Träume sind Schäume

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Adelena Bergon

Träume sind Schäume

Beitrag von Adelena Bergon »

"Hey Hübsche!?" Adelena öffnete träge die Augen und sah in Keylons lächelndes Gesicht.
Er beugte sich über sie und hinter ihm konnte sie die Sonne durch die Blätter der Bäume scheinen sehen. Es war ein lauer Sommertag und sie lagen beide auf einer Decke in einer Waldlichtung. Nicht weit entfernt plätscherte ein kleiner Bach und die Vögel sangen für sie in den Baumwipfeln. Verliebt lächelnd hielt er ihr eine Weintraube über die Nase. Sag "Aaaah!" meinte er und schmunzelnd öffnete sie den Mund damit er ihr die Traube hinein fallen lassen konnte.
Sie liebte Trauben und sie liebte ihn, das wurde ihr in solchen Momenten immer wieder bewusst. Sie waren glücklich und zufrieden, nur mit sich hier auf der Decke liegend, die Geräusche des Waldes genießend. Nur Ruhe und Frieden und zwei die wie frisch verliebt waren. So könnte es immer sein!
Als Dank für die kleine Köstlichkeit zog sie ihn zu sich hinab und küsste ihn innig.

Doch plötzlich kam ein harscher Wind auf und zerrte förmlich an den Baumblättern. Diese raschelten empört und Adelena fröstelte mit einem Mal. Sie bekam eine Gänsehaut und richtete sich alarmiert auf. Etwas stimmte nicht! Sie sah Keylon an und er wirkte mit einem Mal unheimlich müde und traurig. "Was ist denn los?" fragte sie ihn sichtlich verwirrt. "Du musst jetzt aufwachen meine Hübsche. Du träumst nur!" sagte er traurig zu ihr und schon schreckte sie zusammen als hätte der Tod selbst sie an der Schulter gepackt. Mit einem Ruck saß sie plötzlich kerzengerade am Tisch ihrer kleinen Studier-Ecke und riss die Augen auf. Tatsächlich.. Es war nur ein Traum gewesen. Noch etwas desorientiert sah sie sich um.
Vor ihr lag der alte zerkratzte Stab auf dem Tisch. Einst war es ein mächtiges Artefakt, doch im Moment war es wahrscheinlicher er würde verfallen. Sie lauschte kurz, doch im Haus war es still, auch das Kaminfeuer war bereits ausgegangen und die Glut tauchte die Räume in ein gespenstiges Licht. Draußen war es stockfinstere Nacht.

Sie fühlte sich müde und unbehaglich, doch gleichzeitig auch rastlos und kurz vor dem explodieren wie ein Vulkan. Trotzdem klang ihre Stimme fast ängstlich und flehend, als sie halblaut rief "Keylon? Bist du hier?" … Stille…
Ein Stich durchfuhr ihr Herz. Natürlich, sie hätte wahrscheinlich auch die Tür gehört wäre er heim gekommen. Dann machte sich wieder dieser kleine Hoffnungsschimmer in ihrem Herzen breit. Was wenn er schon unten im Bett lag und sie hatte seine Heimkehr wirklich nur verschlafen? Schon war sie auf den Beinen, stieß dabei sogar noch den Stuhl um und rannte förmlich die Stufen zum Keller hinunter und riss die Tür zum Schlafzimmer auf! Nichts. Keylon war nicht da.

Damit war das bereits die zweite Nacht, die er nicht zuhause verbrachte und ohne eine Nachricht verschwunden war. Sie wurde schon fast wahnsinnig vor Sorge! Zuerst dachte sie, er hätte vielleicht mit einem Kollegen Dienst getauscht und machte Nachtschicht, aber als sie in der Früh ans Tor kam, war er nicht da. Auch an der Palisade bei Berchgard war er nicht zu finden gewesen. Sie hatte nacheinander alles abgeklappert auf der Suche nach ihm, was ihr einfiel, das Kloster, die Kirche, die Bibliothek… stets ohne Erfolg. Sogar am Hospital war sie schon. Aber auch dort war keiner, immerhin damit auch kein verletzter Keylon.
Dann hatte sie versucht bei allen Verwandten und Bekannten nach ihm zu fragen, aber als hätte es Alathar höchst selbst so eingefädelt, war niemand zu Hause oder hatte ihn gesehen.

Sie hatte sich versucht zu beruhigen, sich einzureden dass alles gut war. Ging etwa 100 mal auf und ab in der Stube und bei jedem Geräusch vor dem Fenster stürzte sie sofort aus der Tür um zu sehen, ob er vielleicht endlich nach Hause kam, aber er kam nicht.
In ihrem Kopf schwirrten schon einhundert und drei Versionen, was passiert sein könnte und wie ein Mantra sagte sie immer wieder halblaut vor sich hin "Er kommt schon wieder, es ist ihm sicher nichts passiert!"
Sie wurde überrollt von Wellen der verschiedensten Gefühle, Angst und Wut schienen an ihr abwechselnd zu zerren wie zwei Verhungernde die sich um einen Braten stritten um sich an ihr zu nähren. Wenn er jetzt durch diese Tür kam, sie wusste nicht, ob sie ihm glücklich um den Hals fallen sollte, oder ob sie ihn vor Wut in 1000 Stücke sprengen sollte. Lag er vielleicht irgendwo verletzt und brauchte Hilfe und sie war nicht für ihn da? Oder hatte er etwas ausgefressen und machte wieder irgend eine Dummheit?
Ihr Herz schien jedenfalls schon in 1000 Stücke gebrochen zu sein, denn auch die Enttäuschung nagte an ihr. Wenn er nicht schwer verletzt war oder, Temora beware, schon tot, wo war er dann? Warum hatte er ihr nicht wenigstens eine Nachricht hinterlassen oder geschickt? Warum kam er nicht nach Hause, warum tat er ihr das an? Er musste doch wissen, dass sie fast verrückt wurde vor Sorge! Vertraute er ihr nicht? Hatte er Angst ihr etwas zu sagen?

Sie seufzte schwer. Morgen würde sie nochmal alle Verwandten und Bekannten abklappern und wenn alles nichts half, würde sie eben zum Regiment gehen und eine Vermisstenanzeige aufgeben für Keylon. Nun aber galt es, noch ein paar Stunden herum zu bringen, bevor sie wieder an jeder Tür klopfen konnte. Da sie aber eh keine Ruhe fand, beschloss sie einfach weiter zu suchen und so öffnete sie die Türe und trat hinaus in die Nacht auf der Suche nach ihrem Verlobten und der Antwort auf die Frage nach dem quälenden "Warum?".
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