Rutha
Es ist keine 20 Tage her dass der junge Lethar aus seinem Nest ins Axorn geschickt wurde. Körperliche Züchtigung und Qual waren seitdem seine Begleiter durch den Tag. Die ständige Mahnung und Erinnerung an die Regeln und der Hierarchie mittels Schmerz und Leid ließen ihn nur noch hasserfüllter werden. Sein Hass fokussierte sich im besonderen auf Menschen. Manche von ihnen haben sich zwar durch Ehrgeiz und Glaube eine gewisse Position im Reich erarbeitet und ließen auch ihn in Ehrfurcht verfallen... zugegeben, wäre diese Ehrfurcht ein greifbares Objekt dass man mit einem Metermaß abmessen könnte, würde sie nicht mal an den zweiten Millimeterstrich gelangen, dennoch... dahin musste man auch erstmal kommen. Im Vergleich, ein Aron'deryl würde bei so einem Maß ein gutes Stück hinausragen … aber auch dies konnte nichts an seinem tief verinnerlichten Hass auf diese widerlichen Kreaturen ändern. Eine seiner ersten Aufgaben die ihm nach seiner Ankunft im Axorn gegeben wurde war es die Sprache der Menschen zu lernen, die Handelssprache... er hasste sie einfach.. die Schuld daran, eine derart grausame Aufgabe erhalten zu haben gab er natürlich ihnen, doch auch wenn es ihm mehr als missfiel diese Aufgabe bekommen zu haben, verfolgte er sie natürlich mit dem Eifer eines Ersaufenden der nach dem letzten dünnen Faden Leben greift. Er mischte sich tagsüber häufiger unter sie, beobachtete sie und versuchte den Klang der Worte zu verinnerlichen, sie im Kopf nachzuäffen.
Was für ein lächerliches Bild sie doch abgeben... stinkender Abschaum... den Sauerstoff nicht wert den sie brauchen um sich durch den Tag zu hecheln.
Bei einem seiner Streifgänge durch die Hauptstadt des Reiches fiel ihm ein kleiner Bretterverschlag auf, unscheinbar auf den ersten Blick, beim zweiten umso wertvoller. Die Kanalisation versteckte sich darin. Eine andere Aufgabe für die Runenlosen war es nämlich ein Leitwerk über Foltermethoden zu entwickeln, eine Aufgabe nach seinem Gusto... damit konnte er seinen Wert beweisen. Es brauchte im Grunde nicht viel. Ein abgeschiedener Raum um seine Experimente fürs Erste geheim zu halten und ein Opfer. Das Opfer war der Knackpunkt, er wusste nicht wie weit er gehen durfte und welcher Hilfsmittel er sich zu nutze machen durfte um solch ein Leitwerk anzufertigen. Es nützte alles nichts, ohne Opfer wird es nicht gehen. Eines Nachts schlich er wieder durch die engen Gassen der Stadt. Am Hafen, so hatte er festgestellt trieb sich der widerwärtigste Abschaum unter den Menschen herum. Trunken von den Gesöffen die sie sich in den Spelunken und Tavernen eintrichterten und ihrer Sinne beraubt. Würde einer dieser Spießgesellen abhanden kommen, würde es nicht halb so viel Aufmerksamkeit erzeugen wie etwa das Fehlen eines Handwerkers oder sonst einer Made die sich hier und da schon einen Namen gemacht hat. Er hielt sich für mehrere Stunden in einem dunklem Winkel des Hafens versteckt und wartete darauf dass eines dieser Taugenichtse seinen Weg kreuzt. Der schummriger Mond des Abends schien ihm auf wundersame Weise zu helfen. Das ausgemachte Opfer wankte und taumelte die Gasse entlang, einer feuchtfröhlichen Runde geschuldet und wurde schließlich von einem dumpfen Schlag auf den Hinterkopf zu Fall gebracht. Ein Stofflumpen diente als Knebel, mit einer fingerdicken Kordel band er Hände und Füße zusammen und schaffte es in die Kanalisation.
Etwas weiter hinten, grob geschätzt einen halben Stundenlauf durch die verschachtelten Gänge befand sich ein Raum, wie gemacht für sein Vorhaben. Es schien als hätte er vor Urzeiten schonmal für solcherlei Zwecke gedient, denn an Ketten und einer hölzernen Pritsche in der Mitte des Raumes mangelte es nicht. Nur die Werkzeuge, die für die Aufgabe vonnöten waren musste er selbst mitbringen, aber an Sicheln, Dolche und Kneifzangen mangelte es im Axorn nicht, soviel war sicher...