Die kleine (große) Sturmfurie.
Verfasst: Samstag 2. Juli 2016, 00:31
Vorgeschichte
I Das Heulen des Windes
Die Baumwipfel wogten im Wind, fast als wollten sie sich der See anpassen, welche mit schäumender Gischt und tosenden Wellen gegen die Klippen krachten. Abgesehen vom Wind, war das Wetter erträglich gewesen. Kein Regen war zu sehen oder zu spüren, doch schien es fast als würde der fehlende Regen dem Wind nur den Widerstand nehmen. Ein heulender Sturm. Man konnte meinen das dieses Wetter recht typisch war für die Gegen von Skaglav, eine kleine aber doch recht raue Insel in nördlicheren Gefilden. Doch eigentlich war die Insel meist verschont von solch Stürmerei. „So eyn Myst aber auch! Ausgerechnet heute.“ durchbrach der blonde Thyre – welcher Varolf war – das Tosen des Windes und richtete die Augen dabei auf das strohgedeckte Dach. In Gedanken schickte er ein stille Bitte an die Ahnen.
So still war es jedoch wohl nicht, drang doch aus dem Innern der Hütte die heitere aber auch etwas gepresste Frage „Grummelst dey schon wieder?!“. Drinnen im Haus lag eine ebenfalls blonde Thyrin schwitzend auf den Fellen, die Beine angewinkelt, der Atem in kurzen Stößen zwischen den zusammengebissenen Zähnen heraus pressend. Ein paar anderen Thyrinnen sprangen geschäftig im Raum umher, denn es galt neues Leben in die Welt zu bringen. Neben der Schwangeren – welche Svarja war – stand eine ältere Thyrin und hielt der Liegenden die Hand. Es polsterte, als Varolf mit ein paar schnellen Sprüngen und akrobatischen Einlagen sein Weg auf das Dach fand, wo er mit allen Vieren versuchte das Stroh und die Balken festzuhalten. Man vermochte kaum zu deuten, wer die größeren Anstrengungen hatte. Als er da so auf dem Dach lag, fiel ihm in der Ferne an den Klippen ein Tier auf, welches er schon lange nicht mehr gesehen hatte. Es war ein Seehund. Jener hatte die vorderen Gliedmaßen aufgerichtet und stützte sich darauf, während es fast so schien als würde er dem Wind in seinem Jaulen beistehen.
Kurz darauf wurde der Wind von den ersten Schreien des Neugeborenen durchbrochen. Sofort wandte Varolf den Blick nach unten. Glücklicherweise war an seiner Stelle ein kleines Loch, grade groß genug um hindurch zu spähen. Im selben Moment blickten von unten neugierig suchende und erkundende himmelblaue Augen nach oben, als ob sie wüssten das dort oben jemand auf dem Dach war. Ein Gefühl von Liebe und Wärme überkamen Varolfs Herz in jenem Augenblick. Noch einaml fiel der Blick auf den Seehund auf den Klippen, der gerade dabei war sich wieder in die Tiefen des Meeres zu stürzen. „Rhona..“ sprach Varolf im Flüsterton, während seine Augen sich liebevoll auf seine Frau und Tochter richteten.
II Die kleine Sturmfurie
Kleine ungeduldige Finger trommelten auf einem gespaltenen Holzscheit herum. „Aber Dah, mey will mit auf die Jagd!“ jammerte das junge Thyrenmädchen, während sie ihren Vater beim Holzhacken zusah. „Ney Rhona, das ist noch zu gefährley für dey!“ antwortete der hackende Varolf. „Mey will aber!“ kam es fast schon ein wenig quengelnd zurück. Varolfs Kopf wandte sich nur links und rechts, als verneinendes Kopfschütteln, der Blick streng auf seine Tochter gerichtet. „Wenn meyne kleyne Sturmfurie gelernt hat wie man sey verteidigt und eyn wenig älter ist..“ sprach er mit ruhiger aber streng anmutender Stimme.
Kleine Sturmfurie. Varolf nutzte diesen Kosenamen mit liebevollem Unterton für seine Tochter.. Oft hatte sie von der stürmischen Nacht gehört, in welcher sie geboren war. Ein wölfisches anmutendes Grinsen umspielte ihre Lippen und sie kniff die himmelblauen Augen zusammen. Sie liebte es wenn ihr Vater sie so nannte. Wohl war es nicht nur die Nacht in der sie geboren war, derer sie diesen Spitznamen verdankte. Auch ihr Verhalten glich oftmals einem Wirbelwind. Unruhig, etwas hibbelig und immer auf der Suche nach Abenteuer, so konnte man ihr Wesen wohl beschreiben. Der Schamane des Dorfes hatte ihr einmal gesagt, sie müsse ihren inneren Wind unter Kontrolle bringen, doch hatte sie das noch nicht ganz verstanden. Die Diskussion über die Jagd würde sie nicht gewinnen und mit einer schmollenden Schnute, wirbelte sie schließlich davon.
Doch schnell lies das Schmollen nach. Rhona war nicht nachtragend und eigentlich immer recht freundlich und umgänglich. Das lag vielleicht auch an dem Spürchlein, den man den jungen Thyren immer erzählte:
Die Geyster sind bey uns und wachen
Die Geyster sind in uns und hören
Die Geyster sind um uns und sehen
und sie erzählens den Ahnen!
Natürlich war dieser Spruch hauptsächlich dafür die Kinder etwas zu bremsen. Aber es steckte auch Wahrheit in diesen Sätzen, denn Ehre war für die Thyren ein wichtiger Bestandteil des Lebens und die Ahnen waren ihnen heilig. Das erzürnen der Ahnen war eine schwerwiegende Tat die sehr hart bestraft werden konnte.
Sie stockte plötzlich auf dem Weg als sie merkte, das sie selbst angefangen hatte eine Melodie zu summen. Dabei ertappte sie sich in letzter Zeit öfter. Schon immer kamen ihr irgendwelche Melodien in den Kopf, die sie meistens direkt auf ihre Stimmbänder übertrug, sei es durch ein einfaches Summen, oder auch durch eine Art Singsang. Ihr Vater hatte das auch schon das ein oder andere mal von ihr gehört. Er sagte dann immer „Dey wirst mal eyne Skaldin, eyne singende kleine Sturmfurie“
Sturmfurie - Wieder huschte ein Grinsen über ihr Gesicht, als sie weiter summend dem Weg folgte.
I Das Heulen des Windes
Die Baumwipfel wogten im Wind, fast als wollten sie sich der See anpassen, welche mit schäumender Gischt und tosenden Wellen gegen die Klippen krachten. Abgesehen vom Wind, war das Wetter erträglich gewesen. Kein Regen war zu sehen oder zu spüren, doch schien es fast als würde der fehlende Regen dem Wind nur den Widerstand nehmen. Ein heulender Sturm. Man konnte meinen das dieses Wetter recht typisch war für die Gegen von Skaglav, eine kleine aber doch recht raue Insel in nördlicheren Gefilden. Doch eigentlich war die Insel meist verschont von solch Stürmerei. „So eyn Myst aber auch! Ausgerechnet heute.“ durchbrach der blonde Thyre – welcher Varolf war – das Tosen des Windes und richtete die Augen dabei auf das strohgedeckte Dach. In Gedanken schickte er ein stille Bitte an die Ahnen.
So still war es jedoch wohl nicht, drang doch aus dem Innern der Hütte die heitere aber auch etwas gepresste Frage „Grummelst dey schon wieder?!“. Drinnen im Haus lag eine ebenfalls blonde Thyrin schwitzend auf den Fellen, die Beine angewinkelt, der Atem in kurzen Stößen zwischen den zusammengebissenen Zähnen heraus pressend. Ein paar anderen Thyrinnen sprangen geschäftig im Raum umher, denn es galt neues Leben in die Welt zu bringen. Neben der Schwangeren – welche Svarja war – stand eine ältere Thyrin und hielt der Liegenden die Hand. Es polsterte, als Varolf mit ein paar schnellen Sprüngen und akrobatischen Einlagen sein Weg auf das Dach fand, wo er mit allen Vieren versuchte das Stroh und die Balken festzuhalten. Man vermochte kaum zu deuten, wer die größeren Anstrengungen hatte. Als er da so auf dem Dach lag, fiel ihm in der Ferne an den Klippen ein Tier auf, welches er schon lange nicht mehr gesehen hatte. Es war ein Seehund. Jener hatte die vorderen Gliedmaßen aufgerichtet und stützte sich darauf, während es fast so schien als würde er dem Wind in seinem Jaulen beistehen.
Kurz darauf wurde der Wind von den ersten Schreien des Neugeborenen durchbrochen. Sofort wandte Varolf den Blick nach unten. Glücklicherweise war an seiner Stelle ein kleines Loch, grade groß genug um hindurch zu spähen. Im selben Moment blickten von unten neugierig suchende und erkundende himmelblaue Augen nach oben, als ob sie wüssten das dort oben jemand auf dem Dach war. Ein Gefühl von Liebe und Wärme überkamen Varolfs Herz in jenem Augenblick. Noch einaml fiel der Blick auf den Seehund auf den Klippen, der gerade dabei war sich wieder in die Tiefen des Meeres zu stürzen. „Rhona..“ sprach Varolf im Flüsterton, während seine Augen sich liebevoll auf seine Frau und Tochter richteten.
II Die kleine Sturmfurie
Kleine ungeduldige Finger trommelten auf einem gespaltenen Holzscheit herum. „Aber Dah, mey will mit auf die Jagd!“ jammerte das junge Thyrenmädchen, während sie ihren Vater beim Holzhacken zusah. „Ney Rhona, das ist noch zu gefährley für dey!“ antwortete der hackende Varolf. „Mey will aber!“ kam es fast schon ein wenig quengelnd zurück. Varolfs Kopf wandte sich nur links und rechts, als verneinendes Kopfschütteln, der Blick streng auf seine Tochter gerichtet. „Wenn meyne kleyne Sturmfurie gelernt hat wie man sey verteidigt und eyn wenig älter ist..“ sprach er mit ruhiger aber streng anmutender Stimme.
Kleine Sturmfurie. Varolf nutzte diesen Kosenamen mit liebevollem Unterton für seine Tochter.. Oft hatte sie von der stürmischen Nacht gehört, in welcher sie geboren war. Ein wölfisches anmutendes Grinsen umspielte ihre Lippen und sie kniff die himmelblauen Augen zusammen. Sie liebte es wenn ihr Vater sie so nannte. Wohl war es nicht nur die Nacht in der sie geboren war, derer sie diesen Spitznamen verdankte. Auch ihr Verhalten glich oftmals einem Wirbelwind. Unruhig, etwas hibbelig und immer auf der Suche nach Abenteuer, so konnte man ihr Wesen wohl beschreiben. Der Schamane des Dorfes hatte ihr einmal gesagt, sie müsse ihren inneren Wind unter Kontrolle bringen, doch hatte sie das noch nicht ganz verstanden. Die Diskussion über die Jagd würde sie nicht gewinnen und mit einer schmollenden Schnute, wirbelte sie schließlich davon.
Doch schnell lies das Schmollen nach. Rhona war nicht nachtragend und eigentlich immer recht freundlich und umgänglich. Das lag vielleicht auch an dem Spürchlein, den man den jungen Thyren immer erzählte:
Die Geyster sind bey uns und wachen
Die Geyster sind in uns und hören
Die Geyster sind um uns und sehen
und sie erzählens den Ahnen!
Natürlich war dieser Spruch hauptsächlich dafür die Kinder etwas zu bremsen. Aber es steckte auch Wahrheit in diesen Sätzen, denn Ehre war für die Thyren ein wichtiger Bestandteil des Lebens und die Ahnen waren ihnen heilig. Das erzürnen der Ahnen war eine schwerwiegende Tat die sehr hart bestraft werden konnte.
Sie stockte plötzlich auf dem Weg als sie merkte, das sie selbst angefangen hatte eine Melodie zu summen. Dabei ertappte sie sich in letzter Zeit öfter. Schon immer kamen ihr irgendwelche Melodien in den Kopf, die sie meistens direkt auf ihre Stimmbänder übertrug, sei es durch ein einfaches Summen, oder auch durch eine Art Singsang. Ihr Vater hatte das auch schon das ein oder andere mal von ihr gehört. Er sagte dann immer „Dey wirst mal eyne Skaldin, eyne singende kleine Sturmfurie“
Sturmfurie - Wieder huschte ein Grinsen über ihr Gesicht, als sie weiter summend dem Weg folgte.