Lange starrte er an die hölzerne Decke des riesigen Anwesens von Grimwould. Neben ihm, ruhig atmend sein Sohne, fest schlafend, erschöpft von dem Tage.
Ja, der Clan Bunjam nahm ihn hart dran, doch das war auch Sinn der Sache. Er sollte lernen, was es heisst, in dieser Welt zu leben, lernen, mit anderen zu agieren und sich deren Lebensweisheiten anzupassen.
Ja, er machte sich gut sein Sohn, er wuchs mit jedem Tage mehr und mehr, er war nicht nur ein Schatten, nein, er war viel von seinem Vater, Züge und Entscheidungen, die sich in ihm widerspiegelten, wie eine jüngere Facette eines selbst. Ob dies gut war, würde sich herausfinden lassen...mit der Zeit. Doch erstmal, hiess es schlafen, die Augen langsam schliessend, ruhig atmend in diesem Gebähr aus Schnarchen und seufzern.
Langsam öffnet er die Augen, sein Kopf hämmerte, er wollte weichen, all dem den Rücken kehren, doch es ging nicht. Er war so nahe, er wusste, was kommen mochte. Das Alchemielabor hat sich wieder in die alte, staubig zerstörte Räumlichkeit verwandelt.
Er erhebte sich, liess den Blick durch den Raume wandeln und erkannte das Regal, jenes, was er schon einmal sah, in seiner Traumreise, durch das innere Ich. Er ging dahin, nur ein einziges Buch stand fest, alle anderen waren auf dem Boden verteilt. Er griff an den Buchrücken, zog daran, als sich der riesige Schrank mit lautem knarchzen und quitschen zur Seite bewegte und einen geheimen, riesigen Raum frei gab.
Es war der Raum der Qualen, ein Ende aller Folter. Dies war der Raum, an welchem seine Mutter ihren Tod fand und sein Vater die Erkenntnis des Verrates. Eines Verrates, welchen er selber erschaffen hatte.
Langsam, nur zögerlich ging er die steinigen Stufen hinab, es began sich mit jedem Schritt zu verformen, Tische und Streckbank stellten sich langsam wieder auf. Ketten verloren ihren Rost und glänzten im schmalen Schein der Fackeln, die die Wand zierten.
Einige Mittel der Alchemie liessen Rauch aus sich herausbrodeln und zischten ab und an und ein Skelett begann, Fleisch und Haut sich überzuziehen und hing in der Gefangenschaft an den Ketten.
Das Gesicht von Malachai´s Mutter war ausgemerkt, sie blutete und atmete schwach. Ein leises klocken, ein schwarzverhüllter Mann stand an einem Tisch mit Werkzeugen.
"Ich will das nicht, ich hoffe das weißt du. Mir ist diese Art zuwider, doch solange du störrisch deine Wege gehst, wird niemand dein Leiden beenden können."
Sie hob die Mundwinkel, strich sich mit der Zunge das Blut von der Seite und spuckte es auf den Boden.
"Nie wirst du auch nur ein Wort erfahren. Du magst deinen Schattenlord getäuscht haben, ich aber war immer misstrauisch dir gegenüber."
Langsam drehte sich die schwarze Gestallt um, einen Haken in der Hand habend und trat näher.
"Störrisches Mädchen. Dieses Werk ist mehr, als es die Schatten sind. Es ist reine, grenzenlose Macht, ein Geschenk deines närrischen Mannes, ein Geschenk, dass ich erkannte und an mich riss. Und mit dem Tode aller jungen Geborenen, stirbt auch das Erbe der Schatten für ewig aus und ich alleine wandel auf diesen Wegen, unbekannt, wie ein wahrer, echter Schatten der Menschheit und dehne meine Macht aus, bis ins unermessliche. Und dein Sohn ist der Anfang, sein Tot wird ein Warnmahl an alle sein und meine Regentschaft einläuten, auf dass Sie Fehler machen und sterben werden."
Er lachte spöttisch, ein lauter, durchs Mark durchdringender Schrei, erreichte Malachai, ein höhnisches grinsen, während der Rücken des Abtrünnigen begann, sich unter seiner Robe zu formen und zu bewegen und jene schwarzen tentakelähnlichen Arme sich im Raume ausbreiteten und die Frau packten, sie durchdringten und begannen, sie von innen heraus entzweizureissen.
"Ihr seit nur die Keimlinge einer großen Macht, nur das Erbe von Vier Fehlversuchen, Vier schwachen Abbildern des einen wahren. Des ersten und ihr werdet euch dessen Kraft unterlegen fühlen und sterben. Alle Nachkömmlinge bis ihr nur noch die letzte Erinnerung meiner selbst im ewigen Leben seit."
Das lachen vermischte sich mit dem qualvollen Schreien...
...und Malachai riss die Augen auf. Er schwitzte und sein Herz schlug höher. Vorsichtig legte er Marick zur Seite und erhebte sich, hinaus durch die große Halle an die frische Luft. Seine Hände fassten sich an die Augen, versuchten, sich selbst zu beruhigen.
Es war und blieb ein Fluch und oft genug mussten die Träger für ihr Schicksal bezahlen. Ein jeder....und es wird nicht enden.
Hochzeitsreise
- Malachai Schwarzmourne
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