Die See....Deine Liebe....Das Ende

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Die See....Deine Liebe....Das Ende

Beitrag von Gast »

Mit einem wohligen Seufzen streckte sie die Füße von sich in den warmen Sand am Strand von Adjosta. Ja, hier am Strand, im Schein der untergehenden Sonne konnte sie für einen Moment Ruhe finden. Ruhe, um die Gedanken zu sortieren. Alte Gedanken, die dringend verbannt gehörten.

Jahre zuvor….

Als Kind eines Fischers und seiner Frau, wuchs sie, Alejandra Ortiz, stets wohlbehütet auf. Ihre Mutter, eine leidenschaftliche und temperamentvolle Frau voller Herzblut, gab ihr all ihre Liebe, die sie hatte. Und so war Alejandra ein aufgewecktes kleines Kind ohne Sorgen. Doch die Tage voller Sonnenschein hatten scheinbar ein Ablaufdatum. Und so starb Alejandra’s Mutter bei der Geburt ihres dritten Kindes, als Alejandra selbst gerade einmal 6 Jahre alt war. Auf den Tagen des Sonnenscheins folgten Jahre der harten Arbeit und Strenge unter ihrem Vater Pablo.

Das karge Brot verdiente man sich, indem man in den frühesten Morgenstunden mit dem kleinen Fischerboot hinaus aufs Meer fuhr, um wenigstens genügend Fisch zu erwischen, um sich selbst zu ernähren und bei gutem Fang vielleicht noch etwas davon verkaufen zu können. Doch die harte Arbeit ging Alejandra zwar körperlich nicht leicht von der Hand, doch liebte sie die See, den Geruch des Salzwassers, der durch jede Ritze ihrer kleinen Welt dringen konnte. Geduldet wurde außer der Arbeit auf dem Boot und der Arbeit in dem kleinen Fischerhaus dem Kind wohl nichts. „Nach der Arbeit ist vor der Arbeit“ prügelte ihr Vater Alejandra Tag für Tag ein.

„Hüte dich vor den Piraten, lauf, wenn du sie siehst. Lauf um dein Leben Kind“ mahnte der Vater immer und immer wieder. Und so blickte sie voller Ehrfurcht auf die großen Schiffe am Horizont. Sie selbst hatte immer das Glück keinen Piraten von nahem sehen zu müssen.

Und so gingen die Jahre ins Land und aus dem kleinen Kind wurde eine junge Frau. Eine Frau voller Sehnsüchte, die sie nie offen zeigen durfte, geschweige denn darüber sprechen. Immer wieder beobachtete sie bei den spärlichen Ausflügen in das etwas weiter entfernte Dorf die Frauen in ihrem Alter. Adrett gekleidet, immer einen kessen Spruch auf den Lippen und behangen mit allerlei Tand und Schmuck. Neid keimte in Alejandra auf. Neid auch solche Freude am Leben zu haben.

Doch wohl lernte sie über die Jahre wohl gut ihre Gefühle zu verbergen und sich unscheinbar durch die Gassen zu bewegen. War sie doch eigentlich von recht ansehnlicher Gestalt, hätte man unter dem geflickten Kleid mehr erkennen können. Die schwarzen lockigen Haare stets unter einem Tuch verborgen, die fast schwarzen Augen voller Sehnsucht und Tatendrang, die Haut gebräunt von der Sonne und die Hände weit davon entfernt zierlich und feingliedrig zu sein, waren sie doch geprägt von der harten Arbeit.

Und eines Tages, gerade einmal junge 18 Jahre war sie alt….“Hüte dich Kind“….gedankenverloren schlich sie mit dem Korb in der Hand durch die Gassen, erblickte sie es. Ein riesiges Schiff, voller Schönheit und bis auf die Zähne bewaffnet….“Hüte dich Kind“…. Doch als hätte man ihre Ohren mit Watte ausgestopft schien auch ihr Hirn in jenem Moment verhüllt und so trat sie langsam näher. Der Bann dieses wunderschönen Gefährts schien stärker, als alles zuvor gekannte. „Hüte dich Kind“

Eine kleine Holzbrücke vermochte Zugang zu ihm gewähren und mit einem kurzen Blick vergewisserte sie sich, dass niemand an Deck war. Es nur einmal berühren….

Und so trat Alejandra an Deck, zitternd die Hände auf das nach Salz stinkende Holz gelegt und fast zärtlich darüber streichend blickte sie auf das Meer hinaus. Ihren Gedanken nachhängend schloß sie die Augen. Für sie war es wohl ein kurzer, lieblicher Augenblick, doch stand sie dort wohl zu lange, um unbemerkt zu bleiben.

„Ein ungebetener Gast könnte hier leicht sein Leben lassen“ zischte es in ihr Ohr und erst jetzt war sie sich gewahr, dass sie noch immer auf dem Schiff stand. Mit einem leisen und erstickenden Aufschrei der Verwunderung drehte sie sich um. Und da stand er…. Bei weitem größer, als sie selbst mit ihren gerade einmal 1.65, die schwarzen Haare fast zu gepflegt zu einem Zopf gebunden, die Haut ebenso braungebrannt wie ihre und seine perfekt ausgebildeten Muskeln zeichneten sich auch durch das weiße adrette Hemd ab. Über einen Kopf überragte er sie und in seinem Blick vermochte sie nicht zu erkennen, ob er sie nun gleich wie einen Fisch aufschlitzen würde oder sie einfach in die Bucht warf.

Hatte sie doch mit Männern keine Erfahrung, konnte sie auch nicht abschätzen was folgen würde. Er hob seine Hand und belustigt fast glitt sein Blick an ihr herab. Und mit einem Mal legte er seine Lippen auf die ihren, nahm sich einfach einen Kuss von ihren vollen Lippen und mit einem lauten Lachen ließ er dann von ihr ab. Er trat einige Schritte zurück, mit verschränkten Armen lag nun sein Blick auf ihr.

Doch als hätte dieser ungewollte Kuss etwas in ihr entfacht, das wie eine Katze bisher in ihr schlummerte. „Hüte dich Kind“…. Doch konnte sie die Wut ihm ausgeliefert zu sein wohl nicht verbergen und warf den einzigen Gegenstand, den sie noch immer in den Händen hielt nach ihm. Zweifelsohne kann man behaupten, dass dies mehr als waghalsig war und ein Korb wohl keine geeignete Waffe gegen einen Piraten war. Und so kam wie es kommen musste und der im Kampf geübte Mann wehrte den Korb ab, wie eine lästige Fliege.

Angetrieben von ihrem aufkeimenden Temperament trat er wieder auf sie zu und nachdenklich schaute er in ihre Augen. Und als hätte sie sich noch nie freier und widerspenstiger gefühlt als in jenem Moment schlang sie die Arme um seinen Hals und forderte selbst nach einem Kuss…


Jetzt…

Mit einem wehmütigen Lächeln dachte Alejandra an ihre erste Begegnung mit Raoul zurück und trank einen großen Schluck aus der Rumflasche, die neben ihr im Sand stand. Jahre waren seitdem vergangen. Er hatte sie aus dem eintönigen Schlund der Arbeit und der Strenge geholt. Ihr die Freiheit geschenkt, nach der sie sich immer gesehnt hatte. Gelehrt eines Piraten Weibes zu sein, zu plündern, zu tricksen und zu lieben. Ja verdammt, all diese Dinge hatte er ihr beigebracht. Weg waren die Stofffetzen, die ihr Vater Kleid nannte. Weg waren die Zweifel, ob sie auch einmal einen lieben Mann und Kinder haben würde. Weg war Alejandra… geboren war Inez. Feurige Piraten mit Leid und Seele, hinabgezogen in die Tiefen der See und das Leben unter Piraten.

So stahl sie, nahm sich, was ihr gefiel und zückte ohne mit der Wimper zu zucken, ihren Säbel und trieb ihn in das Fleisch anderer, sollte sich ihr jemand in den Weg stellen. Als hätte Raoul die Ketten gebrochen, die ihr Wesen und ihre Leidenschaft zügelten. Und er gab ihr, wonach sie sehnte und sie mit jeder Kugel verteidigen würde…. Ihre Freiheit.

Verdammter Mistkerl…. Wieder trank sie einen Schluck aus der Rumflasche. Warum nur musste er sich auch mit dem Capitano anlegen…. Vor ihren Augen auf dem Deck des prächtigen Schiffes schnitt er Raoul die Kehle durch und warf ihn auf hoher See den Haien zum Fraß vor. Gemordet, gekämpft und geliebt hatten sie sich. Und nun schien alles vorbei. Mit einem lauten Schrei erhob auch Inez ihre Waffe gen dem Capitano, doch war die Mannschaft von Raouls Angriff bereits wachsam und so konnte sie wohl nur wenig Schaden anrichten, ehe man sie wie ein Paket verschnürt hatte und in die Tiefen des Schiffes verfrachtet, nur um sie im nächsten Hafen so auf den Hafenkai zu werfen.

Und da saß sie nun, tief gefallen nach dem Höhenflug mit Raoul. Das einstige Fischermädchen, unscheinbar und leise. Der Weg gebettet von Intrigen, Rum, Leidenschaft und der grenzenlosen Freiheit, die sie um keinen Preis der Welt mehr aufgeben würde.
Gast

Beitrag von Gast »

Unruhig wälzte sich Inez von einer Seite auf die andere. Immer wieder kroch er in ihre Gedanken. Immer wieder zogen die Bilder durch ihren Kopf. Ihr Vater, die Fische und Raoul…. Liebe ihres Lebens und sie hasste ihn mehr als alles andere, dass er sie alleine gelassen hatte. Cabeza, Al, Lu und Rahal… und…

Was zum…. Mit einem Ruck fuhr sie schweißgebadet in ihrem Bett hoch. Anfangs etwas orientierungslos blickte sie sich um, als sie die Gestalt am Fenster sah. Ein feixendes Grinsen im Gesicht starrte er wieder durch das Fenster und gaffte sie an.

ODO du Mistkerl. Jetzt knall ich dich endgültig ab! Brüllte sie dann laut und stürmte mit nackten Füßen und der Pistole in der Hand aus der Tür. Seit sie hier im Hafenviertel wohnte stand der Totengräber Tagein und Tagaus heimlich an dem großen Fenster ihres Haus und gaffte herein. Immer wieder warnte sie Al und Lu, dass sie ihn um die Ecke bringt.

Der erste Knall verhallte und traf den Totengräber Rahals an der linken Seite während sie seine Schaufel direkt am Kopf traf und sie plötzlich die Dunkelheit umhüllte. Nur ein Beobachter würde wohl noch das Blut erkennen können, das ihre schwarzen Locken bedeckte und eine kleine Pfütze direkt an dem großen Späherfenster hinterließ.

Was dann geschah wird wohl nur Odo wissen, doch fand man Inez weder an jenem Tag noch an einem anderen mehr.

RIP Inez die Piratin
RIP Alejandra das Fischermädchen

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