Schweifende Gedanken, Sorgen und eine Pilgerreise

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Lucius von Lancre

Schweifende Gedanken, Sorgen und eine Pilgerreise

Beitrag von Lucius von Lancre »

Das schwache Sternenlicht fiel durch das schmale Fenster in der kleinen Kammer des Klosters, dass sich Lucius mit Damian teilte, den er jedoch nur selten sah. Die Mitternachtsstunde war schon vorüber, doch der Schlaf wollte den jungen Akoluthen nicht übermannen. Seine Gedanken schweiften ruhelos umher, fast greifbar waren die Bilder vor seinem geistigen Auge.
Sanjana wie er mit ihr sprach in der Kapelle und wie er ihr seine Sorgen mitteilte, wie sie selbst von irgendeinem Problem geplagt war und ihm nicht helfen konnte.
Asteve die ausgerechnet ihn, das jüngste Mitglied im Kloster um Rat gefragt hatte ob sie die Spende des Alkas annehmen solle.
Rika von Gryffenhorst, die ihm ihre Seele offenbart hatte, ihre Liebe zu einem Mann gestand den sie nicht lieben durfte und wie er ihr Trost mit einer einfachen Umarmung gespendet hatte.
Der Alka, der mächtigste Vertreter Alatars auf Erden, wie er ihn mit seinen Schergen umzingelt hatte, ihn verschonte nachdem Lucius sich als Templer ausgewiesen hatte und sicher war seinen Tod zu finden, seinen Glauben jedoch nicht verleugnen wollte. Was ihn jedoch wirklich erschüttert hatte in seinen Glauben, war die Tatsache, dass der Alka für das Waisenhaus eine ungeheure Summe gespendet hatte. War er vielleicht doch nicht so verdorben? War vielleicht alles nur eine Lüge? Nein, er hatte die gütige Göttin selbst gesehen in einer Vision, hatte ihrer Stimme lauschen dürfen und sie hatte sein Herz berührt. Sein Glaube war vielleicht erschüttert worden, aber nicht gebrochen. Doch er fühlte einen schwarzen Fleck auf seiner Seele, ein Makel den er sich selbst zugezogen hatte. Durch seinen Zweifel und war er auch noch so kurz hatte er Schuld auf sich geladen und er würde nicht eher Ruhe finden bis er sich davon rein gewaschen hatte.
Entschlossen und ohnehin keine Ruhe findend, zündete er eine Kerze an, die genug Licht verströmte, und packte seine wenigen Habseligkeiten zusammen. Rasch hatte er seine Robe übergestreift, und machte sich auf den Weg zum Haus der Erztemplerin. Wie fast jede Nacht brannte auch jetzt noch Licht darin. Alyssa schien selten wenig mehr als nur ein paar Stunden zu ruhen und so klopfte er leise an ihre Tür.
Nachdem er eingetreten war und ihr von seinen Sorgen berichtet hatte, bat er die Oberste Dienerin Temoras ihn für einige Zeit zu entlassen. Lucius offenbarte ihr er wolle eine Pilgerreise unternehmen zu den Schreinen der Geistigkeit und der Demut um Buße zu tun.
Die Erztemplerin entließ ihn und er machte sich noch in derselben Stunde auf den Weg. Das diffuse Licht der Sterne bot auf der Straße genug Sicht um rasch voran zu kommen. Bis zu Tagesanbruch wollte er ein gutes Stück des Weges zurücklegen und erst dann würde er kurz rasten und etwas essen.
Lucius von Lancre

Rückkehr zum Kloster

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Der Wind pfiff dem jungen Adeligen durch das Haar und brachte angenehme Kühle mit sich an diesem warmen Sommertag. Seine Kleidung war staubig, seine Haut an den Händen eingerissen und seine Stiefel fast durchgelaufen. Seine Robe, die ihn als Akoluthen des Temora Ordens auswies, war Staubig und Schmutzig, dennoch verneigten sich die Menschen die an ihm auf der Straße vorüber zogen und er begrüßte jeden freundlich. Einige fragte ihn nach seinem Segen oder ob sie ihm etwas zu essen und trinken anbieten könnte. Er lehnte jedes Mal dankend ab, er aß was er fand und trank das Wasser, das er aus Bächen, Flüssen und Seen schöpfte.
Er hatte erst den Schrein der Geistigkeit aufgesucht, tagelang meditiert und in Stille gebetet. Er hatte die Nähe Temoras gespürt und dies hatte ihm Kraft und Trost gespendet. Er hatte sich die Lehren seines alten Priesters allesamt wieder ins Gedächtnis gerufen und die Wahrheit in den Lehrer der gütigen Göttin aufs Neue verinnerlicht.
Geistig gestärkt verließ er den Schrein und wanderte weitere Wochen zum Schrein der Demut. Auch hier verbrachte er geraume Zeit um sich einzustimmen und die Lehren und die Weisheit seiner Göttin zu empfangen. Er erkannte das Alatar in der Tat nicht nur schlechtes an sich hatte, das selbst der Dunkle Gott auf seine Art Gutes bewirken konnte und nicht vollkommen schlecht war. Man musste jedoch differenzieren und darin lag die Schwierigkeit der Entscheidungen die in Zukunft auf ihn warten würden. Er hatte noch viel zu lernen und war gewillt dies zu tun.
Durch die tiefen Meditationen hatte er sowohl Körper als auch Geist entspannt, seine Seele in Einklang gebracht und fühlte sich fast wie Neugeboren. Er hatte einiges an Gewicht verloren, einerseits durch die langen Märsche, andererseits durch die wenige Nahrung die er zu sich genommen hatte, während der Gebete.
Die Bäume schwanden langsam aus seinem Blickfeld und die Ebenen, auf denen die Bauern ihre Felder bestellten, wurden langsam sichtbar. Hinter dem nächsten Hügel würde er bereits die Ausläufer Varunas in der Ferne erblicken können. Lucius hatte sich selbst ein Schweigegelöbnis aufgebürdet, bis er die Tore des Klosters durchschritt.
Er sah zwar, dass etwas vorgefallen sein musste, denn er sah viele Berittene und Patrouillen, aber er fragte nicht nach und zügelte seine Neugier. All seine Fragen würden beantwortet werden und er verspürte den Drang wieder einmal ein ausführliches Bad zu nehmen. Auch wollte er seinen Dienst im Kloster wieder aufnehmen und den Lehren seiner Mentoren lauschen.
Es vergingen noch gut zwei Stunden bis er endlich den Ordenstempel sah und Bruder Cassian begrüßte ihn herzlich als er für ihn die Tore öffnete…
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