Der Auftrag war einfach: Gewinne das Vertrauen des Weibchens, dessen Lautfolge „Annalisa van Gwinheer“ lautet. Gewinne das Vertrauen der Beute, die wie durch ein Wunder Verletzungen und tosende Wassermassen überlebt hatte. Schreibe dafür zuerst einen Brief und lasse Es hören, was ihm gefallen würde, nachdem du Es zu einem Treffen überredet hast. Was bedeutete das? In einem Anflug von Kreativität setzte Q’in den Federkiel an, nachdem jener nachlässig und viel zu stark in Tinte förmlich ertränkt worden war, sodass sich bereits dicke, schwarze Tropfen auf dem Papier abzeichneten. Kratzen, langanhaltend und immer wieder von langen Pausen unterbrochen, folgte, bis der Letharf auf sein Werk niedersah.
War es das, was sie lesen wollte? Es enthielt alle nötigen Informationen. Beide Parteien und das Anliegen des Schreibers. Besser konnte es kaum werden, effizienter schon gar nicht. Trotzdem war da die dunkle Erinnerung an die wenigen Lektionen in Rhetorik, bevor Q’in von seinem Meister von der Welt der Letharen abgeschnitten worden war. Eine klagende Stimme schrie verzweifelt gegen einen verbal plumpen Verstand an. Sie schrie so laut, dass die Stimme ihre Worte monoton und tot in den leeren Lehrraum des Unterschlupfes poltern ließ: „Es ist zu wenig.“ Es half nichts: Eine weitere Zeile auf dem noch immer fast gänzlich jungfräulichen Pergament wurde angebrochen. Zu ihr führte ein genau skizzierter Pfad an schwarzen Tintentropfen. Kratzen in der Dunkelheit.
Ja, das war besser. Zufrieden über die geschickte Wortwahl und die einlullende Sicherheit in diesen aneinandergereihten Schriftzeichen, nickte der Letharf nochmals. Aber diese verfluchte Stimme wollte noch immer nicht verstummen. Was konnte er noch machen, um das Schreiben zu perfektionieren? Ein letzter Versuch sollte Gewissheit über die unfassbaren, rhetorischen Mittel der Schlächterseele geben. Konzentriert starrten zwei rubinrote, pupillenlose Äuglein auf das nunmehr mit einem dritten, von Tropfen umrissenen Tintenpfad verzierte Pergament.
Der gefallene Lethrixor saß vor dem Pergament und dachte nach, während sein Blick über diverse Aushänge vom Marktplatz wischte. Umsichtig, wie er war, hatte sich der Letharf eben jene zum Selbststudium organisiert - natürlich ohne auf Akutalität zu achten. Q‘in konnte es lesen, doch die Herstellung eines solchen Schriftstückes war zu mühevoll - diesmal jedoch zwingend erforderlich. Wie also könnte man Nutzen mit Zwang arrangieren, vielleicht sogar mehr über die Eigenarten der Beute in Erfahrung bringen? Wie konnte man die noch immer klagende Stimme im Geist zum Schweigen bringen, jetzt, nachdem scheinbar alle rhetorischen Kniffe, die noch in Erinnerung geblieben waren, erschöpft waren?
Dass der Blick Q’ins bei seinen Gedankengängen immer weiter von den Pergamenten abwich und langsam zu der angelehnten Kriegsaxt drehte, war kein gutes Zeichen. Und doch blieb der gefallene Letharf ruhig, als sein Geist einen gar meisterlichen Plan schuf. „Darna…“ Die Niederlage, die Schmach. Aber auch dort hatte er mit Worten kommuniziert. Er hatte schreiben lassen.
Schreiben lassen!
Kein Wunder, dass die Letharen die überlegene Rasse waren. Der messerscharfe Verstand fand ohne Probleme einen Weg, sich auf primitive Goblinoide einzulassen. Gleich, ob sie „Menschen“ geheißen wurden.
Der Letharf brach auf, ohne großartig aufzufräumen. Sowas hielt nur auf.