Ellys im Wunderland
Verfasst: Mittwoch 13. April 2016, 03:44
Kapitel 1: Die Sache mit dem Erwachen und meiner Person
Dreimal frisch angesetzt und wieder keine rechte Einleitung gefunden... bestimmt ein Fluch, der mich irgendwann böse geschnappt hat. Wäre dann ja schon der Zweite. Der Verdacht liegt langsam nahe, dass die hinterhältig im Rudel angreifen, diese Flüche und einen daher so gut erwischen. Auf wirklich ganz kaltem Fuße. Von hinten angeschlichen und dann in einer komplexen quasi-semi-ovalen Kreisbewegung einmal um mich herum, um dann mitten auf der Nase in mich einzuschlagen. Würde so Einiges erklären, allen voran die Narbe, die dort prangt und an deren exaktes Auftauchen und die Umstände drum herum sich weder meine Familie noch mein Freundeskreis erinnern können. Dreck, ich ja auch nicht und immerhin laufe ich damit herum.
Ach, das wäre mal eine Art Einleitungssatz gewesen.
Also die versäumte Vorstellung!
Was nicht ist, kann ja noch werden:
Mein Name ist Ellys und nachdem ich aus einem winzigen Landstrich namens Fuchsenlohe bin, trage ich auch diesen Nachnamen. Oh nein, ich bin sicher weder adelig, noch edel oder sonst irgendwie besonders wichtig geartet aber das kleine Fleckchen Land gehört tatsächlich irgendwie meiner Familie, besser gesagt meinem Vater Nykolas Fuchsenlohe, der in einer ebenso idyllisch-beschaulichen wie öde-langweiligen Gegend das Wunder vollbracht hat, ein kleines Handelsimperium zu gründen. Einst war er Köhler, was in einer Lohe gar nicht so ungewöhnlich ist, bis er auf die Idee kam... nah, nun wird es doch ausufernd. Zurück zur Vorstellungsrunde.
Wie gesagt, Ellys Fuchsenlohe der Name, kein kleines Mädchen mehr aber eben auch noch nicht lange das, was man als „Vollweib“ bezeichnen würde. Allerdings fällt mir dann schon gar nicht so sehr viel mehr zu meiner Person ein. Ich bin nicht nur unspannend, was irgendwelche Titel und Ämter betrifft, sondern auch optisch eher ein Mensch, der nicht so sehr herausragt, denke ich.
Sicherlich bin ich kein zartes, elfengleiches Geschöpf aber auch keine kleine Walze, bin weder besonders hochgewachsen, noch winzig und kleide mich gerne praktisch bis bubenhaft. Mein Gesicht ist für den eigenen Geschmack etwas zu rund, die Lippen dürften dafür voller und verführerisch rot sein – sind sie aber eben nicht. Ich kann meine Augen gut leiden, was an der seltsamen Farbe liegt, die undefinierbar zwischen grün und blau schwankt und sich scheinbar je nach Lichteinfall, Stimmung oder Jahreszeit ein wenig zu ändern scheint. Gerne würde ich auch mein kupferfarbenes Haar loben aber abgesehen davon, dass es sich störrischerweise nicht entscheiden kann, ob es sich nun locken will oder lieber glatt bleibt, ist die Farbe nicht echt! Ich verdanke sie nur einer guten Mischung aus diversen Erden, Wurzeln und Blättchen, die dann eine gefühlte Ewigkeit in undefinierbarer Matsche auf meinem Kopf einwirken müssen, um ein garstiges mausgraubraunes Aschehaar Marke Straßenköterfarben mit ein wenig Herbstkupfer zu segnen.
Gesellschaftlich bin ich hier und da eine gescheiterte Existenz, denn obwohl ich in eine sehr wunderprächtige, liebevolle Familie geboren wurde, hab ich es selber nicht hinbekommen eine eigene zu gründen. Will sagen, ich war mal verlobt und das ist noch gar nicht so lange her, aber bevor die Hochzeit gehalten und der Mythos der ersten Nacht gelüftet werden konnte, lag das Ganze Luftschlossgebilde in Scherben vor mir und wäre nicht meine gute Großmutter Minna, mein Vetter Fandoryn, sowie meine Eltern, Geschwister und Freunde gewesen, dann hätte ich mich selber nur schlecht wieder aufklauben und zusammenreißen können. Seitdem backe ich kleine Brötchen und darf erst einmal zusehen, dass ich irgendwie vielleicht meine Lehre schaffe. Hatte mich beruflich wohl zu sehr auf die vermeintliche Prädestination namens „Hausfrau“ verlassen. Nun also tapfer anpacken und die neue Zukunftsvision des Kräuterweibleins verwirklichen! Aber auch da stehe ich noch eher am Anfang und bewege mich beschämend wackelig, wie auf Kindesbeinen, voran.
Das war es dann schon zu meiner Person, fürchte ich.
Ach jaaaa... und ich bin erwacht!
Heißt grundlegend erst einmal, dass ich das Lied, welches Eluive webte und in jedem Wesen aber auch scheinbar unbelebten Gegenständen innewohnt, wahrnehmen und irgendwie auch hier und da verändern kann. Aber hierbei stoße ich schon erklärungstechnisch an meine Grenzen, denn diese Sache ist so unendlich groß, dass ich selbst jetzt, nach einigen Wochenläufen unter fürsorglicher Anleitung, immer noch dann und wann das Gefühl habe darin ersaufen zu können. Kam unerwartet, dieses Erwachen und so plötzlich...
Hm, ganz nüchtern betrachtet passt es doch eigentlich gut, dass es zwischen Eisbruch und Lenzing irgendwann geschehen ist, denn somit war's im wahrsten Sinne des Wortes ein „Frühlingserwachen“. Ja, ich glaube da verstehe ich die kleinen Frühlingsblumen, die noch unsicher den Kopf aus der Erde stecken und sich zögerlich umsehen. Ich fühle mit den Bäumen, die behutsam die ersten Knospen öffnen und zarte, grüne Blätter gen Sonnenlicht strecken. Alles lauscht dem ersten Ruf der Lerche und ich lausche gleichermaßen dem Lied und staune nicht weniger, freue mich riesig und fühle mich dennoch unglaublich klein. Bestimmt würde ich mich auch genauso alleine fühlen, wenn da nicht jene wären, die mit mir auf diesem Weg wandern und sich nicht nur als Fremdenführer oder Freunde, sondern Schwestern angeboten haben. Wenn einem so viele Hände ohne jegliches Bedenken bedingungslos offen zur Hilfe gereicht werden, dann ist man ein Narr diese nicht anzunehmen. Oder in meinem Fall: eine Närrin. Bin ich zwar manchmal aber ganz so bescheuert war ich dann da doch nicht und hab dankend nach besagter Hilfe gegriffen, sie bisher kein Stück bereut und ich hoffe es ist andersrum genauso. Der Kreis um die Schwestern wuchs und bald fühlte ich mich auch gut behütet und über einen Brudermangel kann ich auch nicht klagen.
Als wäre es das Erwachen, welches nicht genug von mir und meinem Staunen bekommen konnte, hat es sich irgendwie auch im übertragenen Sinne auf andere Teile meines Lebens ausgebreitet. Ich schätze, meine Eltern wären reichlich zufrieden, wenn sie sehen würden, wie sehr ich mein Winterkleid, gewebt aus Unsicherheit, Rückzugstaktiken und Selbstverachtung, abgelegt habe und dank dem schon erwähnten Kreise aber auch einiger lieber Freunde, die nichts mit der Schwesternschaft am Hut haben, wieder etwas Selbstbewusstsein gefunden habe. Das wird nun durch Selbige Tag für Tag genährt, gewässert und gepflegt, damit täglich ein wenig mehr wächst. Im Moment habe ich sogar so etwas wie eine Bleibe und bin Untermieterin bei einer dieser wertvollen Personen. Dort in Bajard, wenn ich auf der Veranda sitze und dem glitzernden Wellenspiel zusehe, dann fühle ich sie, die Frühlingssonne. Mit jedem Morgen, wird sie ein wenig stärker, das Prickeln auf der Haut intensiver und das Wohlgefühl in mir breitet sich aus.
Es ist unglaublich prächtig zu erwachen!
Wobei... das nicht in allen Belangen gilt.
Es gibt Sachen, die weiter ruhen dürfen und nicht wieder erwachen sollten. Gerade was den Punkt Gefühle betrifft. Lächerlich dramatisch wahrscheinlich, wenn ich nun anmerke, dass der Winter zwar vorbei, doch nicht vergessen ist und dass die Furcht manchmal sehr große Schatten wirft. So groß, dass sie die Frühlingssonne hinter düsteren Wolken verstecken können. Klingt wie einem besonders schlechten Wälzer für parfaitsüchtige, alte Jungfern. Vielleicht gefällt es mir dann, wenn ich irgendwann eine solche werde?
Flapsige Sprüche und übertuschende Albernheiten beseite:
Ich habe die ersten Anzeichen bemerkt, als es sich in der Brust geregt hat und wieder erwachen wollte. Es ist auch schwer ein Schebegefühl zu ignorieren, wenn es durch eine simple Berührung oder den Griff um die Hand hervorgerufen werden kann. Ich armer, tumber Tropf habe dann aber nicht gleich gehandelt, sondern in stillem Staunen mal abgewartet und Maulaffen feilgehalten.
Die Suppe muss ich nun wohl auslöffeln und wieder ist sie ein wenig bitter.
Ich habe die Blicke meiner Schwester zuerst nicht recht deuten können. Ein wenig Schrecken, kurzes Verzweifeln und zuletzt ganz offenes Mitleid, welches mir galt. Selbst nach der richtigen Deutung habe ich es nicht wirklich begriffen und mir nichts weiter an den veränderten Umständen gedacht. Zumindest nicht im Bezug auf mich, ihn und... und was auch immer das gewesen ist.
Jetzt allerdings, nach diesem wirren Abend und dem Zukunftsweg der sich da für ihn öffnet, beginne ich erst langsam zu begreifen. Hmmm... und auch wenn ich dachte, dass es so schlimm noch nicht sein könnte, sitzt nun ein dicker, fetter Kloß in meinem Hals und lässt sich auch mit noch so viel Selbstironie nicht recht herabwürgen.
Es gibt Sachen, die nicht erwachen sollten!
Ich werde sie nun langsam wieder in den Schlaf wiegen und wohl doch auf die gerade erst schmählich benannten Rückzugstaktiken zurückgreifen. In diesem einen Fall zumindest...
Bizarr, wie das eigene Erwachen den Weg in ein wundersames Land öffnet und das Erwachen eines Anderen einen Keil zwischen zwei nah beieinander liegenden Pfade treibt.
Verdammtnocheins sch... schade.
Dreimal frisch angesetzt und wieder keine rechte Einleitung gefunden... bestimmt ein Fluch, der mich irgendwann böse geschnappt hat. Wäre dann ja schon der Zweite. Der Verdacht liegt langsam nahe, dass die hinterhältig im Rudel angreifen, diese Flüche und einen daher so gut erwischen. Auf wirklich ganz kaltem Fuße. Von hinten angeschlichen und dann in einer komplexen quasi-semi-ovalen Kreisbewegung einmal um mich herum, um dann mitten auf der Nase in mich einzuschlagen. Würde so Einiges erklären, allen voran die Narbe, die dort prangt und an deren exaktes Auftauchen und die Umstände drum herum sich weder meine Familie noch mein Freundeskreis erinnern können. Dreck, ich ja auch nicht und immerhin laufe ich damit herum.
Ach, das wäre mal eine Art Einleitungssatz gewesen.
Also die versäumte Vorstellung!
Was nicht ist, kann ja noch werden:
Mein Name ist Ellys und nachdem ich aus einem winzigen Landstrich namens Fuchsenlohe bin, trage ich auch diesen Nachnamen. Oh nein, ich bin sicher weder adelig, noch edel oder sonst irgendwie besonders wichtig geartet aber das kleine Fleckchen Land gehört tatsächlich irgendwie meiner Familie, besser gesagt meinem Vater Nykolas Fuchsenlohe, der in einer ebenso idyllisch-beschaulichen wie öde-langweiligen Gegend das Wunder vollbracht hat, ein kleines Handelsimperium zu gründen. Einst war er Köhler, was in einer Lohe gar nicht so ungewöhnlich ist, bis er auf die Idee kam... nah, nun wird es doch ausufernd. Zurück zur Vorstellungsrunde.
Wie gesagt, Ellys Fuchsenlohe der Name, kein kleines Mädchen mehr aber eben auch noch nicht lange das, was man als „Vollweib“ bezeichnen würde. Allerdings fällt mir dann schon gar nicht so sehr viel mehr zu meiner Person ein. Ich bin nicht nur unspannend, was irgendwelche Titel und Ämter betrifft, sondern auch optisch eher ein Mensch, der nicht so sehr herausragt, denke ich.
Sicherlich bin ich kein zartes, elfengleiches Geschöpf aber auch keine kleine Walze, bin weder besonders hochgewachsen, noch winzig und kleide mich gerne praktisch bis bubenhaft. Mein Gesicht ist für den eigenen Geschmack etwas zu rund, die Lippen dürften dafür voller und verführerisch rot sein – sind sie aber eben nicht. Ich kann meine Augen gut leiden, was an der seltsamen Farbe liegt, die undefinierbar zwischen grün und blau schwankt und sich scheinbar je nach Lichteinfall, Stimmung oder Jahreszeit ein wenig zu ändern scheint. Gerne würde ich auch mein kupferfarbenes Haar loben aber abgesehen davon, dass es sich störrischerweise nicht entscheiden kann, ob es sich nun locken will oder lieber glatt bleibt, ist die Farbe nicht echt! Ich verdanke sie nur einer guten Mischung aus diversen Erden, Wurzeln und Blättchen, die dann eine gefühlte Ewigkeit in undefinierbarer Matsche auf meinem Kopf einwirken müssen, um ein garstiges mausgraubraunes Aschehaar Marke Straßenköterfarben mit ein wenig Herbstkupfer zu segnen.
Gesellschaftlich bin ich hier und da eine gescheiterte Existenz, denn obwohl ich in eine sehr wunderprächtige, liebevolle Familie geboren wurde, hab ich es selber nicht hinbekommen eine eigene zu gründen. Will sagen, ich war mal verlobt und das ist noch gar nicht so lange her, aber bevor die Hochzeit gehalten und der Mythos der ersten Nacht gelüftet werden konnte, lag das Ganze Luftschlossgebilde in Scherben vor mir und wäre nicht meine gute Großmutter Minna, mein Vetter Fandoryn, sowie meine Eltern, Geschwister und Freunde gewesen, dann hätte ich mich selber nur schlecht wieder aufklauben und zusammenreißen können. Seitdem backe ich kleine Brötchen und darf erst einmal zusehen, dass ich irgendwie vielleicht meine Lehre schaffe. Hatte mich beruflich wohl zu sehr auf die vermeintliche Prädestination namens „Hausfrau“ verlassen. Nun also tapfer anpacken und die neue Zukunftsvision des Kräuterweibleins verwirklichen! Aber auch da stehe ich noch eher am Anfang und bewege mich beschämend wackelig, wie auf Kindesbeinen, voran.
Das war es dann schon zu meiner Person, fürchte ich.
Ach jaaaa... und ich bin erwacht!
Heißt grundlegend erst einmal, dass ich das Lied, welches Eluive webte und in jedem Wesen aber auch scheinbar unbelebten Gegenständen innewohnt, wahrnehmen und irgendwie auch hier und da verändern kann. Aber hierbei stoße ich schon erklärungstechnisch an meine Grenzen, denn diese Sache ist so unendlich groß, dass ich selbst jetzt, nach einigen Wochenläufen unter fürsorglicher Anleitung, immer noch dann und wann das Gefühl habe darin ersaufen zu können. Kam unerwartet, dieses Erwachen und so plötzlich...
Hm, ganz nüchtern betrachtet passt es doch eigentlich gut, dass es zwischen Eisbruch und Lenzing irgendwann geschehen ist, denn somit war's im wahrsten Sinne des Wortes ein „Frühlingserwachen“. Ja, ich glaube da verstehe ich die kleinen Frühlingsblumen, die noch unsicher den Kopf aus der Erde stecken und sich zögerlich umsehen. Ich fühle mit den Bäumen, die behutsam die ersten Knospen öffnen und zarte, grüne Blätter gen Sonnenlicht strecken. Alles lauscht dem ersten Ruf der Lerche und ich lausche gleichermaßen dem Lied und staune nicht weniger, freue mich riesig und fühle mich dennoch unglaublich klein. Bestimmt würde ich mich auch genauso alleine fühlen, wenn da nicht jene wären, die mit mir auf diesem Weg wandern und sich nicht nur als Fremdenführer oder Freunde, sondern Schwestern angeboten haben. Wenn einem so viele Hände ohne jegliches Bedenken bedingungslos offen zur Hilfe gereicht werden, dann ist man ein Narr diese nicht anzunehmen. Oder in meinem Fall: eine Närrin. Bin ich zwar manchmal aber ganz so bescheuert war ich dann da doch nicht und hab dankend nach besagter Hilfe gegriffen, sie bisher kein Stück bereut und ich hoffe es ist andersrum genauso. Der Kreis um die Schwestern wuchs und bald fühlte ich mich auch gut behütet und über einen Brudermangel kann ich auch nicht klagen.
Als wäre es das Erwachen, welches nicht genug von mir und meinem Staunen bekommen konnte, hat es sich irgendwie auch im übertragenen Sinne auf andere Teile meines Lebens ausgebreitet. Ich schätze, meine Eltern wären reichlich zufrieden, wenn sie sehen würden, wie sehr ich mein Winterkleid, gewebt aus Unsicherheit, Rückzugstaktiken und Selbstverachtung, abgelegt habe und dank dem schon erwähnten Kreise aber auch einiger lieber Freunde, die nichts mit der Schwesternschaft am Hut haben, wieder etwas Selbstbewusstsein gefunden habe. Das wird nun durch Selbige Tag für Tag genährt, gewässert und gepflegt, damit täglich ein wenig mehr wächst. Im Moment habe ich sogar so etwas wie eine Bleibe und bin Untermieterin bei einer dieser wertvollen Personen. Dort in Bajard, wenn ich auf der Veranda sitze und dem glitzernden Wellenspiel zusehe, dann fühle ich sie, die Frühlingssonne. Mit jedem Morgen, wird sie ein wenig stärker, das Prickeln auf der Haut intensiver und das Wohlgefühl in mir breitet sich aus.
Es ist unglaublich prächtig zu erwachen!
Wobei... das nicht in allen Belangen gilt.
Es gibt Sachen, die weiter ruhen dürfen und nicht wieder erwachen sollten. Gerade was den Punkt Gefühle betrifft. Lächerlich dramatisch wahrscheinlich, wenn ich nun anmerke, dass der Winter zwar vorbei, doch nicht vergessen ist und dass die Furcht manchmal sehr große Schatten wirft. So groß, dass sie die Frühlingssonne hinter düsteren Wolken verstecken können. Klingt wie einem besonders schlechten Wälzer für parfaitsüchtige, alte Jungfern. Vielleicht gefällt es mir dann, wenn ich irgendwann eine solche werde?
Flapsige Sprüche und übertuschende Albernheiten beseite:
Ich habe die ersten Anzeichen bemerkt, als es sich in der Brust geregt hat und wieder erwachen wollte. Es ist auch schwer ein Schebegefühl zu ignorieren, wenn es durch eine simple Berührung oder den Griff um die Hand hervorgerufen werden kann. Ich armer, tumber Tropf habe dann aber nicht gleich gehandelt, sondern in stillem Staunen mal abgewartet und Maulaffen feilgehalten.
Die Suppe muss ich nun wohl auslöffeln und wieder ist sie ein wenig bitter.
Ich habe die Blicke meiner Schwester zuerst nicht recht deuten können. Ein wenig Schrecken, kurzes Verzweifeln und zuletzt ganz offenes Mitleid, welches mir galt. Selbst nach der richtigen Deutung habe ich es nicht wirklich begriffen und mir nichts weiter an den veränderten Umständen gedacht. Zumindest nicht im Bezug auf mich, ihn und... und was auch immer das gewesen ist.
Jetzt allerdings, nach diesem wirren Abend und dem Zukunftsweg der sich da für ihn öffnet, beginne ich erst langsam zu begreifen. Hmmm... und auch wenn ich dachte, dass es so schlimm noch nicht sein könnte, sitzt nun ein dicker, fetter Kloß in meinem Hals und lässt sich auch mit noch so viel Selbstironie nicht recht herabwürgen.
Es gibt Sachen, die nicht erwachen sollten!
Ich werde sie nun langsam wieder in den Schlaf wiegen und wohl doch auf die gerade erst schmählich benannten Rückzugstaktiken zurückgreifen. In diesem einen Fall zumindest...
Bizarr, wie das eigene Erwachen den Weg in ein wundersames Land öffnet und das Erwachen eines Anderen einen Keil zwischen zwei nah beieinander liegenden Pfade treibt.
Verdammtnocheins sch... schade.