Die Sonne im Rücken

Geschichten eurer Charaktere
Antworten
Gast

Die Sonne im Rücken

Beitrag von Gast »

Es geschah am Vormittag. Die goldene Stadt war ruhig und leer. Bei der brennenden Sonne trat ohnehin kaum ein Lebewesen vor die Tür.
Ich hatte es perfekt geplant. Wie selbstverständlich schlenderte ich mit einem keinen Bündel zum Hafen und mich hielt niemand auf. Nicht mal der Fährmann, der mich nach Bajard brachte.
Schließlich sollten sie denken, das alles so war, wie immer.

Das 'wie immer' änderte sich nur drastisch, als ich auf das große Handelsschiff trat und dafür bezahlte, aufs Festland gebracht zu werden.
Im Passagierbereich unter Deck war ich nicht allein. Ein paar einfache Leute mischten sich dazu. Manche grüßten sogar freundlich. Sie schwatzten über ihre Besuche auf dem Festland und wann sie nach Gerimor zurück kehren wollten.
Im Gegensatz zu mir, denn das hier, war eine Flucht.

Mein Herz beruhigte sich erst langsam, als das Schiff ablegte und gemächlich an Abstand zwischen sich und dem Hafen brachte.
Nach einer Weile wagte ich mich sogar auf das Deck und zog die frische, kalte Seeluft ein.
Gerimor verwandelte sich zu einem grünen Streifen am Horizont. Ich sah zu, wie die Insel langsam vom Meer verschluckt wurde und war unendlich erleichtert.
Ich war endlich frei und auf dem Weg in ein richtiges Leben. Mein eigenes Leben.

Es wäre gelogen zu sagen, das mein Abschied von der Wüste einfach war und ich keine Wehmut spürte. Aber diese Gefühle schob ich auf mein verwirrtes Herz. Jenes, das eine Frau geliebt hatte, die nicht zu Liebe fähig war und mir damit körperliche Schmerzen verursacht hatte.

Doch das Gefühl wandelte sich langsam und ich war fest entschlossen meine Gefühle für deses Land und seine Bewohner, genauso wie alles andere, dort zurück zu lassen.

Als das Schiff endlich in einem großen Hafen am Festland anlegte, dessen Namen ich nicht mal kannte, machte ich mich sogleich daran, in der Menge der Menschen zu verschwinden.
Denn selbst wenn mir jemand folgte, spätestens hier, sollten sich alle Spuren verlieren.

_______________________________________________________

I'm strong on the surface
Not all the way through
I've never been perfect
But neither have you
Antworten