Das ist der Beginn einer großen Freundschaft...

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Q´in

Das ist der Beginn einer großen Freundschaft...

Beitrag von Q´in »

Schreiben. Ein Prozess, der so schwer nicht sein kann. Warum auch? Etwas von der Tinte, ein wenig vom Pergament und dann noch Worte. Jene formt man aus, sodass sie stumm werden auf dem Untergrund, jedoch durch jeden anderen wieder in Laute umgewandelt werden können. Kommunikation durch Mitteilung. Kommunikation durch Worte. Wenn der andere denn die Worte aus den Zeichen entziffern kann. Wenn man die Zeichen denn… schreiben kann.

Der Auftrag war einfach: Gewinne das Vertrauen des Weibchens, dessen Lautfolge „Annalisa van Gwinheer“ lautet. Gewinne das Vertrauen der Beute, die wie durch ein Wunder Verletzungen und tosende Wassermassen überlebt hatte. Schreibe dafür zuerst einen Brief und lasse Es hören, was ihm gefallen würde, nachdem du Es zu einem Treffen überredet hast. Was bedeutete das? In einem Anflug von Kreativität setzte Q’in den Federkiel an, nachdem jener nachlässig und viel zu stark in Tinte förmlich ertränkt worden war, sodass sich bereits dicke, schwarze Tropfen auf dem Papier abzeichneten. Kratzen, langanhaltend und immer wieder von langen Pausen unterbrochen, folgte, bis der Letharf auf sein Werk niedersah.

Q’in will Annalisa van Gwinheer treffen.
Es nenne Zeit und Ort. Q’in.

War es das, was sie lesen wollte? Es enthielt alle nötigen Informationen. Beide Parteien und das Anliegen des Schreibers. Besser konnte es kaum werden, effizienter schon gar nicht. Trotzdem war da die dunkle Erinnerung an die wenigen Lektionen in Rhetorik, bevor Q’in von seinem Meister von der Welt der Letharen abgeschnitten worden war. Eine klagende Stimme schrie verzweifelt gegen einen verbal plumpen Verstand an. Sie schrie so laut, dass die Stimme ihre Worte monoton und tot in den leeren Lehrraum des Unterschlupfes poltern ließ: „Es ist zu wenig.“ Es half nichts: Eine weitere Zeile auf dem noch immer fast gänzlich jungfräulichen Pergament wurde angebrochen. Zu ihr führte ein genau skizzierter Pfad an schwarzen Tintentropfen. Kratzen in der Dunkelheit.

Q’in will Annalisa van Gwinheer treffen. Es nenne
Zeit und Ort. Es wird nicht getötet werden. Q’in.

Ja, das war besser. Zufrieden über die geschickte Wortwahl und die einlullende Sicherheit in diesen aneinandergereihten Schriftzeichen, nickte der Letharf nochmals. Aber diese verfluchte Stimme wollte noch immer nicht verstummen. Was konnte er noch machen, um das Schreiben zu perfektionieren? Ein letzter Versuch sollte Gewissheit über die unfassbaren, rhetorischen Mittel der Schlächterseele geben. Konzentriert starrten zwei rubinrote, pupillenlose Äuglein auf das nunmehr mit einem dritten, von Tropfen umrissenen Tintenpfad verzierte Pergament.

Q’in will Annalisa van Gwinheer treffen. Das Weibchen
nenne Zeit und Ort. Das Weibchen wird den Ort nicht
tot verlassen, wenn es das nicht will. Q'in.

Der gefallene Lethrixor saß vor dem Pergament und dachte nach, während sein Blick über diverse Aushänge vom Marktplatz wischte. Umsichtig, wie er war, hatte sich der Letharf eben jene zum Selbststudium organisiert - natürlich ohne auf Akutalität zu achten. Q‘in konnte es lesen, doch die Herstellung eines solchen Schriftstückes war zu mühevoll - diesmal jedoch zwingend erforderlich. Wie also könnte man Nutzen mit Zwang arrangieren, vielleicht sogar mehr über die Eigenarten der Beute in Erfahrung bringen? Wie konnte man die noch immer klagende Stimme im Geist zum Schweigen bringen, jetzt, nachdem scheinbar alle rhetorischen Kniffe, die noch in Erinnerung geblieben waren, erschöpft waren?

Dass der Blick Q’ins bei seinen Gedankengängen immer weiter von den Pergamenten abwich und langsam zu der angelehnten Kriegsaxt drehte, war kein gutes Zeichen. Und doch blieb der gefallene Letharf ruhig, als sein Geist einen gar meisterlichen Plan schuf. „Darna…“ Die Niederlage, die Schmach. Aber auch dort hatte er mit Worten kommuniziert. Er hatte schreiben lassen.

Schreiben lassen!

Kein Wunder, dass die Letharen die überlegene Rasse waren. Der messerscharfe Verstand fand ohne Probleme einen Weg, sich auf primitive Goblinoide einzulassen. Gleich, ob sie „Menschen“ geheißen wurden.

Der Letharf brach auf, ohne großartig aufzufräumen. Sowas hielt nur auf.
Zuletzt geändert von Q´in am Donnerstag 24. Januar 2008, 21:24, insgesamt 1-mal geändert.
Lys´Xaera

Beitrag von Lys´Xaera »

Gerade noch hielt sie die Hand ausgestreckt, um dem Letharfen am Lager anzudeuten, welche Truhe er ihr zu reichen hatte, doch die schlurfenden Schritte, die sich ihr näherten, kündeten von einem der Letharfen, denen man besser den Vortritt gwährte...
Und so trat sie beiseite, lehnte sich die Hände locker ineinander verschränkend, gegen einen der nahen Tische und wartete ab.

Seltsam war dieser Letharf, schlecht einzuschätzen... nein, gar nicht einzuschätzen. Und das war es, was sie noch weitaus weniger ausstehen konnte, als der Jähzorn, der manch anderen Letharfen umgab wie eine stets präsente, Unheil verkündende Aura.
Aber das war etwas, auf das man gefasst sein konnte.
Nicht so jedoch das merkwürdige Gebahren Q'ins.

Und was wollte er nun von ihr? Seiner Truhe hatte er nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt, das Gerümpel darin quoll geradezu über, für Lys, die stets darauf bedacht war, penibelste Ordnung zu halten, ein weiterer Punkt auf ihrer Liste - gegen diesen Letharfen.

Und nun gar diese dämlichen Fragen.
Ob sie schreiben könne! Natürlich kann sie. Wer kann nicht... !

Doch rasch schalt sie sich im Stillen selbst ihrer Respektlosigkeit, die sie sich wenn möglich auch in ihren bloßen Gedanken versagte, denn zu rasch waren ihre Gedanken auch auf ihrer Zunge, das wusste sie nur zu genau.
So verlegte sie sich also darauf, zuzuhören, heraus zu finden, was jene merkwürdige Gestalt von ihr wünschte.

Und nicht lange dauerte es, bis er sie aufforderte, ihm zu folgen.. in die hinteren Räumlichkeiten. Papier wurde aus dem Regal gerissen und wirbelte auf den Tisch, neben den Tisch, das Tintenfass, es geriet leicht ins Schwanken, darauf platziert, die Feder achtlos zwischen die Blätter geklemmt...

Doch war die Sache bis jetzt undurchsichtig und kaum zu begreifen, fühlte sich Lys nun vollkommen in der Luft hängen.
So manche Aufgabe wurd eihr gestellt, doch ob es darum ging, Gefangene zu beschaffen, für Blut, Leichenteile, sonstige Materialien zu sammeln, Einkäufe zu tätigen, oder um die schwierige Sache der Diplomatie... es war völlig gleich. Denn alles war mit der Waffe oder einer spitzen Zunge zu erledigen.
Doch nun sollte sie ein ihr wirr erscheinendes Anliegen zu Papier bringen.

Und das so, dass es Vertrauen erweckt, in einem Fall, in welchem das Vertrauen wohl nahezu nichtig sein dürfte - das war es, was sie aus den Worten Q'ins heraus gehört hatte...
Und mehr gab es nicht zu hören.
Nichts.
Er will sie treffen.
Gut.
Sie wird nicht sterben, noch verletzt werden.
Gut.

Doch so sehr Lys es im Geiste auch drehte und wendete... nein, dies ließ sich nicht auf dem Papier zum Ausdruck bringen.

Und so blieb ihr nichts übrig, als ihre Zeilen kurz zu halten, den bloßen, sachlichen Inhalt zu verfassen.
Innerlich atmete sie erleichtert auf, als Q'in ihrem Vorschlag zustimmte - sie würde den Brief personlich überbringen. Das gäbe ihr Gelegenheit, der Bäuerin das Vertrauen zu übermitteln, welches ein geschriebenes Wort nicht auszudrücken vermochte.

Ob es indess gerechtfertigt sein würde, war ihr vollkommen gleich ...



So entstand ein knapp gehaltener Brief, nichtsdestotrotz sorgfältig verfasst, die Zeichen der menschlichen Schrift eines ums andere sorgfältig geschrieben...


Ich ersuche Euch um ein erneutes Treffen, Annalisa van Gwinheer.
Seid versichert, dass Euch diesmal nichts geschehen wird.
Lediglich ein Gespräch ist es, an welchem ich mein Interesse bekunde.

Q'in


Die Unterschrift, so sie dieser Bezeichnung überhaupt würdig war, hatte der Lethaf selbst unter den Brief gesetzt - unbeholfen und kantig.

Lys würde den Brief überbringen... und sie würde dafür sorgen, dass die junge Bäuerin einem Treffen zustimmen würde.
Natürlich würde sie sich nie den Anweisungen des Letharfen wiedersetzen und diese oder ihr nahestehende Familienmitglieder schädigen..
Aber sie war sich sicher, dass es andere Möglichkeiten gab, so sich Annalisa nicht einsichtig zeigte.......
Zuletzt geändert von Lys´Xaera am Mittwoch 30. Januar 2008, 22:21, insgesamt 2-mal geändert.
Annalisa van Gwinheer

Beitrag von Annalisa van Gwinheer »

Es war diesmal nicht die bereits verheilte Wunde die ihr Schmerzen zu fügte, nein, diesmal waren es die Gedanken an das Geschehene welches die Verletzungen einst hervorgerufen hatten. Die spitzen, krallenartigen Nägel .. der faulige Atem .. die pure Mordlust, entstanden aus der schlichten Langenweile, in den mandelförmigen Augen .. all dies wollte sie sicherlich nicht nochmals erleben, und doch hielt sie nun dieses zerknitterte Pergament in den Händen. Er, gerade dieser Lethar, bat um ein weiteres Treffen.

Die Fingerkuppen glitten langsam über die noch immer etwas unebene Haut des Halses hinweg. Einst befanden sich hier die deutlichen Stiche der Letharennägel, welche von ungesunden, roten Hautirritationen umgeben waren. Der Druck, welchen die Hand ausübte, äußerte sich in der blauen Färbung des gesamten Halses. Ehre? Ein Ausdruck welche dieses, in Annalisas Augen, fehlgeleitete Kind des All-Einen wohl nicht genauer definieren konnte. Möglicherweise wußte der Lethar nicht einmal etwas mit diesem Begriff anzufangen.

Und nun stand sie hier: Die Lethra, welche im Befehl des verachteten und verstoßenen Letharen, die Pergamentrolle überreichen sollte. Er erwartet eine Antwort, sofort. Eine Antwort von der Frau, einer angesehenen Templerfamilie, die er beinahe aus purer Langenweile umgebracht hätte. Eine Aktion, die das Vertrauen gegenüber dem Volk der sonst so ehrenwerten Letharen deutlich abschwächte. Und dennoch, welches Ziel würde er mit diesem angestrebten Treffen verfolgen? Er verlor alles was ihn als angesehen Letharen ausmachte: Die Rune welche einst den schlanken Hals prägte, wie auch das echsenartige Reittier - beides befand sich im Besitz der Familie van Gwinheer. Aus welchem Grund also sollte er neuerlich die Familie aufsuchen? Eine Frage, deren Antwort man wohl nur erhalten wird, so man sich auf dieses Treffen einlässt. Es sei denn ..

.. lauernd ruhte der Blick nun auf der Lethra. Sicherlich wußte sie aus welchen Gründen er darum bat. Worte, welche sie sicherlich nicht hätte sagen dürfen, verließen den Mund der Lethra und doch waren es nicht die Silben, welche Annalisa überzeugten. Nein. Je länger sie diesen Gedankengängen nachging, umso mehr ballte sich die Hand um dem Pergament zu einer Faust. So etwas würde sie nicht mehr mit sich machen lassen und doch spürte sie die naive Neugierde in sich aufkeimen. Er hatte einen Grund und diesen Grund galt es zu ergründen.

Die Zustimmung ging so dann einher mit einer Abmachung: Das Gespräch sollte nicht wie wohl geplant unter vier Augen statt finden, sondern würde nun von der Lethra selber beobachtet werden. War sie eine Art Schutz, oder stellte sie in dem Fall schlichtweg eine neutrale Beobachterin dar? Wie dem auch sei:

Die Neugierde trieb Annalisa an, sollte er neuerlich einen Fehler begehen, würde er nicht nur mit einem Fetzen Haut zahlen müssen, dessen war sie sich bewusst ..
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