- In einer Schlacht zahlt immer der Gewinner den Preis.
Napoleon I. Bonarparte
Ich saß auf der Bank vor dem Gemeinschaftshaus der Prätorianer unter dem Apfelbaum und genoss die einzelnen Sonnenstrahlen, die es durch das dichte Blätterdach des Baums schafften. Der letzte Tag, die Ruhe vor dem Sturm, den wir entfesseln würden. Tatsächlich versuchte ich die Ruhe in mich aufzunehmen. So ganz wollte es mir nicht gelingen. Je weiter der Tag voranschritt, umso nervöser wurde ich. Es war das gleiche Gefühl, wie im Krieg gegen die Menekaner. Wie lange war das nun her? Ein Jahr? Zwei? Gefühlt sicher noch länger, als es tatsächlich der Fall war.
Es war eine Art euphorischer und drängender Aufregung, der man nur zu gewillt war nachzugeben. Übermäßiger Tatendrang, der Hummeln im Hintern verursachte. Begleitet von der Frage, ob wirklich alles bedacht wurde, oder ob nicht doch irgendwelche Kleinigkeiten oder gar Großartigkeiten vergessen worden waren.
Bestimmt zum neunten oder zehnten Mal ging ich die Pläne im Kopf durch, dann und wann zog ich die Karte vor und sah auf die Markierungen darauf. Ich holte den zweiten Plan dazu, der weitere Markierungen an anderen Stellen auswies, Vorbereitungen zur Sicherung des geplanten Lagers. Es würden noch zwei Gespräche folgen am Abend. Was diese brachten, blieb abzuwarten. An anderer Stelle würde noch jemand ein weiteres Gespräch führen. Ich glaubte nicht, dass dies von Erfolg gekrönt sein würde, hielt es sogar für zu riskant, aber die Zustimmung war von anderer Seite dafür bereits erteilt.
Der Risiken bewusst, saß ich da und überdachte ein weiteres Mal alles, dann hielt es mich nicht mehr auf der Bank. Ich musste mich bewegen, irgendetwas tun bis zum Abend. Es war alles gepackt, soweit vorbereitet, also fiel diese Beschäftigung schon mal weg. Auch die Rüstung, die Waffen, alles war soweit vorbereitet, gepflegt und bereitgestellt. Also beschloss ich die Pferde zu bewegen. Zwei würde ich dem Stallburschen zur Pflege da lassen, mit der Bitte diese bereit zu halten, falls sie benötigt wurden. Zwei nahm ich mit, damit eines ausruhen konnte, wenn es zu sehr beansprucht worden war.
Eine gute Stunde später befand ich mich umgeben von Wald, auf dem Rücken einer entspannten Plötze sitzend, die sich gemächlich ihren eigenen Weg suchte. Fand die Stute ebenere Gebiete trieb ich sie etwas mehr an, auf ganz freien Flächen ließ ich die Zügel schießen. Irgendwann erreichte ich die letzte bewaldete Fläche vor Schwingenstein und sah zu dem Dorf hinüber. Natürlich übertrug sich meine Aufregung auf das Pferd, als diese wieder hochschoss, wie ein Korken aus der überschäumenden Flasche Bier. Plötze begann zu tänzeln und leise zu schnauben. Bevor sie durch ein Wiehern alle Aufmerksamkeit auf uns zog, lenkte ich ein und trieb sie auf den ausgetretenen Pfaden in Richtung Grenzwarth voran.
Nach einer guten Weile erst kehrte ich in Rahal ein und brachte das schwitzende Tier in den Stall, um es zu versorgen. Tatsächlich kümmerte ich mich selber darum und vertrieb den Stallburschen, als dieser sich erbot es zu übernehmen, indem ich ihm einige Münzen in die Hand drückte mit dem Auftrag einige Karotten und Hafer zu besorgen.
Ungelegen kam mir indes etwas anderes, von dem ich vor zwei Tagen erfahren hatte. Nicht zum ersten Mal bewies mir jemand, wie kurzsichtig dieser war. Wie eng der eigene Tellerrand gezogen wurde und die Unfähigkeit darüber hinaus zu schauen zum wiederholten Male fehlte. Wäre es nicht etwas, was mich sogar direkt betraf – auch wenn dieser Jemand das sicher nicht beabsichtigte, und es nicht besser wusste – ich hätte mich schwer darüber belustigen können. So aber empfand ich es als ärgerliche und äußerst nervige Störung, die zudem zu einer völlig unpassenden Zeit daher kam.
Ich musste hier vor allem darauf vertrauen, dass Dritte den Zeitplan hinauszögerten, was sich somit meiner Kontrolle entzog. Das stank mir fast noch mehr. Von den Kosten wollte ich gar nicht erst reden, aber das war es mir dennoch wert. Nicht nur, dass dieser Jemand für Gesetzesbrüche sorgte, die begangen werden sollten, und nicht mal unerhebliche, ich kam auch nicht hinter den Grund dafür. Nun ja, wenn man sich des vierten Leitsatzes bediente, war das sicherlich noch kein Verbrechen. Alles Weitere musste ohnehin warten, bis die kommenden Wochen ein hoffentlich positives Ergebnis erbrachten. Aber eines ließ sich in der Zwischenzeit nicht vermeiden: Es war unabdingbar ein Auge auf jemanden zu behalten. Wie ich das anstellen sollte, wusste ich noch gar nicht recht, aber darum konnte ich mir erst vor Ort einen Kopf machen.
- Böser Nachbar – Ewiger Krieg.
Deutsches Sprichwort