Am Anfang des Weges steht der Wunsch...

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Xam´ael

Am Anfang des Weges steht der Wunsch...

Beitrag von Xam´ael »

Lang starrte der junge Letharf auf das weiße Blatt Papier vor sich, Gedanken streiften seinen Geist, ab und zu starrten die dunkelgrünen mandelförmigen Augen auf das vor im tänzelnde Licht der Kerze. Der Schimmer strahlte nur ein paar Schritte weit, und nach einem ganzen Tag voll ermüdender Meditation ließ die Konzentration langsam nach. Mit der Rechten strich er sich die Strähnen aus dem Gesicht und ließ ein Seufzen seinen Lippen entlocken. War da gerade ein leichter Kopfschmerz, der sich in seiner linken Schläfe manifestierte?
Nein, es war etwas anderes. Da war etwas… aus dem Zwielicht schälte sich die Gestalt Velvyr’taes grazil heraus. Wie lange sie schon den Jüngling beobachtete? Seine Schritte abwägte? Stets neugierig. Ihre Augen verrieten sie. Doch kam sie ihm gelegen, er wies sie an, sich zu setzen, und ihm alles über die Lethyren des Unterschlupfes zu erzählen.

Wie es üblich ist, leistete sie seinem Wunsch Folge, und sprach zum Jüngling über Mory’tael, den Erhabenen, der mit seiner Weisheit, die er sich im Laufe seines überaus langen Lebens angeeignet hatte, seine Brüder und Schwestern aus vielen Nöten geleitet hat, sowie über Syrr’ael, den gestrengen und sehr mächtigen Lethyr. Ein Blinzeln schien den Letharfen doch zu verraten, ward Letztgenannter doch ein interessantes und gleichzeitig etwas Furcht einflössendes Thema.
Vor kurzem erst war Xam’ael von der Prüfung zurückgekehrt, die seinen Geist prüfen sollte. Und da er nicht dem Wahnsinn verfallen war, schien er sie auch bestanden zu haben, er war bereit, die Stimme des All-Vaters zu erhören, war würdig, Seine Worte zu interpretieren.

Nachdem Velvyr’tae wieder gegangen war, tauchte er vorsichtig die Spitze des fein ausgearbeiteten Schreibinstruments in das kleine Tintenfässchens, welches sich neben dem weißen Blatt Papier befand. Sanft drückte er die Spitze auf das Pergament, um eine Nachricht zu verfassen.


Des Einen Vaters Segen, Erhabener Syrr’ael,

wie es der Wunsch des Lethyrs Zharr'quel war, kehre ich zurück in den Unterschlupf mit dem Geschenk Unseres Vaters, Seine Stimme die meinen Geist berührte. So unterwies mich der Lethyr Zharr'quel darin, den Hass zu meinem Werkzeug zu formen um mich des Geschenks würdig zu erweisen.
Jedoch, so die Worte des Lethyrs Zharr'quel, bedarf es eines erfahrenen, weisen und mächtigen Herrn um diese Waffe weiter zu bearbeiten, bis sie eine tödliche Waffe wird. So entspreche ich dem Wunsch des Lethyrs, der mich zu Euch sandte, damit Ihr, Erhabener Syrr'ael, über meine weitere Laufbahn entscheidet.

In höchster Demut



Xam'ael



Langsam setzte er den Federkiel ab und legte ihn zur Seite, darauf wartend, dass die Tinte trocknete. Erneut las er dabei das Geschriebene erneut durch. Bald, dachte der Jüngling bei sich, bald wird es beginnen. Währenddessen öffnete er ein kleines Säckel, aus dem er ein kurzes Stück Wachs zog, welches er über die tanzende Flamme der Kerze am Tisch hielt. Sogleich verflüssigte sich die Wachsspitze, die Hitze strömte weiter, in seine Finger. Leise zischte er, sog gierig den Schmerz in sich auf, labte sich einen Moment lang an ihm, ehe er das Wachs auf das zusammengerollte Pergament presste, und dieses mit einem einfachen Tropfen versiegelte. Das Kribbeln in den Fingern verebbte langsam und nach einem Moment erhob sich der Letharf, um dafür zu sorgen, dass die Nachricht Syrr’ael erreichen würde.
Zuletzt geändert von Xam´ael am Dienstag 10. Juli 2007, 00:20, insgesamt 1-mal geändert.
Xam´ael

Beitrag von Xam´ael »

Wie ein Gefäß aus purem Hass stand die in feine Kleider gehüllte Person vor ihm, die feingliedrigen Finger um einen mit magischen Sigeln verzierten Stab geschlungen. Der abwägende Blick auf ihn lastete schwer auf Xam'aels Schulter, das Gewicht war beinahe unerträglich - in die Knie musste er sinken, um sich zu stützen, das Atmen fiel ihm sichtlich und hörbar schwer, ein leises Keuchen kroch aus seinem Hals.
Gezittert hatte er nicht, doch eine innere Unruhe überkam ihn momentan, als die Gestalt die weite Höhle betrat, und sich vor ihm aufbaute. Wohl wahr, der Disharmonie des Vaters gab der Erhabene Syrr'ael sich nur zu gerne hin, von ihr umhüllt war er, ihr Klang war verstörend, und beinahe glaubte der Jüngling, sie auch hören zu können. Wunderbar.

Der Lethyr Zharr'quel schickt dich also zu mir... waren die ersten Worte, die Syrr'ael von sich gab. Fast zu ruhig schienen sie zu sein, abwartend, ruhend, wie ein Raubtier, welches sich auf die Lauer gelegt hatte. Es wartete, dass seine Beute nur einen kleinen Fehler machte.
Nickend und keuchend stimmte der junge Letharf den Ausführungen des Erhabenen zu, Erklärungen folgten, zuerst schmeichelnde Worte, die den Jungen in Sicherheit wiegten - er werde ihn ausbilden, er werde auf ihn achten, er werde aus ihm einen mächtigen Verbündeten des Vaters machen - um ihn im nächsten Augenblick zu Boden zu werden, zu zerschmettern, und zu zerreissen. Einen grellen Lichtblitz, dessen Reflektionen verwirrende Schatten an die Höhlenwand zeichneten, jagte er in ein kleines Höhlentier, welches er zuerst aus den tiefsten Tiefen der Disharmonie beschworen hatte, um zu verdeutlichen, was mit dem Knaben geschehen würde wenn der Herr nicht zufrieden sein würde. Nur zu deutlich erinnerte sich Xam'ael an die Worte, die sein alter Lehrer Zharr'quel ihm nach der Prüfung seines Geistes eingetrichtert hatte.

Versagen wird nicht toleriert. wiederholte Syrr'ael in strengem Ton diese Worte, die sich sogleich wie Brandzeichen in seinen Geist schweißten. Zischend wandte der Jüngling das Haupt, und bejahte die unausgesprochene Drohung nur, in ihm weckte sich etwas, wonach er seit seiner Prüfung gierte. Schmerz... denn er führte zum Hass. Es war der Weg des Vaters. Und die Antwort, die aus Xam'aels Mund kam, war süß und bitter zugleich. Ja... mein Meister.
Xam´ael

Beitrag von Xam´ael »

Die Realität, die Wahrheit... kennst du sie, mein Schüler? begann Syrr'ael seine Unterrichtsstunde, mit erhobenem Kinn blickte er auf Xam'ael hinab, der in Demut gebeugt neben ihm stand, seine Worte aufnehmend, während die Lethra des Erhabenen muskulösen Oberkörper wusch - er schenkte ihr keine Beachtung.
Gleichzeitig nahm er einen Schluck vom Wein, mit dem er seine vom Training trockene Kehle benetzte. Ein guter Tropfen, den er da genoß. Ja, heute war ein guter Tag.

Der Schüler atmete kurz ein, doch gab keine Antwort. Keineswegs aus Unwissenheit, sein alter Meister Zharr'quel, das alte klapprige Gestell, nur mehr Haut und Knochen, brachte ihn bereits bei seiner Geistesprüfung an die Grenze des Schmerzes. Xam'ael wusste, dass die Antwort auf die Frage des Lehrmeisters ihn über diese Grenze hinausstoßen würde.
Gehen wir ein Stück. gab der Meister vor, und streckte die Arme leicht zur Seite, die Lethra, die inzwischen den Schweiß von seinem Körper gewischt und sein onyxfarbenes Haar glattgekämmt hatte, kleidete ihn in eine schlichte schwarze Robe, und ließ von ihm ab, in die Schatten gleitend.
Auf der anderen Seite blendete die untergehende Sonne den Schüler, von der Spitze des Berges, der sich vor Rahal erstreckte, konnte man über die gesamte Stadt blicken, und ihr geschäftiges Treiben in Ruhe beobachten. Die Wahrheit, mein Schüler, und vernehme sie wohl, ist, dass wir die erretteten Kinder unseres Vaters, des Pantherfürsten, sind. Eluives Lied, die Worte der falschen Mutter, sind wie ein Käfig, und hält alle darin gefangen, unfähig, die Realität erkennen zu können. sprach der Lehrer mit erhobener Stimme. Seine Augen streiften über die Dächer der Stadt, und erfassten eine Gruppe von Menschen, die gerade mit dem Satteln von drei Pferden beschäftigt waren.
Alatar hat uns befreit, mein Schüler, herausgeholt aus diesem verlogenen Käfig, und wir sind es, die der Disharmonie unseres Vaters folgen.. noch mehr sogar, jauchzte der Erhabene beinahe frohlockend, wir, die Lethyren geben uns der Disharmonie hin, um Macht zu erlangen. Syrr'ael ballte eine Faust und hob sie an, sodass der Schüler sie sehen konnte. Gleichzeitig erklärte er ihm die grundlegenden Prinzipien der manipulativen Kräfte der Disharmonie, die wie ein Ballen aus Fäden über dem verhassten Lied Eluives liegt. Dazu legte er die zweite Hand über die geballte Faust. Es ist simpel, mein Schüler. Zupfst du einen Faden der Disharmonie, so geht die Schwingung auf Eluives Fäden über.

Der Lethyr spannte seinen Körper kurz, und blickte, teils mit argwöhnischem, teils mit spottenden Blick auf Rahal herab. Tief atmete er die laue Luft ein, und verharrte in Schweigen. Xam'ael stand neben ihm, die "Wahrheit" langsam in sich aufnehmend. Es ist wichtig, das Grundlegende zu verstehen, zu wissen, wie die Disharmonie wirkt, um sie auch anwenden zu können. Seine rechte Hand schmerzte kurz auf, und erinnerte ihn nur zu deutlich an den Schmerz, den bitter-süßen Schmerz, von dem er einen Moment lang kosten durfte. Denn der Schmerz gebärt Hass. Das erste Dogma war geformt und in Xam'aels Geist fest verankert worden.

Die Menschen dort unten... diese Kreaturen aus Eluives allumfassenden falschen Lied...eingepfercht in diesem unsichtbaren Käfig, aus dem sie nie entkommen werden... sie können die Wahrheit niemals erfahren. Sie würden sie einfach nicht verstehen, denn diese Wahrheit geht über die Grenzen ihres Verstandes hinaus. Und weil sie Kreaturen aus Eluives Lied sind, sind sie leicht zu manipulieren, denn letztendlich sind sie alle Werkzeuge, die wir benutzen, um dieses Gesindel zu vernichten.
Langsam senkte Syrr'ael seinen Blick, und schwenkte ihn dann zu seinem Schüler zur Seite, ihn noch wohlwollend musternd. Aufmerksam hörte Xam'ael den Worten seines Lehrmeisters zu und speicherte jede Information, denn sie würde ihn näher an den All-Vater bringen, sich selbst zu einem Werkzeug Seines Willens machen.

Mein Meister, welche Wege führen zur Macht unseres Vaters? drang aus des Schülers Kehle heraus. Kurz schwieg Syrr'ael, ehe er seine dünnen Lippen öffnete und entgegnete: Viele, mein Schüler, doch der Einfachste führt über den Schmerz. Folge mir in den Unterschlupf zurück.
Xam´ael

Beitrag von Xam´ael »

Die dunkle Kammer war stickig, und nur zwei flackernde Fackeln an der Wand spendeten ein wenig Licht, tauchten aber gleichzeitig die alten Bücher, die in den verstaubten Regalen standen, in eine zwielichtige bizzare Form. Syrr'ael befahl dem Schüler, sich zu setzen. Der praktische Unterricht würde beginnen.

Mein Schüler, was weisst du über den Hass? fragte er mit leiser nasaler Stimme, der Ende des Satzes gipfelte in einem erhobenen Ton. Die feingliedrigen Finger verschränkten sich vor der Brust des Meisters, langsam wanderte er auf und ab, und wartete auf die Antwort des Jünglings.
Der Hass entrinnt dem Schmerz, durch ihn ist es uns möglich, die Disharmonie in uns aufzunehmen, und uns ihr hinzugeben. antwortete Xam'ael mit ruhiger Stimme. Perfekt. Wie aus dem Lehrbuch zitiert. Ein Schmunzeln stahl sich auf Syrr'aels Gesicht, seine Mundwinkel fuhren langsam nach oben, und formten aus dem glatten, dunkelblauen Gesicht eine diffuse Fratze.
Es ist viel mehr als das, mein Schüler. Wisse, dass Hass wie ein Gletscher, kalt, wartend, voller heimtückischer Spalten, und Geduld, doch Hass ist auch wie ein zehrendes Feuer, welches wild um sich greift, und in seiner Gier alles verschlingt. führte der Meister seine Rede aus, dabei löste er seine Finger wieder auseinander und schwang diese deutend vor sich her. Wohlwahr, er hörte sich selbst gerne reden. Tritt vor, und mache deinen Oberkörper frei.

Ohne zu zögern, leistete er dem Wunsch Syrr'aels Folge, und entkleidete seinen Oberkörper, nur kleine Narben zierten die schmächtige, magere Brust, die blaue Haut war noch beinah makellos. Als der Lehrmeister sich seinem Schüler zuwandte, hatte er bereits einen Dolch in der Hand, dessen Spitze bereits glühte, und ein helles Leuchten von sich gab. So werden wir dich über den Hass hinausstoßen, mein Schüler. Nähre dich an ihm, greif nach ihm, und du wirst fühlen, wie die Disharmonie lockend nach dir ruft. Und wenn du sie hörst... folge ihr. So kurz wie er seine Ausführungen hielt, stieß er sogleich die Spitze des Dolchs ungefähr zwei Fingerbreit in Xam'aels Brust, der sofort von Wellen des Schmerzes durchflutet wurde. Die Klinge war wohl magisch verarbeitet, denn glich die Wunde, die der dünne Dolch zog, keiner tödlichen oder überaus qualvollen, sandte die glühende Spitze Wogen heißen, brennenden, süßen Schmerzes aus.
Xam'ael warf den Kopf zurück, und zischte laut aus, der Brustkorb hob und senkte sich panisch, seine Nasenflügel bebten und zogen gierig die Luft ein, und stießen sie gleichzeitig energisch wieder aus. Seine Zähne bissen heftig aufeinander und gaben ein leises Knirschen von sich, einem Protest gleichend. Und der Schmerz floß weiter, bohrte sich in den Schädel des Schülers, und drohte, ihn gänzlich zu konsumieren wie die zuvor beschriebene geifernde und ungezähmte Flamme. So gab er sich diesem Schmerz hin, aus welchem Hass geboren wurde. Dieser Hass, heiss, pochend in seinen Schläfen, raubte ihm beinahe den Verstand. Kein Vergleich... zur Prüfung... der Hass... er brennt... rief des Schülers Verstand, und gleichzeitig versuchte er, den Reflex zu unterdrücken, sich von der Klinge zu entfernen, oder die Hand des Meisters wegzustoßen. Dieser rezitierte gleichzeitig leise murmelnd das Dogma, während seine wachsamen Augen auf seinem Schüler ruhten, den er peinigte, denn auch er nährte sich an dem aufkeimenden Hass.

Frieden gibt es nicht, nur Schmerz.
Durch Schmerz erlange ich Hass.
Durch Hass erlange ich Macht.
Durch Macht erlange ich den Sieg.
Durch den Sieg bersten die Ketten Alatars.
Dadurch erlange ich meine Kraft.


Diese Worte brannten sich in den Geist Xam'aels, während er weiterhin gierig den Hass in sich aufsog, der durch den Schmerz, den der Dolch in seiner Brust verursachte, weiter angefacht wurde. Der Jüngling glich nun einem Gefäß, in welches man Wein eingoß, aber nicht darauf achtete, wann das Gefäß selbst bis zum Rand gefüllt war. Der Meister wollte ihn zum Überlaufen bringen, denn der erste Tropfen, der über den Rand des Gefäßes schwappte, würde die Macht sein, nach der er verlangte.

So geschah es, dass der junge Letharf, keuchend und japsend, seine vor Pein zugepressten Augen weit öffnete, und dabei ausatmete. Die dunkelgrünen Augen waren von Hass und Schmerz beseelt, strahlten ein feines Funkeln aus, und dieser kleine Funke manifestierte sich just in diesem Augenblick in der Realität. Ein Gebrechenszauber scheinbar, so erkannte das geschulte Auge des Meisterlethyrs in der Form und im disharmonischen Aufbau des rötlich pulsierenden Funkens, jedoch nicht stark genug, um Schaden anzurichten. Es war doch nur ein Tropfen, der übergegangen war. Mit dem Zeigefinger seiner Rechten lenkte er den Funken zuerst zu sich, um ihn daraufhin gegen die Wand abzuleiten, wo er in Tausende kleinerer Funken zerstob und sich auflöste.

Währenddessen sackte der erschöpfte Schüler auf dem Tisch, der hinter ihm stand, zusammen, laut schnaufend und keuchend, der Dolch verschwand in des Meisters Gewand so schnell, wie er ihn gezogen hatte, ein Faden Blut floß aus der Wunde, welche durch die pulsierende Hitze sogleich kauterisiert wurde. Der Schmerz pochte noch, der Hass hatte ihn vollends übermannt. Wunderbar.

Sehr gut. Der erste Schritt ist getan. lobte der Meister den Schüler und zog erneut die Mundwinkel hoch. Jedoch glich es eher einem irren Kichern.
Zuletzt geändert von Xam´ael am Freitag 20. Juli 2007, 15:54, insgesamt 2-mal geändert.
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Nur ein Kristall?

Beitrag von Syrr'ael »

"Ich stelle mir oft vor dass das Meer die Tränen jener Wesen sind, denen es vergönnt war für den Vater leiden und sterben zu dürfen, Xam'ael."
Ein schweifender Blick über die Wellen aus einem mandelförmigen Augenpaar dass in seiner Beschaffenheit reinen Bernstein glich, in dem Hass einem Insekt gleich eingeschlossen war.
"Die Schöpfung der verlogenen Mutter - sie widert mich an. In meinen Träumen sehe ich verbrannte, tote Erde die vom Blut der Erschlagenen getränkt ist und Berge aus zerstückelten Leiber die die Landschaft zieren."
Donnernd schlug eine Brandungswelle gegen die zerklüftete Steilküste und ließ die Gischt weit in die Höhe spritzen, wo einige Spritzer salzigen Wassers vom Stoff der Robe des Lethyren gierig aufgesogen wurden.
"Wisse, dass dies der Grund ist aus dem wir die Perfektion unserer Künste anstreben müssen, mein Schüler - dass diese Vision wahr werden kann."
Perfektion.
Das Streben danach, dem Vater so zu dienen wie es die Bestimmung eines jeden Einzelnen verlangte. Es hatte viel mit Hingabe und Leidenschaft zu tun, aber auch mit Skrupellosigkeit und Zielstrebigkeit.
Es war wie einen Klumpen Kristall in ein funkelndes Juwel zu verwandeln.
Xam´ael war ein solcher Kristall, noch ungeschliffen und voller Makel - doch mit dem Potential zu wahrer Größe.

Es würde sich zeigen, ob der Schüler stark - hart - genug war um zu bestehen und zu einem Juwel zu werden - oder ob er zerbrechen würde, dazu verdammt zu Staub zermalmt zu werden.
Ja, die Zeit würde es zeigen.
Xam´ael

Vorbereitung und Nachdenken

Beitrag von Xam´ael »

Betörende Stille legte sich über den Lehrsaal, allein verharrte der Schüler auf einem einfachen hölzernen Stuhl, der an einem schweren Tisch stand. Die Haare waren nach hinten zu einem Zopf zusammengeflochten - in Xam'aels Augen war dies ein Zeichen der Belesenheit und der Nachdenklichkeit. Die Feder huschte gekonnt über das Papier und versiegelte so Gedanken und Recherchen für die Ewigkeit des Geistes. Ein feiner Luftzug kam auf, der zwei, drei Blätter an das andere Ende des Tisches warf. Ein leises Grummeln entfleuchte aus der Kehle des Jünglings, ehe er sich mühsam erhob, und dabei leise keuchte, und sich die Brust hielt.
Der Schmerz saß noch tief von der vorletzten Lektion, die Meister Syrr'ael ihm beibrachte. Doch er hatte in den wenigen Tagen bereits gelernt, aus dem Schmerz seine Kraft zu ziehen. Ein perfides Lächeln, welches einem Anflug einer Emotion glich, huschte ihm über die Lippen, dann reckte er sich, und ging los, um die verwehten Blätter zu holen.

Das Rascheln des Papiers knisterte in Xam'aels Ohren, als er ein dickes, mit der Haut irgendeines Lebewesens bespanntes Buch öffnete, und die Seiten durch die feingliedrigen Fingergleiten lies. Dabei biss er sich gelangweilt auf die Lippen, und sein Geist schweifte erneut ab, sich wohl an die Worte des Meisters erinnernd:

"Deine Aufgabe wird es sein, bis nächste Woche dir die Erfahrung anzueignen, aus dem Schmerz und der Furcht Anderer Hass zu schöpfen, und dem deinen hinzuzufügen. Such dir ein beliebiges Opfer, mein Schüler.
Und danach wirst du mir genauestens Bericht erstatten und eine Erfahrungen erläutern."


Wieviele Minuten wohl vergangen sein mögen, als der Gedanke immer wieder durch seinen Kopf spukte. Nachlässig war er in dieser Hinsicht noch nicht, nur blieb ihm die Kreativität einigermaßen aus, suchte sich wohl gerade einen anderen, den sie inspirieren konnte. Mit einem leisen Murren benetzte der Schüler seinen linken Zeigefinger und strich eine Seite des Buches zurück, um dort zu lesen. Ein paar Tage blieben noch Zeit, und wenn es der Wille des Vaters sei, dann würde ihm auch schon noch etwas einfallen, um seinem Meister zu gefallen.
Xam´ael

Zeitfluss.

Beitrag von Xam´ael »

Es heisst immer, Zeit sei relativ. Im Auge des Betrachters verinnt sie entweder langsam oder schnell. So kann es passieren, dass man das Gefühl wahrnimmt, innerhalb eines Wimpernschlages die dahinschwindenden Monate - einfach so - verfliegen.
Das Haar wird ein wenig länger, die Makellosigkeit der Haut bleibt jedoch von den Spuren der Zeit unberührt. Straff, schön, gepflegt. Nur ein Flüstern im Ohr verrät, dass man jegliches Gefühl für die Sekunden, Minuten, Stunden und Tage verloren hat und an deren Stelle die Wochen treten. So sieht man auch nicht viele Gesichter in dieser Zeit. Man lebt für den Vater und für sich selbst. Die Gedanken versinken im Studium.

Leise knackten Xam'aels Gelenke, als er das Buch vor sich zugeschlagen hatte und sich danach mit einem lauten Seufzen wohlig streckte. Der Ton durchbrach die Stille der Bibliothek, in die ihn sein Meister von Zeit zu Zeit wahrlich verbannte, um sich das theoretische Wissen anzueignen. Nichts kommt von selbst, alles muss erlernt sein, der Rest ist Übungssache. Mit einem Nicken quittierte Xam'ael die Worte Syrr'aels, die in seinem Kopf herumspukten. Vor jeder Praxis kommt die Theorie. Es schüttelte den hageren Körper des Jünglings, als seine Gedanken ihn kurz zurückversetzten, und er sich erinnerte, welche Anstrengung es brauchte, um eine unwichtige Lethra aus der niederen Bevölkerung als Hassquelle anzuzapfen. Die feinen Fäden der Disharmonie, die an die Emotion geknüpft werden müssen - es vermochte ihm beim ersten Mal beinahe den Schädel zu zerreissen, was jedoch wiederum einen geistigen Schmerzknoten bildete, und ihm zusätzlich Öl ins Feuer goß. Es ist wie Rauschgift, es treibt einen tiefer hinein, man will mehr, man lechzt danach, nach der Aufmerksamkeit des Vaters, nach seinem Willen zu handeln, sein Tun auf dieser Welt zu verwirklichen, den Hass schüren, um ihn als Waffe gegen diejenigen zu schleudern, die ihn aussenden.

Nur langsam erhob er sich von seinem Sessel, und merkte, wie sehr sein Steißbein schmerzte. Wie lang saß er wohl schon hier drinnen? Zeit... wie gesagt, die ist relativ. Und was bedeutet schon Zeit in einem langen Leben eines Letharen.
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