von
Ganz sanft berührten seine Finger das Pergament seines in Balronleder gebundenes und reich mit Gold verzierten Buches in das er fortan all seine Erfahrungen Träume und Wünsche hineinschreiben wollte. Die Kerzen die er aufgestellt hatte, um sich ein wenig Licht zu spenden in der drückenden Dunkelheit der Grabkammer formten groteske Schattenfiguren die ihn zu verschlingen versuchten. Doch er ließ sich nicht verschlingen, diesmal nicht. Schon oft hatte er den Entschulss gefasst sein Leben in Schriftform zu verfassen, doch oft war es schon gescheitert, doch diesmal hatte er den Willen alles Erlebte fest zu halten.
Lange überlegte er und betrachtete die ersten geschriebenen Lettern die er bisher zu Papier gebracht hatte. Eine Überschrift: "Was es heißt zu dienen" viel war es nicht, doch würde noch viel folgen, denn so einiges hatte der Mann mittleren Alters schon in seinem Leben mitgemacht. So viel Tod, so viel Blut und Leid hatte er gesehen, doch es brach seinen Geist nicht entzwei. Im Gegenteil es hatte ihn im Glauben an den einzig wahren Herren Kra'thor gestärkt und seine Hingabe zu ihm wurde mit jeder Seele die er ihm opferte Stärker und Stärker.
Das Buch hatte ihn ein Vermögen gekostet, extra nur für seine Lebensgeschichte war es gefertigt worden, doch irgendwie schien es ihm noch fremd zu sein und die richtigen Worte hatte er auch noch nicht gefunden. Sie mussten besonders sein, so wie es die Verzierung und der Einband des Buches waren. Er griff zur an der Kerze vorbei und umschloss mit seinen langen Fingern einen Holzbecher, aus dem edelsten Holz was man in ganz Alathair bekam. Darin befand sich einw underbarer tropfen aus seiner alten Heimat. Der Wein roch herrlich und man wollte ihn sofort mit einem Schluck trinken und seinen edlen Geschmack ins ich auffangen um ihn niemals zu vergessen. Kelzon nippte nur kurz daran, irgendwie schmeckte er ihm nicht sonderlich gut, jedenfalls heute nicht. Eing uter Wein kann nur gut sein wenn sein Genießer auch mit sich im reinen ist und das war er dieser Tage ganz und gar nicht. Eine neue Dienerin war in ihre Reihen gestoßen. Würdig ja, aber so undurchsichtig. Kelzon dachte immer er habe eine gute Kenntnis von Menschen und durchschaue sie schon bei ihrem ersten Wortwechsel, aber dieses Färulein war anders. Sie schien gleichzeitig anziehend und abstoßend zu wirken. Ihre manchmal unbeholfene blinde Art machte ihn wütend, aber weckte auch Mitleid in ihm. Kelzon schüttelte den Kopf als ihm das Wort Mitleid im Geiste umherschwirrte. "Mitleid, was für eine Bedeutung sollte dies für einen Diener schon haben?" flüsterte er zu sich selbst und begann abermals die Feder in die Tinte zu tunken und setzte an.
Doch er schrieb nicht, sein Kopf war leer, voller Dunkelheit und Finsterniss umgab seinen Geist. Dann plötzlichv iel ihm ein, was wenn dieses Buch an einen Ungläubigen gelangte. Es würde die ganze Gemeinschaft der Diener in Gefahr bringen. Nervös sah er sich im Raum um. Ich muss es verstecken und für jeden unerreichbar machen, zu gefährlich waren solche Schriften. "Nein heute noch nicht, ein andermal befreie ich meinen Geist von all den Ereignissen die ich erlebte" murmelte er und legte die Feder beiseite. Kelzon versprach sich erst ein stabile kleine abschließbare Truhe zu besorgen und ein geeignetes Versteck zu finden, um sein Werk vor neugierigen Augen zu schützen. Mit einem Zug leerte er den Wein und schloss dass Buch ruckartig, was die Kerzen zum Flackern brachte. Lange saß er noch an seinem Tisch und sah den Kerzen zu wie sie herunter brannten. Als das Wachs drohte auf den Tisch zu tropfen holte er tief Luft und machte dem Dasein der Kerze ein Ende. Unter stöhnen und ächzen erhob Kelzon sich, er fühlte sich so matt und ausgelaugt an, wie schon lange nicht mehr. Schlaf, ja schlaf war es was er jetzt brauchte und morgen wollte er sich auf die Suche nach einem geeigneten Gefäß und Versteck für seine Lebensgeschichte machen. Schnell schlief er ein, als er sich ausgezogen hatte, doch seins Schlaf war mehr als unruhig und wiedereinmal würde er am Morgen ausgelaugter aufwachen als am Tage zuvor. Lange würde sein Wirt, sein Körper das nicht mehr billigen, er musste seinen Kopf befreien und seine Erlebnisse niederschreiben um sie zu verarbeiten. Der nächste Tag sollte endlich Erlösung bringen und Ordnung in das Chaos seines Geistes schaffen.