Im Namen des Herrn (Belagerung Schwingenstein)

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Jean Laval
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Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Beitrag von Jean Laval »

  • Ich schlief und träumte, das Leben wäre Freude.
    Ich erwachte und sah, das Leben war Pflicht.
    Ich handelte, und siehe, die Pflicht war Freude.
    Rabindranath Tagore
Fernes Rauschen von Stimmen, Geklapper von Rüstungen, Waffen und Geschirr, das Wiehern der Pferde nicht weit von ihm, weckten Jean aus seinem leichten Schlaf. Er hatte sich am frühen Abend für eine Weile in das Zelt der Piraten zurückgezogen, das am südöstlichen Ende des Feldlagers stand. Hier war es noch vergleichsweise ruhig, abgewandt vom Lagerfeuer und dem steten Trubel der sich darum immer wieder bildete. Als er die Augen öffnete, blickte er ins Innere seines Hutes, den er sich auf das Gesicht gelegt hatte. Lange Momente lauschte er still dem Treiben im Lager, den Gesprächen, deren Wortfetzen er aufschnappen konnte.

Als er vor über einem Jahr hier ankam, hatte er kein Geld, verschlissene Kleidung, sein vom Seewasser rostig gewordenes Entermesser und ... seinen Hut. Er war ihm lieb und teuer geworden, denn er war damals eines der wenigen Stücke den er sich durch ehrliche Arbeit hatte leisten können. Monate lang war er ziellos auf der Insel herumgestreunt. Er hatte Schiff und Kapitän verloren, war gestrandet und der Rum, dessen Beschaffung eine tägliche Herausforderung war, tat sein übriges zu dieser Tatenlosigkeit. Dann und wann konnte er sich bei Fann in der Hafentaverne aushalten lassen oder mit Würfelspiel ein paar wenige Münzen gewinnen, die sogleich in die nächste Flasche Rum investiert wurden.

Nach vielen Monaten, in denen er dem verhungern beinahe näher gewesen war als dem Leben, hörte er vom Ruf Kapitän Perera's, der die Mannschaft für sein Schiff, die Toro de la Muerte, aufstocken wollte. Er hatte viel über dieses Schiff und noch viel mehr über den Kapitän gehört. Dinge, die ihn Monatelang daran hinderten auch nur darüber nachzudenken, sein altes Leben wieder aufzunehmen. Doch was stand ihm nun bevor? Verhungern im Hafenviertel Rahals. Es konnte nicht schaden, sich jenes Schiff, jenen Kapitän zumindest einmal anzusehen.

Es waren viele Wochen seitdem vergangen und er spürte den Schnitt in seiner Hand immernoch, den der Kapitän persönlich setzte. Und er erinnerte sich sehr gut daran, dass er mit seinem Blut auf dem Schiff anheuerte. Als man ihn fragte warum, war die Antwort eine leichte. Alles war besser als zu verhungern. Als man ihn fragte, wie er dem Schiff von Nutzen sein konnte, antwortete er wahrheitsgetreu dass er früher Soldat war, lange Jahre, bevor er fahnenflüchtig wurde und sein neues Leben begann. Seither war er stets an Bord eines Schiffes gewesen und hatte gelernt, darauf zu kämpfen. Nun würde er es für die Toro tun, zehn Jahre lang, falls er so lange überlebte.

Vieles hatte sich seitdem verändert. Beinahe alles. Er war zu einem Teil der Mannschaft geworden, die verschworen war und einen starken Zusammenhalt besaß. Von einem Tag auf den anderen war er satt, er besaß Kleidung, Ausrüstung, Waffen. Sie ließen einen nicht im Stich. So wenig er die meisten von ihnen kannte, waren sie wie eine Familie für ihn geworden. Vor allem Delancy, Yvette, Fernandez, an deren Anwesenheit und Gesellschaft er sich gewöhnt hatte und sie sehr schätzte. Das Feldlager in dem Jean erwachte war der erste wirkliche Auftrag den er als Teil der Mannschaft erhalten hatte und ohne es zu merken, hatte er sich mit voller Kraft an selbige begeben. Es war ihm nicht genug, einfach nur dort zu sein.

Es hatte viele Kämpfe gegeben. Verwundungen. Auch er war von einem Elfen in vollem Galopp erwischt worden, als sie sich durch den südlichen Eingang nach Schwingenstein hineingeschlagen hatten. Er erinnerte sich gut an den Moment, ebenso an jenen, als er gemeinsam mit Sebastiano die Palisaden des Feindes mit Sturmleitern überwunden hatte. Dieses Feldlager hatte ihm seinen Lebensmut zurückgegeben. Diese Mannschaft ebenso. Sebastiano erwies sich im Lager als fähiger Anführer. Er hatte einen ruhigen und besonnenen Charakter und konnte doch von einer Sekunde auf die andere entflammen, wie er es in der Schlacht beobachtet hatte. Er hatte die seltsame Gabe, die Mannschaft vor Ort zusammen zu halten ohne bei jeder Kleinigkeit einschreiten zu müssen oder zu wollen.

Diese Mannschaft war besonders. Jeder von ihnen wusste, was seine Pflicht ist. Wenn es um Freiwillige ging, waren sie stets unter den Ersten die sich meldeten. Wenn es um Befehle ging, führten sie sie aus. Wenn es in die Schlacht ging, waren sie stets in der ersten Reihe. Der Feind behauptete oft und ausgiebig, es wäre eine Gemeinschaft versoffener Vebrecher denen man nicht vertrauen könne. Aye, versoffen waren sie. Vertrauen sollte man ihnen vermutlich auch nicht. Und doch waren sie eine Gefahr, die man nicht unterschätzen sollte. Sie wussten, was es bedeutet Befehle auszuführen. Sie wussten, dass jeder seinen Teil beitragen musste, nicht erzwungen, sondern freiwillig. Es war ihrer aller Entscheidung gewesen.

Jeder von ihnen genoss ebenso die Freiheit, abseits der Befehle. Yvette hatte ihr Rauschkraut, dessen flüchtiges einatmen Jean bereits in einen Zustand nahe dem Delirium verfrachtete. Viele andere waren den Tag über durchweg angetrunken und doch nicht unfähig zu tun, was getan werden musste. Das Wachehalten vor den Toren wurde sich oft mit Würfelspiel oder Wetten vertrieben bei denen größere Summen den Besitzer wechselten. Jenes Würfelspiel bei dem Jean auch sein Geld verloren ... und doch bei den Wetten umso mehr gewonnen hatte. Er schmunzelte unter seinem alten Hut als er darüber nachdachte. War es Schicksal das ihn hier her geführt hatte? Zufall? Die Antwort auf diese Frage blieb im Verborgenen.

Eine Weile kreisten seine Gedanken unwillkürlich, unkontrolliert, der Blick starr auf das Innere des Hutes gerichtet, bevor er die Augen schloss und seine Lippen sich tonlos bewegten, einen stillen Namen formten.

Schließlich hob er den Hut von seinem Gesicht als er vom Bett aufstand und ihn sich ordentlich aufsetzte. Dazen machte ganz ordentliche Arbeit als Anführer des Lagers. Auch wenn es hier und dort zu Streit kam, war das nichts schlechtes. Im Gegenteil. Er kannte es zu gut, die Spannung vor einem Kampf. Und es war gut, dass sie da war. Sie würde in der nächsten Schlacht noch nützlich werden.

Einen Moment lauschte er noch den Geräuschen vor dem Zelt ehe er die Zeltplane zur Seite schlug und hinaus ins Licht trat, wo er das rege Treiben im Lager beobachtete und ihm mit einem Schmunzeln wieder jene bekannten Worte über die Lippen kamen. "Bonsoir, mes amis!".

Es war gut, hier zu sein.
Dazen Wolfseiche

Beitrag von Dazen Wolfseiche »

  • Tröste Gott, wenn der Mensch auf sich selbst zu sprechen kommt.
    Wilhelm Busch
Das nannte ich mal Kampf auf breiter Front. Der Feind machte weit weniger Scherereien als die eigenen Reihen. Es war fast schon zum Lachen, dass die Piraten sich disziplinierter benahmen, als die eigenen Leute. Jeder, der angenommen hatte, dass gerade dieser Haufen zu Problemen führte, wurde so dermaßen eines Besseren belehrt, dass eine Ohrfeige kaum hätte glänzender sitzen können. Und was war ich dankbar für diesen Haufen. Genauso sehr war Verlass auf die Kinder des All-Einen, auch wenn die Umgangsweise mit diesen etwas behutsamer vonstatten gehen musste. Ich glaubte für mich aber, meinen Weg dahingehend gefunden zu haben.

Die Disziplinlosigkeit und die entsprechenden Aufrührer konnte man getrost in den eigenen Reihen suchen. Wenn ich bedachte, welche Gründe dafür vorlagen, wusste ich nicht einmal mehr, ob ich lachen oder weinen sollte. Ganz groß war wohl das Thema Neid auf erworbenen Respekt und die Tatsache, dass es den Stand eines anderen festigte, den eigenen aber offenbar gefühlt schmälerte. Nun ja, bei so manchem war das nicht mal mehr nur gefühlt so. Es gab ja dann auch noch die, die alles dafür taten, dass das Lager regelrecht im Inneren bebte, stellenweise Risse bekam, teilweise sogar zerrüttete, und sich dabei in derartiger Selbstprofilierung ergingen, dass die wahrgenommene Lächerlichkeit des ganzen Theaters mit wehenden Fahnen durch die Reihen schoss.

Keine Glanzleistung jemandem Verrat sowie mangelnde Hilfestellung vorzuwerfen, der auf beiden Seiten – sowohl bei den eigenen, als auch beim Feind – als fähig und alles andere als verräterisch angesehen wurde. Ins Bodenlose sinkt ein solcher Vorwurf dann ab, wenn derjenige selbst vorab laut rumposaunt das Lager zu verlassen und heimzukehren, alle im Stich zu lassen. Da macht eine Rückkehr es nicht besser – vor allem nicht in der Art und Weise. Zunächst einmal wurde sich damit befasst aufzuhetzen und aufzuwiegeln, dann einzureiten und dort mit selbigem fortzufahren, dass ich mich tatsächlich in Grund und Boden schämte. Nicht etwa, weil die üble Nachrede der Wahrheit entsprach, sondern weil hierbei ausgerechnet ein sogenannter Waffenbruder der Rädelsführer war. Der gesamte Auftritt war schlicht und ergreifend bodenlos peinlich. Und noch schlimmer wurde das Ganze dadurch, dass er selbst unfähig war es zu erkennen – ebenso wenig wie seine zwei stänkernden Kumpane. Amüsant daran war allerdings die stete Frage, wer Riald war, wenn ich berichten musste, wer daran beteiligt war. Armes kleines unbekanntes Licht, dass sich gleich mit solch schimmligen Glanz besudelte. Nichts geleistet, aber große Klappe. Er konnte die Situation nicht einmal beurteilen, was dem ganzen noch ein zartes Sahnekrönchen aufsetzte.

Ich wusste wirklich nicht mehr wohin mit mir und diesem ungemeinen Gefühl des Fremdschämens, als ausgerechnet ein Pirat und ein Rabe nach den ersten gemachten Schritten durch den Magister dazu beitrugen zu deeskalieren. Während er und seine zwei vernunftlosen Früchtchen tobten, hatte ich mich schon eine ganze Weile lang dazu entschlossen zu schweigen und den Sturm vorüberziehen zu lassen. Dass hier eine Klärung möglich war, hielt ich für nicht gegeben. Nicht, weil ich es nicht wollte – es lag keineswegs an mir. Also zog ich es vor mir zum Donner des Tages tatsächlich einen Rum zu gönnen und zuzuhören. Ich überließ das Reden getrost anderen, lehnte mich zurück, tat nur zwischendurch mal meine Bereitschaft die Hand zu reichen kund, wenn die Anschuldigungen zurückgezogen würden. Natürlich wurden sie das nicht. Vielmehr quatschten sie den anderen Kerl wohl einfach schwindelig bis zur Unlust und Müdigkeit hin, dass er irgendwann die Hand hinhielt. Ich ergriff sie, einfach nur um der Ruhe Willen. Das beisammensitzen beim Feuer folgte nicht mehr. Da war es dann mit meinem guten Willen letztlich auch vorbei. Vier Stunden nichts als Theater, die Letharen gegangen, weil auch in ihre Richtung einiges nicht so verlief, wie es sein sollte – und da half auch keine Diskussion am Folgetag drüber oder Schönfärberei, denn ich hatte den Tonfall gehört und mitbekommen, was er ausgelöst hatte.

Das Ärgerlichste am Ganzen aber war, dass dank dieser unbedachten kindischen Aktion meinen Ruf schädigen zu wollen auf eine so lächerliche Art und Weise, ich einigen einen Gefallen schuldete, die sonst niemals einen erhalten hätten.

Mochte der Alka entschieden haben, mochte der Ahad es anders sehen – für mich war dieser Mann nichts weiter als – wie soll ich sagen – das, was Hochgeboren über ihn herunterleierte. Bitter mit dem Feind einer Meinung zu sein. Als meinen Waffenbruder sah ich ihn nicht mehr an, und das was er getan hatte, würde ich auch nicht vergessen, geschweige denn vergeben. Unter Waffenbrüdern sollte und durfte es so nicht ausufern.

Um mal mein Päckchen zu tragen – ja ich hatte ihm nach den ganzen Anschuldigungen am Nachmittag in meiner Wut und letztlich auch dank meiner blanken Nerven durch die ganzen Reibereien in den vorangegangenen Tagen an den Kopf geworfen, dass er es verdient hatte, auf die Fresse zu bekommen. Wortwörtlich so und nicht anders. Und ja, ich stand noch immer dahinter. Meine Gedanken, die ich nicht aussprach, gingen da sogar noch einige Schritte weiter. Dass der Heiler das auf sich münzte, war bedauerlich aber auch kleingeistig.

Der und der zweite Schreihals wurden vom Ahad offen aus dem Lager verwiesen. Ein fehlender Heiler würde sicher schmerzen, ein fehlendes Milchgesicht ohne Hirn und Nutzen aber sicher nicht. Tja, da würde wem die Freude am Krieg wohl damit vergehen.

Zwei Leute verloren, fast sogar die Kinder des All-Einen, wäre der Lethyr nicht gewesen – und alles ging auf eine Kappe.

Ich wollte mir in den eigenen Arsch beißen nicht besonnener gewesen zu sein. Immerhin wusste ich sehr wohl, dass ich es sein konnte, wenn ich musste. Und hier hätte ich mehr als nur gemusst. Darüber hinaus wusste ich ohnehin, wie leicht gerade wir aneinander gerieten. Ansichten und Meinungen drifteten einfach zu sehr auseinander. Genauso sicher war ich mir, dass es mit den Gesprächen am gestrigen Tag nicht erledigt sein würde. Ich wartete einfach auf die nächste Situation, in der er es erneut versuchte – und ich war überzeugt, sie würde kommen.
Genauso wartete ich auf das Nachspiel, denn der Ahad war ansonsten zwar ein Gemütsmensch – ohne Zweifel – aber aktuell nicht mehr wirklich genießbar. Und bei allem was ich zu hören bekam, war da jemand, auf den er setzte, keine große Hilfe dabei gewesen ihn zu unterstützen, sondern mit unbedachten Äußerungen sehr schnell bei der Hand gewesen.

Neider. Viele Neider. Ich fragte mich wirklich, ob sie überhaupt ahnten, worauf sie da ihren Neid richteten. Auf die ganze Verantwortung, die auf einem lastete? Ich nahm an, sie sahen nur die Anerkennung, die kleinen wortreichen Geplänkel und Frotzeleien, das jemand anders angenommen wurde von nicht wenigen. Sie sahen aber nicht, was darin für eine Arbeit steckte, worüber ich mir den Kopf zerbrechen musste, was für Ärger das alles auch mit sich brachte und dass das nicht nur bedeutete, dass alles rosig war. Sie sahen nur das, was sie zum eigenen Vorteil gerne hätten – nur, dass ich daraus nicht einmal einen für mich zu ziehen gedachte. Mein Anliegen war es Schwingenstein für uns zu gewinnen.

Alatar, ich bin und war dankbar um meine Stütze auf Erden, die es schaffte, mich auf den Boden der Tatsachen zurückholen, ungeschönt und unverblümt. Ich war ebenso dankbar für meinen Glauben, der – bei aller Predigt um Hass und Zorn – die nötige Ruhe brachte, um diesen in die rechten Bahnen zu lenken, Seinem Ziel zum Zweck.
Zweifelsfrei, ein jeder Mensch neigte dazu Fehler zu machen. Ich hatte mein Päckchen und meinen Fehler an dem Ganzen gefunden, mich damit auseinander gesetzt und war bereit dafür gerade zu stehen. Manche Gedanken gehörten einfach besser nicht ausgesprochen. Nun, aber damit war mir klar woran ich war, und ich konnte damit rechnen, dass Weiteres folgte. Ränkeschmiede gaben keine Ruhe, bis sie ihr Ziel nicht erreicht hatten oder daran verreckten.

Nachdem ich mich damit auch genug mit den unfeinen Dingen des Lagers gewidmet hatte (neben dem üblichen Geruch, Lärm, Zänkeleien, Rangeleien, und so weiter), wandte ich mich den positiveren Dingen zu. Zum Beispiel, mir das höchst perfide Vergnügen zu gönnen, Sticheleien zurückzugeben, wo es doch nun endlich möglich war auch mal auszuteilen, anstatt nur einzustecken. Dazu noch die Tatsache, wie sehr sich der eine Teil drückte sich damit zu beschäftigen, während der andere Teil sich in weibischen Schwärmereien erging – und ich mich fragte, wer hier die Hosen und wer den Federhut samt Rock trug. Sehr erheiternd.

Zudem gab es einfach gewisse Leute im Lager, auf die Verlass war. Das wiederum brachte ein beruhigendes Gefühl mit sich, nebst einer gewissen Zufriedenheit, wenn die Dinge liefen und es vorangehen konnte. Ein Lager war immer schwierig, aber nur so sehr, wie die Leute es letztlich werden ließen. Mit etwas Vernunft und Engagement konnte jeder dazu beitragen es erträglich zu machen. Sowohl die Bäuerin, die das Heu für die Gäule brachte und sie versorgte, oder uns mit essbarem versorgte, oder auch der Hallodri hinten in der letzten Ecke, der zur Erheiterung aller im Suff in die Latrinengrube stapfte, statt daran vorbei, dafür aber trotz dicken Schädel fleißig mit anpackte, wenn es etwas zu schaffen gab.

Trotz der Stänkereien, ich war zufrieden mit den Leuten. Auch mit den durchaus kreativen Köpfen im Lager. Ich hoffte, sie würden diese auch die nächsten Tage unbedingt noch anstrengen.
  • Dumm, dass Trolle sich nicht trollen,
    wenn sie sich mal trollen sollten.
    Fiel‘ es in mein Fachgebiet,
    erfände ich ein Trollizid.
    Unbekannt, Quelle: Internet
Althan Vylen

Beitrag von Althan Vylen »

Vor zwei Tagen hatte er eine Lieferung Verbandsmaterial bei Larena Deares, durch Lotos Deares überbracht, bestellt. Am nächsten Tage rollte ein kleiner Karren mit Verbandsmaterial, Polstern, Watte und Lederstreifen zum Abbinden in das Lager und wurde von ihm in Empfang genommen.

Gemeinsam füllten sie die Vorräte im Heilerzelt auf und gemeinsam brachten sie Larena zurück. Was sich rund herum im Lager sonst ereignete schien an ihm wie Nebelschwaden nur vorbeizuziehen.
Vielleicht sollte er Releana nochmals bitten nachzusehen, ob alles nach den Bedürfnissen der Heiler nun vorhanden war, mal sehen.

Zuviel gesehen, über zu vieles nur den Kopf geschüttelt. Wie sie die Gebote in ihrer eigenen Überheblichkeit und Selbstüberschätzung mit Verachtung straften, doch der Tag würde kommen. Der Tag wo der Alleine über sie befinden würde, so bildete er sich kein Urteil sondern beobachtete und redete. Bei Manchen hatte er das Gefühl es war vergebene Liebesmüh auf einen trockenen Boden eine Saat zum Keimen zu bringen, doch bei Anderen ging sie auf.
War nur einer dabei, der zuhörte... das reichte ihm aus.

Ansonsten verbrachte er seine Zeit damit sein Buch weiter zu schreiben, was recht schleppend voran ging, da ihn manch einer in seiner selbst gewählten Einsamkeit besuchte. Die Unterbrechung war ihm willkommen. So blieb er im Lager, erfüllte den Willen des Ordensältesten anwesend zu sein, es zu schützen und die Anderen zu unterstützen...
Zuletzt geändert von Althan Vylen am Freitag 25. Juli 2014, 09:48, insgesamt 3-mal geändert.
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Jaron Sylva
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Beitrag von Jaron Sylva »

Beitrag siehe [url=http://forum.alathair.de/viewtopic.php?p=541513#541513]hier[/url].
Jaron "Lysander" Sylva, Kapitän der Namenlosen

"Krieg, Handel und Piraterie,/Dreieinig sind sie, nicht zu trennen."
Mephistopheles, Faust II
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Selina Talmar
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Beitrag von Selina Talmar »

Resigniert saß sie im Lager und versuchte mit der freien Hand ihre Sachen zusammen zu packen. Immer wieder versuchte sie den stramm sitzenden Verband zu lockern, der ihr grade jede Bewegungsfreiheit nahm. Doch es half nichts. Zu gründlich war der Verband angelegt worden. Unerbittlich hielt er ihren Arm ruhig. Damit war sie nutzlos geworden im Lager. Sie konnte den Arm nicht bewegen, sicher sie konnte sich mit einer Hand im Sattel halten. Aber was brachet das? Sie konnte sich nicht schützen oder gar verteidigen und wenn sie den Arm nicht ruhig stellte und weiter machte wie bisher, würde die Schulter nie heilen und die wunde unnötig vernarben. Zu lange hatte sie hingenommen, dass die Wunde immer und immer wieder aufging, sobald sie sich bewegte. Schon seit der ersten Schlacht mit den Ketzern, hatte sie sich die wunde am Schulterblatt zugezogen. Ihr Stolz und ihre Sturheit verbot ihr sich zurückzuziehen und die Wunde heilen zu lassen.


Nein sie hatte sie ignoriert. Hatte den Schmerz einfach hingenommen und sich ganz ihrer Aufgabe gewittmet. Doch sobald sie im Lager lag um sich auszuruhen, machten ihr die Schmerzen zu schaffen. Also war sie eigentlich von früh bis spät auf den beinen oder besser im Sattel und behielt die Umgebung im Auge. Ein grauer Schatten auf einem grauen Pferd. Selten nur führte ihr Weg ins Lager um nach dem rechten innerhalb der Garde zu sehen oder für einen kleinen Plausch.


Zusehends machte sich der mangelnde Schlaf bemerkbar. Sie war schlecht gelaunt, hatte Schatten unter den Augen und ihr Körper war ausgezerrt. Doch viel verbarg die Uniform und noch mehr die tief im Gesicht sitzende Gugel.


Doch nun musste sie kapitulieren. Sie war nachts zu vor fast aus dem Satten gerutscht und hatte sich dann ins Lager zurück gezogen. Doch dort wartete nur ärger auf sie. War sie doch nur kurz am Abend vorher in Bajrd gewesen. Naja das kurz hatte sich etwa sgezogen, nachdem sie unerwartet khazkal gegenüberstand. Zusammen mit Asedya hatten sie ihn auf den neuesten stand der Dinge gebracht und waren dann mit ihm zum Lager zurück gekehrt. Danach hatten sie ihm noch die Umgebung gezeigt. Danach kam der Fatale Ritt für sie nach Süden um dort Wache zu halten. Wieder hielt sie sich nur mit einer Hand fest die andere Lag auf ihrer Schulter. Sie war unkonzentriert und ihr treuer Taras spürte es und strauchelte, was sie fast aus dem Sattel geworfen hatte. als sie dann zurück ins Lager kam hagelte es auch noch Vorwürfe wo sie sich denn rumtriebe.


Der Streit zerrte zu sehr an den kaum vorhandenen Kräften, als dass sie auch nur den Anschein von Schlaf bekam. Der nächste Morgen kam unerbittlich und damit auch endgültig das Eingeständnis, sie musste, wenn sie noch irgendeinen nutzen für die Garde haben wollte, die Schulter auskurieren.


So kam es, dass der Arm und die Schulter ruhig gestellt wurden und sie das Versprechen abgab, sich auszukurieren. Und was letzten Endes dazu führte, dass sie ihre Sachen in die Satteltaschen des Mustangs stopfte.
Sie würde nach Rahal zurück kehren und sich dort um liegengebliebenes kümmern. Insgeheim hoffte sie, dass Scarlett den Befehl nicht aussprechen würde, aber sie war sich sicher sie tat es.


[oog nein ich zieh mich nicht aus Unlust zurück. mich zwingt das Rl dazu]
Zuletzt geändert von Selina Talmar am Freitag 25. Juli 2014, 18:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Torjan Eichental
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Beitrag von Torjan Eichental »

Ruhig war es an jenem Abend, sehr ruhig und das Lager kaum besetzt.
So versuchten Torjan und die zwei anderen Mäderln eine Hierarchie auszuarbeiten, für den Ernstfall.

Dann aber kam Hailey, die Torjan immer noch im Sinn hatte, da jedesmal, wenn er sich um das Mäderl kümmern wollte, irgendwas Wichtigeres dazwischen kam.

Jetzt aber, an diesem ruhigen Abend beschloss er, sich ausschließlich Zeit für sie zu nehmen - und schnell stellte er fest, das dies von allerhöchster Notwendigkeit wäre.
Was Hailey ihm stockend und leise berichtete, war, dass die Wunde - ein Pfeileinschuss, wobei sie sich diesen Pfeil selbst herausgerissen hatte - lediglich schnell mit drei Stichen genäht wurde.
Drei Stiche bei einer Pfeilwunde?
Das war ungewöhnlich. Torjan bohrte fragend nach.
"Wer hat das behandelt", wollte der hagere Zausel unbedingt wissen.
Zuerst wollte Hailey nicht so recht heraus mit der Antwort, dann aber verriet sie ihm, nachdem er versprach, nichts darüber zu sagen, dass es Kersti gewesen war.

Torjan fiel es absolut nicht leicht, sich zu entscheiden, wie er das Mäderl behandeln sollte. Einerseits durch die Wunde, in der immer noch ein Fremdkörper steckte - wie er nach und nach genauer feststellte - als auch durch ihren unermüdlichen Einsatz mitzuhelfen die Verletzten zu versorgen, war sie extremst geschwächt.

Zweifellos musste dieser Fremdkörper raus aus ihrem Körper. Er brach die verkrustete Wunde mit seinem Kräutermesserchen auf und versuchte, das kleine Metallstück mit der gerundeten Spitze eines Dietrichs herauszufischen, was ihm zu seiner Erleichterung nach dem ersten Versuch gelang. Schnell kippte er einen Schuss des Thyrenwhiskeys über die Wunde und legte ein geplostertes Pflaster darüber. Mehr wollte er - obwohl er sich bewusst war, dass die Wunde noch nicht ganz sauber war (steckten doch immer noch die drei Nähte Kerstis drinnen und eine üble Krustenbildung) - an diesem Abend nichts weiter tun, um das völlig erschöpfte Mäderl nicht noch weiter zu belasten.

Als Kersti ins Hospiz kam und ihn um Rat ersuchte, war er doch etwas verwundert. Sie zeigte ihm Fisch, bei dem sie sich unsicher war und er konnte ihr definitiv bestätigen, dass dieser mit üblen Substanzen versetzt war. Kersti stieg in seinem Ansehen wieder ein wenig, dass sie dies erkannt hatte, doch ergriff er sogleich die Möglichkeit, ihr zu berichten, was sie bei der Patientin Hailey übersehen hatte.

Kersti schien ehrlich berührt zu sein, über den Fehler, den sie gemacht hatte. Sie entschuldigte sich und zeigte höchstes Bedauern.
Damit hatte Torjan sein Versprechen Hailey gegenüber gebrochen, doch konnte er nicht darüber schweigen, so sich eine gute Gelegenheit ergab - war er doch Mitglied des Königlichen Lehrhospitals zu Lichtenthal und damit verpflichtet, anderen - wer es auch wäre (ob Kind, Greis oder Heiler) - die korrekte Wundbehandlung und anderes zu vermitteln.

Prioritäten, Versprechen und noch weitaus mehr darüber stehende Werte. All das musste er, neben einer sehr schwierigen Operation an diesem Abend bewältigen.

Als er schlussendlich - nach einem kleinen Abstecher ins untere Lager - neben Hailey ins Bett fiel, war er durchaus zufrieden. Ohne Gewissensbisse schlief er ein, zuversichtlich, dass es auch Hailey bald wieder besser gehen würde.
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Torjan Eichental
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Beitrag von Torjan Eichental »

Die Käfer, diese Käfer - die auf irgendeine, ihm unerklärliche Weise in ihr Lager katapultiert wurden - sie gaben ihm Rätsel auf.
Selbstverständlich nahm er Proben, von allem was er fand, was mit jenen in Zusammenhang stand.

Eine Probe einer Giftlache.
Eine weitere der Säure, die der Käfer absonderte.
Dann bekam er noch ein Fläschchen der Rotze in die Hände gedrückt.
Weiters nahm er eine Probe, nachdem er einen Gegengifttrank über eine der Giftpfützen geschüttet hatte, besonders von jenem Teil, der am Rand geronnen war.
Auch eine Phiole Wurfleim wurde dieser Pfütze, die seinen Experimenten zum Opfer fiel, zuteil, worauf sich deren Rand verhärtete.

Zwei weitere Proben sammelte er, die wohl die meisten im Lager als äußerst ungustiös empfanden: etwas von dem Erbrochenen der Helisande sowie von einem Fingerhut, der vom Mageninhalt eines Bürscherls beglückt wurde.

Die meisten im Lager waren mit sich selbst beschäftigt, bemüht, ihre mehr oder weniger aufwallende Übelkeit zu unterdrücken oder auszuleben. Kaum jemand von ihnen bekam mit, dass der so getreue Stallmeister des Klosters in tiefe Bewusstlosigkeit sank und ins Hospital gebracht wurde.
Weder Torjans Gegengift noch Taryas Pulver hatte auch nur irgendwie geholfen, seinen Zustand zu verbessern. Im Gegenteil. Alle ihre Bemühungen, dem gestandenen Stallmeister zu helfen, schlugen ins Leere.

So verbrachte Torjan einen Großteil der Nacht damit, die gesammelten Proben zu untersuchen und kleinste Teile dieser Proben auf ihre Reaktion mit diversen Tränken zu testen.

Eines wusste er jedoch ganz sicher: das bislang übliche Gegengift würde dem armen Stallmeister nicht helfen.
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Helisande von Alsted
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Beitrag von Helisande von Alsted »

Käfer - schon wieder!
Mitten in den hurtigsten Vorbereitungen für eine Offensive krachten Käfer in Lager. Einige überstanden den Aufprall nicht, andere jedoch standen immer und immer wieder auf. Sogar deren verbrannte Überreste versucheten noch den Verteidigern das Leben zur Dämonengrube zu machen.Der Gestank war unerträglich, hinzu kam noch der Schwindel. Die Offizierin biss die Zähne zusammen und versuchte hinter der eiligst hinter der von der Heilerin präparierten Maske halbwegs noch einatmen zu können.

Es war zum Verzweifeln, nur das sie kein Recht und keinen Befehl zum Verzweifeln hatte. Temora sei Dank, es waren die Schamanen der Thyren im Lager und auch Regimentsmagier anwesend. Gemeinsam gelang es jenen die Gefahr zu bannen und den Pestodem den Rahalern zurück zu schicken. Als Antwort erhielt man dann eine Fußnote aus den tiefen des rahalischen Lagers. Die aufbrodelnde Giftwolke verlangte den Wirkern alles ab.

So sehr der Feind auch spottete, sie würde keinen Angriffsbefehl geben. Nicht heute. Zu dünn war die Personaldecke geworden. Wer gerade sich nicht akut auskotzte, der schippte den entstandenen Unrat weg.Sie selbst gehörte zur ersteren Gruppe und fühlte sich so schwach wie ein neugeborenes Lamm im Winter. Doch alle Schwäche hin oder her, sie drückte den Rücken gerade, spülte den Mund aus und sah nach den anderen.

Wenn es vorbei war, war noch genug Zeit um zusammen zubrechen. Nicht jetzt. Nicht heute. Ulfrik hatte sich als Fels in der Brandung erwiesen und seine Einsatztruppe zusammen gestellt. Er würden den Feind mit heruntergelassenen Hosen erwischen, dort treffen wo es zwiebeln würde.
Sie selbst hatte das Einrücken der Bevölkerung in die befestigten Lagen angeordnet. Ihre Hosen waren hochgezogen und mit einem festen Gurt gesichern. Es trafen sogar wieder Verstärkung ein, die mehr als nur dringend benötigt wurde.

Im Krieg gibt es immer Verluste und manchmal nur die Wahl zwischen falsch und falsch. Bald würde sich zeigen, welche Wahl die junge Offizierin getroffen hatte. Die Verbündeten hatten dazu ihre ganz eigenen Meinungen, darauf würde bei Zeiten zu reagieren sein. Zudem galt es noch den Oberst vollständig ins Bild zu setzen und die Unteroffiziere einzuweisen.

Doch nun erstmal diese Nacht überstehen. Das Lager säubern und allen Mut zusprechen. Nur keinen Zweifel aufkommen lassen. Ein Offzier weiß immer, was er tut.
Mehr oder weniger.
Dazen Wolfseiche

Beitrag von Dazen Wolfseiche »

  • Die Verachtung ist der Rückhalt von Emporkömmlingen, Angebern,
    hässlichen Leuten und Dummköpfen, die Maske,
    hinter der sich Bedeutungslosigkeit,
    manchmal Schurkerei verbirgt und die Geist, Urteil und Güte überflüssig macht.
    Alphonse Daudet
Was gab es einen Unterschied zwischen Vorstellungskraft und Realität. Die Schlucht dazwischen könnte kaum weiter und klaffender sein. Insbesondere in solch schwierigen Situationen zeigte sich überdeutlich wer Freund und wer Feind war, wer das eigentliche Ziel im Blick behielt und wer nicht. Es ließ sich nach einiger Zeit nicht mehr von der Hand weisen, wer hinter einem stand und wer nicht, wer sinnvolle Entscheidungen traf, und wer es nicht tat.

Von allem gab es reichlich. Eine Grauzone konnte ich in dem Fall nicht sehen. Nicht, dass ich kein Freund von klaren Strukturen war. Das war ich mehr, als ich zugeben mochte. Diese zerfaserten aber zusehends je weiter der Aufenthalt  vor Schwingenstein anhielt. Die Worte eines Trunkenbolds hatten sich eingebrannt und eine ungesunde Saat hinterlassen, beinhaltete sie doch soviel ungeschönte Wahrheit, dass es nicht möglich war diese zu ignorieren. Ich war mir noch nicht im Klaren darüber, ob ich ihn dafür hasste, oder die Wahrheit selbst. Fakt war, die Nacharbeit nach der Belagerung würde ein schier ekelhaftes Unterfangen werden und einem zweiten Krieg gleichen. Bei allen Versuchen der Kooperation und dem vorangegangenen Nachgeben, gewähren von Zugeständnissen - ich war dazu nicht mehr bereit.
Jemand hatte mal behauptet, ich wäre stur. Bislang hielt ich diese Sturheit allerdings zurück, gab an manchen Stellen viel zu oft nach. Das würde enden.
Zum einen stellte ich fest, dass es nicht möglich war es allen Recht zu machen - diese Feststellung war nicht neu, aber erwachte frisch in ihrem Gewand in all der Zeit hier. Zum anderen hatten einige zu viele Zugeständnisse erhalten und wenn ihnen zuvor die Hand gereicht wurde, versuchten sie sich nun im Vierteilen. Da konnte ich gar nicht mehr vom abgerissenen Arm allein sprechen.

Kein Tag im Lager ohne Streit, Zank und Hader, mittlerweile sogar schon Handgreiflichkeiten. Es war genug. Sie mochten allesamt aus verschiedenen Gruppierungen sein, sie mochten unter sich ihre Hackordnung haben, aber sie hatten sich verdammt nochmal der Heerführung zu unterstellen und Folge zu leisten, anders konnte das kaum funktionieren.
Das Begreifen hatte noch immer nicht bei allen eingesetzt. Das Resultat davon war ein weiterer Rauswurf, und ein Fortgang von noch einem, der mir zwar gehörig auf den Sack ging, weil ihm jede Umgangsform fehlte, aber bislang nur mittelmäßig Ärger verursacht hatte.

Über all dem Ärger, Zwist und Ränkeschmieden vergaß ich ein Stück weit mich ums Wesentliche zu kümmern - wie es den eigenen Leuten ging und auch denen, die unterstützten. Unangenehm erinnert wurde ich daran durch die Lethrusae und ihre Vorwürfe waren kaum von der Hand zu weisen. Zugegeben, sie überraschte mich damit, denn ich hatte von ihr als letztes erwartet, dass sie derartiges treffen konnte, aber das tat es ganz offenkundig.
Und je mehr der Ärger im Lager zunahm, desto ungenießbarer wurde ich selbst - was sich natürlich ebenso auswirkte. Der Geduldsfaden war sehr kurz geworden. Zu kurz für das Unterfangen, und ich ahnte bereits, dass das zu Fehler führen musste. Dankbar darum einen noch etwas kühleren Kopf neben und hinter mir zu wissen, hoffte ich darauf, dass dadurch mögliche Fehler minimiert, wenn nicht gar ausgemerzt, werden konnten.

Ein Tag noch und wir wollten die Entscheidungsschlacht antreten. Länger würde sich das Lager kaum halten können. Die Vorräte waren mittlerweile knapp, die Luft im Lager dick genug, dass man daraus hätte Suppe kochen können. Zöge sich die Belagerung noch länger hin, könnten wir es auf unser Land verlegen und dort unter uns Krieg spielen. Dazu brauchte es aber dann nicht noch den Feind im Osten.

Die einzige Genugtuung, die blieb, war der geglückte Angriff mit den Käfern. Sie litten wohl dort drüben und es blieb zu hoffen, dass es ihnen auch den Schlaf erschwerte, wenn nicht gar raubte. Die Nachbarschaftspflege hatte ich in der Zwischenzeit aufgegeben. Es war zu riskant geworden sich in Geplänkel zu ergehen. Dafür hatte sich die Lage zu sehr zugespitzt.

Natürlich konnte ich den Unmut der eigenen Leute verstehen, dass wir nicht gleich stürmten, aber ich konnte kaum riskieren, dass wir die Seuche ebenfalls davon trugen. Wir konnten froh sein, dass es bei ein wenig Übelkeit und Hustenreiz blieb, als die Schlechtwetterfront auf uns zuhielt und wieder zerstreut wurde durch die Liedwirker.

Da die Nacht davor ein Albtraum des Gestanks war - wieso hatte ich auch nicht daran gedacht, die Viecher solang im Wald zu verscharren oder so - stand ich übernächtigt, mit relativ blanken Nerven und am Rande meiner Kräfte vorne und übte mich darin einige Leute hin und her zu jagen, um mehr zu erfahren und die übrigen solange zurückzuhalten, die Liedwirker anzuweisen in Aktion zu treten und so weiter und so fort.
Ich war dankbar um den verdammten Helm, der zumindest der Gegenseite nicht zeigte, wie es um mich bestellt war. Es hatte schon genügt, dass ich vor dem Angriff gezwungen war stillzusitzen und auszuruhen, während es um mich herum nur so brummte und summte im Lager. Später erhielt ich dann noch einen Grund zu einem gewaltigen Wutausbruch, den Muireall mit mir zusammen vor das Lager zerrte, wo ich mich ordentlich ausließ, wenn auch nur verbal - für eine Prügelei war ich einfach viel zu erschöpft. Letztlich war es damit auch nicht getan, ich stritt mich danach noch direkt weiter, bevor ich irgendwann erschöpft in einen Tiefschlaf fiel, aus dem mich nicht einmal die Musketen und Pistolen des Packs hätten reißen können.

Was wünschte ich mir inständig wenigstens für die letzten Tage Einigkeit und Zusammenhalt. Was wünschte ich mir, dass sie endlich begriffen, dass wir alle ein gemeinsames Ziel hatten und der Zank bis zum Ende der Belagerung warten sollte. Es sprach ja nichts dagegen sich gewisse Dinge zu merken - und ich hatte einige davon mittlerweile beisammen - und sie danach zur Sprache zu bringen, zu klären, oder mit allen Mitteln diesem Mist Einhalt zu gebieten. Aber hier? Jetzt? War das nichts, was dem Ziel förderlich gewesen wäre - und ich hatte das Gefühl, dass uns genau das zum Verhängnis würde und letztlich hauptsächlich mir angehängt würde. Nun… sollten sie kommen. Von mir aus alle.
  • Vor allem vereinigt euch alle!
    Ihr seid verloren, ohne Rückhalt, wenn ihr so gespalten seid.
    Und warum sollt ihr es sein, wo so große gemeinschaftliche Interessen euch einen?
    Sollten wirklich bei so großer Gefahr niedrige Eifersüchteleien und kleinliche Leidenschaften es wagen,
    sich fühlbar zu machen?
    Sind sie es wert, dass man sie um so hohen Preis befriedigt?
    Und sollten eines Tages eure Kinder auf ihre Ketten weisend sagen:
    Das ist die Frucht der Uneinigkeit der Väter?
    Jean-Jacques Rousseau
Gast

Beitrag von Gast »

LIEDGUT FÜR DAS LICHTE HEERLAGER

https://www.youtube.com/watch?v=WFh3yElSAZQ

Der Tod reit´t auf einem aschfahlen Rappen
Er hat eine undurchsichtige Kappen
Wenn Landsknecht´ in das Feld marschieren
Läßt er sein Roß daneben galoppieren
Schwingenstein in Not
In Schwingenstein reitet der Tod

Der Tod reit´t auf einem knöchernen Schimmel
Kreischend ziehen Raben ihre Kreise am Himmel
Wenn Mädchen ihren Reigen schreiten
Will er mit ihnen im Tanze gleiten
Falalala, falalala...

Der Tod kann auch die Trommel rühren
Du kannst den Wirbel im Herzen spüren
Er trommelt lang, er trommelt laut
Er schlägt auf eine Totenhaut
Schwingenstein in Not
In Schwingenstein reitet der Tod

Als er den ersten Wirbel geschlagen
Da hat´s das Blut vom Herzen getragen
Als er den zweiten Wirbel schlug
Den Landsknecht man zu Grabe trug
Schwingenstein in Not
In Schwingenstein reitet der Tod

Der dritte Wirbel ist so lang gegangen
Bis der Rabe dem Landsknecht die Seele hat gefangen
Der dritte Wirbel ist leis und lind
Als wiegt eine Mutter in Schlaf ihr Kind
Falalala, falalala...

Der Tod kann mit Raben und Schimmel reiten
Der Tod kann lächelnd im Tanze schreiten.
Er trommelt laut, er trommelt fein:
Gestorben, gestorben, gestorben muß sein.
Schwingenstein in Not
In Schwingenstein reitet der Tod
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Torjan Eichental
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Registriert: Freitag 28. Dezember 2007, 03:30

Beitrag von Torjan Eichental »

Da er Helisande im Lager nicht mehr wach vorfindet, als er von seinem kleinen Spaziergang ins Lager zurückkehrt, legt er ihr einen Zettel ins Kommandanturzelt.

In außergewöhnlich schöner Schrift steht darauf geschrieben:

Der Kuchen is den Bäckermäderln und -bürscherln gut gelungen. Der Ostbriese hat ihn probiert und war recht begeistert über den Geschmack von dem fluffigen Teig und der Creme.
I bin zuversichtlich, dass wir alle, die wir einladen wollen, mit Kaffee und Kuchen bewirten können.
Der
Trankerl-Torjan
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Hrorin
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Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Hrorin »

Noch in der Nacht zum Mittwoch kehrte der Bote der Zwerge zurück zu seinem Kal Dar und erreichte die Zwerge der Garde in der Knappschaftszeremonie des Laz. Um die Zeremonie nicht zu stören begab Hrorin sich mit dem Boten nach draußen.

"Und? Hast du ein Antwortschreiben? Wie sieht es da aus im Lager?", stellte er den Kurzbart zur Rede.

Jener berichtete ihm es sähe ungut aus mit Platz und Vorberietungen im Lager. Er berichtete von Ungezieferbefall, der den Leuten zu schaffen mache und davon dass der Lichtenthaler Stab derzeit sehr beschäftigt sei.
Schließlich überreichte er das Antwortschreiben, dass er nach langem Warten überreicht bekommen habe. Der Kal Dar versuchte die undeutlichen Linien mit argwöhnischem Blick zu lesen, nickte dem Boten aber schließlich zu. Er hatte seine Arbeit getan.

Hiernach trat Hrorin zu den anderen zurück und legte dem Kal Khazad nach Abschluss der Zeremonie ebenfalls das Schriftstück vor.

Es war schwer lesbar, scheinbar in großer Eile geschrieben, und stark verschmiert - der Verfasser hatte es zu eilig eingewicklet, so dass die Tinte noch nicht trocken war.
Es las wie folgt:

Crimias Segen K gsmeister!

*undeutliches geschnuddel*
keinm Plaß fnr em gnmßs Katpult.
Brmgt nus *schwer verschmiert*
keims *das wort ist besonders verschnuddelt*.


Temora beschüßt!
Kommndoßab des Langers zn Schwmgmstem
Der Kal Khazad und Kal Dar rieten noch eine Weile über den Inhalt, kamen aber schließlich überein, dass es so gewesen sein muss:
Kein Platz für ein großes Katapult. Bringt uns keines.
Temora beschützt!
Dies schien den beiden Recken merkwürdig, aber es war mit dem rechten Siegel versehen und eindeutig vom Stab der Lichtenthaler geschickt. So bereitete man sich nun darauf vor ohne Katapult anzureisen.
Gast

Beitrag von Gast »

« A ma première bataille, un boulet ou les étoiles. »
Napoléon Bonaparte

Obwohl das gewachste Leder aufgrund der schwülen, drückenden Hitze am Körper klebte und gerade an den weicheren Stellen unterhalb des Oberarms und den Achseln rieb und kleinere Scheuerwunden hinterließ, wagte sie heute nicht auch nur daran zu denken, die ungeliebte Rüstung gegen ihre Röcke und Hemden zu tauschen. Grund daran war in der Luft zu finden...
Nein, nicht in dem endlich halbwegs vergangenen Pesthauch der fliegenden Stinkekäfer, sondern in der sich aufbauenden, knisternden Spannung, welche sich schon in den letzten Tagen hier und dort entladen hatte. Sie schlug auf die Gemüter, vermutlich in beiden Lagern und provozierte regelrecht Streit und schlechte Laune. Nicht, dass sie selbst davon verschont geblieben wäre, oh nein!
Doch trotz dem Angeraunze seitens Baros, der seinen dämlichen Kopf aussehen lassen konnte wie ein Stamm und trotz ihrem Wutgezischel gegen Nel, der seine Klappe verdammt weit aufreißen konnte, war sie froh nach und nach näher an das Pack zu wachsen. Oder vielleicht eher gerade deshalb?!

Mit der Freiheit und dem Abstreifen der wortwörtlichen Fesseln, waren die sprichwörtlichen Äquivalente gekommen und jene hatte sie sich schon selbst aufgebunden. Zuerst war da dieser närrische Dialekt, der sie langsam in den Wahnsinn trieb. Seit ihrem verheerenden Besuch in Calanque, als sie diesen zur Tarnung gewählt hatte, lief sie damit herum und in den drei Jahren hatte sie es geschafft ihn so zu perfektionieren, dass er ihr nun längst fast natürlich über die Zunge kam. Dabei hätte selbst jemand, der nicht mit beiden Sprachen aufgewachsen war, nach all der Zeit nicht mehr so trottelig-klischeehaft geklungen. Aber gut, Farce war Farce und zumindest bis sie das Pack besser kannte, wollte sie diese noch aufrecht halten. WENN sie denn die Gelegenheit nach dem zusammenbrauenden Sturm bekommen würde.
Je nachdem wie sich dieser menschlich-emotionale Wolkenbruch entladen würde, wäre sie danach vielleicht schon gar nicht mehr. Kurze Freiheit, Mademoiselle – et trop cher!
Sie schürzte bei dem Gedanken die Lippen und wischte sich eher energisch durch das klebrige Mondgesicht. Wenn schon, zumindest war es ein Ende in Freiheit und das berühmte „Ende mit Schrecken“ statt dem „endlosen Schrecken“, den sie in den letzten Jahren kennengelernt hatte.

Aber noch war es längst nicht an der Zeit derart dunklen Gedanken lange nachzuhängen, denn irgendetwas keimte bezüglich der raubeinigen, brummeligen und derben Gesellen, bei welchen sie sich seit wenigen Tagen so unglaublich gerne aufhielt. Noch konnte man diesen Keim sicherlich nicht Vertrauen nennen, doch war es eine Art vorsichtige Zuwendung. Bartos hatte Recht, hier hatten Jammerduseleien keinen Platz und zart-besaitete Wesen waren hier so fehl am Platz wie ein Goldfisch im Haifischbecken. Der Großteil der Truppe stellte scheinbar das eigene Amüsement über die (Miss-)Geschicke des Nächsten und allgemein galt „wer zuerst zuckt, hat verloren“.
Doch dann wiederum gab es Momente, in denen ein Mistkerl wie Bartos plötzlich für einen der eigenen einstand und selbst ihr, einem fast noch unbekanntem Gesicht, unausgesprochene Wünsche von den Augen abgelesen wurden. Das Pack war keine kuschelige Gruppe freundlicher Gebetsschwestern aber das lag wohl schon im Namen: es war eben ein Pack...

… und lange hatte sie sich nicht mehr so pudelwohl gefühlt!

Der Grund für das tapfere halten der Maskerade, für das Fernbleiben jeglicher (Fahnen-)Fluchtgedanken und die seltsame Ruhe, bar altbekannter Todesängste, lag verborgen in Dimas' „Pffft“, in Jeans Zwinkern, in Yvettes Kuchenduft, in Bartos Ausrastern, in Nels ungesundem Selbstbewusstsein, in Salos dreckigem Lachen, in Jarons Seemannsweisheit, in Sebastianos Flüchen, im dunklen Glitzern Qayas Augen... und in vielen anderen Facetten des Packs, welche sie noch nicht kennengelernt hatte.

Aber solch eine Ruhe währt nicht lange, denn nur die Dummen haben keine Angst vor dem bevorstehenden Ende, wenn die allererste Schlacht möglicherweise vor der Türschwelle steht. Sie gehörte nicht zu jenen ganz närrischen, naiven Wesen und doch genoß sie die kurze, innere Ruhe noch einige Atemzüge. Die Ruhe vor dem Sturm!
Zuletzt geändert von Gast am Mittwoch 30. Juli 2014, 14:58, insgesamt 1-mal geändert.
Dazen Wolfseiche

Beitrag von Dazen Wolfseiche »

  • Es ist schädlich, nur Siege und keine Niederlage zu kennen.
    Aus Japan
Da waren sie gewesen, die Fehler, und ich musste sie mir allein selbst zuschreiben. Ich fühlte mich davon fast noch mehr erschlagen und erdrückt, als von der Erschöpfung und den Wunden, die ich selbst davon getragen hatte. Das Einzige, was blieb, war daraus zu lernen und mit dieser verfluchten Demütigung am Ende zu leben. Ich war mir nicht sicher, ob sie ahnten, wie gerne ich einigen von ihnen das Banner quer in die Fresse geschlagen hätte. Und da ich in dem Moment nichts annähernd Höfliches zu sagen gehabt hätte, hielt ich einfach die Klappe. Das was sonst herausgerutscht wäre, hätte garantiert einen weiteren Kampf heraufbeschworen, den wir uns nicht mehr leisten konnten. Zu viele verletzt, das Lager halb abgebrannt. Ich selbst konnte den linken Arm kaum bewegen, hatte mir ebenso eine Verletzung am Unterschenkel zugezogen.

Im Nachhinein betrachtet gab es einige Feinde, die ich respektieren konnte. Eichengrund hatte genug Eier bewiesen, Senheit mehr als selbst für einen Kerl gesund war, die kleine Akoluthin, die Thyren, einer der Elfen, der Freiherr...
Ich vergaß  sicher schon jetzt welche - vermutlich dank der Schläge auf den Helm, die nicht zu gewesen verachten waren. Mir brummte noch immer der Schädel davon und derzeit kämpfte ich darüber hinaus dank Blutverlust und besagter Schläge gelegentlich mit Schwindel, Übelkeit und gelinder Schwärze, die sich vor meine Augen schob.
Natürlich gab es auch einige dort, die weder Manieren noch Respekt hatten - aber das vermutlich vor niemandem, außer sich selbst. Zwei Ritter, der kleine Acalon, den ich getrost mit wem aus unserem Lager zusammenpacken würde - ich glaubte, sie würden sich prächtig in ihrer beschränkten Weltsicht verstehen - und noch zwei drei andere. Die Kaluren fielen ganz nach hinten in der Begutachtung. Das einzige, was sie konnten, war sicherlich kämpfen, aber ansonsten wirkten sie wie zu kurz geratene Witzfiguren, mit denen sich allenfalls andere dieser Art gerne befassten. Solang sie ihren Mund hielten, konnte man sie ertragen, aber kaum wurde der aufgetan… der beste Beweis, dass zu viel Alkohol eindeutig verblödete.

Auch hatte ich den Eindruck selbigen Respekt von einigen der Feinde zurück zu erhalten. Was mich daran dauerte, war allenfalls die Tatsache, dass ich diesen eher vom Feind erhielt, als von den eigenen Leuten. Es wirkte beim „Freund" darüber hinaus durchaus auch so, als ob es einerlei war, was der einzelne leistete. Gewisse Personen waren nur auf den Respekt aus, den sie für sich einforderten, ihn gleichwertig zurück zu geben lag ihnen nicht. Fast schon hatte ich den gehässigen Gedanken dahinter, dass sie einfach nicht fähig waren anzuerkennen, was anderen zugesprochen wurde oder gar zustand.

Nun, das Unternehmen war gescheitert. Nicht zuletzt wegen Uneinigkeit im Lager und auch in der Führung, unnötigen Streitereien, teilweise auf Grund mangelhaftem Informationsfluss, dadurch falsch getätigter Befehle, Unklarheiten in der Hierarchie, und so weiter und so fort. Die Liste war relativ lang und musste ganz sicher nochmal aufgearbeitet werden.
Dennoch, es lag ein kleiner Teilsieg in der Niederlage. Der Feind wusste nun, dass wir zumindest einmal in der Lage waren ihm die Tage ungemäß lang und schwer werden zu lassen. Frisch hatten wir alle nicht mehr ausgesehen - weder sie noch wir. Die Käfer waren eine perfekte Wahl gewesen. Gerade im Nachhinein betrachtet, jetzt, wo ich Zeit fand wirklich darüber nachzudenken. Nach ihrer Plage in der Hauptstadt musste ihnen gerade diese Waffe zugesetzt haben.
Und so begann ich schon jetzt wieder damit neue Pläne zu entwickeln für den nächsten Versuch, oder auch für die Verteidigung - denn ich war mir irgendwie sicher, der Gegenschlag würde kommen, früher oder später.

Zwischendurch verlor ich gelegentlich den Faden, war es vor Schmerz oder aber auch dank anderer Erinnerungen, die hochspülten, so sehr ich es auch zu verdrängen versuchte. Ich fragte mich, ob Joshua sich um das gekümmert hatte, was er versprochen hatte. Vielleicht sollte ich ihm in den nächsten Tagen einen Brief zukommen lassen und ihn einladen, um mehr zu erfahren. Ich hatte noch Abschied zu nehmen und ich wollte es so tun, wie sie es verdiente. Der Nachruf würde ein Anschiss sein. In dem Schmerz, den der Verlust mit sich brachte, brandete Zorn auf. Zorn über ihre Nachlässigkeit mit sich selbst, über ihren erneuten Egoismus sich derart zu verlieren ohne Rücksicht auf die, die sie zurückließ. Der einzige Trost daran war - sie würde es nicht wieder tun. Was sie zu Lebzeiten nicht gelernt hatte, ließ sie auch bei ihrem Ende nicht missen. Diese Frau war einfach unfassbar. Und einmal mehr stellte ich fest, der Zorn überwog und schwemmte den Schmerz fort. Im Stillen versprach ich sowohl ihr als auch mir, diesen zu bewahren und sinnvoll zu nutzen.

Und schon kehrten die Gedanken zur Analyse der Belagerung zurück, zu dem Moment, in dem der Feind vorm halb verbrannten Lager stand und die Standarte überbrachte. Was für sie eine Bekundung des Respekts sein sollte - und ich war sogar überzeugt, es war so gemeint - war für mich die größte Demütigung gewesen. Und ich schwor mir, das nicht zu vergessen. Ich wollte und würde mich dafür revanchieren - auf die eine oder andere Art.
  • Die schlimmste Demütigung ist für einen anderen nur ein unterhaltsamer Augenblick.
    Unbekannt
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Hrorin
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Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Hrorin »

Es war ein Sieg gewesen am Ende, aber ein bitterer Sieg.
Die Koalition des Lichts hatte einen kühnen Plan ersonnen um die Unholde Alatars zu flankieren und anschließend zu überrennen, allerdings hatte er einen Fehler gehabt, dieser Plan:
Das Kloster blieb relativ schutzlos.

Nach der Stampede durch das rahalische Feldlager machte dann auch das Wort die Runde:
Letharen waren in das heilige Kloster, das Cirmias der Bergvater selbst erbaut haben sollte, eingedrungen und waren daran den heiligen Ort der Kaluren zu schänden.

Alle eilten zurück und hielten die bange Hoffnung, die kalurischen und menschlichen Wachen im Kloster mögen lange genug die finsteren Kreaturen von ihren Verbrechen abhalten.

Doch vergebens. Als die Streiter des Lichts die Letharen zur Strecke brachten und die letzten von ihnen im Lager Schwingenstein fällten, da waren schon viele der Diener des Klosters durch ihre unheiligen Klingen niedergestreckt und geschunden.

Verärgert über diese aus Hrorins Sicht unnötigen Opfer, schritt der Kal Dar wütend stapfend schnurstraks bis in die hinteren Abteile des Klosters, dort wo auch die Zwergenwache Megine Getwergelyn stationiert war, und ließ sich Bericht erstatten.

Wie sollte er das der Priesterschaft nur erklären, dass sie im Schutz des kalurischen Klosters (denn ja, die Priester der Kaluren nutzten dieses heilige Kloster der lichten Völker ja ebenso für die Priesterschaft) so versagt hatten?
Hrorin nahm es als bitteres, persönliches Versagen im Schutz dieser heiligen Stätte der Kaluren und Lichtenthaler und schwor bittere Rache am Volk der Letharen. Nie wieder würde er dergleichen zulassen.

Mrâ, es war ein Sieg, aber ein bitterer Sieg, der mit dem Leben vieler unschuldiger Opfer erkauft worden war. Und so konnte sich die rechte Freude in Hrorins Herz nicht ausbreiten über diesen gewonnenen und dennoch verlorenen Tag.
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