Die kleine (große) Sturmfurie.

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Rhona

Die kleine (große) Sturmfurie.

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Vorgeschichte


I Das Heulen des Windes


Die Baumwipfel wogten im Wind, fast als wollten sie sich der See anpassen, welche mit schäumender Gischt und tosenden Wellen gegen die Klippen krachten. Abgesehen vom Wind, war das Wetter erträglich gewesen. Kein Regen war zu sehen oder zu spüren, doch schien es fast als würde der fehlende Regen dem Wind nur den Widerstand nehmen. Ein heulender Sturm. Man konnte meinen das dieses Wetter recht typisch war für die Gegen von Skaglav, eine kleine aber doch recht raue Insel in nördlicheren Gefilden. Doch eigentlich war die Insel meist verschont von solch Stürmerei. „So eyn Myst aber auch! Ausgerechnet heute.“ durchbrach der blonde Thyre – welcher Varolf war – das Tosen des Windes und richtete die Augen dabei auf das strohgedeckte Dach. In Gedanken schickte er ein stille Bitte an die Ahnen.

So still war es jedoch wohl nicht, drang doch aus dem Innern der Hütte die heitere aber auch etwas gepresste Frage „Grummelst dey schon wieder?!“. Drinnen im Haus lag eine ebenfalls blonde Thyrin schwitzend auf den Fellen, die Beine angewinkelt, der Atem in kurzen Stößen zwischen den zusammengebissenen Zähnen heraus pressend. Ein paar anderen Thyrinnen sprangen geschäftig im Raum umher, denn es galt neues Leben in die Welt zu bringen. Neben der Schwangeren – welche Svarja war – stand eine ältere Thyrin und hielt der Liegenden die Hand. Es polsterte, als Varolf mit ein paar schnellen Sprüngen und akrobatischen Einlagen sein Weg auf das Dach fand, wo er mit allen Vieren versuchte das Stroh und die Balken festzuhalten. Man vermochte kaum zu deuten, wer die größeren Anstrengungen hatte. Als er da so auf dem Dach lag, fiel ihm in der Ferne an den Klippen ein Tier auf, welches er schon lange nicht mehr gesehen hatte. Es war ein Seehund. Jener hatte die vorderen Gliedmaßen aufgerichtet und stützte sich darauf, während es fast so schien als würde er dem Wind in seinem Jaulen beistehen.

Kurz darauf wurde der Wind von den ersten Schreien des Neugeborenen durchbrochen. Sofort wandte Varolf den Blick nach unten. Glücklicherweise war an seiner Stelle ein kleines Loch, grade groß genug um hindurch zu spähen. Im selben Moment blickten von unten neugierig suchende und erkundende himmelblaue Augen nach oben, als ob sie wüssten das dort oben jemand auf dem Dach war. Ein Gefühl von Liebe und Wärme überkamen Varolfs Herz in jenem Augenblick. Noch einaml fiel der Blick auf den Seehund auf den Klippen, der gerade dabei war sich wieder in die Tiefen des Meeres zu stürzen. „Rhona..“ sprach Varolf im Flüsterton, während seine Augen sich liebevoll auf seine Frau und Tochter richteten.


II Die kleine Sturmfurie


Kleine ungeduldige Finger trommelten auf einem gespaltenen Holzscheit herum. „Aber Dah, mey will mit auf die Jagd!“ jammerte das junge Thyrenmädchen, während sie ihren Vater beim Holzhacken zusah. „Ney Rhona, das ist noch zu gefährley für dey!“ antwortete der hackende Varolf. „Mey will aber!“ kam es fast schon ein wenig quengelnd zurück. Varolfs Kopf wandte sich nur links und rechts, als verneinendes Kopfschütteln, der Blick streng auf seine Tochter gerichtet. „Wenn meyne kleyne Sturmfurie gelernt hat wie man sey verteidigt und eyn wenig älter ist..“ sprach er mit ruhiger aber streng anmutender Stimme.

Kleine Sturmfurie. Varolf nutzte diesen Kosenamen mit liebevollem Unterton für seine Tochter.. Oft hatte sie von der stürmischen Nacht gehört, in welcher sie geboren war. Ein wölfisches anmutendes Grinsen umspielte ihre Lippen und sie kniff die himmelblauen Augen zusammen. Sie liebte es wenn ihr Vater sie so nannte. Wohl war es nicht nur die Nacht in der sie geboren war, derer sie diesen Spitznamen verdankte. Auch ihr Verhalten glich oftmals einem Wirbelwind. Unruhig, etwas hibbelig und immer auf der Suche nach Abenteuer, so konnte man ihr Wesen wohl beschreiben. Der Schamane des Dorfes hatte ihr einmal gesagt, sie müsse ihren inneren Wind unter Kontrolle bringen, doch hatte sie das noch nicht ganz verstanden. Die Diskussion über die Jagd würde sie nicht gewinnen und mit einer schmollenden Schnute, wirbelte sie schließlich davon.

Doch schnell lies das Schmollen nach. Rhona war nicht nachtragend und eigentlich immer recht freundlich und umgänglich. Das lag vielleicht auch an dem Spürchlein, den man den jungen Thyren immer erzählte:

Die Geyster sind bey uns und wachen
Die Geyster sind in uns und hören
Die Geyster sind um uns und sehen
und sie erzählens den Ahnen!


Natürlich war dieser Spruch hauptsächlich dafür die Kinder etwas zu bremsen. Aber es steckte auch Wahrheit in diesen Sätzen, denn Ehre war für die Thyren ein wichtiger Bestandteil des Lebens und die Ahnen waren ihnen heilig. Das erzürnen der Ahnen war eine schwerwiegende Tat die sehr hart bestraft werden konnte.

Sie stockte plötzlich auf dem Weg als sie merkte, das sie selbst angefangen hatte eine Melodie zu summen. Dabei ertappte sie sich in letzter Zeit öfter. Schon immer kamen ihr irgendwelche Melodien in den Kopf, die sie meistens direkt auf ihre Stimmbänder übertrug, sei es durch ein einfaches Summen, oder auch durch eine Art Singsang. Ihr Vater hatte das auch schon das ein oder andere mal von ihr gehört. Er sagte dann immer „Dey wirst mal eyne Skaldin, eyne singende kleine Sturmfurie“

Sturmfurie - Wieder huschte ein Grinsen über ihr Gesicht, als sie weiter summend dem Weg folgte.
Zuletzt geändert von Rhona am Samstag 2. Juli 2016, 00:36, insgesamt 1-mal geändert.
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III Die Ausbildung

Aufgrund ihrer natürlichen melodischen Begabung hatte sie tatsächlich den Weg einer Skaldin eingeschlagen. In ihrem Kopf gab es eine eigene kleine Welt aus Melodien und Tönen. Es war eine Eigenheit von Rhona. Jedes mal wenn sie etwas neues lernte, einen neuen Gegenstand entdeckte, oder eine Person kennenlernte, entstanden in ihrem Geist Töne, die sich hin und wieder zu einer Melodie verbanden. Doch war das nicht alles. Sie hatte auch ein recht gutes Gedächtnis, mit der sie Geschichten und Erzählungen in sich aufnahm, wie ein Stück Stoff eine Wasserpfütze.

Fast täglich machte sie sich auf den Weg durch das Thyrendorf, bis sie bei Tjolf's Haus ankam. Tjolf war ein schon in die Jahre gekommener Skalde, voller Geschichtenreichtum, Sagen, Legenden, aber auch vielen Liedern. Allerdings war er mehr der Geschichtenerzähler als Liedweber. Das lag vermutlich daran, dass er seine Finger nicht mehr ganz so flink bewegen konnte. Aber das war nicht so wichtig, gab es doch viele verschiendene Arten von Skalden. Welche die mehr mit melodischer Untermalung spielten, andere die sich wiederum eher auf die Dichtkunst oder gar die Erzählerei konzentrierten. Im falle von Rhona und Tjolf übernahm er das dichten und singen, während sie sich anfangs darauf konzentrierte die richtigen Töne mit ihrer Laute zu treffen.

Rhona wurde immer sicherer auf der Laute, und versuchte auch verschiedene andere Instrumente wie die Städterflöte, oder die Elfenharfe. Tjolf hatte eine beachtliche Sammlung an Musikwerkzeugen und er lieh sie ihr, damit sie ihres finden konnte. Doch war ihr die Laute das liebste Werkzeug und sie kam immer besser damit zurecht.

Wenn sie nicht bei Tjolf war um Geschichten zu lernen und auszutauschen, saß sie meistens an ihrem Lieblingsplatz im Wald vor den Toren Skaglavs, wo ein kleiner Bach sich seinen Weg durch die Bäume schlängelte. Während sie dort saß, versuchte sie aus einer Geschichte die ihr mal ein altes Thyrenweib erzählt hatte ein Lied zu dichten. Die Geschichte hatte sie gefesselt, umschlungen und nicht mehr losgelassen. So beschloss sie diese Geschichte in ein Lied zu wandeln. Die Melodie war fertig, auch der ungefähre Text. Jetzt galt es die beiden Teile zu einem Lied zu verweben und verschmelzen zu lassen. Es war die Geschichte von „Rotkar dem Wilden“.


IIII Der erste große Auftritt


Das übliche Gemurmel, Gerede und das typisch herzhafte Lachen, schallte durch die Große Halle. Die Architektur des Gebäudes lies den Geräuschpegel sogar noch anschwellen, war das Dach doch in einer Bogenform gebaut worden. Nur in der Mitte des Daches war ein Rauchabzug der gegen den Regen gesichert war. Aber genau so liebten es die Thyren. Für sie war die Belebheit etwas was es zu spüren lohnte, hatten sie doch viele ihrer Brüder und Schwestern in der Schlacht von Ulfsteyn verloren. Ein einzelnes kräftiges Lautenzupfen durchbrach schließlich das Gemurmel, woraufhin die Halle in Schweigen zu versinken schien. Während der Hall noch etwas abklang, richteten sich die meisten Blicke auf die junge blonde Thyrin, welche langsamen Schrittes um das Feuer herum ging, die Laute in der einen, ein Methorn in der anderen Hand.

Ein wenig nervös war sie schon, denn bisher hatte sie sich eher in kleineren Gruppen aufgehalten um dort zu spielen. Einige der Augen die sie anblickten blickten sie wohlwollend an, andere ein wenig skeptisch, und einige wenige schien es kaum zu interessieren was da vor sich ging. Doch sollte sich jenes bald ändern.Nach einem mutmachenden Schluck aus dem Methorn, reichte sie jenes schließlich an einen älteren Thyren am Rand, ehe sie auf der Laute zu spielen begann. Zugegeben, die richtigen Saiten traf sie nicht immer, jedoch war jenes noch zu verschmerzen und tat dem Klang des Liedflusses nicht allzu sehr weh. Nachdem sie den ersten Vers ohne das Öffnen ihrer Lippen gespielt hatte, erhob sich ihre sehr melodische Stimme jedoch zum nächsten, um das Lied anfangs etwas leiser, jedoch mit ansteigender Lautstärke in der Halle erklingen zu lassen:


Rotkar der Wilde so ward er genannt,
ist niemals vor Kämpfen davon gerannt
Seyn Schwertarm war stark, den Schild führt' er schnell
siegte über viel' Feind' mit lautem Gebell.
Der Schlachtruf der ihm dazu die Kraft gab:
„Mey kämpf um meyn Leben, solang' mey's noch hab“

Seyn Mut und seyne Kraft, warn doch nicht viel Wert,
hat' er doch anfangs sich selbst nur geehrt,
Doch dann traf er Asgerd und war wie getauscht,
hat ihn von da an die Liebe berauscht.
Fortan bracht der Ruf im Kampf das siegende Kippn'
„Mey kämpf um meyn Leben und das meiner Sippn'“

Dann kamen die Balron und ihr grausiges Heer
nach Ulfsteyn gezogen vom schäumenden Meer,
Ausweglos schien die Lage, der Kampf fast vorbei,
der Sieg ausgeschlossen, der Rückzug nicht frei
Nun sagt er zuletzt, das Schwert gut gefettet
„Mey gebe mein Leben, dass dey euch rettet'“

Mit jenen Worten, da rannt' er los,
dem Feinde entgegen, der Ehre nun groß.
So zieht sein Schlachtruf noch heut durch die Hallen
lässt ihn in Boden, Wänden und Dächern erschallen
Rotkar der Wilde, hat immer gesagt:
„Mey kämpf um meyn Leben, solang mey's noch hab“



Ein Wackeln des Bodens, gleich einem Erdbeben, riss sie aus ihren abschweifenden Gedanken. Für einen Moment dachte sie, die Heere von Ulfsteyn würden die Halle überfallen, doch war es das Stampfen der Anwesenden was den Tumult verursachte. Eine Art Beifall, thyrischer Art. Methörner wurden zusammengestoßen, und die verschiedensten Thyren stapften ans Feuer um den ersten Schluck den Ahnen zu widmen, ehe sie schließlich tranken. Einige traten an sie heran und beglückwünschten sie zu ihrem Lied, sprachen über die Taten des Rotgar und auch über viele andere die Ulfsteyn nicht mehr verlassen hatten. Es schien gerade so als wolle man ihr viel Stoff für weitere Lieder erzählen. Lange lag sie an jenem Abend noch in den Fellen wach und dachte über das Geschehene nach, wenn es auch mit leicht metvernebeltem Kopf schwer fiel, da die halbe Halle mit ihr anstoßen wollte. Irgendwann schlief sie dann jedoch mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen ein.
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IIIII Der Weg des Windes

Auch mit einem Lächeln wachte sie auf, während der Nebel im Kopf einer Art Brummen gewichen war. Gedanken an den vorigen Abend schwirrten immer noch in ihrem Geist. Auch versuchte sie trotz des Brummens die ganzen neuen Geschichten in ihren Kopf zu sortieren und sich zu merken.
Ein Geräusch – was einem Windspiel glich – unterbrach ihre Gedanken. Zuerst war sie sich nicht sicher ob ihr der Nebel des Mets einen Streich spielen mochte. Doch erneut wurden ihre Gedanken gestört, als sie gerade darüber sinnieren wollte.

Müde und alles andere als grazil räkelte sie sich aus ihren Fellen. Ein paar Spritzer Wasser ins Gesicht, welches sie aus einem Eimer aus einer Ecke des Zimmers hatte. Schon fühlte sie sich etwas frischer. Mit wenigen Schritten war sie an er Tür um hinauszuspähen. Erst jetzt bemerkte sie, dass der Wind furchtbar heulte. Da die Hütte von Rhonas Eltern wo sie nach wie vor wohnte auf einem kleinen Hügel stand, konnte sie sich einen guten Überblick verschaffen. Eine Frau mittleren Alters eilte am Weg seitliches des Hauses entlang. „Rhona, komm schnell. Tjolf!“ waren die einzigen Worte die sie heraus brachte, während sie den Pfad hinunter lief. Sofort huschte Rhona aus der Tür, der Frau hinterher zu Tjolfs Hütte.

Dort angekommen, machte man ihr sofort Platz, wusste man doch das Rhona und Tjolf ein besonderes Verhältnis zu einander hatten. Auch wenn bei den Thyren eine enge Gemeinschaft besteht, in der es zwar Mutter und Vater gibt, aber doch alle zusammen ein Rudel sind, so verband die zwei ein enges Band. An der Tür standen einige Medizinmänner und -Frauen die ebenfalls platz machten. „Er hat nach dir verlangt“ meinte einer der Anwesenden und so trat sie in die kleine Hütte, derren Fenster mit dunklem Stoff und Leder verhangen waren.


Gerade als sie einen Fuß in die Tür setzte, erklang erneut dieses irritierende Geräusch – einem Windspiel gleich. Irritierend deshalb, weil keine Quelle des Klangs auszumachen war. Mit einigen Schritten war die mittlerweile recht großgewachsene junge Frau an den Fellen angelangt, wo Tjolf gebettet lag.“Ruh dey aus, dey wirst wieder!“ hörte Rhona sich selbst sagen, doch sie wusste das er nicht wieder werden würde. Immerhin hatte er ein stolzes und interessantes Leben geführt, wenn er auch kinderlos geblieben war. Einmal hatte er zu Rhona gesagt, das sie fast wie eine Tochter für ihn war.

Tjolf hob kraftlos und zittrig eine Hand um sie der knienden Rhona auf die Schulter zu legen. Dort ließ er sie eine weile ruhen während er sichtlich Kraft sammelte um etwas zu sagen. Tränen rollten aus den Augen der jungen Thyrin, während der ältere versuchte zu Lächeln. „Mey kämpf um meyn Leben, solang meys noch hab!“ brachte er schließlich mit zittriger Stimme heraus, doch weiterhin schien er zu lächeln. Während Rhona noch versuchte das Gesagte zu deuten, rutschte die Hand von ihrer Schulter und blieb reglos auf dem Fell liegen. Wenn ein Skalde die Lieder oder Texte von einem anderen wiederholte, ehrte er denjenigen. Mit seinen letzten Worten hatte er Rhona geehrt, bevor er schließlich zu den Ahnen aufgestiegen war.

Der Tod war bei den Thyren nicht ausschließlich traurig. Es war ein weiterer Weg den man ging. Hinauf zu denen Ahnen um mit jenen über die Lebenden zu wachen, über das Rudel. Während sie noch traurig auf den leblosen Körper hinabblickte, erklang wieder das vermeindliche Windspiel, doch diesmal heller und klarer als zuvor. Fast wie in Trance erhob sich Rhona und ging aus der Hütte. Draussen schüttelte sie nur den Kopf und hob den Blick gen Himmel um den Anwesenden zu signalisieren, dass Tjolf nun bei den Ahnen war. Nach einigen Augenblicken vernahm sie erneut das Spiel des Windes und trat den Weg in die Richtung an, aus der es zu kommen schien.

Als sie dem Geräusch eine Weile gefolgt war, überkam sie eine Erkenntnis. Sie ging zu ihrem Elternhaus und packte ein paar Sachen zusammen. Varolf und Svarja standen vor dem Haus, als sie mit ihrem Gepäck aus der Tür nach draussen trat. Mit fragender Miene wurde sie gemustert. „Wey haben von Tjolf gehört“ durchbrach die Stimme Varolfs die Stille. Liebevoll, ein wenig entschuldigend, mit einer Spur von Entschlossenheit sah Rhona in die Augen ihrer Eltern, während sie ein paar Schritte auf die beiden zutrat um sie in die Arme zu schließen.

„Er sey bey den Ahnen.“ brachte sie schließlich heraus, ehe sie noch anfügte „Mey glaube, die Dame im Wind ruft mey.“ Damit war alles gesagt. Von der Dame im Wind gerufen zu werden, war eine besondere Ehre, ähnlich dem Ruf der Ahnen. Ein wenig traurig, ein wenig Stolz, wohl auch ein wenig Sorge darüber wohin der Weg führt. Jedoch vertrauten die Thyren stehts der Dame im Wind, oder denen, die glaubten sie rufen zu hören. Varolf löste sich aus der Umarmung und lief in die Hütte um kurze Zeit später mit einem Bogen und einem Köcher Pfeile wieder heraus zu kommen. Jene Dinge übergab er an Rhona um sie zu bekräftigen und zu unterstützen. Auch wenn man ihm die Traurigkeit ansah, so war das auch eine Art Segen auf das sie gehen dürfe. Nicht das sie diesen Segen bräuchte, war sie doch mittlerweile zu einer stattlichen jungen Frau herangewachsen, fähig ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. „Stolz und Ehre, meine kleine Sturmfurie“ verabschiedete sich Varolf von ihr, während Svarja sie einfach nur noch eine Weile im Arm hielt.

Mit dem nötigsten, den Geschichten von Tjolf und anderen im Gepäck begab sie sich schließlich auf die Reise, denn im Dorf waren noch genug Skalden, die Geschichten erzählen und aufnehmen konnten, doch dies war nicht ihr Platz. Am Tor der Pallisade angekommen, erklang das Windspiel erneut und so wusste sie, welche Richtung sie einschlagen müsse. Sie würde die Geschichten Tjolfs anderswo erzählen und viele neue dazulernen.
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