ich bitte Dich um Gehör.
Meine Worte zu Dir waren bisher selten und eher karg als ausführlich.
Sicher auch oftmals fluchender Natur.
Doch ich merke in den letzten Tagen immer mehr, wie wichtig es für mich ist, einfach so zu Dir sprechen, ohne Dir mein Leid klagen zu wollen.
Bestimmt gäbe es genug, dass ich Dir nun wieder aufzählen könnte.
Doch bin ich mir sicher, dass Du das ohnehin bemerkt hast.
Ich möchte Dir heute einfach danken.
Für die Stärke, die ich bisher erfahren habe und für den Rückhalt, den ich durch meine Familie immer zu spüre.
Mit dieser Hilfe möchte ich auch Deine nächste Prüfung bestehen.
Doch bitte, prüfe mich und prüfe meinetwegen auch meine Frau.
Aber lass die Zwillinge dort heraus!
Ich wünsche mir für sie ein Leben, das sie beschreiten können, ohne in Reue auf die vergangene Zeit zurückzublicken.
So wir den falschen Weg gehen, Herrin, weise uns!
Zeige mir den rechten Weg!
Ich will mich dem fügen und das tun, was sein soll.
Nicht mehr das, wonach mein aufgebrachtes Herz so unerbittlich schreit.
Lass mich nicht wieder bereuen, was ich tue.
Führe mich!
Leite mich!
Ich werde Dir endlich folgen.
Eine Weile verharrte er noch in dieser Haltung, in der er unterbewusst seine Augen geschlossen hatte. Sein Atem ging indessen ruhig und gleichmäßig. Als er sich dann doch wieder aufrichtete, begleitete das Rascheln des Robenstoffes wieder jede seiner Bewegungen bis hin in das Zimmer, das ihm und den anderen Novizen zur Verfügung gestellt worden war. Zu Beginn hatte er nicht geglaubt, es je überhaupt nutzen zu würden. Doch nun blickte er sich prüfend um, aufmerksam wohl als während der Rundführung am 11. Searum, und erkor schließlich das hinterste Bett zu dem seinen. Eines davon hatte Zargas sich offenbar genommen und das Dritte war unberührt seit einer Weile. Es musste dem ehemaligen Novizen Enzyan gehört haben. Weiterhin leise, um ja niemanden im Gebäudekomplex zu wecken, öffnete er die Truhe, die ihm zugewiesen worden war und begann dort hinein seinen Rucksack auszuleeren. Alles, das er nicht alltäglich brauchte, wanderte hinein und die Novizenkleidung am eigenen Leib wurde sodann auch gegen den immer beigeführten Schlafanzug ausgetauscht. Nachdenklich fuhr eine der beiden Hände durch das noch immer zu lang geratene, lockige Deckhaar. Morgen wäre ein Barbier dran. Und dann würde er seine letzten Sachen aus Kronwalden holen, um es sich für eine ganze Weile im Kloster gemütlich zu machen. Den Studien würde es sicher zu Gute kommen, wenn ihm nun die Bibliothek eine Art Nachbar war und keine Arbeit der Vergangenheit ihn mehr ablenken konnte. So nahm er sich auch vor, einige bestimmte Bücher zu durchforsten, wie er es schon nachmittags mit Hochwürden Hohenhain besprochen hatte. Und alles, was er daran nicht verstand oder wozu ihm Fragen einfallen würden, würde er auf einem separaten Pergament niederschreiben, um es dann in einem Gespräch mit den Geweihten zu klären...