Frischfleisch mit Potenzial, das konnte man jenem natürlich so nicht sagen. Man musste es lehren, schwächen, stählern. Alles Dinge die einen in gewisser Weise müde machten, die allerdings notwendig waren. Ein besonderes Augenmerk lag auf Tai'nai. Vielleicht lag es daran, dass sie die einzige Frau unter den neuen Gesichtern war oder aber an ihren Weg, den sie gehen wollte. Aber vermutlich doch mehr an den Hass der entlockt wurde, wenn an das männliche Geschlecht gedacht wurde. Aber sie, sie war eine Sache für sich. Sie war so schwach und vermutlich war es den Mutterinstinkt zuzuordnen, dass einen das anzog.
Ihr zu lauschen, ihm zu lauschen, dem Verbrannten, wie er sie fast brechen konnte, durch sein Gefasel über die Mutter, entfachte etwas, was vermutlich im Volksmund Kampfgeist genannt wurde. So sauste eine Faust durch die Luft, eine Nase ging zu Bruch und drohende Worte fielen. Und hinter der ganzen Kälte und Verachtung war ein Gesicht zu sehen, welches die Mundwinkel abgesenkt hatte. Sie wurde ja verstanden und ihre Schwäche war niemanden fremd. Wichtig war nur, dass sie niemand sehen konnte. Und man sah sie genau, jedes Fünkchen Mitleid und jeden Hauch von Erbärmlichkeit, der sich auf dem jungen Gesicht platzierte.
Die Explosion des Ala'thraxors trieb mir dann ein Lächeln ins Gesicht. Es hatte doch auch lange genug gedauert. Immer wieder hämmerten sich die Worte in meinen Kopf: 'Wie lange wollt ihr mich noch reden lassen?' Und ich redete weiter und weiter. Ich konnte nicht aufhören, ich hatte Höhenflüge und als ich dann endlich gestraft wurde, lag ich da und fragte mich, wie lange es her war, dass eine Faust mein Gesicht berührte. Wie viele Freiheiten ich doch hatte, wie viele ich nutzt. Ich redete mir ein das es sein musste. Wie sollte ich wachsen, ohne Lehrer, alleine, wenn nicht einmal mehr der Schmerz meinen Körper heimsuchte. Und so sprach ich ein Gebet, ließ mich leiden, machte den Schmerz unerträglich und röchelte vor mich hin. 'Wie lange wollt ihr mich noch reden lassen?' Aber zumindest wusste ich wann genug war, denn als Ilphrin mir eine Frage stellte, hatte ich die Option erneut zu widersprechen oder einfach zu nicken. Und so tat ich es. Ich nickte, willigte ein. Eine brave Lethra, natürlich.
Und man fragte mich wo mein Platz wäre und ich entschied mich auf diese Frage zu antworten, wenn es soweit ist und Alatar mich einen Schritt weiter laufen ließ. Denn dann würde ich dem Abschaum der Welt zeigen, wo mein Platz ist, eine brave Lethra sein und meine giftige Klinge im Rücken wetzen an denen, die das nicht erkannten. Denn wie schwach mein Leib vielleicht auch war, die Erinnerungen waren so penetrant, dass ich jeden Schnitt noch spürte, als wäre er vor einer Sekunde zugefügt worden.
Meine Fingernägel bohrten sich in den Stein, brachen ab, wurden blutig und ich riss ein Loch in die Wand, was mir mehr schadete als den Gemäuer. Ich drückte mich hindurch. nicht mehr vorzeigbar durch fehlende Nahrung und Flüssigkeit und präsentierte mich der Welt.
Schmerz lag in meinem Gesicht und ich wusste nicht mehr so recht wie das Atmen funktionierte, konnte kaum etwas sehen und dann, dann erinnerte ich mich an das Streben, ich erinnerte mich an Alatar und ich ging weiter. Losgelassen auf die Welt und ich wäre nicht die, die es bereuen würde, dass ich an diesem Tag bevorzugte weiter zu atmen. Nur die Anderen - Oh, die Anderen..."