Stimme des Meeres [Quest]

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Sirena

Stimme des Meeres [Quest]

Beitrag von Sirena »

Unendlich weit, als wolle es niemals enden, erschien das nächtliche Firmament. In der atemberaubenden Schönheit des strahlenden Mondes und der funkelnden Sterne erhob es sich über die kleine schlafende Welt Bajards. Glitzernd, wie abertausende kleine Diamenten, spiegelte sich das silbrige Licht Luna's auf der Oberfläche des Meeres. Eine seichte Brise trug das gleichmäßige Rauschen der Wellen zur Küste hin und versuchte die Dorfbewohner in den Schlaf zu wiegen, die den Weg in ihr Bett noch nicht gefunden hatten. Es herrschte niemals wirkliche Ruhe in dem kleinen Fischerdorf, stetig huschte irgendein Leben durch die sandigen Straßen. Waren es am Tag die Menschen, so waren es in der Nacht die Tiere.

Und auch im Ozean herrschte Leben, ganz gleich zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Die greifenden Arme von Algen schimmerten in einem Grün wie aus Jade und sich im Takt der Wellen wiegende Korallenäste glänzten, als bestünden sie aus pulsierendem Herzblut. Hektische Bewegung herrschte auf dem sandigen Grund, wenn auch nicht immer gleich beim ersten Blick zu erkennbar. Krebse in den unterschiedlichsten Größen klackten mit ihren Scheren, kleine Würmer schlängelten sich flink zwischen deren Beinen hindurch. Hier und da glitzerte etwas Metallenes zwischen dem Grau des Sandes und ließ die Phantasie von den Schätzen gesunkener Schiffe aufglimmen. Schwärme aus kleinen Fischen zogen in völligem Einklang mit dem Strom des Wassers ihre Runden, verloren einander um im selben Augenblick wieder zueinander zu finden.

Zwischen all' den Farben und all' dem Leben befand sich Sirena. In ihren moosgrünen Augen leuchtete die Freude eines Kindes, welches ein neues Spielzeug entdeckt hatte. Leicht wie eine Feder glitt sie zwischen den kleinen Wundern des Meeres umher, dabei voller Begeisterung, als hätte sie sie noch nie zuvor gesehen. Dabei war sie mit ihnen vertraut, seit Anbeginn ihres Lebens. Ja, sogar seit Anbeginn der Welt. Blassblaue Schuppen, aufgebaut wie die eines Fisches, bedeckten ihre Haut und schützten sie vor den eisigen Temperaturen des Wassers, so dass Sirena eine wohlige Wärme auf sich verspürte. Ein Kleid aus Seetang umwob ihren Leib und schützte empfindliche Stellen. Ihr Haar so fein wie Spinnenweben, trug Seesterne in sich, welche in den Strahlen der Nacht im Blau von Eiskristallen schimmerten.

Doch die Schönheit von Sirenas Welt verblasste. Mit jedem Tag, der ins Land zog, verging sie ein wenig mehr. Es waren nicht die Pflanzen alleine, welche dem Meer seinen Glanz verliehen, es waren auch seine Bewohner. Ihre Freude und ihr Lachen ließen den Ozean erblühen. Doch es war Trauer, die die Kinder des Wassers umfing. Es war der Tod, der mit jedem Augenblick die Schlinge ein wenig enger zog. Seit Jahrhunderten lebten Sirena in den Gewässern, welche Bajard umspülten. Menschen waren gekommen, hatten das Meer um Nahrung gebeten und sie wurde ihnen gewährt. Doch die Festländer wurden gierig, immer mehr forderten sie von dem Leben im Wasser für sich ein. Maßlosigkeit regierte ihr Tun. Und das Lachen in der schillernden Welt des Meeres wurde leiser. Noch war es nicht verstummt, doch der Abgrund rückte immer näher. Sirenas Herz blutete unter dem eisernen Griff der Trauer. So beschloß sie aufzutauchen aus den Wogen des Meeres, um ihr Lied an die Küste zu schicken. Leise, wie das Klingen kleiner Silberglöckchen mischte sich ihr Gesang unter das Rauschen der Wellen, voller Traurigkeit und Verzweiflung über den Niedergang ihrer Welt. Und doch mit dem Funken der Hoffnung, dass ein manches Ohr ihre Zeichen verstand.

So geschah es, dass in diesen Tagen manch' Fischer vermeinte die Gestalt einer Frau zwischen den Wellen zu erkennen, getaucht in die Strahlen des Mondes und manchmal auch in die der Sonne. Und andere sahen sich mit einer glockenhellen Stimme konfrontiert, welche von weiter Ferne übers Meer herangetragen wurde und Traurigkeit in den Herzen derer sääte, die noch empfänglich dafür waren.
Zuletzt geändert von Sirena am Sonntag 16. April 2006, 20:12, insgesamt 1-mal geändert.
Garioth Warentus

Beitrag von Garioth Warentus »

Schwitzend und Angestrengt schlug er auf die Übungspuppe vor ihm ein als er einen wind hauch vernahm welcher seine haare durchstrich.
Der kalte wind auf seinem verschwitzend Oberkörper durchzog ihn wie ein kaltes Schauern.
Erst ignorierte er dies, doch als er auf einmal ein lautes Möwengekreische vernahm ging er zur Brüstung der Terrasse auf welcher er sich Befand und schaute zum mehr hinaus.

Was er dort sah wägt seine Neugier noch mehr, das Meer war aufgewühlt, gar seltsames Spielte sich am Horizont ab.
Selbst auf der Langen überfahrt, welche ihn erst vor kurzen in diese Stadt brachte, erlebte er ein solches komisches Wetter nicht.
Und dann… eine Stimme so voller Trauer und Leid das es ihm schauernd den Rücken hinunter lief. Die Trauer dieser Stimme wog schwer… schwächer… kleiner… gar hilflos fühlte er sich für einen Moment.
Doch dann diese lieblichen Stimme, welche ihn in ihren bahn zock welche ihn veranlasste sofort zum Haffen zu laufen.
Dort angekommen bat er den Kapitän auszulaufen und ihn zu dieser lieblichen, jedoch auch traurigen stimme zu bringen, doch dieser verneinte seine bitte und sagte ihm er solle am Morgigen Tage wieder kommen.
Wütend und enttäuscht ging er wieder zur Küste und schaute zum Meer hinaus, doch was sah er da…. alles war wieder normal… die stimme war fort und der Horizont war wie immer…

Fest entschlossen, jedoch nachdenklich ging er wieder zu den Übungspuppen und schlug seufzend auf sie ein. „Morgen werde ich mit dem Schiff hinausfahren, bis ich die Stimme finde!“
Sagte er noch fest entschlossen zu sich, während er schwitzend und keuchend auf die Puppe eindrischt.
Lairja Scherenbrueck
Beiträge: 12
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Lairja Scherenbrueck »

Etwas war anders als sonst. Lairja konnte es nicht in Worte fassen, aber sie spürte es. Wie immer am Abend, hatte sie nach den Tieren gesehn, wollte noch einige Kräuter ernten, als mit einem Male ein seltsamer Wind vom Meer her wehte. Auch das Rauschen des Meeres war anders als sonst, es war als würde es rufen. Mit eine fahrigen Bewegung strich sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und lauschte auf die Geräusche, die vom Meer kamen. Es war als würde es sie mit aller Kraft dort hin ziehn."Ach herrjeh......" stiess sie ungläubig hervor. Achtlos liess sie die Sichel fallen, liess alles stehen und liegen und eilte auf das kleine Tor zu, das direkt an die Küste führte. Ohne lange zu überlegen, stiess Lairja das Tor auf und starrte auf das Wasser.

Die untergehende Sonne spiegelte sich in den leichten Wellen und das Licht der Strahlen brach sich darin, es war als ob tausend kleine Sterne funkelten und schimmerten. Immer noch wehte diese Brise und blies ihr die Haare immer wieder ins Gesicht. Ganz fasziniert genoss Lairja diesen Anblick, als sie mit einem Male eine Stimme, die aus weiter Ferne kam, aus ihren Gedanken heraus riss. Schwermut, Trauer ....und Schmerz....klang aus dieser Stimme und Lairja, sie konnte es spüren...tief in sich drin, mit jeder Faser. Diese Traurigkeit, diese Schwere, sie erfüllten die junge Frau und ohne es zu bemerken, liefen Tränen über ihre Wangen. Sie konnte ihre Blicke nicht vom Wasser abwenden, bemühte sich ohne jeglichen Erfolg, auch nur irgendeines der Worte zu verstehen. Fühlte nur diesen Schmerz, diese unendliche Traurigkeit.

Ihre Augen weiteten sich ungläubig, als aus dem Wasser ein Wesen erschien. Lairja hielt sich mit einer Hand den Mund zu, um einen Aufschrei zu unterdrücken. So etwas...das hatte sie noch nie gesehn. Diese Gestalt tauchte einfach aus dem Wasser auf, das Wasser perlte in kleinen Tropfen vom Körper dieser Frau...war es denn überhaupt eine Frau? Die Tropfen brachen sich im Licht der untergehenden Sonne und ein Schimmern war um dieses Wesen....und auch in diesem Anblick war das Leid, die ganze Schwermut und Trauer zu spüren. Fassunglos und auch fasziniert starrte Lairja auf diese Erscheinung, rieb sich die Augen, aber sie war immer noch da. Sie träumte es nicht, ganz sicher nicht. Regungslos, unfähig etwas zu tun, etwas zu sagen, stand Lairja da, ihre Augen unverwandt auf dieses Wesen gerichtet.

Gebannt blickte Lairja auf diese Erscheinung dort auf dem Wasser des Meeres, und bemerkte nicht, das Valion an sie heran trat. Sie hatte ihn nicht einmal heran kommen hören, so gefangen war Lairja von dem Bild, das sich ihr bot. Ihre Gedanken überschlugen sich. Warum diese unendliche Trauer, diese Pein, dieser Schmerz? Wenn sie doch nur ein Wort verstanden hätte, nur ein einziges. Denn das diese Gestalt etwas sagen wollte, das hatte sie sehr wohl verstanden und auch gespürt. So wie es gekommen war, so verschwand dieses Wesen, das Wasser nahm es wieder in sich auf. Mit ihr gingen der Schmerz, die Schwermut und auch das Leid. Aber ein wenig davon, es blieb in Lairja zurück, sie konnte es in ihrem Herzen fühlen. Die Erscheinung hatte nicht alles wieder mit sich genommen, sie hatte etwas zurück gelassen.

Wie erschlagen rutschte Lairja mit dem Rücken am Zaun hinunter, zog die Beine eng an ihren Körper und schlang die Arme um die Knie. Immer noch konnte sie ihre Augen nicht vom Meer abwenden. Sie bekam nicht mit, das der Wind weniger, das Rauschen der Wellen leiser wurde. Auch das Valion beruhigend auf sie einredete, nahm sie anfangs gar nicht wahr. Das er ihr versicherte, dieses Wesen auch gesehen zu haben, das drang als Einziges in ihr Bewusstsein.

Sie musste jemanden finden, der ihr weiter helfen konnte. Vielleicht wissen die Gelehrten in Tirell ja Rat und würden sie nicht gleich für verrückt erklären. Nein! Sie hatte das nicht geträumt, sich das nicht eingebildet. Nein! Das war wirklich gewesen. So konnten sie ihre Augen, ihre Sinne nicht getrogen haben. Sie hatte es gespürt und sie fühlte es immer noch.
Karischa Nevadis

Beitrag von Karischa Nevadis »

Es war Nacht, tiefste Nacht und Bajard lag friedlich da. Ein fast jeder schlief seelenruhig und man hätte das kleine Dörfchen glatt für ausgestorben halten können, wäre da nicht eine Menschenseele unterwegs. Karischa konnte nicht schlafen, was nicht selten war, denn die Nächte waren kalt und wenn man zudem noch in den sternenklaren Himmel schaute, wie er heute vorherrschte, dann war an Schlafen sowieso nicht zu denken. Sie schritt am Ufer der Küste entlang, die Wellen drückten sich sanft an die Küste heran und ihr leises Rauschen ließ die Umgebung in eine sanfte, friedliche Atmosphäre tauchen. Karischa sah hinaus auf das Meer, welches von dem fahlen Mondschein beschien wurde. Wie sehr sie doch diesen Anblick liebte, es war doch immer noch wunderschön, egal wie oft sie nun schon die See bewundern durfte. Doch heute war etwas anderes dabei, irgendetwas lag in der Luft; nein … im Wasser. Es war nur leicht zu hören, vermischte sich mit den Wellen, ehe es immer deutlicher wurde. Töne, so wunderschön und sanft und doch so tieftraurig dass sich Karischas Herz zusammenkrampfen wollte. Sie starrte mit einem mal gebannt auf das Meer hinaus; was war das für eine Melodie, woher kam sie?

Sie blinzelte auf eine Stelle im Wasser, welches vom Mondlicht sanft erhellt wurde und dann sah sie sie plötzlich. Für einen Bruchteil von Sekunden sah sie die Gestalt, so anmutig, so wunderschön und die traurige Melodie wurde stärker, immer fester. Sie konnte die Blicke dieser Frau … oder was auch immer das war, förmlich auf sich spüren konnte die Trauer darin erkennen, auch wenn sie eigentlich nicht mehr als Schemen erkannte. Und dann war es plötzlich vorbei, so schnell wie es begonnen hatte, starrte Karischa auf eine leere Stelle im Wasser, doch die Melodie hallte noch wieder. Neugierig beugte sie sich weiter vor, wo war sie hin? Was war das gewesen? Diese Fragen gellten in ihrem Kopf wieder und sie merkte die ersten Sekunden nichtmal, wie sie den Halt verlor und ins Wasser fiel. Erst als das eiskalte Nass sie umhüllte jappste sie überrascht auf und zog sich wieder eiligst an Land. Sie saß an der Küste, ihr Körper klatschnass, ihre Kleidung klebte an ihrem Körper und der kalte Wind umspielte ihren Körper und doch starrte sie noch eine Weile auf die Stelle.

Selbst als sie sich später noch etwas zittrig von der Kälte zur Ruhe legte, konnte sie die Melodie in ihrem Kopf widerhallen hören, spürte die Blicke auf ihrem Körper. Wer immer diese Gestalt war, sie musste so unendlich verletzt sein, allein der Gedanke schien sie fast umzubringen. Es würde nicht ihr letzter nächtlicher Besuch an der Küste sein, das war sicher.
Thearon Bengele

Beitrag von Thearon Bengele »

Gerade mal 20 Schritt waren es zum Ufer des Meeres wo sein Zelt aufgebaut wurde. Wie jeden Morgen warf Thearon die Angel aus, um das zu fischen, was er und sein Weib für den Tag benötigte.
In letzter Zeit musste er jedoch länger warten, fettere Köder an den Hacken spießen und mehr Gedult mit bringen. Immer weniger Fische bissen bei ihm an und so fragte er sich schon, ab er vielleicht weiter gen Stadt ziehen sollte mit seinem Verschlag. Er hörte dort sollen die Fischer noch gut fangen im Hafen.

Er blickte über das Meer und wartete auf einen Fang. Keine stunde später nahm er sich ein paar schwere Steine und klemmte seine Angel in den Haufen. Etwas brummelte er noch in den Bart, von wegen lange sinnlos herumsitzen. Die Fische würde er dem Meer schon abringen, es würde nur etwas dauern.

Als er sich gerade umwenden, den Vorhang - was die improvisierte Tür darstellen sollte- beiseite schieben wollte, hielt er inne. Vernahm sein feines Ohr da gerade einen Ruf? War ihm es nicht gerade so, als hörte er eine zärtliche Stimme singen und mit einen lieblichen Reiz reim sein Gehör liebkosen?
Als Quelle schloss er sein Weib sofort aus.
Statt dessen wandte er sich wieder herum gen Meer und richtete sein Blick weit über den blauen Spiegel.
War da gerade eine Schwanzflosse? Sicher nur wieder einer der Delphine, der sich bis hierher verirrt hatte. In Menek'Ur waren sie heimischer als in Bajard, dass wusste er.

Er vergass die Angel in den Steinen und packte im Zelt eilig ein Bündel für eine kleine Wanderung.
Denkend bei sich, wenn die Vermutung stimmen würde, habe er gerade interessante Kunde für das Land. Thearon hatte auf seinen Reisen nach Menek'Ur schon viel von den Seebärten, kurzum Seefahrern, gehört. Sie berichteten ihm von vollbusigen Frauen, ihre Scham mit Muscheln bedenkt und statt Füße sollen sie eine Schwanzflosse besitzen. Nackt auf einem Stein sitzend, rufen sie die Männer in ihr kaltes Nass zogen um sie unterwasser zu ertränken.
Schauergeschichten mochte das Land, und vorallem Kinder liessen sich gut beeindrucken mit solchen Erzählungen - natürlich ausgeschmückt wie es die Kunst erlaubte.

Er brummte noch etwas zu seinem Weib, dann greift er sein Bündel und wandert zuerst gen Bajard. In Gedanken schien er sich schon mit erquickten Kindergesichtern und schmunzelnden Erwachsenen anzufreunden, wärend nicht viel später seine Angel aus den Steinen gerissen wird.
Andiara Aylen

Beitrag von Andiara Aylen »

Gerade streichelte sie ausgiebig über das Fell eines Pferdes, von dem sie nichtmal wusste, wem es gehörte. Sie grinst fröhlich und hatte ihren Spaß. Tiere waren einfach toll und sie wollte auch unbedingt einmal das Reiten lernen. In Bajard kam wieder dieser Duft auf, ein kleiner Windzug trug den salzigen Geruch des Meeres heran. Andiara wurde neugierig, als sie die Geräusche im Haus gegenüber vernahm, es war ein Bauernhof. So einer, wie ihr zweiter Ziehvater, aber der war ja sowieso doof.

Als jedoch das feine Klimpern an ihr Ohr drang, ein Geräusche, wie von leises Silberglöckchen, vielleicht eine Melodie. So viele Zufälle bei den Klängen konnte es nicht geben. Es war auch nicht wirklich ein Musikinstrument, welches sie kannte. Sie huschte eilig zum Wasser, wo sie den Ursprung der Melodie vermutete. Die Töne wurden hier, am Ufer, nur umso intensiver und ein unbestimmtes Gefühl machte sich in dem Körper des kleinen Mädchen breit. Es war schwer einzuschätzen, doch wollte es sich auch nicht bessern. Trauer lastete nun auf den Schultern und eine Hand griff innerlich nach dem kleinen Herzchen Andiaras. Umfasste es mit bedrückender Trauer. Betroffen schob Ana die Unterlippe vor, war von der Trauer ergriffen. Sie fühlte sich plötzlich müde und schlapp, sah jedoch immernoch auf das Wasser.

Dort erschien sie schließlich - eine Frau - sie war schwer zu deuten, zu mustern, doch sie war eindeutig da. Andiaras Augen wurden groß, ihre Kinnlade kippte runter und sie starrte vor sich hin, jegliche Höflichkeitsfloskeln ablegen, die man ihr mal beizubringen versuchte. Krampfhaft zog sich das kleine Herz zusammen und sie wollte gerade fast losheulen, als sie eine Stimme vernahm, die an ihr Ohr drang. Die junge Frau im Wasser rief nach Hilfe, sie rief mehrere Male nach Hilfe, aber was sollte das kleine Mädchen schon tun? Sie regte sich innerlich bereits über die eigene Unfähigkeit auf, brummte nur vor sich hin. Dann verschwand die Gestalt auch wieder und Ana senkte den Kopf ab.

Das Mädchen wusste, was sie zutun hatte, wenn jemand nach Hilfe rief. Sie musste einen Erwachsenen holen. Leider kannte sie jedoch niemanden in Bajard. So huschte sie zu dem Bauernhof, wo sie das Pferd gesehen hatte und huscht an einem Mann vorbei, der gerade aus dem Haus trat. Die Personen drinnen waren freundlich, vor allem die Frau namens Lairja. Sie versorgte das Kleine liebevoll. Ana stopfte sich mit leckeren Kuchenringen voll und trank dazu warme Milch. Lairja erzählte auch Andiara, dass auch sie die Frau im Wasser gesehen hatte. Im Gegenzug ließ Andiara Lairja alles wissen, was sie erfahren hatte. Die Frau war verwundert, dass das Mädchen tatsächlich die Sprache der Meerfrau erkannte und auch die Worte wiedergeben konnte, nämlich, dass sie einfach nur um Hilfe bat.

Irgendwann wurde es auch ziemlich hektisch im Haus. Irgendetwas schien im Hinterhof passiert zu sein und Andiara durfte dies wohl nicht sehen. Ihr war es auch egal. Sie saß eingewickelt in eine Decke auf einem der Stühle, war satt und zufrieden. Trotzdem musste sie leicht zittern. Die Nase lief ihr und sie hatte sich wohl erkältet. So kam es, wie es kommen musste. Nach einem langen Augenblick des "Alleinseins" legte sie sich nieder, kauerte sich auf den Stühlen zusammen und schlief glücklich ein...
Jasmin Elais

Beitrag von Jasmin Elais »

Jasmin stand am Ufer des Hafens in Bajard. Der Tag war schön, sie packte ihre Angel aus, setzte sich ans Ufer. Der leichte Wind des Meeres schlich sich durch ihre Haare, wehten sie ihr ab und an in ihr Gesicht, was ihr die Sicht wohl erschweren wollte. Doch ließ sie sich nicht davon abhalten, ihre Angel weiter in das kühle Nass zu werfen. Stillschweigend vernahm sie das Schlagen der Wellen gen Ufer und das Peitschen der Angel auf das Wasser. Immer wieder zog sie Fisch für Fisch aus dem Wasser, legte ihn behutsam in den Korb neben sich und befestigte immer wieder Köder am Haken, ehe sie die Angel mit Schwung ins Wasser gleiten lies.

Jasmin hatte so einige Fische schon aus dem Wasser gezogen, als sie auf einmal ein leises Klingeln vernahm. Sie runzelte ihre Stirn, versuchte zu erörtern, woher das Klingeln kam. Doch um sie herum war nichts. Langsam steckte sie ihre Angel in ihre Umhängetasche, runzelte abermals die Stirn und lauschte. Das Geräusch eines Klingelns, die Melodie des Wassers hatte sich ihrer angenommen und Jasmin realisierte erst nach einer Weile, dass die Melodie wohl aus dem Meer an sie durchzudringen schien. Jasmin hatte so etwas noch nie gehört. Jetzt war sie schon so herangealtert, längst aus dem Kinder und Jugendalter heraus in dem man sich noch einiges hätte zusammenspinnen können und da wollten ihr ihre Sinne einen Streich spielen? Abermals sah sie sich um, doch schien sie wie gebannt von der traurigen Melodie, welche sie umgab. Suchend blickte sie sich um, was auch immer sie zu suchen vermochte, sie schien es vorerst nicht zu finden. Die Melodie hatte sie wie in einen Bann gezogen. Es schien, als würde alles schlechte, was Jasmin jemals erlebt hatte auf einmal Hand über sie ergreifen wollen. Wer war nur in der Lage eine so schöne und doch traurige Melodie zu spielen, herbeizurufen? Jasmin blinzelte, das Meer vor ihr sah aus als würden abertausende an Kristallen darauf tanzen. Von der Melodie ergriffen und von den Kristallen verzückt starrte sie weiter auf das Meer ehe sich aus den Strahlen der Sonne urplötzlich eine Frau zu erheben schien. Jasmin runzelte abermals die Stirn. Spielten ihr ihre Sinne schon wieder einen Streich? Sie blinzelte, doch die Frau war noch dort. Umgeben von Sonnenstrahlen zeigte sie sich in ihrem Antlitz, weit draußen auf dem Meer. Zu weit, als das Jasmin ihre Gesichtszüge hätte erkennen können oder sich in ihren Augen wiederspiegeln könnte. Das Antlitz der Frau spiegelte die schönen Weiten des Ozeans wieder, ihre Kleidung schimmerte in den Strahlen der Sonne, welche sie umgaben. Und ihre Melodie ergriff Jasmin. Und doch, so schnell wie sie gekommen war, war sie auch wieder fort, doch blieb die Melodie des Meeres und umspielte Jasmins Sinne und auch ihr Herz weiter. Jasmin ließ sich erneut betrübt auf den Boden fallen. Was war das gewesen? Wer war diese junge frau? War sie gefangen in den tiefen des Meeres? Musste man ihr helfen? Jasmin stiegen tausende an Fragen durch den Kopf und für keinerlei wusste sie eine Antwort.

Vielleicht war ja doch alles nur eine Einbildung gewesen?
Sharay Lessard

Beitrag von Sharay Lessard »

Es war ein ruhiger Abend in Bajard und die beiden Frauen standen oben auf der ehemaligen Wache, wo sich Shanaja ausgiebig mit einer der Trainingspuppen beschäftigte. Eine kühle Brise strich den beiden durchs Haar und erfrischte die boxende Shanaja. Weiter achteten die beiden nicht darauf, bis ihnen gewahr wurde, das der Wind ein anderes Geräusch, ein leises Klingeln wie von Silberglöckchen mit sich trug. Ein kurzer verwunderter Blick ging zum Meer hinaus, ehe sie ihr Gespräch fortsetzten, Shanaja ihre Übungen und Sharay ein paar kurze Erklärungen über Metalle und Legierungen.
Wieder erklang das Klingeln, diesmal intensiver und die beiden hörten den traurigen Unterton des Geräusches im Wind. Mit einen Mal wurde die Melodie so eindringlich und bedrückend, als würde sich die Melodie nicht nur auf die Ohren, sondern besonders auf die Seele legen..

Mit wenigen Schritten war Sharay an der Brüstung zum Meer hin und ließ ihren Blick übers Wasser gleiten, nicht mal wissen, was sie dort zu entdecken sich erhoffte. Die Melodie ging derweil weiter und hinterließ ein Gefühl der Schwäche in den Gemütern der beiden Frauen.
Ihren Blick immer weiter über das Wasser wandern lassend, nahm Sharay einen Umriss gewahr, kaum mehr als ein Schemen, unwirklich wirkend und trotzdem als Gestalt zu erkennen. Bei genauerem Hinsehen schien in den Fluten nichts zu sein, wohl nur eine Täuschung, eine Spiegelung der Sonne, die sich am Horizont mit dem Wasser vereinte, aber trotzdem vermochten die beiden Blicke auf sich zu spühren.

Zum Gefühl der Traurigkeit gesellte sich eine Gänsehaut auf Sharay's Rücken, die Traurigkeit in ihr wurde immer größer, je länger sie in die Fluten blickte. Ihren Blick konnte sie aber nicht lösen, immer noch versuchte sie den Schemen genauer zu erkennen, bis er so schnell verschwand, wie er gekommen war.

Die traurige, schmerzerfüllte Melodie lag noch eine ganze Weile in der Luft oder war sie in die Herzen der beiden gekrochen? Sie wussten es nicht, aber es dauerte lange, bis sich Sharay an diesem Abend wieder ein lächeln abringen konnte, ohne direkt an die Gestalt im Wasser denken zu müssen.
Viktor Seebart

Beitrag von Viktor Seebart »

Rau wie Schleifpapier pfiff dem alten Viktor der Meereswind um die Ohren. Der Himmel verlief sich in einer Suppe aus schmutzigem Grau, von den Strahlen der Mittagssonne nicht der Ansatz einer Spur. Dafür prasselten dicke Regentropfen auf Viktors gerötete Wangen hinab. Der Versuch die Augenlider mehr als nur einen Schlitz weit auseinander zu bewegen, wurde mit dem sofortigen Einschuß salziger Tränen in den Augenwinkeln gestraft. Mit einem aus tiefstem Herzen geknurrten "Sauwetter" stieß er sich von der Reeling ab, um sich windgebeutelt den Weg unter Deck zu erschwanken. Der Weg nach Bajard war noch ein langer.

Unter Deck herrschte stickige Luft, geschwängert von Pfeifenqualm und verschüttetem Hochprozentigem. Lautes Gelächter und ab und an auch ein unfreundlicher seemännischer Fluch drangen aus der Ecke des Raumes, in der die Mannschaft zusammengepfercht um einen runden Tisch herum saß und sich an einem Kartenspiel erfreute. Dass die Karten aufgrund des enormen Wellengangs dauernd durcheinander rutschten, schien keinen der alten Seebären zu stören. Viktor zog sich einen klapprigen Stuhl heran, drehte ihn so, dass die Lehne nach vorne zeigte und zwängte sich zwischen Zwei seiner Kameraden. Augenblicklich wurde ihm ein Glas Schnaps in die eine Hand gedrückt und ein Stapel Karten in die Andere. Wohlig brannte der Alkohol, als Viktor den Inhalt des Glases in einem Zug seine Kehle hinabschüttete und sofort fühlte er sich warm ums Herz. Lachend, gröhlend und auch schimpfend, wenn ihm das Glück des Spiels nicht hold war, verbrachte er die nächsten Stunden.

Es war schon fast Abend, als einer der diensthabenden Schiffsjungen aufgeregt unter Deck stürzte. Der Sturm hatte sich schon seit einer Weile wieder gelegt und der Kahn schwankte gemächlich in den Gewässern Bajards gen Hafen. "Da draußen, da ist etwas ! Ein seltsames Wesen!", japste der Junge und verlor in diesem Moment seinen Halt auf den schmalen Stufen, so dass er der Nase lang auf die Planken donnerte. Der zuerst verwirrte Ausdruck in den Gesichtern der kartenspielenden und trinkenden Männer wandelte sich schnell in einen Belustigten. "Du brauchst wohl auch mal wieder einen ordentlichen Schluck!", gröhlte einer und hob die Schnapsflasche an. "Jaja, die Seeluft lässt manchen so einige Dinge sehen !", johlte ein Anderer. Der Junge hatte sich inzwischen mühsam wieder auf die Beine gerappelt und wollte auf das Heftigste gegen den Spott der Alten protestieren, als eine Woge absoluter Trauer über das Schiff schwappte und sämtliches Gelächter und Gehöhne ersterben ließ. Ein deutlich fühlbarer Schleier aus Bedrücktheit und Kummer hatte sich über das Meer gelegt und griff nach der Seele eines jeden lebenden Wesens. Durch die geöffnete Luke drang das Rauschen der Wellen und mit ihm eine Melodie, so zart und fein wie das Klingen von Silberglöckchen und doch so schwer unter Trauer und Schmerz. Mit weit aufgerissenen Augen blickten die Seemänner einander an, manch' einer krümmte sich regelrecht unter der Wehmut, die sich in seinem Herzen einnistete. Viktor war der Erste, dem es gelang die Starre von sich abzuschütteln und die Stufen hinauf auf Deck zu hechten.

Aufgeregt eilte er die Reeling entlang, dabei den Blick fortwährend auf das Wasser gerichtet. Und da, zwischen den sanft aufeinander schlagenden Wellen erhob sie sich aus dem Meer. Die Strahlen der langsam untergehenden Sonne reflektierten sich auf der Wasseroberfläche und ließen die Gestalt erstrahlen. Auch wenn Viktor nur Umrisse zu deuten vermochte, so spürte er, dass sie in seine Richtung blickte. Inzwischen waren auch einige der anderen Seemänner an Deck gelangt und drängten sich um ihn. Mit heruntergeklappten Kinnladen starrten sie auf die Silhouette im Wasser, deuteten hektisch mit den Fingern darauf. "Das ... ! Was ist ... ?!" Mehr als nur vereinzelte Brocken war keiner der sonst gestandenen Männer in der Lage sich zu entringen. Und bevor sich die Erscheinung richtig in dem Bewußtsein der Seeleute manifestieren konnte, war sie auch schon wieder in den Tiefen des Ozeans verschwunden. Nur ihre nachhallende Melodie war auch noch Minuten später Zeuge ihrer Existenz. Sie hatte ihren Schmerz in die Welt gesungen ... und Wehmut in den Herzen der Männer gesäät.

Auf der See war die Phantasie groß und in langen Nächten noch größer. Geschichten von Kobolden, Geistern und Meereskindern war keinem echten Seemann fremd. Doch zwischen Erzählen und tatsächlichem Sehen lag ein beträchtlicher Unterschied, der selbst dem mutigsten aller Seebären zu schaffen machte.

Mehr als je zuvor dürstete es Viktor nach einem Schnaps. Der Hafen des Fischerdorfes Bajard war nur noch wenige Augenblicke entfernt und er sah sich schon vor seinem Ziel des heutigen Abends, der Taverne.
Viktor Seebart

Beitrag von Viktor Seebart »

Es war ein recht schöner Frühlingsabend, der über Bajard lag. Die sanften Strahlen der langsam untergehenden Sonne tauchten das Dorf noch einmal in eine angenehme Wärme und verliehen ihm einen rötlichen Farbton. Wäre der salzige Duft des Meeres nicht derart dominant gewesen, so hätte man den süßen Geruch der ersten aufblühenden Blumen wahrnehmen können. Doch all' dies fand bei Viktor keine Bedeutung. Seine Schritte kannten nur ein Ziel, seine Kehle nur eine Erlösung. Er polterte regelrecht durch die Eingangstüre der Dorftaverne und noch bevor er den Tresen erreicht hatte, ließ er den Wirt lauthals vernehmen, wonach ihm der Sinn stand. "Wirt ! Einen Schnaps, aber einen Gescheiten !". Er zog sich den angefransten Hut vom graubehaarten Kopf und robbte sich auf einen der Thekenhocker. Dorian, der Wirt, servierte ihm umgehend ein Glas, randvoll mit Hochprozentigem. Als dieser Viktors Kehle hinabrann, war die Welt für einen Augenblick wieder in Ordnung.

Nur langsam wurde Viktor sich der Anwesenheit zweier Frauen bewußt. Eine hockte ihm direkt am Tresen gegenüber, die Andere saß etwas zurückgezogen im hinteren Teil des Raumes und drehte ein Weinglas vor sich hin- und her. "Na, lange keinen guten Schluck mehr gehabt ?", fragte die Frau am Tresen und grinste ihm keck entgegen. Viktor winkte ab und orderte bei Dorian Nachschub. "Was gibt es Neues von der See ?", hakte das junge Ding nach, schien sie auf ein Gespräch erpicht zu sein. Nun, dieses konnte sie haben ! "Junges Weib, Neues von der See wollt Ihr wissen ?! Mich wundert, dass dieses Dorf noch in solcher Ruh' verharren kann, ob der Dinge die sich um seine Ufer abspielen !"

"An den Ufern? Meint ihr komischen Singsang und Gestalten im Wasser?"

"Gestalten im Wasser ? Nein, eine Gestalt, eine ganz Bestimmte !".

"Erzählt, was ihr meint, Seemann", forderte ihn die eine Frau auf. Und nachdem Viktor sich noch einen kräftigen Schluck Schnaps gegönnt hatte, begann er zu sprechen. "Ich entsinne mich an die Worte meines Großvaters. Bei den Ozeanen, lange ist es her dass ich seine Stimme zum letzten Male vernommen habe. Auf jeden Fall erzählte er zu meinen Kindertagen eine Geschichte, als er eines Abends von der See heimkehrte. Er war ein Seemann, wie ich es nun bin. Er sagte, Junge, verlerne niemals das Meer zu schätzen, es kann dein treuester Freund sein aber auch dein schlimmster Feind. Mit grossen Augen habe ich ihn damals angesehen, der Verstand meines kleinen Kopfes hat damals noch nicht begriffen was er mir damit sagen wollte."

"Und heute?"

"Heute, junges Weib, könnt Ihr mir glauben, dass ich es weiss. Aber, zurück. In Verbindung mit den weisen Worten erzählte er mir vor dem zu Bett gehen noch eine Geschichte. Er beharrte natürlich darauf, dass sie voll und ganz der Wahrheit enstpreche. Ich hingegen wusste damals, dass es sich wieder um sein Seemannsgespinn handelte." Viktor lachte kurz auf und genehmigte sich noch einen großen Schluck von dem Hochprozentigen. "Nun, mein Großvater erzählte von den Kindern des Meeres. Nicht die Fische und auch nicht die Pflanzen, nein. Er meinte damit Mädchen, die in den Tiefen des Meeres lebten, zusammen mit den Fischen. Er sagt, es gäbe sie seit Anbeginn der Welt und sie seien es, die ihre schützende Hand ueber den Ozean legten, dafür sorgten, dass ihm kein Leid geschehe."

"Wassermenschen?"

"Kinder des Meeres, nannte er sie. Nun, er behauptete, dass diese Mädchen sich dem Schutz des Meeres verschrieben haben. Sie seien nicht feindlich gegenüber den Menschen, nein." Viktor unterbrach seine Erzählung, als sich die Tavernentür öffnete und drei weitere Frauen den Raum betraten. Sie nahmen an einem der vorderen Tische Platz. Viktor drehte sich dem Wirt zu und forderte lautstark eine Runde Schnaps für Alle. Sie würden ihn gebrauchen können. Angetan über den erweiterten Kreis der Zuhörer, fuhr er fort. "Nun, diese Mädchen sind keinem von Festland böse gesinnt, so erzählte mein Großvater. Sie liessen die Festlandbewohner Nahrung aus ihrer Welt nehmen, gewährten sie ihnen ohne Fragen. Doch eines Tages begab sich an einer Insel weit über dem Meer, auf der anderen Seite, etwas Seltsames. Die Bewohner der Insel klagten über seltsame Geräusche in der Nacht und über das Erscheinen von fremden Frauen in den Weiten des Meeres. Sie sprachen von einem Fluch, der ihre Insel heimgesucht habe. Hatten sie ja keine Ahnung, dass es die Kinder des Meeres waren. Und ich, neugierig wie ich als Bub' war, fragte meinen Großvater, wieso die Menschen auf dieser Insel des Nachts Geräusche hörten und Wesen im Wasser sahen. Und da sagte er mir, dass die Menschen auf der Insel Unrecht begangen haben. Sie hätten das Meer um mehr beraubt, als sie zum Leben gebraucht hätten. Sie wären der Gier verfallen gewesen. Sie hätten die Welt des Meeres in Gefahr gebracht." Viktor legte eine kurze Pause ein, um seine Kehle mit einem weiteren Schluck Alkohol zu ölen und kurz an seiner Pfeife zu paffen. Er spürte die gebannten Blicke seiner Zuhörer auf sich. "Ich lachte ihn damals aus, wie gesagt, ich hielt es für eine seiner ersponnenen Seemannsgeschichten, mit denen er meine Phantasie anregen wollte. Doch heute .. jetzt glaube ich ihm. Als ich an diesem Tage mit meinem Schiff gen Bajard segelte, sah ich sie, dieses Kind des Meeres. Und hörte, wie sie ihre Trauer klagte. Und ich sah aus der Ferne auf dieses Dorf."

"Habt ihr auch einen Gesang gehört?"

"Oh ja, er ging mir bis ins Mark meiner alten Knochen.Ich spüre den Schmerz noch immer in meinem pochenden Herzen. Sind ihre Laute bis an das Land gedrungen ?" Viktor ließ seinen Blick über die Gesichter der Tavernengäste gleiten, fast gierend nach einer Antwort.

"Ja, das sind sie", bestätigte eine der Frauen seine Frage und die anderen nickten zustimmend.

"Ihr solltet Euch eilen ! Es ist wie damals mein Großvater erzählt hat ! Noch könnt ihr es abwenden !" Ohne dass er es selbst wollte, nahmen sowohl sein Gesichtsausdruck als auch seine Stimme einen hektischen Ausdruck an und eilig fuhr er fort, um die fragenden Blicke zu stillen. "Die Inselbewohner damals ignorierten die Hinweise. Sie fuhren fort in ihrer unermesslichen Gier, beraubten das Meer weiter um sein Leben. Ja, sie rotteten es förmlich aus, sie fingen sogar eines der Meereskinder ! Da wandelte sich die Trauer der Mädchen des Meeres in Wut und in Verzweiflung. Um das Leben in ihrer Welt zu retten, schickten sie ein längst versunkenes Schiff wieder an die Oberfläche des Wassers und ließen es an die Küste der Insel spülen ! Doch es war kein normales Schiff. Sie Seelen der grausam Ertrunkenen dürsteten nach Rache. Sie fanden sie, auf der Insel. Lange Zeit war das Dorf als Geisterdorf verschrien. Letztlich hat sich kein Lebender mehr dort niedergelassen. Inzwischen ist die Insel auch längst im Meer versunken, wie viele der Kleinen es tun. Das Meer hat die Geister wohl wieder an sich genommen, mehr als es vorher ausgespuckt hat."

Zuerst herrschte bedrückte Stille in dem kleinen Raum, dann jedoch verfielen die Stimmen der Frauen in panisches Durcheinander. Man redete hin- und her, wie man das Unglück am Besten abwenden konnte. Für Viktor wurde es zuviel, der Alkohol von unendlich vielen Schnäpsen stieg ihm zu Kopf. Etwas unbeholfen und sichtlich bis unter die Nasenspitze betrunken, nestelte er in seiner Manteltasche, wo er nach einer schieren Unendlichkeit ein paar Goldmünzen herauskramte und diese dem Wirt zuschob. "Spendiert den Herrschaften noch einen Schnaps", nuschelte er ihm noch entgegen, während er sich seinen Schlapphut auf dem Kopf zurechtrückte.

"Sagt, werter Seeman", trat ihm das junge Weibsbild von der Theke entgegen, "kann man mit diesen Meermädchen kommunizieren ?"

"Man sagt, die reine Seele eines Kindes würde die Worte der Mädchen verstehen und sie würden in jener die Worte der Festländer lesen können. So ihr Euer Dorf retten wollt, wartet nicht zulange" gröhlte er dann noch gen der restlichen Gäste und taumelte aus der Taverne hinaus.

Ein Glück, dass das Gasthaus nicht weit war.
Julia Famrock

Beitrag von Julia Famrock »

Es sollte ein vergnüglicher und ruhiger Abend werden. Nach den Strapazen der letzten Tage hatte sie sich die Haare neu gerichtet und wollte ein wenig ausgehen, um auf andere Gedanken zu kommen. Lairja, die gerade aus der nach gebackenem duftenden Küche herauskam, setzte sich ihr gegenüber. Offensichtlich hatte sie wieder etwas Farbe im Gesicht bekommen, nachdem sie diese in den letzten Tagen des öfteren mal verloren hatte. Auch ihr würde etwas Ablenkung gut tun. Schnell machten sich beide bereit, um der Taverne einen Besuch abzustatten. Gerade in diesem Augenblick kam Leanne zur Türe herein, die schnell einwilligte beide zu begleiten. So gingen die drei in der erwartung eines guten Glas Weines und etwas Zerstreuung zur nahegelegenen Taverne.

Vorsichtig öffnete sie die Tür und streckte den Kopf durch. "Wer weiß schon, wer sich hier grad wieder sinnlos betrinken möchte", dachte sie und war recht erleichtert, als sie nur einen alten Seemann und die Bardin Karisha am Tresen sitzen sah. Im hinteren Teil des Raumes saß noch eine weitere Frau, dessen Name ihr zu dem Zeitpunkt aber nicht mehr recht in den Sinn kommen wollte, obwohl sie wusste, dass sie sie schon auf dem Hof gesehen hatte.

Alle drei nahmen auf der Bank Platz und gerade, als sie ein leichtes heiteres Thema anschneiden wollte, setzte der alte Seemann wieder an der Stelle an, an der er wohl,wegen ihres Hereinplatzens inne hielt. Zuerst versuchte sie die Worte des sichtlich angetrunkenen auszublenden bis einzelne Worte an ihr Ohr drangen... "Gestallten im Wasser..." sofort blickte sie zu ihm herüber. Sie blickte durch den Raum. Das Entsetzen in Lairjas Gesicht war kaum zu übersehen und auch etwas von ihrer Farbe wich wieder zurück.

Auch die anderen schienen das Wesen schon gesehen und gehört zu haben. Ihr selbst war es nicht erschienen aber der anblick von Lairjas entsetztem Gesicht, das verstörte Mädchen und die liegenden Pferde waren ganz gute Anzeichen dafür gewesen, dass die sache zumindest dringlich war.

Der Seemann erzählte weiter und lief angesichts des versammelten Publikums zu Hochform auf, wie man es von Seeleuten gewohnt war. Trotz des Umstandes, das er sich wohl das Ziel gesetzt hatte nie wieder nüchtern werden zu wollen so wie er den schnaps herunterspülte. Gebannt lauschte sie seinen Worten, er schien mehr darüber zu wissen und möglicherweise ergab sich wohl etwas daraus. Weniger als zuvor würde man kaum wissen.

Er erzählte die Geschichte einer kleinen Insel und seiner Bewohner...die Geschichte verlief ziemlich ereignislos, bis er zu dem Punkt kam, der sie selbst hellhörig werden ließ....im Zorn soll ein Schiff voll mit den untoten Seelen über die immer gieriger fischenden Bewohner gekommen sein und soll nicht viel von dem kleinen Eiland überig gelassen haben.

Ein kaum tragbarer Zustand für Bajard. Auch wenn kleine Umbauten hier und da dem Dorf sicher nicht abträglich wären....eine Horde Untoter, die die Bürger und deren Häuser vernichten würden war weit von dem entfernt was annehmbar war.

Also das viele Fischen. In einem Fischerdorf ein nicht unnatürlicher Vorgang. Etwas daran zu ändern würde sicher die erst kürzlich wiedergekehrte Ruhe empfindlich stören. Sie sah vor ihrem geistigen Auge schon die versammlten Fischer mit ihren Netzen und Ruten wütend vor dem Hof auflaufen. Aber eine Alternative gab es wohl nicht wirklich.

Ein kleines Kind mit reiner Seele könnte wohl mit dem Wesen sprechen. Auch wenn sie sehr praktisch veranlagt war und viel dafür geben würde das wieder Ruhe einkehren würde....ein kleines Kind? Wenn dem etwas geschehen würde....so tief würde sie sich auch nicht vor den Göttern versündigen wollen ein kleines Kind für das Dorf zu opfern, sollte das Schiff mit den Untoten doch eher kommen als vielleicht gedacht.

Nachdem der alte Seemann mehr oder weniger zielstrebig die Taverne verlassen hatte, berieten die Anwesenden eine Weile, was wohl zu tun wäre. Bis man mehr darüber in erfahrung bringen könnte wäre es wohl erstmal sinnvoll das Wesen nicht weiter zu erzürnen. Zeit zu gewinnen für Bajard war wohl das wichtigste. Der Fischfang müsste erst einmal auf das lebensnotwendige Maß zurückgeführt werden. Noch am abend arbeiteten sie schnell eine Anordnung aus, die am nächsten Morgen am Hafen, dem Tor und allen belebten Stellen der Stadt kund getan wurde:
http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=8910

Hoffentlich könnte man so einige Tage gewinnen, um mehr über das Wesen zu erfahren.
Karischa Nevadis

Beitrag von Karischa Nevadis »

Es war recht intressant gewesen dem Alten zu lauschen. Genau das war der Stoff aus dem Legenden wurden und wenn Karischa ehrlich zu sich war, dann war Sorge etwas, was nur zweitrangig zu ihren Empfindungen existierte. Vielleicht war sie selbst eine Bardin, die ein solch unglaubliches Phänomenen miterleben konnte um später darüber zu singen! Doch das setzte natürlich voraus, dass die Sache gut ausging. Ausserdem hing sie doch irgendwie an dem kleinen Fischerdorf, denn Bajard war zu ihrer Lieblingsstätte geworden. Leanne würde dies alles sicher regeln, doch Karischa wollte dem Ganzen nicht noch weiter auf die Sprünge helfen. Und so machte sie sich am gleichen Abend auf um jedem Bewohner des Landes, den sie traf, vor dem Angeln in Bajard zu warnen.
Sie hatte Varuna bereits durchquert und die Kunde schon an einige Leute weitergeleitet. Nun war es an der Zeit sich zu überlegen, was man tun konnte und vor allem; wie sie mehr über diese Meermädchen herausfinden konnte und wie sie dies alles selbst miterleben würde.

Eines war ihr klar; dies würde Stoff sein, der noch lange in den Liedern wiederhallen würde, und wenn nur in ihren eigenen
Sirena

Beitrag von Sirena »

Die letzten, nur noch schwachen Strahlen der allmählich untergehenden Sonne tauchten die niemals stillstehende Wasseroberfläche des unendlichen Ozeans ein letzten Mal für diesen Tag in ein Meer aus funkelnden Diamanten. In wenigen Minuten würde der glühende Himmelskörper hinter dem blutroten Horizont verschwunden sein und dem Mond für die nächsten Stunden das Firmament überlassen.

Schwer atmend lag Sirena auf einem dunklen Felsen, der sich mit einigen Anderen inmitten aus dem Wasser erhob und schon manchem Schiff in der Vergangenheit zum Verhängnis geworden war. Ihr silbriges Haar klebte in dicken, verdrehten Strähnen in Gesicht und Nacken, jegliche spinnenwebenartige Feinheit eingebüßt. Das netzartige Kleid aus tiefgrünem Seetang und verschiedenfarbigen Muscheln hing vertrocknet und steif an ihrem bebenden Körper. Und die blassblauen Schuppen, die ihre Haut ersetzten, schimmerten nur noch matt anstatt satt zu glänzen. Sirena war erschöpft, sehnte sich nach einem Schlaf, der Jahrhunderte überdauerte. Die Begegnungen mit den Bewohners des Festlandes zehrten an ihrer Kraft, nahmen die Energie ihres inneren Lichtes. Der Blick aus den moosgrünen Augen war auf Bajard gerichtet. Ganz klein war das Fischerdorf in der Ferne noch zu erkennen. Bitterkeit lag auf den Zügen des Meereskindes.

Tagelang hatte Sirena ihr Klagelied gen Küste geschickt, ihre Traurigkeit mit dem Wind auf eine Reise zu den Ufern gesandt. Die Herzen einiger Menschen hatte sie erreichen können, manch' Anderes war ihrer Melodie gänzlich verschlossen geblieben. Doch wielange währte ihre Stimme, die sich in dem Gehör der Menschen an das Klingen von feinen Silberglöckchen erinnerte, in den Seelen derer, die empfänglich gewesen waren ? Waren ihre Herzen offen genug, um die Bitte verstehen zu können ?
Das Meereskind hatte sich einem Kind der Menschen mitteilen können. Seine Seele war unbefleckt gewesen, rein von Boshaftigkeit und Gier. In seinem Herzen hatte sich die Stimme Sirenas zu Worten der Menschen geformt, doch hatte es sie soviel Kraft gekostet, dass es zu mehr als "Hilf' mir, hilf' dem Meer" nicht ausgereicht hatte. Seitdem hatte sie das Kind nicht mehr gesehen. Später hatte Sirena zwei weibliche Wesen an den Ufern des Dorfes ausmachen können, in deren Inneren sie eine besondere Bindung zu Eluive, ihrer Mutter, spürte. Die Bindung war noch unausgereift, doch standhaft genug, um Sirenas Gedankenbilder empfangen zu können. Vielleicht nur bruchstückhaft, doch war ihnen ein Einblick in die gefährderte Welt des Ozeans gelungen. Danach war Sirena wie ein schwerer Stein auf den Grund des Meeres hinabgesunken, so sehr hatte es sie erschöpft.

Diese drei, die zu verstehen in der Lage waren. Einmal nur gesehen, ein winziges Licht der Hoffnung.

In Sirenas Geist hallten die Rufe aus ihrer Welt, eine Mischung aus Verzweiflung, Not und auch Wut. Die Bewohner des Meeres starben, doch sie wollten leben. Sie ahnten nichts davon, dass die alten Fischer Bajards die Räuberei des Meeres bereits eingestellt hatten, zu sehr vergingen sich noch die an ihnen, deren Herzen taub und verschlossen waren. Sirena ließ sich von dem Felsen hinab ins Wasser gleiten. Bilder aus der Vergangenkeit kamen in ihr auf, Erinnerungen an die Vernichtung eines Fischerdorfes auf der anderen Seite des Meeres vor unzähligen Jahresläufen durch die Hand ihrer Schwester. Eine von vielen Seemannslegenden für die Menschen, bitteres Vergangenes für die Meereskinder. Ein letztes Mal machte sich Sirena auf an die Ufer Bajards um ihre Trauer kundzutun. Und in ihr glomm die Hoffnung, dass sie diesem Dorf nicht das gleiche Schicksal zuteil werden lassen musste.
Andiara Aylen

Beitrag von Andiara Aylen »

Das Mädchen wurde wieder, wie auf magische Weise, an das Ufer gelockt. Diesmal folgten ihre eine Dame namens Apollonia und Andiaras wichtigste Vertrauensperson - Lairja. Mit Lairja im Hintergrund, an ihrer Seite, die Hand der jungen Frau haltend, fühlte sich Ana doppelt so stark und enorm selbstsicher. Doch hatte sie immernoch das komische Gefühl, das was einem nunmal im Magen liegt. Das Meereswesen hatte sich wieder gezeigt. Leicht verschwommen, unwirklich, doch war sie da. Sie bat das Mädchen darum, als Medium zu dienen, dass sie allen dreien Bilder zeigen konnte, die auch vor allen dreien erschienen. Es wurde ihnen begreiflich, vor was, die Meeresfrau sie warnen wollte. Irgendwie musste auch eine Lösung gefunden werden, aber was konnte ein kleines Mädchen schon ausrichten? Die Erwachsenen hatten offenbar die Tage einen Plan geschmiedet. Es würde bald etwas passieren, was wohl eine Art Geschenk an das Meer sein soll - ein Dankeschön.

Andiara beschäftigte sich im Geiste fast ständig damit. Sie wollte aber nicht, dass es jemand bemerkt - nicht Lairja, nicht Leanne. Sie würden nur wieder viele Fragen stellen, auf die Andiara nicht antworten wollte. Jedoch hatte sie für sich ihre eigenen Pläne gemacht. Sie hatte sich selbst versprochen, für das Meer und die Menschen in Bajard zu beten. Der Herr Karde hatte ihr gesagt, dass die Herrin Temora und ihre Mutter Eluivé sie erhören würden. Sie war froh, diesen Gedanken gefasst zu haben, dass es etwas Größeres gibt, das auf die ganzen Menschen auf Gerimor und drumherum aufpasst, wo immer man auch sein mag. Er erzählte ihr auch vom Panther, dem Gott, der seine eigene Schwester angegriffen hat. Rahal war seine Stadt. Er würde auch Menschen fressen, und als Kind sollte sie sogar ganz besonders auf sich aufpassen.

Andiara ging diese Nacht zu ihrem Bett, kniete sich nieder und faltet die Hände vor sich zusammen, schloß dann die Augen und hob die zarten Mundwinkel zu einem Lächeln an. Sie sprach ihr Gebet, in dem sie ihren Eltern gedacht, die sie beide niemals gesehen hatte. Sie wünschte sich den Schutz der Göttin für die Menschen in Bajard und natürlich besonders für Leanne und Lairja. Außerdem sollte Herr Karde weniger griesgrämig sein, denn eigentlich konnte er ganz gute Geschichten erzählen.
Lairja Scherenbrueck
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Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Lairja Scherenbrueck »

Nachdenklich blickte Lairja der Kleinen nach. Was es mit dem Beten wohl auf sich hatte und wieso Ana das so unbedingt alleine machen wollte? Mit einem leichten Kopfschütteln schob sie die Gedanken beiseite. Ana würde es ihr sicher erzählen, wenn die Zeit dafür da ist.

Sie ging hinaus in den Garten, erschöpft und leise seufzend liess sie sich auf eine der Bänke unter den Apfelbäumen fallen. Tief atmete sie die kühle Luft ein und genoss die Stille um sich herum. Das war alleine ihre Stunde, wie jeden Abend. Kein Klopfen an der Tür, keine Kundschaft und die Arbeit war getan. Einfach nur Ruhe. Entspannt lehnte sie sich mit dem Rücken an den Baum, schloss für einen kurzen Moment die Augen und liess ihre Gedanken schweifen.

Ein Fest, ein Fest zum Dank für die Gaben des Meeres. Das hatte der alte Fischer im Hafen von Bajard zu ihr und Apollonia gesagt. In früheren Zeiten hätten die Menschen dieses Fest einmal im Jahr gefeiert, um so ihre Dankbarkeit gegenüber den Meereswesen zu zeigen. Aber wie so vieles, war es wohl mit der Zeit in Vergessenheit geraten.

Wieder hatte sie die Bilder vor Augen, die die Frau aus dem Wasser ihnen mit Hilfe von Ana gezeigt hatte. Diese Farben, die schillernden Fischschwärme und Pflanzen auf dem Meeresgrund und diese Frauen. Mit einer blassblauen Farbe, Haaren so fein, in denen Muscheln glänzten und Kleidern aus Seetang und Seesternen. Dieses Bild strahlte so einen Frieden, so eine Ruhe aus und unwillkürlich huschte ein Lächeln über Lairjas Gesicht.

Dann die Bilder von den Menschen, am Ufer von Bajard. Menschen, die wohl keiner mehr kannte und die dort feierten. Laternen, die sich im Wasser spiegelten, der Geruch von Gebratenem, von Wein gemischt mit der salzigen Luft des Wassers, stieg ihr wieder in die Nase.

Die Bilder verschwammen und plötzlich tauchte diese grosse dunkle Hand auf, einer menschlichen so ähnlich, die unbarmherzig nach dem Leben im Wasser griff. Die alles dort unten zerstörte. Zurück blieb nur noch ein düsteres und bedrückendes Grau, die Farben verblasst, die Fischschwärme verschwunden, sämtliches Leben am Meeresgrund zerstört. Selbst die Meerfrauen hatten jegliche Farbe verloren, ihren Glanz, ihre Schönheit war verblasst. Einsam und auch verloren wirkend, waren sie dort unten zu sehen. Wieder fühlte Lairja die Trauer und den Schmerz. tief in ihrem Herzen. "Geben und nehmen", hallte es in ihrem Kopf wider. Diese Worte hatten die beiden Frauen verstehen können, mit Anas Hilfe.

Lairja und Apollonia hatten mit Leanne gesprochen. Bajard würde dieses Fest wieder aufleben lassen, um dem Meer und seinen Wesen seinen Dank für die Gaben aus zu sprechen.
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