Ein Schreiben an den Tempel des Panthers

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Moderator: Rahal [Mod]

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Gast

Ein Schreiben an den Tempel des Panthers

Beitrag von Gast »

Nervös klopfte Pavel in regelmäßigen Intervallen mit dem Fuß gegen das Tischbein, während er grübelnd den Kopf in beiden Händen vergrub - schon zum dritten Mal an diesem Abend, und wie schon die vorherigen beiden Male flog ihm nach kurzer Zeit ein Kissen um den Kopf. Seine Schwester Milyen machte ihm jedoch auch verbal noch deutlich, wie sehr ihr sein Gezappel auf den Senkel ging. Aber was sollte er machen? Murrend hielt er den Fuß still und bemühte sich redlich darum, seine Schwester nicht weiter zu stören. Doch das Problem blieb.

Inzwischen waren einige Tage vergangen seit dem "Tod Getares'", doch weder das Ritual noch das seltsame Gefühl, das er seither jedes Mal verspürte in der Nähe des Tempels, mochte von ihm weichen. Alles in ihm drängte danach, den Worten der Templer Folge zu leisten und sein Leben vollständig dem Allvater zu verschreiben. Allein der stete Gedanke an seine Eltern hielt ihn bisweilen zurück. Und das Wissen um seinen Stand. Und doch - war es nicht ausgerechnet der Panther, der Allvater, der All-Eine, der jedem die Möglichkeit bot, gemäß seiner Fertigkeiten zu wachsen? Nein, es bedurfte keines Aufschubs, er musste es wagen. Wenn doch nur die Worte fließen würden! Es war viel zu schwer, ein solches Schreiben von solcher Tragweite aufzusetzen, doch von Milyen hatte er keine Hilfe zu erwarten. Nicht an diesem Abend.

Schlussendlich jedoch, nach einer langen Sitzung am Schreibtisch und vielen Fehlversuchen, macht sich ein Bote auf den Weg, ein Schreiben beim Tempel des Allvaters abzuliefern. Trotz aller Mühe ist das Schreiben ein einfaches, in Qualität wie Ausführung, und einem Schriftkundigen wird schon beim ersten Blick auf die Zeilen auffallen, dass der Verfasser kein geübter Schreiber sein kann. Zu lesen steht in den Zeilen das Folgende:

Des Allvaters ewigen Segen,
ehrwürdige Geweihte unseres Herrn!

Womöglich erinnert Ihr euch meiner nicht, weile ich doch erst seit kurzer Zeit in der heiligen Stadt des Herrn, des Allvaters, des Allmächtigen.

Und doch ward es mir in dieser viel zu kurzen Zeit bereits vergönnt, zu zahlreichen Gelegenheiten die Größe und Macht unseres Herrn zu verspüren. Sei es in der Allgegenwart seiner Stärke, die jeder Stein, jede Schindel, jedes Mauerwerk in die Welt hinaus schreien. Sei es in den Lehren und Geboten, mit denen er uns ein segenreiches Leben und den Erfolg seines Werkes verspricht. Oder sei es durch die reinigende Kraft eines Rituals wie des Todes des Getares, des jämmerlichen Bruders, des falschen Anführers.

Es mag töricht sein, und umso schwerer fällt es mir, Euch diese Zeilen zu schreiben, doch schiene es mir gleichermaßen ein Fehler zu sein, es nicht zu tun. Denn je länger der Panther mit erhobener Pranke auch über meinen geringen Leib wacht, umso mehr erfüllt mich der tiefe Wunsch, mich in meinem Leben und meinem Tun alleinig seinem Werke zu verschreiben. Doch an wen könnte ich mich mit diesem Wunsche besser wenden als an den heiligen Tempel, seine Geweihten, die sein Wort hören, sein Wirken verstehen und begreifen.

In ehrfürchtiger Demut vor dem Herrn würde ich euch daher um die Möglichkeit zu einem Gespräch bitten, ehe mich mein Wunsch vollends verzehrt. Ab dem sechsten Tage dieser Woche sollte es mir möglich sein, jeden Vorschlag Eurerseits zu erwidern.

Möge der Allvater Euch segnen und uns allen Stärke und Sieg gewähren!
Pavel Forstnam
Kheldairon

Beitrag von Kheldairon »

*Der Brief wird entgegen genommen und mehrmals überflogen, dann setzt er sich an sein Schreibpult und wird eine Antwort verfassen.*
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Des All-Einen Segen mit euch Herr Frostnam,

der Tempel hat euer Schreiben erhalten. Nichts ist töricht an dem Wunsch
sich vollständig und bedingungslos dem All-Einen, dem Dienst
an ihm und seine Streben zu verschreiben.

Ich erwarte euch am 5. Tag der Woche zur 8. Abendstunde zu einem
Gespräch im Tempel von Rahal. Sollte euch dies nicht möglich sein,
nennt mir mehrere Ausweichtermine.

Bis dahin nutzt die Zeit um den Unterschied zwischen Demut und Ehrfurcht
zu ergründen und erläutert mir in unserem Gespräch, worin euer Fehler
diesbezüglich liegt.

Seine Pranke schützend über euch

für den Tempel

Kheldairon

Vicarius Alataris

Bild

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[04.05.16 20 Uhr]
Zuletzt geändert von Kheldairon am Mittwoch 1. Juni 2016, 17:51, insgesamt 1-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

Als der Bote den Brief des Tempels vorbei bringt, öffnet Pavel sogar selbst die Tür des Hauses am Marktplatz zu Rahal. In einer Hand hält er einen Schwung Stoffe, den er eben noch neu sortieren wollte - doch als er feststellt, von wem der Brief ist, fällt ihm der Ballen beinahe aus der Hand. Mit zittrigen Fingern bricht er das Siegel und beginnt noch in der Tür zu lesen, und in seinem Gesicht stehen plötzlich sowohl eine erschrockene Blässe als auch eine begeisterte Röte. Einige Male überfliegt er das Schreiben, ehe er die Tür zuknallt und laut "MILYEN! MIIIILYEN!" brüllt. Doch schon einen Herzschlag später geht die Tür vor dem verdutzten Boten noch einmal auf.

"Ganz vergessen, verzeiht. Bitte überbringt dem Tempel meine Antwort - Herr Forstnam wird sich anschicken, den Termin in aller Gewissenhaftigkeit wahrzunehmen. Oh - und hier, ein frisches Brot, für eure Mühen!"
Gast

Beitrag von Gast »

Es ist später Abend am fünften Tage der Woche, als Pavel mit gerunzelter Stirn wieder aus dem Tempel tritt. Noch während er den Abschiedsgruß an die Gardisten erwidert, zieht er aus seinem Rucksack das Schreiben hervor, das er vom Tempel erhalten hatte. Mitten auf dem Tempelplatz bleibt er stehen, beugt sich über das Dokument und fährt mit dem Finger die Zeilen entlang. Da! Da war es. Man erwarte ihn am fünften Tage der Woche! Es war doch der fünfte? Sicherheitshalber zählt der junge Schreiner die Tage an den Fingern seiner Rechten ab.

Schließlich zuckt er mit den Schultern. Vermutlich hatte sich ein Fehler eingeschlichen - oder er hatte mal wieder etwas falsch verstanden. Schon ist er im Begriff zu gehen, als er noch einmal innehält und sich zu den Gardisten umwendet. Einem von den beiden teilt er mit: Sollte der Vicarius wider Erwarten doch noch auftauchen und nach ihm, Herrn Pavel Forstnam, suchen, so bitte er um Verzeihung - er sei dagewesen, habe jedoch offenbar das Schreiben falsch verstanden und würde daher am kommenden Tage noch einmal wiederkehren.
Kheldairon

Beitrag von Kheldairon »

*der Vicarius selbst kehrt erst in der Nacht zum Tempel zurück, wohl hatte sich der Fehlerteufel eingeschlichen und es ist tatsächlich der morgige Tag, an dem er auf jeden Fall im Tempel sein wird.*
Kheldairon

Beitrag von Kheldairon »

*erneut wird ein Bote des Tempels zu Pavel geschickt um ihm einen Brief zu überreichen. So er das Siegel bricht, wird er einen besonders ordentlich geschrieben, extra gesiegeltes Schreiben in den Händen halten, das trotz seiner Kürze sehr offiziell wirkt.*


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Des All-Einen Segen Herr Frostnam,

man erwartet euch am morgigen Tag,
der 12. Schwalbenkunft,
zur 9. Abendstunde im Tempel von Rahal.

Seine Pranke schützend über euch

Für den Tempel

Kheldairon

Vicarius Alataris

Bild


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Gast

Beitrag von Gast »

Es ist später Abend, als der Bote Pavel am Haus der Forstnams am Marktplatz zu Rahal erwischt. Noch in der Tür bricht Pavel das Siegel und liest in Windeseile das kurze Schreiben. Seine Miene bleibt regungslos, doch er teilt dem Boten mit, umgehend zum Tempel zurückzukehren und dem Vicarius mitzuteilen, er werde kommen. Oh, und den Lohn nicht zu vergessen - womit er ihm auch schon ein paar Goldlinge in die Hand drückt.
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