viele Freiheiten ich doch hatte, wie viele ich nutzt. Ich redete mir ein das es sein musste. Wie sollte ich wachsen, ohne Lehrer, alleine, wenn nicht einmal mehr der Schmerz meinen Körper heimsuchte. Und so sprach ich ein Gebet, ließ mich leiden, machte den Schmerz unerträglich und röchelte vor mich hin. 'Wie lange wollt ihr mich noch reden lassen?' Aber zumindest wusste ich wann genug war, denn als Ilphrin mir eine Frage stellte, hatte ich die Option erneut zu widersprechen oder einfach zu nicken. Und so tat ich es. Ich nickte, willigte ein. Eine brave Lethra, natürlich.

Und man fragte mich wo mein Platz wäre und ich entschied mich auf diese Frage zu antworten, wenn es soweit ist und Alatar mich einen Schritt weiter laufen ließ. Denn dann würde ich dem Abschaum der Welt zeigen, wo mein Platz ist, eine brave Lethra sein und meine giftige Klinge im Rücken wetzen an denen, die das nicht erkannten. Denn wie schwach mein Leib vielleicht auch war, die Erinnerungen waren so penetrant, dass ich jeden Schnitt noch spürte, als wäre er vor einer Sekunde zugefügt worden.
"Und ich lief und lief, immer der Perfektion entgegen. Meine Finger griffen voran, der Leib bereits vollkommen abgemagert, die Haut verschrammt, Knochen gebrochen und doch dachte ich nicht daran aufzugeben. Ich wollte mich beweisen, wollte fähig sein und so griff ich irgendwann zu.

Meine Fingernägel bohrten sich in den Stein, brachen ab, wurden blutig und ich riss ein Loch in die Wand, was mir mehr schadete als den Gemäuer. Ich drückte mich hindurch. nicht mehr vorzeigbar durch fehlende Nahrung und Flüssigkeit und präsentierte mich der Welt.

Schmerz lag in meinem Gesicht und ich wusste nicht mehr so recht wie das Atmen funktionierte, konnte kaum etwas sehen und dann, dann erinnerte ich mich an das Streben, ich erinnerte mich an Alatar und ich ging weiter. Losgelassen auf die Welt und ich wäre nicht die, die es bereuen würde, dass ich an diesem Tag bevorzugte weiter zu atmen. Nur die Anderen - Oh, die Anderen..."
Zuletzt geändert von Gast am Samstag 11. April 2015, 21:20, insgesamt 1-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

Ich stand da und starrte dem angehenden Lethrixor entgegen. Er brachte mich vollkommen aus dem Konzept, befand ich mich doch selten an so einen Punkt. Er war nicht rebellisch, er war nicht aufmüpfig. Er sprach einfach in einem ruhigen Ton, so gelassen, als hätte er sich über seine Existenz wirklich Gedanken gemacht. Er sagte er hätte genug, genug gelitten, genug ertragen. Er würde weiter dienen, doch nicht mehr so und ich, ich stand da und ringte mit mir. Ich wusste nicht ob ich wütend war oder ob es sogar Mitgefühl hätte nennen können, was ich in diesem Moment empfand. Natürlich hatte er genug, denn wenn wir alle darüber nachdachten wer wir waren, weswegen wir lebten und wie unser Ende aussehen würde, dann hätten wir wohl alle in gewisser Weise genug. Doch es vereinbarte sich nicht, nicht mit mir, nicht mit meinem Weg und nach und nach drückte ich mein Mitgefühl, meine schwächlichen Empfindungen, hinter meine Fassade, ballte die Fäuste und schrie ihn an.

Es war noch nicht genug, nicht heute, nicht morgen und auch in zehn Jahren noch nicht. Denn genug würde es erst sein, wenn wir den Willen Vaters erfüllt hatten. Wir hatten nicht das Recht zu entscheiden wann es genug war, wann das Leid ein Ende haben sollte oder die Strafen aufhören. Das einzige Recht was wir besaßen, war zu dienen, mit allen Höhen und Tiefen. Ich zürnte niemanden dafür, dass er Schwächen hatte, dass er fühlte. Denn auch wenn manche von uns es gerne abstritten, hatten wir alle Seele und Herz und jene drückten sich immer wieder hervor und zeigten sich, machten uns schwach. Ich zürnte jenen, die es zu lange zuließen, die zu lange schwach waren. Wo der Moment des Versagens zu lang war, um noch toleriert zu werden. Ich strafte nicht oft, ich redete eher, und redete und redete, so dass es mir irgendwann selbst zu viel wurde. Wenn ich dann aber wen vor mir hatte, der ebenfalls redete, so viel das es mir den Atem entriss, wurde ich wütend.

Diese Wut wurde noch größer, wenn ich Ilphrin entgegen blickte, welcher es sich anscheinend zur Freude machte, mich zu provozieren, mich zu reizen. Ich hasste sie alle, diese abartigen Letharfen, welche die meiste Macht durch ihr Geschlecht besaßen. Ich hasste sie, wie sie sich näherten, einen vorheuchelten lehrreich für einen zu sein, da zu sein und dann, dann einfach wieder gingen und das Einzige was zurück blieb war der abartige Gestank ihrer selbst, der so penetrant war, dass man sich fragte in wie weit er nicht bereits auf einen übergetreten war. Sha'dan, Kyr'tael... ihr Geruch haftete an mir, selbst wenn sie mich nicht einmal wirklich berührten. Dominant zu sein, wenn das irgendeinen größeren Zweck in den letzten Jahren erfüllt hätte, dann wäre mein Respekt zu ihrem Geschlecht vielleicht höher. Aber so, so verachtete ich sie nur um so mehr und verfluchte jeden Gedanken, der von ihnen belagert wurde, von diesen abartigen Männern, wie Parasiten.

Ich würde es ihnen zeigen, ich benötigte keinen von ihnen, ich würde ihnen genau das zeigen. Mein Geschlecht war fähig sich durchzusetzen, ohne einen von ihnen, meine Schritte, meine Atmung und mein Blutkreislauf funktionierte auch so und irgendwann würden sie es alle bereuen, mich so zu unterschätzen. Denn das Wissen in mir wuchs stetig und irgendwann, irgendwann hätte ich jeden von ihnen überholt, auf der Treppe zur Perfektion. Ich ging nur... andere Wege, langsamer vielleicht und doch irgendwann so ätzend, dass keine Haut mehr auf den Knochen bleiben würde. Und mit jenen Gedanken ging ich in den Tempel, begrüßte den Meister, welcher wieder annahm auf dem Altar zu nächtigen wäre passend für ihn. Ich setzte mich dazu, lehnte mich an den Stein und ruhte, wie er es tat und ich bildete mir ein, er sah mein Potential.
Gast

Beitrag von Gast »

Das Mael'Rayat ist weder heiß noch kalt, nicht fest, nicht weich und so erschütternd für jeden Verstand, dass es Anfang oder Ende bedeuten könnte. Eine Bündelung aus Disharmonien, welche dem Berührenden entweder den Verstand raubt, die Seele oder aber ein Teil davon wird. Die Macht, kaum das man sie in Worte fassen könnte, so groß, das selbst ein einziges Bruchstück in einem gewissen Zeitraum fähig ist, ein Dorf auszulöschen. Das Problem scheint hierbei nicht die Kraft zu sein, die fehlt, sondern die Kontrolle. Kontrolle die wir nicht haben, die wir theoretisch bräuchten und die in Jahren an Übung vielleicht auch irgendwann entstehen wird. Um so mehr Bruchstücke der Sieben wir gesammelt bekommen, um so schwerer wird es allerdings der Gier zu widerstehen, dem Drang danach zu greifen, ihm zu erliegen oder aber etwas zu Stande zu bringen, was zuvor niemand bewältigte, was niemand erwartete. Macht, Gier, Kontrolle und Wahnsinn lagen so nahe beieinander, dass es nur wenigen vergönnt war, überhaupt in die Nähe des grünen Artefaktes zu treten. Die einzige Möglichkeit die man besaß, war sich daran zu gewöhnen, sich eventuell Immun zu machen. Wanderte man dabei allerdings immer auf einem dünnen Drahtseil, welches einem links den Tod anbot und rechts das Leben.

Die Quúypoloth


Die ersten Schritte waren getan und die Müdigkeit klebte bedrohlich in meinen Knochen. Es waren viele Fragen die fielen, viele Antworten die ich gab und unglaublich viel Gerede. Gerede was nicht notwendig war, welches nur dazu gedacht war um den Gegenüber ruhig zu stellen, nicht etwa um wichtigere Informationen heraus zu geben. Ich beobachtete, meistens, nur stumm und versuchte herauszufinden wer fähig war bei diesem Unterfangen mit zu wirken. Wer versagen würde, wer am meisten erhalten würde, wem man am wenigsten gibt. Ich hielt mich noch zurück, was das Wissen zum allerheiligsten des letharischen Volkes anbelangte. Ich konnte nicht verhindern das Andere es weiter gaben, jedoch wollte ich jene nicht sein, die es in der momentanen Lage tat. Das Potential im Leth'Axorn wuchs stetig und in manchen Stunden fühlte man sich gar erschlagen, zurück geworfen. Doch dann stand man wieder da, mit Wissen auf den Schultern, das den Rücken krümmte und eine gewisse Führung erwartete, eine gewisse Kraft um die Last zu tragen.

Die Quúypoloth war die Ansammlung an Seelen, welche gemeinsam jene Last tragen sollten. Bis zum letzten Tropfen Blut, welcher die Erde berührte, bis zu diesem Punkt forderte es Loyalität und Aufopferung. Denn ohne einen Tribut würden wir nicht weit kommen, wären nur die Rednerei unser Vorteil, dann hätten wir zum einen keinen großen Fortschritt zu erwarten und wären zusätzlich nicht besser als manch andere. Man könnte es fast die alten Sitten nennen, welche wir vertreten wollen. Damaligen Vorgehensweisen, die heute nicht einmal mehr im Gespräch sind, weil die Zeiten sich geändert haben. Positiv, negativ, wer will schon urteilen. Am neugierigsten stimmt es doch eigentlich, was die Menschen bei uns zu suchen hatten. Wie ich sie ein und aus gehen ließ. Doch dieses Geheimnis wollte ich ebenfalls noch einen Moment mit mir herum tragen, wie die Informationen, die nicht heraus kamen wie ein Schwall an Vertrauen. So konnte ich die Verwirrung verstehen, die bei manchen vorhanden war. Sollte die Zeit natürlich kommen, wird auch Wissen folgen, Wissen wo dann entschieden wird ob sie den Tod oder das Leben wählen.


Man musste immer nur etwas genauer hinsehen, denn dann stelle man fest, dass unter den Menschen, welche man generell immer unter Wert verkaufte, Seelen weilten, die mehr Verstand besaßen als das, was man an ihnen vermutete. Man musste ihn nur zu nutzen wissen, denn wie bereits festgestellt wurde, sind doch die meisten Handhabungen nur List und Tücke, Spielerei und es kam immer darauf an, wer am längeren Hebel saß.
-„ Drehend und drehend in immer weiteren Kreisen
Versteht der Falke seinen Falkner nicht
Die Welt zerfällt, die Mitte hält nicht mehr
Und losgelassen nackte Anarchie
Und losgelassen blutgetrübte Flut
Das Spiel der Unschuld überall ertränket „-
Zuletzt geändert von Gast am Dienstag 5. Mai 2015, 15:54, insgesamt 1-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

Es war mittlerweile so, dass ich feststellen musste, das mein Kopf gänzlich aussetze, sobald die verbrannte Brut vor mir stand, greifbar war. Und ich fragte mich ob ich unkontrollierter gehandelt hätte, wäre es nicht der Ala'thraxor selbst gewesen, der uns zurück rief. So war es auch ich selbst, die mich züchtigte, am Abend, in der Nacht. Als ich im Tempel saß und mir die Fingerkuppen gegen die Kehle drückte, immer wieder versuchte die Atmung und die Kraft meiner Lunge auszureizen. Zurück blieben nur Abdrücke, die sich nach und nach dunkler als die normale Haut färbten. Kleine Einschnitte von den Fingernägeln und der Gedanke, dass dies alles nichts brachte. Ich wusste es wäre von Nachteil, könnte ich mich einer weiteren Weisung nicht fügen, eventuell gar das Ende der eigenen Existenz, in solch Fällen. Oder gar das Leben anderer, was natürlich in dem Fall erst einmal zweitrangig war. Die wichtigsten Geschöpfe würden so einen Fehlschlag meinerseits überstehen und die, die es nicht taten, wer waren sie schon?

Ich rief mir die letzten Begegnungen in den Geist, die Dreistigkeit der Einzelnen, die selbst mit einer gewissen Masse vor sich das größte Mundwerk besaßen, als wären sie jene, die eine halbe Armee hinter sich stehen hätten. Und trotzdem ließ ich sie oft gehen, verschonte sie, abgesehen von einem Schuss ins Bein oder ein paar Worten, die im Endeffekt keinen Zweck erfüllten. Die Keule dieses Verhaltens kam schnell zurück, an jenem Tag an dem ich wieder Nachsicht zeigte und dafür auf dem Boden landete, mit angebrochenen Knochen und fast ertränkt in meinen eigenen Blut. Selbst Schuld, vermutlich. Sadistisch noch dazu, als ich bei jenem Gedanken mein Handgelenk brach, laute Schreie durch den Tempel schickte und es mit einem Gebet, was eindeutig längere Zeit in Anspruch nahm, die Knochen wieder zusammen setzte.

Nachsichtigkeit, Nettigkeit. Ich redete wirklich viel. Ich bevorzugte es den Seelen zuzuhören, mir Urteile durch Worte und Gesten zu holen und nicht durch Gewalt. Die Runenlosen akzeptierten mich dafür, obwohl ich sie nicht Made nannte, Wurm oder sonstige Worte erfand, die sie minderwertig betiteln könnten. Aber war es das? Sollte es genau das sein? Irgendwann würde mann dann da sitzen und wenn man irgendwas bewegt hatte, würde man über einen sprechen. Wie wären die Worte in dem Fall von mir? Die 'Nette'? Und wieder brach ich mir Knochen, dieses Mal die der Finger, denn die Prozedur des Heilens war weitaus weniger anstrengend als die eines ganzen Handgelenkes. Diese Vorgehensweise war im gewissen Sinne sicherlich förderlich und Respekt erarbeitete man sich wirklich nicht immer nur durch Folter. Allerdings brachte mir die Nachsichtigkeit gegenüber dem Feind reichlich wenig. Sie ließ mich versagen, wieder und wieder. Man konnte lediglich zufrieden damit sein, dass nur ich davon wusste, wie oft es bereits geschah oder es eher nicht weiter in irgendwelchen Unterhaltungen einfloss.

Ich erinnerte mich grob an die Worte, die der Bruder Ir'reqrykal wohl von sich gab. Nicht das er oft etwas kluges verlauten ließ, aber diese Sache war doch etwas, was ich mir in diesem Zeitpunkt, als der dritte Finger brach, einfiel. "Schwächen zu zeigen oder darüber zu sprechen ist schlimmer, als welche zu haben." Und er hatte recht, was ich ihm so nicht sagte, er sagte diesen Satz ja auch nicht zu mir. Aber der Runenlose hatte Recht. So konnte ich also nicht zu meinen Geschwistern gehen und ihnen von meinem Versagen berichten. Brechen konnte ich, eigene Körperteile und sie mit Gebeten wieder zusammen setzen. Doch irgendwann, da verlor ich die Kraft, rutschte mit der Hand nach vorne Weg und lag auf dem Tempelboden. Meine Haut bleich vom erlittenen Schmerz und meine Augen trüb und die Frage, ob das Ganze überhaupt was gebracht hatte, war noch offen.
"Zwei Dinge sind Zeichen von Schwäche: Schweigen, wenn man reden müßte, und sprechen, wenn man schweigen sollte."

[img]http://abload.de/img/5ayuxg.png[/img]
Gast

Beitrag von Gast »

So saß ich Stunden vor dem Tempel, in mir selbst zusammen gesackt. Ich hatte mich mittlerweile sogar darauf konzentriert, immer wieder auf meiner Zunge herum zu kauen. Nur kam schon lange keine großartige Flüssigkeit mehr zustande. Ich wusste auch nicht, ob ich Hunger hatte oder ob ich mich einfach nur beschäftigen wollte. Ab und an schlug ich meinen Kopf nach hinten, gegen die Steine. Steine, die mir den Weg zu meinem Heiligsten verboten hatten. Es war wie ein Traum, eine Illusion, die nicht enden wollte und die nach und nach die Lebensenergie von mir nahm. So drehte ich meinen Kopf nur ab und an langsam hin und her, suchte die Realität und fand sie nicht. Ich blickte den Geschwistern nach, wie sie wanderten, verloren in der Welt und auf der Suche nach sich selbst. Ich blickte dem Leben nach, der Zeit und meiner Existenz. Hatte ich wirklich so versagt? Ich hob meine Hand langsam in die Höhe, betrachtet meine Finger. Die Hände die gemordet hatten, die Hände die führten, die Hände die gestikulierten zum Lehren. Letztendlich war natürlich jeder für seinen eigenen Weg verantwortlich. Allerdings...

Hatte ich Vater falsch verstanden, habe ich seine Ziele etwa falsch an die Geschwister heran getragen? Wieder schlug ich meinen Kopf gegen den Stein und wie bei jedem Schlag, den mein Hinterkopf bemerkte, hoffte ich das die Steine brechen würden, ich wieder hinein kommen könnte, in seine Hallen. Das Gefühl, welches er mir gab und nahm, ich konnte ohne jenes nicht existieren. Immer wieder bewegte ich meine Lippen, sprach diverse Worte auf, als wären sie ein Gebet und irgendwann gab meine Kehle keinen Laut mehr von sich, nur die trockenen Lippen bewegten sich weiter.
  • "Lethra, Lethoryxae, Predigt, Vater, Abspaltung, Machtentzug... Lethra."
Und dann schloss ich meine Augen und für wenige Augenblicke schlug mein Herz ein paar Mal so deutlich, dass ich das Gefühl hatte mein Trommelfell würde mir den Kopf zerreißen. Mein Kopf riss herum und meine Augen rissen sich auf. Es war das Mael'Rayat. Es war vielleicht die Illusion, die ich mir schuf, wo ich mir einbildete was zu fühlen. Fühlen, etwas, was mir so fern schien, als würde man mir das Wort noch einmal erklären müssen. So zeichnete sich ein Grinsen in meinen Zügen ab und der Wahnsinn rückte in meinen Kopf. Ein weiteres Mal schlug ich meinen Kopf nach hinten. Es war wohl wieder eine Einbildung meines vollkommen verstörten Geistes. Wahnsinn traf auf Realität und Zeit und ich fragte mich, wann es denn endlich vorbei war. Und wenn ich noch eine Weile warten musste, würde ich mir in den nächsten Stunden sogar überlegen, ob ich mich eventuell ein paar Meter bewegen würde, in irgendeine Richtung.
Um erneut einen Hauch vom Lebensinn zu bekommen
Eine kleine Vision des Anblicks am Ende
Aber alle Chöre in meinem Kopf sind undeutlich, verworren.

Aber ich würde noch eine Berührung brauchen
Einen anderen Geschmack vom zerstörerischen Rausch
Und ich glaube, ich glaube so sehr.
Gast

Beitrag von Gast »

Es kam mir vor als wären die letzten Monate Jahre gewesen und die Jahre Jahrzehnte. Wenn man den Fortschritt des Alters beobachten konnte, dann auf jeden Fall in meinem Gesicht. Nicht das ich darauf viel Wert legte, doch sahen die Narben tiefer aus als gewöhnlich, die Augenringe dunkler als üblich und die eingefallenen Wangen gaben dem Ganzen den letzten Schliff zur nicht vorhandenen Perfektion. So stand ich, wie mittlerweile jeden Morgen, im Ring, welcher bereits so viel Blut gesehen hatte, dass ein ganzes Schlachtfeld als Vergleich nicht ausgereicht hätte. Der Geruch von altem Blut, von frischem Blut, von Schweiß und modriger Erde lag penetrant in der Luft und bohrte sich in jede Pore. So schrie ich einmal auf, ließ aufkeimende Kraft durch meine Muskeln rasen und schlug mit der Faust, eingebettet in Metall und Leder, gegen die Wand. Die Andere folgte nach, wieder und wieder und wieder und wieder hörte man das Knarzen des Metalls, welches sich über den Stein zog und das Knacken der Knochen, die sich versuchten aus dem ganzen Schauspiel heraus zu winden.

Sobald der Geist soweit abgehärtet war, dass kein Ereignis die Emotionen mehr beeinflussen konnte oder es zumindest nicht so tat, dass es weitere Schritte gravierend beeinträchtigte, war der Körper dran. Renne gegen eine Wand. Eine Aufgabe für die Runenlosen, eine Aufgabe welche ich selbst nie erfüllen musste und so, als meine Muskeln in den Händen fast abgestorben waren und die, die es noch gab sich versuchten vom drückenden Metall zu entfernen, welches sich penetrant in die Haut drückte, rannte ich - gegen eine Wand. Ein lauter Knall erklang und ich schnappte nach Luft und der Schmerz der sich durch meinen Körper zog war mittlerweile fast unerträglich. Ein verbittertes Lachen entwich meiner Kehle, als ich ein weiteres Mal gegen den Stein donnerte. Es trieb mich fast in die Knie und doch trieb es mich an, wenn ich daran dachte, dass auch ein Lethrixor, ein Mann, dazu in der Lage ist diesen Schritt zu gehen. Also rannte ich weiter, einmal, zweimal und das dritte Mal riss mich dann zu Boden, in diese modrige Erde, vollgesaugt von Schweiß, neuem und alten Blut und irgendwo vermutlich auch Erbrochenen.

Und in diesem Moment schossen mir die Ereignisse der vergangenen Wochen, Monate, Jahre durch den Kopf. Wir waren alle am Boden, so wie ich gerade, der eine stand dabei zwar noch, aber wir befanden uns alle eigentlich ganz unten. Es waren falsche Schritte die getan wurden, Richtige die nicht als solche angesehen wurden und Unnötige, die einen größeren Zweck erfüllten. Wir wollten ganz oben sein und sind so tief gefallen, dass manch einer nicht einmal mehr wusste wie er seine Beine bewegen sollte. Wir haben uns angesehen wie unser Meister auf die Knie ging, unsere Führung, unser Seelenführer, wie man ihm belehrte, mental zu Boden schlug und selbige Hand ihm wieder empor hob. Es war die Zeit der Veränderung, für jeden von uns und ein mancher ist daran zerbrochen, hat sein Leben gelassen und ein Anderer weiß nun wieder wie seine Beine funktionieren und das Weilen funktioniert. Und es war auch nur ein bestimmter Punkt, der mir wirklich noch lange im Kopf herumirrte, nachdem die Wolken sich gelichtet hatten und man bereit war erneut zu beginnen einen Schritt vor den Anderen zu setzen.

Es war der Moment wo das Volk zusehen musste, wie der Meister selbst zum 'Runenlosen' wurde. Wie er selbst unterwürfig sein musste. Der Moment in dem sich in meinem Leib alles zusammenzog und die Wut, die Kontrolle sie ich dachte zu besitzen, langsam zu bröckeln begann. Ich hob meinen Kopf, dabei sollte ich ihn unten lassen und ließ mein Blick durch die Reihen wandern. Ich suchte den Ala'thraxor, denn seine Reaktion darauf wäre die Meine gewesen. Ich fixierte ihn, er blieb ruhig, wie eine Steinstatue, welche man gerade frisch im Thronsaal platziert hatte. Also regte auch ich mich nicht. Es war wie ein Spiel, als würde ein nicht existenter Ball durch die Reihe hinweg fliegen, jeder sah zu irgendwem, wollte Hilfe in dieser unbeholfenen Situation und doch blieben wir alle ruhig. Ob es die Worte Syrr'aels selbst waren, die kurz darauf folgten oder aber die nicht vorhandene Regung mancher Mitstreiter, kann ich bis um heutigen Tage nicht sagen. Das man allerdings daraus lernt, ein, zweimal durchzuatmen bevor man reagiert, das wurde mir an diesem Abend deutlich bewusst.

Letztendlich sind wir alle dadurch gewachsen und wenn es auch in mancher Zeit so wirkte, als hätte er selbst uns verlassen, können wir mittlerweile sicher sein, dass es lediglich ein weiterer Schritt in Richtung Perfektion war - etwas was wir alle anstrebten und was der eine früher begriff als ein anderer. Es war die Zeit des Wandels und wir hatten sie überlebt und waren bereit ein Teil davon zu sein.
  • Ich habe gelitten und bin gestolpert,
    ich habe gekämpft, und mich nach dem Ende gesehnt.
    Für ihn und meine Seele.
    Aber alles was jetzt zutun ist, ist einen Fuß vor den Anderen zu setzen.
    Vorbei an den kahlen Bäumen auf den Schneefeldern.
Gast

Beitrag von Gast »

[img]http://abload.de/img/arynxn9uqx.jpg[/img]
Die Zeit hatte die Welt verändert, die Welt hatte uns verändert und in Mitten aller Veränderung stand ich. Ich merkte, wie von Tag zu Tag mehr das Emotionale von mir abfiel. Gefühle spielten kaum noch eine Rolle und das Gift des Vaters hatte sich fast in jede einzelne Faser meines Leibes gepresst. Das Streben nach Perfektion stand an erster Stelle und alle anderen Dinge fühlten sich so unwichtig an. Wenn man im Krieg verletzt wurde, war es nur ein wenig Blut. Wenn eine Schlacht verloren war, plante man die Nächste mit den Mitteln die man hatte. Es wirkte alles wie mechanisch. Ein Schritt vor den Anderen und nichts auf diesem Boden, unterhalb - oberhalb, konnte diese Bewegung in Richtung Ziel unterbrechen, abgesehen vom Tod selbst. Doch war es nicht einmal mehr das, was ich fürchtete, denn meine Essenz würde Vater nähren, nicht so wie sie hätte können, aber immerhin soweit, dass ich wusste nicht vollkommen nutzlos gewesen zu sein. Nicht das man den Gedanken hatte, dass es reicht, das man theoretisch auch anhalten könnte und sich das Leben doch gelohnt hätte. Es war eher so, dass man sich nicht mehr wie das Stück Dreck fühlte, was man einst war. Man fühlte sich so, als hätte man es verdient die stickige Luft zu atmen, die einen umgab. Und das tat sich also, atmen, ein - aus.

Zu dieser Zeit konnte man dem Ganzen sogar zusehen und so verfolgte ich den leichten Nebel den mein Mund schuf. Der Schnee hatte eine dicke Schicht über meinen Körper gelegt und ich hatte nicht vor mich zu bewegen. Es war in Ordnung, denn irgendwann waren die Füße abgefroren und man fühlte nichts mehr, außer einen gewissen Schmerz wenn man sich rührte. Schmerz war nicht verkehrt, weswegen also jammern. Und wo ich gerade anfing die Emotionen von mir fern zu halten, rissen mich die Worte Syrr'aels für wenige Sekunden wieder ein Stück zurück. Wo manche Worte mittlerweile an mir vorbei gingen und ich nur wichtige Informationen herausfilterte, waren es die Seinen, die mich vollkommen aufmerksam machten. Ich drehte gar meinen Kopf in seine Richtung. Denn abgesehen davon, dass ich theoretisch nur dafür diente zuzuhören, wenn er sich ausschimpfte. Wir hatten ein stummes Abkommen, er dürfe so viel reden wie er will und ich stand einfach nur da und nickte. Damit kamen wir recht gut aus, als er allerdings direkt Worte an mich richtete, war ich überfordert. Ich kommentierte es aber auch nur so, wie ich zuvor das andere Palaver angenommen hatte - mit einem Nicken. Doch in meinem Kopf machte sich etwas breit, was manch anderer wohl als Stolz oder Zufriedenheit verbinden würde. Und so driftete mein Blick ab, zurück zum Schnee und er redete weiter, ich beobachtete weiter meinen Atem und die Worte des Meisters hallten nach.
  • "Vielleicht hat die Flamme deine Unreinheiten verzehrt..."
Zuletzt geändert von Gast am Freitag 29. Januar 2016, 03:30, insgesamt 1-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

[img]http://abload.de/img/arynxentsaq.png[/img]
Gast

Beitrag von Gast »

Ich forderte eine Liste von den Runenlosen, sie sollten eine Aufstellung der derzeitigen Letharen machen und ihre Art niederschreiben. Eine Sache die ich schon öfter forderte, aber nie selbst erfüllte. Ich hatte diese Liste in meinem Kopf, doch niedergeschrieben hatte ich sie nie. Da die Zeit jedoch auch nicht an mir spurlos vorbei zog, entschied ich mich in dieser Nacht um. Der Wahnsinn suchte einen immer öfter heim und manchmal musste man sich fragen, was eigentlich wahr war und was man sich in seinem Geist zusammen reimte. Ich schob es auf die Tatsache, dass man Vater immer näher kam und folglich irgendwann vergisst wer man war und der wurde, der man sein sollte. In Büchern stand etwas anderes. Aber wer hat diese schon geschrieben, Menschen. Sicherlich, sie wurden im Alter grau und vergesslich, aber diese Schwächen gaben sie uns nicht mit. Ich musste es mir einreden, sonst wüsste ich vermutlich auch nicht wie ich den Meister in Zukunft betrachten sollte.

Aron´deryl

Bleibt immer ruhig. In der ereignisreichsten Situation behält er die Ruhe. Ob das nun allerdings immer der beste Weg ist, liegt wohl im Auge des Betrachters. Seine Schwäche für Lethrae war allerdings nichts, wo ein anderer Blick irgendetwas besser gemacht hätte.
Ilphrin
Pragmatisch, durch und durch. Baldiger Ala'thraxor, durch und durch. Er hat den richtigen Blick auf die Dinge, doch manchmal nicht die nötige Lust sich mit dieser Sicht einzumischen. Doch wie jeder seines Schlages würde ich ihn nicht erzürnen, bei ihnen weiß man nie mit wie vielen Gliedern man die Begegnung verlässt.
Ir´reqrykal
Er hat es perfektioniert dämlich zu tun, obwohl er es gar nicht ist. Er wird seinen ganz eigenen Grund haben sich vor seinem Aufstieg zu drücken. Ich bin noch unentschlossen ob das verdammt intelligent ist oder verdammt dämlich. Fakt ist nämlich, sein Streben wird nicht blockiert durch eine fehlende Rune, es ist lediglich weniger Erwartung.
Jaryan´dolor
Er muss noch viel lernen, doch ist er seinen Weg bis jetzt immer recht zielstrebig voran gegangen ohne einzuknicken. Er hat nicht aufgegeben, als alle Anderen es taten. Ob das nun der Grund für das Weiterführen der Sache war, die wir alle verloren hatten, ist unergründet, doch Anerkennung hat er dafür mit Sicherheit.
Je´yuxalae
Ihre Abwesenheit ist wieder etwas, was sich in meinem Kopf bohrt. Auch sie versteht es sich manchmal dümmer zu stellen als sie ist. Doch ihre Vorliebe zum menschlichen Volk ist eindeutig eine Schwäche, auch wenn es sich in den letzten Monden nicht mehr als Solche heraus stellte.
Kril´relak
Runenlos, glaube ich. Ist mir noch nicht aufgefallen, eindeutig als Schwäche zu zählen.
Kyre´ath
Runenlos, glaube ich. Ist mir noch nicht aufgefallen, eindeutig als Schwäche zu zählen.
Le´xare
Ich würde es als Schwäche ansehen wie jemand anderes auszusehen. Das sie sich noch nicht ein Ohr abgeschnitten hat oder die Klinge über ihr Gesicht zog, um sich von ihrer Schwester zu unterscheiden ist mir ein Rätsel. Hoffen wir nur, dass ihre Mutter sich nach diesem bedauerlichen Wurf selbst richtete. Abgesehen von dieser Tatsache macht sie allerdings eine gute Arbeit und ist im Gegensatz von anderen Runenträgern nicht dem Hochmut verfallen.
Le´xera
Gleiches Aussehen, gleiche Meinung.
Qel´ryn
Ein Paradebeispiel für Verschwendung. Nicht etwa das er nicht nützlich ist, sondern eher die Tatsache, dass ihn Vater nur mit dieser Gabe segnete. Seine Wut springt einen regelrecht ins Gesicht, auch wenn man sie nicht auf den ersten Blick sieht. Er unterschätzt seinen Wert, eine Schwäche, bis zu einem gewissen Sinne.
Qil´yxx´ar
Möge er bleiben, wo ihn Alatar vor eine Weile hinschickte.
Qisa´xylra
Ist mir seit dem ersten Tag jedes Mal aufgefallen. Ob das nun ein Vorteil oder ein Nachteil ist, kann man nicht sagen. Eine Runenlose die bereits denkt die Demut und dergleichen perfekt zu beherrschen. Das in ihrem Werdegang der Hass und unkontrollierter Zorn allerdings wichtig sind, scheint sie noch nicht begriffen zu haben. Beherrschung ist nicht immer positiv zu sehen.
Ren´arx
Sein Fanatismus berauscht mich. Er benötigt eine führende Hand, doch wird er uns alle überraschen, sollte er in seinem Streben von Vater mehr anerkannt werden. Eine falsche Bewegung und er zerreißt ganze Gruppen. Unkontrolliert, keine Frage, doch fanatisch wie kein Zweiter.
Shi´nue
Runenlos, glaube ich. Ist mir noch nicht aufgefallen, eindeutig als Schwäche zu zählen.
Syrr´ael
So viel Potential, so selten erblickt. Aber warum auch.
Szor´ylas
Angehender Junglethyr, ich befürchte, sollte ihn der Erdboden nicht alsbald wieder verschlucken, wird er einst gute Führung leisten, Führung die er mir und der Lethry folglich abnimmt. Ich bin noch unentschlossen ob ich das als gute oder negative Eigenschaft einordnen soll. Er wird sich noch genauer angesehen.
Szyr´dhar
Folgsam, ohne Frage. Auch wenn mir hier noch der gewisse Biss fehlt. Es sollte kein Runenloser seinen Wert überschätzen, doch kristallisiert sich meistens schnell heraus ob jemand zum Führen geschaffen ist. Wir werden sehen, wie lange man bei ihm kratzen muss, um an die Erkenntnis zu kommen.
Tar´xyr
Einen angenehmeren Schüler kann man sich nicht wünschen. Auch wenn ich auch hier kein Freund von stetigen Gehorsam bin, sehe ich viel ihn ihm. Kann nur nicht einschätzen, ob er das ebenfalls tut.
Tluth´Xarlor
Der Wächter...
Vyel´tareala
Wenn es so etwas wie Freundschaft gibt, dann würde ich das zu ihr wohl pflegen. Ich kann allerdings nicht sagen, dass man es so definieren kann wie bei den Menschen. Sagen wir ich hätte den Meister erstochen und jeder würde überlegen wer es war, ihr würde ich es eventuell mitteilen, in der Hoffnung eine Predigt zu erhalten, dass man Letharfen nicht hassen darf.
V´in
Er erinnert mich ein wenig an Shar'dan, auch wenn dieser weniger Witz hatte. Witz ist allerdings auch nichts, was ich positiv erachte. Er ist nicht dumm, der Lethrusar, doch eindeutig zu mehr berufen als den Dummen zu mimen.
Xen´draxol
Sein Ideenreichtum ist ausgeprägter als von manchen, die ihn haben sollten. Zu seinen handwerklichen Talenten weist er noch einen enormen Verstand auf. Ebenfalls eine Art Verschwendung, dass er nie weiter in Vaters Gunst steigen wird. Doch ist er standhaft, seit Jahren, wie Qel'ryn.
Yxul´lerlatox
Wenn es nach dem Meister eine Person in diesem Axorn geben müsste, die uns führt, würde ich ihn wählen. Nicht unbedingt, weil er dazu auch den höchsten Rang hätte, sondern weil er mit Pragmatismus und Fanatismus auf die Dinge blickt und zeitgleich Ruhe und Verstand aufbringt. Er ist von unseren Hochrangigen alles in einem. Wie ein Mensch sagen würde: Ein Paradebeispiel.
Zuletzt geändert von Gast am Donnerstag 11. Februar 2016, 15:48, insgesamt 3-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

Wieder verkrampfte ich meine Finger vor dem Bauch und drückte die Knochen der gegenüberliegenden Hand bis an ihre Grenzen. Meine Haut verlor die Farbe und irgendwann fiel mir auf, dass ich nicht einmal mehr den Schmerz fühlte, denn irgendwann knackte der Zeigefinger deutlicher nach hinten Weg und erst dann zog sich ein unangenehmes Ziehen durch meine Glieder. Ich hob nur langsam meine Finger an und sah zu, wie die Haut anschwoll und der eine Finger viel zu weit hinten hing. Ich fühlte auch da nichts, der Schmerz war vergangen, die Wunde noch da und mir war es egal. So presste ich die Hand auf den Stein neben mir und begann damit ein Gebet zu sprechen. Es heilte, wie es das immer tat, es heilte und ich konnte wieder sitzen und in die Lava starren, in der Hoffnung dort etwas zu erspähen, was mir die Zeit erträglicher machte. Doch es war nichts zu sehen, abgesehen von Magma und aschigen Staub, der sich auch langsam in meinem Gesicht ablegte. Jede Rune darin nahm den Dreck auf, sog ihn ein und erhielt eine neue Form. Und so wie sich die Asche an meine Haut legte, so umgab auch jede Rune mich mit ihrem unsichtbaren Schimmer und veränderte meine Form.

Ich war nicht mehr ich selbst, schon lange nicht mehr. Ich war müde von der Zeit und so saß ich jeden Abend an dieser Grube, hoffte Vater würde mich hinein stoßen, mich nicht mehr brauchen, doch jedes Mal aufs Neue stand ich wieder auf, drehte mich um und ging zurück in den Tempel. Es waren Fassaden, wir alle trugen sie. Emotionslos war keiner von uns, die Schwachen waren die, die das nicht verbergen konnten. Doch um so länger man lebte, um so strapazierender war die Existenz. Die Knochen taten nicht weh und man fühlte sich auch nicht alt, doch die Ereignisse hallten öfter im eigenen Kopf wieder und ich wagte mir einzubilden, dass die Menschen nur so früh starben, weil das Leben, was sie hatten, nicht mehr in ihren Kopf passte und sie es so nicht mehr ertragen konnten. Also wurden ihre Körper alt, so dass sie sich darauf vorbereiten konnten bald zu gehen und irgendwann starben sie, an einer lapidaren Krankheit oder einfach im Bett beim Schlafen. Unsere Körper waren nicht so gemacht, wir waren eher so geschaffen im hohen Alter Großes zu vollbringen, bereit das Gewicht der Existenz auf unseren Schultern zu tragen. Doch die Last war irgendwann so schwer, dass man sich immer so müde fühlte, schwach.

Schwach war ich auch, die Hoffnungen von Vater erlöst zu werden, wurden schnell ausgetauscht durch eigene Pein. Denn als ich begriff, dass er mich nicht holt, mich niemand schubst und das Leben noch nicht vorbei war, änderten sich meine Gedanken, so schnell das mir fast schlecht wurde. Ich rannte gegen die Wand, wieder und wieder und versuchte dort den Schmerz zu fühlen, das Adrenalin zu führen, was ich verloren hatte, den Zorn und die Wut, den Rausch. Wo war der verdammte Rausch. Knochen knackten, Haut platzte auf, Blut spritzte. Wo war der verdammte Rausch! Und dann, dann war der nächste Tag, die Gebete verklungen, der Körper wieder zusammen geflickt und man saß eben irgendwann wieder an der Lavagrube, grüßte täglich das Murmeltier.

Und wenn ich dann zur Ruhe kam, mich die Stimmen in meinem Kopf nicht immer wieder von einer emotionalen Lage in die Andere pfefferten, betrachtete ich alles wie aus einer Blase heraus. Ich war entspannt, ich war müde und doch war das Leben, was an mir vorbei zog, erträglich. Ich hatte mich bewiesen, noch nicht genug, doch ich hatte es zumindest geschafft über dem Großteil der Letharfen zu stehen, welche ich nun mit Stiefel trat und darauf wartete ihre Verachtung in den Augen zu sehen, die sie empfanden als sie eine Lethra züchtigte. Vielleicht war das mein Rausch, doch es fühlte sich viel zu taub dafür an. Es machte es eben nicht besser und so stand ich an diesem Abend wieder bei der Steinwand und wieder rannte ich.

Nach einigen Stunden und einigen gebrochenen Knochen später, lag ich auf dem Boden, Dreck und Blut mischten sich unter mir und der eiserne Geruch bohrte sich in meine geschundene Nase. Es war nicht das Gleiche. Wo war der Rausch? Ich beneidete Ren'arx, er spürte ihn so oft, wo ich ihn anscheinend vor langer Zeit verloren hatte. Ich hatte nur kurz das Gefühl ihn wieder zu bekommen, als der Alka selbst mich in den Wahnsinn trieb. Es wäre allerdings bedauerlich fern, wenn es nur diese Person schaffen könnte. Allein da mich, trotz seines Standes, sein Geschlecht anwiderte. Ich hatte es nicht geschafft so zu sein wie die Schwester es wollte, ich hasste sie, die Männer. Und so zog ich die Mundwinkel ab, senkte die Lider und ließ den Schmerz wirken, der kaum zu fühlen war, bevor ich wieder Gebete sprach und Vater erneut um seine Gunst bat, er möge mich wieder fähig machen zu laufen.
Gast

Wahnsinn.

Beitrag von Gast »

"Lethra. Wie viele Jahre sind nun vergangen und wie lange warten wir schon, dass es voran geht. Erkläre mir dein Versagen, abgesehen von deinem Geschlecht. Erkläre mir, warum es so lange dauert."


Ich drückte meine Hände an meine Seiten und bog mich empor. Die Nächte waren noch immer kurz, die Augenringe tief und die Zunahme von Nahrung lächerlich. Ein kurzes Krächzen verließ meine Kehle und ich musste mich noch eine Weile orientieren, bevor ich meine Beine langsam von dem Bett schob und durch die leere Höhle taumelte. Meine Finger drückten sich gegen die Wand und ich musste kurz einen Laut von mir geben, der irgendwie Belustigung erzeugte. Es war lächerlich wie schwach der Körper wurde, wenn man ein paar Tage das Essen nicht bei sich behalten konnte. So griff ich erst recht spät nach meiner Robe, warf sie mir über und zog in die Tiefen des Axorns. Beim Versammlungsbereich blieb ich stehen, griff das nächstbeste Essen, was sich mir entgegen streckte und schob es mir zwischen die Kiefer. Es klang würgend, wie ich mir die Stücke hinab zwang und nach drei Broten und irgendeiner Substanz die ich nicht mehr definieren konnte, stellte sich eine Art Sättigung ein. Und während ich mit der rechten Hand gegen meinen Bauch tippte, in der Hoffnung das Essen würde drinnen blieben, brannten sich die Träume wieder in meinen Geist.
"Es ist noch immer verschüttet. Der Meister ist auf Reisen und die Prioritäten liegen hier eindeutig falsch, Lethra. Wieso dauert es so lange, wieso schaffst du es nicht diese Aufgabe zu erfüllen, die die Wichtigste für dich sein sollte? Lethra, hörst du mir zu?!"
Mein Leib rammte gegen den Stein und ich starrte voran. Die Kuhle, die ich bereits hinein geschlagen hatte, machte mich schnell darauf aufmerksam wo ich war. Das Mael'Rayat dahinter zog mich regelrecht an. Ich war einer gewissen Sucht verfallen, so dass ich mit nicht vorhandener Aufmerksamkeit hier her fand. Ich wollte hier nicht hin, denn es hatte wenig Sinn. Selbst wenn der Stein sich regen würde, wir waren noch nicht bereit dafür. Aber war das Versagen, diese Erkenntnis oder eher Intelligenz? Und um mir diese Frage beantworten zu können, bewegte ich mich in Richtung Tempel, sank vor dem Altar auf die Knie und presste meine Stirn gegen den kalten Stein. Und das Einzige was mir in den Sinn kam, waren die Dinge, die mich in der Nacht bereits wach hielten. Antworten die ich benötigte blieben aus, Versagen nicht.

Sie stand in einem dunklen Raum und die Lichter die einfielen waren wie Scheinwerfer die sie zu schnell erblinden ließen, so dass die kommende Dunkelheit nicht zu durchschauen war. Der Duft des dunklen Raumes war nicht zu beschreiben und auch wenn sie Arm- und Beinfreihat hatte, war es ein beengendes Gefühl, als hätte man sie in ein Schubfach gesteckt. Luft gab es hier nicht, jedes Einatmen wirkte er so, als würde sich die Lunge immer mehr zuziehen. So bemühte sie sich die Luft aufzusparen, die sie noch in den Lungen hatte und starrte voran. Bemüht nicht in Panik zu verfallen und die Kontrolle zu behalten. Immer wieder drangen Worte an ihr Ohr, wenn sie auch nicht von Links oder Rechts kamen, sondern sich gleich in ihren Kopf pressten. Und jedes Wort wurde begleitet von einem Schnitt. Auch wenn sie nichts sah, das Blut unter ihren Füßen konnte sie erkennen, welches durch aufgeschnittene Arme und Beine entstand. Die Lippen der Lethra spitzten sich, sie sah weiterhin voran und wartete auf die Botschaft, die hier geschrieben wurde. Über Stunden, bis der Wahnsinn gegen die Geduld trieb: Was willst du...
"Lethra. Wie viele Jahre sind nun vergangen und wie lange warten wir schon, dass es voran geht. Erkläre mir dein Versagen, abgesehen von deinem Geschlecht. Erkläre mir, warum es so lange dauert. Es ist noch immer verschüttet. Der Meister ist auf Reisen und die Prioritäten liegen hier eindeutig falsch, Lethra. Wieso dauert es so lange, wieso schaffst du es nicht diese Aufgabe zu erfüllen, die die Wichtigste für dich sein sollte? Lethoryxae, hörst du mir zu?! Suche keine Ausreden, schreite voran. Bekommst du das hin oder habe ich mich so in dir getäuscht, bist du doch so schwach wie das Geschlecht, welches für dich bestimmt wurde?"

Wir haben keinen Ala'thraxor.

"Ausreden!"

Wir können es nicht bewegen oder berühren.

"Dann nehmen wir Verluste hin!"

Wir sind nicht genügend, um Verluste verkraften zu können.

"Manch einer kann eher fallen als ein Anderer."

Das ist nicht weit genug gedacht...

"Das entscheidest du nicht!"

Du auch nicht.


Und dann lichtete sich wieder ein Fleck in dem schwarzen Raum, ein weiterer, roter Blutfleck entstand und darauf stand eine Gestalt, die langsam den Kopf hob. Sie war fernab von jeglichen Narben, Runen oder Wunden. Sie war vollkommen Vollkommen und starrte ihr mit den hellblauen Augen entgegen. Nur langsam hob sie die rechte Hand und der Gegenüber tat es gleich, wie ein Spiegel. Die Panik die bis eben noch verscheucht wurde, schlich sich langsam in das Gesicht der Templerin, als sie sich selbst entgegen blickte und das Ausmaß des Lebens sah, im Vergleich zu einem Leib, der unberührt schein.

"Es muss ausgegraben werden, Lethra, sonst wird er richten."

Ja.

[img]http://www.fotos-hochladen.net/uploads/arrimjtcd9efpn.jpg[/img]
Antworten