Früh am Morgen hatte der leichte Husten begonnen und Tiara gönnte sich zunächst einen guten Kamillentee mit etwas Honig, doch als die Nase sich langsam zuzog wurde sie aufmerksamer. Sie hatte seit dem Vorfall niemanden von der Familie an sich rangelassen. Immer ein respektvoller Abstand und auch nur Nathelia erstmal von dem Ereignis erzählt.
Im Laufe des Tages begannen die Gliederschmerzen und sie hatte das Gefühl leicht zu frieren. Als am späten Nachmittag Vivs Brief erhielt wurde sie stutzig. Auch Viv hatte solche Anzeichen einer starken Erkältung? Ein unruhiges Gefühl stieg in ihr auf. Wenn zwei, die beim Wesen gewesen sind, nun dieselben Symptome hatten, sollte man vorsichtig sein.
Ein eiliger Schritt führte sie gegen Abend zur Heilerstube. Nachdenklich suchte sie nach Papier und Federkiel, um Viv und Fräulein Tendies zu schreiben, als sie ein Husten hinter dem Vorhang im Behandlungsbereich hörte. Verwundert sah sie auf Keylon, der mit Phiolen um sich herum auf dem Boden hockte. Ihr blasses Gesicht wurde nochmals um zwei Nuancen totenbleicher… er schien dieselbe Erkältung zu haben. Zunächst kümmerte sie sich um ihren Sohn. Eine Wickel würde erstmal etwas lindern, doch nun galt es zu handeln. Das könnten drei Erkältungen sein oder eben doch mit dem Fischwesen zu tun haben.
Sie versuchte Ruhe zu bewahren, da Keylon selbst übelgelaunt und unruhig war. So hatte sie es gelernt. Der Heiler musste immer die Ruhe selbst sein, doch innerlich wanderten die Gedanken. Die Frage war nun…
Wie ansteckend waren sie?
Waren nur jene befallen, die in direkter Nähe des Wesens waren? Waren sie jetzt genauso ansteckend für andere Menschen?
Keylon hatte das Wesen nichtmals berührt und schien in den Symptomen so fortgeschritten wie Tiara, welche den Arm und die Stirn des Wesens berührt hatte. Wenn sie genauso ansteckend waren, konnte nur noch Eluive helfen… denn wenn sie es waren, dann würden sie nun an das Heilerhaus gekettet sein und dort war sie keine große Hilfe.
Es klopfte an der Tür und Tiara erschrak. Sie öffnete die Türe nicht, doch sie hörte die Stimme von Fräulein Amaryll. Jener Kämpferin hatte sie vor kurzem erst bei einem Biss mit Anzeichen von Tollwut geholfen und ihre heilende Wunde schien zu jucken. Das war nun ihre Chance ihre schreckliche Vermutung zu untermauern und gleich jemanden zu informieren, der mit diesen Hinweisen etwas anfangen könnte. Sie bat Fräulein Amaryll Fräulein Tendies zu suchen. Wenn jene auch Anzeichen hatte, dann wären es so viele identische Fälle, dass man den Zufall langsam ausschließen könne. Doch als Fräulein Amaryll Fräulein Tendies brachte, schien jene bei bester Gesundheit.
Vermummt ließ sie Amalia hinein und auch nur mit nötigem Abstand. Auch Fräulein Tendies hatte an die nötigen Vorsichtsmaßnahmen gedacht und saß mit Maske und Handschuhen auf der anderen Seite des Tisches. Es wurden die Umstände geklärt und Tiara berichtete von ihrer Vermutung und der Unsicherheit wie ansteckend man sei. Fräulein Tendies sicherte zu sie stets zu informieren und die anderen Anwesenden an jenem Abend aufzusuchen, ob es mehr Fälle gab. Auch bat Tiara sie auf sich selbst sehr viel Acht zu geben. Amalia hatte das Wesen ebenso angefasst und, dass sie jetzt keine Anzeichen hatte, hieß nicht, dass dies so bliebe.
Das Gespräch wurde zu Tiaras Bedauern etwas ungemütlicher, als Fräulein Tendies meinte als Beauftragte des Regiments zu diesem Thema eine Quarantäne von 7 Tagen zu verhängen. Da setzte sich Keylon, der bis dahin recht still gewesen war, durch und erklärte, dass sie im Haus bleiben würden und auch niemanden in Gefahr bringen würden, doch es an Tiara liegen solle zu sehen wie lange man die Quarantäne aufrechterhält. Tiara wiegte den Kopf. Sie hielt die Quarantäne auch für sinnvoll bis man erkennen konnte, ob jene mit denen die Angesteckten Kontakt hatten, ebenso Anzeichen hatten, doch jetzt war sie auf Berichte von außen abhängig. Wenn man ihr nichts berichtete, könnte sie die Situation auch nicht einschätzen.
Als Fräulein Tendies sie verließ, ließ sie ein Gedanke nicht los: „ Es war verzwickt!“.
Wenn die Heiler die Patienten würden, wäre niemandem geholfen. Ein besorgter Blick lag auch auf Keylon. Er war als Kind schon schwer ans Bett zu fesseln gewesen, wenn er krank gewesen ist. Er hatte schlechte Laune und jetzt tagelang mit seiner alten Mutter in einem kleinen Haus eingesperrt zu sein, würde seine Laune nicht bessern. Ein Schmunzeln huschte dennoch über ihre Lippen ehe sie dann hustete und mit leichten Kopfschmerzen dennoch zum Tisch ging. Sie war zwar krank, aber sie hatte alles im Heilerhaus was sie zum forschen brauchte. Sie nahm die Schuppe aus ihren Aufzeichnungen und griff mit Handschuhen in das Reagenzienlager zu einigen getrockneten Kakteenstücken. Sie könne das Haus nicht verlassen, aber sie würde gewiss nicht tatenlos sein.
Es erreichen Viv und Amalia kleinere Briefe:
Liebe Viv,
bitte bleib im Haus und schick Veit ruhig zu Amelie und Clara. Keylon und ich haben ebenso Erkältungserscheinungen. Fräulein Tendies, welche gestern sehr gesund war, forscht nach ob auch andere Anwesende an jenem Abend solche Symptome haben.
Erst dann können wir sicher sein, ob wir nur drei Erkältungen haben oder doch vom Fischwesen angesteckt wurden. Zudem wissen wir nicht wie ansteckend wir dann sind. Keylon hatte das Wesen nichtmals berührt und hat Anzeichen.
Danke für deinen Hinweis mit der Pflanze aus dem Trockenland, ich werde mich nun in den Büchern über Kakteen und ihre Wirkung schlau machen und etwas experimentieren.
Erhol dich gut,
Tiara
Wertes Fräulein Tendies,
unser Zustand ist weiterhin unverändert. Weiterhin verstärken sich die Symptome einer Erkältung als würde einen bald eine Grippe plagen.
Konntet Ihr schon etwas in Erfahrungen bringen?
Mit hoffnungsvollen Grüßen
Tiara Salberg