Eine Reise kann alles verändern

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Yasccara Askar
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Eine Reise kann alles verändern

Beitrag von Yasccara Askar »

Die letzte Schlafnische, leicht versteckt, noch nach der Ladung, angesteuert machte sie es sich bequem. Zuvor am Deck die Silhouette von Enomis verschwinden sehend im Schein der Laternen vom Hafenviertel wäre sie beinahe ins Wasser gesprungen und zu ihr zurück geschwommen. Doch sie wusste wo jetzt gerade ihr Platz war.
Der Brief war kurz gewesen, doch hatte sie sofort gewusst von wem er kam. Immerhin war es ein Antwortschreiben und worum es ging daher auch sofort klar. Vielleicht wäre ihr Entschluss vor einem oder zwei Mondläufen nicht so schnell gefasst gewesen, aber es fehlte etwas und das wurde immer deutlicher. Doch war das ganze wirklich für sie? Oder tat sie es für die Familie? Phreya suchte seit sie selbst gehen und sprechen konnte krampfhaft nach einem Ersatz, doch waren alle nicht das was sie suchte aber gar nicht richtig kannte. Auch Enomis fehlte etwas, das war ihr klar nicht erst seit dem Abend wo sie zusammen auf dem Boden ihres alten Hauses gesessen und geredet haben.
Ja, für die Familie. Die beiden hatten es verdient. Ausserdem wartete ja die Freundin im zweiten Hafen nach der grossen Überfahrt. Ooh die Überfahrt, viele kamen auf dem entgegen gesetzten Weg her oder gingen und viele von denen die gingen blieben verschwunden danach, doch Yasccara hatte diese weite Reise noch nie begangen. Sie war höchstens mal auf die Insel, oder eine der früheren Inseln gefahren, doch nie diese lange Überfahrt. Ihr Proviant war zum Glück nicht allzu experimentell.
Noch während der ersten Nacht nach dem Ablegen am Rahaler Hafen wurde ihr Herz immer wieder schwer. Viele waren den Weg gegangen und kamen nie zurück, aber sie hatte es den beiden versprochen. Enomis wiederholt und eindringlich, Phreya nur leise in deren Schlaf zuflüsternd und mit einem Kuss auf den grünen Schopf besiegelnd. Ausserdem hatte sie versprochen zu Schreiben.
Zum Glück hatte sie an die Lampe gedacht, so wurden die ersten Zeilen noch vor dem Ende der ersten Nacht verfasst.
  • Liebe Enomis,
    Ich werde mein Versprechen halten und heil wieder zu euch zurückkehren.
    Ich wüsste nicht was ich ohne dich angefangen hätte. Du hast mir eine Zuhause geschaffen das nicht nur eine sichere Schlafmöglichkeit ist sondern ein Ort wo ich mich wohl fühle. Die Fahrt bisher ist erträglich, ein klein wenig fehlt mir aber schon der feste Boden.
    Deine Yasccara
In besonders ordentlichen und grossen Buchstaben verfasst mit gross dem Namen vorne auf dem Brief:
  • Liebe Phreya
    Tut mir leid dass ich ging als du geschlafen hast. Es ist wichtig das ich die Reise mache.
    Ich hab dich ausserordentlich lieb! Pass auf dich auf! Bin so schnell wie möglich zurück!
    Deine Assssssiiii
Beim Suchen der richtigen Worte für einen andern Brief wurde auf den Umschlag des folgenden Briefes kleine Harfen an den Rand gemalt
  • Lieber Ben
    Weil es ein Hinweis auf Tugor gibt bin ich nun in einem Schiff Richtung Festland.
    Ich weiss dass du in letzter Zeit nicht viel bei uns warst und oft war es komisch, aber bitte halte mit ein Auge auf Phreya während ich nicht da bin. Den Geräuschen hier an Bord zuhörend kommt es mir manchmal fast so vor als würd ich dich spielen hören.
    Yasccara
  • Liebe Cara,
    Ich bin nun tatsächlich dem Hinweis nachgegangen und auf dem Weg zum Festland. Es gibt nicht viel zu tun hier, ausser nach zu denken. So lang ist es her und doch kommt es mir fast wie gestern vor als wir uns das erste Mal vor dem Anwesen von Azu getroffen haben. Bestimmt wird mir was du mir beigebracht hast helfen heil wieder zu euch zurückkehren. Bitte pass ein wenig auf Phreya auf.
    Deine Yasccara
Ein lautes Knarren und plötzliches kräftiges Schaukeln des Schiffes lässt sie hochschrecken und an Deck hasten. Das erste Wurfmesser versteckt in der Hand. Oben angelangt ist ein Schiff zu sehen von dem ein Junger Mann mit einem Sack hinüber springt. Rasch wird ihr die Situation erklärt dass dies kein Piratenüberfall mit Enterversuch sei sondern nur ein kurzer Austausch an Waren und Briefen. Rasch sind die fertigen Briefe nach oben geholt und aufs Schiff das nach Bajard geht umgeladen. Alle werden von da aus weiter nach Düstersee gehen, ausser einem der einen andern Weg finden wird bis er bei Lucien ankommt.
  • Mein Stern
    Die Sterne wandern weiter und auch Ich muss einen weiten Weg gehen. Doch wie man die Nacht kennt weiss man das sie wieder kommt. Unterdessen hoffe ich das ein besonderer Stern zwischen durch einen schützenden Blick auf zuhause gebliebene Wirbelwinde wirft.
    Bis Bald
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Cara DelMur
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Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Beitrag von Cara DelMur »

Yassi
wieder einmal zog Yassi hinaus in die Welt. Nun sie wusste das Yassi auf sich Acht geben konnte, dennoch spürte sie die Sorge in sich aufkeimen. So setzte sie sich neben den Kamin, ein Glas Wasser an ihrer Seite, eine Feder die in Tinte getaucht wurde, der Boden der sie trug. Und schrieb folgende Worte.

Mein liebe Yassi, meine Gedanken werden bei dir sein. Ich hoffe du findest was du suchst. Kehre wohlbehalten zu uns zurück.

Möge der weite Himmel dir Klarheit schenken und das Streicheln des Windes dir Umarmung sein, wenn du einer bedarfst,
Möge die Erde dir fruchtbarer Boden sein, in die du deine Wünsche säst und dir Halt geben, solltest du einmal straucheln und fallen.

Möge das Knistern des Feuers dir Schutz und Stärke sein und dich an die Wärme deines Heims erinnern,
Möge das fliessende Wasser deine Schritte begleiten, deine Träume bewahren und jeder Regentropfen dir Frieden schenken, wenn sich Trauer deiner bemächtigen will.



Sie schrieb in zweimal. Einen davon übergab sie den Flammen. Den zweiten würde sie am Hafen einem der Schiffe mitgeben. Vielleicht würde er sie eines Tages erreichen.
Zuletzt geändert von Cara DelMur am Samstag 27. Februar 2016, 10:35, insgesamt 1-mal geändert.
Yasccara Askar
Beiträge: 154
Registriert: Freitag 19. Mai 2006, 13:44

Beitrag von Yasccara Askar »

Am ersten Hafen auf Übersee angelangt wurde ihr versichert dass sie genug Zeit habe sich die Beine zu vertreten. Zu lange wollte sie doch nicht fern bleiben, dem Kapitän war nicht ganz zu trauen und auf sie warten würde er wahrscheinlich nicht auch wenn die Weiterfahrt schon, recht überteuert, gezahlt war.
Auf direktem Weg zur Hafenverwaltung geeilt, ihr ganzes Gepäck mit geschleppt, ging eine etwas längere Verhandlung los. Der Hafenverwalter, nur dank der Unterstützung seiner Frau und des Sohnes überzeugt und gut entlohnt mit einem Grossteil was sie an Gold auf dem Körper trug, erklärte sich bereit sich um allfällige Post zu kümmern und an Yasccara weiter zu leiten, auch wenn sie im Verlaufe den Bestimmungsort noch verändern würde, wie auch die Briefe die sie schickte nach Gerimor.

Der Junge des Hafenverwalters begleitete sie noch zurück, bestimmt vier Jahre jünger schien ihn den Altersunterschied nicht zu stören und hatte was den Umgang mit dem weiblichen Geschlecht anging und in Sachen Manieren wohl eher schlechte Vorbilder gehabt. Darauf bedacht ihn nicht zu verärgern, denn man wusste ja nicht ob er die Abmachung mit seinem Vater untergraben oder ganz nichtig werden lassen konnte, war sie froh das er zumindest während sie schrieb ein wenig Abstand hielt und die Briefe dann mit dem Versprechen das Yasccara auch ihm schreiben würde zu seinem Vater brachte damit sie den vorbestimmten Weg finden.

Den nun folgenden Briefen lag auf die eine oder andere Art eine Beschreibung bei wie Antwortbriefe Yasccara erreichen würden

Der Brief an ihre Familie ist auf die Rückseite eines Bildes geschrieben das sie während der Überfahrt vom Schiff mit einem feinen Kohlestift gezeichnet hat.
  • Liebe Enomis, Liebe Phreya
    Wohlbehalten bin ich drüben angekommen. Es geht mir gut. Jetzt geht es der Küste entlang bis ich bei meiner Freundin angekommen bin. Ich vermisse euch. Ihr könnt mich erreichen in dem ihr …

    In liebe eure Yasccara
Der folgenden Brief in einem verschlossenen Umschlag mit den Worten „AN: Jules VON: Yasccara“ wurde in einen weiteren Umschlag gesteckt der an Jean Laval adressiert war.
  • Werter Jules
    Ich weiss dass wir lange nicht geschrieben haben. Oder uns Gesprochen. Auch weiss ich nicht wo du dich zur Zeit aufhälst. Deswegen der Umweg über deinen Bruder Diese Worte deshalb merkwürdig sind. Doch schon mehrmals seit Beginn dieser für mich bisher grössten Reise musste ich an dich denken und hätte mir gewünscht dich als Unterstützung dabei zu haben.
    Sollte das Ganze nicht arg zu merkwürdig sein würde ich mich über eine Nachricht freuen.
    Diese erreicht mich über….

    *vor der Unterschrift wurde ein kurzes und ein längeres Wort übermalt* Yasccara
Nach Bajard ins Bankhaus, ab zu geben an den vor Jahren ausgemachten geheimen Namen und unterschrieben mit einem ebenso falschen Namen werden die folgenden Zeilen geschickt.
  • Liebe Tante
    Zu lange hab ich dir nicht geschrieben. Jetzt wo die Distanz noch grösser wurde durch eine wichtige Reise aufs Festland steigt auch das Bedürfnis dich wieder mal zu besuchen. Ich hoffe nach all der Zeit steht das Angebot noch und es gibt ein Plätzchen auf einem Bärenfell oder unter einem Bett für mich in deiner Umgebung.
    Zur Zeit erreicht mich Post bei....
Enomis Crain

Beitrag von Enomis Crain »

Lange stand sie noch am dunklen Hafen und sah dem Schiff nach, mit dem ihre Yassi von ihr weg fuhr. Seit jenem Abend, als der Ritter sie unter dem Arm geklemmt ins Haus brachte, waren sie nie getrennt. Auch als Tugor ohne Nachricht einfach aus ihrem Leben vershwand, Yassi blieb. Sie konnte das Glück ,das sie damals drüber verspürte, noch deutlich fühlen.
Und nun wurde sie erwachsen, es ließ sich weder verleugnen, noch beeinflussen .
Also stand sie stumm an die Laterne gelehnt, sah dem in der Dunkelheit verschwindenen Schiff lange nach und ging durch die dunkle, kalte Nacht nach Hause.
Dort setzte sie sich ans Feuer und fing den ersten Brief an:

Meine liebe Yassi, ich vermisse dich .......
Najar Ruver
Beiträge: 47
Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Beitrag von Najar Ruver »

bitte löschen, falscher Threat
Zuletzt geändert von Najar Ruver am Sonntag 28. Februar 2016, 20:29, insgesamt 2-mal geändert.
Yasccara Askar
Beiträge: 154
Registriert: Freitag 19. Mai 2006, 13:44

Beitrag von Yasccara Askar »

Eigentlich hatte sie erwartet dass sie sich am Zielhafen angekommen durchfragen müsse und dann zusammen mit ihrer alten Freundin in irgendeinem eher schmutzigen Hinterzimmer eine Taverne unterkommen würde. Fast ein wenig hatte sie sich darauf gefreut. Aber es kommt selten so wie man denkt und wenn doch, dann anders.

Das Schiff noch nicht richtig eingelaufen konnte sie die Familie die da Stand und winkte schon gut erkennen. Die Freundin, der sie einst aus dem Hunger geholfen hatte indem sie so einiges aus der Küche durchs Fenster verschwinden liess, war zu gesunder Grösse und Statur erwachsen. Der Mann mit dem Mädchen auf dem Arm neben ihr hätte wahrscheinlich weithin als gutaussehend gegolten.
Doch in dem Augenblick hatte Yasccara kaum ein Auge für ihre alte Freundin oder den hübschen jungen Mann. Ihr ganzes Augenmerk lag auf dem Mädchen. Man hätte meinen können sie entspringe direkt dem Porträt das Tugor früher auf gehangen hatte. Nein, noch viel mehr würde das blonde Mädchen, im erdbeerroten Kleid mit der Mütze in der gleichen Farbe und der Erdbeere bestickt, jeden der Yasccara vor rund Zehn Jahren gekannt hatte an eben diese erinnern.
Auch wenn es noch nicht richtig vertäut und der eigentliche Abstieg noch nicht frei sprang sie vom Schiff und zu ihrer Freundin aus alten Tagen. Herzlich war die Begrüssung von allen dreien und die Fragen der kleinen wollten nicht enden. Kaum einen Augenblick der Ruhe auf dem Weg zum Anwesen der Dreien. Er war offenbar ein Händler für aussergewöhnliche Waren und die beiden hatten sich kennen gelernt als sie die Bezahlung ausliess und den Schmuck, der auch die zukünftigen Hochzeitsdringe der beiden enthielt, fast unbemerkt mitnahm. So war das Haus auch eher prächtig, für Yasccaras Geschmack deutlich zu gross.

Angekommen warteten schon die ersten Briefe auf sie und Yasccara beging schon fast die Kraftausdrücke die sie auf dem Schiff gelernt hatte aus zu probieren als sie wegen der Kleinen, die sich nach den Geschichten die ihr ihre Mutter erzählte selber Lu nannte, inne hielt. Angeblich war ihr Schiff die schnellste Verbindung, doch wie kamen die Briefe dann vor ihr an? Aber zum Lesen kam sie noch nicht, fragte Lu doch unablässig nach ob das was ihre Mutter so alles erzählte wirklich geschehen sei und erst nachdem auch Yasccara ihr eine Geschichte erzählte schlief sie ein und Yasccara konnte nun ihrerseits endlich die Fragen stellen die sie erst überhaupt her geführt hatten. Wie sich heraus stellte wurden mehrere Ritter und Priester die dem lichten Pantheon anhingen weiter im Landesinnern in der Umgebung einer kleineren Stadt.
Für die Weiterreise am nächsten Tag war schon alles vorbereitet, Proviant, der Apfel- und Pfirsichfrei war, sowie eine Route die möglichst ohne Pferd auskam.

In Kinderzimmer bei Lu sich in die Nische legend, die einem Erdloch nachempfunden war und zum Spielzimmer der kleinen gehörte, öffnete Yasccara den Umschlag des ersten Briefes. Kraft aus den Worten schöpfend und sie sich einprägend wiederholte sie sie mehrmals und fragte sich dann leise selbst: „Ob Cara ein Stück weit wie ich ist?“. Noch halb in Gedanken wurde der zweite geöffnet und erstmal machte sich erstaunen breit in ihrem Gesicht. „Sie muss in dem Moment in Bajard gewesen sein und gleich geantwortet haben!“. Nach all der Abwesenheit ein so herzlicher Brief und die Aussage das sie auch bei ihr immer noch ein Plätzchen haben wird wo Yasccara willkommen wäre.
Den dritten in Händen wurde ihr Herz wieder schwerer, diese Schrift kannte sie. Mit jeder weiteren Zeile die sie las fühlte sie sich zweigeteilter. Einerseits die Liebe die sie so direkt spürte als würde Enomis den Arm wie so oft schon geschehen um sie legen, sie behüten. Auf der andern Seite eine Art Schuldgefühl. Hatte sie diesmal ihre Mutter verlassen, wie ihre Mütter sie viele male davor? Ein Heimweh verspürend wie sie es zuvor nie kannte schöpfte sie doch Kraft aus dem Brief. Kraft und Entschlossenheit dem Hinweis nach zu gehen und wohlbehalten zurück zu kehren.
Schon fast eingeschlafen, den Brief noch in der Hand, aus dem Halbschlaf aufschreckend drehte sie den Brief von Enomis mehrmals, suchte ihn ab, überprüfte den Umschlag, innen und aussen, ob nicht etwas hätte raus gefallen sein. Mit dem Gedanken „Hat sie es ihr verschwiegen?“ schlief sie dann doch ein und erst am nächsten Morgen noch vor dem erstrahlen des ersten Sonnenlichts verfasste sie einen Brief
  • Liebe Enomis,
    Ich bin angekommen und wurde gut aufgenommen. Es geht mir gut. Am Hinweis könnte wirklich etwas dran sein. Ob es mir morgen möglich ist einen Brief zu verfassen ist noch ungewiss, aber spätestens wenn ich aus dem gefährlichen Gebiet raus bin werde ich dir schreiben.
    Deine Yasccara
Jules Laval

Beitrag von Jules Laval »

Es ist nur ein unscheinbarer Bursche, lediglich ein junger, schlackisger Mann auf Botengang mit einer simplen Nachricht im Schöpfpapierkuvert. Keine Zierde klebt daran, kein Samtbändchen oder Seidenschlaufe. Selbst im Inneren des Kuverts befindet sich nur eine schlichte Nachricht, wenige Zeilen und das Ganze so voller Kleckse und verschmierter Wörter, dass man rasch daraus schlußfolgern kann, dass der Verfasser selbst nicht ganz sicher war, was er da auf die Botschaft bringen solle.

Dennoch wurde eben genau diese abgeschickt und durch den höchst gewöhnlichen Boten in die Ferne an ganz bestimmte Hände gegeben, aufdass ganz besondere Augen diese lesen und ein wacher Geist die Worte darin deuten und bewahren können soll.


Lieb Hochvere

Yasccara,

es tut mir leid, wirklich.
Leid, dass ich in den letzten Wochen selber so viel herumgestrolcht bin, dass wir - wie du richtig bemerkt hast - weder geschrieben, noch gesprochen haben.
Es tut mir leid ein wenig weh und beschämt mich, dass du deshalb nun ohne mich losziehen musstest, denn es wäre gleich gewesen wohin, ich wäre schon mitgekommen. Das klingt jetzt mehr wie hohles Geschwätz aber ich kann dir so etwas erst wieder beweisen, wenn ich dich sehe und dazu müsste ich wissen, wo du dich aufhältst.
Es besorgt mich, dass ich eben nicht weiß, was du vorhast.
Nun schreibe ich wie meine eigene Großmutter und ich weiß, dass du kein kleines Kind mehr bist. Das weiß ich wirklich. Aber ein Mädchen bist du und das ist keine Herabwürdigung, das ist die Wahrheit.

Du bist ein besonderes Mädchen um das ich mich vielleicht deshalb besonders sorge.

Wann immer du mich brauchst, sag bescheid wo ich dich finden kann. Ich hole dich auch mitten in der südlichen See auf der hinterletzten Palmeninsel ab. Habe gehört auf La Cabeza ist gerade große Schiffbauzeit angekündigt, ich könnte ja eines kapern. Nur vielleicht nicht mit dem Namen "Laval" auf den Lippen.

In L

Es grüßt dich,
dein Verehrer

Jules
Yasccara Askar
Beiträge: 154
Registriert: Freitag 19. Mai 2006, 13:44

Beitrag von Yasccara Askar »

Die Nacht war nicht allzu lang und die Reise danach eher beschwerlich wenn auch erstaunlich kurz. Die Siedlung unterhalb des Gebäudes was gleichermassen Kloster oder Burg hätte sein können war fast genauso mit Protz und Götzenbilder überschwemmt. Wie Yasccara erklärt wurde war dies ein Art Wallfahrtsort und seien da angeblich mehrere aus dem lichten Pantheon persönlich hier erschienen. Wenn man sich umsah wurde einem aber rasch bewusst dass der wirtschaftliche Faktor überhandgenommen hatte. Wurde doch allerhand Plunder als vermeintlich göttlich am Strassenrand verkauft.

In eine eher unscheinbare Taverne geführt und mit einem Geheimwort sowie einer nicht unbeträchtlichen Summe Gold das den Weg zum Wirt fand in ein Hinterzimmer gelassen sass sie nun da. Der Raum behagte ihr nicht, schien es kaum Ausweich- oder gar Fluchtmöglichkeit zu geben als die einzige und zudem recht massive Tür. Der Gang davor von Kerlen bewacht die den Anschein erweckten ohne viele Gewissensbisse auch ein junges Ding wie Yasccara tot irgendwo verschwinden zu lassen.

War das Ganze vielleicht ein Fehler gewesen? Nahe der Ecke hinter der Tür, nicht gleich zu sehen wenn man durch die Tür kam verharrte sie so eine ganze Weile, es erschien ihr wie Stunden. Der Blick starr auf die Tür, aufmerksam auf die Geräusche davor lauschend. Wie aus dem Nichts griffen sie zwei starke Arme von hinten. Einer Hand sofort über dem Mund war jeglicher versuch zu schreien der aufkeimte sofort erstickt. Mit dem andern Arm in die Luft gehoben gingen die Tritte gegen eine feste Rüstung, die jedoch merkwürdig dumpf klang. Das Herz schlug wild und es dauerte eine ganze Weile bis sie die automatische Gegenwehr aufgab. Die Stimme die dann leise an ihr Ohr drang war ruhig und tief, beängstigend ruhig.

„Wer bist du das du nach mir suchst?“

Den bedrohlich wirkenden Worten durch die Hand auf dem Mund nicht antworten könnend kommen nur erstickte Laute durch die Nase von ihr.

„Bist du ein braves Mädchen und bleibst ruhig wenn ich gleich die Hand löse?“

So gut es im festen Griff geht nickt sie rasch. Erst wieder auf den Boden runtergelassen dann die Hände langsam ganz gelöst von ihr reibt sie sich erst den leicht schmerzenden Mund, ja gar ein klein wenig Blut weg da wo die Lippe auf den recht spitzen Eckzahn gedrückt wurde, ehe sie sich ruckartig umdreht. Was ihr Blick innert kürzester Zeit erfasste lies ihre Gefühle tanzen und dann rasch abklingen. Die Rüstung die zuerst ins Auge stach zeigte das er wirklich ein von Alatar ausgewählter war. Das fehlende Haar auf dem Kopf passte genauso. Doch der Blick der ihr über der Maske entgegen kam änderte alles.

Zwei weitere Atemzüge später gelang es ihr endlich zu antworten:
„Du bist nicht der den ich suche!“

Auf die Aufforderung hin sich zu erklären zögerte Yasccara erst, begann verschleiert doch wurde immer wie klarer in der Beschreibung wen sie sucht und den Grund dafür. Auch wenn sie die Familie weniger betonte als die Gefahren in ihrem Heimatland durch Kriege mit den Ketzern.
Der Fremde lauschte den Erklärungen und noch vor dem Ende griff er in die Tasche, sprach drei Worte die sie erst erstarren liessen und warf dann etwas ihr vor die Füsse.

„Ahad Tugor Crain“

Der Blick war nur kurz dem Stück Papier gefolgt, doch als sie aufsah war nur noch die leere Ecke dort. Auf dem Papier war das schemenhafte Bild eines Mannes, das wenn man ihn kannte gut Tugor hätte sein können. Es fehlten fast nur die Küchlein in seiner Hand. Darunter stand Steckbriefartig:
  • Gesucht als Ketzer und Mörder
    Wer ihm Unterschlupf gewährt wird im gleichen Masse wie er bestraft!
    Hinweise die Temoras Streiter dienlich sind werden reich belohnt!
    Letzter Aufenthaltsort: Unbekannt
Das ganze gefolgt von ein paar eher schwammigen Beschreibungen wie der Gesuchte aus sehe und woran er zu erkennen sei.
Ihre Freundin endschuldigte sich am laufenden Band das niemand aufgetaucht sei als sie Yasccara wieder hinaus führte. Sowohl eine Leere als aber auch eine Erkenntnis erfüllten sie in dem Moment.
Vielleicht hatte sie nicht Gefunden weswegen sie her gekommen war und auch konnte sie den andern keine Erleichterung oder Informationen mit nach Hause bringen doch ganz anderes hatte sie gefunden oder wiedergefunden.

Lange dauerte die Rückreise zu Lu die mit ihrem Vater zuhause geblieben war und welche beide besorgt auf die Ausflügler warteten. Doch gab es ihr auch die Gelegenheit ihrer Freundin alles zu erklären. Da die Nacht schon fast wieder in den Morgen überging bei der Ankunft war die kleine natürlich längst eingeschlafen. Und auch er zog sich nach dem überreichen des letzten Briefes mit seiner Frau zurück.

Den Brief Zeile für Zeile durch gehend beging sie erst leise zu schluchzen, dann hemmungslos zu weinen bis sie leer war. Alle Briefe noch mehrmals lesend füllte sich dieses leere Gefühl rasch mit andern, warmen und geliebten Gefühlen. Sie war nicht allein! Nein sie hatte so viele Menschen! Familie im nahen wie im fernen Sinn. Freunde und … Jules! Die Verbindung die der Ring den sie Trug eventuell bedeuten würde machte ihr plötzlich keine Angst mehr. Ja war wenig was ihr in dem Augenblick noch Angst machen konnte!
Sie war kein kleines Mädchen mehr! Sie war etwas irgendwo zwischen grossem Mädchen und kleiner Frau oder einfach nur sie Selbst in all ihren Facetten!
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Gillean
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Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Gillean »

Er hatte erfahren, dass Yassi auf Reisen war, wenn auch nicht wirklich warum.

Sie war für ihn immer eine gute Freundin gewesen, hatte ihm viel beigebracht, besonders über die Dinge, mit denen die Großen nicht gerne mit den Kleinen sprachen.

Schon vor längerer Zeit hatte er bemerkt, dass sie sich verändert hatte. Er wusste nicht, worauf dies beruhte, dass sie ihm nun wie eine Fremde erschien, nicht mehr wie ein Kumpel, die sie früher war.

Er hatte erfahren, dass Yassi auf Reisen war -...
Würde sie wieder zurückkehren und wäre sie dieselbe, die sie einmal war?

Oft gingen dem kleinen Landsknips die Gedanken durch den Kopf, bevor er einschlief und fand keine Antwort darauf.
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Benjamin Acalon
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Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Beitrag von Benjamin Acalon »

Mit dem zusammen geknüllten Brief in der Hand stand ich dort, am Wasser und starrte auf das Meer hinaus.
War es verwunderlich, das Yassi ihren Vater suchen ging? Eigentlich nicht. Zumindest was das anging, konnte ich ihre Gefühle verstehen. Und ich würde wohl dasselbe tun.

Dass meine Beziehung zu dieser Familie kompliziert, oder komisch ist, war noch blumig formuliert. Trotzdem wehrte sich irgendwas in mir, Yassi zu enttäuschen, oder ihr so eine Bitte auszuschlagen. Sie soll wissen, dass ich da bin, wenn sie mich braucht.
Ich ging die paar Schritte in mein Haus und breitete ein sauberes Papier auf dem Tisch aus.

Liebe Yassi,
deiner Bitte komme ich natürlich nach. Außerdem weiß ich, dass du auf dich aufpassen kannst, aber trotzdem, sei vorsichtig.
Ein Lied auf dem Ohr zu haben ist nicht das schlechteste.

Ben
Jules Laval

Beitrag von Jules Laval »

Im Grunde hatte er genau gar keine Ahnung warum er an der Küste stand und wenn es schon die meerreiche Seite Rahals sein musste, warum dann nicht der halbwegs solide gebaute Steg am Pier, sondern die hinterletzte Ecke nach dem belebten, geschäftigen Gesumme des eigentlichen Hafenviertels. Dort, wo nur noch der dunkle Turm und der noch viel schwärzere Fels in den Himmel ragte, stand der zu groß geratene Bengel und ließ die nebelartigen Schlieren der Zwielichtstunde um seine Stiefel schleichen.

Der Schlaf war erst spät und dann nur nach ein paar kräftigen Schlucken Rum gekommen, doch leider waren auch die Träume, die danach folgten, alles Andere als süß und sanft. Wenn der Schlummer nicht einmal im Ansatz erholsam sein will, dann vergeudet man auch als junger Mensch seine Stunden ungern, indem man sich im Bett nur von der einen auf die andere Seite wirft. Als die Sterne draußen am Nachthimmel blasser wurden, hatte er sich von der Decke freigestrampelt und fahrig nach der Kleidung gehascht. Es war doch schon Zeit verfrüht aufzustehen und einen Spaziergang zu unternehmen, denn selbst im Hafenviertel Rahals ist die Morgenluft dank der Küstenlage klar und erfrischend. Vielleicht konnte jene die Schatten der Nachtmare verjagen?
Die Füße trugen ihn auf unterbewusst gewählten Pfaden, denn der Kopf arbeitete emsig und Grübelei führt selten dazu, dass man seine Wege noch vollkommen gezielt geht. Folglich war es vielleicht Schicksal oder Laune, dass er nun in dieser Ecke stand und nicht so wirklich wusste, was er dort sollte - oder was er überhaupt machen sollte!

Die Arme hatte er ob der Spätwinterkälte dann doch vor der Brust verschränkt. Lenzing am Ar... äh Hintern! Es war elendig kühl und die Pfützen auch jetzt noch gefroren, obwohl der Eisbruch vorbei sein sollte. Dennoch war es aushaltbar, wenn er ab und an das Gewicht verlagerte und so die Muskeln in den Beinen ein wenig erwärmte. Kleine Dampfwölkchen bildeten sich vor seinen Lippen und suchten den Weg in den kühlen Morgen, als wollten sie die Blicke des Burschen mit sich locken, doch jener hatte seinen Fokus auf die Ferne gerichtet und sah weder Atemhauch, noch Nebeltanz.

Seine Augen suchten die endlos erscheinende, schwarze Weite des Meeres ab, bis zu dem Punkt, an welchem diese mit dem dunkelgrauen Nachthimmel verschmolz. Er wusste nicht, was er dort suchte, was er dort zu sehen erhoffte aber für ein paar Momente ließ die innere Unruhe ein ganz klein wenig nach und die fiese Schuld drückte nicht ganz so sehr. Wie oft hatte er dem grausam nörgelnden Gewissen in den letzten Tagen gelauscht und ächzend realisiert, dass er schon einen Grund hatte, warum es diesmal so laut sprach:
"Du bist kein kleiner Junge mehr. Du hättest mal Verantwortung zeigen können. Du hättest dich KÜMMERN müssen. Man KÜMMERT sich um jene, die einem lieb sind - doch der feine Herr Jules musste durch die Weltgeschichte herumstrolchen. Was ist denn nun, wenn ihr etwas passiert? Hat dann der feine Herr Jules eine glorreiche Ausrede? Naaa?"

Er presste die Lippen zusammen, denn die Antworten darauf waren ernüchternd simpel. Er hatte, was Yasccara betraf, in den meisten Fällen keine Ausreden, keine Aufschneiderei und keine seiner sonstigen Masken parat. Das war schon immer so gewesen, nur war er sich nicht sicher, wann es dazu gekommen war, dass er auch plötzlich keinen Schutz mehr im Bezug auf das Mädchen mit den seltsamen Augen, die so viel mehr gesehen hatten, als mancher Erwachsene, finden konnte. Und noch bizarrer: Warum ihn diese Schutzlosigkeit kaum beunruhigte.
Vielleicht hatte er selbst die Saat gelegt, als er sie auf ihre Bitte hin ein zweites Mal gezeichnet hatte. Vermutlich war jene aufgekeimt, als sie nahe neben ihm beim Würfelspiel saß und er sich zum ersten Mal auf das Lächeln um die Mädchenlippen konzentriert hatte und bestimmt trug das Gefühl die ersten, zarten Blüten, als sie gemeinsam getanzt hatten und Emilie ihm den Ring mitgegeben hatte.
Viiiel zu früh, zu überrumpelnd, zu schmalzig sowas, gar nicht sein Stil und er wollte ihn schon ablehnend der Schwester zurückgeben, doch dann war da diese winzige Stimme im Hinterkopf:
"Aber willst du denn nicht sehen, wie sie reagieren würde? Wenn sie ihn nimmt, dann gut - wenn sie davonläuft eher weniger!"
Drauf eingelassen, Plan gefasst und doch hatte ihn der Mut verlassen, als sie zögerliche Schritte über die Tanzfläche gestolpert waren und er ihr direkt in das unbefangen fröhliche Gesicht sah. Heimlich wurde ihr der Ring zugesteckt, in die Tasche und in der Hoffnung, dass sie ihn fand, verstand und nicht wieder zurückgeben wollte. Irgendwann, so sein kleiner Schwur damals, würde er ihr erzählen, was er mit der Geste gemeint hatte und dass manche seiner großspurigen Worte durchaus ernst zu nehmen waren, kein Blendwerk. Nicht, im Bezug auf Yasccara.
Irgendwann...

Er begann zu blinzeln, als dort, wo die Augen gerade noch blicklich den Horizont im Grau abgetastet hatten, ein glühendes Licht auf dem Meer entstand und sich Millimeter um Millimeter aus diesem hinausschob.
Die Sonne tauchte das Meer in ein feuriges Flammenspiel, doch hatte es nichts Unberuhigendes. Im Gegenteil, es weckte Hoffnung im Herzen des Burschen namens Jules Laval - Hoffnung und ein wenig Zuversicht.
Manche Worte muss man einfach aussprechen, selbst wenn außer Felsen, Meer und Ferne niemand da ist um sie zu hören. Vielleicht, weil man bei sich irgendwo die verirrt-verträumt hofft, dass die Person in besagter Ferne sie hören könnte.

"Pass auf dich auf, komm sicher zurück und dann erkläre ich es dir.
Bald."
Yasccara Askar
Beiträge: 154
Registriert: Freitag 19. Mai 2006, 13:44

Beitrag von Yasccara Askar »

Wenn sie nicht sicher gewesen wäre das die dreie hier ihren Platz hatten und das es ihnen gut ginge hätte Yasccara sie bestimmt überreden versucht mit ihr mit zu kommen. Sie selbst konnte aber auch nicht hier bleiben, fern von Heimat, Familie und Freunden. Deshalb gönnte sie sich auch kaum Ruhe und der Abschied mit dem Versprechen den dreien zu Schreiben war schnell gekommen.

Jetzt Stand sie wieder an Deck eines Schiffes, die Briefe die sie hastig geschrieben hatte noch vor Abreise einem andern Schiff mit gegeben. Der Gedanke wer nun zuerst ankommen würde, sie oder die Briefe beschäftigte sie kaum und nur sie zu schreiben und los zu schicken waren von Bedeutung.

Zum Glück hatte sie den aufdringlichen Jungen vom Hafenmeister noch bemerkt der sich zu verstecken versuchte um als blinder Passagier mit ihr mit zu reisen. Weder sein Vater noch der Kapitän waren sonderlich erfreut und Yasccara tat es auch leid sollte er eine Strafe ertragen müssen aber die Verantwortung in ihrer Heimat für ihn übernehmen hätte sie nicht gekonnt, zu viel gab es da für sie zu tun.

Die Worte von Cara im einen Ohr und der klang einer Geige im andern, die Familie vor Augen und die Freunde im Kopf und nicht zu Letzt das Herz das alles zusammen zu halten schien, stand sie da und blickte auf die Lichter Bajards wie der Leuchtturm immer näher kam.

Zuhause!



Alle die ihr geschrieben hatten bekommen eine immer etwa ähnlich lautende Nachricht die sich in etwa so zusammenfassen lässt:
  • Wie dieser Brief den Weg zu dir sucht so suche auch ich meinen in Richtung Heimat. Wer von uns zuerst ankommt ist ungewiss doch wird diesem von Zuhause aus bestimmt weitere folgen. Der Wind ist unbeständig doch zwischen dem vierten am Abend spät und dem sechsten Lenzing werden wir wohl einlaufen.
Lucien de Mareaux

Beitrag von Lucien de Mareaux »

Irgendwann nahm ich mir die Zeit einmal, machte mich am späten Abend auf den Weg nach Düstersee, pingelig darauf achtend, dass mir keiner folgte auf dem Weg dorthin. Bestenfalls wollte ich auch keinem begegnen.
Etwas, das ein Leben lang begleitet hat, vergisst man nicht so leicht, so auch nicht erlerntes und überlebenswichtiges Wissen, wie unbemerkt und unerkannt zu bleiben auf den Wegen, die man so beschritt.

Götter, wenn eine falsche Person, zum Beispiel der ein oder andere aus dem Regiment, mitbekäme, wohin ich mich stahl und vor allem spitz bekam weshalb, ich würde mich mit Vorwürfen wie Verrat und ähnlich schwerwiegenden Dingen befassen müssen. Wenn es denn ganz dumm lief, waren wir am Ende ohne Obdach.
Gelinde gesagt war mir das der größte Ansporn nicht zu versagen in meinem kleinen stillen und klammheimlichen Vorhaben. Natürlich hatte ich meiner Frau gesagt, wohin ich ging, auch warum. Der Haussegen musste ja nicht gleich mitleiden.

Genau genommen folgte ich der Bitte eines heranwachsenden Sterns. Ich stahl mich nach Düstersee, stahl mich zwischen die Häuserschluchten hindurch und warf einen kleinen Strohstern in Yassis Briefkasten, selbst zusammen gezwirnt. Danach suchte ich mir eine dunkle Nische und spähte ins Fenster hinein.

Kaminfeuer brannte, ebenso einige Kerzen und Lampen, um den Raum zu erhellen. Sie saßen am Tisch und aßen gerade wohl zu Abend. Zu dritt. Alles schien soweit friedlich und in Ordnung. Ich verweilte eine ganze Zeit lang dort an meinem Plätzchen. Warm war es nicht draußen, aber ich hatte mich gut eingepackt und fror nicht. Nur die Füße wurden allmählich kalt, was dem Herumlungern geschuldet war, eine Sache, die alte Erinnerungen aufleben ließ.
Bevor ich mich allzu sehr ablenken ließ davon, stahl ich mich auch schon wieder davon. Ich hoffte, die Kleinigkeit war Yassi fürs Erste Hinweis genug. Die Zeit für einen kleinen Brief hatte ich nicht gefunden, da es zu viel zu tun gegeben hatte.

Immerhin konnte sie beruhigt sein. Es ging allen soweit gut, und ich hatte der Bitte Gehör geschenkt und war ihr nach meinen Möglichkeiten nachgekommen. Spärlich, um ehrlich zu sein. Aber Templer konnten von mir aus am Baum hängen, bestenfalls mit Strick um den Hals, und zu der kleinen Schwester von dem heranwachsenden Stern fand ich erstaunlicherweise keinerlei Bezug oder gar Sympathie. Frau Mama war eine Herzliche, durchaus, und ich unterhielt mich zuweilen auch gerne mal mit ihr, aber nicht heute. Nicht jetzt. Nicht derzeit.

Das war sicher nicht ihr verschuldet, sondern eher meinen Lebensumständen. Ich wollte es mir nicht versauen, nein, der eigenen Familie wollte ich es nicht verderben. Also sah ich zu, dass ich das westliche Reich möglichst bald wieder hinter mich ließ und atmete erst vor Bajard wieder auf.
„Alter Mann, die Zeiten sind wirklich vorbei… das ist viel zu viel Aufregung für dein greises Herz. Du solltest ernsthaft den Jungspunden sowas überlassen.“
Phreya Crain
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Registriert: Montag 4. Mai 2015, 08:51

Beitrag von Phreya Crain »

Wie oft war sie in den letzten Tagen morgens auf den Fellen
aufgewacht die sonst ihrer großen Schwester als Nachtstatt
dienten. Zuerst waren es die unberechenbaren Nachtfüße
gewesen, welche sie von ihrem Zimmer aus dorthin trugen,
später machte sie sich nach dem Gute-Nacht-Gebet vor ihrem
Altar, direkt auf den Weg in den Raum auf der anderen Seite
des Flurs.

Wenn Noma noch lange arbeiten musste, war es sonst immer
so beruhigend gewesen zu wissen, dass Yassi schon in ihrem
Nest lag, immer in ihrer Nähe und immer da um auf sie aufzupassen.
Jetzt war sie plötzlich weg, also so richtig nicht da.
Phreya hatte zwar schon früher bemerkt, dass sich ihre große
Schwester noch mehr als sonst aus gewissen Situationen
herauszog. Meistens hatte sie es auf die nicht gehaltenen
Nachmittagsschläfchen der Älteren geschoben, die häufig
genau dann müde wurde, wenn Phee nochmal ihre Reserven
bewies...
....aber nun war sie wirklich fort.
In ihrem Zimmer, zwischen ihren Kuscheltieren und Habseeligkeiten
zu schlafen, gab ihr zumindest einen Bruchteil der Sicherheit zurück,
die sie sonst in Yasccaras Beisein empfand und welche sie so gut
schlafen ließ.


Jede Nacht hielt eine Hand noch immer einen ihrer bunten Wachsstifte
umklammert, welche zwar zuhauf, die um sie herum verteilten
Zeichnungen und Schreibversuche verschönt hatten, aber offenbar
kein einziges zufriedenstellendes Ergebnis hinterlassen hatten,
dass es Phreya dazu gereichte dieses als Brief ihrer Schwester
zukommen zu lassen.

Es war jedes Mal das Portrait einer wiedererkennbaren crain-askarschen
Familie, die stets eine Mutter darstellten sowie zwei Mädchen
unterschiedlicher Größe, aber von der restlichen Besetzung her
variierten. Mal gab es einen Vater in Robe, mal einen mit einer
Rüstung und sogar ein Bildnis mit dem Templer auf Mutterseite und
Ritter auf Mädchenseite konnte man in dem Haufen an verworfenen
Versuchen finden.

Das war Phreyas Art mit der Abwesenheit ihrer großen Schwester umzugehen.


Als erste Reaktion auf den Abschiedsbrief maulte sie Noma einen
ganzen Tag lang die Ohren voll, dass Yasccara ohne sie doch nie
Tupa finden würde...
- immerhin war Yassi beim Verstecken spielen immer die am
schwersten zu findende gewesen
(welche oft schon in dem zu gut gewählten Unterschlupf döste)
und Phee diejenige, die am liebsten und energischsten suchte -
...doch half kein Argument das sie sich zurechtlegte über das Gefühl
hinweg, sie nicht unterstützen zu können und jedwede Enttäuschung
nicht mitgenommen worden zu sein, verflog über das Schwesterweh,
das große Vermissen, welches es ihr so schwer machte auch nur
einen ihrer Briefe zu vollenden.

So können auch noch so viele Tage verstrichen sein, ehe die Heimkehrerin beim Betreten ihres Zimmers eine
unter buntbemalten und beschriebenen Blättern vergrabene, mit nachdenklichen Farbtupfern im Gesicht versehene, auf
Schwesters Fellen eingerollte Phreya vorfindet, wie sie sich im Schlaf mit der freien Hand, an einen Bären in Feldarbeiteruniform klammert.
Zuletzt geändert von Phreya Crain am Samstag 5. März 2016, 03:29, insgesamt 1-mal geändert.
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