Die kleinen, blutunterlaufenen und stecknadelkopfgroßen Augen, führen den Blick suchend über die zahllosen Reihen der geschlichteten Bücher. Sein Atem rasselte schwer, ähnlich einer fettleibigen Zottelratte, wie sie einst die Alm behauste. Kleine, morgentauähnliche Schweißtropfen sammeln sich in seinen zahllosen Gesichtsfalten und verknüpfen sich zu dünnen Flüssen, die in dem Haargewirr seines Bartes vereben. Die Hände zittrig, der Mund staubtrocken, ein sanftes Beben im gesamten Körper, sein rechter Fuß tackert unruhig im gleichen Takt vor sich auf den Steinboden. Sein Geist, komplett befreit, er rechnete in Ebenen, in Stufen, in Bergen - keine Gleichung unlösbar, alles hatte Sinn. Er saß auf der Welt und trank mit Cirmias Bier, während - so weich, wie kalurische Weiber eben ihre Stimme verzerren können - die prächtigsten, rundesten, mit den schönsten Bärten behangenen Frauen für ihn zwitscherten.
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"Bei Cirmias, wie liebte er doch die Mischung aus Giftpilz und Rauschkraut."
Aber da war dieser eine Gedanke, der sich nicht vertreiben ließ, dieses hartnäckige Etwas welches sich tief in seine hochkomplexen Berechnungen geschlichen hatte. Belgrom 'Skilam Dâr' Donnerfaust. Hasste er ihn? Nein.. Er liebte all seine Brüder. Mochte er ihn nicht? Nein.. Der Wühler war ihm sympathisch, seine Stärke und Kraft faszinierten ihn sogar. Wollte er Rache? Absolut. So hatte ihn der wulstig-wuchtige, rotbehaarte, kleine Fiesling doch einst mit zwei Faustschlägen in einen mehrminütigen komatösen Zustand befördert. Aber wie rächt man sich an jemandem, den man nicht hasst, sondern liebt. An einem seines Volkes, einem Bruder! Der rote Knödel hatte ihn öfters wirr genannt und auch den ein oder anderen, banalen Kommentar abgegeben. Nur weil er öfters untertags für einige Áugenblicke in den Schlaf verfällt? Das passiert jedem, fast jedem, den meisten, es gibt bestimmt mehrere denen es so ergeht.. Getwergelyn grübelte, die "Rauschmasse" unterstützte ihn, führte seine Gedanken, sortierte sie und gab ihm erst den Mut, diese Ideen zu empfangen. Er war ihm körperlich um Längen unterlegen. Der Alte-Getwergelyn-Schläger-Kerl-Belgrom, vergass auch nichts, er war klar im Kopf, zu klar.
Als hätte Cirmias selbst ihn geküsst, kam ihm die Idee. Er würde ihn wahnsinnig machen. So einfach, er würde seinen Wahnsinn, seine tiefe Verwirrtheit in kleinem Maße mit ihm teilen. Schlurfend, schleppte sich die kleine Gestalt durch den Berg, hier und da kicherte er vergnügt. Bei der letzten Mission hatte er gelernt sich so leise, beinnahe geräuschlos, wie ein Walross zu bewegen, hier und da rollte er sich von Schatten zu Schatten, sprang von Bierfass zu Bierfass und kroch von Pfütze zu Pfütze. Öfters verirrte sich der kleine Geodiz, aber schlussendlich stand er vor der Höhle des Skilam Dâr. Die meisten Kaluren, hatten keinen Grund ihre Türen zu versperren, so würde kein Bruder stehlen und die Wachhabenden Graik waren aufmerksam. Dies war auch hier der Fall. Die schwere Türe aufziehend, schob sich der Getwergelyn ins warme Innere. Lautlos, wie ein rollender Bierkrug in der ewigen Leere, näherte er sich dem Schlafenden und überprüfte die Festigkeit der Träume. Dann begann er mit der Operation Wirrwarr. Er verstellte was er nur konnte, Teller, Krüge, Waffen, Steintafeln, Essensvorräte, Bierfässer und Möbel - alles tauschte seinen Platz. Zufrieden nickte Geodiz vor sich hin, wie oft ging es ihm am Morgen genau so. Nichts war dort, wo er es gelassen hatte.. Vorsichtig schob er die Tür wieder zu und stapfte vergnügt zurück, zu seiner Hütte. Innig freute er sich bereits, dem roten Teufelchen seine tiefe Verwirrtheit zu lehren. Rache ist nunmal Getwergelyn.
Zuletzt geändert von Geodiz Getwergelyn am Freitag 27. Mai 2016, 03:21, insgesamt 3-mal geändert.
Der erste Schritt der Operation trug bereits die ersten, süßen Früchte. Bei der letzten Ratssitzung, konnte er bemerken, wie der Skilam Dar einen nur allzu bekannten Ausdruck im Gesichte trug. Verwirrtheit. Aber nicht genug! Geodiz würde einen Schritt weitergehen müssen, aber nicht zu weit.. es schmerzten seine Füße, so hatte er doch seinen täglichen Spaziergang über ein 1/8 der frostigen Klamm bereits absolviert. Er hatte viel um die alten, schlaffen Ohren in letzter Zeit, dennoch kehrten seine getriebenen Gedanken immer wieder zu seinem "Erzfeind" zurück:
Wie in den meisten der vergangenen Nächte, machte er sich, zu später Stunde, wieder auf den Weg, zu dem Zuhause des runden Rotbarts. Er hatte selten einen so festen und tiefen Schlaf gesehen, insgeheim hoffte er, dass nie jemand mit wirklich schlechter Absicht sich über die Wertsachen des Bruders hermachen würde, da jener schlief wie ein Toter. Abermals wurde umgestellt, verdreht und versteckt. Auch wenn dem alten Getwergelyn der Schweiß auf der Stirn stand, so war soviel Bewegung und Aktivität doch niemals geplant gewesen, in seinem ruhigen Leben. Aber es musste nunmal getan werden und er wollte keinen der Kurzbärte einweihen und die damit verbundenen Risken tragen. Er entzündete ein hypnotisches Räucherwerk. Hauptbestandteile: Rauschkraut, Giftpilze, Holzkohle, Riesenhaare und Spinnenspeichel. Jener Rauch, würde seine Worte hoffentlich in das Unterbewusstsein weitertragen. Wie es der Plan vorhersah, ließ Geodiz sich neben dem schlafenden Belgrom im "Schneidersitz", oder besser beschrieben: einer umständlichen Sitzposition, mit stark verdrehten Beinen nieder. Mit der ledrigen Zunge befeuchtete er sich die Lippen und begann, mit hoher, weiblicher Stimme, die Mutter des Skilam Dars nachzuäffen: "Mrâ, mix kleines Liebelingens Belgromchen.. Akh bins, dâr Mutterz.", er krächzte leicht, als sich seine Stimme überschlug. "Akh erzähle dâr nun ein Geschichtelix, von dem berühmten Geodiz Getwergelyn, der loszog um dem Volk zu dienen. Es war ein schattiger Tag, in jener stockfinsteren Nacht.." Glucksend und kichernd, versuchte der kleine Geodiz, die Träume des Belgroms zu beeinflussen. "Er erschlug 27 Riesen.. freihändig, nur mitz Kopfnüssen.." "Er opferte seinen kleinen Zehen, um dutzende Waisenkaluren aus dem Waisenhaus zu befreien.." "Geodiz Getwergelyn, ein großartiger Kalure.. der klügste, der schlauste, der Beste.." Die Stimme erreichte eine ungeahnte Höhe und überschlug sich - bildlich: so musste es aussehen wenn der Bhir Dar, auf einem Hügel stolperte und herunterpurzelte. "Sei gut zu ihm, mix Liebelingens Belgromchen..!"
Zufrieden nickte der Getwergelyn und war sichtlich vorfreudig auf das Resultat, dieses Feldversuches. Insgeheim befürchtete er ja, eines Tages ein guter Freund des Skilam Dar zu werden. Dies galt es vorerst zu verhindern.
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Viele Tage waren mittlerweile vergangen, in denen der Skilam Dar stets das gleiche träumte. Immer wieder war ein Heldenhafter Khaz Aduir darin, welcher wundersame Heldentaten verbrachte doch stets bevor er das Grsicht erblicken konnte, war der Traum vorbei.
So begann auch dieser nächste Tag des Skilam Dars. Ein Bierfass am morgen sowie etliche Gubbelfischpasteten von Nurim persönlich, die zwar stanken nach altem Fisch, jedoch auch genauso schmeckten... doch nichts weckte einen Khaz-Aduir besser auf außer ein Heilbutt.
Noch am Esstusch sitzend und kauend bemerkte der noch Junge Wühler, das er statt in der Ecke wie gehabt den Tisch plötzlich in der Mitte des Raumes hatte und sich ebenso andere Dinge verschoben hatten.
Mit einem Kratzen am Kopf zuckte der Skilam Dar kurz futterte weiter und machte sich auf den Weg zum Wachdienst, wenn er denn seinen Schlüssel finden würde.
Dieser war in einer ganz anderen Tasche als üblich...
Irgendetwas stimmte nicht... das Gewohntheitstier Skilam Dar witterte kurz in der Luft seufzte dann wohlig, als der Geruch von Brotkhvas herbeiströmte und vergaß bereits alles wieder.
Dennoch schien er äußerst vergesslich geworden zu sein. Oder blöd... denn gegenüber seinem Pseudorivalen Geodiz begann er komischerweise netter zu sein... was normalerweise bei Geodiz unüblich war, denn der Stollengammler war ein Hoffnungsloser Fall. Doch er würde ihm wohl eine Chance geben müssen, denn wer weiß... viellleicht würde er noch Große Dinge vollbringen wie der Khaz Aduir in seinen Träumen.