Als ob er schon ewig auf jenem Platze liegen und dazugehören solle, liegt er nun auf dem kleinen Tisch in der Kammer Munayas und Nasiras. Auf ihm geschrieben steht in geschwungener, feiner Schrift:
An meine große Schwester...
Nur durch den Mund des Absenders mögen der Bote und die Wachen erfahren haben, das jener Brief an Munaya gerichtet sei.
Sobald der Brief geöffnet und auseinandergefaltet, eröffnen sich dem Leser folgende Worte:
Salam Munaya, meine Schwester des Herzens!
Ich wollte dich nicht lange in Unwissenheit lassen und dir so schnell wie mir möglich berichten. Radeh hat immer noch hohes Fieber, doch glaubt der Heiler des Dorfes nun endlich die Ursache gefunden zu haben.
Jeden Abend bete ich mit meiner Mara und meinen Schwestern um ihn, bitte Eluive um ihre Kraft.
Ein jeder in der Ansiedlung hier sieht mich auf einmal ganz anders an, es ist schon seltsam. Als ob man jemand ganz anderes sei, jemand, den sie zuvor nicht kannten. Du hattest wohl doch recht mit deinen Worten, über die Perlen, die der Erhabene wählt.
Nur Mara und Radeh sehen mich wie eh und je an. Sie geben mir Kraft, wecken in mir wieder das Bewusstsein unserer Traditionen und unseres Volkes.
Ich bin so unendlich dankbar, dass der Erhabene mich gehen ließ. Vielleicht sagst du ihm jenes nochmal, auch wenn ich es wohl hundertfach machen werde, wenn ich wieder zurückkehre.
Wenn die Medizin des Heilers anschlägt innerhalb des nächsten Wochenlaufs, werde ich wohl hier nicht mehr benötigt und wiederkehren können und mich meiner eigentlichen Aufgabe zuwenden.
Bis dahin werde ich dich und unseren Erhabenen weiter in meinem Herzen tragen. Meine Schwester, meine Freundin und viel mehr als das!
Eluive segne deine Träume, schütze deine Wege und schenke dir ein Herz voller Freude...
Wohl wird beim Auseinanderfalten des Briefes etwas Sand hinausrieseln und eine Blüte, zusammengepresst und getrocknet.
Ein schimmerndes Gelb wird man erkennen, die Blätter enden spitz und lassen die Blüte einem Sterne gleichen.
Eventuell mag einem noch der restliche süße Duft der Blüte einem entgegenkommen und in einem Bilder von Oasen und weiten Sanddünen aufblenden lassen.