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Rabenmond im roten Schein
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Alathair - Online Rollenspielshard Foren-Übersicht » Allgemeines Rollenspiel » Rabenmond im roten Schein
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Victoria Deklie





 Beitrag Verfasst am: 06 Nov 2017 00:12    Titel: Rabenmond im roten Schein
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Es war eine Mondgeflutete Nacht. Die Wolken um ihn herum hatten sich verzogen als würde der silberne Schein, welcher von ihn ausgeht, einen Bannkreis um sich herum errichten. Die Nacht würde lang werden, denn es lag viel Arbeit vor der jungen Dienerin.

Als sie sich abwandte und die Stufen hinunter in das Haus zurück trat, bog sie nochmals um die Ecke. Direkt dort lang der Eingang zum Keller den sie nur leise betrat. Das Blutbad zuvor gab ihr wieder genügend Kraft. Kraft die sie am Abend für etwas wichtigeres aufgeopfert hatte. Im dazu würde das hier ein Kinderspiel werden. Mehr war es auch nicht. Ein Kinderspiel.

Als sie unten den versteckten Raum betrat, war bereits alles vorbereitet. Inmitten des Pentragramms lag ein Dolch, dessen Klinge von einem Seidentuch umhüllt war. Ein Verräter, der es wagte sein Werk für die Familie zu verrichten und sich dann unter dem Gefolge des Wüstenvolkes zu bewegen, hatte eine Strafe verdient. Sie würde dem Künstler zu neuen Werken verhelfen. Langsam werden die Kerzen entzündet die den dunklen Raum in ein mattes rot tauchen. All das Blut das sich im Raum verteilt hatte zeigte keine farblichen Unterschiede, doch die Dienerin wusste genau wie viele Opfer dafür den Tod fanden. Ganz sachte wurde die Klinge aus ihrem seidenen Gefängnis befreit. Eine Kohleschale lag inmitten des Pentagramms und lies den schweren Rauch bis zur Decke steigen. Langsam begab sich Victoria in den Schneidersitz und hielt die Spitze der Klinge über die aufsteigenden Rauchwolken. Das eben noch eingetrocknete Blut wurde wieder zu einer zähnen, klebrigen Flüssigkeit und bahnte sich langsam seinen Weg hinunter. Ein Tropfen bildete sich an der Klingenspitze die nur langsam ihren Weg in das Kohlebecken fand. Ein leises zischen und kreischen erfüllte den Raum, als hätte sich ein Riss aufgetan. Nicht lange blickten die grünen, hellen Augen in das Bild das sich vor ihr auftrat. Er… der Künstler, welcher sich schon an sein nächstes Werk machte. Der Mond schien durch ein spärliches Fenster und lies die Konturen nach und nach erkennen. Ein Wesen mit so viel Schönheit, umrahmt von blau und grün tönen, welche mit der Zeit einen Wald darstellten.

Ein weiterer Tropfen seines Blutes fand seinen Weg in das Kohlebecken. Diesmal wurde das zischen etwas lauter und ein schwerer, metallischer Geruch gesellte sich zum Rauch hinzu. Als noch eine weitere Zutat dazu kam und den Dunst etwas schwärzer werden lies, würde Er mit der Zeit ein brennen in seiner Hand verspüren. Nicht so das es schmerzt. Nein das nicht. Es wäre eher ein süßlicher Schmerz der seine Sinne benebeln und seine Hand führen würde. Die Schönheit von eben formte sich zu etwas neuen. Das Gesicht wurde zu einer grausamen Fratze und der Körper nicht mehr als ein Skelett dessen letzten Hautfetzen an einigen Stellen herunter hing. Im Hintergrund loderten Flammen, einer unendlichen Hölle gleich. Im gesamten eine Schönheit in Victorias Sinne. Jeder andere würde nur noch die geöffneten Pforten der Hölle erkennen in denen man verbrannte. Egal wen er zeichnen würde. Nur Er selbst würde das sehen was er eigentlich auf die Leinwand bringen wollte.




Nachdem der erste Streich beendet war, folgte darauf der zweite…

Diesmal allerdings war es der junge Bursche. Noch recht neu im Lande. Unwissend aber Ehrgeizig. Sie sah Potenzial in ihm auch wenn er sich fast am Abend noch gegen ihre Seite gestellt hätte. Ein dummer Fehler den sie ihm schon austreiben würde. Spätestens als er sein Schwert zog wurde eine Entscheidung gefällt. Ein neues Spiel wurde eröffnet…

Das Kohlebecken entbehrte seine letzten Rauchschwaden und benebelten Victorias Sinne. Bevor das Feuer nachgab wurde eine weitere Hand von ihrem Sonderbaren Kraut hinzu gefügt, damit sich auch der letzte Funke von ihm nährte. Diesmal wurden die Vorbereitungen ausführlich getroffen und ein entsprechender Anker wurde gewählt. Auch wenn sie in der Lage war ihren Geist vollkommen zu lösen und sie in ihren Träumen immer wieder an diesen einen Ort zurückkehrte waren auch diese anderen Wesen dort. Wesen gegen die sie nichts ausrichten konnte.

Dieser Ort hier war anders. Anders aber gut gewählt. Genau hier war er, irgendwo und wartete nur auf sie. Mit ihren stechend grünen Augen machte sie sich auf Wanderschaft und irgendwann erblickte sie es. Der Platz an dem sie auf ihn zugreifen würde. Mit langsamen Schritten näherte sie sich dem Fleckchen an dem es war. Wie eine Kluft die sich auftat griff sie danach. Eine tiefe Verbindung entstand als sie seinen Geist spürte. Ein eiskalter Schauer lief ihren Rücken bis zu ihrem Nacken hinauf und sorgte, dass sich dort ihre Härchen aufstellten. Wie durch ein Fenster konnte sie auf ihn blicken. Wie seelenruhig er dort schlief. Noch…

Ihre Finger glitten durch den Abgrund der die junge Dienerin zu dem Krieger führte und berührten ihn sanft. Eine zarte Verbindung entstand zwischen ihrem Geist und seinem. Diese Nacht würde er nicht länger ruhig schlafen. Wovon genau er träumte konnte sie nicht erkennen. Das war allerdings auch nicht länger von Relevanz.

Die zierliche Gestalt, umgeben von einem Schleier wanderte über die satten, grünen Wiesen. Das blaue Kleid schmiegte sich passend an ihren Körper und verlieh ihr etwas graziles. Da saß sie, inmitten einer Blumenwiese nahe eines Dorfes. Die liebliche Stimme summte eine altbekannte Melodie aus Kindertagen. Die Blüten auf ihren Schoß wurden zu einem Kranz geflochten und sich langsam auf den verschleierten Kopf gesetzt. Allein der Schleier lies sie wie eine Braut wirken, obwohl sie nur ein schlichtes Kleid am Leibe trug. Als sich der Kopf langsam in Richtung des Dorfes und auch somit in seine Richtung wandte ertönten laute Schreie. Hilferufe und das surren von Klingen die aus ihren Schwertscheiden gezogen wurden. Mütter rannten mit ihren Kindern aus dem Dorf und suchten nach Schutz im Wald, während die Männer des Dorfes zu ihren Waffen griffen. Flammen schlugen weit hinauf und sprangen von Strohdach zu Strohdach. Ein Todesschrei nach dem anderen würde an sein Ohr dringen und die menschlichen Gesichter zu verbrannten Fratzen werden lassen. Hinter der jungen Blondine trat eine Ritterin. Die Rüstung glänzte in gold und in rot. Mordlust spiegelte sich in ihrem Blick als sie mit ihrem Schwert ausholte und die Klinge mit einem erbarmungslosen Schlag hinunter sausen lies. Die zierliche Hand streckte sich nach ihm auf und ein leises ''Hilf mir!'' ist wie aus weiter Ferne zu hören. Viel zu spät…. Denn nur noch der Kopf rollt über den Boden. Der Körper getränkt von ihrem Lebenssaft sackt in sich zusammen und allein das strahlend, grüne Augenpaar blickt ihm leblos entgegen.

Und so er erwacht wird er noch eine ganze Weile ihre Anwesenheit spüren.
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Damion





 Beitrag Verfasst am: 09 Nov 2017 15:01    Titel:
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Sein skeptischer Verstand ist einer, den man nur schwer für sich einnehmen kann. Doch das Herz, das Herz ist es, dass den Verstand auszuhebeln vermag. Und sein Herz war rein - ja, fast gänzlich. Nur ein Fleck, ganz klein und kaum zu erkennen. Doch deutlich sichtbar für Sie, die eine Schwäche nur selten nicht erkannte. Und so wuchs der Fleck, bedeckte das strahlende Weiss mit einem umso tieferen Schatten. Die Saat war nahezu perfekt gewählt und gedeihte, wuchs unaufhaltbar bis etwas Mächtiges hervor trat, sich um ihn schlängelte, fesselte und an dieses Gefühl gebunden hatte - Hass.

Träume und Erinnerungen wirr gemischt, das Eine vom Anderen kaum zu unterscheiden. Des Sukkubus Einflussnahme war ein dezenter Stoß, doch entscheidend in seiner Wegfindung.

Und so wiederholte sich der Traum, gleich mehrere Nächte am Stück. Während die Täter die selben blieben, variierten die Opfer. Mal war es seine Mutter, die der Klinge der Ritterin Alumenas zum Opfer fiel. Ein anderes Mal sein Bruder. Gesichter von Bekanntschaften die er gemacht hatte seit seiner Ankunft auf Gerimor und letztlich auch des Sandes Kind, deren Erinnerung er in seinem Herzen vergraben hatte.

So ward Rachedurst geweckt für eine Sache, die im Grunde keiner Sühne bedurfte.
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Victoria Deklie





 Beitrag Verfasst am: 15 Nov 2017 22:42    Titel:
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-Sein Gegenüber niemals unterschätzen-

Eine Lektion die in das Büchlein der blonden Rabendienerin kam. Dieser verdammte Bursche! Beinahe hatte er sie durchschaut. Dabei war sie so nett zu ihm! Immerhin gehörte er zu keiner der Schachfiguren, die sie nach einem gelangweilten Spiel wieder wegwarf. Nein nein, er nicht. Er fragte immer und immer wieder wer und was sie war. Aber das würde er niemals herausfinden. Stattdessen würde die junge Blondine ihn umgarnen und anschließend brechen. Prinzipiell tat sie ihm damit sogar einen gefallen! Indem sie ihn brach, stärkte sie ihn, machte ihn zu einer Waffe. Sein Potential war da, aber lag viel zu tief verborgen. Diesmal jedoch, ja, diesmal war es soweit. Nun wusste sie wo der Kern lag und diesen würde sie mit geballter Macht sprengen.



Mitten in der Wüste stand sie. Das samtweiche Haar fiel über ihre Sonnengräunte Schultern und rahmte ihr Gesicht ein. Die Haut hatte einen satten, Karamellfarbenen Ton. Augen, so grün wieder Wald blickte ihm entgegen. Ja sie hielten ihn fest in ihren Bann. Der Sari schlang sich eng um den schmalen, weiblichen Körper und zeichneten jede Kontur ganz genau nach. Bänder mit Glöckchen waren um Fußknöchel und Handgelenke gewickelt und schellten bei jedem Schritt. Eine wahre Schönheit aus Götterhand erschaffen.

Weit hinten, während der Sand so heiß war, dass er die Luft zum schwingen brachte, wurden Umrisse erkennbar. Erst ganz klein, wurde mit jedem Schritt größer bis er in Reichweite war. Hinter der Wüstengöttin stand er. So ganz anders als er selbst und doch irgendwie gleich. Der wahre Damion schlang die Finger um die Tailie der jungen Frau und sogleich legte sie ihre Finger auf seine. Voller Liebe und Zärtlichkeit blickten sich beide in die Augen. Die Finger legten sich langsam um den Bauch und streichelten diesen. Als der Blick beider auf ihn fielen, wirkten sie glücklich. Binnen weniger Augenblicke formte der eben noch schlanke Bauch eine winzige Wölbung. Das vollkommene Glück. Eine Göttin mit ihrem Gott. Und dazu noch ein Geschenk des Himmels. Verraten haben sie ihn. Sie beide. Während er sich zu viele Gedanken machte und die Schuld auf sie lud, war es der wahre Damion welcher sich der Schönheit bemächtigt hatte und insgeheim ein Kind mit ihr zeugte.

Verrat kann ja so schmerzlich sein...
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Erik Eberhardt





 Beitrag Verfasst am: 20 Nov 2017 12:47    Titel:
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Welch Ironie, der Freund zum Gaffer, der sich an seinem Leid ergötzt verkommen. Das miese Dreckschwein dem er Regale, Kisten und Gott weiß wie viele Möbel und Gefälligkeiten einst gebracht und erwiesen frohlockte an der hilflosen Situation in der er sich befand. Gut gelaunt grüßte er Nodah, den geglaubten Freund, hob Hut und Hand. Das Weib an dessen Seite kam ihm entgegen, sprach bittersüß die Worte, süffisant und falscher Schlange gleich schritt sie auf ihn zu. Der hübsche, weibliche Eindruck nur Lug und Trug. Hinter dem niedlichen Lächeln steckte mehr als der erste Blick verriet. Ein Teufelsweib... einen Pakt mit dem Bösen selbst eingegangen oblag es ihrer Kraft toten Gebeinen neues Leben einzuhauchen; ihr finstres Grab zu verlassen und die knochige Hand nach ihm zu strecken, Knöchel zu packen und an Ort und Stelle zu halten. Wie viele Hände waren es? Zwei? Vier? Der von Angst verzerrten Aufmerksamkeit entging es, zu sehr darauf bedacht dem nahenden Dolch zu entkommen, vergebens. Ein kleiner Schnitt in die Hand, nicht tief aber wirkunsvoll. Blut quoll heraus, sammelte sich in der Handfläche. Zur gleichen Zeit rann der Schweiß in triefenden Bahnen die Stirn, den Leib hinunter. Was will sie nur mit meinem Blut? Und beim verhexten Holzwurm! Die Wunde, so schnell entstanden, so schnell verschwunden.

Windend, zappelnd, tobend...
um den Knochenhänden zu entkommen
fiel er auf den Hosenboden.
Vom Sturze ganz benommen...
flucht er, schimpft er, schreit er ängstlich auf..
sucht Schutz und Flucht im schnellen Lauf.


Zuletzt bearbeitet von Erik Eberhardt am 20 Nov 2017 18:18, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Victoria Deklie





 Beitrag Verfasst am: 20 Nov 2017 17:07    Titel:
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Leise kichernd wurde der Künstler beobachtet. Das Spiel hatte nun vor ein paar Wochen begonnen. Da die Blondine den Kopf frei kriegen musste, war es eine gute Gelegenheit ihr Werk aus nächster Nähe zu betrachten. Eine gute und sogar amüsante Ablenkung, wie sich feststellen lies. Die Werke waren so vollkommen als hätte Krat'hor selbst sie geschaffen! Die ursprüngliche Abbildung einer jungen Frau, man könnte meinen es sollte ein Engel oder änliches werden, die im Sommer auf einer Blumenwiese saß, wurde von Dornenranken umschlungen und ragte weit in den Himmel. Die Stacheln hatten sich tief in die Haut der braunhaarigen Schönheit gebort. Ihre Augen spürten nur so vor Schmerz und entlockten Victoria einen wohligen Schauer. Das lange Haar hing feucht und klebrig vom eigenen Blut auf ihren Schultern, bedeckten Bauch und Brüste. Die Umgebung brannte empfangend und wartete nur darauf, sein Opfer in Krat'hors Seelenschlund aufzunehmen. Das war wahre Kunst! Kunst für die Götter! Eine Sünde, süßer als jeder Pfirsich, dessen Geschmack förmlich auf der Zunge zerfloss, so man nur andeutungsweise von dem Bild sprach.

Jeder andere der sein Bild ansah wurde Kreidebleich im Gesicht und Victoria genoß seine Ahnungslosigkeit und Verwirrtheit. Am Ende war es die Verzweiflung die siegte. Das war er sah, war eine junge, fast schon perfekte Schönheit. Den Sommer, Berge und ein Platz an dem ein Picknick geführt wurde. Etwas bei dem jeder Kunde dahinschmelzen würde. Doch das gönnte sie ihm nicht. So war das nun einmal wenn man zum Wüstenvolk überlief.
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Erik Eberhardt





 Beitrag Verfasst am: 22 Nov 2017 10:12    Titel:
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„Das noch... und... hmm... ahja... das auch noch.“ murmelte er vor sich hin. Erik schnürte gerade das Gemälde der holden Maid eines reichen Kaufmannes aus Adoran auf sein treues Pferd mit Namen 'Horst'. Der Kaufmann hatte sich an ihn gewandt weil er von dessen malerischen Fähigkeiten gehört und sich auch einen ersten Eindruck gemacht hatte im Atelier des vielschichtigen Künstlers. Er präsentierte ihm einige Stillleben und Punkt Punkt Komma Strich Zeichnungen die er im Vollsuff angefertigt hatte, was er natürlich verschwieg. Dem Kaufmann Harribert Klabustibert gefiel es jedenfalls und erteilte ihm den Auftrag ein Portrait seiner Gattin anzufertigen. „Jeder soll vor Neid erblassen wenn er sich das Gemälde ansieht! Fangt ihre Schönheit ein und haltet sie für die Ewigkeit fest.“ War die Anweisung Harriberts.

„Ich will es versuchen und verspreche euch, mein Bestes zu geben.“ Es war ein kalter, aber sonnenreicher Tag gewesen an dem er die schöne Kunigundibert gemalt hatte, sie stieg dafür extra in den feinsten Zwirn, legte ein widerlich süßes Lächeln auf und verharrte solange regungslos auf einem Fleck bis er seine Skizze abgeschlossen hatte. Viel mehr brauchte er nicht, den Rest des Bildes würde er in seinem Atelier gestalten. Farbe, Schattierungen und was da sonst noch alles zu gehört.

Das Schiff legte in Adoran an. Vorsichtig führte er Horst samt Gepäck den Steg entlang, darauf bedacht das Bild der Kaufmannsgattin auf keinen Fall zu beschädigen. Der Kaufmann sah ihn schon von weiten, er trank gerade ein Glas Wein, saß im Garten und ergötzte sich an dem Umstand, es zu etwas gebracht zu haben. Erik band sein Pferd am Zaun des Gartens fest und lockerte die Schnüre die das Bild festhielten. Er ließ es aber vorerst in dem dicken Baumwolllaken und stellte es auf einer Bank. Die Präsentation verlief allerdings anders als er es sich gedacht hatte, der Kaufmann war außer sich vor Wut. „Was zum Henker..? Was habt ihr gemacht?! Was für ein scheußliches Bild! Was für eine potthässliche Frau auf eurem Bild soll dass sein? Verschwindet bevor ich euch von den Wachen in den Kerker werfen lasse!“

„Was geschieht nur?“ fragte er sich betrübt. Es war nun schon die vierte wutkeifende Reaktion auf seine Gemälde, er konnte nicht verstehen... er hatte sich doch alle Mühe gegeben. Er konnte nicht erkennen was seine Kunden meinten, für ihn waren seine Malereien wunderschön, künstlerisch anspruchsvoll. Ein Fluch muss auf ihn liegen, anders war es nicht zu erklären. Er wusste auch ganz genau von wem, diese vermaledeite Hure die ihm die Hand aufgeschnitten und die Knochenmänner auf ihn gehetzt hatte, anders konnte er es sich nicht erklären. „Warum nur ich? Tu keiner Fliege etwas zu Leide, womit hab ich das nur verdient?“ Er musste sie finden, ihren Fluch soll sie von ihm nehmen, ihn lösen, brechen, was auch immer nur weg damit! „Und wenn sie ihn nicht von mir nimmt? Was dann? Was soll ich nur machen?“ Er hatte die Idee! Genial! Er nahm sich einen großen Jutebeutel mit, füllte ihn mit Horst's Hinterlassenschaften, dem Gaul fallen Äpfel raus, man könnte zwei große Felder damit düngen. „Wenn sie ihn nicht von mir nimmt, schmeiß ich ihr die Äpfel an den Kopf! Ha!“ Er stieg erneut ins Schiff, diesmal jedoch mit Ziel Bajard, von dort aus weiter in Richtung Wetterau. Die Leute denen er begegnete wichen ihm schon von weitem aus, der widerliche Gestank den er hinter sich herzog trieb ihnen den Ekel ins Gesicht, aber das war ihm egal. „Sie wird schon sehen was sie davon hat!“
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Damion





 Beitrag Verfasst am: 23 Nov 2017 19:07    Titel:
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Laut pfeifend schlugen eisige Winde ihm entgegen. Das leicht gerötete Gesicht war schon taub und die Hand wie festgefroren an der eisernen Klinge - die ihm nun so vertraut war, als wäre es eine Verlängerung seines Armes. Die Augen waren zugekniffen, der Wind erlaubte es ihm nicht Sie über eine längere Zeit geöffnet zu halten. So sah er nicht, er hörte nicht. Er spührte nur wie das Schwert sich einen Weg durch Leder, Haut, Fleisch und Knochen bahnte. Er spührte wie das warme Blut auf seine Haut spritzte. Und dann, als der letzte Schwertstreich vollzogen war durchbrach ein dumpfes Poltern das lautstarke Lied des Windes. Der letzte Bandit lag ihm tot zu Füßen.

Die Wenigsten würden das Dahinscheiden eines solchen Räubers betrauern, vielmehr war der Großteil der Bevölkerung glücklich darüber sie beseitigt zu wissen. Doch diese Männer starben nicht für Ihre Sünden. Nicht Gerechtigkeit war das, was Damion antrieb. Auch nicht, dass diese ungeübten Männer ihm sein Hab und Gut abnehmen wollten. Nein, sie waren nicht mehr als Ablenkung, ein Ventil über das Damion seine Wut entladen musste und er hatte so viel davon angestaut.

Wieder schossen ihm die Worte der vermeindlich jungen Dienerin Krathors durch den Kopf. Sein Leben wäre nicht mehr als eine Lüge hatte sie gesagt - und damit hatte sie nicht unrecht. Nichts von alle dem was er geworden war, entsprang seiner eigenen Vorstellung davon wie er sein Leben führen wollte und doch konnte er nicht mehr damit aufhören. Er hatte Blut geleckt, gefallen an dem Weg des Kriegers gefunden. Um so besser er mit dem Schwert wurde, desto mehr Selbstbewusstsein zog er daraus. Um so mehr Tod er brachte, desto mächtiger fühlte er sich und nichts war für ihn berauschender als das... Macht.

Vielleicht war eben genau das die Motivation einem todbringendem Seelenfresser zu dienen. Wieso sonst sollte jemand Krathor dienen? Doch mittlerweile hatte er aufgegeben die Motive Victorias zu hinterfragen. Eine klare Antwort würde er weder bekommen, noch würde sie ihn nah genug an sich heranlassen, als das er es selbst herausfinden könnte. Er war sich sicher, dass die rührseelige Geschichte von der Verstoßenen nicht mehr war als ein falscher Vertrauensbeweis. Sie hatte ihm ihre Vergangenheit offenbart - oder es war einfach nur eine gut durchdachte Geschichte - wie auch immer, er misstraute ihr. Und doch zog es ihn in Ihre Nähe. Wie eine Motte, die vom Feuer angelockt wird und sich letzten Endes verbrennt.
Sie wusste um sein Geheimnis. Sie wusste über Dinge bescheid, von denen er nie mit irgendjemandem gesprochen hatte. Doch Details kannte sie nicht, nur ein schwammiges Bild von seiner Vergangenheit. Woher wusste Sie davon und wie könnte er sicherstellen, dass Sie ihn nicht verrät? Wieso interessierte sie sich überhaupt für all das? Was hatte sie vor... was wollte sie von Ihm?
Ob es besser wäre die Geheimnisse selbst aufzudecken um nicht als Spielball dieser wahnsinnigen Schönheit zu enden? Soviele Fragen und so wenige Antworten.. Er hasste das.

Genauso wie er seine Träume hasste. Der selbe Traum wiederholte sich von Nacht zu Nacht und verfolgte Ihn. Der Traum wurde seine Realität und überschrieb langsam aber sicher die Erinnerungen Damions. Die Erinnerung daran, ein großer Krieger werden zu wollen um die Wünsche des Bruders wahr werden zu lassen wurden aus seinem Gedächtnis gelöscht und damit ersetzt der ganzen Welt zeigen zu wollen, dass er der Mächtigere ist - der Mächtigste. Und vor allen Anderen Ihr - der Frau mit den grünen Augen, die mal von einem Schleier und ein anderes Mal von blondem Haar umrahmt waren.
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Victoria Deklie





 Beitrag Verfasst am: 26 Nov 2017 19:23    Titel:
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Viel Zeit war nun vergangen. Eine ganze Weile hatte sie auch Damion beobachtet. Teilweise war sie mit ihrem Werk zufrieden. Aber auch nur Teilweise. Etwas fehlte an ihrem Werk. Er war nicht so unterwürfig wie sie erhofft hatte. Aber das machte nichts. Das wichtigste war, dass sie ihn gebrochen hatte. Sein Wahres 'Ich' zum Vorschein brachte. Er würde ihr noch ein gutes Werkzeug sein, irgendwann. Werkzeug musste man Pflegen, also war es vielleicht an der Zeit ihn zu belohnen. Er gierte nach Macht... Also würde sie ihm heute Nacht einen Vorgeschmack geben.

Ein weiterer Traum wurde mit dem Krieger geteilt. Der Winter wurde darin wiedergespiegelt. Große, weisse Flocken fielen vom Himmel und ließen sich wie eine Decke auf dem Boden nieder, um ihn im Schein des nächtlichen Himmels glänzen zu lassen. Der Atem des jungen Frau wurde in kleinen Stößen aus ihren Lungen gepresst, während sie davon rannte. Das weisse Kleid und das blonde Haar sollten ihm eigentlich jede Chance nehmen sie zu entdecken. Eigentlich... Seine Schritte waren schneller, kraftvoller und so nahm auch die Jagd irgendwann ihr Ende, als er sie fest am Arm packte. Als sie sich umdrehte blickte sie ihn verängstigt an. Die Frau mit den gold-blonden Locken. Das grün in ihren Augen schimmerte fast so Kristallartig wie der Schnee unter dem Schein des Mondes der sich durch die wenigen Wolkenrisse zwang. Furcht lag darin und das Gefühl von Macht und Stärke floss wie Lava, pochend durch seine Adern. Sein ganzer Körper erfüllte sich mit diesem warmen Gefühl. Über mehrere Augenblicke schaute sie ihn einfach nur Furchterfüllt an, bis sich ihre Augen weiteten. Etwas warmes und dickflüssiges breitete sich auf seiner Hand aus und floss sein Handgelenk herunter. tropfte auf den Boden und bildete unter ihr eine Pfütze. Ihr Körper war nach hinten geneigt und sein Arm lag unter ihren Rücken, um wenigstens noch teilweise als Halt zu dienen.

Als der Krieger seinen Blick langsam an sich herab gleiten lies lag eine Pechschwarze Rüstung um seinen Körper. Ein schweres Schwert in seiner Hand. Die Rüstung eines Ritters! Die Klinge bohrte sich durch den Körper der zierlichen Gestalt die immer blasser wurde, der Körper immer schlaffer und der Blick dessen Glanz immer mehr wich und durch trostlose Leere ersetzt wurde. Er fühlte die Macht. Die Stärke die seinen Körper zum beben brachte und den Körper der zerbrechlichen, jungen Frau die nur noch schlaff in seinen Armen hing. Der Schnee mit rotem Lebenssaft getränkt.


Zuletzt bearbeitet von Victoria Deklie am 26 Nov 2017 23:29, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Victoria Deklie





 Beitrag Verfasst am: 02 Sep 2018 22:23    Titel:
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Möge das Spiel beginnen

Nun war einige Zeit vergangen. Der Krieg war vorüber, ein paar Seelen an ihren Herren übergeben. Und doch fühlte es sich wie ein Verlust an. Das grüne Augenpaar ruhte auf dem Kaminfeuer, das schwer befüllte Glas fand, wie immer, den Weg zu ihren Lippen. Diesmal hatte der Wein etwas fades an sich. Es war ein neuer Tropfen, schwer doch etwas zu rauchig. Von einem ebenso schweren Seufzen wurde das Glas enttäuscht weggestellt. Der Weg führte sie des Nachts zu den Ruinen der Kriegsstätte. Zwar würde der Steinhaufen nicht ewig halten, doch die Erinnerungen würden über mehrere Leben hinweg weiter bestehen. Selbst jene die sie tatsächlich amüsiert hatten. Es war doch noch auf der einen oder anderen Seite spaßig. Wie verlogen doch manch Adoraner sein konnte. Selbst als Ritter, dachte sie sich beim Anblick der frischen Überreste. Ein Schönling, viel zu Schade nur, dass er auf der falschen Seite kämpft. Seiner Verlogenheit wohnte etwas süßliches bei. Wie bei einem Kind welches versuchte sich durch eine Lüge eine Belohnung zu ergattern und doch viel zu durchschaubar war. Ohne es selbst zu bemerken schlich sich ein Schmunzeln auf ihre Lippen.

Eine ganze Weile hatte die junge Blondine ihre Zeit vor den Ruinen der Angurenfestung verbracht, bevor sie ihre Füße weiter bis in die geheimen Gewölbe getragen hatten. Leise waren ihre Schritte und endeten als sie Drakhon erblickte, der wohl gerade ein paar Gebete an den Herren sandte. Schweigend kniete sie sich neben den älteren Bruder, verschränkte die Finger ineinander und formte mit ihren Lippen immer wieder tonlose Worte an den Rabenkönig. Das Drakhons Blick auf ihr ruhte wurde ihr erst klar, als sie ihre Gebete beendet hatte und die Augen langsam wieder öffnete. In aller Ruhe wurde dem älteren Bruder berichtet wie die letzten Wochen verlaufen waren. Wie sie einen Teil des Krieges miterlebte, über die Seelen die sie zu ihren Herren schickte und auch über die verlogene Ader der Adoraner. Ja, selbst über den Ritter wurde gesprochen. Es war schon amüsant, dass er ihr ins Gesicht lügen konnte ohne vor Scham seiner Göttin gegenüber rot zu werden. Ob Ritter überhaupt lügen dürfen..? Na, wie dem auch sei. Als Drakhon den Namen des Ritters erfuhr sah sie das winzige aufzucken seiner Mundwinkel. Scheinbar war ihm der Name nicht unbekannt und so führte er sie an seine Truhe aus der er ein Stück aus Fleisch und Haut herausholte. Gut verpackt damit es auch ja keinen Schaden nehmen konnte. Ein Teil einer Fingerkuppe die dem Ritter gehörte.

Mit deutlich besserer Laune dauerte es nicht lange bis sie wieder hinter ihren vier Wänden verschwand. Sich erst einmal etwas von dem Ritter zu beschaffen barg genug gefahren in sich und war mit viel zu viel Arbeit verbunden. Vielleicht würde sie sich doch lieber Drakhons Lehren anschließen und den Salbergs die Hölle heiß machen. Dies würde der erste Schritt werden. Ein großer Schritt, aber immerhin der erste. Mal sehen wie sehr der Ritter an seiner Göttin hing!

In ihrem geheimen Raum wurde alles genau vorbereitet. Ja, fast schon penibel genau. Der Kreis wurde nahtlos und fehlerfrei gezogen. Gerade mal groß genug um darin sitzen zu können. In der Mitte befand sich ein Kohlebecken mit Räucherwerk aus unterschiedlichen Kräutern die den Geist nur dezent benebeln sollten. Die Fingerkuppe wurde in zwei kleinere Stücke geschnitten. Groß genug um ein zweites Ritual anzugehen. Nachdem die zweite Hälfte verstaut war, wurde das Kraut angezündet bis in der Mitte des Beckens kleine Flammen empor züngelten und den Raum langsam mit Rauch füllte. Nun saß sie da, im Schneidersitz, inmitten des gezogenen Kreises während sie den Rauch langsam in ihre Lungen sog. Schon nach ein paar Atemzügen spürte sie es. Das altbekannte kribbeln als sich ihr Geist zu lösen begann und versuchte nach der einen ganz speziellen Quelle zu zerren. Ja, es war anstrengend und dauerte eine Weile bis sie das gesuchte gefunden hatte. Doch lohnte es das Spiel zu eröffnen.


- Irgendwo im Land der Träume -

Leise raschelte das Blattwerk der Bäume als ein sanfter Windstoß alles in Bewegung versetzt hatte. Jeder Grashalm, jedes Blatt und selbst das Wasser des kleinen Sees bewegten sich schweigend in ein und die selbe Richtung. Die Sonnenstrahlen erhellten die gesamte Landschaft und ein Adler kreiste umher auf der Suche nach Nahrung. Mit langen Schritten näherte sich die Blondine der Festivität. Der Strand war voller Menschen. Alle in bunten Kleidern und mit Masken bestückt. Jede einzelne zeigte ein breites Lächeln auf. Selbst sie verbarg ihr Gesicht unter einer der vielen Schleier. Nur war ihre mit vielen großen und kleinen, schwarzen Federn versehen. Das Kleid war in einem tiefen Nachtblau dessen Stoff, welcher aus feinster Seide bestand, geschmeidig bis zum Boden floss. Das Haar hochgesteckt, mit einer Vielzahl kleiner, blutroter Blüten versehen, hingen ein paar vereinzelte Locken bis zu ihrer Schulter herunter. Sie hob sich als einzige von der bunten Vielfalt ab, war die einzige die derart herausstach. Eine sanfte Melodie wurde gespielt. Lieblich, als würden die einzelnen Noten einen tief im Inneren berühren, würde man nicht gerade träumen, spielten zwei Violinen und eine Flöte ihr Spiel. Inmitten der tanzenden stand sie auf dem Parkett und wartete nur darauf bis sein Blick sie traf. Es dauerte nicht lange, als der Ritter erhaben auf sie zukam, sich, wie es sich für einen Adeligen gehörte, vor ihr verneigte und sie zum Tanz aufforderte. Sie ließ es zu. Forderte das ein was er ihr… ‘‘versprach‘‘. Die leer gesprochenen Worte wurden gefüllt und so tanzten der Rabe und der Ritter zusammen über die hölzerne Fläche. Ihr giftig grünes Augenpaar verweilte lange auf ihm, die Musik schien die Zeit verstreichen zu lassen und erst jetzt, mit der Zeit, wurde ihm mehr und mehr bewusst wem er den Tanz widmete. Ja… sie forderte sich diesen ein. Plötzlich änderte sich der Klang der Musik. Die Violinen gaben ein Orchester von sich voller Bitterkeit und Kälte. Dunkle Wolken zogen auf, bedeckten den Himmel und von weitem sah man die ersten Blitze auf der Erde einschlagen. Der Wind verstärkte sich, lies die schweren und auch leichten Stoffe der Kleider umherwirbeln. Die goldblonden Locken peitschen über das Gesicht des Raben, während sich ein diabolisches Lächeln auf ihre Lippen schlich. Die rosig balsamierten Lippen näherten sich seinem Ohr und auch wenn ihre Stimme sanft und verlockend war, hatte sie etwas eisiges an sich. Etwas so kaltes, als würde sie ihm einen Eispfahl direkt in sein Herz rammen wollen.

‘‘Ich bin das Säuseln im Winde. Der Sturm der dich nieder reißt. Sieh wie sie sich von dir abwenden. Sie alle. Selbst deine ach so geliebte Göttin stürzt dich in Ungnade! Denn ich bin die verbotene Frucht von der du zu kosten versuchst. Von welcher du zerrst.

Denn ich bin dein Untergang, deine Vernichtung, deine Zerstörung. Und so die Zeit gekommen ist… werde ich mir holen, was mir zusteht.‘‘


Wieder ruhte das Augenmerk auf ihm. Das helle, klare grün ihrer Augen, so unschuldig und unbeholfen sie auch wirken mochte, zeigte das triefende Gift ihrer Seele. Die Finger legten sich auf seine Wangen, drehten sein Gesicht und zeigten ihm das was er sehen sollte. Sie alle blickten ihn an. Mit Abscheu in der Miene. Ein verstoßener von seinen liebsten, seinen Freunden, seiner Familie und selbst die Priesterschaft kehrte ihm den Rücken zu. Ließen ihn alleine im Sturm zurück. Vor ihnen tat sich ein tiefer Abgrund auf. Rot glimmende Lava brodelte unter all den Erdschichten während sie alle mit langsamen Schritten auf die Höllenpforte zugingen. Die helle Kleidung färbte sich dunkel. Manche schwarz, manche in ein mattes grau, viele aber waren in Blut getränkt. All die Sünder würden sich nun ihrer Strafe hingeben und ihn allein lassen. Ganz allein.

‘‘Denn ich bin die verbotene Frucht nach welcher du dich verzerrst.‘‘

Ihre Worte wurden nur noch vom Winde an sein Ohr getragen. Der Sturm tobte, Blitze krachten in der näheren Umgebung ein und immer näher kamen die Menschen der Lava. Das Lächeln auf ihren Masken verschwand. Die Farbe zerfloss und hinterließ einen Haufen trauender Gesichter dessen bunte Farben die unzähligen Tränen auf den Masken darstellen würden.


Der erste sprang. Dann der zweite, ehe es immer mehr wurden und sie alle von dem Feuer verschlungen wurden.


‘‘Denn ich bin dein Untergang, deine Vernichtung, deine Zerstörung… Und so die Zeit gekommen ist… werde ich mir holen, was mir zusteht.‘‘, säuselt die Stimme ein letztes mal leise mit dem Sturm.


Langsam öffnen sich die Augenlider. Schwer wie Blei fühlten sie sich an. Der Kopf drehte sich und schwach fühlte sie sich auch. Es hatte viel Kraft gekostet. Sehr viel Kraft… Doch das würde schon werden. Mit der Zeit. Schließlich war das erst der erste Schritt der Schachpartie und es gab noch viel zu tun. Doch fürs erste… würde sie wieder an Kraft sammeln und sich ausruhen müssen. Und so dauerte es nicht lange bis sie alleine vor dem Kamin eingeschlafen war.


Zuletzt bearbeitet von Victoria Deklie am 02 Sep 2018 22:26, insgesamt einmal bearbeitet
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Keylon von Salberg





 Beitrag Verfasst am: 04 Sep 2018 11:27    Titel:
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Ein Traum? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Er gab sich gänzlich hin dieser Vision, diesem Traum, bis er darin eintauchte. Ein Fest. Warum? Was interessierte es. Feste waren immer eine Motivation für einen Jeden. Freude, Tanz, Essen. Familie und Freunde. Dazu neue Bekanntschaften die man treffen konnte. Leise rauschten die Blätter an diesem wunderschönen Tag, und nur einen Moment lang wurde seine eigene Freude getrübt von dem Gedanken an Adelena, doch dies war kein Moment zum Trübsal blasen.
Überall wo er hinsah wurde getanzt gefeiert.
Was gab es noch zu feiern? Den Sieg ? Ihr überleben ? Egal.
In mitten des Trubels sah er seine Liebsten. Clara, wie sie mit Sarah einen Reigen tanzte.
Amelie mit ihrem Verlobten Arenvir, Heinrik und Eveliina, Nathelia die neben seiner Mutter stand und alles freudig überschaute, Helisande und Thelor, freudig in Erwartung ihres Nachwuchses und vor allem Zahrak. Zahrak der als Priester neben Antorius und Johanna stand. Bewacht von dem alles überwachenden Wächter Lucien und Andra, sowie einige der Kameraden des Regimentes.

Alle... aber auch wirklich Alle waren da.
Alyanna mit Ivy, Janarey und Carina, Luninara mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Kind, Liliana... Adelena mit Neralon ... oder war es Götz? Egal.
Die Freude aller an diesem Tage trug Früchte. Freude erfasste auch ihn und die Stimmung der Natur um ihn herum tat das übrige. Alle waren bunt gekleidet und trugen Masken doch ihr Lächeln ihr Lachen war allgegenwärtig.
Warum mischte er nicht mit? Trug er überhaupt eine Maske? Oder Kleidung für ein Fest?
Nein... er war doch der Ritter der sich zusammen zu nehmen hatte. Er sollte sich auch im privaten Rahmen als Ritter benehmen.. aber dies war ein Fest, warum... ihm wurde schlagartig klar das er auf etwas... nein auf wen wartete.
Aber auf was? Er wusste es nicht. So also blickt er nur auf die tanzenden und dann sah er sie.
Woher sie kam? Er wusste es nicht. Auch nicht warum sie ihm nicht vorher aufgefallen war.

Mitten in der Mentge stand sie. Das Licht der Sonne tauchte alles in ein feines Glitzern und während alle bunte Kleidung trugen war sie in einem tiefem Nachtblau gekleidet und stach, genauso wie er aus all den feiernden heraus.
Der Blick aus ihren grünen Augen traf ihn. Sahen ihn an. Nicht fordernd, eher abwartend und wie gezogen setzte sich der junge Ritter in Bewegung, trat auf sie zu.
Still trafen sich ihre Blicke, dann verneigte er sich so wie es sich geziemte um sie zum Tanze zu bitten.
Höflich schien sie an zu nehmen, begab sich in seine Arme um gemeinsam mit ihm der sanften Melodie zu folgen. Nicht so schwungvoll wie man es sonst von ihm gewohnt war, drehte er sich mit ihr die Frage in seinem Gesicht ob ihrer Herkunft, während er ihren giftgrünen Augen nicht auswich sondern für Momente darin versank. Einzig ein braunes Augenpaar das sich immer wieder zwischendurch, fast wie als Mahnung, als Erinnerung an andere Zeiten davor schob riss ihn das ein oder andere Mal aus der Faszination nur aber um auch die Frage zu verhindern nach dem Wer.

Ihr Lächeln das sie ihm schenkte verlor sich hinter ihrem Schleier und doch war da etwas das ihn erinnerte. Erinnerte an eine Zeit ...
Schlagartig wurde ihm klar wen er da im Arm hielt. Die Rahalerin von der Burg, die er lachend den Tanz versprach. Jetzt war sie hier um ihn ein zu fordern? Hier? Mitten zwiscchen all den ... er dachte nicht weiter. Wollte handeln sie festhalten, die Freunde rufen aber so schnell veränderte sich alles. Die Musik wurde Bitter und Kalt.
Wind fachte auf, und trieb dunkle Wolken heran. Donner grollte und die ersten Blitze schlugen zu Boden. Der Wind wehte auch ihre Schleier die sie getragen hatte davon und er konnte ihre Lippen sehen die nicht mehr sanft sondern nun diabolisch lächelten, erfreut scheinend über seine schock - Starre mit der er sie anblickte, und so näherte sich sich seinem Ohr und flüsterte leise .


‘‘Ich bin das Säuseln im Winde. Der Sturm der dich nieder reißt. Sieh wie sie sich von dir abwenden. Sie alle. Selbst deine ach so geliebte Göttin stürzt dich in Ungnade! Denn ich bin die verbotene Frucht von der du zu kosten versuchst. Von welcher du zerrst.

Denn ich bin dein Untergang, deine Vernichtung, deine Zerstörung. Und so die Zeit gekommen ist… werde ich mir holen, was mir zusteht.‘‘


Mit Abscheu im Gesicht stieß er sie von sich, aber sie trat wieder an ihn heran, legte die Hand an sein Gesicht und drehte es so das er sah was sie meinte, was sie ihm zeigen wollte.
Die Musik war verstummt. All seine Freunde, seine Familie... alle waren stehen geblieben, sahen zu ihm hin mit Abscheu im Blick.
Er schüttelte den Kopf. Was hatte er getan?
„Zak!“ rief er verzweifelt aber ein jeder hatte nur Verachtung für ihn über. Das Bunte ihrer Kleidung verchwand, wurde schwarz ... grau... dunkel und noch während sich vor ihnen ein Abgrund mit Lava auftat, begannen sie schon darauf zu zu laufen und hinein zu stürzen.

‘‘Denn ich bin die verbotene Frucht nach welcher du dich verzerrst.‘‘
flüsterte die Frau die er als Victoria kannte zu ihm. Getragen von dem Sturm der um ihn herum aufbrauste. Mehr und mehr verliefen sich mit trauernden Gesichtern in den Abgrund.
„Denn ich bin dein Untergang, deine Vernichtung, deine Zerstörung… Und so die Zeit gekommen ist… werde ich mir holen, was mir zusteht.‘‘

Hörte er sie doch nichts, kein Wort mehr hatte belang. Er fühlte sich schuldig das alle gingen. Sein Fehler. Was hatte er nur getan das selbst seine Familie.. nein ... nein...
„NEIN!!!!“ brüllte er und rannte los um wenigstens ein ... oder Zwei zurück zu halten.
Zahrak... oder Clara.. nein Amelie ... Helisande ? ... oder doch ...

NEEEEEEEEEIN !!!!

Er schreckte hoch. Ein Traum... Nur ein Traum.
Die Nacht hatte er wieder am Strand von Argantfels verbracht. Es war Dunkel, doch diesmal störte ihn diese Dunkelheit nicht.
Noch immer schwer atmend stand er auf. Sein Körper war nass geschwitzt und er war noch immer verwirrt und voller Gefühle ob des Traumes.
Nein.
Nie. Niemals würde sich die Familie von ihm abwenden ... oder doch ?
Er raufte sich die Haare.

„Nur ein Traum... nur ein verdammter mistiger Traum.“
Voller Wut darüber das er sich einen Moment lang selber nicht vertraute, nicht an seine Familie glaubte, entschied er ich dein Bad im Meer zu nehmen.
Die Wellen rauschten schwer aber nicht bedrohlich, und hier würde er die Abkühlung finden die er so dringlich benötigte.
Was für ein... Traum
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Keylon von Salberg





 Beitrag Verfasst am: 15 Sep 2018 12:40    Titel:
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Er war müde. Dennoch verbrachte er schon Stunden in der Kirche Adorans.
Kniete vor den Stufen die zum Altar hinauf führten und hielt zwiesprache mit sich und Temora. Sie hörte ihm zu und auch wenn sie nicht anwortete fühlt er doch das sie da war.
Eine Wärme umgab ihn und er fühlte immer noch die Präsenz die er damals gespürt hatte, als sie ihre Hand auf seine Schulter gelegt hatte. Immer wieder versuchte er sich dieses Gefühles zu erinnern, war ar süchtig danach. Und so war es auch der feste Glaube an die Schildmaid der ihm immer wieder half.
Zuletzt in der Caverne unter der Burg.

Leise betete er noch.
Herrin Temora, ich danke dir das die Sorge, die Prüfung hinter mir liegt.
Dafür, das ich Ruhe gefunden habe und
du mich das Tageslicht wiedersehn lassen hast.

Danach senkte er den Kopf, die Augen geschlossen und ohne es zu wollen döste er ein.
Dennoch war seine Ruhe die Erschöpfung zu der er sich jeden Tag zwang, so tief, das er zu träumen begann.
Erneut befand er sich an diesem Strand.
Doch dieses Mal war er Menschenleer, bis auf diese Frau... mit den grünen Augen.
Die Wellen rauschten gefahrvoll, der Sturm wehte die langen Haare Victorias zur Seite und zeerten an ihm. Sie zerrten ihn in alle Richtungen doch er trat rückwärts, fort von ihr.
Donner grollte und hier und da zuckte ein Blitz aus dem Dunklen hinab und erhellte für einen Moment den Blick. Das grausiege Lächeln auf ihren Zügen erschreckte ihn nicht einmal, viel mehr das Rudel Raben das auf einmal aus dem Dunklen stob erst sie umkreiste dann hinauffolg als würden sie ihr neues Ziel, ins Auge nehmen. Nämlich ihn.
Keylon begann zu zählen doch unterließ er es als er begriff das Zählen unnütz wäre. Der Griff zum Schwert ließ ihn bestürzend feststellen das er es nicht mit sich führte.
Langsam begann er doch Grauen zu spüren. Victoria...
Sie war nicht einfach nur aus Rahal...
Sie war wie Drakhon. Sie war eine Rabendienerin!

Kaum das er sich lösen wollte um sie, auch ohne Waffen überwältigen zu wollen, riss ein Licht das Dunkle der Wolken auf. Strahlend wie die Sonne traf es auf die Raben.
Dann ertönte der schrille Schrei eines Adlers der durch das Dunkle tauchte und mitten in das Rudel der Raben stieß, die Krächzend davon stoben.
Wer von ihnen nicht fort kam, wurde von dem Adler gerissen und fiel leblos Victoria vor die Füße die wütend Aufschrie.
Mit jedem Raben der Verschwand, riss die Wolkendecke weiter auf, und es wurde heller und heller. Selbst das Meer kam zur Ruhe, der Sturm verebbte, und als der Adler eine weitere Runde flog und die letzten Raben vertrieb, flog er einmal über Keylon hinweg, und ließ ein Schwert fallen das sich vor ihm in die Erde bohrte.
Er würde kämpfen.
Das Schwert erfassend stand er auf und trat auf die nun zurückweichenden Frau zu dann jedoch wurde ihr Blick fester. Hinter ihr trat nun Drakhon aus dem Schatten, trat hilfreich an die Seite der Frau dessen Kleid nun die Form das Aussehen veränderte, zeigte nun das was sie war, und nun war auch sie bereit, zum Kampf... Tanz? Sie trat gemeinsam mit Drakhon auf ihn zu .

"Denn ich bin dein Untergang, deine Vernichtung, deine Zerstörung. Und so die Zeit gekommen ist… werde ich mir holen, was mir zusteht.‘‘ säuselte sie wieder und mit einem Aufschrei voller Wut und Zorn erhob er das Schwert zum Kampf, über ihm der Schatten des Adlers, der ein Schrei ausstieß und ihn irgendwie wach zu rütteln schien. Mit einem Schlag war er wach.
Schwer atmend blickte er auf und bemerkte wo er war.
Sofort ließ er die Ruhe auf sich wirken, beruhigte sich und schwor sich doch etwas mehr darauf zu achten das er mehr schlief. Bloß keine Alpträume mehr.
Dankbar blickte er vor zum Altar und erhob sich.
Er sollte heim gehen. Respektvoll verneigte er sich vor dem Altar im stillen Dank.
Schon wieder so ein Traum. Er schämte sich fast dafür , aber zum Glück war es wirklich nur ein Traum gewesen.
Er drehte sich herum und mit irritation bemerkte er die Adlerfeder die auf dem Boden neben sich lag.
Nur langsam hob er sie auf und betrachtete sie fast vorsichtig als würde er glauben das sie etwas anders war als nur eine Feder. Doch sie funkelte weder Golden noch schimmerte sie.
Es war einfach nur.... eine Feder ...
Oder nicht?







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Victoria Deklie





 Beitrag Verfasst am: 31 Dez 2018 11:11    Titel:
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Ein Albtraum für jeden


Leises knirschen

Blut im Schnee

leises knirschen

schnelle Schritte

leises knirschen

eisig ihr Atem

leises knirschen

totes Herz


Ihr Atem formte kleine Wölkchen, während die Kinderfüße durch den hohen Schnee hasteten und den erschöpften Körper durch das Dickicht trugen. Die Lunge brannte, einem Inferno gleich. Die Wangen, aufgepeitscht und blutend, den Dornen und gefrorenen Ästen zum Dank. Angst die sich tief im Kinderherz eingenistet hatte. Dunkelheit und Schatten, welche das ehemals strahlende Licht verschlangen. Zitternd und unsicher jeder Schritt, welcher sie durch den dunklen Wald führten. Ein Irrgarten aus nackten Bäumen, schneebedeckten Ästen und Büschen, und keinerlei Aussicht auf einen Ausweg.

Ein Blick. Nur ein einziger Blick langte. Nie wusste sie, was Mutter trieb, sobald sie für einige Tage verschwand. Und wie man wusste, war die Neugierde des Menschen schon immer größer als der eigene Verstand.

Ein einziger Blick…

Blut ergoss sich auf der reinen, weissen Schneedecke. Der letzte Atemzug wurde getätigt und die blasse Hand rutschte vom nackten, erkalteten Körper, rutsche weiter zur Seite und hing schwer am Rande des Altars herunter. Als würde die Hand nach den Schatten greifen, welche sie einhüllten. Doch blieb nur noch das Gefäß. Nichts weiter als eine leere Hülle, dessen Seele den Körper verlassen hatte. Ein schmaler Rinnsal aus Blut suchte sich seinen Weg nach unten, floss den Arm hinab und bildete die letzten, schweren Tropfen die an Leben erinnerten und fielen langsam und schwer zu Boden. Das reine weiss war nun beschmutzt, so wie die Seele des Kindes.

Angst fesselte das kleine Mädchen. Das klare, grüne Augenpaar füllte sich mit Tränen. Schluchzend rannten die kleinen Kinderfüße los, ohne nachzudenken. Die warmen, liebevollen Umarmungen der eigenen Mutter nichts weiter als Schein. Die Hände in Blut getränkt und besudelt. Kalte Angst fraß sich wie ein Aas ins Herz. Sie rannte… und rannte… bis alles taub vor Kälte war. Die peitschenden Äste spürte sie kaum noch auf ihrer Haut. Doch machte ihr die Dunkelheit es schwer auch nur das geringste zu erkennen. Und auch die Tränen, welche sich in Strömen ergossen und ihre Wangen hinab liefen, legten sich wie ein Schleier über ihr Blickfeld. Etwas traf sie am Kopf und ließ sie stürzen. In weiter ferne erklang das Krächzen eines Raben…


Hitze nahm den Kinderkörper ein, wie eine schwere Last, die einen von Innen verbrennen ließ. Wie lange sie in diesem Zustand war, wusste sie nicht. Irgendwann ebbte das Fegefeuer in ihr ab und erste, wenn auch dumpfe, Töne drangen an ihr Ohr. Es waren Stimmen. Erst ernste, dann besorgte. Noch konnte sie die Stimmen keiner Person zuordnen und auch der schwache Geist entglitt ihr erst einmal wieder. Eine gefühlte Ewigkeit verging. Die Augenlider waren schwer, hoben sich kaum an. Es dauerte eine ganze Weile bis sich ein leichtes blinzeln durchführen ließ. Einmal… zweimal… bis es mit jedem Lidschlag besser und besser wurde. Der Kopf pochte noch leicht. Vorsichtig half man dem Kind sich etwas aufzusetzen, im Rücken mehrere, weiche Kissen. Als sich das grüne Augenpaar durch die Räumlichkeit bewegte, fielen ihr erst all die besorgten Blicke auf.

Ihr Vater und Bruder wachten über sie. Sofort wurden die bediensteten geholt, der Hofheiler und ihre Mutter. Körperlich war sie schwach, die Erinnerungen verblasst. Natürlich wollte man wissen, was sie in diesem Wald suchte. Doch sie wusste es nicht mehr. Alles was geschehen war, ward vergessen.

Am Abend kam der Kreis der Magier. Rituelle Untersuchungen fanden statt. Am einen Tag.. am nächsten… und auch an den Folgetagen. Selbst als das Mädchen wieder vollkommen genesen war, kam der große Rat und führte weitere Publikationen durch. Am Ende dieser sagten ihre seltsam leeren Blicke bereits alles. Das Gespräch mit ihrer Mutter nahm den ganzen Abend ein und endete erst spät in der Nacht.

Leise betrat Mutter das Zimmer. Der Blick, welcher immer voller Wonne und Wärme gefüllt war, beherbergte nur noch eine tiefe leere. Die Kälte, die sich dahinter verbarg, war beinahe auf der eigenen Haut zu spüren.

Ohne ein Wort kam sie langsam auf das Kind zu und ein seltsames Gefühl schloss sich um das kleine Herz. Langsam streckte Mutter die Hand nach ihr aus, legte sich auf den kleinen, gelockten Schopf und packte ruckartig zu. Das Kinderschreien war im ganzen Turm zu hören. Tränen liefen über die zarten Bäckchen, die Hände griffen nach den Fingern der Mutter und versuchten, ohne Erfolg, sich aus ihrem eisigen Griff zu winden und zu befreien.

‘‘Nein Mutter! Nicht! Bitte nicht Mutter! Mutter, nein!‘‘

Mutter störte sich nicht an dem hellen Aufschrei des eigenen Kindes. Der Griff in ihrem Haar festigte sich und all die Blicke jener, die ihr sonst so viel Freude gaben, wandten sich ab. Keine Wache sah hin und selbst Bruder und Vater schauten lieber betreten zu Boden.
Ein übler Gestank breitete sich langsam aus, als sie sich den Kellergewölben näherten. Die Füße rutschten auf dem Boden aus, die Knie schlugen an den Treppen auf und immer wieder hörte man nur das hilflose Schluchzen des Kindes. Die schwere Eisentür öffnete sich quietschend. Mit einem Ruck wurde sie in den Kerker gestoßen.

‘‘Mama!‘‘, rief das kleine Mädchen weinend. Und es waren diese kalten Worte, die ihr alle Hoffnung raubten.

‘‘Einen Schandfleck habe ich zur Welt gebracht.‘‘

Mit einem leisen, heulenden Quietschen schloss sich die schwere Eisentür.


Ruckartig zuckt der schmale Körper zusammen. Die wohlwollende Dunkelheit legte sich wie eine samtige Decke über sie. Die Kerze, welche sich in ihrem geheimen Kämmerchen befand, war mittlerweile abgebrannt. Der Duft der getrockneten Kräuter stieg langsam in ihre Nase. So langsam wusste sie wieder wo sie war. Wieder nur ein schlechter Traum. Wobei es doch mehr war als nur einfache Träume. Sie spürte die Pein auf ihr, die brennenden Schmerze der Peitsche, die sie immer wieder geschlagen hatte. Das eiskalte Wasser, welches man auf ihren geschundenen Körper goss und jeden Tropfen Blut, den sie verlor. Bis heute verspürte sie all das. Selbst die Macht ihres Herren war nicht im Stande dazu sie all ihr Leid vergessen zu lassen. Vielleicht war es auf der anderen Seite sogar besser, denn so würde sie stets ihren Hass nähren, welcher wie ein keimender Samen in ihr heranwuchs und gedieh.

Kalter Schweiß hatte sich auf ihrer Stirn angesammelt und noch immer schlug das Herz eine wilde Symphonie in ihrer Brust. Erst nachdem sie sich innerlich beruhigte, ging sie wieder in das obere Stockwerk ihres Zuhauses. Der leichte Gestank einer Leiche umhüllte den Raum. Ihr ‘‘Gast‘‘ spielte gerade mit dem Torso eines jungen Mannes. Ein schmieriger Langfinger, der mutig genug war, sich in das Heim von ihr und ihren Raben zu schleichen. Doch rechnete er wohl nicht mit ihrer Wildkatze. Wildkatze… wohl genau das richtige Wort für ihren weiblichen Besuch. Überall hatte sie die Leichenteile im Haus verteilt, wie ein Hund der überall sein Spielzeug hinterlegte. An manch einer Stelle blieb nicht mehr als ein Knochen übrig. So konnte man nur erahnen, was mit den fleischlichen Überresten geschah. Die zweite Leiche, eine junge Diebin, lag auch irgendwo im Haus verstreut herum. Es war interessant zu beobachten wie sie mit ihrer Beute spielte. Eine wahrer Wildfang. Seufzend ging sie nach oben in das Arbeitszimmer. Das stete, leise klacken ihrer Absätze untermalte ihren geschmeidigen Gang und geleitete sie überall mit hin. Sie ließ sich auf das Knochensofa fallen. Und obwohl ihre Gestalt eher zierlicher, zerbrechlicher Natur war, fühlte sie sich heute Nacht Tonnenschwer an.

Der Himmel war Sternenklar. Die winzigen Lichter am Himmel erleuchteten einem so gut es ging den Weg. Schnee lag wie eine weisse Decke aus Seide über dem Land. Eigentlich ein schöner Anblick. Für sie war dieser Anblick ungenießbar. Wie ein Wein, den man viel zu lange hat offen stehen lassen. Die Gedanken schweiften ab. Vor wenigen Monden zog der Rabe seine Kreise. Flog über Berg und Tal, ließ den Blick schweifen. Als der Rabe wieder kehrt machte, führte sein Weg über Düstersee. Vielleicht ein Wink des Schicksals. Denn inmitten der kleinen Stadt erblickte sie die Wildkatze. Wie ein wildes Raubtier hatte man sie eingesperrt. Offenbar hatte sie einen Bewohner gebissen, sich wie eine Irre aufgeführt. Das helle, grüne Augenpaar musterte sie, prägte sich jede Bewegung, jede Mimik ein. Sie musste sie haben! Etwas tief in ihr schrie danach sie besitzen zu wollen. Auf den ersten Blick hin wirkte sie wie eine Geisteskranke, wie eine besessene. Die nächsten Wochen über kam der Rabe täglich in die Stadt. Nicht unbedingt in ihrer wahren Form. Der Rabe legte sein Auge auf sie, beobachtete die Beute wie Aas, welches kurz davor stand sich auf sie zu stürzen. Selbst die Ahad und die Templerschaft wurden herbei gerufen. Am letzten Tag gesellte sie sich in ihrer menschlichen Gestalt hinzu. Das Urteil wurde gefällt und das gesamte, anwesende Volk folgte. Inmitten des kleinen Marktplatzes standen alle um sie herum. Die Wildkatze in der Mitte des Geschehens. Peitschenhiebe und ein zugenähter Mund. Jeder Hieb der die Wildkatze traf, jeder Stich der ihre Lippen durchdrang und jeder Tropfen Blut der floss, brannte auf ihrer eigenen Haut. Und doch… schaute sie mit eisigem Blick zu und ließ es auf sich wirken. Sie musste sie haben…

Die Templerschaft nahm sie mit sich. Was nun mit ihr geschehen würde wusste man nicht genau. Unzufriedenheit legte sich auf ihr Gemüt. Als Victoria in ihrem Heim ankam setzte sie sofort ein Schreiben an den Tempel auf. Doch nichts geschah. Die junge Dienerin lies einige Tage vergehen, setzte ein weiteres Schreiben auf und noch eins... und noch eins. Ein Wink des Schicksals führte sie nach Nimmeruh. Vielleicht würde sie dort die Ruhe finden die sie brauchte, um ihre Studien fortzuführen. Recht unerwartet war das Klopfen, welches nach einigen Stunden an der schweren Eisentür zu hören war. Tatsächlich brachte man die Wildkatze nach Nimmeruh. Der Tempel war nun an jenem Punkt angelangt, an dem man nicht weiter kam. Nach einem ausgewogenem und zufriedenstellenden Gespräch nahm sie die Wildkatze an sich. Mit ihrem vierbeinigen Begleiter, der nur noch aus schweren Knochen und vermoderten Muskelfetzen bestand, traten beide den Heimweg an.

Die darauf folgenden Tage waren kurz. Genauso wie die Nächte. Es musste erst einmal eine Basis geschaffen werden. Erst als sie beide halbwegs im Einklang waren, konnte sie sich wieder zur Ruhe begeben und auch die eine oder andere Stunde länger schlafen. Mit kleinen Schritten konnte sie nun mehr und mehr über ihren Gast herausfinden. Ob die Aussagen nun aus einer Lüge oder der Wahrheit bestanden, sei dahin gestellt. An jenem Abend stellte sich der Ursprung ihres Seins heraus. Das Wesen das in ihr lebte. Das was aus ihr machte was sie war. All das schien in Verbindung mit der Kette zu stehen, die sich wie eine Schlange um ihren Hals legte. Die Herausforderung war groß, denn die Wildkatze schlief nicht und wenn dann ruhte sie sich meist nur für kaum einen Glockenschlag aus. Vielleicht war es an der Zeit die Wildkatze schlafen zu legen. Nicht heute und auch nicht morgen. Einige Tage waren vergangen. Die einst menschlichen Überreste waren entsorgt und neue beschafft. Ein Lächeln schlich sich auf Victorias Züge. Irgendwie machte es ihr Spaß, dabei zuzuschauen wie sie die Leichen zerteilte und vom Fleisch zerrte, welches stur an den Knochen hing. Im Laufe der Tage hatte sie in ihrem versteckten Labor Vorkehrungen getroffen. Sie war keine wirklich gute Alchimistin. Mehr oder weniger ungeübt. Doch konnte sie das ein oder andere Gift oder Schlafmittel herstellen. Es waren alte Rezepte die man in ihrer Heimat nahm, wenn jemand nicht schlafen konnte oder sich jemand als ungehorsam erwies. Das Schlafmittel war ein leichtes. Die Dosis nur gering. Die nächsten Tage über hatte sie immer wieder Fleisch präpariert und die Wildkatze beobachtet. Es war nicht einfach gewesen die richtige Dosis zu finden. Erst schlief sie gar nicht, war nur etwas träge. An den folgenden Tagen wurde es besser. Der schlaf übermannte sie. Erst zwei Glockenschläge, dann drei, dann vier… Irgendwann schlief sie sogar die ganze Nacht durch.

Mit einer großen Vorsicht nahm sie sich nun dem goldenen Schmuckstück an, studierte das äußere, suchte nach Verschlüssen. Doch war nichts zu finden. Kein Verschluss, kein Hinweis auf irgendeine Öffnung. Weitere Tage zogen ins Land, bis der erste Schnee kam. Inmitten der kalten Nacht nahm sie den Schlangenkopf in die Hand. Der Blick lag lange auf das giftige grün der Schlangenaugen. Die Zeit schien in diesem Augenblick still zu stehen. Bis endlich der erlösende Groschen fiel!

Mit einem leisen ‘Klick‘ öffnete sich der Mechanismus. Die Kette lag nun lose in ihrer Hand.


Zuletzt bearbeitet von Victoria Deklie am 31 Dez 2018 13:56, insgesamt 3-mal bearbeitet
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Shessidyr Shartir





 Beitrag Verfasst am: 22 Jan 2019 21:49    Titel:
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Sechzehn Leben



Mit einem leisen *Klick* öffnete sich der Mechanismus.

Todessang.

Die Kette lag nun lose in ihrer Hand.

Todessang.

Das giftige Grün der Schlangenaugen schimmerte dunkel im nächtlichen Licht und er war frei.

Todessang.

Doch wirkte es nur so, denn die folgenden Momente, Sekunden, Augenblicke und Herzschläge wirkten wie eine halbe Ewigkeit und darüber hinaus.

Jede Sekunde schien ein anderes Bild gewalttätig in die Gedanken des "Weißen Raben" zu projizieren. Die verworrenen und verstörenden Gedankenwelten, Visionen gleich, schienen sich im Kreise zu drehen, sich zu wiederholen, ineinander überzugehen um irgendwann wieder einen gefühlten Anfang zu bilden.

Und jede der Sekunden brachte eine eigene Gefühlsregung mit sich, die sich wie eine Mauer aus drückender, schwerer Hitze über die junge Frau warf. Freude, Angst, Ekstase, Verzweiflung, Liebe, Trauer, Treue, Hass, Begeisterung, Hoffnungslosigkeit, Hingabe, Wahnsinn, Erfolg, Rache... und so vieles mehr. Und auch sie gingen alle mal fließend, mal mit grausamer Kante ineinander über um entweder solipsistisch einsam zu existieren oder miteinander in unmöglicher Konstellation zu stehen.


EINS - ANGST - FREUDE

Ein Feld voller Sonnenblumen. Und Du mitten darin. Die Köpfe allesamt in Deine Richtung gerichtet. Der Himmel, der Himmel jedoch! Ohne Sonne, ohne Mond, nur eine sich ständig verändernde wabernde Mischung aus den Farben violett, schwarz und blutrot. Es regnet. Doch spürst Du keine Tropfen. Du weisst, dass hinter Dir das sichere Haus Deiner Eltern ist, doch so sehr Du Dich umdrehst, es scheint immer vor Dir zu entfliehen und nur in Deinem Blickwinkel zu existieren. Du läufst. Und doch stehst Du. Kein Entkommen.


ZWEI - LIEBE - VERZWEIFLUNG

Ein langer grauer Pfad. Du stehst an seinem Rande. Festgefroren. Vor Dir laufen in unendlicher Parade Gestalten wie aus Kohlebrocken gleich entlang. Der Himmel ist ein tiefes königsblau. Und da! Einer der Kohlemenschen hat ein Gesicht! Und so ein schönes noch dazu. Du spürst, wie Dein Herz Deinen ganzen Leib in Flammen setzt! Er ist so schön! Du wagst es nicht, ihn anzusehen. Und doch bleibt er stehen. Bei Dir! Er sagt Dir seinen Namen! Er ist einfach so schön! Du willst immer bei ihm sein! Doch... warum geht er? Er geht! Warum geht er?! Warum wird er wieder zum Kohlemenschen...? Nein...


DREI - HOFFNUNG - SCHMERZ

Alles ist grün! Ein wahres grünes Inferno. Blätter, Bäume, Büsche, Äste, Sträucher, Gras, alles da, alles im Weg! Doch Du weisst, dass er da ist! Immer geradeaus. Der Hunger zehrt an Deinen Kräften, der Durst an Deinem Verstand. Doch Du weisst, dass er da ist! Sie sind in diese Richtung gegangen. Ist er das? Nein, das ist ein Baum. Ist er das? Nein, das ist ein Strauch. Ist er das? Nein, das ist ein Wolf! Ein lauter Schrei. Die Welt dreht sich. Ein einziger Wirbelsturm aus Grün. Wunderschön! Doch diese Schmerzen. Alles wird schwarz...


VIER - WAHNSINN - RACHE

Du läufst eine staubige Straße hinab. Es ist heiß. SEHR heiß. Deine Haut ist feuerrot und wirft kleine Blasen. Du siehst nicht viel, Deine langen struppigen Haare hängen wie Lianen vor Deinem Gesicht. Alles flimmert. Du läufst gegen eine unsichtbare Wand. Da! Eine Stimme! Ein Schrei! Und alles wird rot. Du empfindest Freude. Denn das rot ist Blut und du weisst, dass er Dich angelogen hat. Du empfindest Traurigkeit. Und die Straße führt weiter. Stechender Schmerz - und alles wird schwarz. Und alles wird rot. Und Du siehst nur noch ein Bild vor Dir: Zwei abgeschlagene Hände, die einen Magen voller Goldmünzen halten.


FÜNF - HOFFNUNGSLOSIGKEIT - HOFFNUNG

Die Welt ist schwarz. Doch da steht er! In einem Lichtstrahl! Er ist so schön! Du hörst Wellen, Wasser, das Meer! Du willst zu ihm, doch es kommen immer mehr Kohlemenschen, die Dir den Weg zu ihm versperren. Doch endlich! Du hast es geschafft! Er sieht Dich an. Du bist so glücklich! Und er streckt die Hand nach Dir aus. Er fasst an Deine Brust. Nein, IN den Brustkorb! Was macht er da? Er reisst Dein schlagendes Herz heraus! Warum tut er das?! Er wirft es auf den Boden! Es zerspringt wie eine Vase aus Glas. Und Du fällst. Als könnte die Welt Dich nicht mehr halten. Und er sieht weg. Und alles wird dunkel.


SECHS - BEGEISTERUNG - GIER

Vor Dir ist eine Gestalt. Sie besteht zur einen Hälfte aus einem Mann und zur anderen Hälfte aus einem Panther. Du bewunderst dieses Wesen so sehr! Du weisst, dass es nicht sterben kann! Ist das derjenige, den Du gesucht hast? Du willst das Wesen berühren. Und bist eingesperrt. Überall Gitter. Es wird kalt. Wo ist Dein Herz, fragst Du Dich... alleine im Dunkel.


SIEBEN - HINGABE - SCHMERZ

Der Panthermann ist vor Dir! Seine schwere Rüstung schimmert im Licht, obwohl es völlig dunkel ist. Du siehst nur ihn vor Dir, er läuft, flaniert, schreitet wie ein Gott in einer Welt, die nur aus königsblau besteht! Du hörst Stimmen und siehst Dich um. Doch als der Panthermann aus Deinem Blick verschwindet als Du zur Seite siehst, wird die Welt in einem Bruchteil eines Augenblickes rot und Du spürst, wie unerbittliche Riemen einer Peitsche Dein Fleisch züchtigen und das Gefühl von Feuer und Lust auf Deiner Haut hinterlassen. Wo ist der Panthermann?! Da! Du siehst ihn wieder! Mit einem Male ist die Welt wieder königsblau und angenehme Kühle und ein Gefühl der Sicherheit umgibt Dich. Du folgst ihm.

ACHT - WAHNSINN - PANIK

Tiefe Nacht. Du schläfst. Doch Du siehst Dich selbst schlafen. Eine Frau kommt zu Dir. Sie schleicht wie ein Raubtier um Dich herum. Todessang. Was will sie von Dir? Todessang! Sie singt... ein Lied! NIANA KYTARR! Du spürst, wie Du immer stärker wirst! Du spürst, wie die Nacht Dich nicht mehr halten und der Tag Dich nicht mehr bannen kann! Du wirst zu Deinem Körper hingezogen und gleitest in ihn hinein wie der Wind ein Seidentuch auf eine Statue läge. Doch es ist nicht Dein Körper, nein! Da sitzt jemand! Ein junges Mädchen mit orangeroten Haaren. Es sitzt zusammengekauert in einer Ecke. Du hast sie endlich gefunden! Endlich gehört sie Dir alleine! Nun kann sie Dir nicht mehr entkommen! Du siehst ihre großen furchterfüllten Augen, denn sie weiss, dass sie Dir nun nicht mehr entkommen kann und bereits weiss, was Du nun mit ihr tun wirst. Oh, all diese Dinge. Oh, all diese Nächte. Todessang!


NEUN - SCHMERZ - EKSTASE - FURCHT

Und plötzlich! Da war es wieder! Du siehst es vor Dir! Eine Gestalt aus Deinen Träumen und Gedanken... sie starrt Dich direkt an. Das war nur ein Traum! Ein grässlicher Traum! Es musste so sein... nirgends sonst gibt es solche Wesen!

Zwei Köpfe, zu einem verschmolzen, schwebten auf dem Halsstumpf der Kreatur. Der eine Kopf sah aus wie jener des Kohlemenschen, den Du schonmal gesehen hast... und der Dir so vertraut vorkam! Und die andere Hälfte... sah aus wie der Panthermann... Wie geschmolzen gingen die beiden Gesichter der Männer ineinander über, wobei der Mund des einen an der Stirn des anderen war, die Augen weit und verrückt aufgerissen. Der Körper war aber der einer Frau! Jedoch kalkweiss und mit Narben übersät... und verdreht! Verdreht, wie ein ausgewrungender Waschlappen. Es lacht... es lacht dreckig... etwa über Dich? Oder Deine Angst? Du willst nur noch weg.

Aber Du kannst Dich nicht rühren.
Keinen Finger rühren, um es zu vertreiben.
Keine Augen schliessen, um es nicht sehen zu müssen.
Keine Lippen öffnen, um um Hilfe zu schreien.
Keine Beine bewegen, um wegzulaufen.
Egal, wohin Du siehst, es ist vor Dir.

Du bist gezwungen, dieses grauenhafte Wesen anzustarren, doch war es auf einmal, als würdest Du fortgerissen. Weg von diesem Alptraum.

Alptraum? Ja! Du musst das nur geträumt haben... denn Du öffnest Deine Augen und liegst wieder in diesem Zimmer, welches gleichermassen Dein Gefängnis war. Du bist erleichtert, atmest erleichtert ein und aus. Es war nur eine Vision. Diese war schrecklich, aber das Wissen, dass Du sie nur ab und an siehst, war Beruhigung.

Doch mit einem Male verspürst Du etwas. Bestialische Schmerzen waren es! Doch nicht nur irgendwo, nein... am gesamten Körper! Was war das...? Du hebst den Kopf und blickst an Dir herab. Was Du siehst, muss auf Dich wie eine Ewigkeit gewirkt haben... doch war es in Wirklichkeit wohl nur eine Sekunde in einer Sekunde.

Es war ein Bild des Grauens. Das Bettlaken hatte eine schwarz-rote Färbung angenommen und leises Tropfen von zäher Flüssigkeit war zu hören. Dein ganzer Leib ist überzogen von grässlichen Kratzwunden... tiefe Wunden, aus denen Dein Blut nur in Strömen fliesst und dem unschuldig reinweißen Bettlaken seine abartige Färbung gibt. Deine Arme weisen kräftige Bisswunden auf...

Nur einen Augenblick später realisierst Du, dass Du es wohl selbst gewesen sein musst... denn an Deinen krallengleichen Fingernägeln hängen noch einige Hautfetzen... sie wirken regelrecht abgeschabt. In Deinem Gesicht, an den Beinen, den Armen, dem Bauch - einfach überall! Überall diese klaffenden Wunden...

Der Schockmoment war vorüber und gnadenlose Schmerzen breiten sich stärker als jemals erlebt über Deinen Körper aus. Kurz bevor eine Ohnmacht durch den massiven Blutmangel Dir die Welt vor Augen verschwimmen lässt, reisst Du noch Deine Lippen auf und ein gellender Schmerzensschrei verlässt den stark verstümmelten Körper... bevor alles schwarz wurde.


ZEHN - ANGST - VERZWEIFLUNG


Du hörst eine androgyne Stimme. Sie spricht immer wieder monoton die folgenden Worte mit einer abscheulichen Sicherheit:

"Und am Ende signalisiert eine Erschütterung des Weltengefüges das Ende aller Dinge...

Gerimor wird sterben... ebenso seine umgebenden Inselreiche!

Eluives Essenz wurde endgültig vernichtet!

Nichts mehr blieb der Göttermutter...

Horteras war gezwungen, zuzusehen, wie Eluives Essenz schmolz.

Menschen, Elfen, Letharen, Menekaner... sie alle...

Alle fielen in die aufgebrochene Welt hinein...

Tief in die Abgründe, in denen die grässliche Explosion stattfand .

Sie weckte alle Götter - alle!

Und sie alle kamen, um zu retten, was zu retten war... vergebens!

Dabei übergab Alatar seine Schwester Temora der Vergessenheit, als ihr göttlicher Leib von dem Brudermörder zerschmettert wurde, als sie sich voller Sorge auf die Welt zustürzte.

Doch auch Alatar würde vergehen...

wie alle anderen, als ein grauer Schatten sie alle vernichtete!

Und so Endete es, wie es alles begann...

Im Nichts..."


ELF - HITZE - KÄLTE - VERGESSENHEIT - SCHMERZ

Du spürst etwas an Dir ziehen. Immer stärker! Etwas zieht Dich ins Dunkel. Und Du siehst nichts mehr. Nur noch Nichts. Du bist eingesperrt. Jemand trägt Dich und Dein Gefängnis! Die Welt ist rot. Und schwarz. Und kalt. So unendlich kalt. Du wartest.


ZWÖLF - KÄLTE - BEGIERDE

Alles um Dich herum ist dunkel, finster, grabeskalt. Doch Du rufst. Unaufhörlich. Du weisst nicht, wen, aber doch weisst Du es mit einer absoluten Sicherheit. Und Du spürst etwas. Nähe. Berührung. Und mit einem Male siehst Du wieder etwas! Um Dich herum ist alles in tiefstem blaugrün gehalten. Und Du spürst, dass Du stirbst. Und sofort wird wieder alles schwarz.


DREIZEHN - ZORN - LUST

Sie lügen! Deine Sicht wird immer wieder von überwältigenden gelbfarbenen Wellen gestört. Du siehst immer wieder Gestalten wie aus Kohle auf Dich zulaufen. Du zerschlägst sie alle mit großer Leichtigkeit. Und Du isst sie! Zu den gelblichen Wellen gesellt sich ein sattes blau. Als Du die Fetzen der Kohle in Deinen Mund schiebst, spürst Du, wie Du Dich immer stärker fühlst und ein Kribbeln durch Deinen ganzen Leib wandert. Sanfte Töne von rot schleichen sich ein. Du hast Hunger. Großen Hunger! Und Du hörst einen Namen: "Terren!!!"


VIERZEHN - ANGST - HASS

Grau. Die Welt ist grau. Du liegst in einer kleinen Gefängniszelle am Boden, in Ketten. Du kannst Dich nicht bewegen, bist wie gelähmt! Vor Dir steht eine Person. Doch besteht sie vollends aus Kohle. Nur das Gesicht... es verändert sich stetig! Und ein jedes Mal, wenn das Gesicht sich ändert, spürst Du etwas anderes... und es lacht über Dich. Es sind viele. Sie haben Angst vor Dir. Du kannst es riechen.

Der kaltherzige Ritter... Du bist ihm egal. Er hält Dich wie ein Tier.
Die unsichere Ratsdame... Sie wünscht sich, Du wärst nicht hier. Sie möchte auch nicht hier sein.
Die Heilerin mit dem Sprachfehler... Du bist ein Versuchsobjekt für sie. Sie nimmt Deine Hände ab.
Der Ritter des Panthermannes... Er kennt Dich. Er gibt vor, Dich nicht zu kennen.
Die Priesterin des Tempels... sie ist eine Fassade. Doch sie trägt eine Maske.
Die Herrin des Panthers... Sie ist mächtig. Sie ist klug. Sie ist unsicher.

Und so viele Gesichter mehr, die Du nicht einordnen kannst...



FÜNFZEHN – SCHMERZ - HASS

Deine Welt ist ein Tunnel in den schillerndsten Farben. Rund um Dich herum hörst Du viele, dutzende, sind es hunderte? Stimmen. Aufgeregte Stimmen, sehr viele! Du hast furchtbare Angst. Denn Du weisst, dass ICH Dich hierher gebracht habe und Du nichts dagegen tun konntest. Jemand redet. Du hörst die Stimme nur gedämpft. Deine Tränen und Dein Herzschlag lassen Dich die Welt nur wie durch Watte wahrnehmen. Du willst fort, aber sie lassen Dich nicht. Du wirst festgehalten. Aber... was tun sie da?! Jemand näht bei vollem Bewusstsein Deine Lippen zu! Mit einem dicken Lederfaden! Du willst schreien, Tränen verlassen Deine Augen, mein liebes Kind, doch alles, was Du hörst, ist mein Lachen. Niemand sieht Deine Unschuld. Der Mann vor Dir auch nicht. Er geniesst es, Dich leiden zu sehen. Jeder Stich mit der Nadel lässt Deine Sinne verschwimmen, die Welt für einen Augenblick verzerrt wahrnehmen. Deine Lippen sind versiegelt. Du spürst ein grausames Brennen, als wäre Dein Mund mit kochendem Pech gefüllt. Du ringst mit den Schmerzen, als sie Dich Deiner Kleidung berauben. Du willst Dich bedecken, doch ich lasse es nicht zu. Die Menge starrt Dich an. Sie wollen Blut sehen. Deines!

Du willst weg. Aber sie lassen Dich nicht. Und Du hörst und spürst ein Knallen. Das Brennen, welches eben noch an Deinen Lippen hing, ist nun auf Deinem Rücken. Eine Bullenpeitsche reisst das Fleisch Deines Rückens auseinander! Du empfindest große Schmerzen, Du willst schreien, aber es geht nicht. Denn Dein Schrei öffnet nur Deine Lippen. Die Nähte halten. Und doch können sie den Reflex nicht vollständig unterdrücken und die beiden Schmerzquellen verschmelzen zu einer unbeschreiblichen Qual. Erneut trifft er Dich! Die erste Naht reißt! Oder war es das Fleisch Deiner Lippen? Du gibst auf, ich spüre es. Aber es ist noch nicht vorbei, mein liebes Kind. Es hat gerade erst begonnen...


SECHZEHN – ERLÖSUNG - ÄQUILIBRIUM

Du erwachst aus einem Traum. War der Traum Dein Leben und Du bist tot? Du hörst Stimmen.

Das trügerische Goldhaar...
Das Kind des Meisters...
Der Nachtfluss...

Sollten sie alle nicht aus Kohle sein? Waren sie ein Teil des Traumes? Und doch erinnerst Du Dich an sie. Denn sie alle haben Dich zu mir geführt, mein liebes Kind.

Dein Leiden...
Deine Macht...
Deine Tränen in stiller Nacht...
Todessang...!
Sonnenblume mein...
gehst ins Grab jetzt ein...
Lang gewesen bist du mein...
Todessang!
Weißer Rabe...
ohne Klang, hörst Du meinen Leidgesang?
Nun gehörst Du mir, mein Kind...
folge meinem Ruf... geschwind...
TODESSANG!

. . .


Sechzehn Sekunden. Acht Atemzüge. Vierzig Herzschläge.

Das Gefühl von glühenden Nadeln im Gehirn. Es ist so schwer, zu atmen. Und dieses Flüstern! Aus allen Ecken scheint es zu kommen. Selbst aus dem eigenen Kopf.

Die sechzehn Sekunden mögen kurz wie ein Traum zur Mittagszeit erschienen sein, doch genügten sie dem Phantom, sich zu manifestieren und sein neues Gefäß, sein neues Opfer, seine neue Wohnstatt, seinen neuen Besitz genauestens zu studieren.
Die junge Frau namens Victoria war ein saftiges Beutestück. Ihr gemarterter Geist schien heller als die Sonne an einem klaren Wintertag. So viele schmerzhafte Erinnerungen waren unter ihrer jungen, ansehnlichen Fassade verborgen. So viel Leid hatte sie erlebt. Ihr Geist wurde bereits gebrochen. Einmal. Zweimal. Dreimal. Vielmal. Und doch ist sie stark.

Der alte Name wird vergehen, beschloss das Phantom. Diese Hülle habe ihm lange genug gedient. Endlich fand sich jemand, der das Gefängnis öffnete, in das dieser unsägliche "Priester" Tyrius Sendar das Phantom einst verbannte.

Der Todessang witterte die pulsierende Energie der jungen Frau. Sie wird ihm so gut zu Diensten sein, ja!

Vor Victorias Augen spielte sich etwas merkwürdiges ab: Sie sah in der Ecke ein altes, abgenutztes Schaukelpferd. Es begann zu wippen. Von alleine. Und bewegte sich geräuschlos wippend auf sie zu. Ein leises Summen, eine Melodie eines Kinderliedes war zu hören. Ein leises Kichern eines Kindes.

"Einen Schandfleck habe ich zur Welt gebracht!"

Ein knacken war zu hören, wie das Bersten von Eis.

"MAMA!"

Risse bildeten sich in dem Schaukelpferd. Und Blut begann, aus diesen Rissen zu tropfen. Erst wenig, dann mehr. Immer mehr!

‘‘Nein Mutter! Nicht! Bitte nicht Mutter! Mutter, nein!‘‘

Aus den Wänden des Kellers brachen die Steine heraus. Und hinter ihnen schwallte noch mehr Blut heraus. Victoria stand bis zu den Knien in zähem dunkelroten Blut. Aus allen Richtungen konnte sie die Schreie des kleinen Mädchens hören. Es waren ihre eigenen. Lange verdrängt und nun wieder gnadenlos an die Oberfläche ihrer Seele gerissen.

"Er kommt! Gib Acht!" war noch als angsterfülltes Amalgam des Flüsterns von unzähligen Stimmen von Jungen und Mädchen, Männern und Frauen, jung und alt, zu hören, als das Schaukelpferd zusammenbrach und in dutzende Stücke zerbarst.

Stille. Atemlosigkeit. Victoria stand dort alleine im Keller. Vor ihr lediglich ein schwarzes verschrumpeltes Herz mitten im Raum. Leise erklang in der Ferne eine schwere Glocke.

Todessang!

Aus dem Herz erwuchs eine Nebelschwade. Ein weiterer Glockenschlag,

Todessang!

Die Nebelschwade wurde größer und nahm Gestalt an. Ein weiterer Glockenschlag.

Todessang!

Die grauschwarze Nebelschwade pulsierte und windete sich, etwas war in ihr zu erkennen. Ein weiterer Glockenschlag.

Ein Kichern eines kleinen Mädchens war zu hören.

In der Nebelschwade werden Knochen sichtbar. Und hinter diesen Knochen scheinen Gesichter zu sein! Viele Gesichter! Sie alle bewegen sich in einem nie enden wollenden Flux der Emotionen, manche lachen, manche weinen, manche schreien stumm, manche wirken leer. Ein weiterer Glockenschlag.

Und sie hörte die Stimme ihrer Mutter:

"Komm zu mir, mein Kind. Dann wird alles wieder wie früher sein!"
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Psychopathisch? Ich bevorzuge das Wort "kreativ"!
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