"Hey, Ema, kennst du diese Person?"
Emaleth kam gerade vom Hafen und bog um die Ecke zum Eingang des Hofes, als sie die Wache dort sah, eine Frau an seiner Seite.
Verheult, schmutzig und zitternd. Sie kannte die Wache der Eisenwart. Ein netter, junger Mann, der täglich bei seinem Rundgang am Hof vorbeikam und, so Ema daheim war, nach ihrem Befinden fragte. So allmählich bekam sie alle Gesichter der Eisenwart zu sehen.
"Nein, ich kenne sie nicht. Was ist denn los?" Sie schüttelte noch immer verblüfft den Kopf.
"Ich hab grad meinen Rundgang gemacht, als ich jemanden zwischen den Apfelbäumen sah und dachte du bist es. Als ich deinen Namen rief, verhielt sie sich ganz still, bewegte sich nicht mehr. Ich bin dann über den Zaun und hab sie mir geschnappt, da ich mir dachte, das etwas nicht stimmt."
Emaleth nickt. "Was passiert nun mit ihr?"
"Sie kommt in den Kerker der Burg. Wer Früchte des Burgherrn klaut, dem soll es nicht allzu gut gehen. Der Herr oder die Burgvorsteherin werden sich sicher ihrer annehmen." Dabei grinst er.
"Nun, wenn das so ist, dann nimm sie mit. Aber ich habe noch eine Frage."
Sie schaut die junge Frau an.
"Warum hast du nicht gewartet bis ich wieder da bin und mich dann nach den Äpfeln gefragt?"
Die Frau schluchzte, zuckte die Schultern und schüttelte den Kopf.
Emaleth seufzte. "Werde ich sie nochmal sehen?"
Er lachte schallend.
"Ema, die Eisenwart ist nicht zimperlich, was Bestrafungen angeht.
Wer weiß, wie lange sie ihr Köpfchen noch auf den Schultern tragen kann."
Mit dem Versprechen morgen wieder vorbei zu schauen, verabschiedet er sich von ihr und zieht die Frau mit sich.
Emaleth schaute noch eine Weile hinter den beiden her, bis ein Schaf ans Tor kam und sie blökend daran erinnerte, dass sie noch was zu tun hatte.
Die Strafe der Unvorsichtigkeit (killing memories)
- Neroith
- Beiträge: 708
- Registriert: Freitag 31. Oktober 2008, 04:44
das Ritual
Es war ihm ein leichtes gewesen das verängstige Mädchen aus der Burg zu
locken. Zu groß war ihre Naivität gewesen unbeschadet aus der Situation
hinaus zu kommen. Erst als sie immer weiter die sicheren Pfade, welche
sich wie Schlangen durch die wilde Insel zogen verließen, wurde sie langsam
skeptisch.
Auch hatte er sie leicht überwältigen können und auf der vorher
auserkorenen Waldlichtung an einen einsamen Baum ketten können.
Nachdem sie sicher verzurrt und geknebelt war, begann er mit den
Vorbereitungen. Er zog einen Dolch hervor und ritzte sich tief in die
Handfläche. Mit dem Tropfendem Blut begann er ein Pentagramm auf
den trockenen Boden zu ziehen. Auf einem Baumstumpf breitete er dann
sein Tuch mit den Reagenzien aus. Sie hatte die Wanderung
zufriedenstellend heil überstanden und auch die Kerzen waren noch am
Stücke. Eine Jene dieser Kerzen stellte an die Ecken des Pentagramms
und bohrte sie ein Stück in den Boden. Ab und an schielte er zu der
angeketteten Frau hinüber, sich ihrer nichtigen Fluchtmöglichkeiten
vergewissernd.
Als sein Werk dann vollendet und der Ritualplatz vorbereitet, erspähte
er seine Brüder und Schwestern am anderen Ende der Lichtung.
Sie waren so zuverlässig wie der Tod, der ihnen zweifelsohne anhaftete.
Die Gewandung in die Ritualsrobe gewechselt begrüßte er die
ankommenden Diener. Sie hatten große Reisen unternommen um hier
her zu kommen. Auch wenn sie meist getrennte Wege gingen; einig im
Glauben und der Gunst ihres Herren und Meisters führten sich doch
Anlässe wie diese immer wieder zusammen um gemeinsam ihr Werk zu
verrichten.
Mittlerweile war es dunkel geworden. Die einzelnen Kerzen loderten in der
Windstille und ließen die Schatten von allem anwesendendem wirr und
zuckend über die Gräser tanzen. Neroith unterrichtet die Günstlinge
Krathors über die Einzelheiten seines Vorhabens und einigte sie in
Zuversicht.
Die dunkel berobten Gestalten nahmen wie selbstverständlich die Plätze
hinter den Kerzen ein. Ein jenes der fünf Ecken abdeckend. Neroith schritt
in die Mitte.
"Krathor unser Herr und Meister, wende dein Blick auf uns in diesem
Moment und nimmt unser Opfer in empfang."
Neroith sprach weiter beschwörende Formeln und warf nach und nach
die Reagenzien in eine Opferschale welche den Mittelpunkt des
Ritualkreises zierte.
"Nehme die stärke der Dämonenknochen und das Vergessliche der
Henkerskappe"
Neroith wandte sich ab und löste das Mädchen aus ihren Ketten. Die
Handgelenke der jungen Frau waren aufgerieben und übersäht mit
Blutergüssen. Was hatte sie sich auch versuchen müssen aus ihren Ketten
zu befreien? Er drückte sie tief über die Schale und fuhr weiter mit seinen
Anrufungen fort.
"Brüder und Schwestern. Führet eure Kräfte zusammen. Lasst die eure
Macht zu einer werden. Bannt die Seele dieser Unberührten ehe sie in
das Reich der Ewigen Dunkelheit einfahren kann, auf dass sie ihre Aufgabe
zugetragen bekommt."
Einige weiter Formeln der Beschwörung folgten
noch ehe er seinen Ritualdolch aus dem Gürtelschaft löste und mit
diesem den Hals der weinenden Frau durchstieß. Rasch floss das Blut aus
der klaffenden Wunde in die Ritualschale und verdeckte schon bald die
eingefüllten Reagenzien. Als dann er Körper des Opfers tot über der Schale
zusammenbrach, richtete er sich mit weit geöffnete Arme gen
Himmel.
"Herrscher über das Reich der Ewigkeit. Gebracht wart dir was du hast
verlanget. So lasse diese Seele ihre Aufgabe vollführe ehe du sie für die
Ewigkeit in deinem Reiche beherbergest."
Ein stöhnen voller Qualen ertönte plötzlich. Erst leise und unortbar.
Dann immer lauter und langsam manifestierte sich eine Erscheinung
über dem frischen Leichnamen. Es mochte scheinen, als würde sie aus
dem Körper der Dahingeschiedenen empor steigen und sich in einer
gewissen höhe über dem Körper sammeln.
Angespannt und hoch konzentriert nahmen die Umstehenden Diener
ihre Aufgabe wahr. In einer dieser Ähnlichen Konstellationen hatten sie
bereits riesige Armeen und Seuchen in die Welt geschickt. Neroith war
zuversichtlich. Trotz der eigentlichen leichteren Aufgabe eine einzelne
Seele zu bannen waren sie sich der Brisanz dieses Rituals bewusst und
wirkten ununterbrochen geschlossen und konzentriert. Schließlich war
das Ziel ihrer Absichten nicht der Verstand eines einfachen Mannes.
Aus diesem Grund besonnen sie sich auch nur die der Einzelnen
Erinnerung an ihren Bruder Neroith, welcher Janus als Aeogen vorstellig
geworden war. An jene Momente, in denen er um ein Haar seine Tarnung
hatte aufgeben müssen.
Neroith schloss die Lieder und führte sich Janus vor Augen. In Gedanken
auf ihn konzentriert wies er durch die gebündelte Macht der Rabendiener
Die Seele an, diese dem Erzmagier im Schlafe auszusaugen und dann
für immer in das Reich der Finsternis zu verwahren.
Einige Momente noch, dann machte sich die Seele auf ihr Ziel aufzusuchen
"Habt Dank für euer Unterstützung meine Geschwister", Sprach der völlig
entkräftet und schweißgebadet. Bestätigendes Nicken folgte und einige
Worte der ebenfalls erschöpften Gläubigen.
Nachdem er den Großteil der Dienerschaft verabschiedet hatte und beim
zusammenräumen der Habseligkeiten war, erschrak er plötzlich. Wie
ein kalter Schauer fuhr es ihm über den Rücken. Machte er doch nicht die
Diamantbrocken in der Schale aus. Konnte dies wirklich sein?
Neroith tastete seine Robetaschen ab und erstarrte. Ein Blick in jene
offenbarte seine Vermutung. Hatte er doch in der Trance der Zeremonie
vergessen der Seele die Kraft der Diamantenbrocken mit auf den Weg zu
geben. Dämonenknochen für die Stärke und den Fokus, Henkerskappen
für die Macht des Vergessens und einen Brocken Diamant. Ja einen
Brocken Diamant für die Dauerhaftigkeit. Nicht der Dauerhaftigkeit der
Seele, sie würde nicht zurückrufbar ihre Aufgabe erfüllen, doch um die
Dauerhaftigkeit der Auswirkung musste er sich nun sorgen machen.
Er hoffte, dass die vereinte Macht der Günstlinge ausreichen würden die
Gedanken bis in das Ewig Reich zu geleiten. Neroith biss sich selbsttadelnd
auf die Unterlippe. Mögen ihm die Götter gnädig sein. Doch wie gnädig
würde wohl ein Gott einem Diener des Fruchteinen sein?
[img]http://de.geocities.com/maik_fiedler/Ritual11.jpg[/img]
locken. Zu groß war ihre Naivität gewesen unbeschadet aus der Situation
hinaus zu kommen. Erst als sie immer weiter die sicheren Pfade, welche
sich wie Schlangen durch die wilde Insel zogen verließen, wurde sie langsam
skeptisch.
Auch hatte er sie leicht überwältigen können und auf der vorher
auserkorenen Waldlichtung an einen einsamen Baum ketten können.
Nachdem sie sicher verzurrt und geknebelt war, begann er mit den
Vorbereitungen. Er zog einen Dolch hervor und ritzte sich tief in die
Handfläche. Mit dem Tropfendem Blut begann er ein Pentagramm auf
den trockenen Boden zu ziehen. Auf einem Baumstumpf breitete er dann
sein Tuch mit den Reagenzien aus. Sie hatte die Wanderung
zufriedenstellend heil überstanden und auch die Kerzen waren noch am
Stücke. Eine Jene dieser Kerzen stellte an die Ecken des Pentagramms
und bohrte sie ein Stück in den Boden. Ab und an schielte er zu der
angeketteten Frau hinüber, sich ihrer nichtigen Fluchtmöglichkeiten
vergewissernd.
Als sein Werk dann vollendet und der Ritualplatz vorbereitet, erspähte
er seine Brüder und Schwestern am anderen Ende der Lichtung.
Sie waren so zuverlässig wie der Tod, der ihnen zweifelsohne anhaftete.
Die Gewandung in die Ritualsrobe gewechselt begrüßte er die
ankommenden Diener. Sie hatten große Reisen unternommen um hier
her zu kommen. Auch wenn sie meist getrennte Wege gingen; einig im
Glauben und der Gunst ihres Herren und Meisters führten sich doch
Anlässe wie diese immer wieder zusammen um gemeinsam ihr Werk zu
verrichten.
Mittlerweile war es dunkel geworden. Die einzelnen Kerzen loderten in der
Windstille und ließen die Schatten von allem anwesendendem wirr und
zuckend über die Gräser tanzen. Neroith unterrichtet die Günstlinge
Krathors über die Einzelheiten seines Vorhabens und einigte sie in
Zuversicht.
Die dunkel berobten Gestalten nahmen wie selbstverständlich die Plätze
hinter den Kerzen ein. Ein jenes der fünf Ecken abdeckend. Neroith schritt
in die Mitte.
"Krathor unser Herr und Meister, wende dein Blick auf uns in diesem
Moment und nimmt unser Opfer in empfang."
Neroith sprach weiter beschwörende Formeln und warf nach und nach
die Reagenzien in eine Opferschale welche den Mittelpunkt des
Ritualkreises zierte.
"Nehme die stärke der Dämonenknochen und das Vergessliche der
Henkerskappe"
Neroith wandte sich ab und löste das Mädchen aus ihren Ketten. Die
Handgelenke der jungen Frau waren aufgerieben und übersäht mit
Blutergüssen. Was hatte sie sich auch versuchen müssen aus ihren Ketten
zu befreien? Er drückte sie tief über die Schale und fuhr weiter mit seinen
Anrufungen fort.
"Brüder und Schwestern. Führet eure Kräfte zusammen. Lasst die eure
Macht zu einer werden. Bannt die Seele dieser Unberührten ehe sie in
das Reich der Ewigen Dunkelheit einfahren kann, auf dass sie ihre Aufgabe
zugetragen bekommt."
Einige weiter Formeln der Beschwörung folgten
noch ehe er seinen Ritualdolch aus dem Gürtelschaft löste und mit
diesem den Hals der weinenden Frau durchstieß. Rasch floss das Blut aus
der klaffenden Wunde in die Ritualschale und verdeckte schon bald die
eingefüllten Reagenzien. Als dann er Körper des Opfers tot über der Schale
zusammenbrach, richtete er sich mit weit geöffnete Arme gen
Himmel.
"Herrscher über das Reich der Ewigkeit. Gebracht wart dir was du hast
verlanget. So lasse diese Seele ihre Aufgabe vollführe ehe du sie für die
Ewigkeit in deinem Reiche beherbergest."
Ein stöhnen voller Qualen ertönte plötzlich. Erst leise und unortbar.
Dann immer lauter und langsam manifestierte sich eine Erscheinung
über dem frischen Leichnamen. Es mochte scheinen, als würde sie aus
dem Körper der Dahingeschiedenen empor steigen und sich in einer
gewissen höhe über dem Körper sammeln.
Angespannt und hoch konzentriert nahmen die Umstehenden Diener
ihre Aufgabe wahr. In einer dieser Ähnlichen Konstellationen hatten sie
bereits riesige Armeen und Seuchen in die Welt geschickt. Neroith war
zuversichtlich. Trotz der eigentlichen leichteren Aufgabe eine einzelne
Seele zu bannen waren sie sich der Brisanz dieses Rituals bewusst und
wirkten ununterbrochen geschlossen und konzentriert. Schließlich war
das Ziel ihrer Absichten nicht der Verstand eines einfachen Mannes.
Aus diesem Grund besonnen sie sich auch nur die der Einzelnen
Erinnerung an ihren Bruder Neroith, welcher Janus als Aeogen vorstellig
geworden war. An jene Momente, in denen er um ein Haar seine Tarnung
hatte aufgeben müssen.
Neroith schloss die Lieder und führte sich Janus vor Augen. In Gedanken
auf ihn konzentriert wies er durch die gebündelte Macht der Rabendiener
Die Seele an, diese dem Erzmagier im Schlafe auszusaugen und dann
für immer in das Reich der Finsternis zu verwahren.
Einige Momente noch, dann machte sich die Seele auf ihr Ziel aufzusuchen
"Habt Dank für euer Unterstützung meine Geschwister", Sprach der völlig
entkräftet und schweißgebadet. Bestätigendes Nicken folgte und einige
Worte der ebenfalls erschöpften Gläubigen.
Nachdem er den Großteil der Dienerschaft verabschiedet hatte und beim
zusammenräumen der Habseligkeiten war, erschrak er plötzlich. Wie
ein kalter Schauer fuhr es ihm über den Rücken. Machte er doch nicht die
Diamantbrocken in der Schale aus. Konnte dies wirklich sein?
Neroith tastete seine Robetaschen ab und erstarrte. Ein Blick in jene
offenbarte seine Vermutung. Hatte er doch in der Trance der Zeremonie
vergessen der Seele die Kraft der Diamantenbrocken mit auf den Weg zu
geben. Dämonenknochen für die Stärke und den Fokus, Henkerskappen
für die Macht des Vergessens und einen Brocken Diamant. Ja einen
Brocken Diamant für die Dauerhaftigkeit. Nicht der Dauerhaftigkeit der
Seele, sie würde nicht zurückrufbar ihre Aufgabe erfüllen, doch um die
Dauerhaftigkeit der Auswirkung musste er sich nun sorgen machen.
Er hoffte, dass die vereinte Macht der Günstlinge ausreichen würden die
Gedanken bis in das Ewig Reich zu geleiten. Neroith biss sich selbsttadelnd
auf die Unterlippe. Mögen ihm die Götter gnädig sein. Doch wie gnädig
würde wohl ein Gott einem Diener des Fruchteinen sein?
[img]http://de.geocities.com/maik_fiedler/Ritual11.jpg[/img]
btw. : Ruhm und Ehre der Eisenwart!
[img]http://i44.tinypic.com/10dse4n.jpg[/img]
[img]http://i44.tinypic.com/10dse4n.jpg[/img]
-
Janus Aethra
Ein sanfter, kühler Abendwind wehte durch die kleine Siedlung und bot die ersehnte Abkühlung nach einem warmen Sommertag. Nur wenige, spärliche Lichter vermochten die idyllisch anmutenden Häuser zu später Stunde noch zu erhellen. Doch insbesondere eines, ein ganz Besonderes, wenn man die Bewohner fragen würde, stach zu dieser Stunde durch einen stärkeren Lichtschein hervor, der von dem Balkon herab drang und der Dunkelheit unnachgiebig trotzte. Nur leise mischten sich die Stimmen von Taralea und Janus in den trüben Schein einer Handvoll Kerzen, aus der Ferne nicht verständlich, doch passten sich die ruhigen Klänge nahtlos in das idyllische Bild ein.
Janus stand am Geländer und spähte still in die Dunkelheit hinab, beobachtete die trügerisch zuckenden Schatten, die auf der gräsernen Leinwand am Boden ihrer Umwelt Leben vorgaukelten. Doch er genoss es, ihr Formenspiel zu beobachten und zu versuchen, mehr aus den Schatten herauszulesen.. auch wenn er genau wusste, nein – fühlte – dass es doch nicht mehr als ein Schattenspiel war. Das Lied offenbarte es ihm in all seinem Glanz und seiner gegenwärtigen Reinheit. Dieser Zustand der Ruhe ließ sein Liedempfinden ein völlig Anderes werden. Es war kein Forschen, kein Analysieren von Klangstrukturen, wie es zumeist der Fall sein mag. In diesem Augenblick sah er die Gesamtheit des Liedes, ließ dieses einzigartige Kunstwerk auf sich wirken, und auch wenn die Details verschwommen und unscharf schienen, wirkte es in seiner Gesamtheit doch prunkvoll und friedlich.
Diese Art der Empfindung war selten und womöglich untypisch für einen Magier, wie er es war.. wenig exakt und analytisch, doch mit einem eigenen Reiz, der wohl durch die besondere Nähe zu einer Magietradition geweckt worden war, die unterschiedlicher nicht sein könnte. Die Nähe dieses Abends ließ ihn ein weiteres Mal, fern von Ängsten und Sorgen, diesem Reiz verfallen.
Sein Blick wandte sich zu ihr herum, die sie ein Ableger dieser Tradition war.
Als sich die Augen jedoch auf dieses zarte Geschöpf richteten, begann etwas Unheilvolles die Idylle zu verdrängen. Ein dumpfes, nicht zuzuordnendes Gefühl keimte in Janus auf, als würden die Schatten sich aufbäumen und das Licht in sich verschlingen.
Die Suche war im Begriff ihr Ende zu finden...
Es war ein Schatten, der das Lied durchzog und auf die beiden zuschoss. Was es war, konnte Janus nicht erkennen, der den Mantel der Ruhe von seinem Geiste riss und in zunehmende Konzentration verfiel. Er sah lediglich, wie die Farbe aus dem Gesicht Taralea's wich, als dieses Etwas in ihrer unmittelbaren Nähe zum Stillstand kam. Es ging zu schnell, um die Situation zu überblicken – Janus sah das verängstigte Gesicht seiner Gefährtin und nahm diese verschwommene, unheilvolle Präsenz wahr. Die darauf folgenden Sekundenbruchteile waren nicht mehr als die Ruhe vor dem Sturm: Die Präsenz, die neben Taralea verharrte, schien sie zu betrachten, als würde sie etwas an ihr suchen doch nicht finden.
Die Luft um die Hexe herum begann förmlich zu glühen, kleine Funken schlossen sich um ihre Gestalt bevor eine Flammensäule über dem Balkon des Hauses gen Himmel schoss und das gesamte Gebäude in ihren rötlichen Schein tauchte. Der Eingriff blieb jedoch ohne Folgen, hinterließ lediglich einen rußigen Fleck an der Wand des Hauses – die Präsenz blieb jedoch unbeeinflusst und steuerte unbeirrt auf Janus zu, der in diesem Augenblick jedoch eine ähnliche Reflexhandlung vollführte, wie Taralea es kurz vor ihm tat: ein zuvor gebündelter Impuls geistiger Energie schoss der Präsenz entgegen. Obgleich diese Präsenz keinen Körper zu haben schien, der von Feuer verbrannt werden konnte – einen Geist hatte sie. Für Augen nicht sichtbar, für Magiekundige jedoch kaum zu übersehen schlug der Impuls in das geistige Konstrukt des fremden Wesens ein und schleuderte es zurück, vorbei an Taralea, die bereits hektisch an Janus' Seite sprang.
Für einen Augenblick schien der Spuk so schnell vorbei, wie er gekommen war, doch als sich Janus zunehmend intensiv auf das Lied konzentrierte bemerkte er rasch, dass er sich nur in falscher Sicherheit wähnte; im Gegenteil, zwar schien dieses Wesen ein wenig benommen, jedoch war sein Klang nicht minder kraftvoll und düster, als es zuvor der Fall war. Allmählich kam jedoch auch eine Vermutung, bohrend und aufdringlich, aber genauso beängstigend, womit sie es zu tun hatten.
Die Benommenheit des Geistes war nicht von langer Dauer, doch schien er nichtmehr zu versuchen sich weiter zu nähern, vielmehr schien er einen Rückzug anzustreben. Die Entschlüsse des weiteren Handelns waren schnell gefasst. Einfach so konnte man dieses Wesen nicht bekämpfen, doch fand Janus etwas in seinen Erinnerungen, das ihm eine weitere Option offenbarte...
Eine Art bläulich schimmernder Strang begann sich zwischen der Seele und ihrem Rückzugsweg auszubreiten, als Janus begann dem Lied primäre Energie zu entziehen und um das Wesen herum zu führen. Es beschleunigte, doch in dem Augenblick, als es die schimmernde Linie zu übertreten drohte schloss sie sich zu einem bündigen Kreis – ein Lichtimpuls durchzuckte die Dunkelheit, als die Wesenheit von dem Bannkreis zurückgedrängt wurde, dem nun mehr und mehr Energie zugeführt wurde, was in einem immer intensiver werdenden Aufglühen ausartete. Janus spürte nur zu deutlich, wie das Wesen begann dem Symbol zu trotzen um die Barriere zu überwinden, doch war es bereits zu spät. Eine kleine Schweißperle bahnte sich ihren Weg über Janus' Stirn, als sich das Wesen seinem Wirken entgegen stellte, doch ebbte der Versuch nach einigen Augenblicken ab und es zog sich in die Mitte des magischen Gefängnisses zurück.
Taralea, die Janus' Arm ergriffen hielt, lockerte die Umklammerung langsam, als das Wesen unter Kontrolle schien und ließ ihrem Instinkt wie Janus selbst freien Lauf. Was genau war es, dem sie gegenüber standen?
Überdeutlich war die geistige Kraft, die in dem Wesen gebündelt war, doch je näher die Klänge des Wesens analysiert wurden, desto detaillierter konnten sie den Ursprung wahrnehmen: Die geistige Struktur war in ein Netz aus dumpfen, unheilig anmutenden Klängen gehüllt, die sie gewaltsam und mit einer enormen Stärke einpferchten und unterdrückte. Eine Stärke, die Janus stocken ließ. Er kannte den Klang, erkannte den Ursprung.. doch hatte er nur selten ein derartig intensive Präsenz der Kraft Kra'thors erlebt. Auch wenn unklar blieb, warum dieses Wesen hier war, war jedoch umso klarer, dass es nur eine wirkliche Möglichkeit gab, sich vor diesem Etwas zu schützen: Sie müssten die Fesseln, die die geistige Struktur einhüllten, brechen.
Es vergangen einige Augenblicke der Stille und scheinbaren Reglosigkeit. Der Blick wandte sich auf Taralea. Kein Wort gingen über Janus' Lippen, zu konzentriert fixierte er sich auf das Wesen und den von ihm geschaffenen Bannkreis, doch vertraute er auf ihren Beistand. Er atmete tief ein und aus und begann sich zu sammeln, zugleich jedoch die Konzentration von dem Bannkreis zu lösen, der daraufhin den Gebärden der gefangenen Seele allmählich nachgeben würde. Dies nahm die Seele wahr und begann sich unmittelbar wieder aufzubäumen. Von Stoß zu Stoß entlud sich ein immer schwächer werdender Lichtblitz dem Bannkreis – während Janus und Taralea Stellung bezogen. In dem Moment, in dem der Bannkreis in sich zusammenbrach, geschah es: In einem ineinander gewundenen Strom umschlossen die Geister der beiden Begabten das Wesen und setzten zum Angriff an. Durch das Zutun Taraleas wurde das Wesen gebunden, während er selbst jedoch mit unnachgiebigen, gezielten Impulsen die Fesseln der Seele attakierte setzte es zu einer selbstzerstörerischen Gegenwehr an; Statt sich gegen die Angriffe zu wehren stürzte es sich Janus' Geist entgegen und zwang ihn in eine erdrückende Umklammerung. Er spürte, wie es an ihm zerrte, wie er wieder und wieder drohte die Kontrolle zu verlieren – bis die geistigen Fesseln der Seele in einer liederschütternden Welle unheiliger Kräfte zerbarsten.
Ein Ruck durchfuhr den Leib Janus', als die Kräfte in ihn einschlugen und er sich fühlte, als würde sein Geist in Stücke gerissen. Sein Körper begann unkontrolliert zu zucken und letztlich ineinander zu sacken, ein stechender Schmerz schieß ihn in den Kopf und ließ jede Konzentration abreißen ... und es wurde dunkel um ihn - doch war es keine Bewusstlosigkeit.
Janus stand am Geländer und spähte still in die Dunkelheit hinab, beobachtete die trügerisch zuckenden Schatten, die auf der gräsernen Leinwand am Boden ihrer Umwelt Leben vorgaukelten. Doch er genoss es, ihr Formenspiel zu beobachten und zu versuchen, mehr aus den Schatten herauszulesen.. auch wenn er genau wusste, nein – fühlte – dass es doch nicht mehr als ein Schattenspiel war. Das Lied offenbarte es ihm in all seinem Glanz und seiner gegenwärtigen Reinheit. Dieser Zustand der Ruhe ließ sein Liedempfinden ein völlig Anderes werden. Es war kein Forschen, kein Analysieren von Klangstrukturen, wie es zumeist der Fall sein mag. In diesem Augenblick sah er die Gesamtheit des Liedes, ließ dieses einzigartige Kunstwerk auf sich wirken, und auch wenn die Details verschwommen und unscharf schienen, wirkte es in seiner Gesamtheit doch prunkvoll und friedlich.
Diese Art der Empfindung war selten und womöglich untypisch für einen Magier, wie er es war.. wenig exakt und analytisch, doch mit einem eigenen Reiz, der wohl durch die besondere Nähe zu einer Magietradition geweckt worden war, die unterschiedlicher nicht sein könnte. Die Nähe dieses Abends ließ ihn ein weiteres Mal, fern von Ängsten und Sorgen, diesem Reiz verfallen.
Sein Blick wandte sich zu ihr herum, die sie ein Ableger dieser Tradition war.
Als sich die Augen jedoch auf dieses zarte Geschöpf richteten, begann etwas Unheilvolles die Idylle zu verdrängen. Ein dumpfes, nicht zuzuordnendes Gefühl keimte in Janus auf, als würden die Schatten sich aufbäumen und das Licht in sich verschlingen.
Die Suche war im Begriff ihr Ende zu finden...
Es war ein Schatten, der das Lied durchzog und auf die beiden zuschoss. Was es war, konnte Janus nicht erkennen, der den Mantel der Ruhe von seinem Geiste riss und in zunehmende Konzentration verfiel. Er sah lediglich, wie die Farbe aus dem Gesicht Taralea's wich, als dieses Etwas in ihrer unmittelbaren Nähe zum Stillstand kam. Es ging zu schnell, um die Situation zu überblicken – Janus sah das verängstigte Gesicht seiner Gefährtin und nahm diese verschwommene, unheilvolle Präsenz wahr. Die darauf folgenden Sekundenbruchteile waren nicht mehr als die Ruhe vor dem Sturm: Die Präsenz, die neben Taralea verharrte, schien sie zu betrachten, als würde sie etwas an ihr suchen doch nicht finden.
Die Luft um die Hexe herum begann förmlich zu glühen, kleine Funken schlossen sich um ihre Gestalt bevor eine Flammensäule über dem Balkon des Hauses gen Himmel schoss und das gesamte Gebäude in ihren rötlichen Schein tauchte. Der Eingriff blieb jedoch ohne Folgen, hinterließ lediglich einen rußigen Fleck an der Wand des Hauses – die Präsenz blieb jedoch unbeeinflusst und steuerte unbeirrt auf Janus zu, der in diesem Augenblick jedoch eine ähnliche Reflexhandlung vollführte, wie Taralea es kurz vor ihm tat: ein zuvor gebündelter Impuls geistiger Energie schoss der Präsenz entgegen. Obgleich diese Präsenz keinen Körper zu haben schien, der von Feuer verbrannt werden konnte – einen Geist hatte sie. Für Augen nicht sichtbar, für Magiekundige jedoch kaum zu übersehen schlug der Impuls in das geistige Konstrukt des fremden Wesens ein und schleuderte es zurück, vorbei an Taralea, die bereits hektisch an Janus' Seite sprang.
Für einen Augenblick schien der Spuk so schnell vorbei, wie er gekommen war, doch als sich Janus zunehmend intensiv auf das Lied konzentrierte bemerkte er rasch, dass er sich nur in falscher Sicherheit wähnte; im Gegenteil, zwar schien dieses Wesen ein wenig benommen, jedoch war sein Klang nicht minder kraftvoll und düster, als es zuvor der Fall war. Allmählich kam jedoch auch eine Vermutung, bohrend und aufdringlich, aber genauso beängstigend, womit sie es zu tun hatten.
Die Benommenheit des Geistes war nicht von langer Dauer, doch schien er nichtmehr zu versuchen sich weiter zu nähern, vielmehr schien er einen Rückzug anzustreben. Die Entschlüsse des weiteren Handelns waren schnell gefasst. Einfach so konnte man dieses Wesen nicht bekämpfen, doch fand Janus etwas in seinen Erinnerungen, das ihm eine weitere Option offenbarte...
Eine Art bläulich schimmernder Strang begann sich zwischen der Seele und ihrem Rückzugsweg auszubreiten, als Janus begann dem Lied primäre Energie zu entziehen und um das Wesen herum zu führen. Es beschleunigte, doch in dem Augenblick, als es die schimmernde Linie zu übertreten drohte schloss sie sich zu einem bündigen Kreis – ein Lichtimpuls durchzuckte die Dunkelheit, als die Wesenheit von dem Bannkreis zurückgedrängt wurde, dem nun mehr und mehr Energie zugeführt wurde, was in einem immer intensiver werdenden Aufglühen ausartete. Janus spürte nur zu deutlich, wie das Wesen begann dem Symbol zu trotzen um die Barriere zu überwinden, doch war es bereits zu spät. Eine kleine Schweißperle bahnte sich ihren Weg über Janus' Stirn, als sich das Wesen seinem Wirken entgegen stellte, doch ebbte der Versuch nach einigen Augenblicken ab und es zog sich in die Mitte des magischen Gefängnisses zurück.
Taralea, die Janus' Arm ergriffen hielt, lockerte die Umklammerung langsam, als das Wesen unter Kontrolle schien und ließ ihrem Instinkt wie Janus selbst freien Lauf. Was genau war es, dem sie gegenüber standen?
Überdeutlich war die geistige Kraft, die in dem Wesen gebündelt war, doch je näher die Klänge des Wesens analysiert wurden, desto detaillierter konnten sie den Ursprung wahrnehmen: Die geistige Struktur war in ein Netz aus dumpfen, unheilig anmutenden Klängen gehüllt, die sie gewaltsam und mit einer enormen Stärke einpferchten und unterdrückte. Eine Stärke, die Janus stocken ließ. Er kannte den Klang, erkannte den Ursprung.. doch hatte er nur selten ein derartig intensive Präsenz der Kraft Kra'thors erlebt. Auch wenn unklar blieb, warum dieses Wesen hier war, war jedoch umso klarer, dass es nur eine wirkliche Möglichkeit gab, sich vor diesem Etwas zu schützen: Sie müssten die Fesseln, die die geistige Struktur einhüllten, brechen.
Es vergangen einige Augenblicke der Stille und scheinbaren Reglosigkeit. Der Blick wandte sich auf Taralea. Kein Wort gingen über Janus' Lippen, zu konzentriert fixierte er sich auf das Wesen und den von ihm geschaffenen Bannkreis, doch vertraute er auf ihren Beistand. Er atmete tief ein und aus und begann sich zu sammeln, zugleich jedoch die Konzentration von dem Bannkreis zu lösen, der daraufhin den Gebärden der gefangenen Seele allmählich nachgeben würde. Dies nahm die Seele wahr und begann sich unmittelbar wieder aufzubäumen. Von Stoß zu Stoß entlud sich ein immer schwächer werdender Lichtblitz dem Bannkreis – während Janus und Taralea Stellung bezogen. In dem Moment, in dem der Bannkreis in sich zusammenbrach, geschah es: In einem ineinander gewundenen Strom umschlossen die Geister der beiden Begabten das Wesen und setzten zum Angriff an. Durch das Zutun Taraleas wurde das Wesen gebunden, während er selbst jedoch mit unnachgiebigen, gezielten Impulsen die Fesseln der Seele attakierte setzte es zu einer selbstzerstörerischen Gegenwehr an; Statt sich gegen die Angriffe zu wehren stürzte es sich Janus' Geist entgegen und zwang ihn in eine erdrückende Umklammerung. Er spürte, wie es an ihm zerrte, wie er wieder und wieder drohte die Kontrolle zu verlieren – bis die geistigen Fesseln der Seele in einer liederschütternden Welle unheiliger Kräfte zerbarsten.
Ein Ruck durchfuhr den Leib Janus', als die Kräfte in ihn einschlugen und er sich fühlte, als würde sein Geist in Stücke gerissen. Sein Körper begann unkontrolliert zu zucken und letztlich ineinander zu sacken, ein stechender Schmerz schieß ihn in den Kopf und ließ jede Konzentration abreißen ... und es wurde dunkel um ihn - doch war es keine Bewusstlosigkeit.
-
Taralea Mirrosil
- Beiträge: 0
- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42
Auf allen Vieren kniete sie keuchend auf dem hölzernen Boden des Balkons. Die Haare hingen wie ein wirrer Vorhang um ihr Gesicht und nahmen ihr die Sicht auf ihre Umwelt. Mühsam nur konnte sie ihre Kräfte wieder sammeln und langsam den Kopf anheben – nur um im nächsten Moment schon auf den Beinen zu sein und zu dem liegenden Körper ihres Gefährten zu eilen. Panik überkam sie, eiskalte Angst, bis sie erkannte, dass seine Brust sich unter schwachen Atemzügen hob und senkte. Sie ließ sich neben Janus sinken, zog seinen Körper ein wenig hoch und bettete seinen Kopf in ihren Schoß, um sanft die dunklen Strähnen aus seiner Stirn zu streichen.
Was bei allen Göttern war hier geschehen? Woher kam dieses Wesen? Nein, das war der falsche Ausdruck. Sie fand kaum die rechten Worte, doch dies traf es nicht. Erscheinung? Geist? Irrgänger? Was es auch war, es hatte zwei durchaus mächtige Liedwirker in arge Bedrängnis gebracht. Egal, erstmal das Wichtigste: Janus. Mit vorsichtigem Tasten näherte sie sich seinem Klang, spürte, wie er von selber wieder stärker wurde und schon im nächsten Moment schlug er die Augen auf.
Doch statt des erwarteten Ausdruck der Erleichterung, des erschöpften Lächelns oder gar eines lieben Wortes, trat Panik in seine Züge.
„Lea?“ Ein Wort so voller Unsicherheit, dabei sah sie ihm doch geradewegs in sein Gesicht? Es dauerte einen kleinen Moment, bis es in ihren Verstand träufelte: Er sah sie nicht. Er sah... gar nichts?
„Ruhig, Janus, ich bin hier“
Es war, als würde alleine der Klang ihrer Stimme ihn ruhiger werden lassen, denn die nächsten Worte kamen schon deutlich gefasster, die Worte, die ihren Verdacht im Grunde nur bestätigten. Ruhig, sachlich, nüchtern, wie es eben nur ein Magier konnte, fasste er die kleine Katastrophe zusammen „Ich kann nichts mehr sehen“.
Mehr Aufforderung brauchte es nicht. Schon im nächsten Moment tastete sich ihr Geist durch seine ureigene Melodie, musste keine Hindernisse überwinden, erforschte seinen Klang so ungehindert, wie es sonst wohl keiner konnte oder besser gesagt durfte. Ob der ausgezehrten Kräfte dauerte es eine ganze Weile, bis die Ursache gefunden war. Sie wusste instinktiv, selbst wenn sie gewollt hätte, sie hätte in diesem Moment nicht viel retten können. Zu komplex war die gestörte Klangstruktur, zu entkräftet sie selber. Vielleicht morgen oder übermorgen, so sich nicht von selber bereits eine Besserung eingestellt hatte. Dauerhaft würde die Erblindung nicht sein. Behutsam zog sie sich wieder zurück und beließ es dann bei eben so knappen Worten „Das wird in ein paar Tagen wieder.“
Dann herrschte wieder einträchtiges Schweigen. Beide hingen ihren Gedanken nach und waren einander vertraut genug, als dass die Stille hätte unangenehm werden können. Schließlich war es Janus, beide wieder in die Gegenwart holte.
„Du hast es auch wahrgenommen, nicht wahr? Diese Handschrift ist einfach unverkennbar...“
Sie brauchte nicht lange zögern, dennoch kam die Antwort leise, ungläubig und voller leisem Zorn: „Rabenmagie und davon nicht gerade wenig.“
„Diese Präsenz hat nach etwas gesucht. Sie ist ganz bewusst ausgesandt worden.“
„Und sie fand, was sie suchte. Kaum, dass sie deiner ansichtig wurde, wollte sie dich angehen. Das hätte ganz schön schief gehen können. Irgendwer hat es auf dich abgesehen. Also mehr als sonst jedenfalls.“
Wieder herrschte eine Weile Schweigen. Wozu die Fragen aussprechen, die sie im Kopf des anderen wussten? Wer? Wie? Warum? Sie hatten es überstanden. Diesmal. Ein weiteres Mal würde es nicht geben. Jemand hatte eine Grenze überschritten, sie in ihrem Heiligsten heimgesucht. Es gab Fehler, die tat man nicht ungestraft. Wer auch immer es gewagt hatte, er würde es bereuen.
Was bei allen Göttern war hier geschehen? Woher kam dieses Wesen? Nein, das war der falsche Ausdruck. Sie fand kaum die rechten Worte, doch dies traf es nicht. Erscheinung? Geist? Irrgänger? Was es auch war, es hatte zwei durchaus mächtige Liedwirker in arge Bedrängnis gebracht. Egal, erstmal das Wichtigste: Janus. Mit vorsichtigem Tasten näherte sie sich seinem Klang, spürte, wie er von selber wieder stärker wurde und schon im nächsten Moment schlug er die Augen auf.
Doch statt des erwarteten Ausdruck der Erleichterung, des erschöpften Lächelns oder gar eines lieben Wortes, trat Panik in seine Züge.
„Lea?“ Ein Wort so voller Unsicherheit, dabei sah sie ihm doch geradewegs in sein Gesicht? Es dauerte einen kleinen Moment, bis es in ihren Verstand träufelte: Er sah sie nicht. Er sah... gar nichts?
„Ruhig, Janus, ich bin hier“
Es war, als würde alleine der Klang ihrer Stimme ihn ruhiger werden lassen, denn die nächsten Worte kamen schon deutlich gefasster, die Worte, die ihren Verdacht im Grunde nur bestätigten. Ruhig, sachlich, nüchtern, wie es eben nur ein Magier konnte, fasste er die kleine Katastrophe zusammen „Ich kann nichts mehr sehen“.
Mehr Aufforderung brauchte es nicht. Schon im nächsten Moment tastete sich ihr Geist durch seine ureigene Melodie, musste keine Hindernisse überwinden, erforschte seinen Klang so ungehindert, wie es sonst wohl keiner konnte oder besser gesagt durfte. Ob der ausgezehrten Kräfte dauerte es eine ganze Weile, bis die Ursache gefunden war. Sie wusste instinktiv, selbst wenn sie gewollt hätte, sie hätte in diesem Moment nicht viel retten können. Zu komplex war die gestörte Klangstruktur, zu entkräftet sie selber. Vielleicht morgen oder übermorgen, so sich nicht von selber bereits eine Besserung eingestellt hatte. Dauerhaft würde die Erblindung nicht sein. Behutsam zog sie sich wieder zurück und beließ es dann bei eben so knappen Worten „Das wird in ein paar Tagen wieder.“
Dann herrschte wieder einträchtiges Schweigen. Beide hingen ihren Gedanken nach und waren einander vertraut genug, als dass die Stille hätte unangenehm werden können. Schließlich war es Janus, beide wieder in die Gegenwart holte.
„Du hast es auch wahrgenommen, nicht wahr? Diese Handschrift ist einfach unverkennbar...“
Sie brauchte nicht lange zögern, dennoch kam die Antwort leise, ungläubig und voller leisem Zorn: „Rabenmagie und davon nicht gerade wenig.“
„Diese Präsenz hat nach etwas gesucht. Sie ist ganz bewusst ausgesandt worden.“
„Und sie fand, was sie suchte. Kaum, dass sie deiner ansichtig wurde, wollte sie dich angehen. Das hätte ganz schön schief gehen können. Irgendwer hat es auf dich abgesehen. Also mehr als sonst jedenfalls.“
Wieder herrschte eine Weile Schweigen. Wozu die Fragen aussprechen, die sie im Kopf des anderen wussten? Wer? Wie? Warum? Sie hatten es überstanden. Diesmal. Ein weiteres Mal würde es nicht geben. Jemand hatte eine Grenze überschritten, sie in ihrem Heiligsten heimgesucht. Es gab Fehler, die tat man nicht ungestraft. Wer auch immer es gewagt hatte, er würde es bereuen.
- Neroith
- Beiträge: 708
- Registriert: Freitag 31. Oktober 2008, 04:44
danach.
Neroith war über seinen Büchern vertieft. Während der Ritualsvorbereitungen
war viel Arbeit liegen geblieben. Mit der Feder über das Pergament wandernd
erblickte er eine kleine Spinne über seinen Tisch krabbeln. Er blickte ihrem
Wege nach und schrieb dabei weiter. Er musste nicht sehen, was seine
schwungvollen Handbewegungen zeichneten. Doch sah er nicht das Ende
Blattes kommen und wischte sein Glas Wein ungeschickt vom Tisch.
"Bei den Göttern...", fluchte er und blickte an sich hinunter.
Seine Gewandung: Edelste Stoffe von meisterlicher Hand verarbeitet
und in den Siegelfarben der Burg Eisenwart gefärbt, hatte zu seiner
Erleichterung keine Spritzer abbekommen. Doch wabbte nun eine Lache
wie Blut vor ihm. Entnervt machte sich der Gelehrte auf , die schweren
Steintreppen hinauf zu ziehen und einen Lumpen aus der Waschkammer zu
entnehmen, als ihm plötzlich ein Zucken überkam. Neroith verharrte wie
erstarrt, versuchte zu ordnen was in diesem winzigen Moment durch
ihn Drang. Es war die Seele gewesen wie sie in einer Zerberstung aus
dieser Welt schied. Es musste die Seele des Ritalopfers gewesen sein.
Mit niemandem sonst hatte er je solch eine starke Seelenbindung
eingehen müssen. Doch was hatte dies zu bedeuten? Sie war nicht auf
dem bestimmten Wege aus dieser Welt gegangen. Dies stand außer Frage.
Doch hatte sie ihren Auftrag erfüllt? In Gedanken versunken nahm er
den Lumpen auf sich und zurück im Gewölbe wischte er den Flecken fort.
Nur an seine Arbeit machte er sich nicht mehr. Es war schon spät und
ein wenig Schlaf würde seine Sinne wieder schärfen.
war viel Arbeit liegen geblieben. Mit der Feder über das Pergament wandernd
erblickte er eine kleine Spinne über seinen Tisch krabbeln. Er blickte ihrem
Wege nach und schrieb dabei weiter. Er musste nicht sehen, was seine
schwungvollen Handbewegungen zeichneten. Doch sah er nicht das Ende
Blattes kommen und wischte sein Glas Wein ungeschickt vom Tisch.
"Bei den Göttern...", fluchte er und blickte an sich hinunter.
Seine Gewandung: Edelste Stoffe von meisterlicher Hand verarbeitet
und in den Siegelfarben der Burg Eisenwart gefärbt, hatte zu seiner
Erleichterung keine Spritzer abbekommen. Doch wabbte nun eine Lache
wie Blut vor ihm. Entnervt machte sich der Gelehrte auf , die schweren
Steintreppen hinauf zu ziehen und einen Lumpen aus der Waschkammer zu
entnehmen, als ihm plötzlich ein Zucken überkam. Neroith verharrte wie
erstarrt, versuchte zu ordnen was in diesem winzigen Moment durch
ihn Drang. Es war die Seele gewesen wie sie in einer Zerberstung aus
dieser Welt schied. Es musste die Seele des Ritalopfers gewesen sein.
Mit niemandem sonst hatte er je solch eine starke Seelenbindung
eingehen müssen. Doch was hatte dies zu bedeuten? Sie war nicht auf
dem bestimmten Wege aus dieser Welt gegangen. Dies stand außer Frage.
Doch hatte sie ihren Auftrag erfüllt? In Gedanken versunken nahm er
den Lumpen auf sich und zurück im Gewölbe wischte er den Flecken fort.
Nur an seine Arbeit machte er sich nicht mehr. Es war schon spät und
ein wenig Schlaf würde seine Sinne wieder schärfen.
btw. : Ruhm und Ehre der Eisenwart!
[img]http://i44.tinypic.com/10dse4n.jpg[/img]
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