Ein Schreiben an den Tempel des Panthers
Verfasst: Mittwoch 1. Juni 2016, 16:27
Nervös klopfte Pavel in regelmäßigen Intervallen mit dem Fuß gegen das Tischbein, während er grübelnd den Kopf in beiden Händen vergrub - schon zum dritten Mal an diesem Abend, und wie schon die vorherigen beiden Male flog ihm nach kurzer Zeit ein Kissen um den Kopf. Seine Schwester Milyen machte ihm jedoch auch verbal noch deutlich, wie sehr ihr sein Gezappel auf den Senkel ging. Aber was sollte er machen? Murrend hielt er den Fuß still und bemühte sich redlich darum, seine Schwester nicht weiter zu stören. Doch das Problem blieb.
Inzwischen waren einige Tage vergangen seit dem "Tod Getares'", doch weder das Ritual noch das seltsame Gefühl, das er seither jedes Mal verspürte in der Nähe des Tempels, mochte von ihm weichen. Alles in ihm drängte danach, den Worten der Templer Folge zu leisten und sein Leben vollständig dem Allvater zu verschreiben. Allein der stete Gedanke an seine Eltern hielt ihn bisweilen zurück. Und das Wissen um seinen Stand. Und doch - war es nicht ausgerechnet der Panther, der Allvater, der All-Eine, der jedem die Möglichkeit bot, gemäß seiner Fertigkeiten zu wachsen? Nein, es bedurfte keines Aufschubs, er musste es wagen. Wenn doch nur die Worte fließen würden! Es war viel zu schwer, ein solches Schreiben von solcher Tragweite aufzusetzen, doch von Milyen hatte er keine Hilfe zu erwarten. Nicht an diesem Abend.
Schlussendlich jedoch, nach einer langen Sitzung am Schreibtisch und vielen Fehlversuchen, macht sich ein Bote auf den Weg, ein Schreiben beim Tempel des Allvaters abzuliefern. Trotz aller Mühe ist das Schreiben ein einfaches, in Qualität wie Ausführung, und einem Schriftkundigen wird schon beim ersten Blick auf die Zeilen auffallen, dass der Verfasser kein geübter Schreiber sein kann. Zu lesen steht in den Zeilen das Folgende:
Inzwischen waren einige Tage vergangen seit dem "Tod Getares'", doch weder das Ritual noch das seltsame Gefühl, das er seither jedes Mal verspürte in der Nähe des Tempels, mochte von ihm weichen. Alles in ihm drängte danach, den Worten der Templer Folge zu leisten und sein Leben vollständig dem Allvater zu verschreiben. Allein der stete Gedanke an seine Eltern hielt ihn bisweilen zurück. Und das Wissen um seinen Stand. Und doch - war es nicht ausgerechnet der Panther, der Allvater, der All-Eine, der jedem die Möglichkeit bot, gemäß seiner Fertigkeiten zu wachsen? Nein, es bedurfte keines Aufschubs, er musste es wagen. Wenn doch nur die Worte fließen würden! Es war viel zu schwer, ein solches Schreiben von solcher Tragweite aufzusetzen, doch von Milyen hatte er keine Hilfe zu erwarten. Nicht an diesem Abend.
Schlussendlich jedoch, nach einer langen Sitzung am Schreibtisch und vielen Fehlversuchen, macht sich ein Bote auf den Weg, ein Schreiben beim Tempel des Allvaters abzuliefern. Trotz aller Mühe ist das Schreiben ein einfaches, in Qualität wie Ausführung, und einem Schriftkundigen wird schon beim ersten Blick auf die Zeilen auffallen, dass der Verfasser kein geübter Schreiber sein kann. Zu lesen steht in den Zeilen das Folgende:
Des Allvaters ewigen Segen,
ehrwürdige Geweihte unseres Herrn!
Womöglich erinnert Ihr euch meiner nicht, weile ich doch erst seit kurzer Zeit in der heiligen Stadt des Herrn, des Allvaters, des Allmächtigen.
Und doch ward es mir in dieser viel zu kurzen Zeit bereits vergönnt, zu zahlreichen Gelegenheiten die Größe und Macht unseres Herrn zu verspüren. Sei es in der Allgegenwart seiner Stärke, die jeder Stein, jede Schindel, jedes Mauerwerk in die Welt hinaus schreien. Sei es in den Lehren und Geboten, mit denen er uns ein segenreiches Leben und den Erfolg seines Werkes verspricht. Oder sei es durch die reinigende Kraft eines Rituals wie des Todes des Getares, des jämmerlichen Bruders, des falschen Anführers.
Es mag töricht sein, und umso schwerer fällt es mir, Euch diese Zeilen zu schreiben, doch schiene es mir gleichermaßen ein Fehler zu sein, es nicht zu tun. Denn je länger der Panther mit erhobener Pranke auch über meinen geringen Leib wacht, umso mehr erfüllt mich der tiefe Wunsch, mich in meinem Leben und meinem Tun alleinig seinem Werke zu verschreiben. Doch an wen könnte ich mich mit diesem Wunsche besser wenden als an den heiligen Tempel, seine Geweihten, die sein Wort hören, sein Wirken verstehen und begreifen.
In ehrfürchtiger Demut vor dem Herrn würde ich euch daher um die Möglichkeit zu einem Gespräch bitten, ehe mich mein Wunsch vollends verzehrt. Ab dem sechsten Tage dieser Woche sollte es mir möglich sein, jeden Vorschlag Eurerseits zu erwidern.
Möge der Allvater Euch segnen und uns allen Stärke und Sieg gewähren!
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