Nein, es war etwas anderes. Da war etwas… aus dem Zwielicht schälte sich die Gestalt Velvyr’taes grazil heraus. Wie lange sie schon den Jüngling beobachtete? Seine Schritte abwägte? Stets neugierig. Ihre Augen verrieten sie. Doch kam sie ihm gelegen, er wies sie an, sich zu setzen, und ihm alles über die Lethyren des Unterschlupfes zu erzählen.
Wie es üblich ist, leistete sie seinem Wunsch Folge, und sprach zum Jüngling über Mory’tael, den Erhabenen, der mit seiner Weisheit, die er sich im Laufe seines überaus langen Lebens angeeignet hatte, seine Brüder und Schwestern aus vielen Nöten geleitet hat, sowie über Syrr’ael, den gestrengen und sehr mächtigen Lethyr. Ein Blinzeln schien den Letharfen doch zu verraten, ward Letztgenannter doch ein interessantes und gleichzeitig etwas Furcht einflössendes Thema.
Vor kurzem erst war Xam’ael von der Prüfung zurückgekehrt, die seinen Geist prüfen sollte. Und da er nicht dem Wahnsinn verfallen war, schien er sie auch bestanden zu haben, er war bereit, die Stimme des All-Vaters zu erhören, war würdig, Seine Worte zu interpretieren.
Nachdem Velvyr’tae wieder gegangen war, tauchte er vorsichtig die Spitze des fein ausgearbeiteten Schreibinstruments in das kleine Tintenfässchens, welches sich neben dem weißen Blatt Papier befand. Sanft drückte er die Spitze auf das Pergament, um eine Nachricht zu verfassen.
Des Einen Vaters Segen, Erhabener Syrr’ael,
wie es der Wunsch des Lethyrs Zharr'quel war, kehre ich zurück in den Unterschlupf mit dem Geschenk Unseres Vaters, Seine Stimme die meinen Geist berührte. So unterwies mich der Lethyr Zharr'quel darin, den Hass zu meinem Werkzeug zu formen um mich des Geschenks würdig zu erweisen.
Jedoch, so die Worte des Lethyrs Zharr'quel, bedarf es eines erfahrenen, weisen und mächtigen Herrn um diese Waffe weiter zu bearbeiten, bis sie eine tödliche Waffe wird. So entspreche ich dem Wunsch des Lethyrs, der mich zu Euch sandte, damit Ihr, Erhabener Syrr'ael, über meine weitere Laufbahn entscheidet.
In höchster Demut
Langsam setzte er den Federkiel ab und legte ihn zur Seite, darauf wartend, dass die Tinte trocknete. Erneut las er dabei das Geschriebene erneut durch. Bald, dachte der Jüngling bei sich, bald wird es beginnen. Währenddessen öffnete er ein kleines Säckel, aus dem er ein kurzes Stück Wachs zog, welches er über die tanzende Flamme der Kerze am Tisch hielt. Sogleich verflüssigte sich die Wachsspitze, die Hitze strömte weiter, in seine Finger. Leise zischte er, sog gierig den Schmerz in sich auf, labte sich einen Moment lang an ihm, ehe er das Wachs auf das zusammengerollte Pergament presste, und dieses mit einem einfachen Tropfen versiegelte. Das Kribbeln in den Fingern verebbte langsam und nach einem Moment erhob sich der Letharf, um dafür zu sorgen, dass die Nachricht Syrr’ael erreichen würde.