Der Brief war kurz gewesen, doch hatte sie sofort gewusst von wem er kam. Immerhin war es ein Antwortschreiben und worum es ging daher auch sofort klar. Vielleicht wäre ihr Entschluss vor einem oder zwei Mondläufen nicht so schnell gefasst gewesen, aber es fehlte etwas und das wurde immer deutlicher. Doch war das ganze wirklich für sie? Oder tat sie es für die Familie? Phreya suchte seit sie selbst gehen und sprechen konnte krampfhaft nach einem Ersatz, doch waren alle nicht das was sie suchte aber gar nicht richtig kannte. Auch Enomis fehlte etwas, das war ihr klar nicht erst seit dem Abend wo sie zusammen auf dem Boden ihres alten Hauses gesessen und geredet haben.
Ja, für die Familie. Die beiden hatten es verdient. Ausserdem wartete ja die Freundin im zweiten Hafen nach der grossen Überfahrt. Ooh die Überfahrt, viele kamen auf dem entgegen gesetzten Weg her oder gingen und viele von denen die gingen blieben verschwunden danach, doch Yasccara hatte diese weite Reise noch nie begangen. Sie war höchstens mal auf die Insel, oder eine der früheren Inseln gefahren, doch nie diese lange Überfahrt. Ihr Proviant war zum Glück nicht allzu experimentell.
Noch während der ersten Nacht nach dem Ablegen am Rahaler Hafen wurde ihr Herz immer wieder schwer. Viele waren den Weg gegangen und kamen nie zurück, aber sie hatte es den beiden versprochen. Enomis wiederholt und eindringlich, Phreya nur leise in deren Schlaf zuflüsternd und mit einem Kuss auf den grünen Schopf besiegelnd. Ausserdem hatte sie versprochen zu Schreiben.
Zum Glück hatte sie an die Lampe gedacht, so wurden die ersten Zeilen noch vor dem Ende der ersten Nacht verfasst.
- Liebe Enomis,
Ich werde mein Versprechen halten und heil wieder zu euch zurückkehren.
Ich wüsste nicht was ich ohne dich angefangen hätte. Du hast mir eine Zuhause geschaffen das nicht nur eine sichere Schlafmöglichkeit ist sondern ein Ort wo ich mich wohl fühle. Die Fahrt bisher ist erträglich, ein klein wenig fehlt mir aber schon der feste Boden.
Deine
- Liebe Phreya
Tut mir leid dass ich ging als du geschlafen hast. Es ist wichtig das ich die Reise mache.
Ich hab dich ausserordentlich lieb! Pass auf dich auf! Bin so schnell wie möglich zurück!
Deine
- Lieber Ben
Weil es ein Hinweis auf Tugor gibt bin ich nun in einem Schiff Richtung Festland.
Ich weiss dass du in letzter Zeit nicht viel bei uns warst und oft war es komisch, aber bitte halte mit ein Auge auf Phreya während ich nicht da bin. Den Geräuschen hier an Bord zuhörend kommt es mir manchmal fast so vor als würd ich dich spielen hören.
- Liebe Cara,
Ich bin nun tatsächlich dem Hinweis nachgegangen und auf dem Weg zum Festland. Es gibt nicht viel zu tun hier, ausser nach zu denken. So lang ist es her und doch kommt es mir fast wie gestern vor als wir uns das erste Mal vor dem Anwesen von Azu getroffen haben. Bestimmt wird mir was du mir beigebracht hast helfen heil wieder zu euch zurückkehren. Bitte pass ein wenig auf Phreya auf.
Deine
- Mein Stern
Die Sterne wandern weiter und auch Ich muss einen weiten Weg gehen. Doch wie man die Nacht kennt weiss man das sie wieder kommt. Unterdessen hoffe ich das ein besonderer Stern zwischen durch einen schützenden Blick auf zuhause gebliebene Wirbelwinde wirft.
Bis Bald