Quadrat im Kreis ...

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Aviva Sol

Quadrat im Kreis ...

Beitrag von Aviva Sol »

Sie versuchte schon seit Stunden ihre Gefühle wieder in den Griff zu bekommen. Doch jedes Mal, wenn sie meinte, dass sie die Kontrolle wieder hatte, hatte sie das Gefühl als würde ihr jemand den Brustkorb zu schnüren. Ihr erster Gang hatte sie nach Lameriast gezogen. Ihr war danach sich zu dem Ort zurück zu ziehen, der ihrer Meinung nach am wenigsten mit Bravan zu tun hatte, und doch Teil ihres Lebens war. Sie suchte vertrautes aber nichts was sie direkt daran erinnerte, was seit dem Abend der Vergangenheit angehörte. Doch sie stand nur vor einem leeren Platz. Der Ort an dem Tharek und sie vor Ewigkeiten mal die kleine Hütte errichteten war leer und durch den frisch gefallenen Schnee konnte man auch nicht erahnen, dass hier jemals ein Gebäude stand. So war auch dieses Element ihrer Vergangenheit weg. Wieder aufs Neue rannen ihr die Tränen die Wange hinunter. Sie war hier alleine, und sah keinen Grund sich in irgendeiner Form zu beherrschen. Wo sollte sie nun hin? Was sollte sie machen? Sollte sie jemanden aufsuchen und ihr Leid teilen? Sie fand keine Antwort. Stumm vor sich hin weinend stand sie im Schnee von Lameriast. Der neu gefallene Schnee legte sich auf ihre Schultern und Haar und nach einiger Zeit schmolz er auch nicht mehr, sondern bildete beinahe einen dünnen frostigen Panzer…

  • […]
    Hin und wieder stell' ich fest,
    daß ich nicht mehr lachen kann
    Über Sachen die ich früher lustig fand

    Hin und wieder merk' ich auch,
    daß ich keine Menschen brauch'
    und lieber ganz alleine bin
    […]


Wie in Trance setzte sie ihren Weg fort, erst mal zurück Richtung Bajard. Zwar wusste sie nicht, was sie dort sollte, doch ihre Füße schienen das dringende Bedürfnis zu haben sich zu bewegen. In Bajard war es so ruhig wie zuvor auch. Nur Xaleander und ein anderer Mann kreuzten ihren Weg. Sie wand das Gesicht zur entgegen liegenden Seite. Es sollte niemand sehen wie verheult sie war. Doch ließ es sich nicht vermeiden, dass alles andere an ihr wohl befremdlich wirken würde. Ihr Gang war schlurfend – sie schaffte es kaum die Füße vom Boden abzuheben. Warum auch? Der Form halber erwiderte sie den Gruß, jedoch ohne ihren eh schon langsamen Gang zu unterbrechen.

  • […]
    Doch der Schmerz ist zuckersüß
    und irgendwie auch so vertraut
    ich hab' mich dran gewöhnt
    So fehlt zur letzten Konsequenz
    einmal mehr das bißchen Mut
    und die paradoxe Wut darüber
    wird im Traum ertränkt
    von der beschissenen Leichtigkeit des Scheins
    […]


Altbekannte Gefühle von Trauer und Verlust keimten in ihr auf. Auch wenn sie es besser wusste, und eigentlich gerade dazu keinen Grund hatte, fühlte sie sich in dem Moment so schrecklich verraten. Alles was sie investiert hatte, schien ihr in diesem Moment verloren zu sein. Sie machte sich keine Gedanken um das Gold und die Mühen die im Haus steckten. Aber all das investierte Vertrauen und Nähe rächten sich nun bitter. Sie kannte diesen Schmerz zu gut. Hatte sie doch gehofft nie wieder so etwas durch zu machen. Es machte sie sogar wütend. Jedoch richtete sich ihre Wut nicht gegen Bravan, sondern nur gegen sie selbst, dass sie so ein Trottel war, mehr zu erwarten als sie eigentlich sicher hatte. Hätte sie doch nur ihre Gefühle aus dem Spiel gelassen, den Moment genossen und dann einfach damit abgeschlossen. Doch es war ihr nicht gelungen – sie wollte immer mehr dieser schönen Momente und vertraute auch darauf diese in Zukunft zu haben. Und nun? Nun musste sie es irgendwie schaffen, die Erinnerungen daran zu verdrängen – damit der Schmerz nachlassen würde.

  • […]
    Hin und wieder wird mir klar,
    daß alles anders geworden ist,
    als es scheint, daß es früher einmal war

    Hin und wieder spüre ich,
    daß ich die Sonne nicht mehr mag,
    weil ich das helle Licht nicht mehr ertrag'
    […]


Die ganze Nacht über zog sie ziellos durch die Gegend – die Wege von Gerimor entlang. Sie getraute sich nicht stehen zu bleiben oder zurück zu blicken. Es war beinahe unerträglich ironisch als sich die Sonne am Horizont langsam ihren Weg bahnte und alles für kurze Zeit in ein rot-goldenes Licht tauchte. Das Licht brannte unangenehm in den gereizten und aufgequollenen Augen, so dass sie vom Weg abbog und den Schutz des dichten Waldes suchte.

  • […]
    Doch der Schmerz ist zuckersüß
    und irgendwie auch so vertraut
    ich hab' mich dran gewöhnt
    So fehlt zur letzten Konsequenz
    einmal mehr das bißchen Mut
    und die paradoxe Wut darüber
    wird im Traum ertränkt
    von der beschissenen Leichtigkeit des Scheins
    […]


Ohne dass sie es bemerkte hatte ihre Schritte sie wieder zurück nach Bajard geführt. Noch war es äußerst ruhig in dem Fischerdorf. Was ihr nur recht war, sie wollte niemanden begegnen. Ihr Weg führte sie ins Wehrgebäude. Wie auch immer es nun weiter gehen würde, sie brauchte Abstand von all dem hier. In der Wehr war sie von ihm umgeben, in das gemeinsame Haus wollte sie auch nicht zurück. Hatte sie doch für ihn dort ihre Mühen rein gesteckt in ihrem naiven Glauben dass man sich noch lange Zeit nahe sein würde. Sie hätte damit leben können, ihn nie als festen Partner zu haben. Es hätte vielleicht noch etwas gedauert, bis sie all ihre Gefühle ins richtige Maß gezügelt hätte. Doch in der Gewissheit diese Nähe nun verloren zu haben, wollte sie das Haus fürs erste nicht mehr aufsuchen. Auch die Wehr musste sich mit ihrer Abwesenheit abfinden. So verfasste sie mit unsicherer Hand das Schreiben, während noch einige Tränen auf das Papier fielen. Das schreiben hinterlegte sie noch, ehe sie dann das Wehrgebäude und Bajard in Richtung Norden verließ.

  • […]
    Wie ein Quadrat in einem Kreis,
    eck' ich immer wieder an
    obwohl ich doch schon lange weiß,
    daß ich niemals ändern kann
    was sich niemals ändern wird,
    weil das Schlechte immer bleibt
    und doch die Sonne wieder scheint,
    scheißegal was auch passiert

    Immer wieder stell ich fest,
    daß das hin und wieder immer
    öfter ständig ist
    […]


[Liedtext: Wizo: Quadrat im Kreis]
Aviva Sol

Beitrag von Aviva Sol »

Es war ja nicht so, dass sie es nicht versucht hätte. Die Sache mit dem Vergessen und dem Vertrauen. Nur war sie zu oft auf die Nase gefallen. Vor kurzem hatte sie doch erst wieder ihren Dienst aufgenommen, stand Wache und ging Vorbeilaufenden auf den Geist. Das sie kontraproduktiv war, wenn sie die Leute anpöbelte, war ihr schon irgendwo im Geheimen bewusst. Doch ihr Gewissen, das früher doch immer mal wieder an ihre anerzogenen Manieren appellierte, hatte wohl resigniert und ist ausgewandert. Es gab einfachere Arbeit zu verrichten, als diese wandelnde Depression wieder auf die Beine zu stellen. Man könnte versuchen rauszufinden warum um alles in der Welt, alle, die sich für veremeintlich böse halten, in den dunkelsten Klamotten herum laufen oder warum kein Mensch in der Lage ist zu sagen, was er wirklcih will und erwartet. Das wären Erkenntnisse, die der Welt weiterhelfen...

So blieb in Anbetracht auf fehlenden inneren Zuspruch nur zu hoffen, dass kein Schaden angerichtet wird. Und ja, sie hatte es versucht, ihr Leben normal fortzuführen. Doch wollte sie in die angefangene Normalität zurückkehren, machte sie doch wieder einen Bogen darum herum. Dienst wollte sie regelmäßig schieben, um Bajard zu schützen. Irgendwann hatte ihr das Kaff ja mal was bedeutet. So trug sie auch regelkonform ihre Uniform, doch als sie sah, dass das Schild des Wehrgebäudes die Anwesenheit des Hauptmannes bekannt gab, wurde ihr wieder ganz anders im Magen. Und da es nicht gerade zur Etikette eines guten Soldaten gehörte, seinen Mageninhalt dem Hauptmann vor die Füße zu legen, schlug sie einen Bogen und schlich durch Bajard. Patrouille, wenn man es so wollte. Sie war anwesend. Auch wenn sie niemanden hätte angreiffen oder verteidigen können. Dem aufmerksamen Betrachter konnte zwar auffallen, dass sie eine nicht ungefährliche Armbrust mit sich trug, die Bestückung ihres Köchers jedoch Pfeile und keine Bolzen waren. So dass die gefährliche Fernkampfwaffe nur noch für einen gezielten Wurf zu gebrauchen war. In Bajard waren einige Veränderungen aufgetreten, unter anderem fiel ihr das Heilerhaus auf. Hatte Radolf sowas nicht mal als Idee gehabt? Fragen konnte ja nicht schaden. Denn zumindest ihr Bruder gehörte zu den Menschen, die sie hier gerne noch einmal treffen würde. Hätte sie gewusst, wo er zu finden wäre, wär sie schon länger mal bei ihm aufgetaucht.

Nachdem sie anklopfte, und ihr ein unbekannter - und in Hinblick auf den malträtierten Daumen auch nicht gerade geschickter Mann aufmachte, verschwand die kurz aufgekeimte Hoffnung wieder. Fragen konnte jedoch wirklich nicht schaden, was hatte sie zu verlieren? Vielleicht war es möglich, dass ein Unbekannter ihr helfen konnte, wo die Vertrauten um sie herum kein Land sahen.



  • […]
    Hin und wieder stell' ich fest,
    daß ich nicht mehr lachen kann
    Über Sachen die ich früher lustig fand

    Hin und wieder merk' ich auch,
    daß ich keine Menschen brauch'
    und lieber ganz alleine bin
    […]
Aviva Sol

Beitrag von Aviva Sol »

Kratzend fuhr die Feder über das Pergament. Eine Handschrift, bemüht ordentlich und sauber bildete sich auf dem hellen Papier. Im Hintergrund ein Flackern, wie von Feuer. Doch es war wohl gewollt oder gewöhnt, doch der Schreiber lies sich nicht stören. Zeile um Zeile wurden fein säuberlich auf das Pergament geschrieben

  • ... viele Erinnerungen die mich quälen,mich nicht zur Ruhe kommen lassen.
    Oft war es unerträglich, all die Narben der Zeit...
    Es hat sich geprägt in meinem Herzen, meiner Seele.
    Und ich frage mich, welchen Weg ich wohl diesmal wähle.
    Werd ich feige sein und wieder ganz allein...
    oder werd ich stark sein und trotzdem allein?
    Die Narben der Zeit wollen nicht heilen...
    ich habe Angst vor der Zukunft,
    was wird sie wohl bringen?
    Neue Narben?
    Neue Schmerzen und Tränen?
    Vielleicht Glück?
    Oder... ich komme nie mehr zurück...
    Ich habe Angst...
    nicht nur vor der Zukunft,
    nein mehr noch vor der Erinnerung
    die nicht ruhen will und meine Narben,
    die so sehr schmerzen...
    all die Narben der Zeit !
Im Anschluss wurde das Pergament zusammen gerollt und sorgfälltig verstaut. Was wohl der Grund war....?
Aviva Sol

Beitrag von Aviva Sol »

Abgestumpfte Ecken

Die letzten Tage Wochen waren ein belastendes hin und her für sie gewesen. Die Tatsache, dass alle Kisten ihres, jawohl – ihres Hauses an einem Tag leer waren, brachte für sie das Fass zum überlaufen. Das war einfach zu viel gewesen. Ihr war zwar bewusst, dass sie sich die letzten Wochen wie ein gefühlloser Trampel aufgeführt hat, doch das gab niemanden das Recht ungefragt in ihr Haus zu gehen. Auch wenn dieser Niemand einen Schlüssel hatte und ein Teil der Sachen in den Kisten selber mit zusammen getragen hatte. Es war zu viel. Endgültig.
Ihr Weg führte sie auch beinahe direkt zu dem besagten Niemand – nur ein kurzer Abstecher zur Bank hin – dann stand sie ihm gegenüber. Was nun? Sachen ins Gesicht werfen? Durch den Raum feuern? Ihm die Meinung sagen? Jawohl, das war eh schon lange überfällig, dass er mal erfuhr was für ein egoistisches….

„Ich habe mich entschlossen, den Dienst bei der Wehr aufzugeben. Hier sind die Uniform und der Ring. Ich kann dir nicht sagen was mich bewegte, aber ich bin mir sicher wir sehen uns nicht wieder. Leb wohl.“

Hörte sie sich noch sagen, und gleich meldete sich eine kleine spöttische Stimme in ihr drin. „Na dem hast du aber die Meinung gesagt. Gut gebrüllt Löwe!“ Sie kniff kurz die Augen zusammen und schüttelte den Kopf, um das nervige leise Stimmchen los zu werden. Dann glitt ihr Blick wieder zu ihrem Gegenüber. Sie konnte keine Reaktion ablesen. Hatten die Worte ihn getroffen oder waren sie ihm egal? Es war wohl wirklich das Beste, wenn sie das Weite suchte…

Alle warnenden, helfenden Stimmchen wurden ignoriert. Sie hatte wirklich vor alles hinter sich zu lassen. Hatte sie doch eh in den letzten Wochen alles für einen möglichen Neuanfang vorbereitet. Sie wollte nicht zurück sehen. „Du vergisst dein eigenes Versprechen, Mädel. Ist Wortbruch nicht das schlimmste? … Kleine Verräterin?“ Doch wieder einmal ignorierte sie das leise Stimmchen, das wohl ihr Gewissen ist oder der erste Schritt in den Wahnsinn. Warum hat diese vorlaute Stimme auch IMMER recht.

Die darauffolgenden Tage waren schwerer denn je für sie. Ihre groben Worte und großspurigen Kommentare bereute sie bereits, vor allem gegenüber denen die ihr helfen wollten. Sie hatte nicht den Mut für die letzte Konsequenz. Sollte sie wirklich nur leise um Hilfe gerufen haben. Wenn ja, war es reichlich dumm, was sie getan und gesagt hatte. Jedem hatte sie vor den Kopf gestoßen. Insbesondere aber der Person, der sie versprochen hatte dass ihre Freundschaft nicht scheitern solle. Schwer seufzend kam sie mit ihrem Gewissen überein, dass bevor sie entscheiden könne wie und wohin es weiter geht, zumindest einmal Klartext reden sollte. Soviel sollte ihr die einstige Freundschaft noch wert sein, auch wenn es ein schwerer Gang wird.

So kam es, dass sie am nächsten Tage gegen die Holztür pochte und um ein Gespräch bat, dessen Ausgang für sie gänzlich ungewiss war. Zum Ende des Gespräches vernahm sie wieder die leise Stimme: „Gut gebrüllt, Löwe.“ Doch von Spott konnte sie nichts wahr nehmen. Sie sehnte sich gerade nur noch nach einem Bett, sie hatte die starke Vermutung, dass sie diesmal durchschlafen würde. Sie fühlte sich wahrlich besser.
Zuletzt geändert von Aviva Sol am Samstag 28. August 2010, 22:37, insgesamt 1-mal geändert.
Aviva Sol

Beitrag von Aviva Sol »

Der neue Weg, bis zum Schluss


Ruhig blickte sie auf das Hinter ihr zurück liegende. Sie hatte ihre Entscheidung lange überdacht. Sie war ruhig geworden und die Bitterkeit, die sie lange belastet hatte, war verschwunden. Nun, vielleicht nicht ganz verschwunden, aber ihre Sorgen belasteten sie nicht mehr so stark, dass sie dauerhaft bitter und betrübt war. Gewisse Sachen und Erinnerungen machten sie nach wie vor traurig und melancholisch, doch war sie nun _endlich_ bereit einen neuen Weg zu gehen. Und sie wusste auch wohin sie dieser Weg führen würde.

Zurück in ihre Heimat, zurück in ihr Elternhaus. Sie hoffte, dass sie ihr ihren damaligen Fehltritt verziehen und sie sie wieder als Tochter in ihrem Haus aufnahmen. Der Weg war weit und sie wusste, er würde beschwerlich werden. Doch die nötigen Vorkehrungen hatte sie getroffen. So wie sie hier einst ankam, so ging sie wieder. Keine Wertgegenstände nur ihre Erfahrungen und Kenntnisse waren größer geworden. Einzig einen Brief trug sie in ihrer Tasche, an ihre Eltern gerichtet. Sie wollte ihn kurz vor ihrer Ankunft vorausschicken, damit zumindest die Chance bestand, dass sie sich vorbereiten konnten. Soweit gewappnet, machte sie sich auf den Weg und kehrte Gerimor den Rücken. Ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Ohne ein weiteres Zeichen. So war es für sie am einfachsten



  • Nun senkst Du Deinen trüben Blick in dieses sanfte Abendlicht.
    Bist blind für warme Strahlen, kalt, erkennst kein Schimmern in den Zweigen.
    Lehnt sonst sich Treiben leis zurück, sucht Ruhe und lässt Lider neigen,
    Verschleiert heut Dir Sorge ganz den Himmel und verhängt die Sicht.

    Des Tages Schreie machten Dich fürs Singen taub, Du hörst es nicht
    Hast lange Spannen deines Wegs die harte Haut im Kampf zu zeigen.
    Vergiss dabei nicht die Magie, die wir in späten Stunden schweigen
    Und sagen, so dass Mühsal geht und Glanz aus müden Augen bricht.

    Kehr heim in unsre Zauberzeit, in der wir an uns höher steigen.
    Ich schließe Dir das Fühlen auf, lass frei was Deine Zunge spricht,
    Erlöse sie aus ihrer Not, die Süße, die nur ihr zueigen.

    Sollst schwelgen, du, im Überfluss, nach stundenschwerem Selbstverzicht.
    Den Tanz gemeinsam neu vollführn, find Dich mit mir im Sinnesreigen,
    Bis endlich ruhigen Bluts erneut ein Lächeln findet Dein Gesicht.


Die Überfahrt dauerte länger als sie erwartet hatte. Das Wetter wurde rauer und kälter. Kaum hatte sie das Festland wieder betreten, spürte sie den Klimaunterschied zu Gerimor. Sie näherte sich ihrer Heimat. Nun stand nur noch eine lange Kutschfahrt und ein guter Fussmarsch ins Gebirge an. Den letzten Stück des Weges konnte kein Pferd alleine bewältigen. Je näher sie kam, desto mehr Unruhe kam in ihr auf. Sie fühlte sich wieder wie ein kleines Mädchen, dass nach einem entdeckten Streich vor die Eltern treten musste. Zwar versuchte sie, dieses Gefühl nieder zu kämpfen, doch es beherrschte sie noch, als sie aus der Kutsche ausstieg.

Das letzte Stück Weg schlängelte sich umständlich und verworren durch den engen Gebirgspass. Es war mittlerweile spät in der Nacht und der Mond schenke nur spärlcihes Licht. Die Laterne in ihrer Hand reichte gerade aus um den nächsten Meter vor ihr zu beleuchten.

Ein Grollen.

Ein Grummeln.

Ein Donnern.

Sie hob den Blick den Berg hinauf. Das Geräusch kam von oben. In der nächsten Sekunde stockte sie in ihrer Bewegung, in ihrer Atmung als sie erkannte, woher das Geräusch kam. Dann entspannte sich ihre Mimik und sie schloss die Augen. Dann soll es eben so sein. Als das Geröll sie traf, drang kein Laut über ihre Lippen. Doch als man den leblosen Körper der Frau mit den ersten Sonnenstrahlen fand, konnte man noch ein leichtes Lächeln auf den Lippen sehen.


  • Das einzig Wichtige im Leben
    sind die Spuren von Liebe,
    die wir hinterlassen,
    wenn wir ungefragt weggehen
    und Abschied nehmen müssen.

    -Albert Schweitzer-


Der Brief den man bei dem Körper fand, wurde persönlich mit der Nachricht des Unfalls ihren Eltern überbracht. Der Inhalt und die geschriebenen Worte wurden von den Eltern wie ein Schatz gehütet und nahm ihnen ein wenig der Trauer um ihre verlorene Tochter, die - wie sie schrieb Frieden mit sich selbst geschlossen hatte.

[img]http://a.imageshack.us/img31/7946/aviva1400229.jpg[/img]
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