Liegt im Bett
Sagt: "Mami, bitte nicht!"
Doch Mami lächelt
Wie immer
Schließt die Türe, löscht das Licht
Wieder alleine
Mit den Schatten
Sie ist mucksmäuschenstill
Doch sie kriechen um
Ihr Bett herum
Da kann sie machen, was sie will
Die kleinen Ängste
Das kleine Grauen
Sie will vergessen, wie das ist
In tote Augen zu schauen
Die kleinen Ängste
Kichern und Gackern…
Stöhnen und ächzen…
Um sie herum tobte ein Krieg der verschiedensten Geräuschkulissen, ohne dass sie einen Einfluss darauf nehmen konnte, was sie hören wollte und was nicht.
Dunkle Nacht, an realen Geräuschen war nur ihr eigener Atem zu hören.
Hin und wieder das rascheln der Decke, wenn sie sich bewegte, und doch ging es in ihrem Kopf vor sich…
Unter dem Bett kroch er hervor.
Es war ein bekanntes Schauspiel und doch ergreifend, wie beim ersten Mal.
Wabernd, flirrend im Schatten der alles verschluckenden Dunkelheit.
Schwarz ist nicht gleich Schwarz, wenn man lernt die verschiedenen Töne zu unterscheiden.
Was sie konnte.
Sie wusste was normale, nächtliche Dunkelheit war und was das Alptaumgespinst ihres Verstandes hervor brachte.
Sie kannte ihn.
Oft schon hatte sie ihn gesehen, aber nie verstanden, warum er da war.
Mehr interessiert und mit einer gewissen Neugier betrachtete die blasse junge Frau das wabernde Etwas, das durch den Schatten floß.
Wie Honig auf hellem Holz, der sich seinen Weg bahnt, nur eben nicht hell, sondern dunkel.
Was er wollte…
Wo er her kam…
Wieso er da war…
Fragen, die sie bisher nicht gestellt hatte, deren Antworten sie fürchtete.
Musste sie ihn fürchten?
Bisher hatte er nichts getan, außer existent zu sein.
Vielmehr, existent und für sie sichtbar.
Als würde er genau wollen das sie ihn sah. Das sie ihn beobachtete….
Kinderträume
Dunkle Keller, alte Stiegen
Und verschlossene Räume
Die kleinen Ängste
Das große Zittern
Wenn Nachts unterm Bett
Die Bestien Menschenfleisch wittern
Die kleinen Ängste
Kindheitsängste
Wir haben sie längst vergessen
Doch sie kommen zu uns zurück
Die kleinen Ängste